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QUELLEN
ZUR
SCHWEIZER GESCHICHTE
HERAÜSGEGEBEN
VON DER
ALLGEMEINEN GE SCH ICHT FOE SCH E N DE N GESELLSCHAFT
DER SCHWEIZ.
ERSTER BAND.
—
BASEL 1877.
Verlag von Felix Schneider.
(aDOI.P GEER1NG.)
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TIIÜRING FRICKARTS
TVV1NGHERRENST REIT
BENDICHT TSCHACHTLANS
BERNER CHRONIK
NEBST DEN ZUSÄTZEN DES DIEBOLD SCHILLING
HERADSGEGEBEN
VON
PROF. GOTTLIEB STUDER.
JOHANNIS GRUYERE
DESCRIPTIO BELLI ANNIS 1447 ET 1448 GESTI
HEKAUSGEGEBEN
VON
P. NICOLAUS BAEDLE.
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BASEL 1877.
Verlag von Felix Schneider.
(adole geering.)
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SEP 1093 kr &<n> t- ^SC1
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*
Vorwort.1)
1. Thüring Frickart oderFricker, wie er sich selbst
immer nennt und von seinen Zeitgenossen genannt wird,
geboren 1429, stand im Jahre 1470, als er die folgenden
Blätter aufzeichnete, in seinem 41. Lebensjahre und beklei-
dete seit einem Jahre das Amt eines bernischen Stadtschrei-
bers, in welchem er aber wol schon vorher als tiehillfe seines
Vaters Niclaus, der im Jahre 1440 von seiner Vaterstadt
Brugg in dies Amt nach Bern berufen worden war, gearbei-
tet hatte. Thüring führte den Titel eines Doctors der Rechte,
und Seckeimeister Fränkli nennt ihn (Seite 123) einen in
kaiserlichen Rechten gelehrten Mann.“ Seine Studien um-
faßten aber auch das geistliche Recht, was ihm auf einer Ge-
‘) Mit dem vorliegenden Bande wird die von unserer Gesellschaft in
der Sitzung vom 28. Sept. 1874 in Solothurn beschlossene Sammlung von
.Quellen zur Schweizer Geschichte“ eröffnet. Die Herausgabe von Quel-
lenmaterial war bisher theils im „Archiv für Schweizerische Geschichte“
erfolgt, welches außerdem zur Aufnahme von Abhandlungen der Mitglieder
diente, theils in einzelnen von der Gesellschaft veröffentlichten Chroniken-
bänden; jetzt soll dasselbe in einer eigenen Reihe von zusammenhängen-
den Bänden erscheinen. Im Aufträge des Gesellschaftsrathes stellte Professor
W. Vischer in Basel die Grundsätze, welche bei der Herausgabe dieser
Sammlung zu gelten haben, in einem kurzen Programme zusammen , das
sich als Anhang am Schlüsse unseres Bandes abgedrnckt findet. In die-
sem Bande selbst hat es noch nicht in allen Punkten durchgefuhrt werden
können, da derselbe zu der Zeit als es aufgestellt wurde, der Hauptsache
nach schon druckfertig vorlag.
ec:
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1(57561
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Vi Vorwort.
sandtschaftsreise nach Rom 1474 den Titel auch eines Doctor
Juris Canonici verschaffte.1) Veranlassung zu seiner Aufzeich-
nung gab ihm der 1470 zwischen der Bürgerschaft und den so-
genannten Twingherren ausgebrochene Streit über die Rechte
der Commune gegenüber den Vorrechten des Adels, ein Streit,
der zur Zeit der Erneuerung der Regierungsbehörden in den
Ostern 1470 durch die in damaliger Zeit unerhörte Wahl
des Metzgers und Venners Peter Kistlers zum Schultheißen von
Bern einen acuten Character anzunehmen drohte. „Damals, er-
zählt uns Frieker selbst (S. 81), hand sich vil ding, deren
ich wargnon, zütreit, das ich unfal under disers schifmans
regierung entsitzen: dardurch ich uff disen tag ver-
ursachet bin, dise klegliche histori anzüfahen,
wie sy von anfang iren Ursprung ghan, ufzezeich-
nen.“ Von diesem Tage an hat also Frieker seine Stellung als
Stadtschreiber dazu benutzt, Alles, was über diese Angelegen-
heit im kleinen und großen Rath verhandelt wurde, fleißig und
so wortgetreu als möglich aufzuschreiben ; was dem aber vor-
angegangen war, „wie sy (dise histori) von anfang iren Ur-
sprung ghan“), hat er aus guter Erinnerung seinen täglichen
Aufzeichnungen vorangesetzt. J) Vollendet und abgerundet hat
aber Frieker seine Relation nicht; wenigstens brechen auch
solche Handschriften, die den Text am weitesten fortführen,
alle mitten in einem Satze ab, und von einem vollständigeren
Manuscript, das etwa verloren gegangen wäre, hat sich durch-
aus keine Kunde erhalten.
Ueber Frickarts ferneren Lebenslauf, seine diplomatischen
Sendungen sowohl zum Pabst nach Rom (1474, 1475, 1483),
als zum römischen König nach Freiburg im Breisgau (1498),
seine Theilnahme an den Friedensverhandlungen mit Savoi
(1476) und mit König Maximilian (1499), seine Stellung im
Rath zu Bern, seine zweite Verheirathung in seinen letzten
Lebensjahren*), die er in seiner Vaterstadt Brugg in stiller
l) Anahelm I, 99 f.
*) S. 55: „Diß ist die summ siner (des seckelmeisters) red, sovil ich
han mögen behalten biß uff disen tag.“
Frieker war verheirathet mit Margaretha Sehad von Biberach;
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Vorwort.
VII
Zurückgezogenheit zubrachte und seinen im Jahre 1519 er-
folgten Tod berichtet Valerius Anshelm au verschiedenen
Orten seiner Chronik.1) Anshelm spricht immer mit Aner-
kennung von der Gelehrsamkeit Frickarts, hält ihn aber in
religiös-kirchlicher Beziehung für einen zwar andächtigen und
gutmeinenden, aber zu beginischen Legenden und Todten-
messen geneigten Mann (III, S. 443) J). Daß er von dem
astrologischen Aberglauben seiner Zeit nicht frei war, erhellt
aus den Aeußerungen, die er (S. 80) bei Gelegenheit von
Kistlers Schultheißenwahl nieder schrieb: „und als wir den
himmel erkundet, fundent wir böse, widerwertige Zeichen
nmb das gestirn diser statt, tröuwende unriiw und uffrfir.“
Diese am Alten hängende, streng conservative Richtung be-
herrscht auch seine politischen Ansichten und in seiner Dar-
stellung des Twingherrenstreites macht er daraus kein Hehl.
Sein Ideal ist der alte Seckeimeister Fränkli, dessen staats-
männische, geschäftskundige Reden, voll reicher historischer
und politischer Erfahrung, er trotz ihrer Weitschweifigkeit
unverkürzt mittheilt. Er nennt ilin (S. 55) den bernischen
Cato, seinen Gegner dagegen (S. 20) einen „frefnen Catili-
nam“, der „als ich förcht, zü grossem nachteil diser erlichen
statt Bern geboren sye.“ Mit Unrecht würde man aber vor-
aussetzen, daß diese seine unverholen ausgesprochene poli-
tische Parteinahme auch seine Darstellung des Streites selbst
beeinflußt, daß er etwa seinen Personen fingirte Reden in
von dieser Gattin hatte er keine Kinder; eine Stieftochter, Margaretha,
wurde die Mutter des berühmten Venners nnd Malers Niel. Manuel. Als
bald neunzigjähriger Greis heirathete er in Brugg seine Dienstmagd Anna
Bruggerin von Hornusaen, mit der er noch zwei Kinder, Elisabeth und
Hieronymus, zeugte.
«) Val. Anshelm, B. 1, S. 99, 123, 185, 205, 329, 349, 377; B. 2, S.
27, 122, 245, 263; B. 3, S. 30, 33, 286, 307, 356, -442, 450; B. 4, S. 6, 32,
205, 342, 409, 446; B. 5, S. 461.
*) Wenn aber von Grüneisen in seinem Leben des Niel. Manuel
(Stuttgart 1837 S. 78 ff.) sich erlaubt hat, auch den sittlichen Charak-
ter Th. Friekers anzutasten, so ist diese grundlose Verdächtigung gebüh“
rend zurückgewiesen worden in einem Programm der Berner Kantons-
schule von 1862, durch Rettig: üeber ein Wandgemälde von Niel. Manuel,
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vm
Vorwort.
den Mund gelegt, oder das, was sie gesprochen hatten, zu
ihren Gunsten oder Ungunsten verfälscht habe. Auch als
Erzähler bleibt er der gewissenhafte Stadtschreiber, der in
aller Treue protokollirt, was er gehört und gesehen hat, und
der es als eine Antastung seiner eifersüchtig gewahrten Amts-
ehre betrachtet hätte, wenn man voraussetzen würde, er habe
etwas anderes niedersehreiben können als MGHH. erkannt
und gesprochen hatten.1) Th. Fricker ist kein Kunsthistori-
ker, der Begebenheiten und handelnde Personen planmäßig
gruppirt und Farbe, Licht und Schatten zur Erreichung eines
bestimmten Effectes nach feiner Berechnung vertheilt, er ist
nicht Maler, sondern Photograph ; aber als solcher hat er der
vaterländischen Geschichtsforschung den Einblick in ein Stück
Zeitgeschichte eröffnet, wie ihn keine der gewöhnlichen Chro-
niken in ihrer einfach die Begebenheiten ohne ihre Motive
und ihren inneren Zusammenhang registrirenden Weise je
verschafft haben würden.2) Zwar fällen die Ereignisse, die
uns Frickart darstellt, nur in den Zeitraum eines einzigen
und nicht einmal vollen Jahres, aber freilich eines für die
innere Geschichte und Entwicklung des bernischen Freistaa-
tes hochwichtigen Jahrs. Der Principienkampf, der damals
in den bernischen Rathsstuben zwischen Adel und Bürger-
schaft entbrannt war, in welchem sich der erstere auf sein
historisches Recht, auf „Possess und Gewähr“ stützte, wäh-
rend die Bürgerschaft das Holieitsrecht des Staats gegen die
von jenem beanspruchte Ausnahmsstellung geltend machte,
führte zu Erörterungen, in welchen die Ueberzeugungen und
Vorurtheile, überhaupt die dem Geschichtsforscher meist ver-
borgenen innersten Triebfedern der handelnden Personen zuin
lebendigen Ausdruck kamen. Doch auch abgesehen von dem
Gegenstand des Streites, der eine neue Entwicklung des ber-'
*) Man vergleiche unten die merkwürdige Episode S. 34 ff.
*) Ich wüßte der Frickart’schen Schrift an historischer Wichtigkeit nichts
an die Seite zu setzen, als die in der Mitte des folgenden Jahrhunderts von
dem Chorschreiber Sam. Z ehender aufgezeichneten Verhandlungen des
bem. Raths über die Znrückerstattung der savoyischen Eroberungen, welche
Denkschrift der bem. histor. Verein in seinem Archiv 1803 veröffentlicht hat.
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Vorwort.
IX
nischen Staatsrechts vorbereiten sollte, verdienen die Perso-
nen, die uns Fricker in seiner Schrift aufführt, unsere volle
Aufmerksamkeit. Oder sind nicht die Männer, die hier gegen
ihre eigenen Mitbürger zum Schutze ihrer, wie sie glaubten,
wohlerworbenen Rechte in der Toga kämpfend auftreten, die
v.Diesbach, v. Bubenberg, v. Scharnachthai, v. Wabern u. s. w.,
meist dieselben, die einige Jahre später im siegreichen Kampf
gegen einen auswärtigen Feind von der Glorie des Kriegs-
ruhms umstrahlt als Retter des Vaterlandes so hoch geprie-
sen wurden? Wohlan, auch in jenem Kampf der Rathstube
erscheinen sie uns nach Frickarts Darstellung als Ritter und
wahre Noblemen, zwar voll stolzen Selbstgefühls im Hinblick
auf die Verdienste ihrer Voreltern und ihre eigenen, aber
trotz ihrer Erbitterung über den vermeintlichen Undank ihrer
Mitbürger, doch immer besonnen und sich selbst beherrschend
gegenüber plebejischer Grobheit und Leidenschaftlichkeit und
in stiller Verachtung des gemeinen Mistrauens und der
Verdächtigungen, womit man ihre Gesinnungen und Hand-
lungen verfolgte. Und so wird der Leser der Frickart-
schen Schrift, je mehr und eingehender er sich mit ihrem In-
halte beschäftigt, um so bereitwilliger anerkennen, daß ihr
Verfasser sich durch seine anspruchslose Aufzeichnung den
Dank der Nachwelt verdient habe ; und dieser Dank wird sich
unter anderrn auch darin bethätigen, daß man ihrem Ver-
ständniß, das der jetzigen Generation keineswegs so ganz nahe
liegt und namentlich in sprachlicher Beziehung mannigfache
Schwierigkeiten bietet, durch Herausgabe eines möglichst
treuen und fehlerfreien Textes nach besten Kräften zu Hülfe
komme. Oder ist vielleicht ein solches Unternehmen durch
die bisherigen Leistungen überflüssig gemacht?
2. Der Text von Frickarts Twingherrenstreit wurde zu-
erst abgedruckt im 3. Stück der Helvet. Bibliothek, im
Jahr 1735, aber vielfach verkürzt und verstümmelt) in Styl und
Sprache modernisirt und arg entstellt durch Misverständnisse
des Herausgebers und Druckfehler des Setzers. Hundert
Jahre später gab der verdienstvolle bernische Geschichts-
forscher E m a n. v. Rodt, auf Grundlage vollständigerer
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X
Vorwort.
und guter Handschriften, nicht sowohl den handschriftlichen
Text selbst, als eine Bearbeitung desselben in neuerer Sprache,
mit einer historischen Einleitung und erläuternden, theils
sprachlichen, theils historischen Anmerkungen heraus (Bern,
1837). Laut Vorrede S. VH. hat v. Rodt das von Haller
(Schweizer. Bibi. V nr. 194) ausgesprochene Bedauern, daß
der Herausgeber Frickarts in der Helvet. Bibliothek die alte
Orthographie der Handschriften nicht beibehalten habe, mit
Absicht unbeachtet gelassen, weil er das Interesse eines grös-
seren Publikums für seinen Autor eher zu gewinnen hoffte,
wenn er ihm das Verständniß desselben durch Weglassung
alles Veralteten möglichst erleichtern würde. Diese Rück-
sicht fällt, natürlich bei einer Ausgabe weg, die zunächst für
den auf (Quellenstudium angewiesenen Geschichtsforscher be-
stimmt ist, zumal bei einem Schriftsteller, der mündlich ge-
haltene Vorträge möglichst treu nachschrieb und daher häu-
fig Satzverbindungen hat, Uber deren Construction und Sinn
man nicht sogleich im Klaren ist und wo es daher gerathen
scheint, sie genau so wiederzugeben, wie sie von ihm aufge-
zeichnet sind. Von Rodt hat seinen Zwecken gemäß die
hieraus entstehenden Bedenken und Schwierigkeiten meist
durch eine eklektische Auswahl der Lesarten und Heraus-
greifen des am leichtesten Verständlichen umgangen und ver-
tuscht, dabei aber oft den wahren Sinn seines Schriftstellers
verfehlt. Dem Sprachforscher konnte es ferner nicht genü-
gen, wenn v. Rodt die veralteten Ausdrücke der Handschriften,
die er mit neueren vertauscht hatte, unter dem Texte ver-
einzelt aufführte, da dieselben nicht immer richtig erklärt
wurden und meist nur in ihrem Contexte gelesen den ihnen
jeweilen zukommenden Sinn deutlich und bestimmt zu er-
kennen geben.*)
*) Immerhin wird die v. Rodt’sche Ansgabe für solche, die aus der
Friekart’schen Schrift kein eigentliches Studium machen, eine höchst dan-
kenswerthe Gabe bleiben, und auch der gelehrte Leser wird aus den bei-
gefugten genealogischen und historischen Notizen, wofür nnsere Ausgabe
nicht hinlänglich Baum bot, vielfache Belehrnng und erwünschte Aufklä-
rung gewinnen.
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Vorwort
XI
Leider ist die Originalhandschrift Frickarts nicht mehr
aufzufinden; um nun dem doppelten Bedürfniß eines wis-
senschaftlichen Quellenstudiums und gelehrter Sprachfor-
schung zu entsprechen, blieb demnach nichts übrig, als
unter den uns erhaltenen Handschriften diejenige auszuwäh-
lcn und einer neuen Ausgabe zu Grunde zu legen, die dem
alten Schrift- und Sprachcharakter des Originals am näch-
sten zu kommen schien, aus den übrigen Handschriften aber
alle Abweichungen und Ergänzungen unter dem Texte bei-
zusetzen, welche, sei es wirkliche Verbesserungen, sei es Er-
läuterungen zu dem ausgewählten Texte zu enthalten schie-
nen. Enthielt eine dieser Varianten eine augenscheinliche
Verbesserung oder Vervollständigung des Textes, so wurde
sie im Text selbst in Klammern beigefügt. Die runde
Klammer gibt den muthinaßlich verwerflichen Text der
Handschrift, die darauffolgende eckige Klammer die vor-
zuziehende Lesart. — Das wechselseitige Verhältniß der be-
nutzten Handschriften, soviel mir derselben zu Gebote stan-
den, ist nun folgendes:
1) Zu Grunde gelegt wurde von den fünf Handschriften,
die sich auf der Berner Stadtbibliothek befinden , diejenige,
welche die Nummer H I, 40 trägt, eine Papierhandschrift von
1051 Blättern, die auf der ersten Seite den Herrn Franciscus
Ludovicus ab Erlach mit dem Motto: patiar ut potiar und
der Jahreszahl 1611, als früheren Besitzer bezeichnet. Der
Schriftcharakter ist sehr regelmäßig und sauber, ohne Ab-
kürzungen und leicht lesbar'): er zeigt unzweifelhaft dieselbe
Hand, von der die Bibliothek eine Abschrift der Schilling’-
schen Chronik vom Jahr 1623 besitzt (H I, 51) und als deren
Schreiber sich am Anfang und am Endo ein Joh. v. Scha-
len, Pfarrer an der Lenk im Simmenthal1), zu erkennen
') Dasselbe kann der Schrift Thüring Frickarts selbst nicht nachge-
rühmt werden. Was sich von seiner Hand in Kathsmanualen u. dgl. auf
dem bern. Staatsarchiv erhalten hat, ist äußerst plump nnd für die Angen
anstrengend, so daß, wenn er seine Denkschrift nicht dictirt, sondern eigen-
händig geschrieben hat, Abschreihefehler sehr entschuldbar erscheinen.
’) Die amtliche, sehr bewegte Laufbahn dieses v. Schalen läßt sich
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XII
Vorwort.
gibt. Die Form der Buchstaben, die Zeichen am Ende der
Sätze, die horizontalen Striche über den Zahlen der Pagina-
tur und des Textes sind in beiden Handschriften dieselben,
so daß an der Identität der Schreiber nicht zu zweifeln ist.
Franz Ludw. v. Erlach mag entweder als Freiherr v. Spiez,
während v. Schalen dort Pfarrer war (1609—1617), oder
schon früher in Burgdorf, woselbst von Erlach von 1604 bis
1610 das Schultheißenamt verwaltete, von Schälens Bekannt-
schaft und von seinem Schreibertalent Gebrauch gemafcht
haben. — Die Ueberschrift : „volgendt etliche Chronik-
würdige und denkwürdige Sachen“, zeigt, daß die
Schrift Frickarts nur den Anhang eines andern Werkes bil-
dete, welches von Schalen vorher abgeschrieben hatte und
von dem sie erst später getrennt und als besonderer Band
in Pergament gebunden wurde. Obschon nun diese Hand-
schrift an Alterthümlichkeit der Sprache und Orthographie
vor allen übrigen dem Original am nächsten zu stehen scheint,
so ist sie doch nicht durchgehends zuverläßig; sie enthält
durch Auslassung oder Misschreibung einzelner Wörter und
durch falsche Interpunktion hin und wieder ganz unverständ-
liche Stellen, und daher ist ihre Vergleichung mit andern
Handschriften, die nicht blos Copien eben dieser von Schalen-
schen Handschrift sind, sondern einen selbstständigen Text
enthalten, durchaus geboten. Die Orthographie ist im All-
gemeinen die des 15. und 16. Jahrhunderts, bleibt sich aber
nicht consequent. Man findet die in’s Absurde getriebene
Verdopplung derCo nsonanten, besonders der Schluß-
consonanten, neben der älteren, einfacheren Schreibweise,
z. B. unnd neben und, brieff neben brief, inn neben in
mit Hülfe des Lohnerschen Verzeichnisses der reform. Kirchen und
ihrer Vorsteher im Kanton Bern (S. 378, 257, 298, 393, 395, 450) von An-
fang an leicht verfolgen. Er tritt zuerst 1577 als Provisor in Burgdorf
anf, wird dann 1578 Helfer daselbst, 1583 Pfarrer in Trachselwald, 1586
entsetzt, 1591 Provisor der 5. Classe in Bern, 1592 Provisor in Burgdorf,
1596 latein. Provisor daselbst, 1598 Pfarrer in Hasli bei Burgdorf, 1609
Pfarrer in. Spiez, 1617 entsetzt, 1618 wieder Provisor in Burgdorf, 1620
Pfarrer an der Lenk, 1629 Pfarrer in Bätterkindsn, 1633 gestorben.
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Vorwort. XIII
ftir in und ihn, annder neben ander, straffen, an-
stan nd,verrüff neben der Schreibart mit einfachen Consonan-
ten. Die Dehnung derVocale wird bald durch Wiederho-
lung des Vocals (raat, saal, spaan, meeren, weeren),
bald durch ein beigesetztes h angezcigt (raht, rah tschlagen,
e hrlich). Die Aussprache des e als ä bezeichnet der Schreiber
durch zwei nebeneinander gesetzte Punkte über dem e (dem,
hette, gnedig). Daneben erscheint aber auch ä in räß,
hätte, geläsen, abträtind. Es wechseln in denselben
Wörtern f und v, wie folge und volge. Ebenso ist das
gedehnte i bald mit y, bald mit i geschrieben: erschynen,
derglychen, haryn neben harin u. s. w. Das schlies-
sende d ist zuweilen, wie denn Schlußconsouanten überhaupt
gerne verdoppelt werden, in dt verstärkt (urkundt, Bur-
gundt), doch nicht überall. Der Unterschied zwischen u, fl, ü
ist mit seltenen Ausnahmen festgehalten.
In unserer Ausgabe ist nun diese Inconseqaenz mög-
lichst vermieden und die ältere, einfachere Rechtschrei-
bung beibehalteu worden.1) Ebenso ist dem Verständniß
des Lesers bei den oft langgedehnten, durch vielfache
Parenthesen unterbrochenen oder anakoluthischen Construc-
tionen durch unsere jetzige Interpunktion zu Hülfe
gekommen. Die großen Anfangsbuchstaben endlich
sind nur bei Eigennamen von Personen und Orten ange-
wandt worden. Eine andere Abweichung von der Hand-
schrift, die sich der Herausgeber erlaubt hat, besteht darin,
daß er den, mit Ausnahme mehrfacher, oft ungeschickt genug
angebrachter Alinea’s, ohne Unterbrechung fortlaufenden Text
nach den Materien in sechs sich von selbst ergebende,
größere Abschnitte und diese wieder in kleinere
Paragraphen getheilt hat, wodurch das Lesen weniger
ermüdend und alllalliges Citiren einzelner Stellen erleichtert
zu werden schien. Die 109 Folioblätter des Manuscripts sind
>) ln den folgenden Publicationen ausTschach tlan nud Schilling,
deren Origiaalhandschriften noch vorhanden sind, glaubte man sich dagegen
mehr an die Orthographie der Verfasser anschließen za sollen.
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XIV
Vorwort.
jeweilen am Rande unserer Ausgabe als (Bl. 1. 2. u. s. w.)
in Klammern angemerkt. '*
2) Zur Vergleichung mit der von Schalschen Handschrift
bot sich zunächst die Abschrift des Hieronymus Stettier
von 1648, in unserer Ausgabe mit St. bezeichnet. Sie bildet
einen Theil des historischen Sammelbandes, der in der helvet.
Manuscriptensammlung der Berner Stadt-Bibliothek die Num-
mer H 1, 54 trägt und in meiner Ausgabe der Justinger’schen
Chronik S. VIII als Cod. B. näher beschrieben ist. Ihr Text
schließt sich genau an denjenigen des von Schalen an, ist
aber nicht zu Ende geschrieben, sondern bricht S. 159, Z. 12
unserer Ausgabe mitten in einem Satze ab. Uebrigens zeigt
der Text ganz denselben Charakter, der a. a. 0. an Stettler’s
Abschrift der Justinger'schcn Chronik nachgewiesen worden
ist, neuere Rechtschreibung, Vertauschen veralteter Ausdrücke
mit späteren, hin und wieder kleine Zusätze zur Erleichte-
rung des Verständnisses, größere Sorgfalt in der Interpunc-
tion. Doch stimmen seine abweichenden Lesarten auch oft
mit den Varianten der andern Handschriften gegen von
Schalen zusammen, und solche sind dann vorzugsweise un-
serem Texte untergesetzt, und, wo sie unbedenklich vorzu-
ziehen waren, auch wol in Klammern in denselben hinein"
gesetzt worden.
3) Eine zweite Handschrift der Stadtbibliothek (H. VIII,
61), in unserer Ausgabe mit G. bezeichnet, stammt aus der
Hand des fleißigen Dekans Joh. Rudolf Grüner von Burg-
dorf (f 1761), des Verfassers der Delicia; Urbis Benne, der
sie, wie der Titel sagt, „aus einem alten Exemplar“ abge-
schrieben hat. Auch dieses alte Exemplar war nicht voll-
ständig ; denn blos bis S. 174, Z. 16 unserer Ausgabe hat der
Text einen selbstständigen Charakter; von da an stimmt er
wörtlich mit dem schlechten verstümmelten Text der helvet.
Bibliothek, aus welchem Grüner, wie es scheint, das Fehlende
ergänzt hat.
Obgleich auch in dieser Abschrift Orthographie und
Sprache modernisirt sind und manche Abweichungen vom
Texte des v. Schalen auf bloßen Vermuthungen und Verbes-
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V urwort.
XV
serungsversuchen des Verfassers zu beruhen scheinen, so
kommen hinwiederum Varianten und Ergänzungen vor, die
einen theilweise correcteren und vollständigeren Text voraus-
setzen oder mindestens einen solchen, der nicht aus willkür-
lichen Aenderungen der Schreiber hervorgegangen sein kann,
da er schwieriger und weniger verständlich ist, als der auf-
genommene; man vergleiche z. B. die Noten zu S. 65, 9;
70, 20; 87, 28; 161, 28; 168, 4. Einige dieser Varianten sind
unbedenklich im Texte selbst der von Schalschen Lesart in
Klammern beigesetzt worden, besonders wenn sie noch von
anderer Seite Unterstützung fanden, andere blieben, aus viel-
leicht übertriebener Skrupulosität, in den Anmerkungen zurück.
In diese letzteren fanden aber mitunter auch solche Varian-
ten Aufnahme, die eine bloße Vertauschung veralteter und
daher schwer verständlicher Ausdrücke mit späteren, ge-
wöhnlicheren, enthielten und daher als eigentliche Glossen
dienen konnten.
Am Schlüsse seiner Abschrift hat Grüner noch folgendes
merkwürdige „memoire“ angehängt: „Schade ist, daß dise
„Histori so einsmahls abgeschnitten und die Continuatiori und
„der völlige Ausgang nirgends zu finden ist ohngeaeht alles
„fleißigen Nachfragens, obwol in des Schillings Chronik
„ein nachwährtiger Proceß mit den Edlen beschriben wird
„auß Anlaß einer Kleider Ordnung, den man disem anhencket,
„der doch mit disem Proceß gar keine Verwandschafft hat.
„Bas aber ist gewüß und merkwürdig, daß dise Histori noch
„heut zu Tag in frischer gedächtnuß und je mehr und mehr
„aufgewärmet wird, da die Jalousie zwischen dem Adel und
„der Burgerschafft noch allezeit ihre Hörner hervorschießen
„lasset, da einerseits der Adel den Seckeimeister Fränkli biß
„in Himmel erhebt und für einen streitenden Helden ltir ihre
„Parthey verehret, hingegen Andere den Schuldheißen Kistler
„als einen Mann, der für die Souveränetät des Standes Bern
„gesorget, für einen Heiligen und Märtyrer halten, und sieb
„kaum enthalten mögen zu ruffen : Sancte Kistlere ora pro
„nobis, vorgeltend, es habe der Adel Ihre habende Herr-
„schaffts Freyheiten allzuweit getribeu, und vergessen, daß
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XVI
Vorwort.
„sie in vorigen Zeiten Vasallen theils des Hauses Oesterreichs,
„theils der Landherren . und Graffen von Thun, Burgdorff,
„Zeringen, Lentzburg, Kyburg etc. gewesen; welcher Graffen
„Recht und Suveräuität und Landesherrlichkeit schon damahls
„in der Stadt Beru Händen durch Kauff und anderweiß ge-
„ wesen, und also der Adel mit Ihren Herrschafften nichts als
„Vasallen der Stadt Bern und deren Undeithanen mit glei-
chem Recht, mit dem sie zuvor den Graffen und Landes-
herren verbunden waren, gewesen seyen. Auch deutet der
„Adel dem Kistler sehr übel als einen Affront auß, daß er
„die Gesandten abgewieseu und ihre Mediation verworffen,
„den hingegen die andere Parthey Ihme dieses als ein rech-
„tes Meisterstück der Klugheit und der Staatsweißheit rühmet,
„da in der That durch solche Vermittlung der Stadt Bern ha-
„beude Recht und Freyheiten wurden auß von Ihme, Kistleren,
„allegirten Gründen in die Schanz geschlagen worden seyn.
„Dennoch ist nicht zu läugnen, daß der Adel der Burger-
„schafft großen Nutzen geschaffet, als die Ihr Haab und Gut
„in Gsandschafften, Reißzügen und anderen Stucken, sonder-
lich in dem Verdienst, den sie den Handwerksleuten ver-
schaffet, zu Hilff und Trost der Stadt Bern uffgewandt und
„bey allen Gelegenheiten der Stadt Bern groß Ehr angethan
„und sie in großes Ansechen bei Äußeren gebracht zu denen
„Zeiten, da die Stadt Bern noch gar ein schwaches serarium
„publicum gehabt und die Kosten unmüglich hätte erschwin-
„geu können. Doch sey fern von mir, daß ich mich unter-
stehen wollte, in solcher delicater Sach zu decidiren, solches
„Klügeren überlassend. Nur zu wünschen wäre, daß dise
„Jalousie dermahls eins erkalten und die von MGHH. und Obe-
„ren stabilierte Gleichheit unter der Burgerschafft zu völligem
„stand käme. Zu verwundern ist, daß weder Schilling,
„noch Stettier dise so delicaten Seiten zu berühren haben
„unterstehen dürfen in Ihren Chroniken, sonder lieber selbige
„mit Stillschweigen haben übergehen wollen, und der Stadt-
„schreiber Frickart einzig das Hertz gehabt, solche zu be-
schreiben.“
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Vorwort.
xvn
4) Eine dritte Handschrift (Bl.), die collationirt wurde,
ist aus dem Nachlaß des Dr. Karl Schnell von Burgdorf in
den Privatbesitz des Herrn Archivar Dr. Blösch gekommen.
Ursprünglich gehörte sie einem Franz Ludw. von Grafen-
ried, dessen Wappen mit der Devise „lucet et ardet“ und
den Initialen F. L. V. G. dem Ledereinbande mit Gold vorn
aufgedrückt ist. Sie ist ein in-4* ohne Paginatur und Jahres-
zahl und enthält beiläufig 280 Seiten. Der Schriftcharakter
ist etwa derjenige der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts,
aus welcher Periode Leu (Helv. Lex. IX, S. 90—94) vier
verschiedene von Grafenried mit den Voruamen Franz Lud-
wig anführt. Die versifizirte Ueberschrift lautet: „Spiegel —
darinnen wird erkent, wie ouch gutte Regiment mögen wer-
den zertrent.“ Daran schließen sich in lateinischer und
gereimter deutscher Uebersetzung die Abschieds worte des
sterbenden Cyrus an seine Söhne aus Xenophons Cyropädie
Vin, 7. Am Ende steht der ausgestrichene Namen des
Schreibers Samuel Thaletos in griechischer Schrift, womit
wahrscheinlich der gräcisirte Namen Samuel Grüner von
ddUio blühen, grünen, gemeint ist. Der Schriftcharakter ist
nicht schön, aber lesbar, und der Text hat vor den beiden
vorigen Handschriften voraus, daß er so weit geht, als sich
auch der Text bei v. Schalen erstreckt. Allein die vielen
Misschreibungen und Auslassungen zeugen von großer Nach-
läßigkeit, wo nicht Ungeschicklichkeit des Schreibers, der
unbekümmert um den Inhalt mechanisch abschrieb und sich
vor Fehlern nicht scheute, durch die eine Stelle geradezu un-
verständlich oder sinnlos wurde.’) In seinen Lesarten stimmt
er meist mit der Grunerschen Abschrift überein, ohne doch
überall dieser Textrecension zu folgen. Er mag daher dazu
dienen, in dieser letzteren die eigentlichen Varianten von
’) Als Beispiel möge die erste beste Stelle dienen, wie FoL 57: als
wyter mich myn hr. schaltheiß anzücht mir die änderun-
gen, so myn hh. von wegen irer hochen gerichten vor zyten
beschächen in den landgerichten, onch die Ordnung der
vennern zu er wollen was er sagen will, womit 8. 111, Z. IG f. un-
serer Ausgabe verglichen werden mag.
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XVIII
Vorwort.
Gruners selbstgemachten Aenderungen zu unterscheiden und
das Gewicht derselben zu unterstützen.
5) Die zwei noch übrigen Handschriften, welche die Ber-
ner Bibliothek besitzt (H I, 67 und H X, 121) geben nur den
verkürzten und arg entstellten Text, aus welchem der erste
Abdruck in der Helvet. Bibliothek geflossen ist. Wir fassen
sie nebst dem letzteren unter der Sigle II zusammen, können
ihnen aber einen nur sehr bedingten kritischen Werth bei-
legen.
Eine thcilweise Ausnahme von jenem Vorwurfe einer
willkürlichen und corrumpirenden Textbehandlung bildet die
zweite der soeben angeführten Handschriften, H X, 121. Die
Bibliothek erhielt sie aus dem handschriftlichen Nachlasse
des bernischen Geschichtschreibers Aut. Tillier. Sie besteht
eigentlich aus zwei verschiedenen Bestandtheilen. Eine ältere
Handschrift von bereits vergilbtem Papier und eigenthümli-
chem Schriftcharakter, deren Text mit demjenigen des von
Schalen verwandt war, hat sieh nur noch in den neun ersten
Blättern erhalten, und diese Blätter nebst einem vereinzelten,
das etwa das 12. oder 13. in der Reihe gewesen sein mochte,
sind von einer viel jüngeren Hand durch die Abschrift des
Textes der Helvet. Bibliothek ergänzt und das Ganze zu Einem
Quartbande zusammengebunden worden. Jenes ältere Bruch-
stück, in welchem zuerst der Versuch gemacht ist, den fort-
laufenden Text in Kapitel mit eigenen Ueberscliriften abzu-
theilen, ist in unserer Ausgabe mit der Sigle T bezeichnet.
Neben Willkür-Aenderungen und Vertauschungen veralteter
Ausdrücke mit erklärenden späteren bietet dasselbe einige
oigenthümliche Lesarten, die nicht unberücksichtigt bleiben
durften und es bedauern lassen, daß sich nicht ein Mehreres
aus dieser Handschrift erhalten hat.
3. Mit diesen Hülfsmitteln glauben wir nun einen dem
Original möglichst nahekommenden Text des Frickart herge-
stellt und damit zugleich eine sichere Basis gelegt zu haben,
von der aus der Exeget und Kritiker die noch einer Verbes-
serung oder näheren Erklärung bedürftigen Stellen in Arbeit
nehmen kann. Ich halte nämlich diese Aufgabe noch keines-
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Vorwort.
XIX
wegs für vollständig gelöst und abgeschlossen, wie denn die
Nachträge und Verbesserungen am Schlüsse dieses
Bandes zum Beweise dienen, wie dem Herausgeber selbst
noch während des Druckes über diese und jene dunkle
oder kritisch anstößige Stelle ein neues Licht aufgieng, und so
ist er überzeugt, daß die Männer der Forschung noch manche
ihm entgangene Verbesserung und Aufhellung nachholen
werden, wozu sie jetzt in der Sammlung von Varianten ein
willkommenes Material finden können.
An Thür. Frickart schließt sich in diesem ersten Bande
der „Quellen zur Schweizer-Geschichte“ die Berner Chronik
des Bend. Tschachtlan, soweit dieselbe nicht bloß Wie-
derholung, sondern Fortsetzung der Chronik Conr. Justingers
ist, und mit Ausschluß seiner Beschreibung des alten Zürich-
krieges, die er dem Hans Fründ abgeborgt hat. Da in
Tschachtlan auch der Vertrag aufgenommen ist, durch den
der Streit der Stadt Bern mit den Twingherren seinen Ab-
schluß fand, so gibt uns diese Chronik zugleich eine will-
kommene Ergänzung der unvollendet gebliebenen Frickart’-
schen Darstellung dieses Streites.
Die aus Tschachtlans Ueberarbeiter und Fortsetzer, Die-
bold Schilling, ausgehobenen Parallelabschnitte zu des
ersteren Chronik bringen in ihrer theilweise größeren Aus-
führlichkeit dazu nicht unwesentliche Zusätze und Erläute-
rungen. Ueber Beide siehe unten das Vorwort S. 191 ff.
Ein Glossar zu allen diesen drei Chronisten war hier
um so mehr Bedürfniß, als, namentlich bei Frickart, manche
der bemischen Rechts- und Gerichtssprache älterer Zeit an-
gehörige Ausdrücke Vorkommen, die dem heutigen Leser
fremd lauten und leicht zu Misverständnissen führen könn-
ten. Dem Sprachforscher aber wird mit dieser Darlegung
des Sprachschatzes einer bestimmten Zeitperiode aus einem
und demselben Orte um so mehr gedient sein, als er durch die
Hinweisung auf die Stellen, in welchen ein Ausdruck vor-
kommt, das Wort im Zusammenhang der Rede nachlesen
und um so besser die mitunter noch problematische Deutung
desselben controlliren kann. Wie schon bei Justinger, so ist
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XX
Vorwort.
mir bei Anfertigung auch dieses Glossars Hr. Prof. Tob ler
in Zürich in verdankenswerthester Bereitwilligkeit mit Rath
und That zur Seite gestanden.
So wie Justinger für seine Darstellung des Krieges zwi-
schen Freiburg und Bern von 1386 — 88 in den Aufzeichnungen
des sog. Anonymus Friburgensis eine ebenso nöthige,
als für die Wahrheit der Geschichte ersprießliche Controlle
fand, so Tschachtlan für den zweiten Freiburger Krieg von
1448 — 53 in dem Tagebuch des Johannes Gruyere. Ob-
sclion dasselbe bereits im 2. Band der Archives de la Sociötö
d’Histoire de Fribourg (S. 299 ff.) abgedruckt worden ist, so
schien es doch angemessen, dasselbe als Beilage zu Tschacht-
lan hier nochmals abzudrucken, damit der Geschichtsforscher
das erforderliche Quellenmaterial hier gleich beisammen finde.
Ich war nun so glücklich auf geschehene Anfrage hin den
Hrn. P. Nicol. Rädle in Freiburg, einen Mann, dem nicht
bald ein Anderer in gründlicher Kenntniß von Freiburgs
Land und Geschichte gleichkömmt, bereit zu finden, einen er-
neuten und verbesserten Abdruck dieser Memoiren des Frei-
burger Notars mit den wünschbaren Erläuterungen der darin
vorkommenden Ortsnamen gefälligst zu übernehmen.
Zum Schlüsse sei es mir erlaubt, Hrn. Prof. Dr. W. Vischer
in Basel für die unverdrossene Mühe, mit der er mir von
Anfang bis zu Ende in der, besonders in orthographischer
Beziehung, oft sehr schwierigen und zeitraubenden Correctur
beigestanden ist, meinen tiefgefühlten öffentlichen Dank aus-
zusprechen.
Bern, den 26. März 1877.
Dr. G. Studer.
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Inhaltsverzeichnis.
Scite
Vorwort ■ . , . . , . . ^ . . . ■ , . . . ^ ^ Y
Der Twingherren- .Streit von Thttring Frictart, herausgegehen durch
Frof. (i. Sturter . . . . . . . . * . , . . . , , * . . 1
Einleitung ■'!
' Text Ui
Berner Chronik 1 EM — 1 17!) von Fernlicht Tsrtinchtlan nebst, den Zu-
sätzen des Diebold Schilling, licrausgegeben durch Prof. G. Studer 1*0
Einleitung 101
Text IW
Johannis Gruyere narratio belli dneis Sabaudia*. et Bernensinm contra
Eriburgenses 1 117 — 1 j 1-S, herausgegeben durch 1‘. Nicolaus llädle :!!K>
Einleitung 3<>1
Text 304
Personen-, Orts- und .Sachregister 319
ftlossnr , . . . , . . , . . , 305
Nachträge und Verbesserungen 337
Anhang : Programm für die Herausgabe der Quellen zur Schweizer
(iesi hiclite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313
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Der Twinglierren-Streit
von
Thüring Frickart.
Quellen zur Schwcizcr-Geschichte. L
l
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Einleitung.
/jiiin besseren Verständniss der von Frickart aufgezeichneten
Rathsdebatten und der sich in denselben wechselseitig be-
kämpfenden Interessen des Adels und der Bürgerschaft schicken
wir eine flüchtige Skizze der Staats- und Rechtsgeschichte des
heimischen Gemeinwesens voraus, indem wir dieselbe bis auf
den Zeitpunkt hinabführen, wo die folgende Erzählung ihren
Anfang nimmt.
In dem Jahre 1470 umfasste das Gebiet der Stadt Bern
so ziemlich schon alle die Landestheile , welche gegenwärtig
den sogen, alten Canton bilden mit Einschluss des jetzt davon
getrennten Aargau. Davon war das Wenigste im Krieg durch
das Recht der Eroberung, das Meiste durch Kauf von den
früheren, durch üble Wirtschaft in drückende Geldnoth ge-
kommenen Herren erworben worden. Der erste friedliche
Erwerb der Stadt war die Stadt und Veste Laupen, welche
1325 von Perrod von Thum, Herrn zu Gestelen, um 3000 'ü
käuflich erstanden und dann 1339 gegen den Angriff des mit
dem östreichischen Freiburg verbündeten Adels in einem
glänzenden Siege behauptet wurde. Im Laufe des 14. Jahr-
hunderts wusste die Stadt die vorübergehende Anwesenheit
der deutschen Kaiser in ihren Mauern auf kluge Weise zu
Erweiterung der ihr bereits durch die kaiserliche Handveste
gewährleisteten Freiheiten zu benutzen. Denn der abstrakte
Begriff von Freiheit und Recht, für den man sich in unserer
Zeit begeistert, kommt in jenen älteren Zeiten sozusagen nie
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Einleitung.
in öffentlichen Urkunden oder bei Geschichtschreibern vor;
desto mehr ist die Rede von Freiheiten und Rechten in der
Mehrzahl, d. h. von Rechten, oder eigentlich Vorrechten, Pri-
vilegien, die sich das von den Kaisern gelegentlich begünstigte
Bürgerthum gegenüber dem auf das Herkommen gestützten
Feudalstaate zu verschaffen wusste. Da sparte denn auch
Bern bei dem jeweiligen Empfang und der Bewirthung seiner
Kaiser keine Kosten; denn jedesmal war die Folge davon eine
werthvolle Zugabe zu den schon früher erlangten Rechten
und Freiheiten. So hatte die Stadt schon 1293 von dem durch-
reisenden König Adolf das schätzbare Recht der Exemtion von
fremder Gerichtsbarkeit empfangen, und 1365 schenkte ihr
Kaiser Karl IV. bei einem ähnlichen Anlasse und für eine
Bewirthung, deren Auslagen auf 3000 % berechnet wurden,
das Recht des Blutbannes innert ihrem Bezirke, ferner das
Recht Reichspfandschaften auf sechs Meilen in die Runde ein-
zulösen und bis zu ihrer Wiederlösung inne zu haben; aber
diese Wiederlösung liess bei den bekannten trostlosen Zu-
ständen der Reichsschatzkammer für immer auf sich warten.
So wurden denn in der letzten Hälfte des 14. Jahrhunderts
von den ihrem öconomischen Ruin entgegengehenden Grafen
von Aarbeig, von Kyburg und ihren Ministerialen die Städte
Aarberg, Burgdorf und Thun mit den dazu gehörigen
Dörfern, die Landschaft Simmenthal und die Herrschaft
Sign au mit schweren Geldopfern erkauft, von den Herzogen
von Oestreich aber im Sempacherkriege die Städte Büren
und Nidau mit dem Schwerte erobert. Dazu kamen in den
drei ersten Decennien des 15. Jahrhunderts die Landschaft
Frutigen, das Amt Wangen mit Herzogenbu clisee,
Trachselwald, Oltigen, Schangnau und Aarwangen
kaufsweise an Bern. Doch der schönste Erwerb waren die
östreichischen Erblande im Aargau, die Bern in Folge der
Aufforderung des Constanzer Concils und des Kaisers Sigis-
mund 1415 von dem in Bann und Acht erklärten Herzog
Friedrich von Oestreich eroberte und über deren Besitz es
sich dann zwei Jahre später mit dem Kaiser, der an seiner
ersten Zusage zu mäkeln begann, durch ein Geldopfer von 5000
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Einleitung,
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Gulden in Minne vertrug. Alle diese Herrschaften waren in
den Besitz der Stadt unter der Bedingung übergegangen, „dass
dieselben die Rechte und Freiheiten, die sie früher genossen
hatten“, fortgeniessen, dagegen der Stadt alles dasjenige leisten
sollten, was sie ihrer früheren Herrschaft, in deren rechtliche
Stellung nun Bern getreten war, zu leisten schuldig gewesen
waren. Die Stadt übte demnach über diese Landestheile eine
unbestrittene landeshoheitliehe Gewalt aus.
Anders verhielt es sich dagegen mit demjenigen Landes-
theil, der sich von dem Stadtbezirk aus etwa sechs Stunden
in die Runde zu beiden Seiten der Aare rechts nach der
Emme, links nach der Sense hin erstreckt, dem sogenannten
Mittellande des Cantons. Neben dem bedeutenden Grund-
eigenthum, welches dem deutschen Ordenshaus zu Könitz
und Sumiswald, dem Johanniterorden zu Münchenbuchsee und
den Klöstern zu Rüggisberg, Frienisberg, Fraubrunnen,
Thorberg, Trub gehörte, befanden sich dort die Edelsitze und
Herrschaften einer ansehnlichen Zahl adelicher Grund- oder
Twingherren. Diese hatten seit den frühesten Zeiten das
Burgrecht der Stadt Bern angenommen, die Einen freiwillig,
die Andern gezwungener Weise, nachdem ihnen wegen ihrer
Feindschaft gegen die Stadt ihre Burgen gebrochen worden
waren, wie z. B. den Sennen von Miinsingen und Diesbach,
den Montenach von Belp, den Herren von Signau u. a. Durch
ihre Verburgrechtung mit der Stadt war ihnen gegen die
grösseren Dynasten von Kyburg und Oestreich, welche die
Schwäche der Reichsgewalt zu Erweiterung ihres Territorial-
besitzes benutzen wollten, oder auch gegen allfällige Meuterei
ihrer eigenen Unterthanen Schirm und Sicherheit zu Theil
geworden. Gerne überliess anfangs die Bürgerschaft diesen
öconomisch unabhängigen, durch Kriegserfahrung und admi-
nistrative Thätigkeit ausgezeichneten Männern die Führung
ihrer Gemeindeangelegenheiten und vertraute ihnen die da-
mals wenig einträglichen, aber mit vielfachen Opfern an Zeit
und Geld verbundenen höchsten Staatsämter an, damit sie
selbst desto ungestörter ihrem Beruf und täglichen Erwerb
leben könnte.
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Einleitung.
Indem sich so die Stadt diese adelichen Grundbesitzer
nebst ihren Hörigen und Leibeigenen zu einer Art von Schutz-
und Trutzbündniss verband, und zugleich die freien Landleute
dieses Landstrichs als sogenannte Ausbürger an ihre Inter-
essen fesselte, hatte sie den weiteren Vortheil erlangt, dass
das Gebiet jener Grundherren als ein Theil des Stadtgebietes
betrachtet werden konnte. Man nannte es „das Herz der
Stadt“, seine Bewohner kämpften in Kriegszeiten unter dem
Stadtbanner an Seite der Bürgerschaft, halfen durch die ihnen
von ihren Herren auferlegten Steuern das Stadtgebiet mit
jener bedeutenden Ländererwerbung vergrössern, und durch
Spanndienste und Führungen unterstützten sie die Erstellung
von öffentlichen Gebäuden, Strassen, Schwellen u. s. w.
Innerhalb der Grenzen ihres Grundbesitzes übten aber jene
Grundherren, oder, wie sie als Eigenthümer von Twing und
Bann insgemein genannt wurden, diese Twingherren eine
fast souveräne Gewalt aus. Wenn sie „die volle Herr-
schaft“, d. h. neben den niederen Gerichten, oder der
Civil- und Polizeigerichtsbarkeit, auch die hohen Gerichte,
den Blutbann und die Criminaljustiz besassen, so sprachen
sie vermittelst der von ihnen eingesetzten Gerichte unter dem
Vorsitz ihres Ammans Recht über Gut und Blut ihrer Uuter-
thanen, legten ausser ihren ordentlichen Gelällen an Zinsen,
Zehnten, Fastuachtshühnern, Bussgeldern und wie die ver-
schiedenen Abgaben alle Messen, in ausserordentlichen Fällen
Steuern auf, hoben in Kriegszeiten die wehrpflichtige Mann-
schaft zur Heeresfolge aus und hielten von Zeit zu Zeit über
dieselbe Musterung, was damals die Harnischschau genannt
wurde.
Dergleichen Herrschaften waren im nachherigen Land-
gerichte Konolfingen: Diesbach, Ilünigen, Kiesen, Münsingen,
Worb, Wyl, Wichtrach, Signau; im Landgericht Zollikofen:
Bremgarten, Reichenbach, Jegistorf, Hindelbank; im Landge-
richt Seftigen: Belp, Burgistein, Gerzensee, Kehrsatz, Riggis-
berg, Rümlingen, Seftigen, Toflen u. a. in. Viele, ja die mei-
sten der Geschlechter, welche in den ersten Zeiten der Stadt
im Besitz dieser Herrschaften gewesen waren, waren mit der
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Einleitung.
7
Zeit crlosclien ; aber durch Erbschaften, Heirathen oder Kauf
waren ihre Rechte und Ansprüche an Andere übergegangen,
lind wir finden im Laufe des 15. Jahrhunderts unter den
adelichen Geschlechtern Namen, deren Träger ursprünglich
dem Bürgerstande, oder selbst dem der freien Landleute an-
gehört hatten, wie die Hetzel, Matter, Brüggler, Spilman,
Zigerli, oder, wie sie sich nachher nannten, von Ringoltingen,
Wabern, Gurtenfrei, die infolge Adoption den Namen Lombach
angenommen hatten, und viele Andere.
Eine Beschränkung ihrer Gewalt, von der die Bewohner
der Städte durch ihre Handveste eximirt waren, fanden jene
Herrschaften ursprünglich an der Landgrafschaft, der ihre
Besitzer als Glieder des Reichs unterworfen waren. Der
Landgraf hatte als Reichsbeamter innert den Märchen seiner
Landgrafschaft für die öffentliche Sicherheit zu sorgen und an
den Landgerichten über Criminalfälle, wie Mord und Todschlag,
Diebstahl, Brandstiftung, Nothzucht und alle andern Frevel
zu richten, womit man den Leib verschuldet. Zur Beiwohnung
an diesen Landgerichten, sei es als Richter oder als Bei-
sitzer, waren alle freien Personen, die unter der Landgraf-
schaft Stauden, bei einer Busse von 3 '(& verpflichtet. Der
Landgraf hatte ausserdem das Recht auf die Hochwälder,
Fischenzen, Wassemmsen, den Wildbann und alles Maulveh,
d. h. auf alle Hausthiere, die auf Dienstmannsgut eingefangen
und während einer Zeit von 45 Tagen von dem Eigenthümer
nicht angesprochen worden waren. Die Landgrafschaft am
rechten Aarufer war seit dem Aussterben der Zähringer, d. h.
seit 1218, bei den Grafen von Buch egg, daun seit 1313 bei
den Grafen von Kyburg gewesen; die am linken Aarufer
verwalteten die Grafen von Neucnburg-Nydau. Diese letztere
kam 1389 durch Eroberung der Herrschaft Nydau an die Stadt
Bern; die ersterc wurde 1400 von den in Armiuth versunke-
nen Grafen von Kyburg käuflich erworben, und so war seit
dem Beginn des 15. Jahrhunderts die Stadt Bern durch diese
Erwerbung der landgräflichen Rechte in die Stellung der
Landeshoheit getreten, indem ihr nun an der Stelle der Land-
grafen im Namen des Reichs das Recht der hohen Gerichts-
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Einleitung.
barkeit, die Handhabung des Landfriedens oder der öffentlichen
Ruhe und Sicherheit und das Recht des Mannschaftsaufgebots
nebst allen oben genannten Rechten auf die Hochwälder, den
Wildbann, das Maulveh u. s. w. zukam. Sanctionirt wurden
alle diese Rechte durch die höchste Autorität des Reiches
selbst, durch den Kaiser Sigismund, der 1415 auf seiner Rück-
reise aus der Lombardei nach Bern kam, und, wie seine Vor-
fahren, auf das ehrenvollste und freigebigste empfangen und
beherbergt wurde. „Und als nu — erzählt Justinger (S. 220)
— der küng und der graf von Saföy von Bern geschieden,
da überslug man allen kosten der zerurig, der schmiden,
der sattlem, bi den schönen frowen im geslin, darzu daz
man an barem gelte gap des küngs amptlüten, nemlich sinen
pfiffern, trumpotern, türhütern, metzgern, köchen, daz bar
gelt gebürt sich in ein summe sechtzig schiitfranken, und
aller kost in ein summe gerechnot gebürte zwei thusent
pfuudt pfennigen: der koste beturte nieman — “ Und freilich
hatte man für die 2000 & Auslagen von dem Kaiser einen
Gnadenbrief eingetauscht, welcher die gehabten Unkosten mehr
als aufwog. In demselben verlieh nämlich Sigmund der Stadt
ausdrücklich das Recht: „alle diejenigen, die in der stadt
twing und bänne sitzen, ihre wun, weid und holz genieszen,
und frid, schirm und hilfe von ihr haben, zu des kaisers und
des h. reichs nutzen, sowie zu ihrer und der stadt notturft“
mit einer allgemeinen Steuer zu belegen, sie zur Heeresfolge
unter der Stadt Banner anzuhalten und zur Beiwohnung an
der Stadt hohen und Landgerichten zu verpflichten.
Es lag nun im natürlichen Interesse der Stadt, diese so-
wohl durch den Erwerb der beiden Landgrafschaften, als
durch die kaiserliche Autorisation erlangten Hoheitsrechte in
ihrem ganzen Gebiete zur Geltung zu bringen. Bei den schon
früher theils durch Kauf, theils durch Eroberung in ein Unter-
thanenverhältniss zur Stadt getretenen Landestheilen hatte
dies keine Schwierigkeit; sie hatten schon vorher in einem
solchen Verhältnisse gestanden und durch ihren Ucbergang
an Bern hatten sie nur Herrn gewechselt. Desto grössere
Hindernisse legten sich der Stadt zu Erreichung jenes Ziels
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Einleitung,
9
in denjenigen Bezirken in den Weg, welche früher zu den
beiden Landgrafschaften am rechten und linken Aarufer ge-
hört hatten. Dort befanden sich die zahlreichen Edelsitze
und Herrschaften jener Twingherren, die zwar alle nach und
nach das Burgrecht der Stadt angenommen, mit ihr Lieb und
Leid getragen hatten, von dem Zutrauen ihrer Mitbürger um-
geben im täglichen Rath und in den höchsten Staatsämtem
das Gemeinwesen mit Weisheit und Kraft geführt und zu
seinem immer steigenden Flor und Ansehen das Meiste bei-
getragen hatten, die aber auf ihrem Grund und Boden ihre
herrschaftlichen Rechte sich ungeschmälert erhalten und aus-
üben wollten. Viele unter ihnen, die auf eine sogenannte
volle Herrschaft Anspruch machten, hatten, sei es durch Con-
cession der Landgrafen, sei es durch Usurpation zu einer Zeit,
wo die alte Reichsverfassung sich immer mehr lockerte und
damit dem Streben des hohen und niederen Adels nach unbe-
schränktem Territorialbesitz Vorschub that, einzelne Theile
der landgräflichen Gewalt, wie namentlich den Blutbann, sich
zu eigen gemacht und waren keineswegs gewillt, diesen durch
die Länge der Zeit verjährten Besitz nun wieder an die Stadt
abzutreten. Als daher die Stadt die von ihr erworbene Lan-
deshoheit organisiren und in ihrem ganzen Gebiet eine ein-
heitliche Verwaltung einführen wollte, stiess sie überall in
diesen Gegenden auf einen entschiedenen Widerstand der
Twingherren.
Gleich nach dem Ankauf der Landgrafschaft am rechten
Aarufer wurde das Landgericht versammelt, über die Märchen
und Rechte derselben befragt und darüber eine umständliche
Bereinigung aufgenommen. Dasselbe geschah 1459 mit der
Landgrafschaft am linken Aarufer. Zur bequemeren Hand-
habung der der Stadt zuständigen Rechte und Nutzungen
wurde der ganze Bezirk in vier Landgerichte eingetheilt,
von welchen Konol fingen und Zollikofen am rechten,
Seftigen und Neuenegg, oder, wie es später hiess,
Sternenberg, am linken Aarufer lagen. Diese wurden der
Aufsicht und Verwaltung der vier Venner unterstellt. Zu
dem Amte eines Venners wurden anfänglich vier Mitglieder
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in
Einleitung.
des Ruths aus den vier Stadtvierteln gewählt. Allein im Laufe
des 15. Jahrhunderts hatte die Bürgerschaft, die bei der zu-
nehmenden Grösse und Bedeutung ihrer Suveränitätsrechte
es je länger, je weniger ertrug, dass alle hohen Staatsämter
im ausschliesslichen Besitz der adelichen Geschlechter sein
sollten, es durchgesetzt, dass die Wahlfähigkeit zum Venner-
amte an die vier Zünfte von Pfistern, Schmieden, Gerbern
und Metzgern gebunden sei, und von dieser Zeit an fand mit
den Landgerichten die Aenderung statt, dass jeweilen der
Venner von Pfistern die Gerichtsbarkeit des Landgerichtes Sef-
tigen, der von Schmieden die von Neuenegg, der Venner von
Gerberen die des Landgerichtes Zoliikofen und der von Metz-
gern die von Konolfingen verwalten sollte. Den Vennern
wurden ferner eigene Unterbeamte mit dem Namen Frci-
weibel untergeordnet, von denen einer in jedem Landge-
richtsbezirke eingesetzt und von dem Rathe aus der Zahl der
im Bezirke ansässigen Landleute erwählt ward.
Die erste Reibung mit den Twingherren scheint in den
Zwanzigerjahren des 15. Jahrhunderts stattgefunden zu haben,
wo die Stadt mit dem Alt-Schultheissen Peter von Krauch-
thal oder mit dessen gleichnamigem Sohne, Herrn zu Bümplitz
und Konolfingen, aus einer uns nicht näher bekannten Ver-
anlassung in Streit gerieth. Damals nun wurde ein erster
Versuch gemacht, die oberhoheitlichen Rechte der Stadt mit
den Ansprüchen der Herrschaftsherren auf illirnitirte Gewalt
in allen gerichtlichen, polizeilichen, finanziellen und militä-
rischen Angelegenheiten ihres Herrschaftsbezirkes auszu-
gleichen. Im Interesse einer Vereinfachung der sehr ver-
wickelten Verwaltung in den Landgerichten setzte man fünf
Artikel auf, zu deren Annahme sich die Herrschaftsherren
verstehen möchten. Sie betrafen das von der Stadt bean-
spruchte Recht, bei öffentlichen Bauten Führungen auszu-
schreiben, zu den Verhandlungen an den Landgerichten
die Aufforderung zum Besuch derselben zu verkündi-
gen und die Säumigen zu büsseu, in Kriegszeiteu ein all-
gemeines Aufgebot zu erlassen, und von Zeit zu Zeit
Musterungen oder Harnischschau abzuhalten, endlich zu
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Einleitung. 11
Bestreitung der öffentlichen Bedürfnisse und Auslagen Tellen
aufzulegen. Es lagen diese sämmtlichen Forderungen in den
Befugnissen der von der Stadt erworbenen landgrällielien
Gewalt, von der aber die Twingherren sich exirnirt glaubten,
indem sie behaupteten, das von ihren Vorfahren mit der Stadt
eingegangene Burgrecht verpflichte sie als eine Art von
Schutz- und Trutzbündniss lediglich zur Heeresfolge in Kriegs-
zeiten. Ausser diesem sogenannten Mannschaftsrecht hätte die
Stadt an ihre Herrschaftsleute keine Forderungen zu stellen,
es sei denn mit ihrer, der Oberherren, Zugestandniss und
Genehmigung.
Was war nun das Ergebniss jenes Ausgleichungsver-
suches? Einige fügten sich den Wünschen von llath und
Burgern und nahmen die fünf Artikel an; die Mehrzahl der
adelichen Geschlechter wiesen sie als einen Eingriff' in ihre
verbrieften Rechte kurzweg ab; und dabei hatte es sein Be-
wenden. Weder war man seines Rechtes so sicher, dass man
zu Zwangsmaassregeln rathen durfte, noch hätte inan die-
selben in den Rüthen, wo gerade die Geschlechter durch ihr
Ansehen und die höchsten Aemter, die sie bekleideten, den
grössten Einfluss hatten, durchgesetzt. Im Wesentlichen und
in der Sache selbst erlitt der Staat durch diesen Widerstand
keine Einbusse. Wenn Führungen zu leisten, Tellen aufzu-
legen, oder zu Feldzügen Mannschaft aufzubieten war, da
blieben die Twingherren nie im Rückstand, sofern sie darum
ersucht wurden; ja, sie setzten sich oft dem Unwillen und
der Meuterei ihrer eigenen Unterthanen aus, um den Bedürf-
nissen des Gemeinwesens zu genügen. Nur sollte man diese
Leistungen nicht als ein Recht von ihnen fordern und sie
dazu zwingen wollen, sondern freundlich darum angehen.
Dem klugen Benehmen und den Bitten des Seckeimeisters
Fränkli gelang es sogar, etwa dreissig Jahre vor Ausbruch
des Twingherreustreites eine Abgabe allgemein zu machen,
die bis dahin blos auf den Bewohnern des Stadtbezirkes, der
vier Kirchspiele Boiligen, Stettlen, Vechigen und Muri, die
gleich in den ersten Zeiten durch Kauf an die Stadt gekom-
men und unter Eine Gerichtsverwaltung mit ihr gestellt worden
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12
Einleitung.
waren, und auf den Gütern der Klöster, die der Stadt Schirm
genossen, gelastet hatte. Es war dies die im Jahr 1384 bei
einer tumultuarischen Regierungsänderung abgeschaffte, im
Jahr 1408 dann wieder, zunächst nur auf drei Jahre, einge-
führte, später aber ständig gewordene Abgabe des sogenannten
Böspfennigs, d. i. einer Auflage von einem Pfennig von
jeder Maass eingekellerten Weines.
Im Uebrigen war die öffentliche Verwaltung in den Land-
gerichten immer verwickelter und schwieriger geworden, so-
fern der Stadt in den verschiedenen Herrschaften, in den
einen mehr, in den andern weniger oder gar keine Rechte
eingeräumt worden waren. Daher liefen die Freiweibel,
wenn sie die Befehle und Verordnungen ihrer Obrigkeit ver-
künden und ausführen sollten, jeden Augenblick Gefahr, ihre
Competenz zu überschreiten, gegen diese oder jene Privilegien
der in ihrem Landgerichtsbezirk angesessenen Grundherren
zu verstossen und den Widerspruch oder thätlichen Wider-
stand ihrer Amtleute und Unterthanen hervorzurufen. In der
einen Herrschaft besass die Stadt die hohen Gerichte, in der
andern nicht, in dieser durfte sie Führungen befehlen, in
jener musste erst die Einwilligung des Grundherren dazu ein-
geholt werden und dieser liess dann die Sache durch seine
eigenen Leute besorgen. Sollte die städtische Polizei auf einen
politischer Umtriebe verdächtigen oder sonst übel beläumde-
ten Menschen fahnden, so musste dies je nach seinem wech-
selnden Aufenthaltsorte der oft sehr nachlässigen Ortspolizei
dieses oder jenes Twingherren überlassen werden , und ver-
suchte man es dennoch ihn nach der Stadt abzuführen, so
gab es in der betreffenden Herrschaft beinahe einen Aufruhr,
weil er seinem ordentlichen Richter entzogen und nicht in
den Schlossthurm ihres Oberherrn eingesperrt worden sei.
Oder wurde eine allgemeine Landesmusterung ausgeschrieben
und sollte sich die Mannschaft eines Landgerichts auf einem
gemeinsamen Sammelplatz einfinden, so liess der Herrschafts-
herr seine Leute nicht dahin ziehen, sondern vindicirte sich
das Recht, die Harnischschau in seinem eigenen Gebiete selbst
abzuhalten. Den Freiweibeln mussten daher eigene Instruc-
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Einleitung.
13
tionen in die Hände gegeben werden, wie weit die Competenz
eines jeden in dem von ihm zu verwaltenden Landgerichte
reiche, in welchen Theilen desselben er unbedingte Vollmacht
habe, im Namen der Stadt zu befehlen und zu richten, wo
dagegen dieselbe mehr oder weniger beschränkt und von
der Genehmigung der verschiedenen Grundherren abhängig sei.
Das Unbequeme und Verwickelte dieser Art von Regi-
ment wurde von demjenigen Theile der Bürgerschaft, der
von den Privilegien des Adels ausgeschlossen war, mit stei-
gendem Unwillen empfunden, zumal sich der Adel auch in
sozialer Beziehung, in Kleidung und Lebensweise, durch
Nachahmung fremder Sitten, immer mehr von seinen Mit-
bürgern abschloss. Man fing an, die rechtliche Grundlage
solcher Ausnahmsstellung je mehr und mehr in Zweifel zu
ziehen und für die Stadt kraft der von ihr erworbenen Land-
grafschaft und der Autorisation des Kaisers selbst eine abso-
lute oberhoheitliche Gewalt in Anspruch zu nehmen, der sich
jede privatrechtliche Stellung unterzuordneu habe. Allein ver-
schiedene Versuche, die namentlich unter der dreissigjährigen
Amtsführung des dem Adel nicht angehörendeu und den In-
teressen der Stadt mehr als den Privilegien der Geschlechter
zugewandten Schultheissen Rudolf Gräflin, genannt Hof-
meister, zu ihrer Einführung gemacht wurden, waren alle
bei der Hartnäckigkeit, womit die Twingherren ihre Rechte
behaupteten, erfolglos geblieben.
Da fand sich im Jahr 1470 unter der Bürgerschaft eiu
Mann, der den Muth hatte, „zu Ehren und Nutzen der Stadt“,
wie damals das Stichwort lautete, den Kampf mit den in Rath
und Aemtern allmächtigen Geschlechtern aufzunehmen. Es
war dies Peter Kistler, ein Mann bürgerlichen Herkom-
mens, seines Berufs eiu Metzger, von dessen Lebensumständen
wir fast nur seine politische Laufbahn kennen , von dessen
Charakter und Gesinnungen wir uns aber aus Frickarts Auf-
zeichnungen ein hinlänglich klares Bild entwerfen können.
Nach dem Zeugniss der sogenannten Regimentsbücher
war Kistler schon 1440 Mitglied des Grossen Raths, einer
Behörde, in welcher, wie es scheint, jeder Bürger, der einen
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Einleitung.
eigenen Hausstand gegründet hatte und zu Geschäften taug-
lich schien, gewählt wurde. Denn obgleich der Rath in der
Kanzleisprache den Namen der Zweihundert führte, sehen
wir doch im 15. Jahrhundert ihn meist aus 300 bis 330 Mit-
gliedern bestehen. Eilf Jahre später, 1451, wurde Kistler in
den Kleinen Rath gewählt und sofort zum Vogt nach Trach-
selwald ernannt. Aus dieser für einen Bürger aus dem Hand-
werksstande aussergewöhnlichen Beförderung in eine Behörde,
deren Mitglieder fast ausschliesslich dem Adelsstände ange-
hörten, lässt sich schon auf eiue besondere Tüchtigkeit des
Mannes und die Popularität, die er genoss, ein Rückschluss
machen. Fühlt sich doch sein erklärtester politischer Gegner,
Seckeimeister Fränkli, zu dem Gcstäudniss gedrungen, dass
Kistler, „wenn er allezeit seiner selbst wahrgenomnien und
bedacht hätte, wer er wäre, von wannen, was sein Stand und
Vermögen sei, und wenn er nicht so gar geldgierig gewesen
wäre, au Weisheit und Wohlredenheit den Preis vor allen
Bernern hätte.“ Wenn in diesen Worten die ungesuchte An-
erkennung seiner natürlichen Begabung durch den sittlichen
Vorwurf des Ehr- und Geldgeizes beschränkt wird, so mag
freilich das llrtheil Früukli’s durch das enge Standesvorur-
tlieil beeinflusst worden sein, wonach ein Mann, den der
Zufall in der bürgerlichen Sphäre geboren werden licss, sich
Uber diesen seinen Stand nicht erheben und nach Aemtern
und Würden streben solle, die zwar nicht die Landesverfas-
sung, aber alte Uebung und Gewohnheit als ein Anrecht der
öconomisch unabhängigen adelichen Geschlechter betrachten
liess. Allerdings kann ein solches Streben nach einer höheren
Stellung iin bürgerlichen Leben in den unedlen Motiven der
Selbstüberschätzung und des Ehigeizes seinen Ausgangspunkt
haben, es kann aber dabei auch der reinere Beweggrund mit-
wirken, einen für seine geistige Befähigung angemessenen
Wirkungskreis und damit Wege und Mittel zu finden, seine
mit dem Bestehenden in Widerspruch gerathenen besseren
Ueberzeugu ngen zur Geltung zu bringen.
Wenn Fränkli Kistlern weiterhin den Vorwurf macht:
„er habe von Jugend an den Namen gehabt, dass
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Einleitung.
15
er immer etwas Besonderes gewollt habe, und dass
ihm dies, wie er wol wisse, zu vielen Malen im Rath von
dem Schultheissen und den Vennern gesagt und vorgehalten
worden sei,“ oder, bei einer andern Gelegenheit: „dass er
nach seiner unruhigen Art und Natur stets neue Dinge
gesucht und allweg getrachtet habe , sich zu erheben mehr
als einem gemeinen Burger vonnöthen war“, so ist damit
die oppositionelle Stellung, die Kistler in öffentlichen Dingen
einnahm, hinlänglich gekennzeichnet; und eben diese, unter-
stützt durch eine natürliche Rednergabe, durch Gewandtheit
und rücksichtsloses Durchgreifen , scheint ihn bei der mit
der bestehenden Ordnung unzufriedenen Bürgerschaft, und
zunächst bei seinen Zunftgenossen, den Metzgern, so populär
gemacht zu haben, dass er im Jahr 1458, und zwar mit Zu-
rücksetzung eines von Speie hingen, der nach alter Uebung
die nächste Anwartschaft gehabt hätte, zum Venner der Metz-
gerzunft gewählt wurde, eine Würde, die, wie er selbst sagt,
seit Gründung der Stadt ihm erst als dem vierten aus dem
Handwerkerstände zu Theil wurde. Das Venncramt beklei-
dete Kistler durch jährliche Bestätigung fortwährend bis zum
Jahr 1470, wohnte drei bis vier eidgenössischen Tagsatzungen
bei, und machte im östreichischen Kriege des Jahres 14(38
unter dem Oberbefehl Adrians von Babenberg als Vcnner-
hauptmann auch den Feldzug in s Sundgau mit. Aber einigen
Stichelreden nach zu schliessen, die sowohl Bubenberg als
Fränkli in den Verhandlungen des Twingherrenstrcites fallen
lassen, scheint sein militärischer Muth im Felde seinem poli-
tischen Muth in der Zuuftstube und auf dem Rathhause nicht
ganz gleich gekommen zu sein.
Es war in den ersten Monaten des Jahres 1470, wo Kistler
nach einem wohlangelegten Plane, ohne sogleich seine eigene
Person bloszustellen , den Kampf mit den bis dahin jedem
Angriff trotzenden Vorrechten des Adels aufnalun. Ob ihn
das Drängen seiner Zunft- und Parteigenossen , deren Unzu-
friedenheit mit dem bisherigen öffentlichen Rechtszustande
vielleicht gerade damals ihren Siedepunkt erreicht hatte, dazu
trieb, oder die auf Ostern bevorstehende Sclniltheisscnwahl
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16
.Einleitung.
und die ihm in sichere Aussicht gestellte Ersteigung dieser
höchsten Staffel bürgerlichen Ehrgeizes, darüber haben wir
bei dem Mangel positiver Thatsachen nur Vermuthungen.
Zunächst ging sein Streben dahin, in dem Landgerichte Ko-
nolfingen, dessen Gerichtsverwaltung mit dem Venneramte
von Metzgern verbunden war, die oberhoheitlichen Rechte
der Stadt gegen die Privatrechte der darin angesessenen
Twingherren zur Anerkennung zu bringen. Dazu fand er in
seinem Freiweibel, dem noch jungen, kecken und übermüthi-
gen Gfeller von Möschberg, einen eben so willigen, als
brauchbaren und unerschrockenen Gehülfen. In den Befug-
nissen und Pflichten der landesgrätlichen Gewalt, die auf die
Stadt übeigegangen war, lag unter andern auch, für den
Landfrieden, d. h. für Erhaltung der öffentlichen Ruhe
und Sicherheit zu sorgen und die dawider Handelnden zu
bestrafen. Kraft dieser Verpflichtung war — wir wissen nicht
ob vor längerer oder kürzerer Zeit — eine obrigkeitliche Ver-
ordnung erlassen worden, wonach jeder Bruch des Land-
friedens mit einer Busse von 10 'ü bestraft werden sollte,
und die Amtleute der Regierung hatten, wie es scheint, den
Auftrag, bei Gelegenheiten, wo sich Leute in Massen zusam-
menfanden, bei Märkten, Kirchweihen, Hochzeiten u. dgl.,
diese Ordonnanz dem damals, wie heute, leicht erhitzten und
schlagfertigen Volke in Erinnerung zu bringen, oder, wie man
sich damals ausdrückte, den Unfrieden bei 10 Busse zu
verbieten. Doch scheint diese amtliche Verkündigung bisher
in den Landgerichten selten zur Ausübung gekommen zu
sein, da die Twingherren dieselbe als eines ihrer Herrschal'ta-
rechte für sich in Anspruch nahmen, sie durch ihre Ammän-
ner besorgen liessen und die für einen Friedensbruch von
ihren Gerichten auferlegte Busse selbst einzogen. Da trat einst
an einer Hochzeit, die zu Rychigen in der Herrschaft
Worb abgehalten wurde, unerwarteter Weise Gfeller, wahr-
scheinlich auf die geheime Weisung seines Venners, Peter
Kistlers, hin, in seiner Amtstracht vor den Hochzeitsgästen
auf und verbot im Namen der Stadt den Unfrieden. Der
anwesende Amman des Ritters und Alt-Schultheisseu Niklaus
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Einleitung.
1?
von Diesbach, Herrn zu Worb und Signau, sah dies, wie leicht
vorauszusehen, als einen Eingriff in die Rechte seines Herrn
und seine eigenen Amtspflichten an; es entstand ein Wort-
wechsel, der mit einer Prügelei endigte. Gfeller wurde vor
das Dorfgericht zu Worb geladen, und sowohl wegen unbe-
fugter Verkündigung des Unfriedens, als wegen des durch ihn
veranlassten Friedbruchs zu einer Busse von je 100 '& ver-
fällt, und zwar trotz seiner Appellation an den Rath von Bern,
in dessen Namen und Interesse er gehandelt habe. Denn eben
diese Appellation von dem Twingherrengericht an das Stadt-
gericht von Bern wurde von Herrn Niklaus, wenn auch nicht
absolut, doch in dem gegenwärtigen Falle als unzulässig be-
stritten, sofern der Rath von Bern so Richter in eigener
Sache sein würde. Um diesen Competenzstreit zu entscheiden
und wo möglich in Minne beizulegen, wurden beide Parteien
vor die Räthe beschieden und hier entwickelte sich nun aus
dieser scheinbar geringfügigen Veranlassung durch Kistlers
Umtriebe jener grossartige Prinzipienstreit, dessen Verlauf uns
Frickart in den folgenden Blättern erzählt, ohne ihn leider
bis zu seinem Abschluss zu verfolgen. Als Hauptgegner Bastlers
und als Vertreter der Interessen der Adelspartei tritt dabei
der greise und geschäftskundige Seckeimeister Fränkli
in den Vordergrund, der uns durch die ausführliche und treu-
herzige Schilderung, die er selbst uns von seiner politischen
Laufbahn gegeben hat, der Mühe überhebt, dieselbe mit in
diese Einleitung aufzunehmen. ')
') Man vergleiche hier die geistreiche Parallele der beiden Antagonisten,
welche unter der Aufschrift: „Venner Kistler und Seckeimeister Fränkli“
in den ersten Kümmern des Sonntagsblattes zum Bund von 1874 (von Dr.
Blösch) erschienen ist
Quellen zur Schweizer Geschichte. I.
2
Erklärung der Siglen.
Der Text selbst ist derjenige der Handschrift H. 1,40; sie war im
Besitz Frans Ludwigs von Erlach, ist geschrieben von Joh. von Schalen
und trägt die Jahr zahl 1610. — Verglichen sind folgende Handschriften:
St. ist die Handschrift des Hieron. Stet tier vom J. 1648 (H. 1, 64).
G. die Handschrift von Decan Grüner (H. VIII. 61).
Bl. die Handschrift im Besitz des Herrn Ihr. Blösch.
T. Fragment einer ältem Handschrift, welche mit einem jungem
Text ergänzt und zusammengebunden ist in einer Handschr. aus
dem Nachlasse des Herrn Tillier (H. X. 121).
H. der in der H elvetischen Bibliothek 1735 ab gedruckte verkürzte
Text, der sich »n den Handschriften H. X 121 und H. Z CT
findet.
S. über diese Handschriften das Vorwort.
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Erster Abschnitt
Streit mit Niolans von Dieaabach, Twingherrn zu Worb.
Die Stadt beansprucht dai Recht, kraft ihrer Oberhoheit in dem Ge-
biet der Twingherren bei Brut laufen [Hochzeiten] den Unfrieden
% zu verbieten und die Zuwiderhandelnden zu büeten.
fl.] Anfengklich ist der fryweibel Gfeller uß dem landt- [ld70]
gricht Konelfingen fllr min gnedigen herren kon und hat inen
anzeigt, wie vergangens monats uff einem brutlouf zfi Rychi-
nen er giiter meinung, von frid und röwen wegen und als
10 ein amptman miner gnedigen herren, und, als er meine, ime
allenthalben in dem laudtgricht und sonderlich, wo inen die
hohen gricht züghörend, wol anstande, den unfriden by 10
in miner gnedigen herren namen verröft habe, sye er zletst
von herr Niclausen von Dießbachs amptliiten gar ruch ze
io Worten gestossen, inmassen er mit dem am man von Worb
darumb in unfriden kommen sige. Und als nach etwas ver-
lilffnen stunden derselbig amman widerumb mit vil verecht-
lichen Worten an in käme und im anmütet, umb obgemelts
verrüfs willen zu dem rechten gan Worb zil vertrösten: und
*> do er sömlichs versagte und mit etwas tröuworten, als in be.
ducht, angrenzt wurde und sonderlich beduren gehept, das
nach miner gnedigen herren rif oder verbott derselbig am-
man einen andren rfif und verbott, das erst ouch by 10
23. T. Bl. rnff oder verbott 23. T. H. lassen da« erst aus; ff.: als das
erst (es war das erste Verbot, welches der Amman er Hess; denn vor des
Freiweibels Verruf hatte er keines erlassen, wie es seine. Amtspflicht er-
fordert hätte).
s
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20 I, 1. Klage dee Freiweibels G feli er vor Rath.
[WO] hat lassen ußgan, hat er zü dem amman gschlagen und in
verletzt; daruff er aber ersticht were, zü dem rechten gan
Worb zu geloben. Und als er vermeint, so Sich sömliche ding,
von miner gnedigen herren grechtigkeit zil beschützen, als
das sin eid wyse, ergangen werind, so sölte er niemant zum s
rechten stan dann vor minen gnedigen herren, und er nach-
mals uff siner straß durch Worb zum andren mal von deß
obgemelten von Dießbachs amptlüten ersucht und, wie vor,
verseit, wäre er zilletst, als er uß der statt von miner gne-
digen herren gescheiten wegen kommen, daselbs angefallen io
und in ein schwerre gfengknus gturt und durch kein erbit-
tung ußgelassen, biß er an eids statt gelobet, gan Worb
sich zü stellen, so es im verkündt, umb das verbott und ouch
den fridbruch zil Rychingen verhandlet [zü) verantworten.
Und nachdem er uff herrn Niclausen verkünden sich gestelt 15
und darum anklagt worden, habe er verdank begert zü ant-
worten biß uff nachvolgenden rechtstag, das im mit der ur-
teil vergönnet worden, habe doch einen bürgen geben müssen :
und so er nun sömlichs verbott habe in einer obristen herrschaft
namen und ouch in iren hohen grichten getan und sich nit 20
anders verstanden, dann dieselbige des wol macht und füg habe
als wol als die nideren herren, besonders so s y an sömlichen
notwendigen gebotten sümig werend, und ouch zu beschir-
men getrungen, den angriff uff herr Niclausen amptlüt ze
tün: hoffe harumb, das er gedachtem herren Niclausen umb *r>
dise händel nützit zü antworten habe; und so aber min gne-
digen herren vermeintend, das er hierinnen gefält, gloubc er
doch, ine niemants hierum zü straffen hätte, dann ir gnaden
als die hohen herren, und nit herr Niclaus: zog hiemit haryn
vil ursach , nit not zü melden. Uff disen tag hat leider der so
zangk und die Unzucht in dem rat von Bern ein anfang ge-
nommen durch disen frefnen Catilinam, als ich förcht zü
grossem nachteil diser erlichen statt Bern geboren sye; dann
4. T. von beschützung wegen miner gn. h. gerechtigkeit. 14. G. zu
antworten, Bl. z’verantworten. 24. Bl. zn beschirmung bringen (sinnlos:
das Particip getrungen lehnt sich noch an den Hauptsatz sömlichs verbott
getan ; zu beschirmen heisst s. v. a. aus Nothwehr). 31. G. in dem rechten.
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I, 2. Der Freiweibel Gfeller n. Niel. v. Diesbach vor Rath. 21
hieruß ein grosser span erwüchs. Ein teil gabend disem [1*10)
frefnen fryweibel treffenlichen unrecht, der ander teil aber,
deren haupt und anfenger Peter Kistler was, gabend im recht.
Iedoch zületst beschlossen ward, das man gan Worb schribe,
5 das sy in disem rechtshandel sich nit wyter beladen söltend,
dann min gnedigen herren habind denselbigen flir sy geschla-
gen, diewyl er syen ouch antreffen wolle, und werdint herr (Bl. 2)
Niclausen und den fryweibel früntlich mit einanderen be-
tragen, und das herr Niclaus beschriben werde uff nach vol-
le genden 8. tag, und der fryweibel uff den ouch erschyne.
[2.] Uff denselben tag, als der fryweibel in rat brüft ward,
hüb er an sin klag zü erzelleu, wie ouch vormals, aber mit
vil mer hochmüts und worten verfürt. Hat im herr Niclaus
geantwortet, und fiirnemlich sich sines gewalts, so von den
lsgraffen von Kyburg und nachwerts von einer löblichen statt
Bern in der herrschallt Worb nie gebrucht were, treffenliche
erklaget, ouch Ursachen und brüch von alter har erzeigt, die
unstendigen in gfengknus ze legen, habe den ouch nit be-
volen zü behendigen als einen amptman miner gnedigen her-
*> ren, aber als den hochmütigen Gfeller von Mörsperg, hette
ouch wol gmeint, min gnedigen herren hettend dem rechten
sinen gang gelassen, uff das kundtlich were worden, wer
recht oder unrecht hette: doch wer im wol zü wttssen, das
ir gnaden kein gfallens an sinem gwalt und ntlwen ftlnden
»hette, wiewol sy hettend gschriben , diser handel tröffe sy
ouch an, und möchte inen in der sach zü handlen wol ver-
truwen als den kundigen und denen in wtlssen were, was
und wie wyt in der herrschaft Worb und derglychen ime
züstünde zü beherrschen. Und als der güt ritter warten was,
ao das erkennt wurde, das dem fryweibel nit gebürte, obge-
melt verbott ußzerüffen, und das er im den fridbruch ab-
lege nach der Ordnung, ist zületst nach heftigem zangken umb
einen mann das mer worden, das die fryweibel sömlich rüf und
18. U. die ungehorsamen. T. deutet es die rechtwvchenden, was rich-
tiger ist als von Rodts Erklärung: die nicht in der herrschaft angesessen
waren. 28. T und Bl. inen,
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22
1, 3, Verhandlung vor Rath und Burger.
[lfJO] gebot in miner gnedigen herren hohen grichten wol m'gind
tön als die oberherren, und so kündig wurde das der fry-
weibel den fridbruch getan, stand es doch niemants in miner
heiTen landtschaft zö ine ze züchen, dann inen, so doch sölche
Ordnung und gebott von inen als einer obersten herrschaft 6
ußgangen were und nit von zwingherren. Nach welcher
Öffnung herr Niclaus ein grosses beturen hat und mit vil
mer Worten dann vormals erzeigt, wie er volle herrschaft zöWorb
hette, aber min herren ein gelümete rllty [gelimitirtej, und das in
etlichen Stuken, die er hiemit anzeiget : hätte sich ouch söm- to
lichs nit versehen; bat min herren, von diser irer fllrgenom-
nen meinung ze stan oder im einen tag ze setzen, sine brief
zö bringen und sy darus sines rechtens und herrlichkeit baß
zö berichten. Ist zö der frag kon und widerum vil sterker
gezangket dann vor und doch zöletst by dem ersten ratschlag is
gebliben. Und was die sag, Peter Kistler und der fryweibel
werend recht spießgsellen.
[3.J Als nun herr Niclaus sömlich erlüterung beschwert,
hat er für den grossen rat begert. Der ward im gehalten:
vor welichem er sich alda treflfeulichen ab des fry weibeis»
gwalt und nüwerung erklagt, sine brief erschwingt, zeigt an,
wie die herren von Kien under der herrschaft von Kyburg
gesessen, und wie sy in die statt gezogen, sich selbs mit iren
undertanen zö der statt getan, der statt die hohen gricht ge-
geben, uff das sy von desselben wegen schütz und hilf von *5
der statt bettend, und haben min gnedigen herren sich in
derselben herrschaft nit wyteren rechts underwunden, dann
so ein herrschaft inen einen Übeltäter zögschickt, denselben
zö richten und den undertanen zö der statt reisen gebieten:
demnach so spän und zangk zwüschen der herrschaft und *’
9. T. eine gelimitirte (beschränkte) herrschaft, nicht eine gelimitirte
urtheil, wie H. erklärt. 18. G. St. Bl. solcher erlüterung «ich beschwert
T. herm Niclansen sömlich erlüterung beschwert 21. St. sin brieff fürge-
wiesen, H. dargelegt; von Rodt deutet es anseinanderfalten , aber keine
dieser Erklärungen von erschwingen lässt sich etymologisch rechtfertigen,
dagegen T. Bl. erschynt (statt erscheint, von erscheinen, dem factitimm
t>. orsefaine»).
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I, 3. Verhandlnng vor Rath und Borger.
23
undertanen entstünden t, so habend s y darumb entscheidt [ttio]
genommen vor einem rat von Bern. Sin großvatter habe ouch
zürn ersten nachgelassen etlichen von im für den rat zü Bern
appellieren, er deßglychen habe es ouch niemants gewert.
s Und do Worb in das geschlecht Bürren sige kommen, do sige
kein anderer rechtshandel, dann so zwüschen den herren und
undertanen uffstündent, in die Btatt ye gezogen: es sig ouch (Bl. 3)
war, wann die statt vil zil iren büwen z ft füren gehept und
mine herren bericht, das die kilchspäl ire ztlg abgetriben
10 heftend, so habind sy von sim großvatter biß ietz uff in von
mund oder geschrift, die er wol zeigen wölle, sy ankert, das
man vergönne, der ganzen kilchöri zü gebieten zü füren. Wyter,
so von wegen der statt nöten sich selbs min herren und ouch
ire eigne herrschaften habend getAllet, haben obgemelt min
is herren alwegen in und ander zwingherren in landtgrichten,
ußenfür aber die herren von Spietz, von Landshüt, Brandis
und Oberhofen beschickt und inen der statt not fürgehalten
und sy hiemit ankert zü bewilligen, ein zimliche teil uff ire
undertanen zü legen, were ouch iren gnaden nie verseit und
*> demnach den kilchspälen nach ufgleit, und wie vil und un-
zal tüllen im vergangnen Zürichkrieg joch angelegt, so were
es doch anders nie gebrucht. Des bezügete er sich uff die
alten , die noch vorhanden werend : hiemit min gnedigen
herren erkennen möchtend an und Uber sin herrschaft Worb
äs nit wyter dann erlüteret, und das alles allein uß siner vor-
deren und vorfaren und siner bewilligung zü herrschen het-
tend : bat ir gnaden, by sinen briefen und siglen, harkommen
und possessionen zü handthaben und schirmen, wie er dann
inen das wol vertruwe, und das sy nit lichtlich dem hoch-
30 mütigen Gfeller oder andren wöltind oren geben, die lichtlich
anfahen möchtend, das ir gnad und hindersessen zü unrüw
körnend, wie dann ougenschynlich. In wölte ouch bedunken,
syt das sy die fryweibel ufgsetzt, minen herren im rat vil
mer arbeit und unrüw entstanden, denn das der statt vil
ss nutzes hieruß kommen were. Nach herr Niclausen treffen-
lichen reden ist min herr von Ringgeldingen angefragt, und
gevolget, biß uff Peter Kistler, den venner. Der ist by siner
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24 i) Neue Klage d. Freiweibels vor Katli u. Erwiderung d. Niel. v. Diesbacb.
[1470] vordrigen meinung gebliben, und alle die, so im die volg im
kleinen rat gemacht bettend. Und als demnach min herren
des grossen rats gefragt worden, ist ein sinnlicher ungstümer
span entstanden, das es mich wolt angseen, das uff den-
selben morgen ein statt und regiment von Bern zü boden gan 5
würde. Ist doch by langem und kum durch groß arbeit und
wyßheit der erlichen geschlechten, so zügegen warend, wie-
wol kündig und offenbar gnüg was, das der handel sy all
antreffen wolt, gestillet. Und als nun mann zü mann umbge-
fragt, ist umb vast wenig der ungefellig rat Peter Kistlers io
das mer worden. By welichem zü blyben in derselben stund
man sich bim geschwornen und ufghepten eidt hat verstrickt.
Und uff disen tag ist Peter Kistleren die tür uftan, das er
hat dürfen hoffen zü kommen, das im hernach ist gelungen.
[4.] Ungevarlich by 10 oder 12 tagen darnach ist der is
fryweibel für rat kon und anzeigt, wie er vergangnen tagen
min herrn schultheissen hette angsücht, wie sin handel gegen
herr Niclausen stünde. Dann sin weibel hiezwüschen gan
MArspurg zü sinem hus were gsin und im verkllndt, abermals
antwort zü Worb z’gän. Hette er im entscheidt, was min herren *o
klein und groß rat hatten abgraten, und als er daruf were
zü etlichen miner herren und venneren gangen, die hettend in
gheissen zü Worb nit erschynen, und solte rüwig sin, herr
Niclaus wurde in wol rüwig lassen. Denen er gevolget. Uff
IBI. 4) das so hettend herr Niclausen amptlüt diß tagen sinen *>
bürgen, so er anfangs des rechtshandeis müssen geben, an-
griffen und höüschind dem 100 '(£ umb den frevel des brut-
loufsverbott zü Rychingen beschechen, deßglychen 100 & umb
den fridbruch sampt einem costen, und als derselbig an einen
wären gezogen, were im kum uffschlag worden, und wurde»
in nun ynbringen, könnte er nit für, denn das er im hette
versprochen schadlos zü enthalten, und so fer herr Niclaus
30. 31. Bl. und wurde in bemüyen. 31. könnte er nit flir — wofür weiter
unten deutlicher er könnte nit fnrkon (zuvorkommen, verhindern, oder er
konnte es nicht anders thun), als <lass er (der Bürge) ihm (dem Wärm
Gewährsmann, Bückbiirgen), wenn er ihn beibringen sollte, hätte versprechen
müssen, ihn dafür schadlos zu halten, 32, St, ihn schadlos zu halten,
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1, 1 Neue Klage d. Freiweibels vor Rath n. Erwiderung d. Nicl.v. Diesbach. 25
im von minen herren nit abgnon wurde, könnte er nit [WO]
ab syn, denn das er sinen bürgen müste lösen. Er
hoffete aber sömliches bescheche one wüssen und willen herren
Niclausen, und were sinen amptlüten ouch nit erschynt rät
s und burger furtel]. Uff daß stflnd herr Niclaus uff und sprach:
es wäre war, das es also ergangen, wie der fryweibel hette
anzeigt, were ouch im bruch von yewelten in iren grichten
also zft procedieren gewäsen. So wäre diser handel gegen dem
fryweibel noch nit ußgemacht, wiewol er da gredt von
»o einer urteil, so min gnedigen herren rät und burger geben,
das aber nit were. Dann min herren, wie sy wol wüßtend,
hettend an das gricht gan Worb geschriben, diser handel
wölte ir gnaden antreflfen, und das sy still stündent; dann
sy wöltind in und den fryweibel gegen einandren vertragen,
ns Hieruf er beschriben und zilfriden, das min herren den han-
del erturtind. Und obwol er hette verhoffet, sonderlich so
sy sich hettend erbitteret das ir gnaden der handel antreflfe,
uff sin beger sine brief rechts und harkommen hettend ver-
nommen und erkundet : dargegen sy aber in yl, unbsinnt,
20 ungstüm, leider gnüg wider alten bruch, züfaren und dem
übermütigen fryweibel recht geben one allen ordenlichen
Spruch, und inen selbs vyl zügeignet, so sich aber baß ge-
bürt hette, diewyl sich mine herren in irem schryben erlüt-
teret hettend das die sach ir gnad ouch antreflfen wurde,
25 das es inen vor einem anderen ordenlichen riehter züge-
sprochen wurde; wiewol in das ser fröuwte, sy nit by iren
eiden an keinem ort harumb erkennt hettend, noch nach dem
■■ ■ ...... «
4. 5. St. O. recht und bürg. T. Bl. nit erschynt (d. i. kund gethan)
räht und burger urtel. In der folgenden Bede des Herrn Niclaus heisst es
ebenso : wiewol er da gerett von einer urteil , so m. g. hh. räth und bnrger
geben. 15. St. hieruff er beschriben (d. i. dazu sei er schriftlich aufgefordert
worden) und war zufrieden. H. hieruf er beschriben nnd dessen znfrideu
war, daß — 18. St. T. rechte, H. rechtes herkommen. 19. 20. dargegen sy —
zugfaren; so allein T., alle übrigen: dargegen so — zufaren, wodurch der
anakoluihische Satz noch verwirrter wird; der Nachsatz sollte lauten : so
fröuwte in doch das ser, daß. 27. H. daß sy hierum an keinem ort bey
ihren eiden erkennet hätten (d. : daß sie in Betreff dieses Handels tn
keinem Puidtte bei Eiden einen Entscheid gefasst hätten); noch — den
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26 I) 5. Gerichtsverhandlung in Worb. Der Freiweibel appellirt.
[/470] bruch den stab in die band genommen. Harumb der fryweibel
geirret, das einiche urteil harumb ergangen wäre. So wäre
er und ouch der frjweibel nit betragen worden, wie aber
miner herren gschrift gan Worb wyse, beschechen sölt; denn
der fryweibel vor dem grossen rat (als er aber wanndt) nit *
erschinnen, und wäre ouch nit gefragt noch zügemütet, sich
gegen dem fryweibel zü vernügen , als er noch nit vemügt
were; und vertruwete hiemit, min herren hettend im für sin
versprochen rächt und ouch verbürget recht nützit zü ver-
sperren. Denn wenn sy das tetend, so könte er nit fürkon, u>
denn das er Gott und der weit sömlichs müßte klagen, das
man gewaltigklich wölte sin alt harkommen und recht be-
schwechen. Uff sömlichs ward aber nach grossem span kum
darzü bracht, domit sich herr Niclaus nit gwalts möcht er-
klagen, das der fryweibel sölte zü Worb antworten, und u
welicher teil beschwert, der möcht, wie gebürlich, appellieren.
Uff den tag seit Peter Kistler den geschlechten, dise Sachen
wÖltind sy noch vil .antreffen, und das von wegen irer
herrschaften ; warumb sy nit abträtind, »wenn gegen herr
Niclausen wurde gehandlet? *>
[5.] Und als der fryweibel ist angelanget, das er habe
(Bl. 5) fürnemlich ein hoch verbott in der herrschaft Worb on em-
pfelch des herren öffentlich in einer anderen herrschaft namen
lassen vor einer grossen menge ußrüfen, und also dieselbe
herrschaft nit hette höher mögen verletzen : dargegen der fry- »
weibel darwandt: er hette sölches in keiner frömden herr-
schaft namen tan, sonders in miner gnedigen herren namen, so
die hohen gricht da hettend, und von wegen derselben wol macht
hettend, herr Niclaus aber das verneint, und sich das durch
brief und sigel, ouch lüt erbot zü erzeigen, ist nachwerts er-»
kennt, das herr Niclaus durch brief und sigel und ouch lüt
guügsam hette erzeigt, das dasselbig verbot niemants an
btab in die hand genommen , d. i. noch sich als richterliches Tribunal con-
stituirt hätten. S. v. Rodt t. der Stelle. Das Erster e war nun freilich t»
jener Rathssitzung geschehen, aber Hr. Niclaus hält sich an den Wortlaut
des ihm svgeschickten Schreibens, wonach die Entscheidung erst noch er-
folgen sollte. 16. St. beschwürt wäre (dafür unten; Bich beschwert funde).
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I, 6. Gerichtsverhandlung in Worb. Der Freiweibel appellirt 27
den orten züstönde ußzerfifen, denn einem herren zö Worb, [ifio]
noch von alter har von niemants anders nie geschehen were:
harumb so hette der fryweibel ein herrschaft da uff das
höchst verletzt, ward uff herr Niclausen anvorderong umb
* 100 & strafbar erkennt. Diser urteil begert der fryweibel für
min gnedigen herren ein appellatz. Darwider vermeint herr
Niclaus, nein! dann von alter har were wyter nit, dann von
einem gricht für den herren geappellieret; und obschon das
were iren etlichen by etlichen jaren nachglassen , so wir es
«darumb noch nit in gemeinem bruch oder recht kon, das
, darum sömlichs mengklicher sölte tön. Hinwiderum er ein be-
kantnus darwant, so im von minen gnedigen herren verlanget
so inhielt: das ietwederer teil, so sich beschwert funde,
die urteil wol möcht, wie gebürlich, appellieren. Harwider
15 herr Niclaus vermeint, der fryweibel hette nit sin eigne sach,
sonder ouch unser gnedigen herren sach, gehandlet, wie er das
in irem namen glimpf [undj füg hette ghan, so hetten ouch
dieselben anfangs an das gricht geschriben , das diser
handel ir gnad antreffen wurde: so nun der fryweibel, ja
*° ouch min gnedigen herren, das nit verneinen könnind, truwe er
nit, das für die sicher söllte geappellieret werden. Wurde
ouch dahin kein gebürliche appellatz niemer gsin, wie aber
das des fry weibeis bekanntnus inhielte, so nit vergeben
anzeigte : ein „gebürliche“ appellation. So were im ganzen Römi-
K sehen rych, und by dem keiser selbs, noch in keinem Christen-
lichen rych der bruch oder recht, das einer in siner eignen sach
richter were : er erkannte ouch unser gnedigen herren der wyß-
heit sin, das sy söliches ouch nit begertend, oder fümemmindt;
hettind darum nit vergebens den zösatz einer „gebürlichen“
x> appellation darzö tan. Ward also uff herr Niclausen rechtsatz
erkennt, das in diser sach der fryweibel kein appellation
sölte haben ftir unser gnedigen herren : dann so sy söcher werend,
möchte es kein gebürliche appellation sin. Diser urteil begert
8. St. T. an den herrn. 11. G. St. solches ein jeder sölte th. 12. ver-
langet in dem Sinne von: verabreicht , G. so zuvor m. g. h. verlanget.
17. T. G. St. und fug.
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28 Vor Bäth und Burger. Hr. v. Diesbach und Venner Kistler.
[/470] der fryweibel ein urkundt, und als der fryweibel mit disem
urkund vor rat erschein, ist von etlichen wild getoubet, und
hiemit herr Niclausen und dem fryweibel einen gschrift-
lichen tag für rät und burger verkündet. Peter Kistler hat
min herr schultheissen, ouch min und minen herren schult- s
heissen von Ringgeldingen geschmutzt: das in des frywei-
bels bekanntnus vergriffen, das er möchte appellieren, „wie
gebürlich“. Das hette er geraten und ouch die volg was.
Vermeint, es wurdint vil list gebracht herr Niclausen für zii
halten, wurde aber in die harr wenig bringen. »
[6.] Und als herr Niclaus uff gesatzten tag vor rat und
den 200 erschinnen und des fryweibels bekanntnus von minen
(Bl. 6) herren des rechtens, und des urkund von dem gricht von Worb
geläsen, und aber Peter Kistler den venner dücht, min her
schultheis hette mit herr Niclausen nit wie gebürlich oder u
rdß gnüg gredt, und hat er die red genommen, und herr
Niclausen gefragt: warumb er die appellation dem fryweibel
für min gnedigen herren nit hette wöllen lassen ervolgen, so aber
miner herren meinung gsin ? Daruf herr Niclaus : das hette er
wol im urkund verstanden, das es aber miner herren meinung so
gsin, könne er nit glouben. Kistler: warumb? Niclaus: da-
rumb, das sy im handel sächer wärind. Kistler: ob er min
gnedigen herren für sächer hielte? Niclaus: ja. Kistler: wa-
rumb? Niclaus: dasir gnad anfängklich das an das gricht gan
Worb gesehriben, diser handel wöllte sy antreffen, und harumb 15
heissen ufhalten den zii betragen; und hottend ouch ir gnaden
darnach geantwortet, das inen von iren hohen grichten wegen in
3. ff. St. ein gschrifftlicher. 5. St. Hr. Schulth. von Scharnachthai,
onch mich, Thüring Fricker, den stattschryber. 7. T. ff. St. begriffen.
8. U. das hätte er nicht geraten, sey onch die folge nicht gsin (die übrigen
Handschr., Kelche die Negation nicht lesen, setzen nicht den P. Kistler,
sondern den Schultheissen als Subject voraus ). 11. uff gesatzten tag — bei
diesen Worten bricht die Handschrift H. ab. 12. 13. Bl. T. von minen hh.
des raths und das urk. — beides verlangt der Zusammenhang, wiewol
H. I, 40 erst des rats geschrieben, dies aber durchstrichen und dafür des
rächtens geschrieben hat. Derselbe Schreibfehler kommt unten noch einmal
vor. 16. St- also hat er d. r. g.
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I, 6. Vor Räth nnd Borger. Br. v. Diesbach nnd Vetmer Kittier. 29
siner herrschaflt wol gebürte, sömliche verbott ze tön, ouch die [WO]
fridenbrüch und die straff der übertrüttungen ynzüziehen, und
nit im, nach inhalt einer Ordnung von inen darumb ußgegangen.
So hette zületst der fryweibel am rechten miner lierren recht
5 wider in mer dann sinen fäler vertädiget. Kistler: nun erkann-
ten min gnedigen herren kein oberkeit uff ertrich, dann einen
Römischen könig oder keiser; wohin er denn wölte appellieren?
er hette da nüt wider die appellation gredt, do min herren die ret
hettendt erkennt. Niclaus: ja, wider ein gebürliche. Kistler:
10 die wörtli werend fündli, werend ouch wol rermitten bliben zö
schryben , wie ouch etliche wort im briefgan Worb; und wa-
rumb es aber für min gnedigen herren nit söllte ein gebürliche
appellation sin? Niclaus: das hette er hievor ouch in des
fry weibeis urkundt wol mögen verstan; er achtete ouch, das
is da miner herren keiner gegenwürtig were, so da wurde in
siner conscienz bekennen, das min gnedigen herren als sicher
ouch richter möchtind sin, es were eben denn Peter Kistler,
der v&nner. Peter Kistler: so nun min herren kein ober-
keit erkanntind, wohin er denn mit siner gebürlichea appel-
*» lation wölte? Niclaus: er, der venner, hette doch vorhin gseit,
ein Römischer könig oder keiser were ir oberer? Kistler: so
vermeinte er hiemit, das für den keiser dise appellation sollte
kommen? so wurde der keiser vil z’schaffen gwinnen. Niclaus:
es mag mengklicher, so under dem Römischen rych sitzt, es
*5sigend fürsten-, herren-, stett-undertanen, oder deß keisers
und königs selber, wider den keiser und könig und ire her-
ren zfi recht kommen ; desglychen die fürsten und stett ouch
wider den keiser, so sy’s bedörfend, und were ouch kein
tag, denn das der keiser oder könig an keiserlichem gricht
so vil rcchtshendel verlurind , wie das min herren zügegen wol
wüssindt; deßglychen were by unseren nachpuren, den Wel-
schen ; da verlure der herzog von Burgundt gegen sinen under-
8. St H. doch nüt. 9. O. St die red (reed) ; H. die räth sie hätten
erk. Bl. die räth die h. e. (was richtig scheint). 25. II. unrichtig: stadt,
nnderthanen und wider ire herren; der Sinn ist: Unterthanen von Fürs-
ten, Herren und Städten, oder üntertlumen des Kaisers oder Königs seihst.
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30 1) 6- Vor Rath und Bargor. Hr. v. Dietboch und Venn er Kiitlor.
[WO] tanen , edlen und unedlen, alle tag rechtshendel in allen
dryen ballivaten der graffschaft Burgundt, und möchtend
dennocht wyter von dannen appellieren gan Dischion in sin
pariament, und die so im herzogtumb sessend, von Dischion
gan Parys wider den herzogen : deßglychen were durch alles s
fürstentumb Saffoy hiedieset und jänsit dem gebirg; da ap-
pellierend die undertanen, so sy des bedürfend, wider iren
heiTen gan Milden, gan Kamerach, gan Turyn: deßglychen
der könig uß Frankrych were im rechten sinem pariament
gegen den sinen gehorsam und underworfen, der doch keinen w
oberen erkannte; und under im werend grosse fürsten, wel-
(B1.7) eher undertanen all möchtend gegen iren herren zü recht
kommen im pariament; und der h. vatter, der bapst, so ein
haupt der Christenheit were, beschäme sich nit y uz ülassen
in der rotten und kümmeren gegen sinen undertanen recht u
umb recht zü geben. So könne herr Cünradt von Schar-
nathal wol anzeigen, wie und in was form in den könig-
rychen Engellandt, Schotten, Dennmark, Polen, Hungeren und
Böhem, welchen königen allen er dienet, die undertanen, arm
und rych, gegen iren herren zü einem zimlichen rechten so
mögend kommen. Harumb min herren sich nit dörfend z’schd-
men, das sy geordnet, welcher sin bedürfe, das der zü einer
gebürlichen appellation kommen möge. Kistler: so wölte er
hiemit beschliessen, das die appellatz für den keiser ghorte?
Niclaus: ja. so doch er der venner selber bekannte, das miner %
gnedigen herren haupt ein keiser oder könig were, sy wöltind
dann in irer statt oder lantschaft ein zimlich unpartigisch
gricht ordnen zü sömlichen fälen, wie sich deß die Venedi-
ger bruchtind, die ouch kein oberen erkantind; da möchte
man die richter der eiden erlassen, so sy iren oberen schul- x
dig, und sy mit eiden binden, gricht und recht zü sprechen;
welche wyß vor zyten von minen herren gegen etlichen der
iren gebracht, als man wol wurde finden durch brief, wenn
min herren wöltend. Kistler: er hette es nie ghört, noch gseen
vil minder, das uß disem landt ye für den keiser oder könig m
were geappelliert worden. Niclaus: es were war, das es
vast selten beschehen were; das hette geschafft, das bißhar so
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1, 7. Vortrag d« Herrn tob Dieabeoh.
31
ein lydenliche und verstindtliehe oberkeit were gewesen, so f /47ö]
den iren nüt unbillichs hette zügemütet, aber vil mer die-
selben und ir recht geschützt und geschirmbt. Wenn aber
Kistler wölte sagen, das es nie gscheen were, so erzeigte
«er wol, das er umb der statt Sachen nit vil wüßte, oder
dieselben im nit hart anlegen, so aber einem venner wol
gebürt. Ob er nit wüßte, das min herren vor jaren hettend
dem herzogen von Oesterrych an deß rychs gricht geantwor-
tet, und der von Ringgeldingen silig mit arbeit und grossem
io costen vor dem rych in miner herren namen in der Bach glimpf
hette gwunnen? Deßglychen hettend ouch daselbs min herren
müssen antwort geben jungkher Smoßmus von Arburg iren
burge ren durch herr Heinrich von Bübenberg eiligen, wiewol
er sin vetter were, und gwunn ouch recht, welcher handel
is nit kleine ursach geben, das nachwerts das herrlich schloß
und herrschaft in miner herren handen gar kommen sige.
Wyter, so wüsse man wol, als min herren söltend antwort
gen gegen iren bürgeren, denen von Brandis und von Baldegk,
und ires rechtens entsassend, sich vorhin mit im vertrügend
» in der früntligkeit ; und in kurzen jaren, als sich span hend
zwüschen minen gnedigen herren und den iren von Burgdorf
erhept, und dieselben ouch sich nit mochtendt vemügen miner
herren Ordnung, und des rechtens begertend, ist inen ein
zimlich, unpartygisch recht verordnet. Doch ob es darzü kirne,
» beducht min gnedigen herren nützlicher und erlicher were, die
sach vorhin betragen wurde, als sy ouch ward. Das wüßte
mengklicher wol, und habe nie ghürt, das es ye von iemants
in zorn ufgenommen sige.
[7.] Und als herr Niclaus mit disen reden Kistleren ge-
so schweigt und abgetriben, do hat er minen herren anzeigt, das er
dise verlüffne Sachen inen nit habe anzeigt und erifret, das er
lust habe, mit ir gnaden zü rechtigen vor des rychs gericht oder
12. Bl. H. Schmoßmns — allein Smoßmos ist wahrscheinlich Zosi-
mus. Die Person und das Factum, auf welches hier angespielt wird, sind
gleich unbekannt. G. St. B. irem b arger. 19. H. sich — entsaasend (d. i. tun
ihr Hecht besorgt waren), G. St. H. mit inen. 81. H. eröffnet (falsch;
eräfren ist: m Erinnerung bringen).
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32
I, ?. Vortrag das Herrn von Diasbach.
[1470] anderstwo. Er verhoffe ouch nit, das es notwendig wurde sin,
(BL 8) gige aber verursachet also lang darvon red zfi halten , umb
das er des vom venner Kistler ers ficht worden, so in by iren
gnaden gern verunglimpfete, und obwol durch etlicher ver-
unglimpfen eben schnell und unerturet vormals hie werendt s
von deß unfridens verbot und fridbriichen geratschlaget und
geantwortet. Und als herfllraogen wurde, das er durch sin
brief noch nie erzeigt, ir gnaden, so das blfit oder die hohen
gricht zfi Worb hettend, nit als wol, als im, gebürte, sölche
verbott zfi tön , deßglychen das er die straffen der gebotten, io
so eine hohe herrschaft liesse ußgan, sölte ynzüchen, were
war. Dann die alten brief, ouch lüt, nit hettend mögen wüssen,
was über hundert jar nachwerts wurde gebotten oder verbot-
ten. Es were ouch kein sömlicher brief uff erden ; dann kein
herr noch schryber ußsinnen wurdent noch möchtend, wie is
die weit gsinnet wurde sin z’regieren, es werend denn pro-
pheten oder götter. Sine brief, die alten und jungen, gebend
all zfi alle herrlichkeit mit vollkommner herrschaft über lüt
und gfit, nützit ußgenommen. So hette da zfi Worb ein herr-
schaft von Kyburg nüt anders gehept , denn die mannschaft so
und den reißzug; und als die von Kien in die statt zogen
da burger und rät in dem rat gesessen, hand sy sich der
herrschaft entzogen, und die mannschaft mit dem hochgricht
übergeben : wie ouch deßglychen umb dieselbe zyt vil andere
herren getan hand in dem landt uff allen syten: und wyterw
habend sich die alten herren hie in die herrschaft Worb ye
zfi gryffen, nie yngelassen, dann was lang hemachwerts
minen [herren] zfi götem, es sige mit ffiren oder tällufnem-
men, mit deß herren gfiten willen zfigelassen, und fümem-
lich erstlich wo es in einer vordren von Bürren hend kom- so
men sye, beschähen sye; als zum teil etlich die alten zügend,
5. St. wäre. 23. H. da burger waren und in dem rath sassen.
27. dann — vorher ist kein Punkt tu setzen; denn dann ist hier nicht
Causalpartikel, sondern s. t>. a. ausgenommen, und das folgende was hängt
mit „geschähen syn“ tusammen. 28. Bl. minen herren. St. ihnen zu gutem.
80. erstlich wo d. i. erst dann dis.
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I, 7. Vortrag des Herrn von Diesbach.
33
insonders aber herr sekelmeister Fränkli, so nun by 60 jaren [1470]
da gesessen, ouch Bendicht TschachÜi, wol wüssend und
aller weit kund were, das min gnedigen herren in derselben
herrschaft nie underwunden kein bott noch verbott zü tün.
s Deßglychen er und andere twingherren in possession nun
etwas über die 30 jar sind, die fridbrüch nach der Ordnung
ynzezüchen on aUe ynred und ansprach. Da wüßte ir gnad
wol, das nach irer statt Satzung nnd allen iren gerichten, by
röten und bürgeren, uff ein söliche possession und gewerde
»o klein und groß Sachen, wann joch glych brief und sigel
umb das widerspil lige, geurteilt werde. Nun were kuntlich,
do die statt Bern were ufkon, das die herren im landt allent-
halben hinyngetan, der statt mit iren undertanen ein träffen-
liche mannschatlt gemachet, sich selber getället, und ouch
i5 ire undertanen zü tAllen nit allein nachgelassen, sonder ouch
helfen im anfang zwingen, das also die statt mit iren lyben,
lüten und gilt zügenommen, das sy darmit die gwaltigen
umbligenden fürsten, herren und graffen bezwungen und uß-
kouft habend; des er truwe umb siner vorderen und vor-
2» faren verdienst iezund zü gemessen, das im uff etlicher an-
tryben in sin mütterlich erb nit also yntrag bescheche;
welches so joch ir gnad beherten, wurd doch sölches einer
statt an er und güt nüt mögen bringen, aber im ein grossen
unrat und verlurst vonnöten in sine herrschaft mit der zyt
25 machen müßt. Dann so von zweien herrschaf'ten bott und
verbott ußgiengendt, wurde es wunderbarlich zü züchen und (Bl. 9)
straffen werden. Dann wann die bott und verbott wider ein-
andren beschechend, so wüßte der ein nit, welicher herrschaft
gebot er halten, der ander, er lassen sölte, und gebe ein wi-
30 derwertigs unghorsams regiment, das kein bestand möchte
haben; söltend dann beid herrschaften alwegen ein gebott
(wie etlich heiter sagend) lassen ußgan, und iegkliche die
büssen zü irem teil ynziehen, weiß ich nit, öb es ouch billich
1. v. Bodt corrigirt gegen alle Handschriften hier und unten (8.41, 21)
4Ü jaren. 22. so joch — beherten d. i. wenn sie dies auch durchsetzen, er-
zwingen. 24. H. confusioa. 24. St. notwendiglich. 26. H. zu züchten.
Quellen zur Schweizer Geschichte. I. t>
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34 I, 8- Zwischenvorfall mit dem Stadtschreiber.
[/■<70] were und das landtvolk das tragen wurde,, sunderlich ein
sinnliche unghörte niiwerung. Wöllte man denn sagen, miner
gnedigen herren gebott sölte vorgan, als [die] die hohen gericht
und die reiß habend, so wurde von not wegen volgen mit der
zyt ganze ußmischung miner und aller herrschaften, so in 5
iren gnaden landtschaft ligendt, got geb was man mir stets
säge: rja, mir werde nüt genommen, min gnedigen herren re-
dint mir nützit in mine gebott, lassind mich die tün in miner
herrschalt und ynzüchen nach minem gevallen, sy wöllind aber
ouch in die iren kein yntrag lassen tün.“ Hiemit so möchte iu
in die harr von minen herren so vil ußgan, das die herren
nit wüßtend, was zü gebieten oder zü verbieten were; oder
etwan ein klügling oder ein venner Bastler uffstünde, gebott
oder verbott zü erdenken, so mine und alle abtätend. So
müßte dann miner gnedigen herren bott und verbott uff die is
wyß vorgan. Ob das nit dann mit listen und fynanzen ein bider-
mann umb das sin were bracht, das wölte er allen frommen
ßerneren zü urteilen geben. — Bat abermalen min gnedigen
herren, den handel wol zü erwägen, und etlich sich nit
lassind verwirren, uff das niemant unrecht bescheche, wie sw
er inen als sinen vätteren und Schirmherren wol vertruwete.
Trat hiemit ab mit sampt siner erlichen fründtschaft.
[8.] Demnach ist min herr stattschryber uffgstanden und
minen gnedigen herren anzeigt: der venner Kistler habe under
anderen Worten gegen herr Niclausen lassen loufen, als an- as
zogen were die bekanntnuß rainer gnedigen herren des kleinen
rats dem lryweibel geben, das er oder herr Niclaus möchtind
von dem gricht von Worb ein gebtlrliehe appellation haben, wie
die zü anfang hüt geläsen were vor iren gnaden : „das es wörtli
und fiindli werend, so zü schryben wol vermitten bliben we- au
rend, wie ouch etliche brief gan Worb geschriben“; hätte ouch
vil noch uff die wys vergangner tagen im kleinen rat ouch ge-
redt, welche red im all untrüglich werendt; dann min gnedi-
gen herren möchtend denken , ich hielte weder eid noch er an
3. G. als die die, St. als welche die. 5. G. Bl. Vermischung, St. uß-
wüschung (dürfte richtig sein).
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I, 8. Zwischen Vorfall mit dem Stadtgehreiber.
35
iren gnaden, sonderlich diewyl er heiter im rechten geredt [wo]
hette : „man hielte herr Niclausen vast für, wurde aber in die
harr wenig bschiessen;“ und iez aber gredt: „das etliche
wort im briet' gan Worb ouch wol erspart werendt.“ Uff söm-
* lieh reden wer doch wölte gedenken, denn das ich, was
mir gfiele, und nit das so gheissen wurde, schribe? Harumb
ich in gegenwärtigem nit mer schryben wurde; doch zü-
vor begerte ich, das venner Kistler darzfi gehalten wurde,
das er erlüterte, was in der missyf gan Worb wol under-
io lassen were? und funde sich dann, das beide, in der missyf
und bekantnus, geschriben, so nit abgeraten were, so sultend
min gnedigen berren in on alle gnad als einen falsarium straf-
fen; so aber Kistler mich ungütlich angetastet, das mir ouch
recht gegen in ergange. Dann wo das nit, so geb ich min
is ampt uff, were ouch keines willens mer zü dienen. Do stünd (B1.10)
Kistler ouch uff und sprach: ich bedürfe uß disen Ursachen
minen dienst nit uffzgeben; er hette ouch nienen gredt, das
ich unrecht gschriben, hette aber die wort gredt, könnte
sie nit lougnen, und von der statt nutz und er wegen ouch
üo sines ampts und eids halben müßte er’s noch sagen , und
wölte mich doch nit schmutzen noch hierinnen zügeredl han ;
und uff das ich wüßte, was ine in der missyf gan Worb
trukt heige, das were, das darin stünde: „das die sach
min herren antreffe;“ uß welichem wort, ouch |das| in der
25 bekanntnus also stünde: „die gebürliche appellation“, hette
herrNiclaus erfüntelet, das die appellation für unser gnedigen
herren abgestrickt sye, welches zü nachteil diser statt nit ein
klein, wie ein ieder wol hette mögen verstan uß hüttiger
herr Niclausen red, reichen wurde. Harum güt were gsin,
so dise wörtli nie geraten noch geschriben werend worden. Das
herr Niclausen etwas fürgehalten wurde, bedüchte in und an-
der noch. Uff wen er das gredt hette, möchte er wol gemerkt
2. St. die hand recht für. 5. St. anders gedenken ( anders ist über
der Linie beigefiigt). 10. H. lässt beide (allerdings incorrekt für : in beiden)
aus. Das Missis ist das Schreiben an das Gericht su Worb, die Be-
kanntnus die dem Fheiweibel in Betreff der Appellation zugestellte Baths-
erkenntniss. 24 St. ouch daß. 29. St. gereichen.
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36
I, 8. Zwischenvorfall mit dem Stadtechreiber.
[1470] han, als er aber uff dem tag da herr Niclausen ward ver-
gönnet wider grossen und kleinen ratsbeschluß den fryweibel
züWorb mit recht zil fergen, er den zwingherren seit, inen
gebürte, so herrn Niclausen sach gehandlet wurde, abzfiträtten ;
truwte, mich sölte gegen im vermögen [vemügenj. Daruf 5
ich sprach: ich were noch nit vemügt, dann er noch alweg
beharrete, das es göt were, das obgelütert wort nie ge-
schriben werind, dardurch noch alwegen zwyfels blib, ge-
schriben were so aber nit geheissen. Nun wüsste er wol,
so ich doch zwungen wurde alles zfi offnen, das anfengklich 10
geraten wurde: hette Gfeller, der fryweibel, gefräflet und
verwürkt etwas liinder herr Niclausen, öb er joch drysten
fryweibel were, sölte er am selbigen ort antworten und ab-
legen. Ist es an einen kon, so ichts ouch hie gegenwürtigs
ist, so in disem handel von im, dem venner, nie gestanden 15
sye, habe den ersten rat geben uff des fry weibeis begeren;
dem habe er, der venner, als er gefragt, gevolget, und wel-
cher hierwider riet, den angerennt mit ruhen worten, als ob
man der statt das ir hinwegk geben wölte; sige sidthar ouch
vom selbigen zangken nit vil fridens im rat gsin, das, wo es 20
sich nit endere, nit vast gilt würde sin minen gnedigen herren
zfi dienen. Und neme mich wunder, so im dozmal derselbig
ratschlag und missyf so wol gtiel, das er sy einzig radte.
Und das ob gemelter missyf so mechtig gestritten worden,
habe er sy nit wollen hinwegk schicken, min herm Schultheis 25
hette sy dann, e sy besiglet wurde, gelüsen, öb sy wie
das mer, das vast klein was, geschriben were; der mir
entboten, sy sige gschriben wie das mer geben habe. So
wüsse er venner als geraten, wo man herr Niclausen sölte
sine gricht und recht abstriken, sonderlich so dasselb gelobt, au
versprochen und verbürget were, das herr Niclaus sich deß
wurde erklagen, ouch dem fryweibel vil nutzer, es wurde
mit recht ußgemacht, so man im ein gebürliche appellation
6. St. G. Bl. vernügen (richtig). 8. St. H. etwas zwyfels blib, als
ob geschr. w. 12. St. drnmohl. 14. St. ß. Bl. ietz. 18. St. augerentzt
(richtig). 24. St. obgemelter missiv wegen. 32. St. nützer wäre.
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I, 9. Die Twingherren geoöthigt, den Austritt zu nehmen. 37
vorbehielte. Als nun lang gezangket worden in den räten [/470]
und ein ieder sinen bscheidt hat geben, were er, der venner
Kistler, mit etlichen zü derselben meinung gevallen und das
mer worden. Iezunder schelte er dasselbig. Und begert, min
s gnedigen herren die burger wöllind sich an minem herr
schultheissen und rat erkunden der warheit. Und darmit trat
ich hinab und wolt zür tür uß ; do hieß mich Kistler still stan
und sprach: es bedörfte sich keines erkundens; er were mir (Bl. 11)
anred, das es alles also ergangen were, und hette erstlich
io die missyfen also helfen raten , nit vilicht noch anderst be-
sinnt, das sich hernach in disen worten einer statt schaden
gölte bringen. Deßglychen were er hernach zü denen ouch
gevallen, die iedem ein gebtirliche appellation vorbhieltend,
der meinung, das die ein gebürliche appellation were so
ts für ein statt von Bern käme. So hette dem züwider hüt lang
herr Niclaus von Dießbach gearguiert, oder, wie er gesagt,
finanziert. Uß denen Ursachen vermeinte er, das der statt
weger gsin, das dise brief mit einandren weder geraten
noch gschriben werend worden, und gebe sich selber mer
so schuldig, der es hette helfen raten und zü schryben be-
volchen. Und nun ganz und gar truwte, ich möchte uff sin
erliiterung nun wol rüwig sin. Als ich hinus gieng, ist Kistler
ouch kon, und sind wider hinyn bröft worden; hat mir min
herr schultheis gseit, min herren groß und klein rät sigind mit
äs mir wol zfriden, und sich erkundet, es also wie ich geredt
ergangen were, und das ich recht bede, missyfen und be-
kantnus, gevertiget, wie dann Kistler selbs ouch bekennet.
Harumb ich sölle und möge rüwig fürhin wie bißhar wol
dienen. Und ist dem venner Kistler gesagt, so er fiirohin
»etwas wölle tadeln, das er es klarlicher dann hüt fürbringe,
domit weder ich noch andere miner herren diener nit beun-
rüwiget werdint, wie hüt beschechen.
[9.] Und als min herr schultheis herr Adrian von Büben-
berg anfraget umb herr Niclausen sach zü raten, ist venner
10. St. nit viU. nit anderst (Der concite Ausdruck im Text wohl so aufni-
lösen : wobei fraglich bleibt, ob ich mich nicht noch anders besonnen hätte, dass. .
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38 l> 9. Die Twingherren genöthigt, den Austritt zu nehmen.
[1470] Kistler ufgestanden, hat heissen still halten und gesagt: wie
er (villicht aber schnell gnüg) von der statt nutz und er, ouch
frid und rüwen wegen und umb das in conscienz und eidt
dahin trunge, und keines hasses und nyds wegen als aber
ime zügemessen werde, deß er sich by Gott züget, hettend s
[hätte] gesagt vor etlichen tagen, das minen herren so twing
und bann hetten gebürte abzüträtten, hettend sich etlich miner
herren erinneret, so nechten und hüt morgens sampt einer
grossen zal miner herren des grossen rats in und den ande-
ren venner, sinen gesellen, by iren eiden gemant, uff hüt in
und andre mal, ob wyter in herr Niclausen Sachen so da
möchten umb twing und bann und des anhang, wie diser
handel, anträffen, obgemelte mine herren und ire früntschaft
heissen abtrdtten. Und wie ernstlich in des zu erlassen sy
gebetten, aber nit hettend wollen erlassen, könne er nit für- is
kon, sinem eide genüg ze tün, denn daß er müsse herr schult-
heissen und all obgemelt mit iren verwanten heissen ab-
trätten. Uff das stünd min herr Schultheis uff, ouch alle andere
antwortend: so herr Niclaus inen gesipt were, oder sy von
miner herren amptlüten angetastet werendt, wie herr Niclaus »
oder etlicher under inen, so were derselbig mit siner frünt-
schaft, wie ouch herr Niclaus, abgeträtten : so aber das nit,
werend sy still gsessen, wie das iewelten der alt bruch
(B1.12) gsin ; hättend ouch hierin , als sy truwten , nüt geraten noch
gehandlet, denn das sy ir conscienz und ir eidt so sy der a
statt schuldig gewäsen geheissen hette, und, da Got wölte,
hierin und anderem fürbas tün wöltend. Sy köntend ouch
niemants für partygisch halten, so der handel sy nit in gmein,
sonders allein ein einige person, herr Niclausen von Dießbach,
antreffe. Und als sy sich wider nidersatztend , hieß sy der ao
venner abträtten, so wurdent sich mine herren rät und burger
5. 6. St. man hätte gesagt (die Verwirrung in dem Satze wird durch dies
beigefügte man nicht gehoben; schreibt man aber batte, statt hättend, so
hängt die Construetion so zusammen: wie er (vielleicht wieder einmal zu
vorschnell) vor etlichen Tagen gesagt hätte, dass m. h. — abzutreten ge-
bürte, so hätten sich — erinnert, so ( welche) ihn und seinen Collegen ge-
mahnt u. s. w.
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i, 10. Vortrag des Seckeimeisters Frankl i.
39
erkunden, öb sy für partygisch geachtet soltend werden oder [WO]
by dem handel sitzen. Do Sengen etlich miner herren der
burger an zi\ ruschen. Also stünd min herr Schultheis uff und
all ander mit im vom kleinen rat, deren all 12 ward, und
s vom grossen rat ein grosse zal, fürwar der bliim und zierd
diser statt, und giengend hinus.
|fO.J Also ward Kistler, der metzger, das ich vor nie
gsehen, Statthalter mines herrn schultheissen; welcher den
anderen venner angefragt, so vor dem venner Kistler nit
»raten wolt. Nach langem widrigen, als Kistler vil der bür-
geren triben zü raten, hat er sinen rat geben: das er by
sinem eidt nit anders könne erkennen, denn das alle so
herrschaften, twing und bann hettend, so von herr Niclausen
gegenwärtiger sach und derglychen Sachen gehandlet wurde,
is sampt iren verwanten abträtten söltend. Kistleren hat dem andern
[der andere] venner gevolget. Do ward gefragt der seckelmeister
Fränkli, welicher ein trcffenliche red uff dise wyß getan:
„Das er wol könnt ermessen, wo ein statt von Bern zö disem
gegenwärtigen handel getrungen wurde, der weder by sinem
ao eidt noch conscienz ir er noch nutz mögen sin, weliches er
ouch uß pflicht sines eids nun mermalen im kleinen rat
angezeigt, so könne er wol ermessen, das herr Niclausen
handel dise treffenliche menner, so man hette heissen uß-
stan, antreffen wurde, und partygisch, als man spreche, we-
25 rind, weliches aber ein böser nam, und in einem löblichen
regiment nüt giftigere ist; und so er vor umb dise sach diser
groß rat versandet gew'tsen engegen were gewesen, hette
er synen flyß ankert, vor dem ungrymbten und unerfamen
ratschlag zü syn, ab dem sich herr Niclaus bescheidenlich
ao und billichen klaget: harumb er bätte, öb etwar wurde sagen,
das er nit umb die anfrag riete und abschweifete, mit im
gedult zü haben. Dann ftirwar es wölte diser handel einer
15. 16. St. der andere venner, wie es nothwendig heissen muss und im
Manuscr. auch wol ursprünglich hiess, denn dem ist aus der corrigirt und
in „Kistleren“ die Endung durchgestrichen. 20. St. G. möge. 26. St. streicht
„er vor“ aus und setzt darüber: hievor; allein vor ist hier s. v. a. bevor,
ehe als. 27. G. St. entgegen (d. i. zugegen) wäre gsin.
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40
1, 10. Vortrag des Seckel meistere Fränkli.
[id70] statt Bern mer zö verderbnus denn zum nutz reichen, wo
dem nit geholfen wurde, das sines bedunkens wol besche-
hen möcht. Aber man wurde nit müssen in einem rat zö Bern
recht geben was der nüwfuudig oder ufrürisch fryweibel
Gfeller all tag fürbrechte, und sines glychens klug, hoffertig, 5
unwys, jung unerfaren amptlüt; weliches vor vil jaren ein
wyser rat wol ermessen, da nach langem kriegen, so der
statt und burgerschaft zil vil schwär, mit den umbligen-
den fürsten, so ouch arm kriegt warend, vereinbart sy under-
standen ußzükoufen; und als sy neben den graffen von Ky- io
bürg und Arberg, unser vorderen, amptlüt satztend, so stets
in nüwe zängk kamend, (vermeinet ouch, wie iez, der
(Bl. 13) statt wol huß zö han), könnt ein wyser rat wol erturen,
das ein statt und burgerschaft durch röw und frid, beson-
ders gegen denselben, so uff denen kein grösser roub zö er- i->
halten, mer zünam dann mit zangken, und noch vil minder
eren zu erjagen, dann sy grech warend; sindt sy gezwungen,
die eitesten, erfarnesten und wysesten, deren man daby
ummen bedörfeu hat, mit grossem costeu uß dem rat zö
amptlüten an die ort zil setzen. Also sölte fürwar in den 20
landtgrichten vil mer wargenommen werden, sömliche fry-
weibel zö setzen sonderlich so alte lüt werendt und wüss-
tend, warin und an was orten einer statt zü han und lan
were; das es gar ein andere wyß hat, mit den landtgrichten
zö handlen, dann mit anderen herrschaften, so ein statt Bern s.»
under iren hat, weliche under sy kon sind durch tüwre
köuf oder, durch anreizung und Ursachen der fürsten, mit
kriegszügen. Die hand und besitzend min herren mit der Ver-
pflichtung, als sy iren herren schuldig warend ; in landtgrich-
ten ist es das widerspil; die sind on gelt noch schwert an
ein statt Bern kon , ußgnommen wenig so min herren von
etlichen geschlechteren erkouft, so noch iez in die statt zö
gricht ghörend. Ist war, das sy etlich so den graffen von
Kyburg verpflicht oder anhenig überzogen und ire burgstal
8. Bl. za schwer, (za vil , d. i. viel tu sehe.) 12. O. St. vermeinetend
(S. Nachträge). 15. Bl. *n erholen. 17. Bl. ye gezw. 34. 0. St anhängig.
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I, 10. Vortrtg dei Seckelmeilten Fr&nkli.
41
verbrönnt, aber nit für undertanen genommen; sonders nach [Mio]
etlichen jaren darnach, do inen disers ufgende regiment het
wol gevallen, sind sy, wie ouch die anderen all, in dise statt
gezogen, zü bürgeren nit allein ufgenommen, sonders inen das
5 regiment, ouch alle ämpter, bevolen. Also handt die geschlecht
so vom herzogen, dem Stifter, uß disen landtgrichten ge-
nommen, denen die statt zü buwen und zü regieren bevolen,
die anderen abwendig von den grossen graffen gemacht und
in die statt gelocket, so all herrschaften und undertanen
io hattend ; ire undertanen als sich selbs der statt pflichtig ge-
macht, etlieh so dem graffen von Kyburg, Nydouw, Arberg
und Büchegk durch ire lehen und sonst undertenig, etliche
aber so frye herren warend niemants pflichtig, etlieh von dem
rych belechnet, vast wenig ußgenommen so verkouft hand
iä und uß dem land zogen , all mit iren undertanen Berner
worden. Dahar der statt dise hüpsche mannschaft erwachsen,
die grossen herren aber dardurch zü nüte worden. Dise ge-
schlecht hend ouch mit iren undertanen hilf, dann die statt-
lüt nit alles allein getan hend, und dise statt groß ge-
i» macht. Dann, niemants soll an mich zürnen, unseres keines
vorderen findendt wir nit, so ich hie zügegen gsich, der die
männlichen oder frefnen taten volfürt habe, so dise statt forcht-
sam und achtbar gemacht habendt. Lieben herren, so wir von
frömden herren angesüchet wurdent oder selbs etwas wider
is sy anflengindt, als wir nit gern lang rüwig sind, wer wurde
under uns von der regierung landt und lüten wüssen zü re-
gieren? Warlich ich köndts nit, hette es ouch nit vor 60 jaren,
do ich zerst in dise Stuben bin gangen, do ich’s am lyb wol
hette vermögen, können verwalten, gricht und recht sprechen.
Es sind hie vil kundiger weidlicher männeren, aber kriegslöuf,
• landt und lüt regieren, weliches warlich mer uff im hat dann
einer in der yl bedünken kann , gsich ich under uns wenig (BL14)
oder keinen. Ich erkenn aber etwan mengen tugenlichen
zü denen dingen, so man hüt uß diser Stuben heissen ab-
»trätten, — Gott wölle, das man sy als mär werde haryn
18. St. Bl. irer, lotsen danti aber Z. 19 und aut. S. Nachträge.
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42
1, 10. Vortrag dea Seckeimeisters i’ränkli.
^470] zwingen, dann harus ! Dann under irer vorderen und irer re-
gierung ist der stritt herrligkeit und nutzung ufgangen, und
ane zwyfel, diewyl inen das vertruwet wirt, als mär ufgan
wirt. Dann diser statt, als ich förcht, mer an lllten wirt ge-
prästen, dann herrligkeit und ynkommens. Harumb mines s
bedunkens dise herrliche, wyse und tapfere männer mer
würdent in diser Stuben zü behalten, dann ußzütryben sin;
und als mich wil bedunken, möcht es sich lichtlich schiken,
das wie ire vorderen sich mit dem iren in die stat getan
also dise sich widerumb darvon möchtend tün; und obsunstio
darus nüt anders volgete, dann sömlicher personen verlurst,
welcher frommer und wyser Berner wölte nit bekennen , das
dise statt lichtlicher die nutzlichesten herrschaften verlure,
die sy in iren landen het? Were das wol huß ghan, so kan
ich ’s nit verstan! Und dennoch spricht man: „der statt nutz.“ ts
Gebe man Gfeller dem fryweibel recht in sinen nüwerungen,
Got weißt, was nutzes uß disem nüwen handel der statt
mag entstan, so joch die statt vil rechts darzft hette. Dann
gwtlsz so möchtend die spänig zwen artikel gegen herr Ni-
clausen in 100 jaren nit ertragen den schaden, so durch ent- so
frömbdung des einzigen herr Niclausen der statt möchte kom-
men, in vil wäg, zü lang zü erzellen. Zü dem das ir uff den
hiitigen tag alle herren für partygisch erlüteren wellend, und
wyter erlüterend, mit inen ouch, wie ir mit herr Niclausen
angefangen, ze machen. Ist das nit ein unbsinnter handel?»
Wir sind aber leider der mer teil jung an jaren, und ouch
in disem regiment, sunst so wüßtend wir wol, das wir in
den landtgrichten und daran wenig hendt, und doch alles da
hendt, deßglychen dieselbe landtschaft der [stattj herz ist.
Die herren derselben landtschaft hand sich selbs und ire so
undertanen der statt geben, ouch iren vil ire hochgricht;
darumb ist das der statt herz. Und warumb hat die statt wenig
daran? Das es alles anders den herren bliben ist, und sy
15. St. Bl. es sye der statt nutz. 24. St. es mit inen. 29. St. das hertz ;
O. der statt hertz ist. Wie geht das zu? Wie vor gesagt iit, die herren
etc. 33. es fehlt in <?.
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I, 11. Vortrag de» 8eckel meistere Kränkli.
43
volle herrschaft handt, dann das, so sy der statt, wie ob
gemelt, vergönt hend; hend doch darby der statt nie ntlt
verzigcn.
[ 1 1 ] Und obwol ouch vor 50 jaren ein span sich gegen herr
s Peteren von Krouchtal erhüb und ouch etlich fllrnemmen der
statt herrligkeit über der herren herrschaften ze strecken,
das man meint, mine herren niendert kein zerströuwetere
regiment oder minder ze herrschen hettend denn in den
landtgrichten ; und als man fürgenommen, denselben handel
io zu betädingen und miner herren anmütung in fünf artikel
oder gebott, so man noch wol finden sol, gestellet, als man
sach, das sich die herren und geschlechter widrigen, und
darvon gestanden (dann min herren wol könnend erturen, das
sy nit möchtend by keinem rechten erhalten an iren güten
.s willen), sind doch vor und nachwörts diser statt trüw gsin,
das sy von inen selbs vil, ja vast alles so da begert wardt, (Bl-15)
hend nachgelassen, und etliche stuck, so dazmal nie begert
wurden! , als die appellatzen, so iez vil noch haryn gandt,
deßglychen der bößpfenning, so nun uff iren tabemen und
so undertanen man ufnimpt, so vil vast all der statt bewilliget,
und vor 30 jaren, do ich an das ampt kam, man allein an
denen orten ufnam, da ir zü gebieten hand und so in die
statt zü gricht ghörendt, und uff etlich klosterlüten, da min
herren vermeintend, inen von wegen der burgrechten und
*> vogtyen züstünde ; so hand sy nie verseit. In der statt nöten
1. G. denn so si die. 2. ff. hand si doch darby sich des übrigen
nie verzigen. 5. G. St. fürnamend. 7. St. niemalen, G lässt das Wort
aus und schreibt: zerströuwetes. 10. G. in vielen artikeln. 13. G. ward
davon gest. ( Allein der Nachsatz beginnt erst bei den Worten: sind doch
diser statt trüw gsin. Die unbeholfene Periode Frickarts baut sich näm-
lich folgendermassen auf: obwol — sich erhnb, nnd etlich fürnamen — nnd
als man fürgenommen — zu betödigen nnd — gestellet, als man sach —
und darvon gestanden — sind doch trüw gsin). G. St. konntend. 14. St.
das sy es nit. G. nit möchten by fryem rechten. 20. G. Bl. so vilnach
(d.h. beinahe) all (alle) (vergl. oben vil, ja vast alles). 22. G. ufnam, die ie und
ie in die statt zu gericht ghörend. 25. G. so handt si nie verseit, in der
statt nöten sich selber lassen fallen.
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44 Ii 11. Vortrag de« Seckeimeisters Frankli.
\1470] hendt 8y sich selber lassen tflllen, ouch ire herrschaften da-
rin lan schetzen, das sy nit schuldig werend gsin, und minen
herren vergönnt und gholfen, die iren zü tällen; und wie ich
von den alten ghört, da min herren die erste täll in den landt-
grichten understündent, so vast ein sorgklichen ufflouf hat 5
geben, hend sy sich gegen iren undertanen in grosse gfar und
Unwillen von der statt wegen begeben. So han ich nie gest-
ehen, das sy minen herren, so man fiirers bedorft, etwas
verzigen, denn das sy’s uff miner herren beger alwegeniren
hindersessen gebotten und ouch erstattet ist worden, und 10
sind also min herren mit irem güten willen noch vil in
bruch und possession kon, so sy vor jaren begertend und
aber nit mochtend. Nun weiß ich by minem Gott nit,
was inen mer mit fügen anzeinüten were gsin. Und iez-
mal von Gottes gnaden in güten rüwen sassendt, so stat der is
jung unerfaren fryweibel uff, und wil sinen ft ler oder frävel
vertädigen, das er der straff entrünne, und ist der erst, der
miner herren recht uff der herren herrschaften kan finden : das
inen als wol als den jänigen gebüre, spricht er, verbott zü tün
von iren hohen grichten wegen, wiewol er dasselbig namset den »
unfriden uff den brutloufen zü verbieten. Aber ich achten, er
sige so witzig, wo mine herren zü einem gebott recht hend
zü tün, das aber bißhar nie gebrucht ist, könne er wol darus
schliessen, das sy zü anderen, so inen gefellig oder zütragen
möcht , ouch füg haben. Wyter hat er in sinem rechten «
erfunden, die fridbrüch sind von minen herren verordnet zü
straffen, und ist ein gebott von inen ußgangen : harumb so sol
herr Niclaus von Diessbach dieselben straffen nit ynziehen.
Uß welichem, wie herr Niclaus hüt anzeigt, nothalben müß
volgen: was min herren ordnendt oder gebietend und verbie- so
tend, und hinder den herren in landtgrichten verschuldt wirt,
stat allein minen herren ynzüziehen und denselbigen nüt;
hiemit wirt inen alle ir herrlichkeit und oberkeit by den
15. von Gottes gnaden, St. ergänBt: da ifar von Gotte« gnaden.
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I, H. Vortrag dea Seckeimeuten Fränkli. ' 46
iren ufgehaben und genommen, wie sich ouch dessen herr V*?0]
Niclaus klagt, und, war ist, in die harr beschehen wurde.
Und so fer ieder hie also gesinnet wäre (das Gott nit wölle),
so wäre minen herren vil lydenlicher gsin, mit herr Niclau-
s sen allein zü handlen , denn mit der grossen zal so man im
hüt hat zügestelt, und hättend by langem einen nach dem
andren abtriben. Also ist es herr Niclausen ein güter tag, (Bl.16)
das ir im so vil güter gesellen wend zügeben, die gwüß im
sin recht, und ouch das ir, wol werdent können äferen. Dann
io ich die liit darfiir angsich, das sy so wenig als ire vätter sich
würdint von irem rechten tryben lassen. So werdent ir, min
herren, nit by langem inen können vor syn, Gott gab was ir
hier ordnindt und beschliessindt , eines zimlichen rechtens;
dann wir uns ire secher machendt und in unser sach urteil
15 sprechendt, uff die sy sich nit werdent begeben. Wir können
ouch nit wol sagen: der fryweibel der ist sicher: dann die
kind unseren lachen wurdint. Und so das beschicht, warmit
wöllendt wir unser ftimemmen erzeigen? Fürwar weder mit
brief noch sigel; dann ir nit könnend umb das, so sy üch
ao gegeben und gichtig und [ir] in possess sind, erzeigen, das
weiß ich. Was wirt denn uß dem, darum b wir iez in Spä-
nen sind, werden? Das sy in possess und gewerd sind, und
umb volle herrschaft ire brief und sigel wüssendt, wie ir
aber nit wüssend, daun umb etliches unseren possess, als den
2sreißzug und uff etlichen die hochgericht, l'ürzübringen ; und
was wyters, dann das sy uns bewilliget uß pit habindt? Ja,
sprechendt etlich, das ist ouch genüg. So wir die hochgricht
hendt, woltend sy uns nit lassen bieten und straffen? Item
so haben wir den reißzug, und sind so hoch gefryet von
so köuigen und keiseren, das wir wol mögendt gebieten was uns
gfalt. Item, so hat uns keiser Sigmund alle lehen des rychs
übergeben, dannenhar ein gütes teil der herrschaften in landt-
grichten iezund von uns zü lehen harrünnendt, warum wir daun
SO. St und ihr in possesa sind. G. so sy üch geben, dessen ihr in possess
seyd. 26. St. niit wyters. 33. St. G. H. harrürend.
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46
I, 11. Vortrag des Seckelmeisten Fränkli.
[t-ao] mit bott und verbott nach unserem gvalleu über sy mögend uß-
gan lassen und die überträttenden straffen; und gend uns also
vil rechts , so aber an denen enden wenig wurde bringen ; dann
erfarene und verständige lüt wol wüssend, das allein uß den
hochgrichten kein volg ist an der herrlichkeit, wie deß wol 5
exempel, so es die zyt möcht erlyden , möchten anzogen
werden, ouch in unseren landen. Item, der mannschatt oder
reißztigen halb noch vil minder; wie dann ir, min herren,
all wolwüssendt, das ir vil herren gehept, als die von Bran-
dis, Arburg, so ouch vor vil jaren hend müssen mit üch io
reisen, und noch uff hüttigen tag die herrschaft Erlach, so der
fürsten von Chalon ist, Valendys, die Nüwestatt , da ir uff
ertrich nüt zü gebieten hend, oder ouch ie fürgenommen.
Die hohen fryheiten aber, so wir von königen und keiseren
hendt, gloub ich nit dahin langindt, das wir, was uns geliebt, •-'»
in anderen herrschafteu , da wir nit volle herrschaft hendt,
mögind gebieten. Ist ouch nit z’glouben, das der königen
und keiseren meinung sige gsin, das wir mit denen in ander
lüten herrschatten gryftind. Sy zeigend’s ouch als wenig an,
als der twingherren brief, das sy sollend frydbrüch ufnemmen, *o
und das sy allein brutlouf bruch zü straften habindt, so man
aber von inen ervordret. So wir aber vermeintindt, das der
herrschalten in landtgrichten nun ein grosser teil uß keiser
Sigmunds gab von uns zü lechen gangindt, danenher uns ge-
büre was wir wellendt, dieselben fürgeber verstöndt sich für- 45
(Bl. 17) war nit vil uff lechen. Dann so der l.ichenmann haltet das so
er zü dem lechen geschworen und des lehens recht ist, so
mag in der lehenherr nit wyter beschwüren, sonders ver-
pflicht sich, ine by allen sinen alten harkommen lassen be-
lyben. Item, so erkunde sich etwar, öb sy minen herren 30
übergeben syend öb die könig und keiser ie sy mit nüwen
gebotten und beschwerden beladen? und forcht, man möcht
5. G. anderer. 5. 6 G. vil ex. 30. öb, dies erste öb, das so viel ist als
ehe, bevor, würde wol besser zur Unterscheidung von dem folgenden eb ge-
schrieben.
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I, 12. Vortrag de« Seckelmeisters Fränkli.
47
hie wol so vil understan, das die lehenlüt üch für den
keiser bieten, das ir nit mit fügen köntend abschlahen;
dann ie üwer Schultheis die sol in des rychs namen lyhen
und sy von üch ouch zü lehen hend. So wurden wir wol
i alsbald funden, so des rychs lehen treffenlich hettend anfangen
mißbrucheu, dardurch wir wol dürften umb dise hüpsche gab
kon, und sonderlich zü disen zyten, da ein Oesterrycher
keiser ist, dessen großvatter , wie man spricht , wir Schwy tzer
erschlagen habendt. Item, so hendt wir ouch noch nie unsere
10 lehen von disen empfangen, oder deren bestättigung ge-
nommen, als der bruch ist.
[l'J] Liebe herren, lassend dise ding uns wol betrachten,
ob wir umb kleine Sachen grosse unrüw anhebind Mir falt
vil ein anderes zü der lehen halb. Üch ist noch allen kundt,
15 das nach altem bruch hie in Uechtlandt, und ir selber gewont
sind so es üch von der lehen wegen not ist, das der herr
und der mann, so es das lehen antreffen wil, gegen wem es
joch ist, sich uff die mann berülend, und ein herrlich dapfer
gricht darum zämmen kumpt und sagend. So ich twing und
*o bann mit voller herrschaft zü lehen hette, und ir oder ander
solche nüwerung machtindt, so wurde ich mich uff die
mann berüfen; da wurdent ir nit allein unglimpf gwinnen,
sonders ouch zü spott werden vor allen lehenlüten, sy we-
rendt glych heimsch oder frbmbt ; dann üwer bruch ist, uff
25 possess und gwerd zü kommen; und understünd dise aber,
eines stukes, der brutlouf bruch, on so sy von iewelten
besessen, und das ander, wie wol es uß Ordnung diser statt
ußgangen, nun ob den 30 jaren yngezogen, zü entwären:
wöltend ir denn sömlichem gricht nit gewertig und gehorsam
2. G. recht bieten. 14. St. 11. ein anderes yu (znf&Uen ist nämlich in
der alten Sprache so viel als einfallen). 24. G. nüwer brach (falsch).
26. G. läßt on (d. h. ohne, ungeachtet) aus; Bl. verbindet : bruchon= brachen,
allein der Sinn ist: obgleich sie denselben von jeher besessen. Die beiden
„stacke“ werden gleich unten wieder bezeichnet als: 1) dise gebott aßze-
rufen, 2) fridbracb van iren undertanen ynzezühen.
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48
I, 12. Vortrag de« Sockel meisten Fränkli.
[1470] sin, das wurde noch lätzer! Was wurde man in allen
tütschen und welschen landen von uns sagen? Und dörfte
wol volgen, so wir hernach sölicher tagen oder gerichten ouch
bedörftend, das wir kein volg oder gehorsame dessen fun-
dint. Wyter, als mir ist etliche mal in diserem handel be- s
gegnet und das gschrei louft: min herren habind andere
erliche geschlechter und edellut, so herrliche Schlösser und
herrschaften habind, die widersprechind mincr herren ampt-
lüten nit in iren herrschaften dise gebott ußzerüfen, noch
fridbruch von iren undertanen ynzeziihen; hettends disen, io
als alten Berneren, minder vertruwet, minen herren söliches
zü weren. Welicher unwüssenheit (ist es echter ein un-
wtlssenheit?) ich ouch hie müß antworten : das sy nit bsinnt,
wie hiit oft anzeigt, das dise in landtgrichten volle herrschaften
hend, und alle väl und geläß, nützit ußgenommen, denn allein m
(BL 18) iren etlich, so die hochgricht an die statt geben und, als sy
burger worden, sich mit der statt verpflicht zü reisen: die
anderen aber , in den usseren herrschaften , hend allein ein
bestimpte herrschaft zü gebieten, verbieten und straffen, ouch
keine fäl , oder die vast klein , und mag sich ire herrligkeit 2i)
und recht nit uff fridbruch, nach lut der Ordnung, so hoch
ziehen, noch söliche hohe verbott tün; dannenhar von nöten
üwere amptlüt dieselben tüind und ynzilchind , und beschicht
inen dennocht nit unrecht. Dann wie die herrschaften, da-
rinnen sy sitzend, an (ich kommen sind, durch kouf oder«
krieg, was sy vor hattend, darby hend ir sy ouch lassen bly-
ben; hettend doch in etlichen denen enderungen dasselbig
wol mögen mindern oder nemmen, das doch nit beschechen.
Aber als vil jaren dieselbigen edellut, so dem herzogen nach-
gezogen, iich nit hend wöllen hulden, nach werts als sy iren sj
verlurst empfunden, min herren ankert und gebätten, hend
ir es inen alles in kurzen jaren widerkert, wie ir all wol
27. Bl. Änderungen meyn’ ich, dasselbig. G. da ich doch meynt, ihr in
etlich deren’ wol Änderungen thnn. ( Allem der Sinn ist : bei etlichen, al$ tie
Oberherren änderten und in eure Gewalt Übergiengen),
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I, 12. Vortrag de« Seckelmeisten Fränkli.
49
wüssendt; ja lassend ouch etlichen, als denen von Hallwyl, [lfio]
wie ich mich dise vergangne tag erkundiget, die stuck, ob
denen ir üch mit disen verdienten Berneren zankendt, nach
zü gebieten und ynzüzüchen. Dise hend der statt geben
6 mit iren lyben, leben, gilt und blilt, die wie sy iez ist uf-
bracht, und so volle herrschaft hend, über die wir nüt dann
mit uns zü reisen zü gebieten; die anderen aber, so in
kurzen jaren noch unsere abgseite fyendt gsin, die nüt mer
ghan denn was wir inen uß gnaden geschenkt, und über die
io wir volle herrschaft hend, lind wir rüwig und unersücht.
Harumb die, so dieselben ynzüchend, bringen keins glychs
fürwar; dann dieselben umb grosser gilttat billich dankbar
sind; hinwider alle Berner denen, so ir hüt hiefilr hend heis-
sen tr ätten, umb irer und irer vorderen woltat einer statt und
is uns allen (dann sicher dieselben uns disers nest gemachet)
bewisen billich dankbar solten sin und mer schuldig we-
rend zü geben, dann zil nemmen. Und so simlichs anzogen
wirt, meinend etlich „von grossen schirms wegen, so iren vor-
deren von der statt beschehen, siltind sy billicber vilmer
20 nachlassen, denn an sy iez gebracht wirt“ und gibt man inen
einen merklichen unglimpf. Ach Gott, was schirms mocht
inen vor alten zyten ein statt geben, do ein statt (so de-
nochter von den geschlechten gregiert ward) den graffen von
Saffoy wider den von Kyburg müßtend zü einem schirmer
26 annemmen ? Wer nam aber der statt den von Kyburg ab ?
Warlich die geschlechter, so an denen von Kyburg hiengend
und ouch etlich verpflicht warend, die sy verliessend, von
inen abtratend und abfielend und sich zü der statt tetend,
5. St. Diese hend der statt geben, die mit iren lyben, leben, gnt nnd
blnt, wie ey ietz ist, nffgebracht (ich glaube, St. hat nach „geben“ richtig
interpungirt, aber die Versetzung des „die“ (näml. die Stadt) vor „mit
iren lyben“ etc. ist unnothig. Mit dem Relativsatz „nnd so volle — hend“
ist freilich Frickart aus der angefangenen Construction gefallen). 7. St.
zu gebieten hand. 11. St. furwar kein g.ychs bringend (d. i. par pari non
referunt ). 23. St. O. dennoch. 25. S. Justinger S. 18.
Qnellen zur Schweizer Geschieht«, 4
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50
1, 12. Vortrag des Seckelmeistera Fränkli.
[i470] wie ich hievor ouch anzeigt. Rechnend nun, wölche einandren
mer schirms geben. Dann zü derselben zyt in der landt-
schaft ein sömlicher treffenlicher adel ist gsin, die inen sel-
ber so wol schirm hettend mögen geben als der adel im
Hegöuw, so von den herzogen in Schwaben biß uff disen s
tag noch fry sitzend, wiewol sy von den Oesterrycheren und
(Bl. 19) Wirtenbergeren zü beherrschen etwan angerannt worden.
Und fürwar, das gröst glück, so diser statt ie begegnet ist,
ist eben das gsin, das die umbligenden herren sich in die statt
getan hend. Dann wo were müglich gsin, das sy also in io
kurzen jaren hette mögen grünen und zünemmen , wenn
der mechtig treffenlich adel, der vorhanden was, inen züwi-
der were gsin? Das mögend ir darby abnemmen, das zü
etlichen zyten in disem kleinen rat acht mechtiger fryherren
gesessen; mit denen und durch die sind die grossen taten, ouch is
die grossen köuf beschehen. Dann ir mögendt wol gedenken,
der schlecht gmein gwerb- und handtwerksmann zü sömlichen
grossen dingen weder gschickt noch gnügsam erfaren sige, das
die ding zü füren anderer dann mich und mins gelychen be-
dürft. Alle dise gescheft, mine herren, hab ich wöllen eräferen 20
von den alten und irer regierung, die fürwar diser statt baß
huß ghalten dann wir immer tön mögendt, so zü vil in ver-
geß kon wil, und aber wyßlich zü regieren und huß ze
halten nützlich.
[13.] Und domit wir hüt oder hernach in disem gegen- 25
würtigen span nit etwas gächs, so zü nachteil diser statt an
iren eren oder nutz möchte langen, fürnemindt, bin ich in
disers mer kommen und kumm wider herus. Sin anfang
han ich in miner red anzeigt, das mich beduchte disem span
geholfen möcht werden, und ist müglich, wie vast der anfang so
mir mißfalt, das er möge zü der statt nutz reichen, und das
18. St. und das (allem das ist hier s. v. a. so daß). 24. St. nützlich
ist. 28. G. zu anfang. Bl. im anfang. (sin anfang scheint ein casus ab-
solutus : was seinen (dieses Meeres von Worten) Anfang betrifft.)
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1, 18. Vortrag des Seckehneisters Fraukli. 51
mit Got und eren nnd das niemant keine gwalt gschehe. V*?o]
Es ist war, das zü vil zyten gesücht worden der stat herr-
schaft zü meren in den landtgrichten; dann dieselbe vast
wenig, ußgenommen den reißzug, in denen hat; und, wie hiit
5 anzeigt, vor vil jaren ein form in fünf stuck oder gebott ge-
stelt und vergriffen, hoffnungs, es gölte angenommen wer-
den, uff das ein statt dann ein fürgeordnete beherschung, so
einer obristen herrschaft wol züstat, hette. Aber es mocht nit
in gmein darzükon, wiewol etliche geschlecht uß grosser bitt
io minen herren das vergonntend, ouch etliche klöster, und das
darumb das man die anderen bevogte [bewegte], ouch daryn zü
bewilligen. Ja, dozmal ward geredt, das ouch etlichen in ge-
heim dise bewilligung wol bezalt wurde. Dannenhar kumpt, das
die nüwen und jungen fryweibel nit zun zyten wüssend, wo
is und was sy gebieten söllendt. Dann [sy] sich dryerlei gat-
tung zü verwalten üwer miner herren geschäft bedörftend zü
gebruchen, wenn kein klag ab inen sol kommen. Erstlich,
als hüt mermalen anzeigt, so hend ir, min herren, vor jaren
etliche herrschaften kouft und dieselben gricht in die statt
so gelegt; über die hend ir volle herrschaft zü gebieten und ver-
bieten, wie ouch die anderen herren. Demnach, wie erst
gesagt, so hend etlich, aber wenig geschlecht der statt be-
williget, die fünf bott hinder inen zü tün; da bedörften die
fryweibel sömlichs zü wüssen. Der grösser teil aber der
25 landtgrichten wend nit dulden, das üwer fryweibel hinder (Bl. 20)
inen nüt gebietind, denn das einig gebott: zü reisen; und so
sy üch schon bewilligend die iren zü tällen, zü füren zü
bieten, uff landttagen bieten, das man s)lle den harnisch
gschouen, so sollend üwere amptlüt das den herren oder iren
so amptlüten kundt tün; dieselben gebietend dann das iren un-
11. H. O, St. Bl. bewegt«. 15. Entweder ist eich in ly zu verbessern,
oder sy vorher tu ergänzen, was O. thut, welcher den Satz folgendermaßen
ordnet: dann si sich dreyerley gattnng bediirfftend zu gebrachen, ew. m. h,
gechäfft zu verwalten. („Sieh gebrauchen “ »h dem Sinne von „ sich bedienen“
kam schon oben P. 30, l. 38. 39 vor.) — Oder ist ü. m. h. geschäft Subjeet,
in welchem Falle sy entbehrlich wäre ?
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52
I, 13. Vortrag des Seckeimeisters Fränkli.
WO] dertanen, und üwere amptlüt nit. Nun syt derselben zyt han
ich nie gesehen, wie vast joch ir, min herren, (ich selbs und
(lwere landtschaft in vergangenen kriegen getAllet, so es ist
an die gschlecbt gebracht, das sy versagt habind die iren
lassen zü tflllen ; doch habend sy die lassen uflegen durch ire s
amptlüt, oucli ynzllchen und harweren. Deßglychen, so man
ftirens bedürfen, han ich sy nie ghört versagen. Wol hat herr
Niclaus, ouch der von Waberen und der vom Stein etwan
klagt, mine herren wöllind die iren von Worb, Belp und
Münsingen zü vil beschüchen, sy sigind unwillig; liessend 10
es doch inen gebieten, aber durch ire amptliit. Uff die landt-
tag, als die richtstül und lang darnach die fryweibel gesetzt,
zü gebieten, habend umb miner herren pit willen alle ge-
schlecht zügseit ire undertanen darzü ze halten, doch das (es)
von iren amptliiten das bott beschehe; das man von inen zü ts
hohem dank ufnam. Item den harnest betreffend zü geschouwen
hand sy nie wüllen bewilligen, wiewol sy sithar darumb frünt-
lich angesücht worden, das es in bysin miner herren und iren
uff dem landtstatt [landtag] beschehe, anders so min herren
inen die schouwung kundt tüind, iegklicher herr in sinerzo
herrschaft der sinen harnest zü beschouwen. Und obwol dise
fünf gebott oder stuck, so fürwar einer obersten herrschaft
gebürend, von dem mereren teil nit angenommen worden, so
beschicht doch in allem üwerem willen genüg und manglet
allein, das ir noch üwere amplüt das nit zü gebieten hend a>
und etlichs mit pit ankommen zü tragen. Dann in miner
6. St. harwähren. (d. i. hieher m die Stadt liefern). 10. G. St. besuchen,
= ansuchen, ersuchen. 14. es fehlt in G. St. 19. St. verbindet stattbeschähe ,
was aber wider den Sprachgebrauch ist ; G. uff der landschafft ; ich vermuthe
uff dem landtag. 19. St. G. anders dann. 21. G. harnest beschouwe. 22.
dise fünf gebott, sie sind oben einzeln genannt: 1) zu reisen, 2) zu tollen,
3) zu Führungen 4) zu Landtagen gebieten, und 5) die Hamischschau.
Vgl. auch den späteren Vertrag mit den Ikoingherren bei v. Rodt, S. 288.
26. G. läßt zu tragen aus und schreibt vorher mit pit ankommind. If'aAr-
scheinlich ist vor „zu tragen“ Mehreres aus dem Text gefallen , denn die
Verbindung mit dem folgenden Hauptsatz ist hart und unvermittelt. H. läßt
wenigstens den Satz vorausgehen : die appellationen kommen daher, daß — .
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1, 13. Tortraf; dee Seckelmeütera Fränkli.
53
jugent han ich das allein gesehen: so die herren gegen einan- \lftO]
dren kämpf hattendt oder den undertanen oder gegen et-
lichen derselben, und iren grichtsessen darüber zü erkennen
nit wol vertruwten, das sömlichs für ein recht hinkam und
5 entscheidet wardt und wyter nit. Als mit der zyt die puren
halsstarrig worden und den herren niinmermer hend wellen
vertragen, das sy von inen gestrafft wurdint wie vor zyten,
denn das sy dieselben durch bekantnus des rechten hend
müssen straften und zun zyten einanderen durch die finger
io sehen und fürhielten, und die appellatz nit fügklich als seche-
ren für sy selber kommen könnt, hand sy zum ersten in der
statt angefangen appellieren und wurdent ouch weidenlich in
irem rechten gehandthapt, hend also uß disem anfang hernach (Bl.21)
ouch denen nit wol können versagen, so von inen für min herren
is hend wöllen appellieren. Ist nun für und für in brach kon,
das man uß allen landtgrichten, wenig herrschaften ußgschlos-
sen, von den twingherren har appelliert, welches ich der
statt zü grosser er und nutz schetzen. Wyter, so ist es des
bösen pfennings halber, wie hüt geredt: die statt allein in
ao landtgrichten, in iren eigenen herrschaften, und etlichen der
klösteren ufnammend, hend uß miner herren pit etliche twing
bewilliget den uff iren tavemen und undertanen, so sy wyn
ynleitendt, ynzüzüchen. Demnach für und für, so sy ange-
sücht sind worden, hat keiner der böst wöllen sin und die
25 stat ouch wie die vorderen wöllen vereren, biß an wenig,
die es bißhar alwegen verseit, wiewol ich mengsmal einen
ernst daran kert, ob ichs möchte an allen orten glychförmig
machen; ist üch, minen herren, nit ein kleiner nutz ouch
merung üwerer herrlichkeit, welches sy nit hend wargenom-
2. ff. kampf oder zangk. 4. ff. für ein rath, ( dahin kam es aber erst
später, wie sogleich erwähnt wird: das erste Moment war ein rechtliches
Verfahren statt des Machtspruches , der oberherrlichen Beamten. 10. ff. ge-
sehen. St. sachendt. ff. daß die ap., ( weil ff. wahrscheinlich fürhalten in
dem Sinne von vorwerfen statt von schonen (s. S. 28, 9 u. 35, 2, 31) nahm ) 12. St.
Cr. in die statt. 19. St. wie hüt geredt : dann als die statt solchen allein —
uffnamend — hand hernach, ff. wyter, des b. pf. halb, wie hüt geret, hat
die statt allein — uffgenommen.
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54
1, 13. Vortrag des Seckelmeisters Fränkli.
[/470] men und von pit und liebe wegen der statt vereffet, gedacht,
inen gienge darmit nüt ab noch uff, gienge allein über die
bösen puren. Ist also der statt wol geraten mit allen rüwen,
die sich mit anderen fügen in keinen wäg darzi hettend
lassen tringen, weder der herr noch der undertan. Und so sich s
nun gegenwürtiger span, so ein klein ansehen hat, aber für-
war ein grossen schwänz daliesse, wie wyse herren wol kön-
nend ußrechnen, inen zü zerrütung und ganzer vernichtigung
irer herrschaften dienen und reichen müßt: bin ich güter
hoffnung, so sy in ein betrag oder t'.dung zogen und beredt io
möcht werden, also das ir, min herren, von üwerem ftirnemen
iez und in künftigem stan wurdint und sy des versehind; hin-
widerumb, das sy üch, minen herren, nachlassind die vier
anderen gebott oder artikel ufzüheben und durch gebieten
[gebieten durch] sich oder ire amptlüt wie und wexm üch 15
das gevellig oder von nöten sin wirt, glych wie ir das gebott
des reißzugs über sy gebrucht; deßglychen die letste appel-
latz lassind an allen orten harkommen, wer deß beger; und
zületst minen herren allenthalben ouch gebüre den bösen
pfennig uff iren tavernen und undertanen, so wyn ynlegend, so
ufzüheben: wo sy üch diser 6 stucken zum reißzug yngönd,
als zü verhoffen, so ist ein hüpsch, ordenlich und richtigs
regiment gemachet in landtgrichten und vast nützlich diser
1. St der statt vereeret, allein der statt scheint Genitiv und noch ab-
hängig von pit und liebe, veräffen aber s. v. a. aus Gedankenlosigkeit sich
etwas entwischen lassen, gleichsam während man Maulaffen feil hielt. 8t
gedachtend, allein gedacht scheint ein latinisirendes Partie. = opinati, wie
8. 40, l. 9. 12. 5. G. und so man nun gegenwärtigen gspan, so ein klein ansehen
hat, aber fürwar ein großen schw&ntz, wie es die wisen herren — ußrechnen,
ihnen — reichen müßte, beruhen ließe. 14. G. oder artikel zu gebieten, wie und
wenn etc. es sind die Worte : ufznheben und durch und sich oder ire amptlüt
ausgelassen. Allein der Text leidet nur an einer Versetzung der Worte : durch
gebieten statt gebieten durch. Man schreibe: die 4 anderen gebott oder
artikel ufznheben, (hier s. v. a. in Kraft setzen, s. unten : den bösen pfennig
uff iren tavernen ufheben — erheben) und gebieten durch sich (Bl. durch
sy) oder ire amplüt. 17. G. gebrucht hand. 19. G. und zuletzt, daß üch
min herren.
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J, 13. Vortrag des Seckeimeisters Fränkli.
55
statt, darum üwere vorderen groß güt hettend geben, und [wo]
kömmend hiemit in die höchste oberkeit ane costen nachred
oder nachteil mengkliches, mit Gott und eren. Aber dise ding
werend bald fürzünemmen und durch peraonen, so den eren-
5 luten amnütig, e dann der kyb und Unwillen sich mere, den
ich noch nienen dann by herr Niclausen gespüren. Hoff,
der werd sich ouch lassen bereden ; dann er ein senftmütiger
herr ist, als ir wüssendt. Gloub ouch, so gemelten herren an
irer nutzung ntit oder vast wenig kan in disen stuken ab- (B1.22)
io gan, und niemants dann die puren beladen, und nun lange
zyt gütlich der statt nachgelassen, so werdent sy sich nit
wider üch, min herren, lichtlich setzen, so versünlichs, frilnt-
lichs und pitlich gehandlet werde. Dann ich mein, ich kenne
iren etlich, so man understünde mit gwalt zü handlen, inen
is als bald Messend die har uff dem houpt und den bart ußroup-
fen. Zületst so sag ich, wo das also an inen nit gfunden
mag werden, und wir so ungschikt und gytig erfunden
wurdent, darvor uns Gott behüt, das wir sy des nüwfündigen
spans nit erlassen wöltend, so wil ich inen ein zimHchs
*0 recht, wenn sy’s begerend, als sy dann gwilß tün werdent,
an das sy kon mögend, lassen gevolgen, wiewol uns jänes vil
erücher und besser were. Dann wir sicherlich in disem handel
nüt mit recht mögend gwtinnen dann spott und schweren
costen, da üwerem stattsekel nottürftiger were den zü er-
*5 sparen, die schweren täglichen zins, so uff dise statt in den
vergangnen kriegen kon sind, ußzerichten; wil also in disem
handel mich für hüt und nachwerts vor Got und üch allen,
minen herren, entschlossen und entladen han, zü nutz und
er diser statt, by dem eidt, so ich deren geschworen hab und
so truwen mit Gottes hilf bißhar getrüwMch gehalten han.
[/4.] Diß ist die summ siner red, so vil ich han mögen
behalten biß uff disen tag; deren ouch ernstlich geloßt wor-
den; ußgnon etliche metzger, die uß Verdruß ruschtend und
9. St. fast wenig — abgan kan nnd dadurch niemants. 32. Q. biß
uff fehlt. 32. Q. ward im ernstlich geloset-
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56 I) 14. Abstimmung. Kistler muß auch den Anstritt nehmen.
\14Z0] geschweigt wurdent. Ich und ander erbar ltlt, so mir’s gesagt,
das disers trtlwen hußhalters und wysen bemischen Catonis
rat mit henden und füssen wurde begriffen. Do wurdent von
venner Kistler mine herren die rät gefragt, under welchen die
nechsten by im warend Bendicht Tscbachtlan und Peter Simon, 5
im folgend die anderen all. Kistler, welcher etlich der bür-
geren umb des seckelmeisters rat fragt; der hat aller alten,
by denen man wyßheit und verstand sich ermaß, die volg.
Darnach fragt er umb den anderen rat, so sin was, der hat
der metzgeren und aller jungen volg und fand sich leider *>
der merer sin, Gott sig es geklagt. Und als gefragt ward,
ob man min herren schultheissen und die anderen, inen
die antwort ze geben, in den rat sölte nemmen, ist geraten,
das man dem großweibel bevölche, inen die antwort hinus
ze bringen, umb das sy nit hinyn gelassen wurdent. Als herr 15
Niclaus von Dießbach die verstanden hat, hat er dem groß-
weibel bevolen, min herren zft bitten, ine umb ein wort zö
verhören, vor allem abraten ; ist’s im vergönnet. Als er hinynkon,
hat er anzogen, das ine wunder nemme, das min herren die, *0
so im von gcblüt nit verwandt werend, in siner sach für
partygisch achtind, die er aber für erlich fromm Berner
hielte, die bißhar mengklichem gricht und recht hettend kön-
nen nach billigkeit sprechen und darby der statt nutz und
er nit underlassen. So es also iren gnaden gefiele, müßt er’s *5
lassen beschehen. Sy hettend aber den morgen gehört und
(B1.23) gesehen, wie partygisch sich Peter Kistler, der venner, gegen
im hette ghalten, das er ouch nicht hette mögen min herrn
schultheissen lassen reden, denn das er die red, so bißhar in
1. G. so mirs gesagt, erwünschten, daß — mit h. n. f. angenommen
wurde. 5. St. die nächsten so by im warend, als Bend. T. H. die nächsten
zwen bei dem seckelmeister. G. die nächsten bei ihm (warend fehlt). 6. G.
H. ihm folgeten, die andern all Kistlern (scheint richtig, 8. S. 61,27). St. Kistler
aber, als er etliche der bnrg. — da hatte er, seckelmeister, by allen alten
etc. 15. St. G. nnd daß. 16. St. die meynung vernam und verstanden.
17. G. ihn ein wort z. v. 18. G. verbindet richtig : zu verhören vor allem
abraten; ists ihm vergönnen.
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i, 14, Kistler maß auch den Austritt nehmen. 57
einem rat von Bern als einem schultheissen zügehorte, hette 1^470]
genommen und ein grosse zyt mit kyben min herren on
allen nutz uffgehalten ; zü dem das der fryweibel heiter hette
geredt, das er wol kuntlich wölte machen, er handlete nllt
s on sinen rat. Nun hettend min herren mermalen gehört, das
der fryweibel nüwerungen ftlrgenommen, die sich noch nienen
keinem rechten gemeß hettend funden, und, Gott truwete, wohin
es noch wyter körne sich fürbaß nit erfinden wurde. Uß allen
erzelten Ursachen verhoffe er, der venner Kistler sölte bil-
i» licher für partygisch geachtet werden denn dise erenlüt. Er
wilsse ouch in diser sach bynach noch keinen widersecher,
denn den venner Kistler und den fryweibel; verhoffe, sy und
ire verwanten söllind ouch abtr'tten. Daruf hat sich Kistler
nach sinem bruch versprochen : das er von sines eids, ouch
is grossen yfers wegen, so er über der statt nutz und grech-
tigkeit zü erhalten, sich mit herr Niclausen in ein red ynge-
lassen, so er wol hette söllen underlassen, wenn er sinen
nutz allein schaffen wölte. Dann mengklich wol gsehe, was
willens und gunsts er empfienge; were doch ouch so torechtig,
20 das umb der Hebe willen diser statt er sich nit mög über-
han oder ablassen, zü dem das im sölches züstande wegen
sines ampts; müßte er denn aber für partygisch gachtet
werden, so bitte er min gnedigen herren ine deß ampts, so
in also verhaßt mache, zü erlassen; und so der fryweibel
üägredt sölte haben, der möchte wol ouch zü vil reden. War
sige, das er etHche mal by im gsin; so het er im graten, so
wie er sich verstünde und der statt nutz und er were ; wöllte
darby ouch beharren biß in sinen tot , besonders diewyl min
herren in wölten nöten, disers ampt zü verwalten. „Er were
» etwan gern schultheis ?“ deß er Heber ab were. Und nam
das uff sinen eidt und weinet darzü, die milte Maria. Uff das
1. St. läßt als am; wenn als nicht etwa am allein vergehrieben ist,
so ist vorher zu ergänzen: niemanden oder keinem 11. G. vil nach ;by
nach = beinahe, fast). 15. 16. Keine Bdschr. ergänzt das fehlende Zeitwort.
25. St. das geredt. G. geredt solte haben, wie herr Niclaus anzogen. 29. St.
verwalten. Daruff herr von Diesbach : er wäre etwa g. B. nnd er dar-
durch in verdacht käme, er wäre etw. g. 31. H. dn milte Maria!
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58
I, 14. Kistler wird wieder hereinberuftn
[l*io] tratend beid partyen ab mit irer fründtschaft, and ward der
seekelmeister angefragt, welcher sich erlütteret: das er kein
anderen rat werde in disem handel geben denn er hievor
gen hette; ließ sich darby merken, er wölte wol, das sich
Kistler der Sachen minder hette beladen; so gloubte er, des s
zangkens wurde minder sin, denn sust darus entstan wurde, als
er förchte. Peter Boumgarter riet: Sölte Kistler für partygisch
gachtet werden umb das er sines ampts halben geredt, wie
einem venner wol gebürte, wer hernach der statt ilmpter
verseen wurde ? und müßte herr Niclausen in sinem ftirnem- io
men unrecht geben, und das man Kistler wieder hinyn nemme
und in heisse in diser und anderen Sachen flirhin wie bißhar
(BI.24) das best tön. Umb disen rat als gefragt wardt, und etlich
beduchte, es möchte nit das mer sin, hend sy gheissen fragen
umb mines herm seckelmeisters rat, so etlich nit wollend ts
gstatten; vermeintend, er hette nüt geraten. Hinwiderum
die anderen vermeintend, ja! etlich, sin rat were vor das
minder worden, warum denn wider geraten sölte werden?
Dargegen andre meinten: das irrete nüt; dick wurde wider
einen handel geraten, und hernach angenommen. Und ward»
also heftig gestritten, als noch nie. Und als gestillet und umb
bed rechte [rate] gefragt, ward erkennt, das Boumgarters das
mer were und Kistler wider hinyn brüft wurde; ducht aber min
herren, der großweibel sölte herr Niclausen gan sagen, was
miner herren will were. By demselben emputendt min herr»
schultheis und die anderen al min herren: By bitten, das man
sy verhörte ein wort, züvor und in herr Niclausen sach
ützit werd beschlossen. Ordneten min herren : ob sy etwas an-
zübringen hettendt, söltend sy das tün uff den morndrigen
tag, deun es wölte zü spat im tag werden wyters zü handlen. so
Hend sy aber lassen sagen: diewyl min herren wöllend, das
herr Niclausen sach ire sach sölle sin, und sich wol erschynt,
wie es nun herr Niclausen gange also, sig ir meinung, es inen
ouch gange und nun ein sach sige, so begerend sy, züvor
22. St. umb bed reden. O. n. b. räte (richtig). 27. St verhörte, zuvor
und ehe (zuvor und bilden zusammen Eint Conjunction, wie nach dem und m. a.)
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I, 14. und eröffnet «eine Meinung.
ützit beschlossen werde, ouch für min herren ir recht zü er- [lfio]
zeigen. Ward wie vor geantwortet, das sy des momdrigen
tags wöllind erwarten. Uff herr Niclausen und deß fry weibeis
handel ist aber der venner Bastler genöttet einen rat zü geben,
s Hat ein hitzige grobe red getan, die geschlechter mechtig ver-
unglimpfet, das sy sich um kleinföge Sachen so mechtig wider
ein statt Bern dörftind setzen, und sy aber so grosse güttät
von ira genommen; und was es joch sige, das ire vorderen
etwas der statt erschossen habind, da sy nun gern mer wider
10 nämind? Er schetze einen dry tägigen Berner, wie sy’s nam-
sind, mer, so der statt das iren gern erhielte und deren fry-
heiten beschirmte, dann dise alten. Und sig wol zü gedenken,
diewyl sy bißhar am regiment gsin und die fürnemsten daran,
das sy der statt fryheiten wenig gesücht zü eräferen, denn
is sömlichs wider ir herrligkeit hette gedienet. So sind die
neben inen nit frisch gnüg gsin oder so unbsinnt, das nie
erä feret worden, wie aber wol langest not were gsin, (oder
so unbsinnt) und so ongverdt das glück hette gwöllen,
das der nüwesten amptlüten einer werde tün wie sin eidt
20 wyse, wie ein ieder frommer Bemer schuldig sige, von etli-
chen des adels getobet werde, als sy hüt ghört; und zü glouben
were, welcher inen nit wurde recht geben, sy den als einen
fyendt wurdent fahen. Und nun könnte er im nüt tün dann
einer löblichen statt nutz, er, recht und fryheiten zü schirmen,
äs das im mer angelegen were denn aller weit gunst oder Un-
gunst; und truwete, das ein ieder frommer Berner also ge-
sinnet were. Harum er Gott wölle lassen walten, dem er ver- (B1.25)
9. St. da» sy nun gern widernämind ff. da sy nunmehr gern widern.
2äs scheint mir jede Amdenmg des Textes urmöthig, sobald man den ganzen
Satz als Frage faßt und die Worte „was es joch sige“ in dem Sinne von:
was es denn soviel auf sich habe? warum man auch soviel Gewicht darauf
lege, dass —) 16. St. daz es nie, ff. daß si es auch nie geäfferet. 18. oder
so unbsinnt ist durch einen Schreibfehler wiederholt und daher zu streichen.
19. ff. Bl. der nüwesten amptlüten einer weißlichen, wie dag sin eyd wise,
miner gn. herren recht beschirmen weite, und ihn deß, wie ieder frommer Ber-
ner schuldig wäre, glimpfet, wurde von etL des adele getobet, das hätten si
hütte gehört, und wäre zu glouben —
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60
I, 14. Kistler eröffnet seine Meinung.
[1470] truwete ein statt von Bern und die iren werde erhalten.
Daruf getrßst wfilte er im namen Gottes sin meinung sagen:
das erstlich er ein beduren hette an herr Niclausen, das,
wiewol vormals vor disem grossen rat beschlossen und erkennt
sige, das min gnedigen herren von irer hohen grichten wegen s
in der herrschaft Worb füg und recht hettend den unfriden uff
brutloufen zü Verrüfen, als wol als herr Niclaus: deß gelychen:
die trostung oder fridbruch were ein gebott und Ordnung miner
herren als der obersten herrschatt, von iren gnaden ußgangen,
und nit von den twingherren; so stündint derselbigen straff, io
wie die Ordnung das ußwyse, ufzüheben und ynzüzüchen
fniemants zü denn ir gnaden]. Nütdestominder, so hette er
einen so treffenlichen, löblichen rat so für lichtverig geachtet,
das, so dozmal ein ieder one zwyfel by siner conscienz,
eid und er erkennt hat, widerum erAferet, und z’nüte under- is
standen zü machen, das er nit für ein kleinfüge schmach
hette. Hierum so Hesse er dieselben zwen artikel stan, und
das dem gelebt wurde wie dozmal min gnedigen herren rät
und burger beschlossen habend. Demnach were diser statt
rat alleinig beriift worden von wegen das herr Niclaus den a»
fryweibel mit recht gevertiget, umb das er obgemelt verbot in
miner herren namen getan, und darumb um 100 & im zü-
bekennt, darvon er der fryweibel ftir ir gnaden geappelliert;
und, wiewol das mine herren im kleinen rat erkennt, zü Über-
fluß, denn es nit von nöten, wie herr Niclaus selber bekennt »
oder bekennen müß, iedem von Worb, so sin bedörf, wol
gezimpt für min gnedigen herren zü appelHeren, und nun-
mer des min herren im possess und gewerd sind: nüt desto
minder hat das gricht von Worb ime die appellatz abbekennt
mit der urteil, und vermeint ouch herr Niclaus dem fryweibel ao
nit für min herren die appellatz gevolgen ze lassen; als ir das
alles hüt durch das urkundt von Worb und herr Niclausen
12. G. H. Bl. niemanta zu dann ihr gnaden (ist unzweifelhaft aus
dem Text gefallen, da der Sinn diese Ergänzung erfordert). 25. G. lässt
bekennt oder aus. 27. G. dann non mehr.
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I, 14. Abstimmung.
61
red wol verstanden hendt; ab welichem flirnemmen ich noch [wo]
mer beturens han, denn von dem vorgenden. Dann wohin
understat herr Niclaus die statt Bern zü bringen? Ich gloub
in der warheit, wo sömlichs ein gwaltiger filrst flirgenommem
5 ir min gnedigen herren wurdent es im understan mit einem
landtskrieg zü weren. Und müssend das von einem Berner
lyden! Und wend doch ja vil bessere Berner sin, denn andere.
So nun ir, min herren, hochherm zü Worb sind, und alle stuck
daselbst in Übung sind so einer höchsten oberkeit züstond,
» und insonders dallenme in possess und gewerd der appellatzen,
wie herr Niclaus selb nit alles kan verneinen, so ist min
meinung und rat : das herr Niclaus den fry weibel umb beide,
des gebots und des trostbruchs halben, unersücht lasse oder
im vor tlch minen herren in appellatz wyß antwort gebe; und
»•■so er deren keins wölte tin, sonders türfaren, so will ich
alle die geschwomen oder grichtsessen zü Worb, so sich findt
die ungrymte urteil geben, wo ich die mag ankommen, lassen (BL26)
fahen und ftlr recht stellen, zü denselben klagen als ver-
letzeren der obristen herrschaft, so da hend wollen dieselbe
8o berouben des iren, das ir gewerd und possess sige; und be-
dunkt mich, sprach er, uff minen eidt, wo es hie blyben
söllte, das in einer sömlichen sach zü miltiglich geraten were,
besonders herr Niclausen person halb.
Item min herr sekelmeister ward gefragt. Der sprach
äs abermals: er hette sich der lenge nach hüt siner meinung
erlüteret, darby werde er’s lassen blyben. Also seiten ouch
die zwen nachvolgenden, Tschachtlan und Peter Simon; alle
anderen min herren volgetend Kistleren. Mine herren die
burger wurdent umb Kistlers rat gefragt Do hattend alle
so die uff, so vormals ouch. Und als man nit wyter wolt fragen,
stündent etliche erbare uff und seiten: warumb umb des sekel-
meisters rat nit ouch wurde gefragt? Entsaß min herr sekel-
meister, es wurde wie vormals span darus, und sprach: er
hette doch nit geraten, und were nit briichlich wider umb
ssalte ratschleg zü fragen; ntittestominder ward aber vast ge-
10. O. nunmehr. 16. St. so sich finden die da.
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62 I) 15. Die Twingherren verwahren ihre Hechte.
[t4ro] zangket. Die alten woltend, das gefragt wurde, die andren
nit; und das der span ufhorte, hat Kistler gefragt. Und als
aber das mer erfekt ward, ist Kistlers rat das mer worden.
Daruf ist herr Niclaus hinyn beruft, und wollt Kistler, das min
herr sekelmeister ime miner herren ansehen eroffnete. Das 5
hat er nit wÖllen, ouch sonst keiner tön; da hat’s Kistler
tan. Hieruflf herr Niclaus antwortet: er hette sich eines anderen
gegen minen herren verseen, bäte aber ir gnaden, sy wölte
nit zürnen; denn er an diese ir meinung nit kommen noch
darby verblyben möchte. Und ward daruf von etlichen vast 10
geruschet, und stönd iedermann uff, denn es war spat, und
hendt also disen widerwertigen morgen geendet. Gott wölle,
das es nit vil unheils bringe!
[15 J Morndes tags stönd herr Niclaus im rat uff und
sprach: min herren wüßtend, wie sine vorderen, die von fe
Büren, von inen vor vil jaren die herrsehaft Signouw erkouft,
wie die herren von Signouw die inghept und besessen hettend,
allein etwas kleins Vorbehalten, sampt dem gricht von Röten-
bach, wie inen das kund were ; were ouch deren biß uff den
iiüttigen tag also in besitzung. Darby wüßtend sy, das das- 20
selbig gscblecht und herren fryherren, so keinen oberen er-
kennt heigend, werend gsin. Und als min herren, im un-
verschuldt, sich mit im uß antryben des fryweibels und siner
ratgeben in spän gegeben und darüber etwas gestert ge-
ordnet, daran er doch nit kon möchte, wölte er gern von *5
iren gnaden verstau, ob es ir meinung were, sich deren ver-
botten zü gebruchen und straffen ynzdzüchen in der herrsehaft
Signouw, wie sy vermeintend in der herrsehaft Worb? Und
ist hiemit abtr&tten. Glych stöndent min herr Schultheiß,
herr von Bübenberg, Ringgeldingen, ouch all ander uff und so
seitend: Min herren hettend sy gestrigen tags von herr
Niclausen von Dießbach span, so der fryweibel erfunden,
(Bl,27) heissen abträtten und für partygisch gehalten, deß sy sich
wenig verseen hettend und darby abnemmend, das sy frylich
hinder inen in iren herrschaften uf des fryweibels angebung «
8. St. sy wöltend.
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I, 16. Die Twingherren verwahren ihr« Rechte. 63
oder nüwerung ouch wölten sich sömlich verbotten und straffen [/470]
ynzüzüehen gebruchen. So aber uff gestrigen tag venner
Kistler in der antwort herr Niclausen gegeben hette gemeldet:
„in der herrschaft Worb“, und nit in gemein gredt hette, und
5 darum nit möchtind wüssen, ob min herren etwas wyters
zü Worb dann in iren herrschaften hettend, uff das sy sich
nit klagtind, eb inen etwas beschehe, begertind sy ein er-
lüterung von minen herren, ob sy sich in iren hohen und
nideren griehten understfindint, semliches, wie sy gestern
io gegen herr Niclausen in siner herrschaft Worb erlütteret
hettend, zü gebruchen? wiewol sy inen dessen keineswegs
truwtind. Und sind ouch hiefür gestanden. Daruff ist herr
Niclausen, ouch herr schultheissen und allen anderen geant-
wortet: das uff morndrigen tag man inen wurde den grossen
ia rat versanden, da möchten sy ir anbringen fürwenden. Und
morndes ist herr Niclaus vor dem grossen rat des ersten ver-
höret, hat sin anligen, wie deß vordrigen tags enteckt. We-
lichem diser bescheidt worden : das in der herrschaft Signouw
gebüre dem fryweibel das verbott des unfridens nit zü tün; .
20 aber die straff der fridbrüchen, wie die in der ufgrichten Ord-
nung angesehen, uff das es miner gnedigen herren gebott
und nit des underherren, die söll der fryweibel ynzüchen
und irem sekelmeister darumb rechnung geben. Daruff ant-
wortet herr Niclaus: er hette des kein wüssen, das er von
»5 iren gnaden begert habe, das sy darum erkennen sölltend,
wie der venner Kistler gseit hette, das ir gnaden das uff sin
begeren erkennt habindt; er nemme ouoh sömliches erkennen
nit an, dann es gestracks wider sinen koufbrief were, den
sy im, ob Gott wil, halten werdint. Er hette allein das be-
3o gert, sich zü erkunden, ob sy glyches fürnemmens werind
in der herrschaft Signouw, wie sy sich vorgestern entschlossen
in siner herrschaft Worb handlen wöltend, und uff das er
gsehe, öb die brief, so im eine stat Bern geben, und ander
4. St. in der herrschaft Worb. Denn in ihren herrschaften hätten d
sy nöt, nff das sy sich (der Text ist verstümmelt) . 21. O. nmb daß es —
gebott sey (scheint richtig). 32. St. daß sy in siner herrschaft Worb.
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64 I, 15. Die Twingherren verwahren ihre ßechte.
[/470] alt unargwönig brief in glychem werdt oder nit by inen
werindt? So hette er leider iez erkundet, das ein junger
Mfner puwr ein löbliche statt Bern dahin gebracht, das beid
ire und andere erliche und redliche brief und sigel nüt mer
gelten söltend: hoffete aber, Gott wurde sin gnad hieryn s
senden, das es besser wurde. Uff dise red hat Kistler in
gheissen abträtten und gesagt: min herren mögind nun wol
hören, was herr Niclaus für ein Berner were, und was er
gegen minen herren im sinn habe; das ja kein frömbder ie
so schantlich der statt Bern ie zögeredt habe. Wölle man in io
darum kramen, möge ers ouch lyden. Und als von etlichen
ward geschruwen: er sölte ein frag darumb han! hat er min
herrn sekelmeistem angefragt, welcher geantwortet: er habe
vorgestert in disen hendlen siuen beschluß gemachet, und
das mermals gebetten, ine nit wyter ze dringen. Daruff sprach in
(B1.28) Kistler: das treffe denselben liandel nüt an, disers treffe einer
statt Bern er an, die so großlich hüt von dem rnpnn ange-
tastet were; darüber sölte er raten, by sinem eidt, den er
. der statt geschworen beige. Do antwortet der sekelmeister :
diewyl er by sinem eidt erkennen sölte, so müßt er be- so
kennen, das herr Niclaus von Dießbach die warheit geredt
hette. Wie er dann etwas darum könnte raten, diewyl min
herren mit im leider in grosse spän werend kon ? Kettend sich
eines richterampts underwunden, da sy aber wol söltend
verstan, das herr Niclaus nit wölte der urteil geleben, umb ss
das sy sicher werind. Also wurd er sich in disem liandel
noch mer klagen; dann es wurde nit güt und herrscliaften
antreffen, sonders er und lyb : söltend sy in denn berechtigen,
3. ff. fauler baur. 9. ff. ob doch kein frömbder. H. ob doch ie ein
frömbder. 11. II. mögen si daran kommen. 11. kramen — da sich keine
Variante dieses befremdlichen Ausdrucks in den Handschriften findet (denn
„kommen“ t» H kann nicht in Betracht kommen), so bleibt nur übrig
„Kramen“, ironisch in dem Sinne von „ einem ein Geschenk machen, ihm
etwas eintränken, vergelten “ zu nehmen. 15. St. u. ff. lassen „daa“ aus.
29. ff. — könnte raten, dann der Sachen halb, da min herren in grosse span
mit ihm leider wären kommen und sicheines richterambts hätten nnderstanden.
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I, 15. Tumult in der Burgerstube.
65
so wurde er wol mögen erzeigen, was er gredt hette, die [/d70
warheit were. Also möchtend mine herren nit wol entrtinnen ;
dann' in eräferung diß nilwen handeis, welicheu wäg s y für-
nemmind, sige nachred, schmutz und uner zü erlangen; were
5 ouch zü entsitzen , wo sy nit anfiengind wyßliclier zu rat-
schlagen denn aber etlich tag were beschehen , ein statt noch
ungeschicktere wort zü vertragen müsse, dann herr Niclaus
ie gredt hette. In dem fiengendt etlich an schryen: herr
Niclaus hette nit die warheit geredt; und wurden! groß un-
io züchten mit wyß und Worten begangen, und das getümmel
und gesclirei also groß, das min herr Schultheis und die
erlichen geschlechter, die stattknecht und alle diener, ouch
wer uff dem rathuß war, meintend, mine herren werend zü
hand an einandren kommen. Darum min herr Schultheiß die
io tilr uftet und kam hinyn mit allem volk, und war vast
zornig der grossen Unzucht, und lobt doch Gott, das es nit
stünd, als er forcht. Aber es war vast zyt das er käme, mines
bedunkeus, und fieng der güt fromm ritter an zü klagen:
wie sich die einigkeit dises rates hette verkert, by deren die
2o statt hette zügnon. Er furchte, solle es also beharren, das sin
ein statt in etlich weg bald müsse entgelten. Und das hette
können z’wegen bringen der einig witzig fryweibcl und wenig
siner handhaberen! Do mocht sich Kistler nit enthalten denn
das er seit: es werend vil redlicher Berner, die filrnemlich
25 denen die schuldt gebendt, die sich umb kleinfüge Sachen
wider ein statt satztend und dero gerechtigkeit nit wöltind
lassen gan, darzü sy füg bettend. Do antwortet min herr
schultheis : er wüßte keinen under denen, so hie by im stün-
dent, denn das sy allein hoffetend, darumb sy güte brief und
so sigel bettend und etwan menge landtsgwerd , darby wurdent
sy min guedigen herren schirmen. Und fieng an: warumb
sy vor minen herren da erschinindt; und das sy Uber den
handel rietind und antwortind früntlich, nit kybindt; dann
sy hettend nun etwan mermalen dermassen sich erzeigt, wo
7. St. Bl. wort ertragen müßte. G. müßte vertragen. 9. G. geredt:
dargegen viel: er hätte die warheit geredt.
Quellen tur Schweiicr-Getoliichte. I. 5
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66
1, 15. Abstimmung vor Räth und Burgern.
[1470] es mer sölt beschehen, wurd im von nöten sin, als irem
houpt, fürseh ung zfl tön; welches aber einem wysen rat vast
spötlich wurde sin. Aber die gefar were zü groß, darum er’s
nit wurde können underlassen; wölte darmit beide, min
herren groß und klein rät, ermannt und gwarnet han; und s
gieng hinus mit den anderen. Demnach, wiewol Kistler sich
(B1.29) vast wert, müßt er doch den ersten rat geben. Der was, wie
er gegen herr Niclausen geben hat : dann sy hettend nit mer
in iren hohen und nideren grichten, denn wie ouch derselbig;
und wie desselbigen bscheidt vorgester und hüt were ergangen, io
also wölte er sich mit disem halten und darvon sich nit lan
wenden. Hat darum umgfragt; dann der sekelmeister wolt
nit raten, ouch etlich wenig mit im. Do ward der groß rat
gefragt, da sich aber groß zangk hat erhept. Und aber, uß
pit und wyßlichem ermnnen des seckelmeisters, sind die, so is
an sinem ersten ratschlag hielten, abgewisen und gestillet,
und hat also Kistler abermal überwunden und begert, das
die urteil vor rät und bürgeren, wie ouch züvor, wurde geben.
Do wardt min herr Schultheis und all ander wider hinyn
brüft und hend die antwort über beide stuck, des unfridens eo
in den nideren grichten zfl verbieten und die fridbrüch in
hohen und nideren grichten ynzenemmen, und wie es herr
Niclausen war erlütteret.
[16] Daruff habend sy begert, das mine herren still hal-
tind, biß sy umb ein wort by einandren sigind gsin, uff das *
sy nit morndes aber müssindt harkon und syen bekümmeren;
tratend hiemit uß und bald kamendt sy wider ynhin. Do fieng
an herr Adrian von Bäbenberg und erzellt von der Stiftung
der statt, wem sy bevolen zä regieren im anfang, und das
noch derselben geschlechten drü hie zägegen stündint, die ao
von Erlach, Urban von Muleren und er, so sampt anderen,
die ire vorderen gsin, hinin in die statt gezogen, ouch’ etwan
genötet, dise statt hettend ufbracht und derselben mit iren
20. G. die antwort empfangen. 23. G. erbittert worden. 26. G. Bl.
uf daß sie sie nit morndes müßten harken ( Bl . helken) und bekümmern.
32. G. Bl. gezockt.
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I, 16. Rede Adrians von Babenberg.
67
herrschaften ein landschaft z fl ring umb die statt gemachet, [1470]
mit welicher nmnnschaflt sy einen grossen teil oder all ir land
hettend Uberkon. Dann das, so sy schon erkonft, were inen
nit zü koufen worden, denn von forcht wegen der weideu-
s liehen ritterschaft, so in der statt warend, und der hilpschen
. niannscliat't, so die statt von dem yngezogenen adel hat über-
kon, so die grossen graffen und fürsten an etlichen enden er-
kundet hattend. Und wer het ouch die erkouften herrschaften
bezalt? Warlich der gmeine schlecht burger nit, oder doch
io nit vil, so joch ein teil darumb ufgleit worden. So hat noch
die statt do wenig rent und gült. Dann ir gseend, so die statt
iez in groß rent und güt kon ist und die vile der landen
überkon het und denocht iez kum mag fürkon, das oft wirt
gredt: wo der iezig sekelmeister nit so vil jaren so kündig
is der statt huß hette ghalten oder bald abgan sölte mit tot,
das die statt etwas böß an die liand müßte nemmen, domit
sy uß schulden k;tme. Warlich die grossen rychen geschlecht,
die in der statt warend, hend dise kouf vast müssen bezaleu.
Wer het die langwyrigen krieg gegen denen fürsten mögen
*o tragen und erhalten? Zwar der stattsekel nit; dann sy hat (Bl.30)
kein landtschaft von deren sy’s neme: so hette es der schlecht
burger und handtwerksmann ouch nit vermögen: aber der
rych, mechtig adel, deß alle rent und gült in diser landtschaft
in zweien oder dryen mylen wegs in alle ründe harum her
25 war, der ouch die gemeinen handtwerkslüt diser statt erzog,
der het die schweren krieg erhalten. Was rychtagen sy ghept
habind, findent ir wol in so viel klösteren in diser statt und
in der ganzen landtschaft so man kürzlich genempt die vier
landtgricht, die sy gestift und begabet hend; und sonderlich
so wenn etliche geschlecht abgiengendt, als leider mit grossem
schaden diser statt an zal abgangen sind, so gabend sy all
ir rent und gült dahin, das nun der statt nüt mer zü hilf
kumpt, weder in lieb noch leid, wie zfivor; [da] bleib es vast
11. St da batte ouch dazamahl die statt. 12. O. and vil der landen
hat. 33. St. wie zuvor; da blieb es vast der statt. O. wie zuvor; bleibt
vor der statt vast. (Das Mnscpt. interpungirt nicht nach zuvor.)
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68
I, 17. Rede Adrians Ton Babenberg.
[/-#70] der statt. Und hend die erlichen gschlecht vermeint Gottes
er zü schaffen und ir er und selenheil, so förcht ich, sy hei-
gend vil hüren und hüben gestift; wo sy das betrachtet hettendt,
hettend sy’s on zwyfel lieber der statt verordnet, wie ouch
etlich getan. Dann vil erliche absterbende geschlecht hend 5
ir güt der statt verordnet, so ich wol wüsste zü finden. In
summa, so ist ein s ("unlieber treffenlicher adel in diser statt
gewesen, das wir iez zü unseren zyten weder an lyb noch
personen und noch vil minder an güt vermöchtend zü ver-
zeenden. Die hand der statt er und uffnung gesücht und da io
weder lyb noch güt gespart, ouch ire undertanen in der ganzen
landtschaft darzü gehalten.
[1 7] Do sy gemachet, das sich daryn etliche frömbdling
und nüwe Berner setzten — das wir inen nit verbannend,
hetten ouch gern er und fründtschaft, wie ein burger dem is
anderen schuldig, bewysen — understönd uns um unsere
alte und erbare recht zü bringen wo es an inen stünde , und
nemmend [nennend] der statt nutz, den sy nie gsücht, und
derselben fryheit von königen und keiseren gegeben, die sy
nit verstöndt, und redent von redlichen Berneren, gebend so
lieber das ir, denn sy sich wider die statt legtind. — Wie
redlich sy sigind, sölte man noch wol yngedenk sin syt dem
nechsten früling, so man mit den Oesterrychem ghept. Oder
was hend sy noch der statt des iren geben oder nummen
nachgelassen? Ich gsich nüt, denn das sy stets von der statt ts
nemmendt, glebend und rych werdent, die kürzlich arm gsin
sind. So sy nummen unz gan Höchstetten oder Stettlen rytendt
und ein mal uß essend, so müß es alles wol bezallt sin. Do
aber in Frankrych, zum keiser, zü dem herzogen von Bur-
gundt hinab in die Niderlandt, gan Turyn zum herzogen von so
(B1.31) Saffoy z’ryten ist gsin, da sich erliche ufrüstung von üwer
miner herren wegen gebürt, hat herr Niclaus von Dießbach,
9. ff. vermöchtend oder wüsstend zu erzehnden. 12. 13. St dahin gehalten,
daß ey gern. 13. ff. gemachet, darin sich — setzind. IS. St. sy nnderstnnd aber
uns, ff. so nnterstandt sy uns. 18. ff. und nennend es. 23. früling — so lesen
dUe Handschriften-, es ist eine Misschreibmg von nrliug, d. i. Orlog, Krieg.
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I, 17. Rede Adrians von Bubenberg.
69
min herr schultheis, min alter herr Schultheis von Ringgel- [wo]
dingen und ich müssen ryten. Ich wölt, das dieselben an
miner statt werend gewäsen, ich wölte gern gseen, was sy
der statt hettend wurden han geschenkt! Ich aber will können
srechnung geben, das syt herr Heinrichs, mines vatters, tot,
das nit lang ist, ich von diser statt wegen ob den 500 ryni-
scher guldinnen verritten han, so ich noch zum teil üweren
wat- und handtwerkslüten schuldig bin. Ich weiß wol, das
die anderen miner herren dry iren teil ouch hend ghept. Das
io beturet mich nüt, dann unsere vätter mer getan hendt. Dise
wend aber, das wir gebend und der statt nüt mer zü dienen
oder geniessen habindt, oder sy wend es uns sonst anrichten
zü nemmen. Wir gseend so sy den angriff nit dürfen tün,
müssend sy einen frichen puren zum dorf anreisen. Und gloub
is ftirwar, umb dise und unserer vorderen woltaten hassind sy
uns und verdarbtend uns gern, dornit sy uns kein dankbar-
keit schuldig werend. Sy aber könnend der statt nüt gen,
sonder nemmen, und toub werden, so ein frommer Berner
die woltat unser vorderen und unsere dienst anzücht. Ja,
» die zü verkleineren und andere wider uns anzühetzen, dür-
fend sy hin und wider sagen: es wölle ein nüwer inütwilli-
ger adel ufstan, so statt und land überlegen wölle sin, und:
ire vorderen habind sy nie mögen dulden, sonders vertriben
und daran ir schweis und blüt vererret, und tünd das, andere
» z’nöten mit uns ouch also z’machen , und schemend sich nüt,
öffentliche lüg und ding zü sagen, von denen sy nüt wüssendt.
Dann, wie hievor gseit, so het ein regiment von Bern, weli-
ches der adel iewelten gefürt hat, keinen adel ie vertriben,
aber wol grosse krieg mit graffen und fürsten gehept und
11. G. daß wir der Stadt nüt mer zu geben oder zn dienen babind.
13. G. wie? gseend: 14. St. G. anwysen. Dorf ist vielleicht in dörfen zu
verbessern. Vbn Rodt vergleicht die bemerisch mundartige Redensart: er
ist uf ihn z’dorf = darauf los, die aber kaum so verkürzt werden konnte,
auch widerstrebt der Artikel in znm d., statt z’dorf. 25. G. und rathen,
daß von nöten seye, mit uns. St. es mit uns.
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70
], 17. Rede Adrians von Babenberg.
[1410] denen angesiget. Und das hat die statt durch den adel uß-
grichtet. Und wie hette sy denselben vertryben, so der gröst
adel diser landen in dise statt, wie ouch etliche in andere
stett, gezogen und hie abgestorben, und deren ich wol wölte
wttssen etwan uff die 40 geschlecht zil erzellen? Wär aber s
der nüw, mfitwillig und überlegen adel sige, der ufstan wil,
den kenn ich nit, sy sigend denn dieselben. Dann wir hend
noch in der statt Bern von niemants keinen mütwillen noch
Überlegenheit gehört oder gespürt; were ouch nit geduldet
worden. Sind aber hie in wenig jaren nit etlich ufgestanden, io
so etwan schlecht, arm gsellen warend, konntend werken,
handtwerk tryben? Aber sy könnend’s nilmmen, dann allein
groß junkherren sin, die man grüßt und nampt: meister Peter,
meister Rüdolf, meister Hans! Iezund solt man sich nit vor
inen tief bucken, ein halb myl wegs mit entecktem houpt i*
(B1.32) gegen inen kon, nit junkher und herr, ja ouch gnädiger herr
sagen, wurde es übel gan. Wie oder warmit hendt sy’s so
schnell überkon, so sy’s doch nit ererbt hend und vor kur-
zen jaren arm gsin ? Fürwar es mag nit iedermann, so neben
inen gewonnt, sin nutz gsin. Und iez fahend sy aber an *>
mötwillen und wend uns unsere vätterlichen und mütterlichen
erb nemmen, ja ouch deßhalb unverhört; dann sy weder un-
sere brief noch sigel nie ghört noch wöllen hören, denn des
einigen herr Niclausen von Dießbaehs. Dieselben geltend ouch
nüt by inen, obglychwol die alten, wysen, tiiren Berner die-»
selben under der statt sigel hend lassen ußgan. Ist das nit
gemütwillet, so weiß ich nit, was gemütwillet heißt. Lieber,
wenn sömliche gricht und recht von einem grossen fürsten
ußgschrüwen wurdent, wurdent dise nit selber sagen : 0 was
3. G. allein in die statt (aoßgnohn etlich, so onch in andere stett)
zogen. 19. St. gsin sin. 20. St. ihr nntz gsin sin. G. Bl. es mag nit ieder-
man (Bl. iedermans), so neben inen gsin, nntz gsin syn, es maß etwan ein
weybsgesessen legen gsin syn. Bl. schreibt : wyttsgesessen legen (beides ist
mir unverständlich; das weibsgesessenlegen scheint auf einen Erwerb durch
Heirath, auf ein Anlegen Weibergut eu erhaschen, huizudeuten).
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1, 18. Bede Adrians von Bubenberg.
71
grosser tyrannen sind das? Und sy tünd's selber! Sind ouch [wo]
sömliche wyse, htlpsche, gerechte bekanntnussen von uns ie
gehört oder gegen iemants ie gemütwillet? Sy könnend ’s nit
erzeigen.
s [18] Oder warin sind wir iemants überlegen? Villicht
in dem, das all unser rent und gült hie in diser statt vertan
und verzert wirt und vil mer darzü etwan, das ich ouch,
wenn der watmann bezalt wil sin und nit ein matten oder
hoff nemmen wil, ouch [mich] im muß ziußbar machen. Wir
io fürend unser körn haryn uß pit der handtwerkslüten und
gend inen das an bezalung, und zweier plaparten neher dann
die landlüt. Deßglychen mit unserem wyn, den wir allen
haryn fürend; da behaltend wir einen zimlichen schlag und
gang der ganzen gemeind und bezalend der statt ein grosses
is umgelt und bößpfenning, des wir wol entprosten werend, so
wir den in liüser vor der statt ynleitend und denselben ouch
da trunkend ; so kämen wir nit also in schulden, das ich für-
war by lengem entsitzen, das wir by unserem dienen oder unsere
kind zü arrnüt müssind kommen, und das unsere güter ouch
io etlichen, so uns iez gern das unser nämend, in die handt werde.
Also mütwillend wir hie und sind einer gemeind überlegen! Wo
sy aber wöltend sagen: „ist es nit in der statt, so ist es uff dem
landt“, so wil ich sy gebetten han, das sy uns einen einzigen
anzeigindt, mit dem gemütwillet sige worden oder der klage, das
*5 wir im überlegen sygihd ; es were denn etwan ein böser leker,
so nach bekanter urteil von uns, und denocht gnedigklich, ge-
strafft worden. Gange einer herfür, der könne klagen, das
wir einichem das sin understanden zü nemmen, oder wyb
und töchteren zü sehmechen. Es wirt sich nit finden. Und
so in summa, so sindt wir unseren undertanen also überlegen,
das, so wir in der statt dienst, wie vorgemelt, uns so wol huß
hendt, das wir understündent etwan etliche unsere herr-
schaften hie minen gnedigen herren und anderen zü verkoufen, (B1.33)
9. G. mich ihm. St. ich mich ouch ihm. 11. G. ohne Bezalung. 20. G. in
die hur (.Harrt ?) werde ( der Sing, „werde“ ist incorrect auf „du unser“
bezogen),
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72
J, 18. Bede Adrians von Bubenberg.
[ifto] das wir’s von irer grossen pit wegen, das ouch flirzekon sy
sich selber gesehetzt und angeleit und darmit unsre schulden
züm teil bezalt hendt, underlassen; das vil miner herren zü-
gegen wüssendt. Wie ist im nun z’tün, das wir mögind unser
er und erb vor disen ufsetzigen lüten bewaren, weliche beide s
untrüglich zü verlieren sind ? Lichtlich wtlssend wir’s zü tön ,
wenn wir diser statt rüw, er, güter Ordnungen als wenig
wöltend verschonen, als sy. (uns heissend) [Sy heissend uns]
hinus gan, sünderend uns von einandren, uff das sy uns das
unser mögind mit allen listen und alefanzen nemmen, und’ 10
wir duldend’s alles von der statt und regiments rüw wegen,
uf künftiges end, das güte Ordnungen nit ufgchept werdint
Dann, so wir uns nit, wie sy wend, liessend Blinderen und
hinus tryben, als wir wol möchtend, was hettend sy oder
was möchtend sy uns tün? Nüt. Und wellend’s denocht in 15
der statt namen tün, mit welichem deckmantel sy allen iren
gewalt und ungrechtigkeit verdekendt, das billich Urban von
Muleren redt und by vilen frommen in ein sprüchwort kon
1st: er wölle der statt gern dienen, aber für die statt nit in
d’hell faren. Und umb das (nun) [man] inen zun zyten, wie*
billich, das fürkumpt, denn so sind wir inen ein überlegner
adel. Und sind aber also gelert, wenn man niemants wider
recht das sin endtfrömdet und da obheige, das sy [sye] denn
der statt nutz und er und den eidt gehalten. Nun duldend
wir’s, obwol sy nüt die statt sind, als sy sich ußgend, sonder *5
vil mer uff unser syten die statt ist. Dann in den ämpteren
und mereren zal der personcn, die in das regiment verordnet
sind, wirt die statt benamset; wir hend uff unser syten den
nüwen und die alten schultheissen, nüw und alt venner und,
als wir hoffend, den meren teil des kleinen rats. Und wer»
zwyflet, so wir by einandren wercnd und uns wider züsammen
t&tind (das sy uns, ob wir wölten, nit weren möchtend), sy .
ouch wyt übertreffend? Aber wir wend diß regiment in kein
6. St. unerträglich. 8. G. Bl. als sy. Sy heissend uns. 20. St. läßt nun
aus. G. Bl. man inen. 23. Bl. daroh heige. St. G. sye (seye). 33. G.
deßgleichen onch im großen raht sy weit übertreffen?
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I, 19. Fränkli's Meinung.
73
gfar oder Unordnungen bringen, sonder wend das rüwiger an
die hand nemnaen und wend denselben nttwlingen umb ire
nüwerungen ein zimlichs recht erbieten, und ein recht, das
sy sdchindt fromme, unverlümbdete menner im landt oder
5 usserthalb, wo sy wöllendt, oder joch im kleinen oder grossen
rat diser stat, ußgeschlossen dise, die also unerturet schnell,
und gar noch unverhört, uns unsre er und erbgdt hend wöllen
nemmen. Was dieselben by iren eren und eiden, so wir ver-
hört werdent, mögendt erkennen, darby wöllend wir in gdten
>o trüwen blyben. Doch hiezwüschen werdent wir uns mit der
hilf Gottes by unserem harkommen, erb und rechten, wie
bißhar, erhalten und darvon nit kommen. Das wellendt wir
denselben anzeigt und darby vermannt haben, disere gebtlr- (Bl-34)
liehe erbietung nit in wind zd schlachen, sonder, diser lobli-
i5 chen statt zd verschonen , unserem rechtlichen filrschlag der-
massen zd begegnen und antworten, das es zd der statt uff-
nung und ribw möge dienen; weliches uff unser syten die
höchst begird ist, die wir hend.
[10] Uff dise herrn Adrians rässc und lange ree hat aber
so der Statthalter Kistler vil hitziger, giftiger Worten lassen loufen
und gefragt : man höre wol ir rechtbott, und das sy darumb
begerend, das man darum raten wölle. Hat man in heissen
raten. Ist sin rat gsin: er wölle sich mit keinem tröuwen
lassen abschreken von dem, so vor vilen tagen nun mermalen
25 min herren rät und burger beschlossen , ouch kürzlich , als
das zangken angefangen, sich mit dem eidt verbunden by dem
meren zd belyben. So wölle er ouch nit lassen ynrysen,
das die statt einem ietlichen zum rechten müsse stan. Wo
die statt hink;' me? Sy vermöchte es nit an gdt, were ouch
3o der bruch nie gsin; besonders in einer löblichen Eidgnos-
schaft und denne gegen iren eignen bürgeren und undertanen.
Es were kein ort oder statt in der Eidgnossschaft so kleinflüg,
die das litte oder täte; so wölte er dise statt ouch nit dahin
1. ff. oder künftig Unordnungen. 4. St da sy snohind. 7. ff. Bl. und
vil noch. 21. 22. St. das sy begärind. ff. ihr rechtbott und begehren ; was
man darum rathen wölle ?
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74
I, 19. Fränkli’g Meinung.
[/470] lassen bringen. Der sekelmeister wardt gefragt. Der wolt nit
raten, sonder sprach: er hette sich vormals in sinem rat umb
alle die züfcl entschlossen, darby liesse er’s noch blyben.
Als er aber getrungen ward zü raten, hat er gseit : er wiisse
ouch wol, das was ie das mer werde (ob es glych das böser s
sige), das man darby blyben sölle: hierus aber folge drumb
nit, das man not halben hernach und zü allen zyten by dem-
selben mer müsse blyben , und das man es von der statt nutz
und er wegen, nach gelegenheit der Sachen zyten und zü-
fälcn, nit wol möge endern und verbesseren; man habe das io
ouch uff sömliclie wyß nit gschworen. Dann das müßte not
halben ein seltzams und ungrympts regiment gen, und gloubte
ouch nit, das kein sömlichs iez noch nie sige gsin. Darum,
Gott geb was gmeret oder gschworen were, so wölt er sines
güts 100 rynisch guldin und noch mer gen, das diser handel is
nie angfangen were, von der statt nutz und vil mer von irer
eren wegen. Er gsehe, das man der statt mit einem guldinen
netze wolle fischen ; hettend angfangen darus kein nutz könnte
entstan, aber wol vil costens, deß die statt, die in so vil un-
treglichen zinsen steke, nützit bedörfe. Harum, wie vor, wölte *o
er, man versuchte sich mit inen sich zü vertragen, und gloubte,
das es möchte mit der statt grossem nutz und eren beschehen.
IVo das nit, eintweders den filrgnommen handel underlassen
oder an lydenlichen orten am rechten antworten. Wiewol ich
wol weiß, sprach er, das ein statt in dem handel niit erhalten 25
(.B1.35) wirt. Aber noch ist es uns erlicher die sach zü verlieren,
dann fiirzenemmen das man es für kein recht dürfe lassen
z’kon. Und bat sy um Gottes willen, das sy sich mit denen
Worten nit liessind verfüren, das mine herren sunst mechtig
gnüg werindt den adel, geschlecht und twingherren zü zwingen, »
das sy an iren willen und verkommnuß die 4 gebot, bösen
pfenning, appellatzeu und die nüwen gebott, die min herren
liessind ußgan, und denn in den nideren grichten die anderen
gebot, wie es der fryweibel von Konolfingen angefangen hette,
28. G. denen fehlt. 30, (?. die adelsgeschlecht.
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i, 19. Fränkli's Meinung.
75
in iren herrschaften müssen lassen gan. Dann ir meinend,
ir sigind irer puren gewtlß? Da werdent ir gwttsslich fälen.
Dann uff ertrich nllt unbstendigers ist, denn ein pur, sficht
stets niiwe ding, unangseen, das es im ouch gmeinlich scha-
sden bringt. Und besonders wenn er meint, das es im etwas
nutzes ertrage, und so es des jars umb einen fiinfer allein
zfi tönd were, so wagt er’s gradt, es gange glych wol oder
übel. Wie meinend ir, wo dise strefflichen [trefflichen] inen-
ner gegen Uch verbitteret sültend werden, wie daruff stat, öb
i#sy nit bald ire puren beredt hettend, das sy Uch keinen teil
mer liessend ufnen, nüt mer flirtend , kein bösen pfenning
gebindt? Fürwar mit eim wort, wenn sy seitend: wir ver-
bietend Uch’s, ir sind der statt nüt schuldig, wenn wir nit
dryn verwilligend und (Ich ’s gebietend; als es dann war ist
is und also gebracht worden. Und wie meinend ir, wenn sy
ire burgerrecht ufgebend und uß der statt zugend, dannenhar
aber ir die mannschaft und reißzug in den landtgrichten vor
zyten tiberkon hend, und den puren seitend: Ir sind nit mer
schuldig mit inen ze reisen: so sind ir sicher, das sy nit
*> wurdent losen ? Ich mein , were vor jaren in den schweren
kriegen diser span entstanden, und sy gwöllen: wohin het-
tend sy üch gebracht, do die üweren reisens und tellens so
möd waren, das üch darumb vil nöter zürn friden war denn
der statt Zürich, die doch all ire landtschaft verloren hat, die
»man inen im friden widerkert? Und als man im friden den’
unsäglichen costen der statt Bern solt schctzen und anlegen,
und man nüt wußt deß wider ynzkon — wie dann unser
eidgnossen nüt widergebendt, als ir nun oft erfaren, wiewol
sy’s zö tagen oft züsagend — ist von den mitleren üch darfür
*> die herrschaft Grüningen und die landtschaft alle die am Al-
bis ligt verordnet; do hend ir denen von Zürich in geheim
lassen sagen, das sy daran kein beturens habind, den friden
annemind; irwöllind inen dise landtschaft wider zfistellen on
alle entgeltnus; und ist inen ouch gehalten worden. Warumb
1 ff. unbetrecht. 8. G.St. E. trefflichen. 34. A*. 1440 s. FrüncTs Chr. S.76.
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76 1, 19. Fränkli’a Meinung. 20. Eröffnung des Urtheils.
[J470] beschach das, denn das tlwere landtschaft vast alle, besonders
im Oberland, von den langwyrigen reisen und unlydenlichen
(Bl .36) teilen möd warend und in ufrftr warend, inmassen das herr
Heinrich von Bübenberg sälig by den sinen im Oberland nit
mer sicher war, und min herr schultheis by den sinen von 5
Oberhofen? Und ist kein volk, so under tich ghört, zü reisen
minder unwillig reisens und tellens gsin, denn eben in landt-
grichten. Wie kam aber das? Frylich uß fürsichtigkeit und
früntligkeit der herren oder etlicher irer vetteren, die sich
niit liessend beturen iren puren fürzesetzen, wo sy im veld io
an sy stiessend, allein darum das sy üch, minen herren, wil-
lig blibind; dessen sy in grosse schulden kommen sind und
noch nit druß sind ; das weiß ich und noch vil der alten, die
ouch hie sitzendt; und deß sönd sy iez billich entgelten.
Nun, ich mach’s lenger denn man mich gern hört, darum will «
ich’s beschliessen. Ich bitt aber mengklichen, das wir uns
nit durch unser großmachen verfürindt. Dann sömlicher hoch-
rmlt vil grössere lut denn wir sindt verfürt hat. — Also ist
Hanno der Carthaginensisch ratsherr gan Bern in rat kon, der
laßt nit ab zft warnen. Aber der frefne Hannibal und sin *»
anhang verachtet’s und fart für und fragt umb und wirt
moister. Dann als man beide ratschleg abzelt, fand sich aber
Kistlers ratschlag das mer.
[20] Die geschlecht wardent hinyn gelassen und inen
gesagt miner herren meinung; die ein grosses beturens ghan, *s
das man inen das recht sölte versagen; und under andrer
red seit herr Adrian, das ire abgseite fyend inen nit mer
Schadens möchtind zftfögen, dann dise understündent, die sich
denocht für ire mitburger, schirmer und obere darbutind; und
lydenlicher were, das im’s die fyendt nemindt. Das zoch er»
zum andren mal an, also das ab diser red vast gruset ward.
Do bat min herr schultheis in aller namen, das min herren
inen dise antwort wöltind in gschrift gen. Nach irem ab-
trätten ward darum gefragt, und het Kistler geraten, inen
31. G. Und nmb daß ab diser red — ward, bat herr. St. G. gernschet.
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], 20. Die Twingherren verwahren rieh.
77
kein bekantnus zü geben. Dann sy sigind listig und sflehind
on zwyfel sich deren zü gebruchen zü nachteil miner herren.
Und ward der sekelmeister gefragt; der sprach: Er müßte
Kistleren einmal volgen. Dann man wol denken möchte:
5 wo die antwort hinkäme, nummen mit mund, geschwygen
in geschrift, so wurdent dero min herren nit vil glimpf han.
Ist umbgefragt worden und einmal ein fridlichs, einmütigs
mer worden.
Uff morndrigen tag ist min herr von Ringgeltingen im
io rat uffgestanden und anzeigt: wie sin schloß Lantzhüt vor
zyten der graffschaft von Kyburg sige gsin, hernach an das
geschlecht von Mümpelgard kon, und fiirer an sine vorderen ;
sye ieweltcn des herren on andere oberkeit gsin und nie-
mants pflicht noch underworfen, aber im burgerrecht mit di-
u serer statt kon, dannenhar die undertanen mit der statt in
ire reiß gezogen. Demnach habe sin vatter s'ilig den halben (B1.37)
teil der hohen grichten daselbs geschenkt; so wlissend min
herren, das sy sich wyter in derselben herrschaft zü bieten
oder verbieten, welicherlei gebotten das joch werre, oder
»straffen, syjoch trostbrüch oder anders ufzeheben, nie under-
nommen, noch in siner herrschaft zü Kalnach. Wölte gern
ein erlüterung darum von iro gnaden haben, eb sy zü söm-
lichem, wie sy herr Niclausen von Dießbach geantwortet,
ouch ansprach wöltitid haben. Uff in ist min herr schultheis
25 ufgestanden, in sinen selbs, ouch herrn Caspers sines vatters,
so synes lybs halb nüt entgegen möchte sin, nemmen [namen],
und gesagt: wie vor vil jaren min gnedigen herren sinen
vorderen das schloß Oberhofen mit sampt der herrschaft, so
ouch fryherr und niemants verpflicht, verkouft habindt; und
»wie wol im selben verkouf das mannlehen und sunst nüt
vorbhalten, und allein die synen mit iren gnaden gereiset,
und wyter sy sich in derselbigen herrschaft nie undernom-
20. sy joch (G. aeyn joch, d. i. seien auch) fehlt in St. 25. St. sines
vetteren (wonach v. Rodt weiter den Namen Caspar in den von Conrad
verändert). St. G. namen.
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I, 20. Die Twingherrea verwahren sich.
[1470] men, wie ir gnad das wol wüsse. Und nun möchte er wol
wüssen, was sy iez filmen wöltind; dann sölte ein ampts-
man von Thun oder ander da sich etwas gewalts (undemom-
men wurde, wurde er’s) [undememmen, wurde er’s] nit gern
dulden. Wölte er iren gnaden nit verhalten. Deßglychen were s
im von herrn Caspar von Schamachtal bevolen: mine herren
die alten wol wilssendt, das die herren von Brandis, mechtige
frye herren, so keinen oberen nie bekennet und deren das
merer teil deß Emmental gewesen, diser statt burger; und
darum habind deren undertanen mit derselben gereiset und io
nüt wyters. Als aber dieselben die graften von Toggenburg
geerbt und uß dem landt gezogen, ist Brandis denen von
Dießbach verkouft, welichen min herren den kouf nit habind
wellen lassen und von Brandis landtschaft, was inen geliebt,
genommen und gän Trachselwald gelegt , ime Casperen ver- 1-,
kouft mit fryer voller herrschaft; sige nun ein lange zyt also
in derselben gewerde und possession gesessen ane einichen
yatrag; und sölte ouch in sölicher wyß ir amptman von
Trachselwaldt oder ander da zu herrschen etwas wöllen ftir-
nemmen, möchte er nit wol gedulden. Deßglychen hat herr 20
Adrian von Bilbenberg, (do herr) [der herrschaft] z& Spiez und
anderer siner Oberlendischen herrschaften [wegen], anzeigt:
wie er da ein fryherr und so eigen paner und Zeichen hette,
der statt nie nüt gewertig noch pflichtig were, denn allein
von sines burgerrechts wegen mit denselben zil reisen. Hin- sn
wider so were dieselbe im ouch vil schuldig, do aber etlich
im gern iezundt wenig liieltcnd. Und wölte inen ouch nit
verhalten, söltind etlich irer amptlüten etwas an denselben
orten füraemmen, das er wurde darzü tün. Harumb er sines
4. St. undememmen wellen, wurde er’s. G. Bl. undememmen, wurde
er’s. 5. St. wolte solches. G. das wolte er. 6. G. C. v. Sch., sinem vatter,
bevolen. 8. G. m. fry herren gsin, so keinen ob. nie bek., deren das meerth.
des Emmenth. und si diser st burger gewesen. Bl. keinen herren. 15. G.
H. und ime Caspam das schloß mit dem übrigen verk. 21. St. der herr.
G. siner herrschaft Spiez. 22. St. herrschaften wegen. 23. St. G. lassen
und aus. 27. iezund fehlt in St.
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I, 21. Ostermontag. Sehultheissenwnhl. 79
teils ouch möchte lyden, das sy im nit verhieltend, wie sy [/470]
gsinnet werind? Daruff inen zö antwort wardt, das uff morn-
drigen tag inen der groß rat besamlet wurde; vor demselbi-
gen möchtend sy iren anzug tön. Morndes hat Kistler aber
sangeraten: also wie herr Nielausen der herrschaft Signouw
halb betroffen sige von minen herren röten und bürgeren
bscheidt worden, also laß er’s diser 4 herrschaften halb ouch (B1.38)
blyben. Demnach hat der sekelmeister nüt wollen raten,
denn wie er vormals geraten habe, sprechende: so wyt im
io Gott sin Vernunft beware, so wöll er niemandt das sin nem-
men. Darnach hendt etlich gmeint, es sige dennoch ein an-
dere meinung mit disen vier herrschaften, und besonders mit
Spiez und mit Landshöt, so nie in miner herren henden we-
rend gsin ; dargegen etlich meintend : was Landshöt mer dann
«Signouw were, da min herren mitherren in den hohen grieh-
ten werend ? Als es zö der frag ist kommen, ist venner Kist-
lers rat das mer worden. Do er inen die antwort geben,
sprachend sy: es nemme miner herren fümemmen wider sy
syen treffenlich wunder; könnteud sich ouch dessen nit halten
*) noch vernügen.
[21] Für dißhin hat man sich mer gebldyt dann etwas
filrgenommen, und sind die geschlechter vast uß der statt in
ire usseren hüser geritten. Als aber in der fasten mer der
bruch denn zö anderen zyten, das des rate gewartet werde —
25 item in der karrwuchen sind sy all widerkon. U ff dem hohen
donnstag do hend mine herren das sacram ent, wie der April
bruch ist, mit einandren genommen und den rat besetzt. Uff t9‘
das hoffet man, es wurde besser werden und der kyb uf-
hören: so ist der Satan da gsin, der in Judam för uff dem
ao hohen donnstag. Und als uff dem Ostermontag min herr April
schultheis nach gemeinem bruch hat minen herrn gedanket
6. G. läßt betroffen au*. 18. St. es nehme ey — wider sy tr. w. G
ey nehme — tr. wnnder. — (syen ist Accus, für sy: noch jetzt im Dialekt
der Landleute: seien. Vgl. S. 66, 116.) 21. G. ist mehr geschwiegen,
25. G. sind si in d. st. all widerkon. 23. G. hoffet ich.
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1, 21. Eistier wird Schaltbeiß.
[1470] und das sigel überantwortet und die venner hat heissen einen
nüwen schultheissen darbieten, als sy nun wider hinyn kom-
men, hend sy minen herrn schultheissen heissen wider hinus
gan und herrn Adrian, min alten herrn schultheissen, ouch
herrn Niclausen von Dießbach. Do ist ufgestanden Irrenig, s
so billicher hiesse Verirrig. Der hieß ouch den venner Kistler
abtretten; der wert sich vast, war im aber nit ernst; der
lobt den venner mächtig, wie er der statt so trüw were. Und
als gefragt ward umb minen herren schultheissen von Schar-
nachtal, achten ich, das er kum 40 hend hette; darnach io
umb minen herren von ßübenberg, hat kum den halben
teil; denne umb minen herren von Ringgeldingen, der hat
kum dryssig. 0 we! do ich das gsach, dacht ich wol, die
kü wölte den kübel umbschlan; und herr Niclaus hat kum
über 15. Zületst ward umb Kistleren gefragt; der hat, als ich is
gloub, wol 80 hend. Also hat Virrenig die zierd, Ordnung,
bruch und er diser statt uff den tag verwirrt. Und als an ^in
statt ein nüwer venner zü machen was, ist Hans Kutler da-
ran kommen. Zületst, wie nach dem bruch all venner gefragt
worden, und junker Ludwig Brüggler abgetritten was, hat»
aber Irrenig, das böß ei, Peter Boumgarteren gegen im heis-
sen hinus gan. Wie gefragt ward, do hend all die, so Kist-
leren vorhin ufghept, dem Boumgarteren ouch ufghan; und
(B1A9) als die hend gezelt wurdent, hat Boumgarter einer mer ghan
denn Brüggler. Do het man heiter gseen, das ist angschlagen ts
gsin und practiciert, domit der schultheis zwen venner hette,
die zü siner gygen töntend. Die hend der statt nutz und er
wol betrachtet, do sy den unerfarnen gerwer an des fürst-
lichen manns statt gesetzet, an dem nüt zü wünschen were,
denn das er ein landsfürst were. O des unerhörten ungfelli- so
gen tags! Und als wir den himmel erkundet, fundent wir
böse, widerwertige Zeichen umb das gestirn diser statt tröu-
wende unrüw und uffrür. Und das hat sich ouch erzeigt, in
2. Cf. dargeben. 5. G. Irrenyg — Virrenyg. 7. G. was ihm — war.
28. II. metzger (scheint richtig ; offenbar will Fr. nicht v. Baumgarter,
sondern v. Kistlern sprechen).
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I, 21. Kigtler wird Schultheiß.
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dem das die ganze statt trurigkeit und unmöt hat. Ouch die
jungen kind hend klagt, das man sölte ein fleischhacker zil
einem schultheissen zü Bern erwellen. Er selber hat mechtig
gweinet und zä sinen geliebten gseit: im sige ntit gftts vor-
s Und hand sich vil ding, deren ich wargnon, zfitreit, das ich
unfal under disers schifmans regierung entsitzen ; dardurch
ich uff disen tag verursachet bin, dise klegliche histori anzd-
fahen, wie sy von anfang iren Ursprung ghan, ufzezeichnen.
Gott der herr wölle sin gnad senden, das es ein besser end
lonemme, denn der anfang ist gsin! Amen.
Item, nach den osterfyrtagen hend glyeh die geschlechter
angfangen uß der statt mit wyb und kinden züchen, einer
nach dem anderen. Und sind wenig da verharret; allein
junker Urban von Müleren, junker Heinrich Matter und
« Junker Ludwig Hetzel und Ludwig Brüggler, irer Ampteren
halb. Und weisst Gott, wenn dise 4 nit anheimsch und der
sekelmeister nit im rat was, wie er sich dessen fleiß, das es
ein schlecht regiment war.
i
Quellen zui Schweizer Geschieht«. I.
6
Zweiter Abschnitt.
Die Klagen und Verlegenheiten der Freiweibel.
Die Freiweibel sollen auch bei Kirchweihen und ähnlichen Anlässen den
Unfrieden verbieten, und in Stadtsachen mit Umgehung der Twing-
herrengerichte sofort an die Stadt appelliren.
[/470] [/] Item nach etlichen wochen hat der schultheis an- 5
zogen: Min herren wilssind, wie rät und burger heigind an-
gesehen, das miner herren fryweibel söllind alle fridbrlich
allenthalben zü miner herren handen ynzühen, deßglychen
ouch mögend allenthalben wol uff brutlöufen, wie ouch die
twingherren, in iren hohen grichten unfriden verbieten by 10
10 ’d büß, so die überträttenden (sowol) minen herren sowol als
den twingherren bezalen sölltend; nun wüsse er nit, öb dem-
nach die fryweibel dessen underricht und gheissen sigindt?
Und als darvon niemant nüt wußt, ist bevolen worden, die
fryweibel zü beschryben. Do dieselben kamend, ist inen be- is
volen, miner herren Ordnungen flyssig nachzükommen.
Item nach etlicher zyt ist ein fryweibel erschinnen, und
hat gefragt: wie es ein gestalt habe mit den kilchwychen-
botten, das ouch zü glycher wyß der unfrid, wie ouch uff
brutlöufen und allen grossen Versammlungen, by 10 'it ver- so
hotten werde? Und öb er ouch söliches allenthalben in miner
herren hohen grichten verbieten und zlichen sölle? Ist an
den grossen rat gebracht und do abgeraten : wyl dise verbott
12. St. sowol minen herren als den tw. O. Bl. minen herren als wol
als den tw. 19. U, oh der unfr.
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II, 2. Die Strafgelder bei Matrimonialprozessen.
83
in glychem werdt, wie oueh uff den brutloufen, so stand int [/-470]
sy minen herren sowol zü als die brutto ufbüssen ynzeztihen.
[2] Item über etlich wuchen ist aber fryweibel Gfeller (ßi.40)
kommen und minen herren anzeigt: wie by inen zü Höcli-
s stetten einer habe von der e wegen gan Costanz geladen
und unrecht gewunnen; öb min herren dieselben 10 '(l büß,
so daruff stönd, ouch zü iren handen han wöllindt; denn
er meine, es sige ouch der Ordnungen eine, so ein statt habe
lassen ußgan ; oder öb er’s sölle derselbig herrschaft amptlüt
«lassen fergen? Als lang erkundet und gesücht ward, und der
sekelmeister Fränkli darumb gefragt ward, sprach er: Das
es ein alte straff were, vor synen zyten gebracht, und gloube,
das es von allen Eidgnossen durch das landt hinweg ange-
sehen und gebrucht werde, uff das des ladens und citierens
«für die bischof minder wurde ; und gloube, das es nun wol
by den 100 jaren also sige gebrucht worden. Und so es sich
begeben, so habe ein iede herrschaft, die twing und bann und
volle herrschaft, dieselbe straff also ynzogen. Nun komme
diser endliche amptman und wöll aber ein nüwe hetzen an-
no richten, das im nüt gfalle; dann die alten ob den lantsgwer-
den alwegen styff heigend ghalten. So wöllind sy iren nüt
mer achten; und fürwar, fürwar, ir werdendt innen werden,
das es einer statt wirt übel kommen, und wirt nüt gelten das
exponieren. Ja, die undertanen, (so) [die] verpflicht die lands-
25 g werdt, aber nit die oberkeit! Ist ouch diser handel für den
grossen rat kon, und hat der Schultheis sinen rat geben, der war
also: öb man nit könte luter finden öb dise straff ein gebot und
Ordnung der statt were, so were es doch zü glouben ; züdem, das
es ein ordnung und gebot oder straff were, so billicher der ho-
so hen herrschaft, denn den nideren grichten züstünde ufzeheben
und zü straffen; und das die twingherren das ynzugen, were
18. U. herrschaft band. G. herrschaft gh&n. 23. G. übeler kon wird,
denn denen , so man ietz davon tringh 24. St. exponiren und nßlegen.
24. 8t. ja, die landsgewerd verpflicht die underthanen aber nit die oberkeit.
G. Bl. die verpflicht 29. G. so zimlicher und billicher.
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84 II) 3. rien Freiw. werden die erlassenen Verordn, nrknndl. ansgefertigt.
[U7o] bscheen uß liederiigkeit und keines wamemmens; deßglychen
das niemant bette wider sy sömlichs dörfen äferen als die
gewaltigen; wie denn (das) [deßj mer uff sömliche wyß (dise)
[diser] statt versumpt were. Mines herm seckelmeisters rat war
aber, wie er hievor gseit: das niemant von siner possess und 5
gewerd getrungen werde. Nach der frag des schultheissen
ist das mer worden, und den fryweiblen geschriben, das sy
fiirhin dieselben 10 ’tL straffen in den nideren grichten zil mi-
ner [herrn] handen ynziichen söllindt.
[3] Item es sind bynach alle fryweibel nach einandren io
kon und sich geklagt: wenn sy doch wöllind die fridbrüch
oder die verbott deß ußgerüften unfridens, deßglychen die
straff der e betreffendt ynzühen oder joch mit recht fertigen,
so findint sy, das vorhin die amptlüt der twingherren, es sige
der edlen oder der klösteren, sölche ynzogen habindt; und is
ob sy joch nit gevertiget sind, so wöllend die amptlüt der-
selbigen, wenn die klag eröffnet, kein frag han. ZU dem sy
wol gespürind, das die grichtsessen ouch nit willig sigind
darumb zii bekennen und sprechendt, das iewelten by inen
umb dise ding bekennt und von iren herren gestrafft sigind ao
(B1.41) worden. Zü dem, wenn sy sich mit iren herren bericht habind,
so dunke sy nit billicb, das sy noch einest söllind lyden;
und wüssend nit, öb es also von den twingherren geheissen
worden, oder die landtlüt inen sonst nit glouben wöllind, die-
wyl sy keinen schyn mögind erzeigen ires bevelchs ; bittind a
derhalben, das min herren hierin ein ynsehen habindt, domit
sy nit an irem bevelch fülind. Item daruf ist geraten, das
man iedem fryweibel einen brief gebe, darinnen, was umb
alle obgemelte artikel min gnedigen herren verordnet habind,
vergriffen sige, und das darby ein ieder, so hierin begriffen, «o
den fryweiblen und niemant anderem sölle antworten; und
ob sy sich schon mit einandren vertrügindt, so sölle es syen
nüt fristen, denn das sy den fryweiblen antwort söllind gen,
3. G. dess mehr. St. desto mehr. 4. St. der Bt&tt. G. diser statt.
9. St. G. miner herren. 20. G. gestrafft sye.
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II, 4. Der Freiweibel v. Jegistorf n, Cunr. v. Ergönw. 85
und nach lut miner herren Ordnung geurteilet und gestrafft [/470]
werden.
[4j Item darnach sind kon uff einem morgen deß fry weibeis
von Jegistorf frilndtschaft, und hat minen herren anzeigt: das
5 sy necht spat habind kum und ellenklieh den fryweibel hinyn
bracht und an ein scherer gelegt. Dann als er gestert uff
einem brutlouf zü Hindelwank habe wöllen den unfriden in
miner gnedigen herrn namen ußrüfen, do sige junker Cün-
radt von Aergöuw darzü kon und heige in mit der funst zü
io boden gschlagen und uff in gsprungen, und als der schärer
sage, hab er im drü rippe im lyb zerbrochen, und das in
miner herren färb. Dessen habind sy ir gnaden wöllen be-
richten und geklagt han. Diß handeis sind min herren vast
entsetzt und hend doch nit können darüber kon ; dann etlich
iä vermeintend, ob er schon beschriben wurde, so wurd er doch
nit kon; andere denn: understünde man in zü fahen, somöcht
es nit mit wenig lttten zügan, dann er ein heftiger mensch
were, wurde sich ouch fürthin dest gwarsamer halten ; mit vil
lüten, dörfte etwas ufriirs gen. Zületst ward abgeraten, das
so wenn der fryweibel möchte stäg und weg bruchen, sölte er
sich vor minen herren erzeigen ; so wurde man dem von Aer-
göuw einen tag verkünden und so beid verhören ; als im ouch
nachwerts verkünt ward. Daruf er antwort gab: wie der
fryweibel im einen ungrymten und unerhörten gwalt und
ssnüwerung in sinen grichten getan; vertruwte, er hette im’s
billich gewert, und das er ouch sömlichs on bevelch und ir
gnaden gevallen hette getan. Wo aber der fryweibel ine des
rechten nit möchte erlassen, so sesse er zü Hindelwank
in güten gerichten, oder so im dasselb nit gefellig, so were
so er ein burger der statt Burgdorf, hette daselbs huß und heim,
fttwr und liecht; da wölte er im ouch des rechten sin. Da
ward aber ob dem handel lang geraten. Etlich woltend in
zü Hindelwank fahen, das aber sorgklich war, andere zü
1. G. genrteilet und fehlt. 5. G. den ffyw. kümmerlich hininbracht.
18. G. 80 dörfte es aber mit v. L etw. n. g.
86 H, 5. Der Clerus beklagt sich über die Verordnungen.
[t470] Burgdorf ; do man aber seit, die statt wurde es uff sin recht-
(B1.42) bott weren, hat des seckelmeisters rat die volg gewunnen,
nämlich: so der fryweibel gsund wurde und genesen were,
das er’s minen herren zü wüssen täte, das dann miner herren
einer mit im den von Aergöuw berechtigind. s
[5] Item als sich aber die fryweibel (buntend) [beguntend]
mit iren bevelchen üben, insonders in der klösteren herr-
schaften, sind die äpt, pröbst, commentllr, priores und kloster-
frouwen für und für all kon, und sich der nüwerung der fry-
weiblen merklich erklagt, mit grosser pit und erbietung vil io
gebets, das sy abgemannt wurdint. Etliche äpt und commen-
tür habend ouch ruch gnüg gredt, wie sy elter sigind weder
ein statt Bern, und burgrecht habind, darvon ouch järlich
etwas tüindt, allein domit sy schütz und schirm habind: so
nemme man es inen darfiir. Ire vorfaren habind sonst ein statt is
lassen in ire gricht tief gryffen, es sye mit appellieren, mit
teilen, mit fären, dem bösen pfenning, und wöll aber kein
benügen sin, biß sy alles habind; und wofer sy darvon nit
standint, könnind sy eids, eren und glübdt halben nit ftirkon,
denn das sy iren obristen und orden müssind anzeigen , das so
dieselben darin ein ynsehen tüindt, wiewol sy ein erliche
statt von Bern nit gern verschryindt. Und hend sich daruf
erbotten, das sy sich nit wöllindt wider min herren setzen
umb kleinfüg Sachen, so inen nüt mög bringen und aber
der statt vil daran lige ; und sy sömlichs umb iretwillen »
nit geordnet, aber umb anderer willen, und könnind aber
min herren nit wol sünderen, aber doch ein ynsehen tün,
das sy die gotshüser in ander weg ergetzen werdint.
[6] Wyter hendt sich abermals die fryweibel erzeigt und
geklagt etlich : Sy könnind nüt schaffen , und wie sy vor so
gseit, wenn sy den nüwen Ordnungen wöllind nachkommen
6. St. G. beguntend. 13. G. aber mit ihr burgr. h. 15. G. es fehlt.
H. so nehme man inen ietz mehr darzu. 23. G. hat man sy daruf gebeten.
Bl. daruf sy gebäten. H. daruf sind sie gebeten worden.
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U, 6. Die Freiweibel und die Appellation.
87
und die straffen zühen, so sigind sy schon vorhin durch der f /<70)
herren amptlüt geferget und gezogen ; und obwol miner herren
mandat darwider wyse, so bkennind sy nütdestminder die,
so es einest ußgricht, ledig und vermeinind nit billich sin,
s das sy’s zweimal bezalen söllind; und uß rat mines herren
schultheissen und anderer miner herren, denen sy’s vilinalen
anzeigt, habindt sy geappellieret für min gnedigen herren;
da wöllend sy inen nüt begegnen anderst denn nach irem
rechten, vor iren herren. Nun mögind min gnedigen herren
io wol gedenken, wenn sy mit der appellatz für dieselben ki-
rnend, was sy da gewunnind, zü dem das sy so vil Warnung
habind, das sy sich müßtend entsitzen; sölltend sy nun
umb der appellatzen willen in ire hüser oder Schlösser kon,
wie von nöten, das es inen wol dörfte wirs gan, denn dem
is fryweibel mit dem von Aergöuw. Des wöltend sy aber ent-
prosten sin. Darumb min herren hierin ein ynsehen wöllind
tün. Darumb bitind sy ir gnaden. Und als zületst der frywei-
bel Gfeller ouch mit diser klag kon und scherpfer denn die
anderen anzeigt, was sonderlichen Unwillens die landtltit ha-(B1.43)
*o bindt, so sy uß miner herren Ordnung verstandint, das in den
nideren grichten von beider herrschaft amptlüten der unfriden
der brutloufen, kilchwyhinen etc. möge verrüft werden, und
dannethin an beide ort die büß bezalen, und darüber als
über ein grossen mütwillen und tiranny schrygindt und
» förchtind, min herren wöllind in allen straffen also handlen;
und gestandent inen des ouch ire herren — dißers gmürmel
nun zü gestillen, duchte in güt sin, das allein die büß einer
herschaft, wo das min herren wöltend, wurde; dann diser
artikel minen herren ein sölche nachred brechte, das von nö-
i» ten were, ein Ordnung hierin zü machen.
Do hat im junker Heinrich Matter gesagt: des sölle im
22. G. der unfr. auf brat), und kilcbw. möge v erruft u. — sölle be-
zalt werden. 26. ß. u. gstatten ihre herren ihnen auch dises gemürmel
und sich also zu stellen. Bedachte ihn gut 28. G. wurde, aber doch thejl-
tind, daß ieder 5 'tt wurde. 31. (7. JI, das solle.
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88 II, 6. Freiweibel Gfeller u. Janker Heinr. Matter.
[1470] der tüffel danken; öb er sinen eid nit wol gehalten, dag er
der statt Bern ein sömlichen Unwillen by denen ir herz sölle
stan, die dise banner beschirmen söllend, gemacht habe? öb
das nit ein lotter könne sin? Er sige aller unrüw, ouch eben
in disem stuck, ein anfönger und sige in disem kleinen und ouch s
im grossen rat gegen herrn Niclausen von Dießbach gestanden
und geschirmpt, wie minen herren wegen irer hochgrichten ge-
zimme dises verbott zü. tön und die straff zü züchen als wol als
den nideren grichten. Daruf wie er’s nummen fürgschroten, ha-
bind min herren nun mermalen abgeraten, den twingherren daruf io
antwort geben, brief und mandaten erkennt, deren er sich uff
dem landt gebracht: nun, da in wil bed unken, das eben schnell,
sonderlich in disem handel, geordnet worden, so schlufe er gern
drus und leite es vil lieber uff min herren. Was nun eim
sölichen knabatzen zöghorte? Und ist mit anderen minen ti
herren, so irer gerichten und fründtschaft halben alwegen
abtratend, hinus gangen; was junker Urban, Ludwig Hetzel,
Ludwig Brüggler, so noch sich in der statt enthieltend ; weiß
Gott, so dieselben ußgiengend, wie ein rat da blib. Nun hat
junker Heinrich, als er ein fröudig, junger, wolbredter mann *o
ist, nun mermalen, so dem schultheissen etwas (“deren in sim
ampt widerfÜr, wie vil beschach, dick zö spott bracht. Harum
deß schultheissen anhang wider in verbitteret ward. Und
ist bevolen dem seckelmeister, junker Urban zü sagen, das
er mit sinem vetteren redte, min herren wöllind nit mer ly- *5
den, das er ire amptlüt also ußhüppe. Item der fryweiblen
anbringen ist für röt und burger gschlagen, und geraten : wa-
rumb die fryweibel, so es der statt Sachen berüre, appel-
lierind, die sölle angentz haryn kon und für keinen twing-
1. II. ob das sin eyd wol gehalten sye (die negative Wendung der
Frage ist Ironie). 6. der gedruckte Text in Helv.: and bescheint (schir-
men ist hier : sich einem Gegner gegenüber mit einer Behauptung decken,
etwas vorschützen. 9. v. JRodt scheint in einer seiner Hdschr. fürgeschlagen
gelesen zu haben. Fürschroten ist ein derber Ausdruck, der eigentlich wol be-
deutet: dem Vieh durch Schroten oder Abstechen des Heustockes Futter vor-
setzen. 29. St. die söllind (es ist aber die AppeUaz gemeint).
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II. G. D. Freiw. sollen nicht an d. Twingh., sond. a. d. Stadt appelliren. 89
herren. Ist kam das mer worden; dann der sekelmeister V^°]
sprach: die twingherren wurdint sich noch vil mer klagen,
das man inen wölte die appellatzen, so s y aber von iewelten
ghept, ouch nemmen (wöitend). Über des fryweibels Gfel-
5 lers anbringen von der 10 'fi straffen , so die brutlouf-bruch (B1.44)
begiengind, hat man nit wöllen raten und enderen. Diewyl
es mermalen also abgeraten, und den twingherren allemal
also were geantwortet, ouch uff das landt geschriben und
den fryweiblen also in ire brief yngegeben, liessen es min
10 herren also belyben.
[7j Item aber über etlich zyt sind etlich fryweibel kon
und hend minen herren anzeigt: wie lut irer letsten Ordnung
etlich übertrettende berechtiget, und als inen mit der urteil,
wie vormalen alwegen, abbekennet, h.Utend sy’s für ir gna-
i5 den geappellieret und darby die besiglete Ordnung darüber
in das rechten gewendet, aber nüt (bschlossen) [beschossen],
denn das die gschwornen einmütig die appellatz für iren
herren bekennt hättendt mit der urteil. Harumb möchtend
sy hierin ynsehen tün ; daby minen herren (gan) [gern] anzei-
2° gen : So fer man sy beladen wölte, wie (erstlich) [etlich] inen
gesagt, sy müßtend die erste appellatz für den twingherren
appellieren, das sy die herren in iren hüseren nit wöitend
überloufen. Dann syen wölle bed unken, das schon vor jaren
ire gericht und herrschallten nit güten luft habindt; und ire
25 puren sindt inen unfrüntlicher denn die herren selbs; und
werdent bericht, das der gmein mann sy nummen die hejz-
hund namsindt, als öb sy all die nüwen gebott und Ordnun-
gen in min herren kum stiessend. Und wiewol sy minen
herren gern wöitend dienen , dann sy sin bißhar er und nutz
so ghept, und man aber inen wyter wölte zümüten, so wöllind
3. G. als wann man inen, 4. St. läßt wöitend aus. G. streicht wölte
vor „die appel.“ und setzt es an’s Ende nach „nemmen.“ Eines von beiden
ist zu Vermeidung des Anakoluths nöthig. 5. G. deren, so. St. G. bmtlonf-
brnch. 16. G. Bl. beschossen. 19. G. Bl. gern. 20. G. BL etlich. 28. von
Rodt kuchi (kam — knmp ist Schüssel, Napf).
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90 n, 7. D. Twgh. sollen erklären, ob L s. fügen wollen ? Ihre Antwort»
[1470] sy lieber ire iimpter minen herren ufgeben haben. Item der
handel ist filr mine herren die burger verordnet und nach-
wärts fürgetragen. Da sind vil seltzamer reden beschehen,
besonders darumb mit den landtlüten uff landttagen [zü hand-
len], oder in die statt zü besehryben (zü handlen), doch nach- »
wärts das besser befunden, die twingherren zü besehryben
und entliehen von inen ein wtlssen zü haben (von ime), öb
sy miuen herren wöllindt gehorsam sin oder nit.
Und uff bestimpten tag sind der merteil twingherren er-
schinen. Die anderen hend etlieh irer verwandten und ampt- io
llit, miner herreu willen zü erfaren, geschikt; und ist inen
durch den schultheissen miner herren willen geöffnet, und
entlieh antwort begeret. Als sy sich beraten, hend sy geant-
wortet, das min herren oder etlieh derselben inen ein selt-
zame nüwerung gemachet mit dem verrufen des unfridens »s
uff brutloufen, deßglychen dem ynzüchen der fridbrüchen,
darab sy grosses bedurens ghept. Und (die) [do] zületst hie vor
(BL45) disem rat inen entekt, das min herren darvon nit stan wöl-
tend, als sy sich aber wol vertröst hettend, do hattend sy
inen all einmütig geantwortet und begert, das sy ein zimlich so
recht angsehind, (und) [umb] dise spänige artikel zwüschen
inen zü entscheiden; und biß sy inen das verkündint, wöl-
tind sy biß dar mit der hilf Gottes by irer possess und ge-
werd blyben, und als sömliche (wartend) [warten]. Hie zwü-
schen hettend sy inen aber nüwerungen in ire gricht wöllen 25
machen; nämlich, so heigend sy gheissen ouch die 10 &
straff umb die kilchwyhe-brüch und allen grossen versam-
lungen unberüft und unverhört zü iren handen ynzüchen,
deßglychen die straff von der verlornen e wegen. Iez aber
hettend die fryweibel ein brief bracht, nit für die twingherren so
4. St uff landtagen zu handeln, oder — besehryben. G. besonders
darum, ob — zu handeln, oder ob si — zu beschriben. 7. St u. G. lassen
von ime als bloße Wiederholung des vorhergehenden von inen aus. 17. G.
Bl. und do. 19. G. Bl. do hattend. 21. G. St umb. 24. St. läßt die Worte
„und a. s. wartend“ aus; G. u. sömlichs erwarten; Bl. u. als sy sömlichs
erwartend, H. u. indem sy solches erwartend, hätten sy inzwüschen.
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U, 7. Kistlers Antrag.
91
zü appellieren, so es die statt antreffen wöllo; wüßtend nit,
was hindennahen ftirgenommen wölte werden, denn das sy
zwyfletend, das etlich understündint, sy von allem dem iren
zü bringen. Sy werend ouch nit all, die es antreffe, zügegen,
6 darumb sy für dieselben kein antwort wöltind gen ; aber so
vil es syen antreffe, so blybend sy by der antwort, so sy
gmeinlich mit einandren geben hettend.
Item als sy abgeträtten und der schultheis het söllen
raten, hat er gsprochen: er wüsse nüt mer zü raten; dann
io min herren wüssind, wie sich alle ding verlüffen; so gsehe
er wol, das kein Ordnung, gebott und verbot miner gnedigen
herren by iren undertanen mer geltindt, und glych zünechst
an der tür. Da möge man wol gedenken, was einer statt
möge daruß erwachsen, oder ein ghorsammen by iren under-
is tanen werd erwachsen, besonders by den ferren, wo man
wurde sagen, das ire eigne burger in der statt und die nech-
sten undertanen umb all ire gebot nüt gebindt, sonders fry,
frötidig darwider redint, handlind, urteilind und üweren gna-
den under das angsicht nun zum anderen mal dörfen sagen,
20 das sy üch nit wöllind gehorsammen. Nun weiß ich leider
kein ander mittel mer, so gebot durch wort und gschrift
einer oberkeit nüt mer gelten mag, dann das man zü den
werken gryffe, wiewol es im der grnst kummer were, den
er uff ertrich möchte haben. Nun wüßte er eben nit, an
25 welchem ort er’s angryffen sölte, da es am röwigesten und
fruchtbaresten diser statt were. Dise herren, so zügegen gsin,
hettend nun zwei mal mit dem mund minen gnedigen herren
widersprochen zü gehorsammen, ire undertanen aber, die an
iren grichten sessend, die tetind’s mit der tat, verachtind und
ao verschetzind miner herren gebott, brief und sigel, bekanntend
ouch die ab on alle schäm, das sy vil baß verdient noch het-
ten, dann (das dise) [dise, das sy] etwas wider sy und über
sy söllind fürnemmen. Da ich aber wol gedenken, das sy (BL46)
14. G. entspringen. St. läßt die Worte „oder ein ghors. — er wach-
sen“ aus. 32. G. Bl. dann dise, etwas — fürznnemmen.
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92
II, 8. Des Seckeimeisters Rath.
[/•#70] sömlichs als unbedachte lut uß anwysung und vilicht geheiß
irer herren gehandlet, und dieselbigen hie zfigegen, und, als
ich hoff, mit minder unröw , costen und mer frucht gegen
wenigen, dann vilen gehandlet mag werden, so wil ich mines
teils im namen Gottes zü diser sach gryffen und der statt »
namen einmal behalten, biß man wyter z’rat wirt, wie man
wyter handle. Und ist sin meinung gsin, das man inen
ylents seite, das sy uff dem rathuß verharretind, ouch angentz
die tor verseen wurdint.
[8] Daruf ist der sekelmeister gefragt worden, welicher io
sprach: Er könne sich ab dem unbsinnten ratschlag des her-
ren schultheissen nit gnüg verwunderen, das er wölte so
ylends zfl disen ltiten gryffen, weliches nit möchte beschehen
umb vil Ursachen one einen grossen ufrür diser statt und umb-
ligender landtschaft. Dann niemant vor (under) [und e] recht w
gebracht sige, solle in gfenknus gelegt werden, denn tibeltüttig
personen, denen man truwet, das sy mit flucht ir leben fristen
werdint; ja, ouch an vilen orten, es sige denn mit recht zö-
vor erkennt, werdent [sy nit] behendiget. Wie wend ir dann
dise ynlegen in gefengknus, die da stets umb recht schryend? so
Und setzend (ich heim ein gricht zd stimmen, dem wölliud
sy ghorsam sin? Und (wir) [wirt] aber geredt, sy sagind, sy
wöllind minen herren nit gehorsam sin. Das han ich noch nie
von inen gehört, aber wol [hand si] klagt, das man sy von dem
iren wölle tringen, und darumb umb recht gru ft. Das ich sy as
darum in gfenknuß bekennen könne, weiß ich uff min eid
nit. So sind sy noch irer sach nit all glych, wiewol sy all
klagend. Und, lieben herren, wer under uns wurd sich nit
klagen, dem man so vil wölte in das sin, so er und sine vor-
deren besessen, gryffen? Dann ir klagend fürnemlich, das »
5. Cf. zo disen gryffen. 11. 0. Bl. nnberathenen. 15. St. ff.ror and
ehe. 18. St. an vilen orten onch nit. O. an v. o. werden si nit behändiget,
es sey — erkannt 21. O. u. üch heimsetzen. St. bestimmen. 22. St. 0.
wirt 24. St. daß sy sich klagt. 0. band si klagt.
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II, 8. Des Seckelmeisten Rath.
93
man an iren grichten nitwil uff unsere gebott und Ordnungen [1470]
bekennen und das unsere brief by inen veracht werdint, und
umb das wir zwyflend, es von iren herren harfliesse, die wol
alsbald nit hie sind und da ussen bliben. Dann in der mer-
s teil grichten deren, so hiegegen sindt, hend sich die rechts-
hendel noch nie zögetragen. Und wie wend ir tün mit jun-
ker Urban und beiden Ludwigen, Hetzel und Brliggler, so
ouch by inen stönd und stets hie sind in der statt arbeit
und müy, und gloub, wo es an inen stünd, sy (ich vil lieber
io ire herrschaften schanktend , denn sy wöltend in Unwillen
mit (ich stan? Und hend on zwyfel noch mer der bürgeren
also gesinnt, und könnend sich noch ire sach denocht nit von
den anderen Blinderen. Dann ir hend sy zfisammen mit (iwer
bekantnus und merungen getrungen. Und iez woltend ir
is syen all fahen? das were bürgerlich gehandlet! und wen
wölte es billich dünken, wenn ir’s glych mit rüweri möchtend
z’wegen bringen ? Gseend ir nit, das wir ob disem handel nit
wol in diser Stuben eins sind? Und, gloub, wo diser unbsinnte
ratschlag sölte fürgenommen werden, das im wurde in diser
*o Stuben understanden zu weren. Wie meinind ir, das es von (B1.47)
•der ganzen gemeind wurde gelobet? Syt osteren, mein ich, ir
all gehört habindt, was gevallens der gmein mann habe ab dem
abwesen der geschlechten. Hat nit min herr schultheis nun et-
liche mal geklagt, wie im etliche wyber, so er für gat, so übel flft-
25 chindt in das schultheissen ampt und sagind : im gebürte baß
fleisch zü hacken ? Hend ir nit nun mermals ab dem landt gehört,
was grossen mißfallens die landtlüt hend, das sy die gschlecht
nit mer gsehind in röten? Deßglychen hend ir von den fry-
weiblen verstanden nun mermalen, was Unwillens ir min
»herren uff dem landt habindt von disem fürgnomnen handel.
Gseend ir selb wol, das sy üch lassend ordnen und gebieten,
3. St. 0. daß es. 8. G. in müy n. arbeit hie in der statt sind.
10. 0. schanktend si üch vil lieber, dann daß si — syn sollen. 12. ff. die
sich — nit können sondern. 14. 0. mit iiwerem mehren nnd erkennen zu-
sammen getrungen. 16. ff. wenn ir’s joch. 31. St. ir gseend selb woL
ff. so sehend ir in üch wol.
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94
II, 9. Der Freiweibel Klagen.
[/470] und sy ire herren by irem harkommen wend handthaben.
Ich hat Uch von anfang gseit, ir söltend den puren nit zvil
vertruwen, do etlich stets meintend, sy gönntend der statt
aller eren als iren herren. Ir erfarend’s iez. Nun sind ein teil
der fürnemsten da ussen bliben. Wo ir hand an dise leitendt, s
meinend ir nit, dieselben könntend üch ein ufTrür uff der
landtschaft ouch erweken? Und an welichem ort sich in der
statt oder uff dem landt die anfaht, so ist sy am anderen ort
eben als wol. Und wenn wir ja glimpf und füg syen zü fahen
gnfig hettend, das ich nuu by minem eidt nit kan erkennen, io
so ein sömliche sorgliche sach diser statt darus erwachsen
oder erwarten [wölte], wölte ich, bösers ftirzükommen, durch
die finger gseen oder still stan. Harum b mines teils wil ich
mich dißmals ires rechtsbott benügen und von inen uf-
nemmen. 15
Item als grüsenlich under minen herren bürgeren nach
der umfrag ist gestritten und kum gestillet ist umbgefragt
umb beide red, und die hend abgezelt, ist des sekelmeisters
rat umb etwas henden das mer funden ; und hat der Bemisch
Cossar der minderen mögen gesigen. *0
[9] Item also für und für hend sich die fryweibel klagt,
wie sy ie lenger ie minder könnind iltzit ußrichten, deßgly-
chen oucli also verhasset uff dem landt sigind, das sy sich
nienen dörfind zeigen; also gieng es in der statt dem schult-
heissen ouch. Und kam, das man sich solt in herpst rüsten:»
2. G. ich hau. 3. St. da hingegen etlich. 3. G. si gönnten lieber alle
ehr der statt. 9. joch glimpf. 11. St. so möchte doch so ein sorgliche sach
dieser statt liechtlich darus erwachsen, daß ich lieber wölte böserem fiirzek.,
durch — G. n. ein sömliche sorgliche sach zu erwarten, so diser statt daros
erwachsen möchte, wölte ich — (Wenn vor wölte der Ausfall eines vorher-
gehenden wölte angenommen wird, so ordnet sich die Construction folgender-
maßen: so ein sömliche sorgL sach diser statt daros erwachsen oder er-
warten (= warten, bevorstehen) wölte, wölte ich — ). 18. fr. abgezelt wor-
den. 20. St. Cäsar, H. Cato einmal mögen siegen (vielt, ist Censor zu lesen
und darunter allerdings Cato Censorius verstanden. Der heroische Cato
wurde schon oben Fränkli von dem Verfasser genannt. Oder ist cossar eine
Abkürzung von causator, ein Anwalt der Minorität?)
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II, 9. Die Weinlese.
95
do hendt die geschlecht ireu wyn darvor umb einen zimli- [lfio]
chen pfenning ußgeschenkt — dann man tUwre deß wyns er-
warten was — und hend inen darmit iren gunst treffenlich ge-
meret. Als man aber binden solt, hend alle geschlecht, ußge-
s nommen junker Ludwig Hetzel , ire fesser uß der statt zü
iren htiseren lassen füren, und etliche die lassen von küferen
von Thun, Burgdorf, Solothurn und Fryburg und landtküferen
lassen binden; einen grossen teil hend sy ouch ungebunden
an se gferget, des willens die am se zü binden lassen, als
10 man sagt. Das dann ein grosse klag uff dem handtwerk gab; (BL 48)
dann sy sagendt, das das herpstwerk der gröst gnieß und
^erlurst uff dem hantwerk were. Das ward alles uff den
schultheissen gelegt, inmassen das etlich der meisteren in
schelmetend. Do er dessen gwar ward, ward er genötet sy
io zü berechtigen , und müßtend umb sömlicher red willen
schwere leistungen annemmen, darvon noch dem schultheissen
vil mer Unwillens entstündt.
2. G. denn weil man — erwarten was, hend si.
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[WO]
Dritter Abschnitt.
Streit mit Junker Ulrich von Erlach.
Der Schultheiß beansprucht das Recht, im Gebiet der Twingherren
Namens der Stadt die Imben (Bienenschwärme) aufzuheben.
[l] Item diser tagen ist junker Uolrich von Erlach vur
min herren kon, und sich erklagt, wie er sig innen worden, 5
das der fry weibel habe zwen impen, die zü Jegistorf in sinen
weiden und herrschaft gsin, ufghept, dem herren sclyjJtheissen
gebracht und überantwortet. Darumb habe er den fryweibel
zü Worten gestossen. Der habe im geantwortet, der schultheis
habe in sy heissen bringen. Und als er das kum mögen glou- 10
ben, habe er den schultheissen gefragt; als er des anred, habe
er in für min gnedigen herren getaget; denen er getruwe,
das sy in by sinem alten harkommen wie sine vorderen wer-
dint lassen blyben, welche die herrschaft und schloß Jegistorf
von dem geschleeht Jegistorf ererbt mit voller herrschaft und is
grechtigkeit biß an das blüt, so dieselben sampt der mann-
schaft einer statt vergönnen. Truwete desselbigen und anderer
siner vorderen diensten werde er gemessen, das er von ir
gnaden vil mer by dem sinen gehandthabet, dann genommen
wurde; sonderlich das, so er und die sinen von alten zyten»
har in gewerd und stäter nutzung, besitzung und Übung
11. anred, geständig, im Gegensatz von abred, läugnend, kommt schon
oben 3 37, 9 vor und findet sich in allen Hdschr. 19. G. dann daß
ihm gen. w.
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UI, 2. Fränkli will seine Aemter aufgeben.
97
werendt gsin, wie das die ganze landtschaft harum wüßte, [1470\
zü behalten.
Item als aber der Schultheis vor minen herren dartat,
das er im die ympen hette den fryweibel bringen heissen,
5 were darum gscheen das es under miner herrbu hochgricht
were, welchen der hochflug alleinig züstünde, ander dem die
imp vergriffen werend; und dunke in, es were zyt, miner
herren grechtigkeit ouch zü handthaben , und so einr dem an-
deren vornacher nit also hand fiirgehalten hette, dörfte es iez
10 gegenwürtiger spünen nüt.
[2j Item als der sekelmeister Fränkli gefraget ward,
seit er: Er werde verursachet naeh nechester rechnung zü
wienachten das ampt und zü ostren das überig ufzügeben,
wenn es joch die notturft sines alters und lybs nit ervorderte.
11 Dann man stäts uff im lyge, sin ratschlag und urteil zü ge-
ben, die er nit anderst könnte gen, denn wie in Gott und
sin conscienz wyse, und er von den alten, treffenlich wysen,
frommen menneren, die er in silier jugendt in disem rat l'un-
den hette, gelertwere; (weliches) [welichej er by siner seien
a> heil biß uff dise zyt nie gesehen noch gespürt einanderen
fürgehalten, der statt recht zü undertruken. Aber das were
war, das wol ie zun zyten etwan ein unverstendiger oder un-
gotsförchtiger klügling, so ein flyssiger trüwer Berner wil
geachtet sin, zun zyten möchte der statt wollen züziihen, (B1.49)
as wider billichs und recht, so ouch von etlichen sines glichen
2. zu behalten läßt 0. aus-, allein man verbinde: sonderlich das
(dasjenige), so er (= dessen er) und die sinen — wärend zn behalten. 9. G.
läßt hand und hätte aus; allein hand fürhalten ist — schonen, durch die
Finger sehen, connivere. 19. G. gelert wäre. Er habe by siner s. 20. 21. St.
uff dise zyt gehalten und hätte nie ges. — einandern fürhalten. (Die Aen-
derung von welicheB in weliche macht weitere Emendationen überflüssig:
guos non vidi sibi invicem connivisse oder comiiventes; fürgehalten ist ent-
weder ein latinisirendes Partidp, oder steht elliptisch ßr: fiirgehalten zu
haben.) 24. G. zu Zeiten der statt zuzuzüchen wider bill. u. recht wider-
standen.
Quellen sur Schweiler Ocichichta. !• 7
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98
KI, 2. Fränkli will leine Aemter aufgeben.
[1470] volg hette. Und ob es gewesen, das bißhar gefärlich niemant
wer übergeweltiget worden, so hette aber der unwill in 10
jaren so vast zügenommen, und leider iez vast umgeschlagen.
Weliche wyß, wyl sy im nit möchte noch könnte gfallen, so
müßte er dulden, als er wol merkte, man im gern zülegen s
wölte, das er der statt nutz hinderte, gern ufrür gsehe, so er
doch uff disem ertrich nüt mer fürchte denn ufrür; und das
wüßte Gott, ouch alle verstendige und wyse menner, so sine
ratschleg hettend wol vernommen. Aber zületsten müßte er
noch das sagen : wenn gricht und recht stat hette und er, io
güt und der gyt nit überhand hette genommen, also das sich
ein ieder sines stads und berüfs benügte noch sich über-
nommen hette, so were vormals noch iez diser zängken und
Spänen keiner vorhanden, noch die so uß denen in künftigem
werdent fliessen, weliche ich am wirsesten entsitzen ; und das is
nit von minentwegen, dann ich gan dahin, aber von disers
regiments wegen, dessen ich entsitzen; wiewol etlich söllend
sagen, mir lige mer an sonderbaren personen denn an der
statt, weliche min herz nit bekennend und urteilend aber.
Dann in diser statt mir an keinen personen nüt ligt noch ie »
gelegen ist gsin, deß berüf ich mich zü Gott; aber an gricht
und recht ist mir gelegen, so ein iedes regiment müß erhal-
ten; wo dasselb ufhört, so müß not halben dasselbig in die
harr z’boden gan. Gott wöllte, das es wol betrachtet wurde!
Item obwol der sekelmeister vil gebetten und im ouch ge-ss
botten ward zü raten, hat man in doch müssen erlassen,
und ist beschlossen, uff momdrigen tag disen handel für den
grossen rat zü bringen.
[3] Do ist min herr sekelmeister heimgangen, und als
man gesessen und junker Uolrich sin klag vast uff die wyß so
1. G. Bl. volg hat, doch abgewiesen, daß bißhar gefährlichen nie-
mants. 1. St. ohngefärlich. 3. G. Bl. hätte aber in vergangenen 10 jaren.
4. G. Bl. so ey im. 5. G. Bl. man in gern züchen. 11. St. und der ehr-
nnd gnts-geiz. G. Bl. ouch gut-geiz (der Sinn scheint vielmehr: nach der
Zunahme von Ehre und Gut habe auch die Habsucht zugenommen). 15. G.
am übelsten. 19. St. und urteilend doch darüber 1
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III, 3. Der Seckelm eister in Gr. Rath genüthigt.
99
wie vor rat getan, dargegen der schultheis, was in verur- [1470]
sachet die impen zu beschiken, und angefraget ward zü ra-
ten, hend etlich miner lierren sich entschlossen, in abwesen
des sekelmeisters nit zu raten und hend nach im geschickt,
s Uff das drit mal hat der gilt alt sltti ab dem morgenbrot
müssen kommen und hat [sich] vor rät. und bürgeren enteckt
sines hingangs; und so fürwerthin von gescheften wegen
sonderbarer personen etwas ze tün sige, besonders so es
herrschaftrecht, wie diser gegenwürtiger handel, antreffe, biß
io osteren abtretten wölle, von etlicher reden wegen, so er mit
einer langen red anzeigt hat und ein teil hievor gemelt ist.
Und ist hinfiir getretten und nach ratschlag hinyn genommen
und von raten und bürgeren gmeinlich gebätten von sinem fur-
nemmen ze stan. Min lierren heigind sine ratschleg und urteil
is wol für gilt undwüssind, das er die uß ganzen trüwen gebe; so
aber in etlich darumb söllend geschmutzt und hinterredt hau»
so sig es inen vast leidt, und so sy die wüßtend oder in
dem künftigen innen wurdent, so müsse er gseen, das min (B1.50)
lierren es von niemants, er sige glich wer er wölle, für gut
so werdint haben , sonder . sich des als irer eignen Sachen an-
nemmen. Und «als er des ininen lierren gedanket und wider
liinus gwöllen, sind im die türen verhalten worden, und vil
miner herren räten und bürgeren an in ghanget und ge-
bätten, sich von inen nit zü sünderen; ist er nach ernstlicher
sr. pit bewegt minen herren züzesagen by inen zü belyben, und
als er sich an die statt gesetzt, ist gefragt worden umb den
handel zü raten. Do hat nach dem brach der schultheis den
ersten rat müssen geben, welicher secher und richter was.
Do ward nach langem arguieren beschlossen, das der hoch-
3o flugk der obristen herrschaft züghöre, under deren die ilnpen
6. G. Bl. n. hat sich — entdeckt. 7. St die Ursachen sines hing.
10. St. daß er bis ostem. G. wölle er b. o. 12. St. und ist hinußgetretten.
Nach geschehenem rathschlag ist er wieder hiningenommen. G. ist daruff
hinfür g. Bl. u. ist herfiir getret n 29. G. der nach 1. a. Bl. do er nach
1. a. 30 G. Bl. under dem.
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100
in, 4. De* Seckelmeiaters Rath.
[/470] sind: so ghörind sy vil mer ininen gnedigen herren zü in
iren hohen grichten, wie Jegistort' were.
[4] Daruff ward der sekelmeister gefragt; der sprach,
das er vast unwillig hierin zü raten were; so aber in des
min herren zwungend, wurde er fry nach sinem verstandt 5
sin bescheid geben; wiewol er junker . Uolrich von Erlach
iezmals zügegen nit hette ghört; darum er siner urteil billi-
chen erlassen wurde. Uff das man aber darab käme, so wölte
er mit dem hochflugk anfahen, mit welichem gegenwtirtiger
handel verwirrt mer wurde dann erlüteret Dann ympen ,0
under den hochflugk nüt ghörtend, und hochflugk und impen
were iedes ein bsonders. Wenn aber schon glych alle impen
under dem hochflugk vergriffen werind, so were wol müglich,
das die junker Uolrich züstündent, wo er volle herrschaft zü
Jegistorf hette, als er wol geloupte. Dann es umb Jegistorf ,5
ein alt wAsen were : so zeigte ouch an sin gewerd, possession
und nutzung der impen, wie er das uff gestrigen tag im rat
anzeiget hette. Deßglychen herr Adrian von Bübenberg hat
anzeigt, das der merer teil des umligenden adels sigind frye
herren gsin under niemants oberkeit. Als die statt an gebü-jo
wen und volk zügenommen und durch die geschlecht, so der
Stifter in die statt gsetzt, wol gregiert, ouch in die statt ge-
zogen und der statt ire hochgricht tibergebeD, dardurch die
statt merklich zügenommen und die umbligenden grossen
graffen geschwecht, do hend sy diser statt darumb nit über- &
geben ire volle oder alle herrschaft, dann allein die hochgricht.
Nun aber weißt man wol, was zü den hochgrichten gehört
und wie man dasselbig bißhar gebracht, wiewol der twing-
herren etlich zun zyten ouch in disem, wie ouch in vil an-
deren stucken minen herren gwilfaret. Nun habend sy mit»
7. ff. läßt zugegen aus. 10. St. ff. Bl. mehr verwirrt. IG. St. zeigte
er ouch an. ff. zeigte da* ouch an. 17. ff. denn wie er vormals mehr,
dergleichen ouch h. Adr. v. Buhenb. hie anzeigt 22. ff. sind si ouch —
zogen.
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III, 4. Dee Seckeimeister» Rathschlag. Kiltler siegt. 101
den hochgrichten darumb nit den hochflugk (ich geben. Das [tf!0]
erschynt sich in vil herrschaften. Dann s y verbietend die
falken, blauwfüß und hapich ußzünemmen by straffen, wie
die inen geliebend. Und han ouch zwüschen üwerem schult-
5 heissen, besonders under herr Rüdolfen Hoffmeisteren, so der
statt streng züzoch, und etlichen usseren herren in disem rat (B1.51)
groß gezängk gesehen, das sy rnüßtend abstan, und denen,
so volle herrschaft hattend, da ir glich die hochgricht hend,
der hochflugk, wie billich, gelassen ward. So vil des hoch-
io flugks halben. Aber der impen halb, so sind in Uweren lan-
den die nit volle herrschaft hend über die iren, aber ein be-
stimpte und benampte, wie hoch und wyt ire straffen gandt,
und was wyter üch minen herren züstat; darum sy nit den
hochflugk, ouch vil mintürer herrschaften rechte nit handt,
is und werdent inen nüt desto minder die impen in iren zilen
und marchen. Haruß schynbar, das die alten ein uuderscheidt
des hochflugkes und der impen gehept, und uff beide dise
stuck setzen ich min urteil: es sigind ja glich, das ich aber
nit gloub, die impen under dem hochflugk vergriffen, und
zojunker Uolrich mag erzeigen, das er volle herrschaft zü Je-
gistorf hat, das im billich die ufgehapten spänigen impen wi-
der werdint zügestelt. Und wo er glich die nit hette und sich
findt, das ouch sömliche die ufheben, die nit volle herrschaft
hend, so weiß ich in nit mit keinem rechten, nach unser statt
»3 rechten , noch landtsbruch , von siner langwyrigen gewerdt
noch possession ze tryben, noch keinen andren. Darvor mich
iez und alle zit Gott wölle behüten.
Item nach der umbfrag ist des schultheissen rat das mer
worden, und hat junker Uolrich, wiewol unwillig, müssen
ao patienz haben.
|5] Item in disen tagen ist min herr von Losanna kom-
men und hat min gnedigen herren angrüft, ime by stand ze
4. St. G. üweren. 6. G. stark zuzog. Bl. stäts z. 11. G. läßt
über die iren aus. 13. G. läßt nit aus. 14. St. minderer. 24. G. mit
keiner biliichkeit.
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102 IU, 5. Zwischenvorfall mit dem Bischof von Losanncn.
[1410] tftnd wider den herzogen von Saffoy, so der kilchen von Lo-
sen in allen iren stetten, schlosseren in der Waadt, gelegen,
ouch in der statt Losen, in den weltlichen grichten wider
all keiserlich und pöbstliche briet' einen yngriff understündo
zö tön. Als aber der handel groß war, handt min herren 5
alle abwesende von räten und bürgeren beschriben, het aber
keiner wollen kon, sonders sich alle mit dem herpst, uff den
sy sich rüstind zö faren, entschuldiget. Als aber min herren
hoch by iren pflichten, so sy der kilchen von Losen schuldig,
beide vom bapst und bischoff sind ermannt worden, hend sy 10
verordnet beide junkherren, Urban von Mölcren und Hein-
rich Matter, ob wol sy ouch von ires herpst wegen vast un-
willig warend, mit minem gnedigen herren von Losen biß
gan Kammerach, ob sy daselbst den herzogen noch inöchtind
erlangen, ze ryten, denselbigen zö bitten die kilchen von 15
Losen by iren alten grechtigkeiton, brieten und siglcn lassen
zö blyben. Hann wo er das nit tete, so sindt sy so hoch
(B1.52) von unserem aller hcllischten vatter, dem bapst, ouch dem
bischoff by der pflicht, so sy beide dem h. still zö Rom und
der kilchen von Losen schuldig, das sy kum möchtend *>
ftlrkon, denn das sy im bystand zö sinem rechten müß-
ten tön.
4. G. Bl. so er erscheint, einen yngrifl — . 18. St. G. allerheiligesten.
(dem wol erst der Schreiber, v. Schalen, den allerhellischtcn substituirt
hat). 17 — 20. nach schuldig muß ermant worden ausgefallen sein ( 's . oben
Z. 10), das aber von keiner Hd&chr. ergänzt wird. H. wären si dem Stuhl
zu Born u. der kilchen zu Losen so hoch verpflicht.
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Vierter Abschnitt.
Streit mit der Frau von Hürenberg und Junker Hartmann
von Stein.
Der Schultheiu macht im Namen der Oberhoheit der Stadt Anspruch
auf da* togenannte Mulvee, dat in dem Gebiet der Twingherren
b aufgegriffen worden.
fl J Item diser tagen ist min frouw von Hünenberg mit [tfio]
sampt dem amman von Münsingen mit einem bitteren brief
von junker Hartman vom Stein vor minen herren erschi-
nen und sich geklagt, wie der fryweibel Gfeller habe zü
10 Hürselden uff dem Moß, so zfi der herrschaft Münsingen ge-
höre, ein jung roß oder Alle genommen, so mulve sölte sin,
dasselbig in die statt gefürt und dem schultheissen überant-
wortet. Darab sy groß bedurens habind, das er inen das ir
eutfrömdet habe, darzil ir herrschaft geschwecht, in dem das
if er’s in andere herrschaften und gricht gefürt, da man züvor
und e erfaren söllen mit der kundtschalt und urteil, öb es
mulgüt und demnach der herrschaft verfallen were? Und
begertend, das min herren iren amptman darzil hieltindt,
obgemelt roß oder füli wider zA stellen, da er’s hette entfröm-
*o det. Dann in irer herrschaft Münsingen , da sy volle herr-
schaft hettend, ja ouch die hochgricht ziistandint oder ja zü-
6. G. Hürenberg. 15. G. da man zuvor hätte sollen mit kundschaft
n. nrthel erwegen und erfahren. 17. G. verfallen oder nit? 21. G. Bl.
lotsen die Worte oder ja — soltind aus, u. schreiben hochgricht hätten.
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104 IV) 2. Kistler vertheidigt sich vor Räth und Burgern.
[/470] gtan soltind, sömlich gwalt und mötwill nie begegnet sye.
Do ist der Schultheis anred gsin, wie der fryweibel das fUli,
so mulgüt sige, gebracht habe, wegen das dasselbig in miner
herren hohen grichten funden worden , und vermeint, es si-
gind stuck, die under den wildpan ghörindt, die aber allein s
der hohen herrschaft züghörindt. Und des sinnes sige er
ouch, wie der fryweibel, und ufif das er miner gnedigen her-
ren grechtigkeit in iren hohen grichten ntit versume, habe
er das filli vom fryweibel empfangen. Wohin min herren es
nun werdint legen, gevalle im wol. to
[2] Item uff den morndrigen tag ist min frouw von
Hünenberg mit dem ammann von Münsingen für den grossen
rat bescheiden, uff welcher verhör sampt dem brief junker
Hartmanns, der vil lüt ergrimmet hat gemacht, ouch des
sekelmeisters nachvolgender rat, den man noch nie in allem “
handel so übel für göt ghan hat als hüttiges tags, hat der
richter on alle not im zfigesprochen das ftlli. Dann man seit,
es were oder wurde ein hüpsch jung roß. Hat erstlich sich
klagt der schmach ime uff gestern von junker Heinrich
Matter bewisen — welcher mit anderen von twing und frünt- »
schaff wegen abtreten solte; als sy züvor die partyen umb
das fuli gehört und hinuß giengendt, hat er (wie er denn
spötig, wol bredt und Mfen ist) treffenlich des schultheissen
gespottet mit dem wildpan und mulve, das er zü grossem
spott und schäm kam. Hat allein zwei stuck anzogen, das er *>
(ßl.5.3) jm gesagt: Er verstände sich eben uff wildpan wie ein kü
uff mittag; er könnte baß sagen, wenn ein kfi finnig were,
denn was wildpenenrecht were — und het darby anzeigt
was er lyden müsse, so er der statt grechtigkeit sfichte, die
in der warheit bißhar nie gesücht noch erfragt worden we- 50
rind, besonders in den vier landgrichten, und was minen
1. G. gölte ihnen sömlicher gewalt n. m. nit zugfiigt werden; dann
es inen in grösseren und wichtigeren handeln nie beachehen. 12. G. Hüren-
berg. 20. G. welcher, ehe er mit anderen, so — abtreten sollen, hi nußging,
hat er, wie er denn — freffel ist, nachdem si zuvor — gehört, trefflich des
sch. gespottet. 31. G, Bl. wärind gsin in den 4 landger., insonders was —
zustünde, hätte — .
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IV, 2. Kistler vor Bäth und Burgern. 105
herren von den hoehgrichten wegen züstünde. Das hefte zum [tfio]
teil gemaehet, das vil zyts dieselben landtschal’ten von nie-
mants werind beherrschet worden denn von den alten ge-
schlechten und klüstcrcn, allein ußgenommen etliche grichtli,
6 so vor zyten min gnedigen herren gekouft und ererbt von
etlichen geschlechten und man an das glicht gau Bern ge-
legt hette; darum man inen etliche ding, so sy schuldig we-
rind, nachliesse; wer zü derselben zyt (nun) [nur] ein venncr
in der statt Bern, der sich der landtschalt nüt belüde. Wenn
10 sy nummen in der statt reiß kamend, ein ietliche herrschaft
mit iren herren, da ward wyter nüt nahin gefragt. Als aber
die landtschaft groß und zü vier orten der statt gelegen und
ein widerwertigs regiment was, hend dozmal die alten für
güt angesehen, vier venner zü crwellen. Und hend inen
** die landtschaft in vier teil zü regieren ußgeteilet, ouch die
statt der landtschaft nach in vier teil geteilt. Als aber noch
ein unrichtig ding was, hat man darnach in iedem landtge-
richt einen richtstül ufgericht, an weliches ort mengklicher
sölte in der landtschaft kon umb was Sachen das minen her-
40 ren joch gefiele , were um totschieg zü richten , nüwe gebot
oder Ordnungen zü verkünden, harnest zü gesehouwen etc. Sem-
liche ding zü gebieten, ouch uff miner herren recht ufsehen
zü haben, sind hernach die fryweibel ufgesetzt. Noch war es
vergebens. Denn der grüst mangel was noch, das die ge-
*5 schlecht und twingherren, und welicher nit ein herrschaft
hat, doch mit früntschaft also nach inen verwant war, wie
ir iez ouch mit junker Heinrich Matter sehendt, das keiner
miner herren recht in iren hoehgrichten süchen wolt oder
dorft. Were ein schlechter ratsfründ so frisch gsin, so er
so etwas im rat wider 10, 12 oder 15 hette, daselbest hette dür-
fen etwas darvon anzühen? Besonders wil sy alle ämpter
in iren henden hattend, wie ir vast all gseen hendt und
noch gseend an mir, an disem üwerem ampt, wie ouch am
8. St. G. H. nur. 10. ff. reyßzug. 29. ö. so etwas im ratk wider
10, 12, ja 15 hätte dörffen amtlichen ?
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106
IV, 2. Kistler vor Bath und Burgern.
[1470] vennerampt. Dann unseren iez eben vier am vennerampt
gsin sind, die von handtwerken gsin und nit twing oder
Herrschaften ghan und man nit gejunkeret habe. So ist herr
sekelmeister hie zügegen der erst sekelmeister in diser statt
von den handtwerken oder gmeinen bürgeren. Wer wölt nun s
dise gewaltigen ersücht oder sich wider syen gesetzt haben
lichtlich? Wiewol denocht zü allen zyten etwar ist gsin,
(B1.54) den dise verwarlose oder der statt schad getrukt, und das
b’rütet. Dannenhar, so ich doch so wyt alle ding offnen mfiß,
zü minen zyten disen dingen zil helfen das mittel funden ward, »
die vier venner von den vier handtwerken zü nemmen, domit
den geschlechten das regiment zum teil uß der handt wurde
genommen; wiewol es wenig gebracht Dann ir gseend, das
sy dargegen einen anderen list bruchend, ire alten Stuben
übergend und zü disen vieren sich stellendt; ja, hend ouch w
ein nüwe stuben ußgeworfen, so ouch zü den meisteren zü
Gerweren söllend gehören, und sind aber noch alle junkher;
so ungern kommend sy vom gewalt und hend in noch uff
den dryen handtwerken vast biß iez behalten wider die mei-
nung, das man nit den viertlen nach , sonder den vier stu- *>
ben oder handtwerken nach die venner sölte erwellen. Wo
das iedermann hette betrachtet und villicht gewußt, so wer
ich, als ich gloub, nit iez in disem rollfaß und wurde ge-
zwungen von der statt recht wegen der suw, wie man spricht,
die schellen anzühenken. Und dieselbige enderung wie ouch »
etlich ander mer, so min herr sekelmeister vormals selbs et-
wan bekennt, die min herren uß krafft irer hohen grichten
in den landtgrichten fürgenommen und inen gelungen und
wol erschossen, hend im in denen zyten wol gevallen. Und
1. G. Bl. denn Ürener (Bl. ven der), der erst n. unser eben drey
nach ihm venner sind gsin. 8. G. dise fahrläsaigkeit. 9. G. beränwet
Bl. bednrt, s. unten in der Antwort Fränkli's (S. 108, iS) ; die sömlichee
traket n. beturet habe. Allein b’rnotet kommt auch unten, S. 108, 30,
wieder vor und steht auch in G. 13. G. hat dennoch in künftigem viel-
leicht etwas mehr bracht BL: hat dennoch etwas in künftigem bracht
14. 8t. erdacht and brachend. 15. St. G. übergebendt 17. G. aber vilnach.
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IV, 3. Frünklis Antwort.
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weite es im ntit verhalten, sprach er, das er ein bedurens an [1470]
im bette, so iez der statt nutz, darzü s y uß braft irer hoch-
grichten füg hettend, gesftcht wurdt, er im iez selb gar un-
glich were worden. Uff das er aber end siuer red gebe:
s so er funde, wie vast joch gewert worden, das denocht die
twingherren vor jaren umb der hochgrichten willen ininen
herren vil und grosse stuk bettend müssen nachgen , wie
das herr sekelmeister uff ein zyt selber hie bekentlich gewe-
sen : so were er also gesinnet, zü sinen zyten miner herren
10 recht, wo er das funde, ze süchen und handthaben. Darum
er nit anders könnte finden und ermessen, denn das der wild-
pan der hohen herrschaft zügehorte, under welichem ouch
das mulve, wo min gnedigen herren die hochgricht hetten,
züstünde.
is [3j Item als uff dise red der sehulthcis den sekelmeister
fraget, hat er gelachct und gesagt , das billicher zü grynen
were ; so es aber darzü komme, das ein metzger und ein
ktirsiner müßtend den weidlilten den wildpan ußlegen und
regel fürschryben , das wurde on zwyfel ein visierlichs ge-
2ojegt geben. Aber nun, diewyl under dem schyn der stat
nutz dise unnütze, ja schädliche gezenk alle erwekt, und ich
hierin wird angezogen, als einer so der statt nutz züwider
sige, und mir etliche enderungen und nüwerungen wol ge-
vallen habind, und zü denen zyten deren bekantlich vor
28 disem rat gsin, aber mir selber iez gar unglych worden sye (Bl-55)
— uff das nun ir, min gnedigen herren, gsehindt, wie wyt
min herr Schultheis vom zweck geschossen, so furcht ich, ich
werde mir numrnen zü vil glych sin, dann ich uff gestern
noch min 30järigen namen bchept: „der wunderlich Fränkli“,
so und das ich ab disem huß noch beiden disen stuben syt der-
5. St. so funde er ( allein es entsprechen sich als corrclate Sätze : so
er funde — das — vor jaren — so wäre er gesinnet zu sinen zyten — .
10. St. zu handthaben. 13. 0. Bl. das mulfe; darum, wo meine g. h. dag
hochgericht hättend, ihnen billich das mulfee ouch znstunde. 24. 0. deren
ich vor etwas zyts.
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108
IV, 3. Fränkiis Antwort
[1470] selben zyt unkriegt nie sige kon. Sol ich dann disen htipschen
namen hüt verlieren? Besonders so sieh der m Atzen die lar-
ven langest bette ghört abzfizüchen, darniit sy sich zierdt,
sprechende: das ist der statt nutz, der statt nutz! und wenn
man das schön butzenantlit dennen zücht, so findt man ins
der warheit andere nüt, dann eigner nutz, eigner nutz, ergyt,
ergyt. Das ich aber minein herr schultheissen antwort gebe,
diewyl er mich zfi einer kuntschaft siner furgebnen red dar-
stelt, mich dick hüt angezogen und unhöflich angetastet, so
er, als ich wölt, wol emprosten were gsin : so hat er anfengk- io
lieh übel klagt, das biß uff sin zyt die geschlecht gregiert
heigind in allen Ampteren und gewaltig; die beigen nun der
statt recht nüt ges ficht, wider deren gwalt sich niemant habe
dörfen setzen : iedoch so sigind denocht zfi allen zyten etliche
gsin, die sömlichcs trukt und beturet habe, welchem zfi hei- «
fen das mittel funden worden, von den vier stuben oder handt-
werken die vier venner sölten genommen werden, welichem
aber nit gelept worden; daun man noch alwegen uff etlichen
stuben von gesehlechten oder junkherren darzfi nimpt. Das
klagt er übel. Und zfiletst klagt oder schlüßt er, das die ge- 20
schlecht habind vor jaren minen herren grosse stuck in iren
herrschaften von iren hohen grichten wegen müssen nach-
lassen, und des bezüget er sich uff mich und fundiert sin
urteil daruff, das er darum iez zur statt handen in üweren
hochgrichten die wildpAn und das daran hange, wie das mulve 25
ist, ouch wölle han. Antwort: Wie wil sich das zAmen ry-
men, das den gewaltigen gesehlechten niemant habe, so sy
das ir gsficht und der statt recht lassen faren, dörfen zfiwi-
der sin, und aber zfi allen zyten etliche gsin sigind, so
das trukt und b'rfitet heigindt? Ja, sömlicher wyß, das»
2. G. läßt der mätzen aus. 3. G. vom angesicht abzuziahen. 9. St.
so er wölt als ich, deren ich wol e. w. gsin. 12. G. läßt und gewaltig aus.
12. 13. G. dieselben nur ihres, der statt recht aber nit gsneht. 16. St. daß
von den — . 2U. G. läßt klagt oder aus. 25. St. und was daran h.
30. St. bednret.
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IV, 3. Fränklis Antwort.
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miner herren recht irer hochgrichten halb also erülgt und ge- [1470]
handthabet worden, das sy minen herren dadurch grosse
stuck und herrligkeit hend müssen nachlassen? Wie wil das
züsamenkommen? Die gschlecht habend nur inen züzogen
6 und miner herren rechten abzogen (wie stets mines herreu
schultheissen red hie vor dem kleinen rat tönnt), und hend
aber vor jaren grosse stük müssen minen herren nachlassen ?
So kann er nit sagen: „Ja, sider der sach geholfen ist, das
die vier venner ab den stuben sönd genommen werden!
io Dann dasselbig ist nit lang. Züdem kennte er nit ein einzig (BL5G)
stuk erzeigen, das syt derselben zyt der statt etwas were zü-
kon, dann in etlichen herrschaften uß minem antryben, wie
ich dann nun by 30 jaren darob angehan, uß miner herren
frtlntlichen pit etliche gschlecht vergönnt hendt, uff iren
is tavemen und undertanen den bösen pfenning ufzünemmen.
Züdem das er ouch klagt, wider die meinung und ansehen (und)
[durch] unser aller unwyßheit oder der gesehleehten list das
ntltdestminder noch vil der junkheren an dise umpter genom-
men werdint. Also hörend ir, wie übel sich die verhouwend,
2o die nit uff der rechten Straß blybend. Als aber min herr
schultheis sich der dingen uff mich züget und darby spricht:
ich habe es selber hie bekennt, da wüßt ich by minem eidt,
den ich Gott und minen herren geschworen, ime sines anzugs
kein kundtschalt zü tragen. Das ich’s aber bekennt habe, da
25 tüt er mir unrecht. Das ist aber war, als im anfang diser
widerwertigen hendlen min herr der alt schultheis von Dieß-
baeh sich der nüwerung, so mit im der fryweibel bruchte,
hie übel klagt hat, do han ich anzeigt, wie by 50 jaren stöß
mit dem von Krouchtal entstanden, umb welicher Ursachen
1. G. also erforschet oder geh. (erfügen ist hier dasselbe, was sonst
erfecken, d. i. erforschen). 6. G. hie und im kl., r. 8. G. da kann er aber
nit sagen, daß dise sach verlüffen seyg, Bither die vier venner — St. läßt
ebenfalls ja aus. 12. G. ußgnohn in. e. h. 13. St. angehalten. 16. G. klagt,
es werdind wider d. m. u. ans. durch unser aller unw. 18. G. vilnach mit
denn junkeren, 20. G. daß aber — in den dingen.
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IV, 3. Fränklis Antwort.
[1470] willen min herren liessend fünf gebott stellen, die sy beger-
tend sampt der merteil in den landtgrichten in irem namen
gebrucht zü werden, sampt den letsten appellacionen. Als
aber der merteil das rainen herren uit hend wöllen bewilli-
gen, etlich aber es angenommen, denen min herren dozmalen 6
höchlich danketend, und die anderen keins wegs darzü zwun-
gendt. Und ist, als die fryweibel gesetzt worden, iedem ein
gschrift gemachet, in welichen orten rnine herren volle herr-
schaft hend, in welichen gerichten die fünf gebott, und in den
übrigen herrschaften nit wyter denn das gebott der reißzügen. io
Als aber demnach die lantstül verordnet, sind die übrigen
aber ankert, sich zu ergeben, den iren uff landtagen zü ge-
bieten und den harnest daselbst zil beschouwen, vom totschlag
daselbst zü richten, wo es under miner herren hochgrichten
vergangen. Do hend sy bewilliget, das den iren uff die land- 15
tag, doch durch sy oder ire amptlüt, gebottcn wurde, und das
die iren ouch, so man ein gmeine beschouwung des landtvolks
weite tün, ouch zu den landtstülen körnend; aber den har-
nest gebieten und die straffen umb die übertrettenden gebott
ynzüzüchen , hend sy inen alwegen vorbhan. Das die tot- so
sclileg, so hinder inen beschehend, ouch vor dem lantstül be-
klagt wurdint, hend sy wöllen bim alten bruch und harkom-
men blyben. Demnach han ich gesagt, das die appellatzcn
für und für liaryn kommen sindt, so vil ouch von den herren
selber, das sich min herren selbs mengs mal darumb ver- »
(BI.S7) wunderet; das ouch wenig mer herrschaften in disen landen
sind, da dannen nit sye geappelliert worden ; und das lönd
die herren gütlich nach, und han iren wenig ghört, die es
iren undertanen von der zyt har gewert habind. Sy hend
ouch, so oft sy berüft und des ankert worden, minen herren m
nie verseit, die iren tüllen zü lassen, sonder hand mit grossem
ernst darzü gholfen, deß ouch sy by den iren merklich sind
verhaßt gsin. In nechst verschinenen kriegen ist es also
2. G. Bl. lassen „sampt der merteil“ aus. 12. G. Bl. zu begeben.
13. G. umb todschl. 15. G. begangen. 22. St da hend si. 33. G. verhaßt
gsin in nechst verwichenen kriegen. Also ist es ergangen.
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IV, 4. Fr&nklis Antwort.
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gangen. So man sy ankert, das die iren an der statt gebüw
füren sölten, da hend iren etlich wol anzeigt, das die iren
unwillig werind. Des bösen pfennings halb sind ir wol yn-
gedenk, w as bscheids ich üch dozmal und hüt etwas darum
s geben hab. So vil han ich bekennt, and nit mer, Gott geb
was min herr Schultheis mir wölle ullegen; hette ouch nit
wyter können; denn das sich dieselbigen hendel uff dise wyß
verlüffen, und nit mer noch minder, das wil ich wol wiissen
an tag z’bringen, ob Gott will. Nun gseend zü, ob in allen
10 vergangnen handlungen nit alwegen der statt etwas sige zü-
kon, und die twingherren nit habind vil nachgeben? Noch
darf man so frömd reden: sy heigendt alwegen der statt ab-
zogen. Nun weiß ich hie keinen eiteren Berner weder mich;
aber so ich semlich red hette ußglan, were ich dero beküm-
is meret, dann sy sich mit der warheit nit funde.
[4] Als wyter mich min herr Schultheiß anzücht, das
mir gevallen die endrungen, so min herren von wegen irer
hochgrichten vor zyten beschehen in den landtgrichten, ouch
die Ordnung der venneren die zö erwellen, wirt er nit kön-
wnen erzeigen, er wölle denn von erst obgezelten handlungen
reden, in welchen sich nit finden wirt, das die twingherren
heigind müssen minen herren grosse stuk nachgeben in iren
herrschaften wegen irer hochgrichten. Dann niemants ge-
zwungen noch trungen wardt. Man hat sy zwar wol ge-
*5 hätten, und das so etlich willig nachliessend, das gfiel mir
wol und hette mir noch vil baß gfallen, so sy all willig we-
rend gsin; ja ich wölte Gott noch loben, wo man sy noch
möcht dahin bereden, das sy die fünf gebott, gmeine appel-
lation und böß pfenning annemind; wölte mich ouch gnfig
12. G. Bl. so treffen reden. 16. 17. G. es haben mir die endernngen.
18. St. gethan. G. fiirgenommen. 19. G. zu erwehlen, gefallen, weiß ich
nit, wag er sagen will, er wird ouch keine können erzeigen. 21. G. daß
die twingh. weiteres dann oberleutert habind müssen m. h. grosse stuck
nachgeben. 24. G. läßt man hat si zwar aus. 26. G. daß sy. 28. G. ouch
gm. app.
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IV, 5. Fränklü Antwort.
[1170] darumb lassen tällen, wo es von nöten were von inen dise
stuk ze koufen. Dann ir kein irrigers, verwirrters und un_
gschikters regiment in allen üweren landen hendt, dem aber
ordenlich mit disen stuken geholfen möcht werden. Das
liend die alten nit unwyßlich angseen, woltend aber keine s
gcwalt bruchen, besonders mit denen so der statt täglich güts
tütend und dicnetend, wie ich ouch mineres teils noch hilt
gsinnet bin. Aber der anderen endrungen in erwellung der
vier venneren tut mir min herr schultheis unrecht; dann s y
güel mir nie, deß beschem ich mich nit zü sagen. Ich gloub io
ouch, das es der statt ein vast schedliche enderung sige ge-
wesen. Das mag ein ieder wyser Berner uff den luittigen
(B ' 08) tag wol ermessen; dann disen vier ämpteren von unseren
vorderen vil ist zü verwalten geben, das es frylieh wol von
nöten , das man nit also uff vier hantwerk verpeniget were. i-,
Wölte Gott, das man in allen vier viertlen vier menner uß-
zuge, wie sin die statt wol bedurfte; aber was dise vorpen
gebracht und noch wyters wirt bringen, gib ich allen versten-
digen zü erturen.
[5] Uff das, so min herr schultheis hat gseit, ich sige *>
mir selber nümmen glych, so er das von mines alters wegen
anzücht, hat er recht; dann do ich jung was, sagt man, ich
möcht und könnt wol singen und springen, das ist mir wüst
abgangen. Ob er aber meint, Verstands und vemunfts halb,
deren ich nie vil glian lian, und einer redt, man müsse mir»
Überseen, ich sig ein kind worden, kan ich ouch nit zürnen.
Ob aber er vermeinte, herzens und forchten halb, wie ouch
geredt sol sin, das ich mir so übel fürchte, darum so stande
ich also den twingherren zü, oder das ich lichtveriges gmüts
und willwenkiger natur oder der statt nit als trüw sige , als »
ich billich sin sölt oder gsin sige; dahin mich dunkt sin red
hinlange: des förchtens halb gib im dise antwort, das es ja
und nit nein ist, das ich fürchten, wie ichs vor mermals gredt,
32. G. hiulenke.
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IV, 5. Fränkli’s Antwort.
113
das diser filrgnomne haudel niemermer diser statt werde [wo]
zü gutem erschiessen. Und wie ein weicher kriegsknecht ich
ja fiirhin were, wölt ich mich doch schämen , das ich, so es
zü uöten käme, ein so forchtsams herz in minem lyb trüge
5 als vor jaren von etlichen ward gseit. Das ich aber glych
wie ouch vor 60 jaren gesinnet sige, berüfen ich mich uff
alle, so mich ir lebtag gekennt und ghört hend in raten und
taten, wie man spricht. Dann von jugendt uff hab ich all nii-
werungen und unghorsamme geschochen , als die so gmeinlich
io uffrür mit inen bringend. Deßglychen war ich denen behol-
fen, so vil an mir stüud, so mich bedücht das man sy von
brief und siglen und langwyriger possession tringen wolt ; und
deß sinnes bin ich noch uff den hilttigen tag, bitt ouch Gott,
das er mir den behüte. Müß ouch hiemit minem herren
^ schultheissen ouch zügknus geben, das ich in von jugendt uff
alwegen glycher sinnen und gemüts funden und nie wankel-
bar, aber minem gemüt und natur ganz wider wertig; wiewol
er by 30 jaren iez von einem mit einem rechtshandel ange-
tastet worden, der im, als ich hoffen, unrecht tet und ver-
*) meint, er were wilwenkiger art; dann hie in der statt nie-
mant vor im blyben könnte, aber da ussen were er ganz rüwig,
wie er das wol weiß. Ob aber min herr schultheis meinte,
ich were mir nit selbs glych von der statt nutz wegen, dahin
mich dunkt sin red dute : so sag ich erstlich, das er filrnem- (gj ^
»lieh sines eids und ampts halb das schuldig ist anzüzeigen.
Versumen kan ich wol, aber (vertruwen) [veruntrtiwen] wil
ich nit; wil ouch nit, das umb min ergyt und gütgyt die statt
beunrüwiget werde oder ire burger. Ich bin ouch also giert,
wenn gricht -und recht brucht und der statt er gesücht wirt,
so das denn der statt nutz ouch betrachtet sye. Wenn aber iez
allein geschruwen wirt „der statt nutz, der statt nutz“, so ist
der sach gnüg geschehen, das aber das erst solt sin, des ntit
3. O. joch wäre. 18. G, wiewol er von einem, so vor 30 jaren ein
rechtshandel mit ihm ghan, ies antastet wird, so vermeint (der ihm aber,
verhoff, unrecht thät), er wäre — . 26. St. G. veruntröwen. 32. Q. ge-
schähen, und wird der statt ehr, noch grichtg noch rechts, so aber das erst
solt sin, nüt gedacht.
Quellen zur Schweizer Oeichichte. I, g
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Iu
IV, 6. Fränkli's Antwort.
[i*!0] gedacht wirt. Ja wölte Gott, das es denocht der statt nutz
were, wie ir htlt in gegenwärtigem handel- gehört hend ur-
teilen mit dem wildpan und mulve. Was nutzes kumpt der
statt hierus? Nit umb ein haller. Ja, sprichstu, aber unserem
schu Itheissen. Denn so sagen ich recht, das es umb den eig- s
neu nutz zü tün sige. Ich gloub fürwar, min herr schultheis
bedürfte diser und noch besserer dingen wol, wo er sin stat,
so im sines ampts ouch üwerer er erenhalb gezimmet, wil
handthaben. Denn wir wol all wüssend, das er ntlt ererbt
und noch minder mit werken Uberkon het. Sol man aber 10
also gw<igklich on allen grund erenlüten, in zü erhalten,
das ir nemmen?
[ej Ja, sagend wir, der wildpan ghört allein der hohen
herrschaft zü, und mulve ghört under den wildpan, darumb
ghört ouch das mulve der obristen herrschaft. Und hend is
also giert nüwe gattung zü urteilen: wenn ein handel in span
kumpt, so kann man under einer urteil zwo Sachen gwinnen,
als nun mit den impen: der hochflugk ghörte der hohen
herrschaft, die impen ghörend under den hochllugk, darumb
gehören die impen der hohen herrschaft. Mit derselbigen ur- »
teil gewunnend wir die spänigen impen und ouch den un-
spänigen hochflugk. Hut, achten ich, werdint wir mit gly-
cher wyß und urteil das jung roß, darumb der span ist, und
den wildpan, darumb kein span ist, gewannen. Ist das nit
der statt nutz oder der eigennutz gesücht? Wer het doch ie »
so fyne, wolgrymte urteilen ghört? Wenn ich ouch also er-
gytig were, das es mich fröuwte, so ich schultheis zü Bern
möcht werden, so wölt ich ouch uff die wyß nutz und er
diser statt wyt, wyt ußhin können erdenken, und so mer
schyn hettend, werend aber im grund fromm und grecht, und so
wölt also greden: Alle fach, büch, vischetzen, wasserruns,
8. Cf. mulvee nnd vorderigen tagen deßglichen. 3. G. stallt der st. 7. St.
stand. G. wie ihm. 8. G. ooch üwerer eer halb gez. 18. G. ghört der
hohen oberkeit 24. H. läßt nit aus. 28. St. zu nutz und eer d. st.
G. nutz, eer, find können. 80. St. unfromm und ungerecht. G. gleich fromm
und gerecht 31. G . wolt nämlich also sagen.
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IV, 6. Fränkli’i Antwort.
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so verbannt sind, sind all im anfang von einer obresten herr- [tno]
Schaft in bann gelegt, darumb gehörend s j allein derselben
7.ü. Die alten keiser hand gebotten von allen frilchten den
zehenden zü geben, wie ouch der Moyses by den Juden, die
i selsorger und richter darus zil erhalten. Nun sind wir iez
könig und keiser worden (wie wir dann so wyse wort an- (BL60)
tund reden ; dann unsere vorderen sich sömlicher groben reden
übel beschempt bettend), so ghörend uns nun alle zeenden
in unseren landen under die selsorger und ricbter ußzd teilen.
10 Und diser stuken wölt ich wol mer finden , die vil besseren
grund hettend, denn alle dise stuck so man den twingherren
diß jars genommen wolt haben. Und die wurdent der statt
mögen nutz bringen und, wie ich vorgseit, werind sy wol
als fromm, als alle die ntlwe filndli, so min herr Schultheis
ii und sin fryweibel gegen den twingherren herfiir bracht, dan-
uenhar der statt nit für ein haller nutz entstat, aber wol
vil costens. Ich mein, ein kind oder ein blind söltend's gseen,
öb es der statt nutz oder eigennutz sige. Was ußzgen ist in
disen gegen wirtigen Spänen, so schikt mir der schultheis
so und stattschryber die fryweibel und botten zü; was aber die-
selben bringend, die gönd in des schultheissen huß. Und ir
sind so unbsinnt gsin, und der schultheis nach sinem alten
bruch (denn ich muß in aber loben; er ist im selber alwegen
glych) so tifig, das er hat können tryben under zweien ty-
»6 nen tittlen, das ir im all (biichsen) [bussenj und fäl, so von
gegenwirtigem zangk kömmend., gevolgen lassen. Darum so
er all büssen der statt und so zum gricht der statt ghört
nimmt, so sige billich, das er die, so von der statt hoehgrich-
ten fallend, insonders wyl er die der statt zum ersten er-
jo übriget, ouch empfahe. Zum anderen, so spricht man, es bringe
nit vil und mangle er sin wol. Ich gloub, er werd sinen tlyß
ankeren, das man stets uff sömliche wyß der statt etwas er-
übrige, so im in sekel, der statt aber liinus zühe. Und kurz
8. G. beschämt hätten; hend si ouch nie gehebt nnd ußgeben.
15. G. dann sithar — entstanden. 25. St. G. buben. 28. G. ziemlich. 29. G,
Bl. am ersten.
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IV, 6. Fränkli'i Antwort.
[N30] vergriffen, wo es nit dahin kumpt, diewyl ir einem schult-
heissen sömlich fal und straffen vergönnend, das er ouch den
costen, so darus entstat und kon mag, ane beladnus der statt
abtrage, so wirt des zangkes und ntlwer fünden kein end sin,
und werdent wol andere ding müssen hören und dulden, die &
von üch gredt werdent von üweren nachpuren und frömbden,
denn junker Hartmann tlch gschriben hat. Das man aber
spricht, es bringe nit vil, (als ich gloub noch nit vil ertragen
heige, dann die twingherren der merteil mit iren puren
sindt so witzig, das sy tlch lönd secher und richter sin, gend 10
aber nit vil umb die urteil, ich gseen ouch nit, das üwere
amptlüt vast schnitzig sigindt die ernstig ynzüzüchen) — wenn
es aber in den gang käme, oder die twingherren ab herr
schultheissen urteil übel erschrekind, als mich dunkt die
meinung syge, so wurd es denocht etwas ertragen. Dann in «
den 4 landgrichten , so ein groß landt ist, vil herrschaften
sindt, und bringt einem herm allein nit vil, wie wir stets
(Bl.61) klagend, das sy sich umb kleinffig Sachen wider ein statt von
Bern setzindt; so es aber in einen sack käme, wie der an-
schlag mines bedunkens ist, so were es wol etwas wer dt ; 40
dann, als man spricht, vil kleiner bächli machend ein grossen
fluß. Und so man kan erkennen, das ein ieder in siner herr-
schaft nit grosses ynkommen verltirt, war umb erkennend ir
denn ouch nit, das einem ieden iu siner herrschaft durch dise
nüwe ynbrüch und enderungen all sin herrligkeit wirt ver- »
wirret, wo es also bestan sölt oder möchte? Und gloub, das
inen mer an diser Verwirrung, denn an der nutzung oder
schaden lige; und mit diser fürgnomnen wyß mögend ire
herrschaften in keinen dingen bestan.
6. G. by üweren. 8. H. da glaube ich fürwahr wohl, es habe noch
nicht vil ertragen. (Allein der Satz: „als ich gloub — heige“ ist nicht Nach-
satz, sondern ein ähnlicher Zwischensatz wie weiter unten : „als mich dunkt
die meinung gige“ utid hat den Sinn: sofern, wie ich glaube, es noch nicht
viel ertragen habe. Der Nachsatz ist durch den angehängten Causalsatz:
„dann die twingh. — ynzüzüchen“ verdrängt und dem Sinne nach in den
Worten enthalten : wenn es aber in den gang käme u. s. w. Es entstand
so ein Anakoluth. 28. G. dann mit.
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IV, 7. Fränkli's Antwort.
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[7| Ich wil dise nüwe gattung der urteilen, von denen [/-#70]
ich hut vil gmeldet, lassen anstan und allein melden den
anfang disers handeis mit den trostungbrtlchen. Umb das
ein gebot von üch ußgangen, so wöllind ir die straffen hin-
5 der inen zühen. Nach diser tlwerer Ordnung wirt nit ewig
kampf da müssen sin? Und so man list brachen wil und des
untrüwen spilen, werdent hiemit nit all ire herrechaften z’ntlte,
das s y sich billich klagend? Ob glich sömliche herrschaft-
recht nit vil ertragend!, so hend sömliche lüt denocht ein
io groß beturen , ja grösser dann so sy vil ntitzers verlierend
wenn sy drumb kömmendt. Wir wüssend’s nit, die wir hie
sizend; denn wir hend keine, sonst wurdent wir’s ouch kla-
gen. Ich gloub ouch, wenn es billich were gsin und inen an-
ztlmüten, das sy vil lieber und frölicher üch ein schwere
is Schätzung bezalt hettend, denn das sy mit üch in dise spin
kon sind, weliches ouch der statt nützer und iri die harr er-
licher gsin were; dann deren were zü beiden syten mit der
zyt vergessen und verschmorzen worden, so ich hie entsitzen,
das ein ewiger unwill und zangk gen werde, das doch unsere
ai vordren alwegen gflohen. Und dises wirt alles zü grossem
schaden der statt, als sich erfinden wirt, verhandlet, wiewol
stets wirt von der statt nutz geredt und aber eim einigen
mann heimdienet, von deßwegen wir vil erlicher, türer men-
neren müssend manglen, die notwendig hie werend im regi-
25 ment Dann ir gseend wie wir nun ein zyt hie gsessen sind.
Ja, spricht man, diser (nämlich Kistler) bedarf sin. Wend also
tün, wie unsere herr Gots schümacher, der stal das leder
und gab die schüch umb Gotts willen. Das ist aber der nutz,
von dem man so empsig seit. Ir hend sin ein wenig iez von
so mir ghört, das ich umb diser spönen willen stets müß uß-
gen, und ist aber noch nie kein haller in der statt sekel kon.
Was nutzes wirt denn der statt darus wyter kommen? Diser, (BL62)
das der nüw brach darus zü ganzer Zerstörung diser statt
bestätiget wirt Was bruchs? Nüt lernen werben, werken,
7. G. zu nüte gemacht 10. Cf. grösser, weder iemant möcht meinen,
denn si vil nutzeres verl. 13. G. ziemlich. 23. G. heim knmpt. 34. G.
nüt lehren würben noch werken, weder wandien noch dienen.
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IV, 7. Fränkli’s Antwort.
[/470] wandien noch dienen, wie die alten getan, das aber alles ein
rychs, wyses, erbars, fromme und erfarens regiment macht.
Hinwiderumb, so sy nüt ußkon, stattkelber erzogen sind, nllt
giert, nüt gseen, nüt erfaren hend, nüt sich mögen beküm-
meren z’werben noch z’arbeiten, wie ist inen denn z’tün ? Ja, *
spricht man, es sind fürwar güt, erlich gsellen; man mfiß
inen helfen. Wie? Das er uß der statt erzenen werde.
Das wirt denn ein ryche statt machen! Da wirt dann ein
ieder exempel nemmen nahin z’volgen; wirt ouch wöllen
prassen , gdt gsell sin und uff der statt sinen müssiggang »
han; und werdent also huß han, das ich fürchten, dise
statt werd in d’lenge (und het sy schon drü mal noch so vil
landen) die ermste müssen werden , die in allen Tütschen
und Welschen landen sige. Und diß, wie böß es ist, wer es
doch das minnst; dann es noch über das güt allein gienge. »*
Aber noch schAdlichers volget. Was? Wenn sy nummen
könnend schryen über die junkheren (von denen aber vil
burger ire narung hend, deren wir in regierung diserer lan-
den nottürftig sind und in kriegslöufen iren nit könnend noch
mögend entbAren, und söltend sich dise stattkelber sich trA- *>
yen wie ein wid) und (sprechend) [sprechen]: „warfür sind
dise hundshüser? unsere vorderen hend die Schlösser zer-
rissen“, — sagend von alten vorderen, und sind ire vAtter
frömbdt harkon, und „wie sy die Schlösser zerrissen und den
adel vertryben“, darvon sy nüt wüssend, und darzü nit war »
ist — o, denn so sind es dapfere Berner und die der statt nutz
treffenlich sflehend! Ja, das sy die rechten alten junkheren
köntend vertryben und sy nüwe werden. Denn so gebendt
es recht ratsherren und venner. Und so die stat nit gar iren
müssiggang und junkerschaft mag ertragen, so kan man glych *>
losen und recht gen eim, so glych wenig rechts het, sunders
6. G. Bl. ey, man muß. G. man muß ihm. St. wie helfen? 7. G. auff
der etatt. (s. Z. 10 u. S. 119, 17.) St. u. Bl. fassen den Satz dass — werde
als Frage. 14. G. wäre noch das minst, dann es das gut allein antrifft Bl.
ebenso, läßt aber „antrifft“ aus. 21. G. Bl. und sprechen (richtig, denn der
Infin. hängt noch von dem obigen „wenn sy nummend könnend* ob und ist
parallel mit „schreyen.“j — 26. G. Bl. weidliche Berner. 31. G. Bl. so joch.
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17, 7. Fränkli's Antwort.
119
eim, der mit hangenden henden kumpt. Da hat man bald \14T0]
den runs funden und möß nothalben denn, wenn Gott nit
hütet, gricht und recht verkert werden. Und ich fürcht, ich
förcht, es wölle zünemmen , Gott sig es geklagt, und müß
5 zünemmen mit disen stattkelberen. Dann s y ererbend’s nit von
iren vorderen, das sy iren müssiggang und ir prassen mögind
erhalten; so wend sy und könnend nit werken, noch werben;
so müß es neißwan harkommen. Und wenn sy ja gern etwan
recht wöltend machen, so könnend sy’s nit. Dann in den
io sehülen sind sy nit gsin, ouch umb keine gelerten und wysen;
ja, sy hassind dieselben, das weiß ich und menger mer; sy
hend nie gwandlet, sind unerfaren, nie ußkon, in summa
nüt dann stattkelber. Was wirt nun volgen V — Das kein ha- (B1.63)
bender und erenmann nebend inen belyben mag, in die harr
io aber nüt, denn die so nüt hend gern überkämend, die all
ir gmüt dahin setzend wie sy gnüg miet und gab von ande-
ren mögind erlangen, das es inen uff der statt werde. Und
so es ein sömlicher denn nummen under der statt namen kann
anreisen, das man etwan eim das sin angryfft, und stets im
so mul het „der statt nutz, der statt nutz“, so gibt er denn
fürwar ein güter trüwer schultheis. Was wirt aber denn vol-
gen ? Das, wie ich gesagt, ryche, wyse und gesehikte menner
sich wyt von einem sölichen regiment tündt; und so denn
die maß voll wirt, so kumpt denn der schlegel, das ist die
*ä unhuld Gottes, so von nöten volgen müß, der zerschlacht’s
alles in boden. Ich han hie er und uner, so aber die alten,
ouch by den beiden, uff ertrich für das höchst die er hend
ghalten; und aber in unserem regiment, Gott sig es klagt,
2. G. Bl. vonnöten. 5. G. erwerben’». 6. G. disen muss. u. pr. 8. G.
es nenwen (Bl. neywan her) genommen werden. 14. G. Bl. nebend sömli-
chen. 15. St. aber nüt gut». 16. G. Bl. wo si nit genug durch miet und
gaben oder finanzen. 17. St. oder daß es inen. 26. <?. Bl. ich han hie der
eeren und unehren (welches die alten auch b. d. h. hie uff e. f. d. h. hand
gebebt) nüt wellen gedenken : dann fürwahr deß in uns. regim. — kein rech-
nung gemacht, sonder wie — w üs»end, so die anzogen wird, verlachet wird.
(In dem, jetzt kaum verständlichen, Text scheint nach «er und uner“ etwas
ausgefallen zu sein, es maßte dem so hier soviel sein als „ von welchen “
(er und uner).
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120
IV, 8. Fränkli’i Antwort.
[Mio] ,jea kein rechnung hend, wie vil erlicher menneren wüssend ;
so d’er anzogen wirt, so wirt’s verlachet. 0, des grossen un-
fals! o, der grossen straff! Wolan, ir hend htlt ein urteil ghArt,
die ich gloub oder vil mer förcht, das s y volg werde han,
wenn dieselbe in gschrift wurde begert und geben, als nit *
beschicht, deß ich ouch von üwer miner herren wegen
fro bin.
[8] Dann min frouw von Hünenberg und der ammann
von junker Hartmanns wegen kömmend und klagend üch,
üwere amptlüt heigind inen das ir gnon, begerend das zA 10
widerkeren und ervorderend kein urteil von üch. Denn sy
haltend üch für secher, uß ursach, das üwer amptlüt spre-
chend, es bescheche alles durch üwere hend. So bruchend
ir nun süberlich die form eins rechten und farend die secher
zA und machend sich zA lichteren und sind beide mit ein- u
andren; gebend darnach die urteil für üch. Waruf gründent
ir die urteil? Uff welche keiserliche, statt- oder lant-recht?
Uff keins. Waruff denn? Uff eigen gAtdunken oder willen.
Wie lutend die? Also: Wildpftn ghArt allein der obristen
herrschaft zA , und das mulve ist dAr dingen so under den *>
wildpan ghörend: darumb sol der statt fürhin das allein zA-
ghören. Ist im aber in der sach also, das die wildpan allein
der obristen herrschaft zAghftrt, und das mulve under diesel-
ben ghArt? Das gloubt der procurator nit; wie wil’s der richter
denn erzeigen ? Fürwar mit keiner geschrift noch statt- oder »
landtrechten, sonder das widerspil wirt sich mit der warheit
finden. Was? Das ouch besondere personen, so nienen kein
herrschaft hend, wildpAn hendt. (Wo laßt der procurator zA,
das iede herrschaft in sinen weiden und ertrich wildpan het.)
Und wie wil er’s erzeigen? Mit Tütschen und Welschen. Nit"
(BL 64) wyt von der Eidtgnoschaft, an der Hardt, findent sich etliche
grosse fArst, die hend sonderbare personen, von den anderen
8. ff. Hürenberg. 10. ff. daß ihr aie zu wiederkehrung weitend. 19. St
der wildpan. ff. die wildpan ghören. 28. Der Text setzt die Worte: Wo
laßt — wildpan het in Parenthese ; ebenso 0. Bl. Dagegen punktiren eie
St. H. als Fragesatz. Allem die Frage : und — erteigen? schließt sich
zunächst an den obigen Sats „das ouch — hendt“ an.
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IV, 8. Frinkli't Antwort.
121
wol ußgemarchet, so gar keine herrschaften weder da noch [tfio]
anderschwo hendt, denen nit allein das holz, sonder ouch alle
wildpAn mit irem anhang innerthalb iren marchen zAstönd.
Deßglychen findent ir in der Etsch yngemarchet, und am Böhe-
5 merwaldt ist nüt gemeinere. Nemmend nun unsere nach-
puren im Welschen landt, das im Pemmond anfacht und alles
Lamparten hinweg : da hend die edellüt nit wie hie ieder ein
herrschaft , es missen vast grosse herren und grafen sin, die
herrschaften besitzendt: doch wol etlich, so gegen uns harus
io sich an dem gebirg haltend, hend aber grosse mechtige güter
oder höff, so sy cassinen namsend, in welichen sy grosse höl-
zer, reben, acker, matten und gestudt, so sy mit fiyß züchend,
habend, uß denen sy etwan ietlicher 100, 200, oder 300 du-
caten zühend, und habend gewildt mengerlei art Darinnen
is hend sy ouch ire wildpAn in allem irem begriff, in dem sy
doch weder wenig noch vil herrschaft hend. Wyter so nem-
mend üwere eigne land herfttr, im Ergöuw hie dissit und
jAnsit dem wasser, und deßglychen daselbst hinab zi rings
um by üweren nachpuren, so all ire wildpän hendt, wie lie-
20 derlich herrschaften sy hend; denn sy nit volle herrschaft
habend wie die hie oben, sonder ein ußgezilete und be-
stirnte, wie hoch und wie wyt; und ist kein stuk, das sy
vester handthabindt gegen einandren denn den wildtpan,
das sy ouch, nachdem ir sy begnadet und ire herrschaften
*6 und güter widergeben , etlich understanden üweren vögten
zil weren, und, gloub, das der von Rüstk noch hüt by tag
inen das in sinen weiden were. Ja, so styff haltend sy drob,
das do ich hinab gan Lenzburg kam, und die edlen dem
fürsten nachzugendt und üch nit hulden woltend, wie ir
so wüssendt, und mich noch wenig uff die wildpän veretAndt
und kein jeger was, karten die puren mich an inen zA er-
louben zA jagen, wolten einer den anderen nit vergönnen uff
inen zA jagen, sonder woltend einandren bringen, das gebracht
10. G. an dem gebirg sich züchend. 12. Bl. pflanzend. G. gestüd habend,
so sy m. fl. xüchet hand. 23. G. schärpfer. 25. G. understanden etlichen
üweren vögten. 26. St. v. Rütschk. G. v. Rüsek. 32. 33. Die Hdschr. »er-
ichreibt zweimal jagen in tagen.
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122
IV, 8. Fränkli’e Antwort.
[IJ70] gölte werden als vor zyten die edlen uuder der herrschaft
Oesterrych gewonet was, das ich mich höchlich darab ver-
wunderet ires kybs und zangks. Nun lüge der richter zö,
wie sin urteil eines teils bestände, da er spricht „der wild-
pan ghört allein der obresten herrschaft zü“, und findt sich 5
hie das widerspil uß allen, ouch üweren eignen landen. Mit
diser urteil werdent ir denselben da hinab ouch genommen
han iren wildpan, und band inen aber wider das iren darmit
zögestelt. Ir hend ouch, wie ich und ander der alten noch
wol wüssend, etwas von inen darumb genommen. Wo wirt io
(B1.65) dann Uwer züsagen bestan, die sy iich on zwyfel in die na-
sen wurdent stossen? Wo dann so vil erbarkeit und schäm
by uns were, das wir wurdent sagen „wir wend inen glou-
ben halten“. Möcht dann nit ein bidermann sprechen: „Wa-
rum wend ir's disen on alle Ursache und recht nemen? is
Denen, so üwere fynd gsin, hend ir’s, do es Uwer was, ge-
schenkt; disen, so dieselben und das landt üch erobret, diser
statt sy und ire vordren gedienet und ufbracht, uf iren herr-
schaften, da ir nüt zil gebieten hend, ouch sy üch etwas
vergönnt und geschenkt, wend ir zö Ion das übrig ouch *>
nemmen.
[9] Nun lönd uns lögen, wie der ander teil der urteil
bestan möge. Er spricht: So nun das mulve under den
wildpan vergriffen ist, so ghöre es ouch einer obristen herr-
schaft. Und ist der wildpan by im vil höher, denn das »
mulve; und ist aber erzeigt, das nit allein die, so nit volle
herrschaft hend, ouch so kein herrschaft hend, etwan wildpan
hend, aber mulve mag niemant nemmen dann der so ein
herr ist, gloub ouch allein der, so volle herrschaft het. Doch
so weiß ich nit, wie es die keiserlichen recht, von denen (es| ao
so ich etwanen ghört, flüßt, erlütterend ; aber es ist ein straff
eines roubs. Und, als ich acht, weißt junker Heinrich Matter.
1. O. zn Zeiten der edlen — gewohnt hand. 2. G. mich damal darab
verw. 30. G. von denen es, wie ich — . 32. St. G. weiß (es bildet den
Gegensatz zu dem: ich weiß nit).
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IV, 9. Fränkli's Antwort.
128
Und wo min herr schultheis doch eine sölche lüterung geben :
das mulve ist ein straff des roubs oder diebstals, welches
dem malefitz und hochgericht dienet — so aber minen gne-
digen herren Münsigen und Hiirselden züstat — das hette
sdoch etwas form und gstalt ghept. Do aber er sprach: dos
mulve ghört zü dem wildpan, müßt junker Heinrich, der ein
jeger ist, lachen, und fürwar ich oucli, der ich eil kllrsiner
bin ; und gedachten beid, gloub ich, das es schimpfl ch einem
metzger were, so ungrympt vom wildpan und muhe zü ur-
10 teilen, so doch zun zyten das wildpret und mulve ouch in
ire hend kumpt. UfT das er aber andermals wyßlicher, wie
wol von nöten, wüsse umb mulve, wohar es kömmt, zü ur-
teilen, wil ich im den bscheid sagen, wie ich in hit vor vil
jaren von den gelerten und alten ghört han geben. Das mulve
is ist verfallen vech, so einer herrschaft verfallt, so das 6 wu-
chen und etlich tag in der herrschaft sich weidet , darinnen
sin herr oder meister nit sitzet, oder zü deinselbigen wiidgang
nit ghört; und das dorum, das nit z’glouben ist, das er ein
sömliche lange zyt ongverdt sines vychs mangle oder das
a« nit wüsse; sonder so er das nit reicht oder sücht, ist zü er-
messen, uß untrüw, eigennutz und vorteil wölle er sii vych
uff anderer lüten weidt also sümmeren. Sölchem vorteil oder
untrüw und roub vor zü syn, ist geordnet, das nach söirlicher
zyt zur straff der eigennützigen, das vych der herrschaft ver-
as fallen sol sin. Doch min herr doctor hie, so in den keiserli-
chen rechten gelert, wüßte minem herrn schultheissen besseren
bscheid zü geben; wil in ouch gebatteu han, hinfür von siner
und miner herren wegen , wenn er umb derglychen sathen (B1.66)
wegen ein urteil wil geben, nit so schnell sige. Ist er der
so dingen nit kündig, so an in kömmend , so beschäme sich nit
rat z’hanj dann das tiind alle wyse richter. Dann er fürvar
1. St. und so doch — geben hette. (Allerdings dürfte hette cus
dem Text gefallen sein; allein wo ist nicht zu ändern. Der Satz: wo (= un-
fern) — geben hette bildet den Vordersatz zu den Worten: das hette —
ghept; dazwischen ist das Schema eines Syllogismus, von dem aber nur de.
beiden Praemisscn angedeutet sind, da sich der Schlußsatz „das urteil“ vot
selbst versteht).
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17, 9. Fränkli’s Antwort
[wo] hüt wol erzeigt hat, das im weder vom wildpan noch mulve
. iitzit zü wüssen gsin sigej und, wie ich vorgseit, wenn es
ein hande! gsin were, umb welichen die so es angat, alle
sach in trief und sigel begert hettend zü haben, wie der
bruch ist, mit was spott wurdent ir bstan? was wurdent s
alle versündigen sagen? Wend ir wüssen, was? Nämlich,
das wir all mit einandren in disem regiment eintweders blinde
kind oder unverstendig narren oder öffentliche röuber wererid»
die unverschanter wyß unser bürgeren und undertanen gilt
uns wölind zfizüchen. Und wo min herr schultheis so gfer- io
liehen wyter, wie nun mermalen beschechen, mit sinen un-
gerympten urteilen wurde fürfaren, so müßte ich im flirwar
recht geben , das er gestert im rat und vormals ouch einest
gesagt, das er bekennet, minen herren sinen kleine er und
nutz züitande ; und wurde gütigklich gloubeu, das er profeciert is
hette wie der hochpriester uff dem karrfrytag, der da sagt,
es were denocht weger, das ein mensch umküme, denn das
ganz volk, unangseen das der mensch unschuldig were.
[D\ Und sprach wyter: Noch eins das falt mir yn. Min
herr arhultheis bekennt alwegen in sinen urteilen (als) [alles] *>
„der Christen herrschaft“zü. Da weiß ich nit, welche er meint?
Wir tend biß iez, und gloub noch, den keiser oder Römischen
könig für unser houpt und oberen erkennt, wie er schultheis
in disem rat zü herr Niclausen von Dießbach seit und be-
kantich was. Ist es dieselb meinung, so hend wir warlich *>
der statt nutz wol betrachtet. Denn der keiser bedarf sin
wol, das wir im solches narrenwerk züsprechind, und darmit
aber unsere trüwen lieben burger und ratsfründ übel gehelkt
wurdint. Und so wir nit so wyt usserthalb dem rych legind,
da der keiser oder sine procuratores hinwandletind , meinet »
ir nit, sy wurdent sömlicher urteil bericht, wurdent die ouch
ziehen? Ob es glych der keiser nüt schätzte, so wurd er
10. 11. G. so beharrlichen, Bl. so bärlichen. 14. G. gesagt und
bekennt. 14. 15. G. Bl. noch nutz hettend. 15. St propheeeyt. 20. St G.
•lies. 24. G. das geredt. 30. G. sine fiscal u. procuratores. 31. G. und
lie ouch. (Vielleicht ist das zweite wurdent zu streichen und bericht ist —
certiores facti.)
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IV, 10. Frank li'« Antwort.
125
wol etlich siner dieneren und amptltiten finden, die dasselbig [tfio]
z’eren zugind; wie noch in kurzen jaren, (öb) feb] üch keiser
Sigmund des rychs lehen in disen landen zügestelt hat, be-
schach, das die keiser alwegen über dieselben einen vogt
s verordnet hend, und zA allen zyten grosse personen an die
keiser darum geworben, under welchen der minsttürist, ouch
der letst, Peter vom Tor gsin ist Wend ir denn disere ge-
scheft der statt zAzüchen, als, ich gloub, die meinung sige,
warumb gibt man im denn nit den namen, wie denn unsere
io eiteren gebrucht? und geschwygen der unnützen, hochmüti-
gen unerkannten tittlen? Wir sind nit könig oder keiser.
Das wir aber von denselben für andere stett uß mit fryheiten (BL67)
und herrlichen gaben g'eret sind, sönd wir sy desto in hö-
cheren eren haben und prysen. So ist das unsere dankbar-
is keit, das wir sy darum anfallend verachten, schmechlich von
inen reden und haltend, das ich zun zyten übel darab er-
schräken und mich vor Gott und der weit schämen unserer
Undankbarkeit und grobheit. Das tünd nun nit die von eren
har und in der weit erfaren sind; man ghört’s von inen nit;
*o aber die stattkelber, so nie ußkommen, die weder giert wer-
ken noch gwerben, sonders allein müssiggang und uff der
statt und dem volk mit miet und gaben zA geleben; und
trybend ouch sömliche hüpsche wyß und wort — dann sy
gseend, das sömlich hoch erdichte tittel uns in oren kutzlend —
*s das man da sage: das gibt fürwar ein redlicher Berner! man
mAß im helfen! WarzA? Die statt und landtschaft helfen essen
und darby gricht und recht verkeren. Wenn ich vormals
dise stuk nit etwan noch rücher hette b’rütet, so weiß ich
wol das es übel wurde gan. Aber die so schuldig sind, die
sowüssend, das ich nit uß einem Liren hafen reden. So müß
ich ’s tün, min concienz zA entladen, diewil ich nun vil jar
2. St. ob, G. eb. 9. St. G. wie den. 10. 11. G. hochmütigen, ehrlauten
(erlaudtten?) (Bl. hochmütig erlangten) titeln: wir sind könig oder keyserl
12. G. und um das uns dieselben — beehret, daß wir sie — prysen sölten, so
ist — . 19. G. u. die der weit erkundet. 21. St. müssig gangend. G. miisaig
gähn. 22. St. gelebend. 22. 23. G. die trybend sömliche. G. hübsche, weise
wort 25. G. das wird. 26. St. verfressen. 26. G. noch ruhiger hette berudet
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IV, 10. Fränkli's Antwort.
[1470] gehalten bin für den llltpriester uff dem rathuß. Das best
ist aber, man laßt mich wol hie vil zürnen und predigen,
und fart ein ieder für, ja, wöllend (als mir fürkumpt) mich
ein nrsach aller Unordnung darstellen, sagend: Das Fränkli,
den verbünstigen mann, Gott hie und dort sehende; er meint, s
kein frommer Berner sülle der statt und landtsehaft gniessen
denn er allein. Warumb schryet er nit uff sich selbs? Wer
het in gseen werken? Wahar kumpt im so groß güt? Man
weißt wol, das im’s sin vatter nit verlassen hat. Diß ist mir
nun vilmalen fürkon, und gloub, es gange noch mer. Und die- io
wyl ich bin ankon zü predigen (Got wölle das es die letste
sye), und es eben die materi gibt, und ich schädlicher dingen
sol ein anstoß und deckmantel sin in unserem regiment, wird
ich gezwungen, hette es ouch gern langest, so es die ursaeh
und zyt hette geben, getan, vor (ich allen ein rechnung mi- ie
nes zytlichen güts, ouch lebens und handtierung ze tön, wie
ich mich in disem regiment gebrucht, uff das sich niemants
an mir verhouwe. Und wil hie vor Gott und üch miner
oberkeit ein sömliche rechnung gen, by deren ich wil mit der
hilf Gottes in minem hinscheidt (der ob Gott wil bald wirt
sin) und am jüngsten tag bestan, und so ofl ir, min herren,
deß begerendt, die ich üch hie uff ertrich ouch heiter weiß
zü wysen und berechnen.
[11 J Es sind noch etlich erbare menner in leben, aber
wenig, deren die min vatter saligen gesehen , welcher mich »
(B1.68) zehenjärigen jüngling gan Ravenspurg abgevertiget zu minem
handtwerk, mit dem gebott, ich sölte nit heim widerkommen,
biß er mich durch sin handtgschrift beschribe; des ich mich
hielt und diewyl uff minem handtwerk lart und wandlet und
dienet zü Ravenspurg uff mines vatters costen zwei jar. Dem- w
nach so bin ich one sinen costen uff miner henden werk ge-
zogen gan Augspurg, Nürrenberg, in Bühem gan Prag, in
10. G. sein gang. Bl. deß gang. 12. G. Bl. schädlicher, böser
dingen. 13. G. Bl. rockmantel. 18. G. Bl. uff mich und an mir. 21. G.
so dick. 22. G. begerend hie nff erdrich heiter weiß zu erscheinen nnd
berechnen. Bl. die ich nff erdr. onch h. w. zu erscheinen nnd berechnen.
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IV, 11. Fränkli’s Antwort. Sein Lebenslauf.
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Polandt gan Crackouw, und hab mich in denen stetten nün [tno]
jar enthalten. Do beschreib er mich und nötet mich ein wyb
zü nemmen, deß ich im gehorsam was; und in nachvolgen-
den osteren ward mir gebotten zü dissem grossen rat. Do
swußt ich nit anders, denn ich sölte ghorsam sin, das mir
oueh min vatter seit, das ich’s tön sölt§, der gar übelmögend
was und bald darnach starb. Do verordnetend mich mine
herren in den kleinen rat. Ach Gott, der weißt, wie mir was.
Dann ich mich schampt, das ich junger, unkundiger und uu-
10 erfarener sölte by denen treffenlichen menneren sitzen. Es
was da kein junger und keiner, denn der siner gülten erhell
mocht geleben, oder der sin handtwerk tribe, dann ich allein.
Ich hete mer lust ghan z’werken und z’gwerben, wie das
unser handtwerk ervorderet, dann hie zü sitzen ; gspürt ouch
io bald, das es baß min nutz were gsin. Do ich etwas elter
und frischer ward und an min herren ein früntlichs urloub
begert und anzeigt das so mich trukt, vergannten sy mir,
wenn ich usserthalb der statt minem gwerben nachgienge,
wie ouch denen so vor der statt in iren hüseren oder ge-
20 schelten sind, ich kein pangelt zalen sölte. Deß benügt ich
mich wol und fieng an zü werken für und für wyter mit
gütem glück. Wie ich demselben glück nachhielt, do ende-
retend ir üweren vogt zü Lenzburg, den Wendtschazen , von
etlicher ungschikter hußhaltung wegen, so man in zihe; und
25 verordnetend mich min herren dahin. Ach, gütiger Gott,
ich was sin übel bekümmeret um vil Ursachen. Min herren
warend noch nit gestillet mit der herrschaft, der adel wolt inen
nit hulden, der sich nit wyt Anet dem Ryn enthielt, daruff
ouch die landtlüt gsahendt. Das wußt ich wol; dann min
so herren es all tag im rat hattend. So solt ich ein stark huß
hüten. Das hat ich noch nie in keinen kriegen giert. Darby
so gsach ich, wie übel man des Wendtschatzen dienst für
güt hat, der so von einem treffenlichen, erlichen geschlecht
6. G. so da schwach was. Bl. so doch vil untauglicher was. 11. H.
auch keiner, der — tribe. 20. G. Bl. peengelt. 2ö. G. daruff sahen und
koffeteu ouch die landiüt.
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128 IV, 11. FrSnkli'ä Antwort. 9«in Lebenilanf.
\t470] was. Zületst trakt mich vast ser, min angefangnen gvrerb
(B1.69) zfi verlassen, von dem ich mich ser erbesseret hat Und als
ich des llitpriesters dozmal, so mich vast lieb hat, ouch min
bychtvatter was, rat hat, der mir seit, ich wüßte mich nit
zfl entschuldigen vor Gott und sölt miner oberkeit ghorsam s
sin, do hab ich minen herren bewilliget, als ich’s inen zfi
6 mal hat abgschlagen. Und hat da min erhebe narung, so
wol einem edelman gebürt hette; hab ouch daselbst giert
in miner hußhaltung brachen, das es mich syder järlichen
wol etwas costet Als ich aber den gwin des gewerbs em- 10
pfunden hat, und mich antiengen kind, so mir lieb gsin, an-
fallen, wolt mich nit nützlich dünken, das ich allein feiß und
wol lebte, und nach minem hinscheidt die kinder mangel
bettend; tet ich stets alle jar min herren umb urloub bitten.
Und als min herren beducht, die hendel der grafschaft mitj5
undergang und marchen gegen üweren eidgnossen und an-
deren werend in rüwen gestelt, do hend sy mich deß ampts
erlassen, doch abermals mit dem rat beladen, das mich de-
nocht etwas irret an minem gwerb, mit dem es mir glücklich
gieng. Und mit dem, so ich vor minem ampt zi Lenzburg w
erübriget hat, schliig ich für ein guldin oder 6000. Do hend
ir mich übergwaltiget mit disem üwerem ampt. Wie gern
ich das annam und biß iez daran gsin, weißt Gott und vil
biderber lüten, die sin noch wol yndenk sind. Dann ich wol
wußt, was mir und minen kinden daruffen stilnd, das ich von u
minem gwerb, wie ouch vormals, do ich gan Lenzburg müßt,
stau und kommen müßte; welcher verlurst mir we tat; aber
in der warheit so was mir schäm vil grösser, das ich sölt
ein sekelmeister zü Bern sin, an weüchem ampt erlich, rych
menner von geschlechten und hohen stammen warend, und *>
wie min herr schultheis hüt klagt, das ich der erst von handt-
werken daran kommen bin, und wol von den gnaden Gottes,
besonders in denen zyten, vorhanden warend, die minen her-
ren vil erlieher werend gsin dann ich. Hette ouch Urban von
16. O. Bl. nndergängen. 32. O. da doch von gn.
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IV, 11. Fränkli’s Antwort. Sein Lebenslauf. 129
Muleren vil baß und minen herren, des vatter und beide [1410]
großvätter diß ampt vil jaren erlich und herrlich verwaltet
hend, angestanden und gebürt dann mir. Und als ir, min her-
ren, mich anfiengend zü tagen schiken und unsere eidgnossen
s ghortend, das ich sekelmeister were, und mich nummen junk-
herren woltend, hend sy mich vast schamrot gemachet. Denn
müßt ich inen sagen, ich were nummen ein kürsiner; das sy
treffenlich wunder nam, diewyl vor mir das ampt trüg junker
Hans von Müleren. Das war üch und mir sputlich. Hiemit
io hend ir üch , min herren , treffenlich ernideret und mich vil
z’vil, das weder mir noch minem geschlccht züstünd, geeret,
aber darby min und miner kinden nutz nit gschaffet. Dann (B1.70)
by der warheit, die Gott selber ist, so weiß ich, das die
i'mpter Lenzburg und üwers sekels Verwaltung mir schadent
is ob (len fünfzehen tusend schilten, deren ich rycher wölte sin,
so ich by minem gwerb were bliben. Mich hette ouch diser
verlurst wirs geschmurzen, denn das ich von den gelerten,
zü denen ich mich inin lebtag gehalten, beredt war, das ich
Gott dienete, so ich miner oberkeit ghorsam were, und be-
2o sonders in sömlichen ä mpteren , die zü gemeinem nutz des
vatterlands reichend ; zü dem, das ich die rechnung machet,
das mich Gott mit dem het von dem gwerben zogen, in dem
man sich lichtlich vertiefen mag. Wie ich diß üwer ampt
von anfang derselben zyt verwaltet habe, wüssend die alten
äs und jungen. Und was arbeiten ich in derselben zyt (ich)
ußgestanden, mit der hußhaltung, und fürnemlich mit den
kriegslöufen, so dise stat zü keinen zyten nie langwyriger
noch schwerrer glian het, das ich mit vil minderer arbeit und
sorgen minem gwerb in Böhem, Polen, Prüssen, Italien und
so Frankrych were nachzogen.
[12] Des gwins und verlursts nalb wil iel kein red mer
1. St. hette onch Urban v. Mul. (dessen vater — verwaltet band) u.
minen hh. vil bas angest. G. hätte onch Urb. v. M. (dessen vater — ver-
waltet) vil baß, n. minen hh. onch, angest. 7. 8. G. das nam sie trefflich
wunder, auf jkr. Hansen v. Muleren; was ouch mir u. üch spöttlich, nnd
hand hiemit — genidriget. 17. G. übler geschm. 18. G gezogen.
Quellen zur Schweizcr-Gcschicbte* 1. Q
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130
IV, 12. Frinkli'i Antwort.
[I4it>] halten. Dann miner herren hie zügegen vil wiissend, was das
sekelmeister ampt mag ertragen, das inmassen ist, das wo
ich nit hetto mit minern gwerb vormals gewunnen, das ich
by der warheit nit bette by des ampts belonung ußkommen
mögen, dann das ich bette müssen min hüßli, (wyn) fmin] s
boumgArtli und ein kleines geltli, so mir min vatter verließ,
und 100 rynischer guldin , so ich, als ich wandtet, mit miner
arbeit und blonung gwunnen heimbrncht, angryffen; welches
gelt mir zü minem gwerb gholfen den schulden het müssen
geben. Nun weiß ich wol, das etlich werdent sprechen: Ei, w
er ghept sich übel. Er ist doch von sim gwerb nie gstanden
von des ampts wegen, er het doch oft dry oder 4 gsellen uff
dem handtwerk ghept und zü vil malen etlich gan Frankfurt,
Lyon, Genf etc. gschikt; zü dem, was bringend die grossen
schenkinen, die diserem ampt zükonunend ! Diewyl ich an- w
kon, müß ich ’s ußmachen, domit ich min warhaftige ent-
schuldiguug an tag briuge und etwan ein ursach nemme die
statt uud lantschaft zü schluken, wie der brueh wil werden.
Denen ich antworten zum ersten, das es war ist, das ich biß
uff den hüttigen tag min handtwerk gehandthabet, nit von w
gwine wegen, dann ich keinen nie migen gespüren; beson-
ders wenn ich durch knecht wollen werben , so han ich al-
wegen darvon müssen lan, dann ich wol verworben hette,
was ich vormals gewunnen hat. So trüg mir das handtwerk
gar wenig yn, dann ich gar selten zü den gsellen kon bin, »
hau nit können selbs darzü lügen; sonder allein han ich
min handtwerk ghandhabet, wenn ich von disem ampt käme,
(B1.71) das ich wider werkete , und diewyl ich möchte wandien,
gwurbe; fürnemlich, das ich mine sön werken larte und
darzü hielte, uff das sy nit stattkelber wurdint, hernach der »
statt uud landtschaft überlegen wereud, dieselben hulfend
fresseu, wie es der brueh werden wil, das ich min lebentag
5. 6. St. myu bannig. Bl. wyn- und baumg. G. wyu- oder bamng
8. G. n. lil. lassen augrylfeu aus. *J, G. Bl. ata (alles) vertrybeu u. ilcu
schulden hiitt müssen geben. 17 G. und etwan einem. 22. G. bun wollen
w. Bl. han wollen hundlen und werben.
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IV, 13. Fränkli’s Antwort. i3l
ghasset han, Gott geh was etlicli von mir gern sägen weiten, [1410]
uff das sy ire mengel möchtend deken. Dann so sy die war-
heit wend bekennen, so wüssend sy wol, wie ich mich klagt,
das es mit miet und gaben zü nemmen übel wolt gan und
5 von näten were, das man deß etwas ftlrsehung erdechte;
denn uns das Oberlentsch molchen sunst gar die ougen uß-
stcchen wölte. Ja, sprechend sy, er nimpt ouch etwan. Es
ist war, vil zyts bringend mir erenlüt schenkinnen, die ich
schandenhalb nit kan ußsehlan; so vast ist diser schädlich
10 bruch yngrisen. Ir, min herrcn, mein ich, wüssind, das ich
vil entwennt han mit grosser unwirse; und bezügen hiemit
mich uff. alle die, so umb mich siud, das wenn ich ein gab
behalten, zehen wider von mir schiken, und keiner ist zd
mir mit miet und gaben ie kon, denn das ich von ganzem
15 herzen darab erschroken bin ; und dessen wirt Gott min
züg sin.
[/3| Das ich aber ein end mache, domit ein ieder gsehe,
wie ich uß der statt oder den landtlüten, uß iren miet und
gaben gelebt oder rvch worden sige: es sige hüt oder nach
so minem tot, wenn ir werdent finden, das ich mer güts ver-
lassen, denn ich an und zd dem ampt gebracht, ußgenommen
das Oberteil mines huses, so ich alsbald ich an das ampt
kam, von den meisteren zun Schmiden gekouft hab, so hal-
teud’s darfür, ich hab es der statt gestolen und vom gmeinen
ja mann mit gricht und grecht verkoufen erschunten, und sige
alles was ich han, wie billich were, der statt verfallen.
Min herren wöllind mir verzyhen. Die lönf der statt und
der uudertauen, oueh die notturft habend gegenwürtige pre-
dig ervorderet. Nun ist zit, min urteil darumb wir hie sind
so zd geben. Junker Hartman und min frouw von Hünenberg
erklageud sich, üwere amptlüt habend inen das mulve in
irer herrschaft Münsingen ufghept, entwerend sy deß, so ire
vorfaren und vorderen besessen hendt. So hend ir hüt lang
von minem herr schultheis und mir ghört von wildpänen
11. St. abgewendt.
*
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IV, 13. Fränkli's Antwort.
[WO] und rnulve disputieren. So weiß [ich] by Gott und guter
conscienz niemant an rechten dingen, so ers besessen, zü
entweren, besonders herren, die herrschaften hend, in söm-
lichen dingen, das alle die, so volle herrschaft hend, in
Übung und bruch besitzen; als wir all wol wtlssen, das uns s
hie junker Hartman vilinalen durch gschrift und lüt an-
botten zü erzeigen, das inen ouch die hochgricht da züstün-
dint, und vermeint, wie ouch hüt deß etwas gemeldet, das
die mit schlechten zügen zü der statt handen gebracht syendt,
hat’s aber nienen hin mögen bringen , dann min herren der io
dingen kein wüssen tragend, und behalfend sich gegen im
der landtsgwerdt. Aber gern wil ich ’s glouben, das er mit
(BL72) briefen und zü denen zyten mit liiten hette mögen er-
zeigen, das sy die hohen gricht ghept. Dann umb Mün-
singen ein altes wösen ist. Und wie ich in miner jugent u
von den alten ghört, so ist zü Münsingen ein grosse statt
gsin, ja grösser denn dise sige, die vor zyten wie Wifflis-
purg und andere zerstört ist worden. Und demnach ist ein
kloster da gsin der Tempelherren, so ein bapst gebot ußzü-
tilgken, von welichen als die alten gseit, die Tütschen Her-so
ren hie und das frouwen kloster zü Brunnadern, so iez hie
in der Insel sind, ufgestanden; und sind grosse herren von
Münsingen gsin, nach den grossen graffen im land die
hochgeachtisten; die hend eroberet grosse herren, die Sen-
nen, deren noch spat etlich gsin, sind aber vast abkom-e
men ; und achten , von denselben an die beid gschlecht
vom Stein und Bürren kommen, das ich acht, wie sy sich
mit gschrift und lüten erbietend, dise und vil mer herr-
schaftrechte besessen, von denen ich sy (wie ich vorgseit)
keines wegs noch nieniants wil tringen, diewyl mir Gott»
min sinn bhütet.
Dise lange red ist von vilen mit grosser bitterkeit und
1. St. G. Bl. weyß ich. St. reden u. disp. 2. St. die ao ea besessen.
G. ane rechter dingen, so es besessen hat. Bl. so er. 3. 4. G. in sämli-
chen dingen, und mit vollem recht üben und besitzen. 5. G. das hat uns.
2ö. G. Bl. so noch spat harnt {Bl. hierum) gsin.
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IV, 13. Fränkli's Antwort 133
verdruß, doch fljssigem zfilosen verhört worden. Und be- \MO]
ducht mengklichen, das die dry teil des rats dem sekel-
meister recht gebindt. Und sprachend schier all, er redete
d’warheit. Als aber gefragt ward, und man nit wußt»
5 weliche urteil das mer were, fand sich nach der zal des
schultheissen umb dry man das mer ze syn, deß er nit
kleine fröudt hat, wie man im das wohl angsach.
2. ff. Bl. bedacht vilnach menkl. 2. G. Bl. vilnach all.
*
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Fünfter Abschnitt.
Die eidgenössische Intervention und ihre Abweisung.
[lfio] [/] Item, unsere eidtgnossen von Luzern, Uri, Schwatz,
Underwalden und Zug und Soloturn hend ir ersam bot-
schaft geschikt, so vor kleinem und grossem rat verhört
hend anzeigt: wie ire herren habind vernommen, das grosse 5
spAn zwllschen inen im kleinen und grossen rat entstanden,
ouch anderen erlichen geschlechten, iren bürgeren und under-
tanen, das s y ouch bedunke sich also habe, diewyl sy der
alten, die inen bekannt, keinen mer zü tagen gsehind, das
iren herren in trüwen leid sige. Dann sy und ire vorderen 10
zü mermalen gehört, das durch sömliche bürgerliche sp'tn
und zwytrachten grosse regiment zergangen sigindt. Begebe
sich ouch zun zyten, wo im anfang nit werde underlllffen
und durch trüwe mitler den Sachen wol werde gholfen, das
in die harr vil Übels darus entstanden möchte. Darumb we- 15
rend sy von iren herren gesant und inen bevolchen, allen
flyß, ernst, arbeit und costen anzükeren, das anzünnte fiiwr
zü löschen und dem zü widerstan. Dann zun zyten ein kleins
Aiwr vast groß und verderblich werde. Harumb bättind sy
ire kleinfügen personen nit zü verschmehen uud inen in a>
diser sach zü vertruwen; und so das inen gefellig, wöltind
sy mit ernst die anderen von wegen irer herren ansüchen,
8. G. Bl. daß sy der alten. 11. G. zu dickennalen. Bl. zu
dickeren malen. 14. G. Bl. lassen und au«.
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V, 1. Die eidgen. Vermittlung. 2. Kistler räth zur Abweisung. 135
das sj’ achtind sy inen disc Werbung nit wcrdint abschlahen.
Wo man aber vermeinte, ire personen werind zA kleinfüg (B1.73)
disen hendlen, als sy wol erkanntind, so begerind doch ire
herren an beide partyen, das d&ruinb ein tagleistung in die
s statt Luzern gelegt wurde. Da wöltind sy so dapfer und
wichtig handlen, das es, ob Got wil, der statt von Bern zA
cren und rfiwen dienen wurde; und welches mittel under
disen das fruehtbarest möchte sin, begertend sy inen anzeigt
wurde, mit wil efbietung.
io [2] Uff disen anzug wardt erstlich vom schultheissen
geraten, das er inen uff das allerhöchst ires frllntlichen erbie-
tens danken wölte und darby sagen: das ire personen vil
mer werdt sigind, denn das man sich iren in disen kleinfü-
gen Sachen und kindischen sp'.nen nit benügen sdte, die sy
ts lichtlieh mit iren bürgeren und undertanen wurden! on arbeit
und zütün so vil herrlicher menneren oder trllwen lieben
eidgnossen betragen, so vil und dick sy des begertind. So
werend keine so grosse sp'n und zwytracht under inen, als
aber möchte unseren lieben eidgnossen fürkommen sin. Doch
ao wöltend sy .inen nit verhalten : es were von der ordnung der
fridbrüchen wegen entstanden, so vor jaren ir, min herren,
wie ouch etlich irer eidgnossen vorhin angenommen, deren
straffen aber etlich uß den nnderherren vermeintend ynzü-
zlthen; darwider aber min herren meintind, diewyl es ein
zs gmeine Ordnung were einer obristen herrschaft uff alle ire
lantschaft, und keines underherren oder undertanen Ordnung
were, und besonders so min herren vast über sy all die hoeh-
gricht habind, wolle denselbigen nit gebüren die straff der
übertretteuden fridbrüchen ufzühebeu. Mau sig ouch bericht,
so das by etlichen unseren eidgnossen uieinauts denn der obresten
herrschaft gestattet werde s’dche ufzühebeu. Darnelicn sig
etlichs anderes kleines narrenwerk, so nit werdt darvon red
13. (j. Bl. dann sich in d. kl. s. — bemühen selten, (Es scheint
diese Lesart eine bloße, wenn auch scharfsinnige, Verbesserung ; tler ur-
sprüngliche Text mag gelautet haben : denn daß man sich iren — gebrachen
und selber uit benügen solto.J 31. G. Wol laafTe hiemit ctl.
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136
V, 3. Seine Gründe.
[/470] zö halten, darum uff keinen teil wurde gezangket noch ge-
haftet, wo man umb die f'ridbrüch überein kumpt, als licht-
lich beschchen möchte. Dann der mißhAl nit so groß, denn
das alle die, so diser handel antreffe, noch ire plitz und ort
by kleinem und grossem rat habind, und wo sy uß iren s
herpsten heimkon werend, sy dieselben gegenwirtig gseeu
wurdint.
[3] Daruf der schultheis aber redt: Er wüßte wol, das
gegen vilen mit disem ratschlag er übel gesündet und ver-
dacht wurde; darum er wider sinen willen gezwungen wereio
(dann so heimlich möcht sömlicher ratschlegen Ursachen nit
geöffnet werden) zö offnen. Uß was grundt er unseren eid-
gnossen in diser sach zö sprechen nit möchte vertruwen, were
erstlich: das min herren nun mermalen hettend verstanden,
das ein statt von Bern kein rechte undertAnigkeit noch satte is
(BL74) oberkeit in den vier landtgrichten als in anderen iren herr-
schaften hettend. Und wiewol das die alten flyssig gesöcht
zö überkommen, hat es sich doch nie wollen schiken. Wer
das gehinderet, wiisse ein ringverstendiger. Nun were eben
an derselbigen landtschaft einer stat mer gelegen dann keiner »>
anderen; das schöfe, das die under das paner gehörte, haryn
zö märit, zö gricht und grecht; und eben die statt und die-
selbe umb ir nehe und ründe harumb einandren in allen
dingen mößtend erneren und ufenthalten; und in summa so
were von nöten, das die landtschaft der statt herz were, umb *>
das sy (vil noch) [vilnach] die fümemsten handtwerk diser
statt erhieltind, und vil anderer Ursachen mer, z’lang zö er-
zellen. Nun hoffete er, das die sach alle angeschanzt
were, das im gang were, das mit der hilf Gottes nümmen
wyt were, dann das man dahin kommen werd, da die alten so
hin gehoffet hend, so fer ir, min herren, standthaft blybendt.
1. O. wurde onch darum. 11. G. obschon sömL ratscht. Ursachen nit
sötten geöffnet werden, (so heimlich ist gleich: als h., sofern diese Bath-
schläge zu den heimlichen gehören). 19. G. ein kleinverständiger. 21. St.
die, so — gehörten. 26. St. G. vilnach. 28. G. Bl. also, (doch vergLS.138, 14).
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V, 3. Seine Gründe.
137
Lönd ir ilcli aber bereden, das ir die sach ufgebend, so hend [N70\
ir sy, wie inan spricht, wol halb verloren oder ja gar. Wa-
rmnb? Darumb, das die edlen und geschlechter, so sy für
dise botten oder gan Luzern kömmend, könnend schwetzen,
5 bereden, schamrot machen einen ieden nach irem gvallen.
Ich weiß under üch, minen herren, (es wöll niemant zürnen)
keinen, so da vor inen bestan wurde, besonders zü Luzern.
Wer wölt wider sy üwer sach da handlen? Ir gseend wol,
min herr sekelmeister ist unwillig und stets wunderlich in
io disen Sachen. So ist im ouch sihes alters und übelmögende
halb wyter nit grosse müy anzümüten. Uff mich mit ryten
und reden vertröstend üch nüt; dann ir verfürend üch, das
hend ir dalome wol gsecn und ghört. Wyter so wüssend ir,
wie dise lüt uff ir brief und sigel bochend, ja, die sich ouch
is rümend, das sy die von der statt habind in eim und dem
anderen, als ich ouch gloub; dann sy sind am regimen t gses-
sen, hend die einandren mögen gen, wie es inen wol kam;
römend sich irer possessign und gewerden, die ich inen ouch
im rechten glouben müß; dann sy einanderen nit darum er-
*o sücht hend. So kennend sy die eidgnossen, hinwiderumb die-
selben [sy.J Ir hend zü inen gschikt und uff gmcinen tagen
schier niemant dann sy gebracht, besonders syt min herr
sekelmeister het angfangcn so gar vast alten. Sy sind inen
anmütig, das weiß ich. Ja sy schetzend keinen Berner denn
25 die edlen. Ich bin etwau drü oder vier mal zü tagen gsin
by inen, deßgelichen so sy hie sind gsin, hab ich inen flys-
siger dann kein Berner gsellschaft gleistet. Aber da ist nach
niemants frag, niemants ist inen angeuem, keinem wünschend
sy dank, niemant hat inen güts tan und das ir erhalten dann
30 der adel von Bern. Ja sy bekennend heiter, das sy im Zü-
richkrieg und wider den keiser und die Oesterrycher nit bet-
tend mögen bstan, wenn die reisigen und der adel von Bern (B1.75)
nit were gsin, und sprechend heiter, sy hettend üwers füß-
2. G. so hand ir si nit halb (wie man spricht) halb verloren (?)
14. G. bochind, und nit allein ihr alten, da die sie auch rühmen von der
statt habind in einem u. andern. 20. so k. s. d. e., hinw. dieselben sy. Ir hend — .
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138
V, 4. Seine Oründe.
[/470] volks nOt bedürfen , dann sy lüten dam) gnfig gehept, aber
reisigen volks und houptlüten werend sy notwendig gsin, in
dem habind ir sy erhalten; rümendt, wie sy inen die
spyß erhalten, den fyenden verhalten, alle ding erkundiget, —
grosse ding, die sy inen zügebendt., und uns ander all ver- 5
tutzend; allen unsäglichen, ja, verderblichen costen, so ir und
all llwcrc landtschaft ghept, und noch ob die hundert tusend
rynischer guldin umb Irctwillen verzinsend, on das, so min
herr sekelmeister etliche jar erspart und abglößt hat, ist by
inen nüt; nüt achtend sy dann der Berneren adel; hend (wir) ’®
[mir mit demj so vil und dik ghofiert, das mir der schweiß
ußgieng. Wider disen adel und uff die, so dieselben wie die
götter schetzend, wollend ir üwere sach setzen? Wenn das
beschicht, so weiß ich das, das ir dise sach alle verloren
hendt und darzfl in schand und spott köminendt. Dann sind is
sy gsinuet wie noch in kurzen jaren, so sind by inen keine
Berner dann die geschlechter in etwas aehtung, und meinend
onch nit, das ir inen nüt zü mögind oder künnind dienen,
denn mit üwerem reisigen volk und houptlüten.
[4] Was volget wyter, so ir inen volgend? Das ir by 20
inen und allen umbligenden landen verlierendt den namen,
so Uch by inen und iedennann forclitsam machet, das kein
statt noch staudt inTütschen landen grössere gehorsamine habe
dann ein statt von Bern. Und allein diser namen macht Uch
so hoch in allen landen geachtet und nit die grosse manu-
schuft, weliche beide unser eidgnossen Uch zü allen zyten
verbönnendt; deß ir ein güt exempel hend in rechtshendlen
und uffrüren, so sy gesücht habend under llweren underta-
neu zü machen. Vil weger were gsin, das dise hcndel (die
aber uff güten wegen gsin ein recht wesenliche Ordnung in v>
den landtgrichten ulzürichten, daran der statt nit ein kleins
ligt.) werend nie lürgnon, denn disen lüten zü übergeben, hie
3. G. erhaben. 4. St. den fynden aber. 11. G. Bl. hand mir mit
dem. 14. G. Bl. lassen das erste das aus. 18. nüt zu ist wol tn Ein
Wort, me dazn, hiezu, zu verbinden; es steht hier statt „zu irgend etwas.“
;)2. St. dann sy.
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V, 5. Seine Gründe.
139
oder gan Luzern zü kommen ; dann ich wol weiß, das ir’s [tfio]
alles wurdent verlieren, das so in spfinen ist, und wol alsbald
iner darzü. Dann ich weiß von mincr jugendt uff, wie das
volk alwegen gsücht diser statt abzübrechen. Was exempels
s wurde denn das geben, nit allein by Uweren eidgnossen und
nachpuren, so sy gsehend, das tlwere ghorsauime by den
üweren uß were, ja by üweren undertanen, so die gespurtend,
das etwan 35 mann (Ich hettend gemeisteret, so Uwere bur-
ger innerthalb Uweren muren sind gsin? Hend ir nit etlich
io herrschaften, darin ir ob 1000 mann hend ? Durften die dann (BL76)
nit hernach uff disers byspil ouch etwas anfahen ? Ja sy für-
war! Dann sy es vor etlichen jaren durch alles Oberlandt biß
in das landtgricht Seftingen hattend fürgenomnien, und das
durch unserer eidgnossen ynblasen, wiewol nummen die Un-
is derwaldner und Walliser darin öffentlich verschryt warend.
[5| Wyter, so ir eben einem ieden der üweren oder joch
frömbden wollend wilfaren, so wurd es darzukon , das die
vermeintend, das ir inen vor üweren eidgnossen zum rechten
sültend stan, wie ir disen getan hettend. Deßglychen sind
*o unser eidgnossen denn grob, hochmütig und vermessen gnög,
das sy sömlichs dürften turnen, wo ir anfiengendt: sy hend
vil jar an Uch gebracht ab tagen und botschafteu von allen
orten zü vil malen, das ir inen bewilligend, so umb etwas
gemeiner gescherten under inen das iner werde, das ein statt
a5 von Bern darin ouch haft und vergriffen sin sölle. Ir hend
es aber inen nie wällen bewilligen, sonders den vortrit itch
alwegen behalten das nachzügeben, ob es Uch wurde geval-
len; und flirnemlich darum, das sy nit etwas schyns ilber-
kämend, uns zü beherrschen oder z’regieren. Darum hütend
so üch, das ir Uch iez nit vertietindt, ob ir wollend. Und was
not tüt es uns, das wir disen boten alhie oder zü Luzern
unsere hendel übergebind, darüber zü sprechen? Ich gsich
und kann nit finden, das der statt einiche gferd oder sorg
und Übels, aber wol vil nutzes und rüwen müg hieruß entstan.
1. G. Bl. dann ich sicher bin. 24. St. wurde. 26. St. G. den vorteil.
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140
V, 6. Seine Gründe.
[/•#70] Man hat ouch noch mer gwunnen weder verloren. Ob es
joch nit glych des ersten tags in allen grichten, twingen und
kilchhürinen wil gan, so müß man nit verzagen. In 20jaren
wirt es wol rüwig werden. So nummen der anfang, der in
allen dingen das schwerest ist, beschehen, so ist nit nilt s
ußgrichtet.
[fl] Ich hette verschworen, das ir in zweien jaren mit
üweren gebotten so wyt werend kon, als ir aber sind, und
ist noch nit ein jar, das der anfang beschehen, ob joch etlich
unrein ussehend und fiiwr spüwendt; das (wir) [wirt] mit 10
der zyt wol gebüßt. Das convent tiberlept den apt. Ist glich
etwan ein rüuwlirig an einem ort, dem man etwas wenig von
sinefbüse müß Überseen; morn, ist er nit mer, so kumpt ein
milderer; oder blybend da kind, die üwerer, miner herren,
bedürfend, so hend ir ie dest besser zü machen. Unsere IS
vorfaren hend gar vil' und grosse fürsten ußgharret, wie ir
werdent finden mit den graffen von Kyburg und Arberg. Sy
kuderend; ist aber umb ein kleine zyt zü tün, das inen der
blast vergat. WAnnend ir, das sy umb dise kleinfüge Sachen
(BL77) ein statt von Bern übergebind ? Nein ! Sy sind der statt zü »
nottürftig; wenn sy glych das regiment nüt schetzendt, als
sy aber tünd. Und sind sin ouch wert darinnen ze syn.
Gseend ir nit, das der grüst blast ist, das der fleischhaker
schultheis zü Bern ist worden? Bekenn wol, das er sin nit
wert ist, aber uß Ordnung Gottes es diser statt zü gütem ge- *
schehen, damit die prophety des narren oder stummen erfült
wurde: das diser statt die regierung alles disere^ lands sülle
geben werden, als, ob Gott wil, bald wirt beschehen, so ir
verharrend. Sy sind sin als nottürftig das sy in diser statt
und deren regierung sitzind , als ire vorderen nie sind gsin. »
Rümend sich stets umb ires ynzugs willen : darmit habind sy
8. H. nit wärend kon (allein vorschweren heißt gerade etwa s mit
Eidschwur in Abrede stellen, oder schwören , daß etwas nicht geschehen
werde). 10. St. G. wird. 11. G. gelöscht. 14. G. oder blybend kind da,
mit denen ihr dann besser zu machen hand. 21. G. wenn sy joch — nit
achten. 26. St. oder zwergen (Justinger, S. 32).
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V, 6. Seine Gründe.
141
der statt ein mannschaft gemacht, habind der Btatt ire hoch-
gricht geschenkt und andere herrligkeiten über die iren der
statt vergönnet. Es ist war. Hend sy’s aber so von grosser
liebe wegen getan, die sy zür statt trügend? Nein sy fürwar!
s Sonder umb zweierlei Ursachen willen. Die erst ist: das sy
etlichen bürgeren in der statt überlegen werend, darum ein
gemein erzürnt war, so dozmal in diser statt starker dann
iez war; wutschtend hinuß zü reisen für ire hüser, als Dieß-
bach, so der Sennen war, Burgenstein, Belp, Münsingen; als
io die gsahend, das sy von den grossen graffen und fürsten,
denen sy anhangetend, nit mochtend beschirmpt werden, denn
das sy und die iren darby verderbt wurdent, hend sy die
rechnung wol können machen, das inen diser teil anzünem-
men were, das sy by dem iren blyben müchtend; und sind
is darumb haryn zogen und hend wyßlich gehandlet. Dann
mit disem mittel sind sy herren da ussen bliben und hie in
der statt ouch zü herren worden. Die andern aber, so die
kriegsrüstung nit (getrugen) [getrungen], sind irer eignen pu-
ren mütwillens halb, den sy entsassend, in dise statt ent-
so runnen nach den schlachten vor Loupen, Sempach und Mor-
garten und etlichen anderen, do der edlen namen mer dann
alle landtswölf verechruwen war, ulf das sy nit erschlagen
und vertryben wurdent und umb das ir kämend. Do wur-
dent sy Berner, verpflichtetend sich mit den iren, liberga-
*5 bend die hochgricht, domit sy sicher wereqd und das überig
behieltend, und warfend, wie man spricht, ein wurst an
ein baehen.
[7j Die hattend sich der statt können gebrachen. Mei-
nend ir nit, wenn uff den hüttigen tag die puren wüßtendt,
»das ire herren nit so vil in diser statt geacht werend und
von üeh, minen herren, gehandhabet wurdent, das sy syen
also wurdent achten, fürchten, und mit so vil grossen be-
4. St. nein fürwahr! G. Bl. nein, sy zwar. 6.7. G. wann ein gm. —
wußtend sy hinuß. 18. Bl. so die kriegsr. nit getrungen. G. so mit kr.
nit getrungen.
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142
V, 7. Seine Gründe.
[wo] schwerden gchorsammen ? 8y wüssendt das selb wol; und
wenn ir, min herren, inen die statt verhütend, sy wurdent
nit das wenig, darumb sy iez kuderendt, sonders all ire herr-
schaften üch übergeben, domit sy hie wider ynsessend. Dann
die ding sy nit rych machend; ire zins und zeenden und 5
(B1.78) güter, die erhalten sy; deren mögend sy by den puren da
ussen mit gnieß nit abkon, aber in der statt vertrybend sy
ire fründ; darumb sy vil minder 011 die statt mögend in die
harr leben denn die statt on sy. Und hettend sich noch nüt
von üch, mineii herren, zi erklagen. Ir hend inen noch nie 10
nüt in ire gebott noch verbott noch herrschaftpflicht weder
wenig noch vil geredt, allein so ir als ein hohe herrschalt
gebietend, und so üch von wegen üweren hochgrichten zö-
stat ufzftheben. Harumb die sach nit so grundsam und schwerr,
als sy etlich machend. Ja sprechend etlich : es ist zö ent- 15
sitzen, sy machind uns ein empörung, und hör es ouch, das
der gmein handtwerksmann sich übel umb ires bläyen und
abwesen gehept, umb ires geniesses willen; so sy aber be-
richt werdent, was nutzes einer statt, so es behouptet wirt,
daruß entstanden mag, sind sy echter trüwe Berner, so wer- »
dent sy wol gestillet und werdent sich willigklich lyden ein
klein zyt der statt zö gfltem. Und des soltend ir, min her-
ren hiezögegen all, so man uff den Stuben zflsammenkumpt,
üch arbeiten die gmeind also t'yu zö berichten und zö stillen ;
so bedörfte man gar keiner unröwen zö entsitzcu hie in der«
statt; in landtgrichten förcht ich’s vil minder. Sy sind nun
so bald lange zyt by der statt gsin und ernerend sich uß
der statt mit allen dingen, des sy bedürfend und das so sy
vertrybend; deßglychen sind sy dem Stattvolk mit gsellschaft
verwant, das sy vil e ire herren denn dise statt ufgeblnd, so
wenn cs joch dieselbigen söchtend dem sy zu witzig sind;
daran hend keinen zwyfel. Sy mögend wol wüssen, wenn sy
sömlichs fümemmendt, das ir, min herren, einen einigen spieß
13. O. gebietend, da die straffen üch — billich zustand nffznheben.
Bl. billich zustat. 31. St. dem sy aber.
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V, 8. Seine liründe.
143
lierul, den sy nit möchtend abbyssen, dann daran noch wur- [i4lo\
dent iren vil erwogen.
[8] Domit ich 's beschliesse wie ich angfangen, wil ich
unser eidgnossen hinweg fertigen. Dann inen zü wilfaren
5 uns sorgklich were, wie gmeldet, oucli nit von nüten. So
kommend wir wol alwegen zü disem schwert. Ich wil oucli
vil lieber mit den twingherren selber handlen denn durcli
unser eidgnossen. Da dürfend wir nüt uß der band zü ge-
ben wie uff den anderen w.lg. Hie gend wir hinweg oder
io behaltend was uns gevalt, das aber uns abgestrikt were, so
wir der sach uff unsere eidgnossen kümendt. So zwyllet
mir nilt, denn das die twingherren wol züfriden werendt mit
(Ich in einen vertrag zü kommen. Und, wie ich hür, so be-
schvverdt sy nüt hier denn das ir die fridbrüch und dergly-
i5 eben Ordnungen und gebott hinder inen wöllend ynzüchen.
So ir dasselbig nachlassen werdent, könnendt ir wol zü einer
güten tAdung kommen. Und üb üch joch nit wyter blybt,
denn das mengklichem har zü appellieren und üch die fünf
gebott (daruf die alten alwegen getrungen) in iren herrschaf-
20 teil zü gebieten nachgelassen werdent, so hend ir, min her-
ren, ein hüpsches eroberet, und der fleischhaker ist der statt
noch nit unnützer schultheis gsin. Den blast den geschlech- ^bi.79)
teren zü vertryben, mag lichtlich geschechen, so ir lierr Ni-
clausen von Dießbach, so das ampt vor einest wyßlicli ver-
25 sehen und ergytig ist, oder herren Adrian, dem es von ge-
schlecht und dapferkeit, als sy meinend, baß gebürte (als icli
ouch wol erkenn) zü einem scliultheissen setzend, als ir ouch
tün sündt. So ist denn der krieg, den wir so übel fürchtend,
one zwyfel uß.
so \>)\ Item als der sekelmeister Fränkli gefragt ward, der
hat gsagt: er müsse alwegen das widerspil lian, spreche man ;
so wolle er’s noch hüt also behalten. Er sige ganz anderist
1. St. dann daß daran — . G. dann daran schon vil erworget. Bl.
dann daran noch vil erworgen. 5. G. nns Borglich, ouch von keinen nöten
wäre. 9. St. wie aber den a. w. G. wie uff die andere weiß. 22. St. G.
nit ein unnützer. 27. G. anch ich das wol erkenn.
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V, 9. Der Seckeimeister räth zur Annahme.
[1470] gsinnet dann min herr schulthcis, und wolle in schimpflich
bedunken, so sy nun eben nmb groß hendel in spin sind
kommen mit unseren undertanen und bürgeren (wie wir sy
nennend), und das denn ein herrschaft dieselbigen sölle an.
keren umb einen vertrag. Es sige ouch zü glouben, so söm- 5
lichs beschche, die dester kümer sich daryn liessend bereden
oder zü dem minstcu sich dester herter liessend in der hand-
lang finden. Darum in formklicher und minen herren er-
licher hedunkc zü sin, das andere hierin mitlend ; so gebe
[es] sich eben fyn milter, so sy’s an min herren selbs brin- 10
gend. Wolle ouch nit daran sin, das der liandel gan Luzern
kommen sülte, aber das disen erlichen hotten der sacli ver-
truwet werde, deren er sich früuwe. Dann ire herren eben
sines bedunkens die wysesten uud obristen irer Stetten und
leuderen geschikt, und die da wol wüßtcnd einen schweren 15
landskrieg zü erlegen und ze befriden: bette ouch gar kein
zwyfel, sy wurdent disen liandel vertragen, das sin ein statt
von Bern er und nutz wurde han, und die geschlecht sich
hernach ouch [nit] müchtend klagen gwalts und Unrechts
von iren herren, weliches fürwar einer herrschaft übel an- so
stat. Söltend sich nüt lassen irren, das die edlen inen wol
bekannt und by inen wol verdient werind, weliches alles nit
käme von iren sondrigen personen, sonders lietteiid sinnliche
güttaten inen bewisen in einer statt von Bern namen, weli-
cher harumb die eidgnossen dank wüßtend und nit den ed- 45
len. Also han ich’s alwegen von inen verstanden, sprach er,
und bin doch mer umb sy gsin weder kein Berner, denn erst
by einem jar, do ich nit wol mer ryten mag.
2. St. so sy nun aber in eben grosse span syen kommen. 9. 10. St.
so gebe es sich. Bl. so gebet sich für mittler. G. fyn mittler, so es an m.
hh. (allein milter bildet einen Gegensatz zu dem obigen herter. Wenn
nicht die Obrigkeit den Unterthanen, sondern diese selbst (durch jene Ver-
mittler) ihre Anträge an m. HH. bringen, so wird sich für die Verhand-
lung mehr Müde und Nachgiebigkeit von Seiten der Twinglterren ergeben.
11. G. welche auch nit. 12. 13. St. Bl. die sach. G. der saeh trouwet (der
sach ist s. v a. in Bezug auf die Sache). 16. G. Bl. ze friden. 19. G. Bl.
auch nit.
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V, 10. Der Seckeimeister räth zur Annahme. 145
f/O] War ist es, wenn und wo ich zü den alten, und \1410\
ir anderen, min herren, oucli kömmindt, so fallend sy an und
zellendt von den alten kriegen und rümend ob allen dingen
üwere reisige, ab deren taten und gschikligkeiten sy sich ver-
5 wunderendt noch hüt by tag, und bekennend heiter, wo die-
selben und die wysen ratschleg und fürung Uwerer houptlü-
teu nit gsin werend, das sy und wir vilmalen gar werend zü
schänden wordeu, wie das ouch die warheit ist. So bin ich
ganz anderst gsinnet dann min herr schultheis. Ich lebt denn
ui in rosen , das sy hiemit einer statt Bern den pryß und er (B1.80)
müßtend geben. Ich war inen ouch desto hölder, das sy die
warheit bekanntend. Und fürwar vil ist iez geredt worden
von unseren eidgnossen, da nit gilt were, das es für sy käme ;
dann es uns kein nutz, sonders bösen Unwillen brechte, und
is one zwyfel so meinend sy es güt für uns. Und eben dise
sechs personen, wenn ich sölte nach inen güte Bemer nach
minem wünsch ußläsen, so wüßte ich by glouben keinr an-
deren zü begeren. Darum dörfeudt ir sy nüt z’entsitzen; die
saeh, als ich truw, wirt. recht kon, domit wir einmal z’rüwen
» kömmindt, und wirt gwüß durch diser erenlüten hilf bestan
und besser werden dann sy iez ist, wie vast inan rürnpt, das
die sach wol stande. Ich hör wol in der statt ein treffenli-
chen Unwillen — deßglychen facht er uff dem landt ouch an ;
das wüssend ir, min herren, von üwerem fryweibel — und
*5 hinnen und da ussen durch all üwers landt ein treffenliche
Verachtung üwerer oberkeit. So weiß ich wol, wie wir bald
ein jar hie so wyßlich und billich geratschlaget hend, das
es ein grüwel vor Gott und ein schaud vor der weit ist.
Besonders wenn die vier, so noch in der statt verharren, ab-
3« träten, und das gröst, söltend krieg uff uns kon — wän
bettend ir die sy füren wurdent? Es soll niemant zürnen,
ich weiß keinen in diser Versandung. Harumb zyt ist das
man lüge, das sich die abwesenden wider herzü fügiudt.
24. O. Bl. üweren fryweibeln.
Quellen zur Schweizer Geschichte. I.
30. G. in der statt Bind.
10
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146
V, 11. Der Seckeimeister räth zur Annahme.
[/470] |//] Ir, min herren, mögend keins verlierens an di-
sen lilten han; dann so hierin wirt getädiget Vertrags
wyß, so ist nit inüglich, denn das es iich gwinnes daruff
stat. Ich gloub wol, wo dise erliche botten by iren eiden
söltend erkennen, und nach form deß rechtens der handel 5
sich ußfüren wurde, so bettend ir, min herr schultheis,
nüt zü erlangen denn spott und schandt. Das han ich üch
vor mermalen gseit. Und diewyl wir somlichs selbs müs-
send bekennen, so wblt ich, das wir also geschikt werend,
so wir doch Gott nit fürchten wend, das wir uns doch un-io
billichs filrzünemmen vor der weit schamptendt. Und ist
fürwar ein grüselich ding, das min herr schultheis htlt heitar
bekennt, das wir dise suchen im rechten nit erhalten möch-
tend, und aber was nilwerungen fürgenouunen werdent er
alwegen bekennt, das wir deß glimpf und recht habindt. e>
Wie wend zwei widerwertige stuk by einandren bstan ? Hilf
allmechtiger Gott ! Ich müß aber sagen , das mir ab diseni
unserem nüwen verkerten regiment ilbel fürchtet. Nun, dise
werdent nit richter syn, sonder mittler, werdent nit ilwere
herren wollen syn, wie üch grusamlich anzeigt ist. Doru mb
(BI.81) wirt ouch nit volgen, das ein ieder iiwerer undertaneu üch
werde betagen für unsere eidgnossen. Dann unser eidgnos-
sen vor mermalen zwüschen üch gesprochen, als vil noch
wol wüsseudt, liend darum noch nie üwere herren zu wer-
den fürgenommen, noch keiner der üweren darumb under- *5
standen durch sy oder süinlich mittel üch zil bochen und zu
zwingen. Und so gredt ist, das sy ab tagen und sonst vil
bottschaften zu üch geschickt und begert üch ouch, wie an-
der eidgnossen, von Zürich ouch, angenommen; understanden
(sich) fsyj doch keines zil beherrschen. So wenig wurde ge- so
gen üch ouch beschehen. Aber darumb liend wir inen nie
6. G. Bl. so hättet ihr, wie min h. schultheis geredt. 27. G. Bl.
lassen sonst ans. 28. G. vil ouch. Bl. ich onch (Schreibfehler). 27. ange-
nommen muß hier dasselbe bedeuten , was in Kistlers Rede, in ähnlichem
Zusammenhänge haft n. vergriffen heißt; desiiUrabant vos quoque com-
prehensos iis, quae, confoederationis nomine decrevissent, sicut et alios con-
foederatos, inter quos Tigurinos quoque. 30. G. sie doch.
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V, 12. Der Seckeimeister räth zur Annahme. 147
willen bewilligen und die band offen haben, das sy fräch [/470]
und gdeli sind, by denen die alten, kalten, erfarnen nit vil
geltend, wie es leider hie ouch gan wil, fahend unnötige krieg
an, und wenn sy deren müd sind, als dann gschet, so ligt
5 inen nüt dran mit schand und schaden darvon zü stan. Wend
denn ir, min herren, nit ouch zü schänden werden, so müs-
send ir (Ich darhinder tön, den krieg und ire löst uf ilch
nemnien. Üwere l(it die sind aber ouch müd und wurdent
in die lenge ir gfit darzstreken statt und landt arm kriegen.
10 Und so wir inen nit wend verwilligen, so sindt wir inen und
uns vor kriegen; und hend die verstendigen by inen ursach
von uns genommen, die zü weren; wie mir ouch mennalen
in gheim gseit worden, das wir wyßlich und aller eidgnos-
schaft nützlich handlind, das wir uns nit in ir mer wöltend
15 verpflichten ; dann sy wurdent alle monat uff unsere achßlen
einen krieg anfahen.
[J2| Und kan mich nit verwundern an mim herren
sehultheissen, das er anzeigt, inen abgeschlagen sye sölches
von deßwegen, das man gefürchtet, so wir uns in ir mer
zoergebind, sy uns bald wurdent fümemmen zü beherrschen:
so er doch weißt, als sy zületst ire treffenliche botschaft von
allen orten mit treffenlichem ermanen hie hattend, vermein-
tend, es were nit eidgnössisch und den pünteu spütlieh, ja,
vilnach züwider, das ein ort sich also wölt von den andern
Z5 sündem, das man inen das müßte ableinen : do hört ich von
mim lierr schultheis vil andere reden, das wüssend noch min
herren vast all: er glimpfet inen, gab inen recht, und müßt
man umb sinen ratschlag ein frag han, hat ouch etwas volg,
deß menger frommer Berner Verdruß hat. So het er den
30 namen von jugendt uff ghan, das er alwegen ein besonders
4. St. als dann geschieht. G. Bl. als si werdend. 10. G. Bl. nit darstrecken.
12. 13. G. dieselben mehrm. ingh. gesagt. 17. St. nit gnug. 18. G. Bl. daß er die
einzücht, ihnen abgeschlagen seye allwegen, am daß gefürchtet. 20. G. Bl.
si ans nachwerts dardnreh za beherrschen anderwunden. 29. 30. G. Bl. ln
summa, so hat er biß kürtzlichen, näcber denn in jaresfrist, sider daß ich
ihm den hab abzogen, den namen — .
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148
V, 13. Oer Seckeimeister räth zur Annahme.
[1470] müsse hau. Er weißt, das es im oftmals im rat von schult-
heissen und venneren ist gseit und an im gstrafft worden:
und wolle Gott, das ich im’s habe erleidet. Und ein grosse
enderung ist es an im, das er htlt wider dise botten so streng
lichtet. Welcher Berner hat solches vorhin ie von im ghört? s
Dann wir im sin lebenlang nie hendt mögen gnüg eidgenös-
sisch syn noch inen gnüg können tön. So habend sy so un-
grympts nie nüt können fürneminen denn das er inen alweg
(B1.82) recht gab, dermassen das man in nit mer darumb zü ineu
hat wöllen zü tagen schiken, noch so sy hie tagend, ine zü w
inen verordnen wolt, ja (des inan wol het mögen entbären)
unverordnet und ungeheissen inen wenig gselschaft, so sy
harkömmend, leiste. Das wüssen alle inine herren, die alten
schultheissen, venner und vil röte.
(13) Uff hüt, do ich achten, uns allen z’gütem und z’rü- is
wen werde dienen und künftigem übel zü fürkommen, das
Gott dise erlichen menner har gsendt, kan man unsere eid-
gnosseu nit gnüg verdacht machen, domit das angezünt füwr
nit glöscht aber gmeret wurde, und werdent uns verlütfne
ding wol zü gönnen anzeigt, in dem aber das hinder für kert so
wirt: so wir liessend unsre eidgnosseu handle n, so uuder-
stündent sy, uns under iren richtstül, deßglychen unsere hin-
dersessen und undertanen ouch, zü bringen. Das were den
3. G. Bl, daß ich ikni’e alles hab genommen. 8. G. daß er ihnen
recht geben. 11. G. Bl. ja, das man wol möcht entbehren, daß er ihnen
auch onverordn. u. nngeh, wenig ges. leistete, wann si harkommen. —
13. G. Bl. Warum das? das wüssend. 14. G. Bl. sehnlth., etlich gegen-
wärtig, und alte venner und meertheil min. lih. des raths. 15. G. Bl. —
so ich achten, uns allen zu gut und ruhwe und künftigem übel vorzukom-
men, Gott uns — habe hargschickt. 19. G. und wäre uns wol zu gönnen,
daß erlüflene ding uns anzeigt wurden (ist mir unverständlich, tote auch
die folgenden Zusätze. Im Texte ist zu gönnen wol s. v. a. zu Gunsten,
näml. der angeführten Behauptung. Die Worte und werdent — kert wirt bil-
den eine Parenthese). 20. G. für keert wird, wie vormals in disem kandel
mehr fürgeben, müssen also unser suchen mit dem widerspil beheben, also:
wir liessend. 22. G. unter unsern r. 23. G. Bl. zu bringen, so aber dahin
nienen (Bl. niemants) kommen mag.
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V. 13. Der Seckeimeister räth zur Annahme.
149
frommen, alten, wysen Bemeren<iibel gseit sin. Do etlich [1*70]
üwerer undertanen mit der statt spänig warend und aber an
ire Ordnung darüber nit inochtend kommen und wol sich er-
boten, was min herren by gschwornen eiden darum erken-
5 nen wurdent, dem wöltend sy gehorsammen, da ducht min
herren sorgklich sin ir conscienzen und eren halb, uff weli-
chen weg ire urteil fallen wurde, und wolten in iren eignen
Sachen darum keinswegs urteilen. Dorumb dozmal vor riU
und bürgeren beschlossen ward, wenn es sich zütrüge, das
ro die statt ein sach antreffe, es were gegen landtliiten, so sel-
ten uß den Stetten, were es gegen den stetten, so sölte man
uß ieden herrschaften von den landtlüten grichtsessen nem-
men, von 12 biß uff 24, ob der kleger so vil wölte haben ;
weliche wyß biß kürzlich-, welicher teil, ir min herren oder
is die undertanen, sich tidung oder der Sprüche nit möchtend
benügen, gebrucht ist das recht zü bruchen. So denn sich
umb die lehen zwüschen üch, min herren, und den lehen-
lüten spin zü tragen, so sind nach altem bruch von 12 biß
uff 24 oder so vil der kleger begert hat züsamen genampt,
*o und hend ire urteil by iren eiden erkennt, deren all partyen,
ir min herren und undertanen, ouch lehenlüt, alwegen wol
züfriden gsin; und hend denocht weder undertanen noch le-
henlüt nie fürgnon (wiewol sy über min herren sowol als
über die widerpart ir urteil sprachend, und hend ir ouch,
z5 min herren, mengs mal unrecht gwunnen) üch darumb zö.
beherrschen, wie man aber üch hüt wil erschreken.
[14j Wenn man sölicher Ordnung were nachkommen,
als die erlichen geschlecht nun mermalen rechts begert, we-
liches unsere vorderen keim undertanen nie verseit hendt,
soso wer es nit von nöteu, das frömbde kirnend und uns uß
unserem kat hulfend (anderst kan ich’s nit nennen), vor (Bl. 83)
3. 4. G. wiewol si sich erb. 5. G. bedacht m. hh. besorglich ihr c.
7. G. sömliche nrthel fallen wurden. 7. G. wolten deßwegen. 14. G, biß
kürtzlich gebraucht. 16. G. benügen, mocht das recht bruchen. Also ouch,
so nun lehen. 19. G. gnambt worden. 20. G. und ire urteil — erkennen
müssen. 24. G. ouch min herren manchmal unrecht gwunnen.
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V, 14. Der Seckeimeister räth zur Annahme.
[/470] denen wir uns denocht terenhalb etwas müssend schämen.
Dann one zwyfel, so man zu handlen kumpt, werdent sy
sich billichen klagen, das inen das recht, so sy lange zyt be-
gert, inen nie mögen gevolgen; und billich klagend sy's.
Dann wie alt ich bin, so wölt ich hinder keim herren blyben, s
der zwüschen im und sinen undertanen nie möcht lassen
sprechen. Dann were da zü verhoffen anders dann mütwill,
gwalt und tyranny? Und dise treffenlichen alte Berner schla-
hend üch über den alten geübten rechtsbruch noch mer mitt-
len für: das ir 12 oder mer, so vil ir wöllendt, in der Eid- io
gnoschafl oder im Rych oder Welschen landen erfamer, un-
verlümdeter menueren erwellen, so by eren und eiden darumb
erkennendt, oder sy wöllind hie uß üwerem grossen und klei-
nen rat von 20 biß uff 100, so vil ir wöllend, ußzühen und
denselben by iren eiden und eren darüber zü erkennen ver- is
truwen; und mag inen nit gevolgen! Wo ist doch sölches
iemalen hie oder anderschwo erhört? Dorumb sind wir not-
türftig, das etwar uns uß disen fürgenomnen saehen helfe.
Dann uns Gott allen verstandt enzukt hat. Der wöll uns den
wider gönnen, sinem volk und diser statt zü gütem. Amen. *>
Do umgefragt ward und gemeret um beid meinungen, hat
man, als man abzelt, deß schultheissen rat umb zwen mann
das mer funden. Darby man wol gsach, das der sekelmeister
die warheit geredt habe. Gott erbarm sin.
f 15] Item nach wenig tagen hend unsere eidgnossen von 25
Fryburg ein treffenliche bottschaft har gschikt, nämlichen
junker Jacob Felgen iren schultheissen, junker Rüdolfen von
Wippingen, den von Englisperg, einen von Beroman und Pa-
villart. Die hend minen herren ouch anzeigt, wie ire herren
den grossen span, so sich zwüschen inen und den geschlech- so
1. G. euwer halb. 3. G. Bl. nun langa zyt vergönnet, ihnen nit mag
(Bl. möge) gevolgen. 4. Die Grundschrift setzt klagend sy’s in Parenthese.
Bl. und billich : denn. G. läßt und billich kl. ai aus. 17. G. Bl. hamm
wir villicht. Bl. notwendig. 19. G. verzukt. 24. G. erbarm sich es. St.
erbarm es. 25. G. Nach nnsem eidgenossen in wenig tagen hand die von
Fr. Bl. Nach in wenig tagen harnach.
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V, 15. Die Gesandtschaft von Freiburg. Kistler. Fränkli. 151
ten erhept, habind vernommen, das inen leid sige, mit beger, [1470]
in demselben handlen zü lassen. Welicher platz dann uns
gefellig sige, hie in diser statt oder zü Fryburg oder an-
derschwo uff der landtschaft, das sy inen das wöltind anzei-
5 gen, so wöltind sy an den andern teil ouch Werbung tön,
güter hoffnung, sy wurdent das nit abschlahen; so wurdent
sy tag bestimmen und etliche erfarne personen darzü verord-
nen, inmassen das es, ob Gott wil, der statt Bern zu nutz, er
und rüwen dienen werde, mit mer Worten.
io Uff sölch ir aubringen bat der Schultheiß geraten, das
inen zü danken sige wegen ires erbietens und güten willens,
darby ouch anzüzeigen, das kein sonderlicher span zwüschen
uns were, wie ouch unseren eidgnossen anzeigt were; kön-
tend ouch anders nit handlen umb zweier Ursachen willen. (B1.84)
is Die erste: so wir inen bewilligetendt, was Unwillens das by
unseren eidgnossen uns brechte, so erst diß tagen hie werend
gsin, könne ein ieder wol ermessen; möchte ouch nit ver-
neinet werden, denn daß es ein grosse Verachtung wurde sin.
Die ander ursach were, das min herren wol deren von Fry-
ao bürg herz zü einer statt Bern von alter har erkanntind.
Da möchtend sy wol erkennen, was sy einer statt Bern für
ein tAding wurdent machen, besonders durch dise edlen, die
ouch herrschaften hettend, die on zwyfel ouch gsinnet sygind
wie unsere edlen; sind ouch all einandren gfrtind und han-
*5 gend aneinandren wie harz. Item des sekelmeisters red war
aber, das er’s niemants erbaren und verstendigen, als dise
werend, abschlahen wölte, und wen Gott zü disem mittel
verordnet hette, den wölte er frölich ufnemmen und dank sa-
gen. Dann, wie er nunmals geredt, so gsehe er, das wir
30 dermassen verblendt sigind, das wir einmal wegwyseren not-
türftig werend. Zü dem, so die sach früntlicher wyß betddi-
get wurde, so möchte doch einer statt nüt dann gwünnens
daruff stan, und das uns doch etwas müßte werden, da wir
1. Cr. Bl. geschl. habe, vernommen. 4. G. n. ihnen das anzeigt wurde.
16. G. Bl. ußbrächte (Bl. uns brächte), so frisch diß tagen. 29. St. nun
mehrmals geseyt. Bl. wie er meermalen geredt. G. wie er nächermals geredt
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152 V, 15. Die Gesandtschaft von Freibnrg. Fränkli.
f /-#70] vorhin nüt ghept. Das dise hotten nß den edlen werind,
irrete nüt, so sy doch allein umb Werbung und nit tädingens
halb geschikt werind. Wenn es nun darzü käme, so wurdent
die von Fryburg andere vilichter oder mer zö disen verord-
nen, wie er dise ouch nüt schlichte. Und das sy etwan fyend 5
werind gsin, so werend sy doch zii beiden syten wol versünt
und lebten wol und nachplirlich mit einandren, darnmb, als
von Christen zü verhoffen, alle rach hindan gsetzt hettend.
Die im Machometischen glouben die köntend doch das, wenn
sy nach schwerren kriegen befridet wurdent; wie fyner das »
denn Christenlüten gebürte! So hettend min hcrren mit di-
sen den vorteil, das sy nit dörflend in denen grossen sorgen
ze stan, so ein statt Fryburg darin handlete, wie unser eid-
gnossen halb, das sy dardurch sich underwundint uns nahen-
werts zft beherrschen, wie nun ernstlich gewarnet. Darnmb e
in Gottes namen: ist es sin will, so gfalt’s mir, das man ein
statt Fryburg lasse harin handlen.
Als gemeret ward, ist übermalen des schultheissen rat
das mer worden.
2. G. u. zu tädigen gesch. w. Bl. u. nit zn tädigen. 8. G. gesetzt
syn solle. 9. 10. G. doch dag, daß sy. 10. G. Bl. wie vielmehr. 19. Bl.
das mehr worden oder gäben.
\
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Sechster Abschnitt.
Der Handel mit Peter Dietrioh und den Bauern zu Worb.
Die Stadt macht Anspruch, verdächtige Personen und Uebelthäter in dm
Landgerichten überall aufzugreifen und in die Stadt zu führen.
1 1 1 Item disen handel kreftiger zü verwirren, hat sich (/-*70)
s zütragen, das der amman von Haßli minen herren hat gschri-
ben, wie das Peter Dietrich, so vor 23 jaren ein junger, fräf-
ner landtmann und by denen von Haßli der oberst in der
prattick so gefüret ward zil abl'al des Oberlands, welcher sich
sithar zü Underwalden und Wallis enthalten, were by nacht
io abhinwerts gan Haßli zil siner vetteren einem kommen ; und
als in desselben huß einer siner nachpuren vor tag zü dem (B1.86)
anderen von etwas gescheiten wegs gangen, habe er in fun-
den da ein suppen essen und habe in bkennt, aber doch nit
derglychen tan ; und als über etlich stundt derselbig sich er-
i5 inneret, das er in dem amptman villicht sülte anzeigen, als
er ouch tet, wiewol er im’s kum glouben kont, sücht er Peter
Dietrichen in sinem huß, sich des zü ert'aren, und aber nit
anheimsch funden. Doch versorget er, wenn er komme, das
er sich zü im fügte, etwas mit im zü reden; welcher dessel-
ao bigen tags, doch nachts nach dem nachtmal kam. Als er in
zü worten hette gestossen, were er sin bekanntlich gsin, und
als er zornig were warumb er im’s nit anzcigt, hette er im
geantwortet: er were unwüssendt nachts zü im kon, were
ouch ab im übel erschroken, und hette in gebetten ine nit zü
»melden. So were er im so nach gesipt, das er meinte, min
11. St. gesch. wegen. O. ms etw. gesch. willen.
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154
VI, 1. Die Anzeige des Ammans von Hasli.
[1470] herren wurden! im nit zümüten in uff den fleischbank zü
geben. Als ich in fragt, warumb er harüber were kommen,
und was sin handticrung werc, habe er im gseit, wie er zü
Underwaldcn eigentlich von den gewaltigen daselbsten ver-
standen, das die obristen und fürnemsten der statt Bern von 5
grosser zwytracht wegen sich uß der statt getan in die landt-
gricht, so denselben anhengig, und were so wyt kommen, das
ein enderung im regiment von Bern sige oder müsse ervolgen.
Und do er sömlichs gehört, so tete er als einer, der durch
solche enderung, wo die volgete, ein verhoffen hette wider io
zü sinem gilt und land wider rnöcht kommen. Er hette sich
lang gelitten, verschmecht und arm, und hettend min herren
vilen vergeben, so mer wider sy getan hettend, und wölte
sich wagen, einmal so er die Sachen also funde, als er eigent-
lich gloubte, das er ganz wider empor kam. In disem für- is
nemmen habe er ine treffenlich abgewisen und geraten und
gebetten sich uß dem landt zfi machen, und do were er
zwyfelhaftig von im gescheiden, das er nit wüßte, ob er wi-
der hindersich gan Underwalden, oder nidtsich in die landt-
gricht (da sin herz hinstünde, als in beduchte) zogen were ? *>
Und demnach als er den Sachen stets nachgesinnet und über
etlich tagen wider zü disem landtman kon sige und in gefragt»
öb er nüt von Peter Dietrich hette vernommen, öb er wider
gan Underwalden were kon oder so frdvenlich (das er kum
glouben möcht) sich nitsich in die landtgricht gelassen, do is
heig er im geantwortet, er wüßte nüt darumb, aber er were
im frefen gnüg, das er’s hette dürfen wagen; und das dester
e, das er in landtgrichten nöuwcs früntschaft hette. Und als
(B1.86) er seite, öb man’s erfaren könnte, und diser sprach, er wüßte
es nit, und aber den amptman beducht, er möchte es wol so
wüssen, habe er in beeidet, die warheit zü sagen. Aber er
beharret daruf, das er in nit wüßte. Öb er nitsich gegen
Bern were, wurde man eigentlich erfaren zü. Brienz by sinem
vetteren, der im neher und heimlicher were, denn er, weli-
11. G. u. land zu kommen. 15. G. Bl. daß er ganz gräch oder wider
emp. 32. G. Bl. beharret, daß er ihn nit wiisee zu erfaren.
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VI, 2. Schreiben des Raths an ihn.
155
chen ungegrüßt, er one zwyfel nit were fiirgangen. Nach [1470]
sölchem bescheid were er gan Brienz geritten und sich zü
demselben gefügt; welicher glych anred gsin, wie er by im
ein nacht gsin und mit im gredt uff die wyß, wie ouch der
5 vorder gseit hat; hette in ouch vast gebetten wider hinder
sich zft keren, heig aber nUt geschaffet, dann er nitsich were.
Und als ich fragt: wohin? sprach er, er wüßte es nit, er
meinte aber in die landtgricht; in denen hette er etwas frün-
den, nämlich ein schwösterson und ein basen. Aber er wüßte
io nit, wo sy sAssendt. Und das wölle er minen herren nit ver-
halten, ob sy im wyters wöllind bevelchen.
[2] Uff das habend min herren etwas schrekens em-
pfangen ab diser frefnen tat, das er so durstig, so tief und so
nach sich glassen zü der statt, und gedacht, etwas prattiken
is gangindt. Und hend angents wider gan Haßli geschriben,
das er zü Brienz in geheim erfaren, wie Peter Dietrich be-
kleidt und gestaltet sige, deßglychen wo und an welchem
endt sine frtftidt in den landgrichten sitzend? dann er one
zwyfel das wol wüsse; und domit es in der stille blibe, sölle
an er im von wegen miner herren ein vererung biß uff 100 rynsch
guldin verheissen; öb er’s aber nit weit bekennen, das er
versüche das mit tröuwen von im ußzübringen; und so das
ouch nüt bschusse, so sölle er sich zü herren propst verfü-
gen, mit dem credenzbrief, und in ankeren, in lassen ze fa-
ss hen zü dem stillisten, und in grosser gheim in zü behalten.
Warumb? So werde er vilichter schneller. Sölle ouch mit dem
von Haßli noch mer handlen, ob er etwas wyter erfaren
möchte. Hiezwüschen sol man bschiken zürn stillesten die
fryweibel, das sy allen ernst ankerind, ouch mit denen puren
so redint, so in landtgrichten miner herren sind, und weliche sy
erkennindt güt Berner ze syn, ein ernstig gespech zü haben,
ob sy etwar frömder in die landtgricht gelassen. Hat der
amman von Haßli geschriben und uß Peter Dietrichs fründen
25. G. in gr. gheim behalte. Bl. behalten. 26. G. dester schnel-
ler sein.
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156
VI, 3. Der nächtliche Ueberfall in Worb.
\1470 ] erkundet., wie er bkleit und gstaltet sye; sy wellend aber
ntit wiissen, wo sieh die in landtgrichten enthaltind, die im
gesipt sindt. Er habe ouch mit im alles, so min herren im
geschriben, versücht, habe demnach sy in geheim zürn her-
ren propsfc mit dem credenz verfügt und miner herren mei- s
nung fiirgehalten, welicher im geantwortet : es nemme in
(BI.87) frömbdt, das min herren ein söliche anmütnng tüyndt an in.
Dann nit der bruch sye einen erbaren unverlümdeten landt-
man one gricht und recht also ynzül eggen. Wenn er söm-
lichs fürnemmen sölte, im und sinem gotshuß wol zü grossen «o
uiyüwen dienen. Der amman zeigt darby an, das er gloube,
das es sin nit wyters bedürfte; dann er in der warheit gloubte,
was sy beid wüßtend, alles by trüwen entdekt hettendt.
Dann sy beid zwen warhaft mann werindt.
|.3| Uff obgemelte anzeigung der bekleidung und gestaltis
ist flyssig gesücht worden und wargenommen, üb etwas ntiws
entstan wülte; denn min herren das entsessen. Nach flyssi-
gem süchen hat sich funden, das er zü Worb by einem puren
was. Do ward man erstnnet, das er so nach was, und wol
14 tag sich da enthalten hat. Und hat man glych uff herr»
Niclausen angefangen argwoneu und erdenken im grossen
Unwillen ze machen. Und ist zü allem unfal der sekelmeister,
Bendicht Tschachtlan und Peter Simon nit im rat gewesen.
Und ward schnei uß des schultheissen angeben geordnet, das
nachvolgender nacht, etwas nach mittemacht, vier stattknecht, ®
imd süllend etwan einen bürgeren sampt dem fryweibel zü
inen nemmen, sich verkleiden, und Peter Dietrichen sampt
dem puren so ine ufenthalten, uff das man ire Sachen und
anschleg erkunden könne, beid fahen söllind und haryn
bringindt. Als sy dem haben wollen statt tün und nachts»
zü des puren huß kon warend und dasselbig wider iren
bruch wol verspert fandent, hend sy müssen ein tür zerstos-
sen, ab welichem gestüchel etlich erwachtend, und hat der
11. St. dienen wnrde. G. dienen möchte. 12. G. Bl. lassen ein aus.
14. G. Bl. bidermann. 17. St. entsassen. G. des entsassen. Bl. den ent-
sassen. 21. G. Bl. oder den verdenken. 33. G. Bl. gepöchel.
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VI, 3. Der nächtliche Ueberfall in Worb.
157
pur und all sin volk niordt gschruwen. Den puren liend sy [1470\
gfangeu und Lunden, ouch sinen kneclit. Denn sy meintend,
Peter Dietrich were es, welicher (als man zwyflet was der
anschlag were) in dem gestüchel ist uß dem huß kommen
s und entrunnen. Als aber schnei etlich nachpuren zü dem
geschrei kamend, und für und für sich die puren stärkten,
mit schouben, lichteren und wallen kamend, und gsahendt,
das sy die in hembdren gebunden und gfangen battend, tien-
gendt sy an syen zü schlachen, das sy den gefangnen puren
io und kneclit müßtend lassen gan, und sich zusammen stellen,
sich zü erweren. Und wie vast sy schruwen, sy werend statt-
weibel und von minen herreu gesendt, wolt mau doch inen
nit glouben, biß das der amman und etlich auder, die sy be-
kanntend, kamend, welicher inen schiedt und inen ir leben
if errettet. Do sy aber den fryweibel erkanntend, gegen dem
war kein gnad, der ward zü Loden geschlagen, und so der
kilchherr, so darkam, nit gsin were, hettend sy in der lenge
nach getüdet; welicher halb tod in einer roßbaren in die statt
gfürt ward.
*o |4| Als sy haryn kamend, ist grusamlich über die puren
und herr Niclauseu gelobet und abgeraten, den handel an den
grossen rat zö bringen, vor welichen, als der am minsten (BL88)
verletzt war, ist fürgestelt worden. Dann die anderen mit
Stangen und hölzeren so schwerlich geletzt warend, das sy
25 nit mer wandien möchtend. Hat minen herreu allen handel
erzeilet; uff das der sclmltheis fraget; hat er erstlich müssen
raten. Der ist vast hitzig gsin und het grusamlich geschelkt
über die puren, und anzogen, wie sy vormalen ouch habind
dürfen dem fryweibel wider min herren die appellalzion ab-
3o bekennen: iez habind sy ire um ptliit wollen zü tot schlachen,
einen verrätter zü erlidigen, und sig ein argwünig ding, da-
ran, usserthalb disem gewaltigen frävel, minen herren vil
3. G. Bl. welcher, als man acht, zwyflet. 7. G. Bl. mit schoublichtern
bewaffnet kamen. 18. G harin in d. st. 22. G. Bl. vor welchen der, so am
minsten v.
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VI, 4. Kistler räth zu (iewaltmaßregeln.
[1410] ligge, und sige zü gedenken, die puren wüssind, wem sy
barin gedienet, das sy nit mögen lyden, das der bößwicht
were haryn gfürt worden, zu erfaren, öb er etwas Unrats ge-
sayt bette, als zü gedenken, wyl er sich eben au dem ort
nidergelassen und so lang da enthalten, da dise spän ein au- 5
fang genommen. Harumb ich dise puren wil straffen nach
irem verdienen und nüws und alts züsamen geben. Dann
wo das nit dapfer beschicht, so wirt tiwer nam in aller weit
veracht, wie nit ein wunder were, das ir den nechsten puren
an der statt, und in Uweren hochgrichten, und umb das ma- ia
lefitz so Uch züstat zu üben, nit das allein werend, sonder
ouch üwere diener und amptlüt zü tot wend schlacken, als
vast beschehen ist. Dann hüt vor rat mir die arzet geseit,
wo der fryweibel nit were haryn gfürt worden, das man irn
mit lassen und tr Ankeren were zü hilf kon, were nit müglich is
gsin ime darvon ze kommen, und wollend in ouch noch nit
versicheren. Und so ir der rüche nach wend, so hettend sy
den tod zwurend verdienet: Erstlich, das sy gewaltigklich
mit einer entpörung und ufrür (Ich hend gwert üwer recht
zü füren an einem kuntlichen, meineiden ufrürer, dardurch so
sy verletzer der obristen herrschaft worden, und andern teils,
das sy üwere amptlüt, so vil an inen gestanden, umbgebracht.
Darum ich widerwertiger meinung by mir selber bin, und
nit weiß wie wir es angryffen wellend, domit es dapferlich
möge gstrailt werden, und aber fürsehen werde, das im laud- «
gricht kein unrüw geh, und durch söliche fiirsehung die Ubel-
teter nit abtrAttind. Und wenn ich an eins komm, so icli
mein an die hand zü nemmen, so irrt mich ein anders, in-
massen es über mich wil sin, und nit weiß, wo uß. Wil
7. G. Bl. zusammen zalen. 11. G. das nit allein nit werend. Bl. nit
allein das werend (das Anakoluth der Hdschr. wird durch die Textänderung
in G. nicht vermieden, denn es müßte weiter heißen: sonder ouch — zu tod
schlachen lassend. Der Satz sollte mit den Worten beginnen: daß
üwere nächsten puren — nit allein das werend, sond. zu tod wend
schlachen).
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VI, 4. Kistler räth zu Gewaltmaßregeln.
159
doch min meinung sagen, so mir eben ynt'alt-, domit wir desto [/470]
kelter und zimlicher gesehen werdint by den andren, mit im
zü handlen. Ein anderer wirt villieht ein bessers bringen.
Es ist nit minder, ich war willens mit inen zü handlen, wie
s sy mit den unseren gehandlet hend. Domit sy tich nit ent-
rünnind, ist min rat, das uff sonntag z'morgen, zum stillesten
SO iniiglich, wir 400 knecht der beringsten hinus gschikt het- (BI.89)
tend und die in der maß, (sy) (soj gmeinlieh versandet, in
der kilcheu umgeben (hette) und die dorflüt vom kilchspil ge-
rn sünderet, und dieselben liaryn geferget. Es möchte aber, öb
das beschehe, ein gestiichel und unröw geben, als vor zyten
ouch beschehen: so wil mich bedunken, das es weger sige,
das man inen gebiete oder tag bar gebe, was 14 jar und dar-
über habe; ir, min herren, wöllind mit inen red halten und
i5 by inen erkundigen die urheber disers uffloufs und die an-
deren früntlich wider heim schiken: körnend sy, wol güt;
kumpt denn ein teil und ein teil nit, so gseend und erfarend
ir denn wol, wer die secher sind und uff die etwas prattik
mit Peter Dietrichen zö verdenken ist. So findt man denn
2o aber rat, wie im zff tön sige. Kumpt dann iren keiner, so
mag mau min erste meinung an die band neimnen, und wer-
dent hiezwiischen die anderen in den landtgrichten, ob es
1. 2. Cf. min meinung, — damit wir desto k. u. z. by den andern gesehen
werden, was mit ihnen gehandelt, sagen. Bl. damit wir desto klarer u. z. ge-
sächint by den andren mit inen zn handlen. (Statt mit im scheint im Texte
allerdings mit inen verbessert werden zu miissen, wie es gleich nachher auch
heißt, wenn im nicht Neutrum ist, s.v.a. mit der Sache. Die Worte „mit inen
zn handlen“ langen ab von „so mir eben ynfalt“; by den andren — näm-
lich: den andern Bauern in dem Landgericht ; s. weiter unten: „n. werdent
hiezwiischen die anderen in den landtgrichten.“) 4. G. es ist nit an. Bl. es
ist nit anders (es ist nit minder heißt: es ist nichts Geringeres als folgen-
des). 4. G. Bl. zu machen — gemacht hend. 7. beringesten, ohne. Variante ;
bering, bring, ring = gewandt, behend. 8. G. die si in der maß, so si —
versammlet — Bl. and die in der maß, so sy. St. die so in der maß.
9. G. läßt hette am. 12. Mit den Worten weger sige bricht leider die Handschr.
St. ab. 16. Cr. so ist im recht. 18. G. n. die etw. prat. mit P. Dietr. zu ha-
ben zu verdenken sind. 22. Cf. hiezw. werden die andern bericht in den
landger., ob es joch glich — gebe, duß sy wol möchten gedenken.
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VI, 5. Fränkli's Rathschlag.
[/470] glych eiu gschrei gebe, wol gedenken, Uber wen es gienge,
und neinend sich iren dest minder an. Dann sy gwüß noch
in den landtgrichten inen der handlung kein recht könnend
gen. Man möcht alsdann, wyterer unrüw ze türkommen, üwere
rüter und andere redliche burger zü roß ulT alle Strassen, so ’■>
von Worb zü anderen kilchspilen gandt, schiken und ieder-
mann berichten, das es nüt nüws noch böses sige, denn al-
lein die anfänger des uffloufs zü Worb ze süchen. Und hie-
mit möchtend sy vor züloufen und sturm syn, biß das mau
die Worber wol von dem kilchspil sünderete und harferge. »®
|5j Item, als der sekelmeister het sollen rateu, hat er
gesprochen: Das gmeinlich gschehe, das uff närrsche taten
unwyse rät volgindt, das gsehe man by disem verlüffneu
handel und ghöre es by disem ungrympten ratschlag, in we-
lichem vil von ufrüren, ufflöufen und mütwillen, ouch vil u
scliantlichen fr.itlen gebruchter luißhandlungen klagt worden.
Ouch nach verhörung des, so by dem nachtglöuf oder ufrür
gewesen, so kau ich by minem eid, den ich Got und mineu
herren geschworen, niemant fUr sülche achten und ußgen,
dann Uch, min herren; ußgenommen so sich funde etwas bö-“
sen anschlags mit Peter Dietrichen wider üch, min herreu,
iusonders von minem herren alten schultlieissen von Dieß-
bach, das icli keins wegs verhütten, wiewol sy und besonders
er übel augetastet worden. Und so wir hie wie in Lampar-
teu geartet werend, wurde ich etwas zwyfels haben. So aber ss
des nüt ze achten, furcht ich, wir sigind uff dem pan und
furt zü grund zü faren. Dann uß vorgenden Sachen und zü-
sagungen, den landtgrichten getan, wir wol söltend gwüßt
hau, das uns sölicher nechtlicher überfal uns nit gebürte.
Ja, ouch so wir sin füg und recht ghan hettend, were es doch so
unwyßlich angeschlagen gsin. Das es üch aber nit gebürt
habe, so wüssend ir, min herren, wie in merem teil der herr-
3. G dann gwüß si in d. 1. ihnen ouch in der haudl. 7. G. Bl. nüt
fremdes. 6. 10. G. kilchspänen. Bl. kiichspiilen. G. kiichspan. Bl. kilch-
späl. 29. G. Bl. lassen das erste uns aus. 32. G. Bl. wiewol (wie ist rich-
tiger; die Constructio n ist: ihr icisset — wie gekommen sind, (nämlich) der
Mal. wegen, (so, daß ihr — hand).
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VI, 5. Fränkli’s Rüthschlag.
161
schäften die hochgricht an üch kon sind von der malefitz we- f /#70 ]
gen, das ir nit wyter rechts hend liaud anzdlegen, dann so (BL90)
vil üch von den herren des orts überantwortet wirt. Dann
das also von iewülten gebrucht worden, das weder ir noch
5 andere, sonder sy allein hend gf.ingklich angenommen und
in ire tiirn gfört. Und so man vermeint, die notturft ervordere
es, hend sy üweren nachrichter gevorderet, welicher inen
geschikt worden in irem costen, und so die übelteter vor irem
gricht zum tod erkennt worden, hend sy ein sömlichen ouch
io ln irem costen alhar mit dem urkuridt für üweren schultheis-
sen mit aller hab, so er uff im und by im hat, do er gfangen und
verurteilet [ward] ... fand, war desselben. Dißist (ein malefizi-
scher handel) [in malefizischen handeln] iewelten also gebrucht;
das man aber heige gseen etliche zun zyten harynfüren, ist nie
is bscheen denn uß nachlassen und gutem willen der herren,
ouch zun zyten uß irem beglr, und luruemlich in denen zy-
ten, do die laudtlüt vast müdt und unwillig warend der reiß
und des tellens halben ; zun zyten wider üch , min herren,
denne ouch etwannen wider ire eignen herren, so schantliche
so wort ußliessend etlich under inen, das min herren, ouch die
twingherren selber, beduchte sömliche schreier zu geschwei-
gen, und das sicherer were hie in der statt, dann da ussen
syen zu fahen und haryn .zü fergeu; daun sy ufrür und par-
tyen entsassendt. Das hend sy also lassen zügan, der statt
sä zd gdtem. Aber keinen übelteter hab ich anderst daun wie
obgemelt nie gseen haryn ffiren.
[o] Das aber min herr scliultheis mir in die red spricht,
weiß ich wol warvon er sagen wil. Der ward nit vom herren
3. ff. Bl. lassen dann aus. 4. 5. ff. Bl. dass sie, weder ir noch andrer
iemants, allein gefangen n. — gefürt. 12. ff. verurteilet ward. Dißist — . 12. G. läßt
die sinnlosen Worte „fand, war desselben“ aus. Bl. liest dafür ebenso sinnlos:
fand, was, darstellen. Es scheint hier Einiges aus dem Texte gefallen, t. B.
verurteilet ward, geferget, und alles was man uff ihm fand, war desselben
(des Schultheißen) 12. 13. ff. in malefizischen handeln. 22. G. Bl. ouch
da ussen. 23. 24. ff. pratiken. 24. ff. Bl. zugan und geraten. 27. 28. G.
spricht: er wol! (nämlich: habe einen gseen) weiß ich wol. 28. G. von welchem.
Quellen zur Schweizer Geschichte. I. 11
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162
Vi, 6. Fränkli'8 Rathschlag.
[J470] von Münsingen zü richten haryn gschikt, sonder er was ein
frefner gsell eines grossen anhangs, der so elterliche wort
gredt, das junker Hartman von Stein zü Münsingen beducht,
etwas wurd hinder im steken der Underwaldischen prattik,
die im Oberland was. Darum er in zü Münsingen in sin huß s
bsebikt, wyl sy kein güte gfengknus hattend, als er sprach,
do ferget er in persönlich haryn. Und wiewol sich des nüt
by im fandt, das er entsaß, ward er doch umb andere Sachen
hie gerichtet, so uff in kamend. Und so min herr schultheis
desselben so frische gedechtnus hat, so nimpt mich trefflich 10
wunder, wie er habe gestattet, das man disen handel zü Worb
fürgenommen habe. Dann umb dieselbe zyt, als er und noch
vil im grossen und kleinen rat wol wüssendt, ein Oberlender
vil tag zü Toffen im wirtshuß lag, nüt tat denn prassenund
etliche wort under den puren ußgiessen. Do die min herren 15
vernamendt, warend sy inen argwönig, darumb das die red
gieng, das etwas giftes in die landtgricht Seftingen gesäyt
were. Do wurdent ouch miner herren diener in frömder
kleidung nachts hinus geschikt mit gunst, wüssen und wil-
len Kesslins, der sinen amman darby hat. Do gab es ein a>
sömlichs gelöuf, das üwere diener all verwundt wurdent, und
ward vom landtgricht gestürmpt, item im Guggisperg, Schwar-
zenburg, biß gan Fryburg an die statt, das die von Fryburg
B 1.91) nüt anders wentend, denn wir wöltind sy überfallen. Ir sind
wol yngedenk. Ich dacht, min herr schultheis wölte es in *5
sinem rat melden, wie das landtgricht ire botschaft harin
gschikt und nit früntlich mit üch umb den handel rattend
und eins und das ander räß anzugend, was ires landts bruch
und recht were zü fahen, wän man in die statt sölte füren,
und was vor etlichen jaren darvor von üwer, miner herren, »
5. Cf. Bl. im Oberl. was, und min hk, ouch die twingherren, mäch-
tig sorg hatten (Bl. mächtig battent) nit in die landgericht käme, so er
ihn zu M. — beschikt, nm daß si kein g. g. — sprach, ferget. 12. G. Bl.
er weiß es freylich wol und noch vil — rat, daß. 14. ß. Bl. etlich viL
15. G. Bl. ußgoß. 17. G. das landger. 22. G. Bl. u. gestürmpt von dem
landg. in das Guggisperg. 25. G. mich dunkt. Bl. mich gedacht. 27. G.
Bl. rettend.
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VT, 6. Fränkli’s Rathschlag.
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botschaften, ouch iren eignen herren, in allen landtgrichten [1470]
inen darumb zügseit were; und entdaktendt üch heiter, wo
s y sölicher nachtglöufen und gefenknussen nit möchtend ent-
prosten sin, so müßtend sy’s an die anderen landtgricht
5 bringen und lögen, öb sy by irem alten bruch und rechten
nit möchtend blyben, so doch üwere und irer eignen herren
verheissung ntit mer wölte gelten; und seitend Keßlin hie
vor röten und bürgeren, er were ein liederlich mann. Ob-
schon glych derselbig gsell ein landtsveräter were gsin, so
io bette er zerst in sin turn und für sin gricht zö Toffen gehört
zü stellen. Und so er wyter zö sölichem butzenwerk wurde
helfen, so sölte er wüssen, das sy den sinen zö Toffen wöl-
tind zöstan und wöltind im die Schlüssel nemmen zum turn,
und müßte nütdestminder gricht und recht, wie es sich ge-
is bürte, verfürt werden. Dise reden bissend min herren do-
zmal übel, mößtend aber patienz han und inen alles beken-
nen das es war were, mit grosser entschuldigung, wie die
ding nit bedacht und uff Keßlins willen und nachlassen
bscheen were. Und belödent den frommen mann mit der
20 begangnen torheit, das er in einem jar nit dorft ußkon. Und
ward inen tüwr und hoch verheissen das es inmassen in der
statt bücher geschriben sölte werden, das sy in künftigem
wol wurdent rüwig sin: wie es ouch dozmalen von rät und
bürgeren bevolen ist worden, domit zö künftigen zyten hierau
*5 gedacht wurde, als wol recht were gsin; dann man sin klei-
nen genieß hat. Dann mit diser botschaft, und ouch den
sturm zö weren, nit ein kleiner costen uff die statt kam.
[7] Und nimpt mich wunder, das in diser nachtmetti
es nit also gangen ist. Und wo es nit durch herr Niclausen
so wyßheit, als ich im wol vertruw, abgstelt were worden, Got
geh wie gern man in verdacht machte, so hab ich keinen
zwyfel, denn das wir, wer es nit hinacht, doch morn, aber
19. O, belndent also. 27. G. za weeren, so dennoch nit vergebens,
nit kl. Bl. mit diser bottsch. and onch dem stnrm nit kl. k. 32. G. Bl.
lat es nit hienacht, biß morn {Bl. doch biß m.).
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VI, 7. Fränkli’a Rathschlag.
[/470] 22 botten oder mer wurdent han uß allen kilchspilen, die
sich mütwillens, deß Unrechten, und das inen niit ghalten
were, erklagen wurdent, und die (ich wol driftend resse,
hochmütige wort gen. Und müßtendt inen darzü den wyn,
zerung und güten taglon, wie vormals, geben. Man hat die 5
(B1.92) jänigen alwegen für die gröberen, aber dise für die hochmü-
tigeren glian. Meinend ir nit, das sy noch lüt by inen hei-
gindt, die noch frischer gedechtnus sind was mit inen des
fahens und ynherfürens halb in unseren langwyrigen kriegen
verabscheidet ward, so noch unseren hie etwan menger sitzt, w
der sich des wol bsinnt? Und wie jung ich was, so ducht
mich, man Uberfüre mit den puren, und wurde in die harr
etwas empörung bringen, als es ouch tet, doch nit als böß,
als ich forcht. Dann des fahens hie in der statt und darvor
zü vil wolt werden. Und beschach doch alles mit irer her- «5
ren götem willen, ouch etwan uß irem angeben. Gedacht
aber in mir selber: diß volk wirt’s nit in die harr lyden sy
wyder ire recht und bruch also zü jöchen, wie ouch beschach
und ußbrach. Und uff ein zyt, do uns die Eidtgnossen mann-
tendt, und ouch vast not tet, und wir mit unserem panerso
woltend ußzühen, und iedermann gan Burgdorf, ußgnon die
zwei landtgricht, so haryn in die statt bescheiden warendt,
kamendt, schiktend ir botschaft von allen landgrichten : wie
sy nit willens werend zü züchen, wegen das min herren,
wie ouch ire herren, etliche wider ir recht und bruch gfengk- *5
lieh fürtend, mit welicher wyß ir sach vil böser wölte wer-
den, denn sy von den alten gehört vor alten zyten, öb
ire herren in die statt gezogen werind, und die mannschaft
(in) [an] dise statt kon. Und so dieselbigen joch mit einan-
deren zü krieg kamend und überfal entsassen, so haftend sy so
schirm in irer herren schlösseren und hüseren : iezund, wenn
man sy in langwyrigen reißzügen mit grossem irem costen
4. G. and ir ihnen hingegen. 17. G. dulden. 18. O. za jagen.
Bl. zu fachen. 21. G. gan Burgd. kam. 23. G. Bl. kamen nit. 24. G. Bl.
nm daß. 25. G. ir herren etlich si wider — . 27. G. denn sy, wie sy —
ghört, vor a. z. gsin. 29. G. Bl. an dise st. 29, G. dann so dieselben.
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, 7. Frankli’s Rathschlag.
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harumb gesehleipft und dar zu übel getället, und s y heim [t470\
kämend, rüwen und lüwen und fröud mit wyb und kinden
bau wöltend, so wurdent sy denn erst uinb reden und lie-
derlicher taten willen und wider ire recht und brüch
5 und mit deren gunst und zütün , die sy schirmen söl-
teud, in die statt in gfengknus gfiirt; darumb sy nit wyter
wöltind zähen, sy wöltindt vorhin wüssen, warumb, wannen-
har und wie vil sy in miner herreu reisen müßtend zühen,
und wie ire alten herren das mit der statt überkommen, und
*o 6b sy’s ouch macht hottend ghau sy also zü verpenigen ;
darby wöltend sy sömlichs fahen nümmer mer lyden. Min
herren erschrakend übel. Dann man müßt widerschryben,
still zü halten biß man die laudtgricht wider züfriden gestelt
bette. Das fiimemmst was des reisens halb. Da wußtend
is min herren kein anderen bscheidt zü geben, dann von wegen
irer herren, wölche ire herren iewelten gewesen über ir lyb
und güt. Und hette man sy sinnlicher pflicht müssen allein
uß irer herren brieten underrichten, weliche man inen nit
gern zeigte. Dann man entsaß die unwilligen noch unwilli-
ao ger zü machen, wenn sy die alten rechten und brieten, so (B1.93)
scharpf sind, wurdent hören. Und wurdent in yl alle landt-
gricht versandet und gebetten zü zücken, mit verheissung, so
man mit der hilf Gottes widerkäme, weite man inen nüt
verhalten, sonders alle ding anzeigen. Des fahens halb, das
25 versprachen inen mine herren, ouch ire eigne herren, die da
zügegen uff dem lanttag müßtend syn, das fürhin kein ge-
fangner in die statt noch anderschwo hingefürt söllte werden,
denn so es nach irem bruch und rechten züvor erkennt werde.
Mit diseu züsagungen sind sy beredt worden, das sy zugendt.
30 Und das wüsseud noch etlich Berner mines alters. Harumb
ir, min herren, mit diser hüpschen nachtmetti übel gefält ha-
bendt, wider den zimlichen, ja, ich gloub, versprochnen alten
bruch gehandlet, herren Niclausen hend ir gwalt in sinr herr-
20. G. Bl. n. scharpfen briefen wurdent hören. 21. G. Deßhalb wur-
dent. 22. G. Bl. onch inen anzeigt die not u. verheissen. 24 G. Bl. lassen
das ott«, wofür wol da tu schreiben ist.
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VI, 8. Fränkli’s Rathschlag.
[/470] schaft getan und sind lügenhaft gegen den landtlüten worden.
Deß allessin, wo es für einen richter käme, wurdent ir
überwisen.
[8] Darumb ich inen nit wil gebieten oder tag har ge-
ben; es wirt mir leid sin, wenn sy sunst (nit) kömmendt. s
Dann es mit iiwerem gspött und schaden wirt bscheen. Ich
dörfte baß zfi ersparen, das ich alle tag tlwere schweren
zinsen abrichtete, denn sölche kilbinen und versamlungen
zü verlifern. Und so ir inen schon haryn pietend, wurdent
sy doch nit kommen. Das wüssendt ir. Dann ir inen u£F>®
ertrich nüt zü gebietend habend, dann ein einiges gebott,
mit üch zü reisen. Und wurde es herr Niclaus ouch nit ge-
statten. So wil ich sy ouch eben als wenig überfallen. Dann
wir wider in nüwe gscheft kämmend mit den landtgrichten,
da man nit wüßte, wie sy wurdent ußschlitzen. Dann zd 15
denen zyten min herren und die twingherren züsammenstün-
dent und warend vast fro, das die puren gstillet wurdent;
iezunder bringend ir dieselben nit allein von üch, sonders
nötend sy ouch zö den puren ze stan wider üch. Wie das?
Also, indem da ir on alle form des rechtens wider alte »
brüch und harkommen und wider all üwere eignen verheis-
sungen, nüt denn mit gwalt, mit disen landtlüten gehandlet
und noch handlen wend und eben mit denselben ouch uff
das höchst die twingherren an iren herrligkeiten verletzend.
Meinend ir nit, so üch dieselben übel wöltendt oder unrüw *s
und entpörung süchtend, öb sy nit fro w.urdeut syn, das ir’s
ouch mit iren puren wöltend anfahen, und eben an dem
stuck, das inen alwegen das verhassetest ist gsin? Min herr
schultheis meint alwegen, so ich dise nüwerung entsitzen, es
bedörfe der forcht nüt, ire puren wurdent sy verlassen, öb »
sy wider uns etwas fümemmen wurdent, und zii uns stan.
2. ff. des alles. Bl. dises alles (allessin, wenn es kein Schreibfehler
ist, scheint s. v. a. allesammt, alles zusammen). 5. ff. Bl. lassen nit aus,
was auch der Sinn verlangt 7. Bl. bedürffte. 8. ff. kilchwichen. 12. G.
es würde es auch — nicht gest. 14. G. kämend. 17. G. doch vast. 25. G.
Bl. ob üch.
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VI, 8. Frankli's Rathschlag.
167
Er wirt siu leider wol innen werden, wyl er sich diser taten l147 °\
und räten wil gebruchen, und die volg het, als er ouch hat.
Und kan doch darumb nit underlassen die warheit zü sagen, (BL9<)
das es mich gehe, verwegne und unwyse ratschleg von wy-
s sen lüten bedunkt het sin. Das ich nun nit erstunet syge
ab dem, das der frefne ufrürer, nachdem ir, min herren,
in vor vil jaren gestillet, als er selbs wol weißt, sich so wyt
in das landt und so nach zur statt dürfen lassen, lougne ich
nit, dann ich förchten in; das ich aber darumb könne raten
io neißwann zü löschen, do ich noch nüt gseen noch ghöre
brünnen, das weiß ich nit. Dann lichtlich möchte geschehen,
das man mer gschante dann besserete, wie man oft in den
kleinen brllnsten gseet beschehen. Aber mich dunkt güt zü
syn nahin ze sichen, öb etwas filwres yngleit were, uff dise
i5wyß: Ir bkennend allsamen den amnian von Worb, das er
ein güter Berner ist. Dann ir, min herren, wüssend wie vor
jaren und ouch kürzlich er so groß arbeit und ernst in üwe-
ren- büwen mit dem holzfergen uff sich genommen, und wie
wol er üch huß hat und syn zyt übel verlor und nüt über
20 siu zerung wolt nemmen daun üwere färb. Ir wüssend, wie
er sich so weidlich in üweren reisen und kriegen in Stillung
der puren, so sy zö reisen und teilen unwillig, getragen hat,
ouch was er uns in gheim der statt zü gütem etwann entekt
hat, das min herren mengs mal herren Niclausen siner dien-
*5 sten halb gedanket, und gertimpt, das sy uff iren ämpteren
kum ein trüweren und geflißneren diener hettend in der statt
gescherten; welches herr Niclausen vast fröuwt, und sin hof-
fertig was; zü. dem ir wüssendt, das er ein hüpsches erbli
von siner langligerigen schwöster all tag erwarten ist ; so das
30 feit, hat er müt die sinen die güter zü Worb buwen zü las-
sen und sich haryn ze setzen, als er mir und anderen minen
herreu das mermalen verheissen hat. Den wölt ich bschiken,
1. G. will. 2. G. vil. 4. G. gliche. 6. 7. G. nach dem ir, m. hh., so vil jaren
gestellt: so auch Bl., nur daß er auch gestillt schreibt. Der Zwischensatz :
als — weißt paßt nur zu dieser Lesart in G. 8. 9. G. Bl. lassen, das bin ich
[nämlich : erstaunt] n. türcliten ihn. 23. G. Bl. ouch unser etlich noch, was.
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VI, 8. Fränkli’s Rathschlag.
[1470] uf morn den morgen hie zü S3rn, und in umb disen handel
erkunden, üb er Utzit geschmekt bette? Ist etwas angezündet,
so mag es im kum verborgen sin. Dann ir bkennend in ein
wysen, erfarnen, geschwinden und nun betagten gsellen ze
S3Tn, und was er Üch bekanntücli wirt sin, das mögend ir 5
mines teils wol gloubcn, als wenn er’s by sinem eid bette
geredt. Weißt er nüt, so ist es nit sorgklich, das man ein
sömliche rüstung und empörung erhebe, die bald ein sorgk-
lichere geberen möchte: wüßte er aber etwas und es üch
verhielte, das ich nit gloub, so ist die enderung an im sorgk- io
lieh und dütet uff iiwerer syten nüt gfits, welches doch mit
der zyt nit mag verhalten werden. Und nach dem man funde
oder schmakte, wüßte man aber wyter ze handlen und sich
zfi beraten, ob man mit recht oder mit handt, wie hüt gera-
(B1.95) ten, die sach müsse fümemmen. Darmit möchte man ouch is
vilicht darus oder daryn kon in dem man herr Niclausen
verdenkt, domit man zi\ rftwen komme. Dann so im disers
mans wonung zä Worb in wlissen were gsin, so were kum
müglich, denn das sines glychen vil mer personen das gwüßt
hettend, so werend gwüß schwerre hendel vorhanden, die »o
etwas uff im tragen wurdent. Dann herr Niclaus wol so wyß
were zü ermessen, das er (denn ich in den rychsten Berner
achten) sin er und gfit an disen lotter und böttler wägete zft
henken. Ich gloub aber eigentlich, das er uß sinem ange-
bornen frevel disen zug, wie ouch vor mer, fürgenommen. »
Wie oft hat man in in üweren landen, wiewol nit eben hieni-
den, gespürt und gesehen innerthalb 28 jaren, das ir in zü
s flehen grossen costen gehept?
Als umb dise beid r;U gefragt ward, ist des sekelmei-
sters wyt das mer worden, das mich gewunderet hat, das der *>
wyser einmal ist an die hand genommen worden.
[0] Item uff den abendt hat der schultheis den rat
berüft und anzeigt, wie dem fryweibel sige botschaft kon, die
5. G. Bl. betagten (wiewol er nit so alt scheint) gesellen. 14. G.
von band. 22. G. als zu erm. 26. G. nit hierab. Bl. nit bie herab.
27. G. Bl. innerth. 20 jaren oder 23.
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VI, 9. Der Amman v. Worb.
169
habe er zu irn geschikt, weliehe im anzeigt, das warhaftig [tt"0]
das landtgricht uff Sonntag zfi Grossen H ehstetten sich ver-
sainlen wurde von des uffloufs wegen zu Worb beschehcn.
Und als man begert zft wüssen, öb das ganze landtgricht oder
5 verordnete von den kilchspAlen, wie sy im bruch iiend, zu-
sammen kflmend, do wußt er kein bscheid zft geben. Und
als min herr sekelmeister angfangen zft raten, ist sin meinung
gsin: Diewyl diser bott kein heiteren bscheidt k'nne geben,
so könne er nüt heiters raten, diewyl aber uff morn den mor-
io gen der amman von Worb vor dem kleinen rat werde erschy-
nen, der dessen min herren eigentlicher wüsse zft berichten,
wölte er’s ufschlan darin zft handlen, uff das man dann wüsse,
was darinnen zft handleu were; und das der groß rat ouch
versandet wurde, inen anzftzeigen, was aller gescheiten halb
is by dem amman Funden were worden, und ob es von nöten
einen ratschlag zft tön. Dises gfiel minen herren allen.
Item morgens ist der amman von Worb erschinen, we-
lichcm der schultheis geöffnet: min herren habint in bschikt
sich «mb etwas von im zft erkunden, und das er inen die
2o warheit und was im darmnb zft wüssen nit verhalten wölle;
deß sölle er sin hand ufheben und einen cidt schweren. Do
der amman das hört, begert er, min herren sölltcnd im ver-
zyhen, er wurde inen den cidt nit tftn, bette ouch sin leben
lang keinen eidt tan dann (sinen) fsinem] herren allein, des- (ß1-96)
*5 sen amptmann er iez ouch were. Haruinb er im, so er disen
eidt tette, dester mer bedürfte zft lag legen. Es were ouch
in irem landtgricht die, so hinder den herren sessendt, nie
gebrucht zft eiden, anderst denn wenn sy under statt Zeichen
und under den houptmann schwörend, welcher cid sy nit
3o wyter bunde denn so lang dieselbe reiß wftrte. Wyter so
wurd inen von iren herren oder derselben amptlüten etwan
haryn für griclit und rat geholten zft reden, so schwörend sy
ouch cid, und anderst wer es mit inen nienen, so under den
24. G. Bl. sinem. 20. G. zulag zulegen (die Redensart „ Jemanden
etwas zu Lag legen — zur Last legen, kämmt unten Bl. IOC wieder vor).
28. G. under der st. z.
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VI, 9. Der Amman v. Worb.
[1470] herren sessend, gebrucht. Und ob min herren etwas nottiirftig
werend von im by dem eidt zü wlissen, so möehtend sy in
vor dem gricht zü Worb ankeren oder verschaffen, das im
sin herr gebiete alhie zü reden, so were er willig minen
herren zii gehorsamen und z’tün was einem bidermann zu- a
stünde. Als aber der schultheis im streng anhielt, und er
sich des eids wert, hieß der sekelmeister den amman ußgan
und ward vast undultig mit dem schultheissen und sprach:
Wie es käme, das er alle ding verkeren wöllte und alles uß
sinem eignen gwalt machen, ungefragt und unberaten? Werio
in gheissen dem amman den eid anmüten? So er doch wol
wüsse, das es sich mit der twiugherren undertanen in landt-
grichten anderst denn mit den andren verhalte, wie dann
der amman im das wol erllltteret habe, das minen herren ein
schand were, das ein pur iren schultheissen leren müßte. u>
Hinwider der schultheis klagt, er hette unlengest erfaren,
das der sekelmeister im ghaß were, und er im nUt rechts
künte tün, und das all sin tün und lassen by im nüt dann
gift und gallen were. Do antwortet der sekelmeister: Er tete
im unrecht, er hette weder in noch einichen menschen nie so
ghasset, aber sin unrüwige art und natur, so von jugendt uff
niiwe ding gsücht und alwegen gesücht sich zü erheben mer
dann einem gmeinen burger von nöten were gsin. Und so
er nun den höchsten Staffel erlanget, wölte er sich der har-
gebrachteu Verwaltung wie sine vorfaren nit benügen, sonder *6
uß sinem gfallen alles regieren. Mit der wyß bedürfte man
keines ratsfründes noch rathuses mer. Der schultheis, so er
zü Bern, wie etlich sprechen, Julius Caesar wil sin, mag er’s
in sinem huß mit dem (inger alles regieren. Als aber sich
ein grosser zangk erhüb, und der schultheis den sekelmeister au
tröuwt, er müßt im sagen mit recht, wer im züleite, das er
zü Bern Julius Ca:sar werden wölte, antwortet der sekelmei-
ster: Er dürfte siuen nüt z’verschoneu. Er wölt im einen dar-
(B1.97) stellen, der wol noch spötlicher weder das redte Er wolt
wüssen was? und wer? sprach der sekelmeister: Er redt, as
34. G. Bl, uoi_h »pöttiger über diß redte.
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VI, 9. Der Amman v. Worb.
171
ir sigind der tyrann von Bern. Iez wüssend wer er ist, und [I
das weiß ich und han min vorsager Uch gestellet; gangend,
nemmend ine iez mit recht fllr, oder mich, welchen ir wöl-
lendt. Als der schultheis schwig und erstunet, sprach der
5 sekelmeister : Was hend min herren mit unserem zangk zü
schaffen die zyt zü verlieren? Ich gedacht nechten, wir
möchtend nit uff die bottschaft, so uß dem landtgricht kom-
men, des hüttigen brichts erwarten; wir müßtend aber in
harnist. Und htlt gedenkt man sin nüt. Warum ferget man
w nit nottürftigere gscheft? Do fragt in der schultheis, er sölte
raten. Do sprach der sekelmeister: Ir wüssend wol, herr
schultheis, das sich dises gebürt hette, öb der amman haryn
genommen were, so werend wir iez mit allem grech. Mich
wil das für das erst dünken, zü erfaren öb das landtgricht
i* und in was gstalt und warumb es zusammen komme? Ob
von nöten werd sin, etwas zü förchten oder fürsehen, das
man sich daruff berate? Ich achten wol, er werde sagen,
das es bescheche von des glöufs von Worb wegen; so gibt
er uns darmit anlaß um denselben handel, darumb er ouch
bschikt ward, in zü fragen. Und wil mins teils im keinen eid
anmüten. Er wurd in ouch nit tön, gebürt uns ouch nit, zü dem
das es ouch nie gebrucht ist. Dise meinung güel minen herren
allen. Und als der amman wider ward haryngelassen, do ent-
schuldiget sich der schultheis, das er im den eid hat gebotten :
Er were erst sit osteren an dem ampt und hette der dingen vor
nie wargenommen. Min herren aber hettend in berichtet, das er,
der amman, recht hette und vertruwtend im vil grössere denn
darumb sy in bschikt hettend inen underrichtung zü geben.
Das were [daß] inen fürkommen wie sich das landgricht uff
so künftigen Sonntag zü Kleinen Höchstetten sölte versanden ; so
im nun sömlichs, ouch warumb, nit unwüssend were, diewyl er
der nechsten einer were, dem min herren zum basten vertruwt,
begerten min herren an in, syen der warheit zü berichten.
1. Vor „iez wüssend“ müssen einige Worte, die diesen „ Vorsager“ mit Na-
men nannten, absichtlich unterdrückt worden sein. Die Handschriften bieten
keine Hülfe. Ist der Bischof gemeint? oder sonst eine unantastbare geistliche
oder weltliche Autorität? 11. G. raten darum. Bl. darum raten. 29. G. Bl.
das wäre aber, daß inen fürkomen. 30. Bl. zu Großen Höchst.
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172
VI, 10. Sein Bericht.
[ifio] [10] Also fieng der am man an: Als das nachtglöuf war
vergangen zü Worb, habe er arbeit ankert die gesanten zü
erretten und habe den fryweibel haryn geferget ; und als er
ein wenig gessen, sig er angentz gan Signouw zü sinem her-
ren geritten, ine desselbigen handeis zü berichten. Dann er s
förchte, so er sin innen werde züvor, wurde er undultig über
in, ouch unrüwig, als er ouch nüttedstminder ward. Und uff
morndrigen tag nach dem inorgenbrot reit der herr gan Worb.
Dann er vil hat zü handlea gehept des vorigen tags von
mengerlei tagsatzungen wegen, und herr Wilhelm, sin vetter, «
mit im. Und als sy mit den frouwen z’abend essend, kam
(BL98) der weibel von Münsingen und begert minen ; der mir saget,
wie der amrnan von Münsingen von vilen uß den kilchspilen
Worb, Münsingen und anderschwohar gewamet were, das
landtgricht zü versanden. Darumb sölt ich uff sonntag mit n>
vieren uß unserm kilchspil gan Hochstetten kommen, daselbst
wurdent uß allen kilchspilen landtlüt sin, und das were für-
nemlich von des nachtloufs wegen, zü Worb vergangen; wel-
ches ich minem herren anzeigt, der darab erschrak und sprach
zü herr Wilhelmen : Das darf wol unrüw bringen in allen *>
landtgrichten, und darf man mich des wol verdenken, als üb
ich 's anghetzt habe. Ich müß lügen, öb ich’s müg erweren.
Und seit zü herr Wilhelmen: Ir müssend angentz gan Mün-
singen zü Hartman von Stein und im anzeigen, das uß diser
versamlung der statt von Bern nüt rüwigs noch güts möge 25
entstan; deßglychen unseren handel, den wir gegen Kistleren
und sinem fryweibel hend, nüt forderen, sonders uns vil mer
wirt hinderen. Daun vil unserer güten fründen ein mißfallen
umb der statt willen an uns wurdent haben, als ob wir dise
versamlung, by deren es one zwyfel nit blyben wirt, habind »
angerichtet und wöllen die puren ufrürisch machen, uns zü
rächen. Und bittendt Hartman umb unser aller, ouch mi-
netwillen, das er mit sinem amman verschaffe zü gebieten,
2. G. Bl. zu Worb vergangen wäre, da er arb. ank. — erretten und
den fryw. — geferggot, hab er ein wenig gessen u. angentz — . 6. 7. G.
Bl. uff in. 33. G. Bl. verschaffe, ouch den andern, sich nit hinufffügind.
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VI, 10. Sein Bericht.
173
das sich niemant hinuf füge; deßglychen denen von Wich- [/470]
trach entpietendt, das die Versandung abgstelt werde, wie
ich ouch in den übrigen kilchspilen versorget habe. Dannet-
hin so rytend gan Dießbach und verseheud’s by üwerem am-
5 man, ob ieinants schon verordnet were von der kiJhchöri,
das es still blibe oder gewendt werde. Deßglychen sölto er
nit vergessen: dem amman von Signouw, so mit minem her-
ren gan Worb was geritten, hat er bevolchen angcnts gan
Signouw zü ryten und es daselbst ouch zü versehen oder ab-
10 züstellen, und underwegen dem amman von Höchstetten in
sinem, ouch junker Hartmans und miner frouwen von Wyssen-
wegen zü gebieten ouch sömlichs zü tftu und kein versamlung
da zü gestatten, und so by dem wirt versorget were zü ko-
chen, das es wurde gewendet. Deßglychen sölt er sich hin-
15 über gan Biglen angents zü dem amman verfügen und dem-
selben anzeigen, das sömliche versamlung wider ein statt
von Bern were, darumb er’s in stille halte oder abstelle.
Und hat dem amman vou Signouw sincn grossen ring mit
dein grünen stein an den von Höchstetten geben zum wort-
so Zeichen, welichen wir sine amptlüt all bkennend ; liatt ouch
demselben bevolchen, so er’s zü Signouw versehen, das er
denn angents hinüber gan Rötenbach ryten solle und daselbst
mit beden ainptlüten reden, wie der amman von Hochstetten
zü Biglen; deßglychen hat er einen brief gan Torberg dem
r> herrn by Lois sinem diener geschikt, das sy hinuf gan Wal-
kringen schikindt, und’s by iren ainptlüten daselbsten ouch
versehindt. So weißt noch zü Worb niemandt nüt von diser (£1,99)
botschaft; so ist ouch und wirt niemants by uns verordnet.
Darumb ich genzlich gloub, das mines herren auschlag nach
30 dise versamluug gebrochen sige, so echter junker Hartman
vom Stein zü Münsingen, Wichtrach und Wyl solches hat
wöllen abstellen, wie in dann min lierr durch junker Wil-
helmen hat bitten lassen.
Darnach uß miner herren gelieiß ist der amman gefra-
11. G. j. Hartmans namen. Bl. m. fr. von Wyßenwegen namen.
14 G. dass es gewehrt wurde.
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174
VI, 11. Sein Verhör.
[/470] get, was ursach habe demselben nachtglöuf geben? Daruf
der ainman geantwortet: Das möge niemandt baß wüssen
dann mine herren, so ire diener und andere hinus gschikt,
einen zü fahen, warumb, möge er nit wüssen. Wie es aber
anfengklich zugangen, und das gschrei sich erhept, wüssind 5
ire gesanten allerbest syen zA berichten.
\1l\ Wyter ward gfragt: wie der hiesse? von wannen
er were? wie lang er zü Worb gewonet und was sin hand-
tierung daselbst were gsin? ob er vil zum wyn und gsellen
gangen? ouch ussenfilr in andere kilchspil und dörfer und io
tavernen gewandlet? und was sin wäsen und handlung were
gsin? das er deß min herren eigentlich wölte berichten.
DarufT der amman antwortet: Wie er hiesse, ouch wannen
er were oder wie lang er zü Worb gewonet, wüsse er kein
andren bscheid z’geben, dann uff einen tag, als er für sines 15
vetteren huß gangen mit etlichen anderen puren, do hette er
in gseeu tröschen, und, als in düchte, vast unwatlich ; stünde
er still und spreche zü den andren: So einer einen tröscher
wölt anstellen, so hette er wol einen funden, der’s baß hette
können und vermögen; dann mich ducht, er fieng an alten. a>
Do seitend im die andren: Ja, er ist synes wybs etter. Do
fragt er: Von wannen ist er? Sy sprachend: Er sol von Un-
dersewen sin oder von Brienz und ist kommen sin basen zü
besichtigen. Doruf antworte er: So nemme es in nit mer
wunder, das er unwatlich trösche, dann es den Oberlenderen, «
die es nit bruchtind, nit anzümüten were ; und giengend dar-
mit von dannen. Am nechsten frytag darnach, do man uß
der kilchen gangen, hette er in gseen uff dem kilchhofif stan.
Und aber nachvolgenden frytags, als sy im wirtshuß ein
abendtürti getan und abendts für das wirtshuß kommen, habe »
11. G. n. was sines Wesens n. siner handlang er wäre gsin, deß er —
wölte berichten. 17. G. unwatlich, u. seyt man, er wäre von Cntersewen
od. von Brienz komen sin basen heimzusochen ( Die Worte : stünde er still —
von wannen ist er? sind ausgelassen; von hier an folgt nämlich G. der ab-
gekürzten Textrecension von H., wie sie in der Helv. Sibl. abgedruckt ist )
90. Bl. er bynne (?)
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Vi, 11. Sein Verhör.
175
er in gseen darvor stan by sines etters nachpuren; und so [/470]
vil sig im von disem menschen kundt und nit wyters, und
wüßte nit mer, wenn es im glich an er und leben stünde,
darvon zü sagen. Und als er streng gefragt ward, 6b er in
s nüt in das schloß heig sehen gan oder zu herr Niclausen, •
und mit im reden? das sülte er frölich entdeken, dann es
im nüt wurde schaden, müßte in gheim blyben, und were
schon by dem eid ein helig gebotten zü halten. Antwortet der(ül.loO)
amman, er habe in weder im schloß noch by herr Niclausen
io nie gseen und sige doch, wenn er zü Worb wone, mer umb
in, dann kein mensch, ußgenommen sin ordenlich hußgsind.
Er gloube ouch, das es nit wol müglich sie gsin mit herr
Niclausen red zu halten, dann das er’s het müssen gseen.
Dann diser gsell erst nach herr Niclausen hinryten an se
is (anders wüßte er nit) gan Worb were kon; so were herr
Niclaus nutamen ein nacht und einen halben tag (als er ab
dem se kon) zü Worb gsin; dann er gan Signouw müßte,
umb vil treffenlicher hcndlen willen, und besonders den tot-
schlag zü befriden; und hat dest fruyer ab dem sc gmüssen.
2o Darzwüschen als er ab dem roß gsessen und wider daruf,
sige er nie von im kommen, dann so er z’nacht in sin bett
sye gangen ; sige ouch morgens by sinem ufstan, wie abends
by sinem nidergang gsin. Harumb er frolichen wüsse zü re-
den, das der gsell in der zyt als er zü Worb gsin, an herr
25 Niclausen angsicht nie sye kommen, es were dann in der
nacht, als er den herren am bett gelassen, beschehen, das er
keins wegs gloube.
[12] Als der amman uß examiniert und abgeträtten
war, hat der schultheis ein groß gespei uß deß ammans ant-
so wort gemachet. Seit ouch, er hette vorhin wol gwüßt, das
min herren durch des ammans beschrybung nüt merers wur-
dent wüssen noch ußrichten. Dann er und herr Niclaus we-
rend ein lyb; so were er ouch nit haryn kon denn mit wüs-
sen sines herren, welcher in wol hette können leren reden;
85 und es möchte dem amman glouben, wer da wölte, er wölte
aber im nüt glouben. Schmützt grüsenlich herr Niclausen
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176 VI) 12. Die entgegengesetzten RnthsohliigeKistler’gn.Fränkli’s.
[1470] und sprach : Er wüßte nit was den Sachen geholfen were
durch verhörung des amuians. Es wurde von nöten sin zu
ratschlagen wie man der statt er errette und schand an den
bösen puren reche, die nun der statt zwcn schantlich posscn
. zügefügt hottend; und das es an den grossen rat gebracht s
werde, welche ser wundere, das es noch nie von ininen
lierren an sy kon sige; wurde ouch darby von nöten sin ein-
mal einen ratschlag zü tün, wie man die übelteter und ver-
lümbdete personell uuder unseren hochgrichteu auzügryffen
oder zü fallen tün sölle, domit Schelmen nit iren underselilouf io
lieigind, und ir, min lierren, alwegen unrüw zü entsitzen ha-
biudt. Daruff hieß er den sekelmeister raten. Der sprach:
Er möchte wol lyden, diewyl min lierren die bürget' so be-
ging werend den liandel zü vernemmen, inen alles zü ent-
deken. Wie das ouch were abgeraten, sprach er, er bäte ia
Gott, das es von rüwen wegen beschehe, anschlüg zü tün,
der statt Bern er zü erretten und rechen, und wurde vast
(BLlOl)siu meinuug sin, wie er nehermal gseit, das man liette glial-
ten und noch hielte was wir züvor versprochen zü halten,
das on alles Zusagen sunst zü halten die billigkeit uff im zo
trüge, und man niemant das sin nemme, mengklichen by
gricht und recht liessend blyben. Dann hettend wir der statt
er rychlich errettet und wurdent Schelmen keinen under-
schlouf han, als sy ouch by minen zyteu in (miner üwer)
[üwer, miner] herren zaig nie gchept. Und mögend ir daun 45
in grossen rüwen sitzen. So wir aber wöltend einen liandel,
da wir in allen rechten müßtend unrecht gwünnen, erst mit
grösserem gwalt verwirren, fürwar, fürwar ich förclit, uns
wurde der unrüwen gnüg dürfen werden. Man spricht: Gott
ist nit ein Peyger! Des amuians halben von Worb, han ich so
gern ghört und gloub, das er die warheit geredt habe. Dann
ich in fromm und warhaft zü allen zyten funden han und
4. Bl. G. schantliche Sachen. 5. Bl. G. mit dem grossen rntk be-
Bchehe. 7. Bl. G. an si gebracht wäre. 15. Bl. abgeraten. Sprach, er bäte
Gott, das es von ruwen wegen beschäche, anschlegen halb« ze thnn, der
statt — rächen. 25. Bl. in üwer, miner hh., zarg. 30. Bl. Peyer,
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VI, 12. Die entgegengesetzten Rathschläge Kistler’» tu Fränkli’s. 177
sag, das sin verhörung der statt grossen nutz het bracht. [1470]
Dann er uns anzeigt hat, wie fyn wyßlich, schnell und still,
one allen der statt costen herr Niclaus die versamlung des
landtgrichts, daruß grosse unrüw und costen entstan mögen,
5 abgstelt hat; welichs abstellen, so wir darüber gsessen zü
ratschlagen — so fyne ratschleg hend wir giert in 8 oder 9
monaten geben — hetten wir zü grossem costen wol dtrfen
wider erweken grössere unruw, da wir von Gottes gnaden
nun sicher sind und des herren Niclausen hoch, hoch zü
io danken hand; und gar und ganz kein schyn hat — dann
sin herrliche, fromme, wyse gedechtnus das widerspil lert
denn das er verdacht söl werden — das er etwas anschlags
oder wüssens mit disem lekeren ghept. Und was hette herr
Niclaus sinem amman können hie leren reden, da doch iren
is keiner mocht wüssen, weß sy wurdent gefragt werden? Vi-
lichter hend sy mögen erdanken, es wurde umb der an-
gschlagnen Versammlung willen des landtgrichts sin. Denn
herr Niclaus weißt, das ir durch sinen amman etwan mer
erfaren und vil vornaher vertruwet hand. Hette er im dann
» sin flyssige abstellung bevolen zü sagen, und aber wer ein
lugi gsin, ir werend der warheit in wenig tagen wol innen
worden, wie ir schon disers morgens anderschwohar sin
kuntschaft handt, das der amman die warheit geredt hat.
Darumb an ort und enden, da gricht und recht soll brucht
35 werden, gehörte das böß gift, der nyd, sich hinwegk zü schüt-
ten. Und müß fürwar reden, das nit erbar ist fromme, er-
liche und wolverdiente personen also verdachtlich zü machen.
Ich will mines teils — ir wullind denn den amman für den
grossen rat ouch stellen, und das gfiele mir ouch — im trüw-
solich danken sinei ghorsame und berichts und darby ouch
herren Niclausen in üwerem namen durch üwere brief treffen-
lich danken siner trüw, wie das dann min herr doctor aller-
8. Bl, die wir. 16. Bl. gedenken. 24. Bl. an orten, da. 25. Bl.
läßt sich aus. 26. Bl. daß es nit erb ist. 30. 31. Bl. darby von fleh, m.
hh,, herren Niclausen lassen by im, doch durch üweren brieff, treffenlichen
siner trüwen danken.
Quellen zur Schweizer Geschichte. L \2
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178 VI, 13. Der Handel vor R. n. Burger. Kiitler räth zur Gewalt
[1470] bast weißt zü stellen, und für den amrnan sin zerung beza-
(BL102)len, darzü im zwen guldin für ein vererung verordnen. Wie-
wol ich weiß, das er’s nach sinem bruch nit nemmen wirt,
so bin ich als tugenthaft alwegen und erspar es, einen hotten
daruß zü bezalen, und hend ir, min herren, denocht üwere 5
erung getan.
Daruff der schultheis sprach : Man söllte mit der gschrift
still stan an herr Niclausen, dann er nit wüßte, ob minen
herren dem grossen rat darmit gedienet wurde. Ist geraten,
den amman nach geheptem rat abzflfergen. io
[13] Und ist der schultheis hinus zü unseren herren
gangen und hat minen gnedigen herren anzeigt, wie der am-
man von Worb were verhört und gfragt worden erstlich von
der Versammlung deß landtgrichts, so zü Grossen Höchstetten
züsamen solt kommen, deß min herren gestrigen abents durch 15
deß fryweibels kuntschaft verstendiget worden. Der hette
inen anzeigt, das sölche versamlung, als er eigentlich hoffete,
abgstelt were; wie dann deß min herren hüttiges morgens
von anderen orten versicheret .werend. Demnach were nach
aller notturft gefragt deß verretterischen Schelmen halb von *>
Haßli, aber umb keinerlei ding wölte er ntit wüssen. Er
hoffete ouch nit, das min herren durch die Worber ützit wur-
dent innen werden; dann ein wurmässigs näst da were, als
er vestenklich gloubte, von houpt biß an schwänz. Und so
nützit wyters dißmals zü erfragen, bedachte in nun zü rat- »
schlagen, wie die grosse schmach und erverletzung, so einr
statt Bern von iren undertanen — das sy müssend sin, ob
Gott wil, willig oder unwillig, wie ungern herr Niclaus
und andere diß bekanntend — beschehen, errettet werde?
Daby, wie iu künftigem sömlichem unrat und ufrfir möge »
fürkon werden? Als gefragt ward, hat der schultheis den
ersten rat geben und hat den handel grüsenlich erhitzget über
die puren und herr Niclausen mit vil verdenkens, byspilen
und exemplen, wie er’s denn wol kan, und hat anzeigt, wenn
12. Bl. gangen, u. min hh. die kleinen räth mit im nach dem bruch.
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.VI, 13. Kistler’s Rath.
179
sölcher handel nit (nit) schwer gewägen werde, was verach- [/470]
tung einer statt Bern darus entstan werde, und wie die puren
das wol verdienet hettend ; dann es nit mtiglich sige, das di-
ser schelm sich so fer herab one bescheidt gelassen habe;
s der zangk hab sich ouch an dem ort aDgefangen und eben
mit irem herren. Was anders zü gedenken, dann das der
gschwind listig keib sin herberg gwüßt hab; und wölle die
straffen, das alle miner herren undertanen ein exempel ab
inen söllind nemmen, oder er wölle sich fiirhin ein Berner
iozü nennen beschämen. Wie aber die puren zü behendigen
siendt, ist er uff sin vordrigen rat kommen. Wie man aber
sömlich empörung oder der gefangnen entschlittung fürkom-
men möge, hat er sich lang darob gemüyet, ist doch entlieh
sin meinung gsin, das in die landtgricht geschriben wurde,
15 den schantlichen handel zü Worb mit dem verrätter verlüffen,
und darby wyter inen zü sagen, das so inen min herren,
ouch ire herren der gfengknussen halb verheissen, das wöl-(B1.103)
lind min herren inen trlilich halten. Aber verlümbdete per-
sonen und Schelmen belangend sige dozmalen vergessen wor-
so den zü erliiteren, wie wol das von nöten were gsin und noch
sye, und fürnemlich inen uff dem landt, da min herren in
iren hochgrichten vil versumnus der underherren findint, dar-
durch undcrschlouf den bösen geben werde. Sölchem zü für-
kommen habind min herren angesehen, an welichen orten sy
*5 die hochgricht hend verlümbdet oder übeltätig personen ge-
fengklich anzünemmen und in die statt oder der underher-
ren gefengknussen zü fergen, wie das aller landen, königen
und keiseren recht zügibt; wöllind ouch hiemit deu nideren
iren gewalt und brach nit abgetan haben, sömlich übeltättig
»personen zü fahen und die in iren gefengknussen zü enthal-
ten, biß sy die uns, wie sy schuldig, überantwortend. Und
domit sy mögindt gespüren, das wir des lands wolfart allein
süchindt, gebend wir uß kraft unser hohen gerichten |iuen,
den lantlüten in unsern hohen gerichten,] one wyteren bevelch
33. Bl inen den landlüten in unsern hohen gerichten (diese Worte
find durch ein llomoioteleuton aus dem Text gefallen).
A
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18(1 VI, 13. Kistler'« Rath.
[1*70] oder on unsere oder der underherren amptlüten undertenig-
keit oder gegenwürtigkeit gewalt, sampt und sonders anzü-
gryffen und haryn in die stat oder in der underherren ttlm
zü füren, weliches inen gefellig wirt sin. Harumb er Schult-
heis inen ouch wil, so oft sy sömlichs in die statt bringend, 5
ire zerung und tawen zalen. Doch darby ouch bevolchen, so
vil müglich, (minen) [miner] herren ouch der underherren diener
und undertanen sömlich personen by tag behendigen, und
nit nachts, uff das mengklich möge gseen, das übel und böß
ußzertlten ein herrschaft allein süche. Er wil ouch, das in io
sömlichen missiven min herren sich irer dieneren narty, das
sy by nacht den Schelmen gesucht, klagind, und das es inen
nie bevolen gsin sige. Und heigind vermeint, in diser Ord-
nung sige nieinant nüt beschehen. Die nideren herren habind
sich nüt zü klagen, und werdint die undertanen vast fro sin. u
Zületst sprach er : Er gloubte, der herr bedörfte baß straffens
denn die undertanen, dann in welchem hafen der Worbisch
unrat sich hette kochet, könnte ein iegklicher licht sinnen.
Er wölte es aber ufschlachen; vilicht wurde sich etwas wy-
ters zütragen mit der zyt; so wüßte man einem dester baß w
zu messen.
[14] Als der sekelmeister sines rats gefragt ward, do
wuscht er sine ougen, dann er hat geweinet, und hat wol
lang an im gsehen, das er kum patienz gehept, und bat Gott
nmb hilf und gnad und sprach : Er müßte sin herz hüt ent- *
schliessen, wölte er echter sinen rat wurde am jüngsten tag,
1. Bl. oder one unserer nideren amptlüten gegenwürtigkeit (unsere
oder der Amtleute der Unterherren (Twingherren) Unterthänigkeit ist s.v.
a. das Unterihanenoerhältniß, in welchem ihr sowohl tu uns, als zu den
Amtleuten der Twingherren steht, und welches hei solchen Anlässen nicht
berücksichtigt zu werden braucht, so wenig als ihre Gegenwart dam er-
forderlich ist). 6. Bl. u. tagwan halten. 6. Bl. darby und mit bev.
7. minen (ist wol in miner zu verbessern, und vorher ergänze : dasz). 24. Bl.
im angsehen. 26. Bl. einen rat geben — mit Auslassung der Worte : „am
jüngsten tag.“ (Der Sinn ist: wollte er anders, daß seiner am jüngsten
Tag zum Besten gedacht werde, ff. umschreibt: wolt er acht mit einer
guten conscienz am jüngsten tag bestehen.)
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VI, 14. Fränkli’s Antwort.
181
und hiemit min herren und ein statt Bern gewamet han, vor [1470]
den sorgklichen, verfürischen, frefuen und ungrechten ratschle-
gen ires schultheissen sich hüten als vor einer apotek, darus(BU04
nüt dann scharpfes gift verkouft wirt. Tfind ir das nit, so
5 gseen ich, das der zorn Gottes uff uns ist, das Gott het dises
mannes wyßheit in alle torheit verkert und ine darmit ge-
strafft und wil uns mit im straffen. Hat doch ie ein mann
torechtere, widerwertigere und ungerechtere ratschleg, bekannt-
nussen, urteil von einem richter, so gricht und recht verfüren
io sol, ie ghi’irt, dann üwer Schultheis htlt hat tan ? Er hat iich,
min herren, hie gseit, wie er und wir so fro gsin, das die
versamlung, so im landtgricht vorhanden war, abgstelt sige;
und ist war. Und wil aber mit sim ratschlag vil ein bösers
erweken. Denn wo die puren von Worb, was ob 14 jaren,
is uß sinem gebott nit haryn kommend, als sy nit kon werdent —
daun ir inen nüt dann zü reiß zü gebieten hendt, sonst ver-
meinend sy, wie ouch billich, so ir ansprach an sy habindt,
so sollind ir das recht brachen — , die(wyl) [wilj er mit ge-
wapneter handt in der kilchen unversehenlich am dienst
20 Gottes überfallen (were), die schlffli von böken sünderen und
haryn zum jüngsten gricht, mein ich, oder in ewige verdam-
nuß, ich weiß nit zü welichem lüfel, füren. Ist das zü der
statt und landts rüw und ufflouf fürzekommen geraten? So
doch ja von eines Schelmen wegen ein ufflouf und unrüw
25 entstanden, und wir übel entsessen hendt; was meinend ir,
so wir alle ynwoner eines grossen dorfs fahendt, one bekant-
nus des rechten ? so durch (alle) [alles] landtgricht, ja wol
als bald in den andren dryen ouch, gefründet sind ? Und die
wurdent still sitzen, so sy nit wend gestatten, das ein frömb-
so der, und den man Schelmen werks zücht, haryn gfengklich ge-
fürt werde, züvor eb es mit der urteil erkennt sige? Wirt
nit ein ietlichs dorf, ja ein iede person in den landtgrichten
gedenken, diser gwalt wirt züneclist an dir ouch syn? Und
5. H. dann Gott. 14. Bl. 14 jaren nff. 18. Bl. die will er. 20. Bl.
läßt were mit Hecht aus.
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182
VI, 14. Fränkli’s Antwort
[1410] meinend ir, die übrigen werdint still sitzen und sich diser
vilen nüt beladen? Das wil ich uß vorgenden verlüffnen Sa-
chen und erwegung unsers rechtens, so wir in den landt-
grichten hend, iedem verstendigen geben zü erwegen. Das
aber mit disem gwaltigen überfal üwer schultheis wil der t
statt er erretten, wie er stets das also nempt, müß man ein
wenig erturen, ob unsere statt darmit geret werde? Sy sind
in possess und gewerdt, und nit sy allein, die landtgricht,
wie wir sy in kurzen jaren genempt, ouch wir hie in üwerer
statt und allenthalben in üweren gekouflen und bezwungnen»
herrschaften, niemant sin lyb noch güt anzögryffen one vor-
gend recht. Ir hend’s etwan mit gunst und willen irer her-
ren übergangen ; ir trungend ouch ire herren zü bekennen,
(Bl.lü5)das ir an inen überfaren habind, und versprachendt, .das
sömlichs niemer mer bscheen sölle. Und iez uff ein nüws so«
wil üwer schultheis inen durch Uwere brief und sigel das
versprechen, das dieselbig alte verheissung gehalten soll wer-
den, wiewol es nüt dann ein geferbte lugi ist. Und tüt aber
kreftigklich darwider mit zweien ratschlegen, in disem deren
von Worb überfal, und mit der ewigen Ordnung, do er üch»
minen herren zübekennet von üwer hochgrichten wegen gwalt
zü han, alle verlümbdete und übeltiUige personen one vor-
gende urteil oder recht wider iren bruch, so sy mit üch ge-
übt, syder sy üch ire hochgricht übergeben, zü fahen und
anzüfallen. Meinend ir nit, das ire herren und sy könnind*5
ermessen, das üwere güte wort und geschritten ouch züsa-
gung üweren werken gar züwider sigindt? Was werdent sy
sagen, deßglychen üwere nachpuren und ouch die so wyt
gesessen, so sy sömliche wyse Sachen von üch ghörendt?
Sy werdent sprechen : Die Berner haltendt kein gelübdt noch *
brief noch sigel; und sagend grad die warheit. Dann vor
einem gemeinen richter könnte es one not erzeigt werden.
Als es nun uff die 9 monate hie gangen ist, ich meine, das
13. Bl. das ir tr. 14. Bl. das fehlt vor ir. 28. Bl. wyt von üch.
81. Bl. sigel, u. über wen sy denn mögend, tringend sy von gericht and
recht, u. sagend hiemit.
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VI, 14. Fränkli's Antwort.
183
sige der statt er herrlich errettet! Mich nimpt nit mer wun- [1470]
der, warumb er dise litt alle lachen und haryn luren welle,
und was er mit inen tün welle? Ja, spricht er, sy hend den
Schelmen von Haßli by inen ufenthalten. Das ist noch nit
5 fündig worden, ob er glych etlich tag da gwonet hat. Mei-
nend ir nit, wenn er ein basen oder schwüster hie in der
statt ghept, so in beherberget hette, ob er nit hie lang hette
mögen sin, das in nicmant bkennt hette? Ich weiß, das in
kein Berner bkennt hette, und ich selber nit, den ich im landt
10 und darnach usserthalb gesehen. Also zü Worb mag in sin
Schwester oder basen nit allein vilicht nie bkennt, sonder
ouch nie von im ghört hau reden. Spricht der schultheis:
das wil ich erkunden an inen. Wie? wenn sy „nein“ spre-
chend, und | nitj anred sind? So gloub ich, sy werdint dem
is henker müssen bychten, und wirt der vatter den son und der
son den vatter, und eiu brüder den andren zum schelmen
müssen machen, es sige denn war oder nit. Zü dem minsten
ist nit müglich, das des schelmen handlung, alte oder nüwe
(ist echter etwas, das ich nit gloub), inen allen wüssend sige.
20 Und wil aber der schultheis sy all Iahen und keinen under-
scheidt machen. Ist das nit fyn nach form deß rechtens ge-
handlet? Nit milglich kan es syn, were joch etwar, so gern
mit im gsin, das sy all schuldig werend ; denn es nit heim-
lich hette mögen blyben. Aber wol ist es müglich, das iren
25 keiner in bkennt heige noch von sineren hendlen gewußt :
doch wil ich das huß ußnemmcn, da er sich enthalten hat.(B1.106)
Denocht wyl unverscheidenlich üwer schultheis, der grecht
richter, sy allsammen binden, fahen und gloub ouch töden
oder doch zum minsten marteren; er dürfte iren nüt hie in-
1. Bl. eerlichen. 1. Bl. nimpt nur wunder ( wenn nit mer die rich-
tige Lesart ist, so fehlt als vor warumb). 10. Bl. allso zu Worb, on
vilicht das hus, daryn er by syner schwöster oder basen gsyn, bedörff ich
ein hüpsches wetten, daß sy inn nit allein nit kennt, ouch nie von im ghört
hattend reden (d. i. sie haben in Worb vielleicht wol gewußt, wo er sich
aufhielt, allein ohne nähere Kunde von seiner Person). 14. Bl. u. nit an-
red (geständig) sind. 22. Bl. etwar, der es gern mit im ghept 29. Bl. er
bedörffte iren sonst nützit hie innen.
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184
Yl, 14. Fränkli’s Antwort.
[/470] nen. Er mannt mich ganz an wylandt herren Rüdolf Hof-
meisteren, welcher kümerlich wolt zülassen einen mit der
marter zü fragen; sprach alwegen, das es sicherer und göt-
licher were 10 Schelmen barmherzigkeit zü bcwysen, denn
einen unschuldigen zü verletzen an lyb oder an eren. Ir hend 5
ganz ein simlichen schultheissen! Ir wüßt, das er spricht:
Die tat ist hie, das sy den Schelmen entschüttet hend, miner
herren botten schier gar umbgebracht: so mfiß ich zum er-
sten fragen wie vor, öb sy hierin ouch gesünderet heigind?
diewyl am tag ist, das nit der dritt teil der Worberen hend io
an tlwere diener hand angelegt. So hend iren vil mit dem
amman und kilchherren trüwlich den üweren gescheiden und
sy errettet, der amman die üweren, ouch sinen fyendt den
fryweibel, heimgfürt, gspyßt und trenkt, ein roßbar lan ma-
chen und in mit sinen rossen und knechten har in die statt e>
geferget an schärer. Und die söno duch für Caiphas und Pi-
lati gricht gefürt werden? Und hat darzü den Schelmen nie-
mants entschüttet. Dann syin nie gseen noch ergriffen hend;
sonder do sy iren burs- oder dorfman sampt sinem knecht
in hembderen gebunden gseen, hend sy vermeint, fromme»
bekannte nachpuren wider röuber, dieben, mörder zü ent-
schütten, wie dise ouch nachts ungwarnet, verkleidet sy über
fallen hendt. Und wer kan ’s inen zü lag leggen ? Dann wann
ich undertanen hette, so sich in einem nächtlichen überfal
nit dörften weren und einanderen entschütten, die wurd ich «
nit grosses werds schetzen. Dann wo gricht und recht ist,
als es in unserer zarg noch brucht wirt von Gottes gnaden,
leider besser denn hie by üch, so gebürt niemants uff söliche
wyß zü handlen, und insonders denen, so obere wend sin;
und man hette mengs mittel ghan, da er ußgespecht war, so
(ynher) [in har] tags und frommer gestalt on alle unrüw zü
bringen. Und wiewol er entrunnen were, und üwere diener
9. Bl. gsündet hatten. 1L Bl. angelegt, ja, alles verlüffen, das noch
etlich in iren betten gelegen synd? 19. Bl. iren bnrger. 20. Bl. läßt „in
hemderon“ atu. 21. Bl. dieben, brönner, mörder. 31. Bl. inne har. 32. Bl.
u. wiewol entrannen o. üw. d.
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VI, 14. Fränkli's Antwort.
185
übel gschlagen, — wölte Gott, das die, so disen unrat erdich- [/470]
tet, für sy da werend gsin — so wil ich mines teils mit herr
R Adolf Hofmeisteren das sicherer und frömmer an die hand
nemmen und unser statt und landt, ouch uns, uit verwirren,
5 sonders ernstlich bitten, das uns nit sonst hierus on unser(BU07)
sAchen unrAw entstände, und niemants lassen dardurch süchen
und haryn füren. Dann ich hierin niemants finden, so billi-
cher gstraft söllte werden denn die, so disers nachtbutzenwerk,
so nit zA schimpf und fröuden, erdacht hendt, weliches doch
w in grossen stetten zA zyten by der nacht verbotten wirt. —
Dannethin mit der Ordnung, die verlümbdeten und übeltäti-
gen personen in üweren hochgrichten zA fahen, domit sich
Uwer schultheis treffenlich bemüyt, üch des glimpf zA schöp-
fen uß den keiserlichen rechten, deren er vil gläsen und
isgstudiert hat in der fleischschal, wie ich in miner Werkstatt
ob den alten beizen, und wil die puren verblenden, das sy
sich hierwider nüt setzen söllind, mit hüpschen Worten und
zAsagungen, und darby inen ouch gwalt gen, das ein ieder
möge die fahen und anfallen und haryn in die statt füren,
20 und seit inen darumb Ion zA — diß ist sin alte gygen, etwas
ansprach zA sAchen, das er den geschlechten möge einen yn-
griff tAn in ire herrschaften. Hette mich ouch wunder gnon,
so von dem Worbischen nachtglöuf gehandlet wurde, wenn
nit etwas seltzams gebracht wurde. Wir hend hüt und gestern
25 stets disputiert uflöuf und unrAw fürzAkommen und wüssend,
das keine in diser statt gsiu ist, dann umb des fahens und
fürens willen in die statt. Ob joch etlich der nechsten puren
etwan unwillig gsin üch zA füren, die landtgricht sich gewid-
riget sich lassen tillen, so syend sy doch allwegen by lan-
30 gern durch hilf irer herren und ouch der prelaten überlistet
worden und das best tan. Aber des fahens halb hend sy zA
allen zyten über üch und ire herren ungestümigklich ge-
schrüwen und warend nüt zA begütigen. So wüssend ir all
wol die form derselbigen zA fahen, begichtigen, überantworten»
15. Bl. von der fl. 20. Bl. damit Ion, 24. Bl. etw. sömliches. 34. Bl.
zu fachen, fragen, berechtigen.
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VI, 14. Fränkli’s Antwort.
[wo] zö richten; und der übel t Heren hab und göts halb nit not
zö melden, wie das mit den herren, so üch die hochgricht
übergeben, von derselben zyt gebrucht ist. Ich acht, so es
wurde not tön, söllte man dessen gschrift finden by üch zö
beiden syten, wiewol ich’s nit weiß; denn by minen zyten 5 •
kein gspan ist gsin; man hat sich zö beiden syten deß bru-
ches gehalten ; es sige denn gschrift drumb oder nit, so sind
wir zö beiden teilen disers bruchs und Übung in gewerdt
(B1.108)und possess, von deren ich niemants tringcn wil mit der
hilf Gottes; wil niemants das sin helfen nemtnen, ouch nit 10
undankbar sin, welches laster, als die gierten sprechen, Got
und die mcnschen ob allen hassendt. Ire vorderen hend üch.
ire hochgricht gen und on zwyfel ußbescheiden und gedinget,
wie man sömlichs gegen einandren ein lange zyt nun gebrucht
hat; und ir woltend inen nun das Uberig darzö nemmen. «
Und so wir glych glimpf, den ich aber nienen gsee, darzö
möehtend finden, noch wölt ich solches mit der gfar, daryn
wir uns stekend, nit begeren. Meinend ir nit, wie ich hüt
mer gredt, die herren würdint den puren üweren wol gferb-
ten brief meisterlich können entferben? Ja, nüt hettend irso
wider die herren können fürnemmen, darin inen die puren
wider üch lieber zöstöndint, denn in disem artikel. Das wer-
dent ir erfaren, volgend ir üwerem schultheissen. Ich gloub,
das under allen Stuken, so ir diß jars wider die herren für-
gnon von iren herrschaften ze ryssen, sy keins minder wer-»
dint dulden denn eben disers; denn es gar nach zö nichti-
gung aller irer herrschafteil dienet. Sy bedürfen irer starken
türmen nüt mer, noch so viler amptlüten; und, so in diser
Ordnung das hüpschest und billichest ist, so lert man inen
ire gehorsamen undertanen unghorsam machen, das 011 allen »
bevelch ire amptlüt mögind fahen und in d’statt füren. Ist
4. Bl. finden by üch oder den herren; weiß doch nit, denn darum
by mynen zyten nie kein span gayn ist. 20. Bl. entferben, wenn sy joch
denselben nit könnend verstan. 24. Bl. so ir diß jars vermeynend den her-
ren von iren herrschafften geryssen [zu] haben. 26, Bl. denn eben disers,
u. daran u. (dar) ob werden vester halten, denn es vil nach. 31. Bl. und
amptlüt.
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VI, 14. Fränkli's Antwort.
187
das nit ein wyser und billicher ratschlag? Ja es ist uß Lu- [tfio]
cifers rathuß harkon. Was finen yugangs möchte zü künfti-
gen zyten zü aller unghorsamen nit allein den herren sonder
ouch üch mit discm gwalt entstan, ja ouch roub, mordt und
salle gweltigung, das wölte ich one not, wenn es die zit
litte, erzeigen. Also kann nyd und gyt einen wysen mann
verblenden ! Wenn dise beide stuk nit in üwerem schultheis-
sen regierten, so hette er disen sorgklichen, ungrechten
gwalt gwüßlich nit geraten; und so das ein anderer hette
1° geraten, hette er’s wol können ufläsen ; wer ouch verstendig
gnüg, das er wüßte, wohin es mit der zyt möchte langen.
Daun ich bekennen müß, han es ouch zü mengem Berner
geredt: Wenn gewandlet were und alle zyt einen selbs war-
genommen hette, wer er were, von wannen, was sin stat und
is vermögen were, und nit so trefflich gütgytig gsin wer, so
hette er den prys an wyßheit und wolredenheit vor allen
Bemeren. Aber die mengi bringt in ouch in nyd und haß.(BU09)
Dann er sich nit vernügt, das er in kleinen rat gesetzt ward,
da sin vatter kein hoffnung mer von im hat; do hat er er-
»o dacht, das er an des von Speichingen statt venner wardt;
do ist kein rüw gsin, biß er in stfil kerne. Dorurnb het er
müssen erdenken, wie er noch all tag dahin dichtet, wie er
die herrlichen, dapferen menner unwillig machte, das sy die
statt verliessend und sy dussen behielte, domit er uß disem
*5 stül nit verrukt wurde, und wir in mit unserer unrüw und
der statt grossen costen und sorg, wie ich nun mermalen
under ougen geklagt, (sin grossen) [in grossem] pracht, den er .
baß könnte öugen denn die vier schultheissen so da ussen sind,
[erhaltind], Ir gseend iemer wol, alle die herrschaftrecht, so er
ao den gescblechten abzücht in der statt namen, wo es also —
7
1. Bl. billicher, gerechter ratscht. 2. Bl. ratb. wol ein fryerer gangen.
9. Bl. geraten, den pnren zuzestellen. 15. Bl. nit er- n. gutgytig so treffen-
lich gewäsen. 17. Bl. U. die mängel bringent ( scheint die richtigere Lesart.
Die Mängel sind die oben gerügten, daß er nicht gewandelt, d.h. gereist sei,
also Mangel an Welterfahrung, an Selbsterkenntniß und Bescheidenheit, ver-
bunden mit Geldgier: diese Mängel bringen ihn in — erregen bei ihm Neid
und Haß. 27. Bl. H in grossem pracht. 29. Bl. H. erhaltind.
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Berner Chronik 1424—1470
von
Bendicht Tsehachtlan
nebst den Zusätzen des
I>iebold Schilling.
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Vorwort.
(Vgl. den Aufsatz „die Chronik von Tschachtlan“ im Archiv des histor.
Vereins des Cant. Bern, B. VI, S. 627 ff.)
Die Chronik, welche der Venner Bendicht Tschachtlan mit
Beihülfe Heinrich Titlingers gegen Ende des XV. Jahrhunderts
verfaßt nnd mit Bildern illustrirt hat, umfaßt die Geschichte
Berns von seiner Gründung an (1191) bis 1470. Zum Abdruck
eignet sich aber davon nur derjenige Theil, der sich als Fort-
setzung an die Justinger’sche Chronik anschließt, d. h. der
mit dem Jahr 1423 beginnende Zeitraum; denn was dem
vorangeht, ist blos eine Ueberarbeitung Justingers, und was
Tschachtlan von sich aus beigefügt oder mit andern, meist
verdeutlichenden, Worten ausgedrückt hat, ist unter dem Text
der neuesten Ausgabe Justingers (Bern 1871) mit der Chiffre T
bereits publizirt. Allein auch in der nun folgenden Periode
von 1424 — 1470, die zum größeren Theil vom alten Zürich-
krieg handelt (1436 - 1446), hat Tschachtlan nicht ausschließ-
lich bemische Geschichtsquellen benutzt, sondern sich für
die Geschichte jenes Kriegs damit begnügt, die ostschwei-
zerische Chronik des Hans Fründ ') einfach auszu-
schreiben und in Auszug zu bringen, und zwar, nach dama-
liger Sitte, ohne seinen Gewährsmann mit Namen anzuführen.
') Bevor die Veröffentlichung derselben darüber entschieden hatte, war
die schweizerische Geschichtsforschung über ihren Verfasser zweifelhaft, nnd
bedeutende Autoritäten, unter andern schon H. Bullinger, schrieben sie dem
Ulrich Wagner von Schwyz zu. Vgl. Arch. des hist. Ver. des Canton
Bern, VI, 635 f.
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192
Vorwort.
Wie vieles Wichtige und Bern zunächst Betreffende aus die-
ser Zeit in einheimischen Quellen, in Rathsprotokollen, Rap-
porten der im Felde stehenden bernischen Kriegsobersten,
Privatbriefen u. dgl. zu finden und zu berichten gewesen wäre,
ersehen wir aus verschiedenen in Frickarts Twingherrenstreit
gelegentlich eingestreuten Andeutungen1) und aus den von
Löhner im Schweizer. Geschichtsf. VI, S. 321 f. VIII, S. 110 ff.
aus dem Thunerarchiv mitgetheilten Berichten und Correspon-
denzen. Die Chronik von Hans Früud ist im vorigen Jahr
(1875) im Auftrag der allgemeinen geschichtsforschenden Ge-
sellschaft der Schweiz zum erstenmale von Herrn Cantous-
archivar Kind in Chur herausgegeben worden, und was
Tschachtlan am Wortlaute seines Originals verändert oder in
seltenen Fällen- beigefügt hat, ist unter dem Texte als ab-
weichende Lesart bemerkt Auslassungen finden sich indessen
häufiger, als Zusätze; denn in einer Geschichte Berns, die
sich Tschachtlan zum Vorwurf gemacht hatte, konnte natür-
lich der Zürichkrieg nur als Episode und daher nicht in der
Ausführlichkeit beschrieben werden, in der ihn Fründ dar-
gestellt hatte; daher gibt er mehr einen Auszug aus letzterem,
unterdrückt einige für Bern nachtheilige Bemerkungen und
ändert oder läßt alle Stellen aus, in welchen Fründ in eige-
ner Person von sich spricht, um so die Einheit des Werkes
und seines Verfassers möglichst zu wahren. Es war das da-
mals allgemeiner Brauch unter den Historikern, und luzer-
nische und freiburgische Chronisten verfuhren mit den Chro-
niken Justingers und Schillings nicht anders. Ihre Werke
galten als Gemeingut und der Vorwurf eines Plagiats war
damals imbekannt.
Sehen wir nun von denjenigen ab, was Tschachtlan von
seinen Vorgängern, Justinger und Fründ, entlehnt hat, so
bleibt als zur Publication geeignet von seiner Chronik nur so
viel übrig, als er aus eigenen Mitteln an historischem Stoff
gesammelt und zusammengestellt hat und wofür er bei dem
Mangel an anderweitigen gleichzeitigen Aufzeichnungen als
‘) S. oben S. 75, 137, 145, 164.
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Vorwort.
193
Quellenschrift dienen kann. Es ist dies derjenige Theil sei-
nes Werkes, den er als Fortsetzung der „statt chroneck“
(Justingers) und als Darstellung dessen, was er „in gloub-
samer geschritTt zusamengelesen, ouch zum teil selber gelebt
und etlichs gesehen hat“, mit einer besondern Vorrede ein-
führt und worin er 1) einige Bern betreffende Begebenheiten
aus den Jahren 1423 — 1440, vermuthlich aus flüchtigen No-
tizen des damaligen Stadtschreibers, Heinrich von Speichingen,
oder seiner Kanzleigehülfen geschöpft, mittheilt, und dann, im
Anschluß an den der Fründ’schen Chronik entlehnten alten
Zürichkrieg, 2) den Krieg Berns mit Freiburg (1448 — 53) er-
zählt, 3) den Ueberfall Rheinfeldens (1448), 4) Bern’s Hülfe-
zug nach Savoi (1454), 5) den Zug in’s Hegöuw (1456), 6) den
Constanzerzug (1458), 7) den Algöuwerzug und den nach Dies-
senhofen (1460) nebst einigen bernischen Ereignissen aus den
Jahren 1461 — 66. In das Jahr 1466 fällt der Abschluß des
25jährigen Bündnisses zwischen Mülhausen und den Städten
Bern und Solothurn, und daran knüpft nun Tschachtlan 8) den
Krieg der Eidgenossenschaft mit der Herrschaft Oesterreich
(1467 und 68), nämlich den Zug nach Mülhausen (15. Mai 1468),
den Zug in’s Sundgau (21. Juni) und den Zug nach Waldshut
(25. Juli). Den Schluß macht 9) eine Schilderung des Twing-
herrenstreits, die uns eine erwünschte Ergänzung zu der
Schrift Th. Frickarts liefert; doch ohne diese letztere würde
uns dieser Streit nie in seiner tieferen, staatsrechtlichen Be-
deutung klar geworden, sondern lediglich als ein hartnäckiges
Behaupten standesrechtlicher Privilegien in äußerlichen Din-
gen, in Putz und Kleidertracht, von Seite des Adels gegen-
über der aufstrebenden Bürgerschaft erschienen sein. Die uns
von Frickart aufgezeichneten Verhandlungen der beiden Räthe
zeigen uns den Venner1) Tschachtlan in diesem Streite je-
weilen auf Seite des Führers der conservativen Minderheit,
des Seckeimeisters Fränkli (S. oben, S. 33, 56 , 61, 156).
*) Venner war er »eit 1469 und blieb es bis 1473; in den großen Bath
trat er 1452, in den kleinen 1458 nnd wieder 1465, nachdem er inzwischen
die Vogtei Bnrgdorf verwaltet hatte. Sein Tod erfolgte 1493.
V£ueUeu zur ScUweizcr-GeacUichte. 1« 13
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104
Vorwort.
In seiner Chronik, wo er einfach Geschehenes berichtet ohne
sich ein Urtheil darüber zu erlauben, fand sich keine Gelegen-
heit, seine politische Ueberzengung, etwa durch eingestreute
Reflexionen; hervortreten zu lassen; und da wo sich, wie
etwa im Twiugherrenstreit, eine Gelegenheit dazu darbot,
beobachtet er über das Wesentliche des Streits ein diploma-
tisches Stillschweigen. Wie ganz anders Th. Frickart! Und
doch hat Tschachtlan nicht etwa, wie einst Justinger, im Auf-
trag und unter Controlle seiner Obrigkeit sein Buch geschrie-
ben ; es ist eine Privatarbeit, die sein und seines Mitarbeiters
Titlinger Eigenthum blieb, über welches sie testamentarisch
verfügten. In einem der in Zürich befindlichen Original-
handschrift voigesetzten, von einer andern, aber gleichzeitigen
Hand geschriebenen Blatt ') steht nämlich die Notiz : wand
nun diese croneck also geschriben und gemalet ist durch die
obgenanten zwen man, so haben si sich des geeinbert, das
sölich ir buch und croneke ira beider wesen und beliben sol,
diewil so si beid in leben sind; wenn aber wäre, das ir
einer von todes wegen abgan wurd, das Gott lang wenden
welle, denne so sol dem lebenden dis cronik beliben und sin
in erbes wise als sin frei eigen one hindernusse allermenck-
lichen.“
Worin der Antheil Titlingers an der Abfassung des Buchs
bestand, ist aus den dem Angeführten vorangehenden Worten
nicht ganz deutlich. Sie lauten: „In dem jar als man zalt
von der gebürt Christi 1470 jar, wart dise croneck geschriben
und gemalet durch den fromen Bendicht Tschachtlan, fenner
und des rats zu Bern, ouch durch Heinrich Titlinger, schriber
des buchs“ u. s. w. Der Ausdruck „schriber des buchs“ be-
zeichnet nicht nothwendig den Verfasser, so daß etwa Tschacht-
lan nur die Bilder gemalt, Titlinger den Text verfaßt hätte,
zumal die Anfangsworte die Chronik als von Venner Tschacht-
lan „geschriben und gemalet“ bezeichnen; vielmehr hat es
den Anschein, dem Titlinger komme nur das Verdienst einer
Reinschrift des Conceptes zu. Wenn daher die Tradition die
*) Es folgt unten am Schluß der Chronik.
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Vorwort.
195
Chronik nur unter dem Namen Tschachtlans kennt, so dürfte
diese Benennung nicht blos der höheren Würde des Venners
zu verdanken sein.1) Nach dem Tode der beiden Verfasser
kam das Buch durch Heirath der einzigen Tochter Tschacht-
lans zuerst in die Familie Stockar nach Schaffhausen, und
von da nach Zürich in die Familie Ziegler, von der es auf
die Zürcherische Stadtbibliothek geschenkt wurde. Die Hand-
schrift bildet einen schön auf Papier geschriebenen, mit bun-
ten Bildern verzierten Quartband und trägt die Nummer A 120.
Da dieselbe nicht wol aus ihrem dermaligen Aufbewahrungs-
orte entfernt werden konnte, so diente zu Herstellung gegen-
wärtiger Ausgabe der Text einer ebendaselbst vorhandenen,
sehr sauber und correkt verfaßten Abschrift aus dem 17. oder
18. Jahrhundert (A 76), die zu diesem Behuf Hr. Professor
Dr. Georg v. Wyß mit dem Original zu vergleichen und zu
verbessern die große Gefälligkeit hatte. Zum Ueberfluß ist
noch eine mit zum Theil verblaßter Dinte geschriebene, durch
Auslassungen und Mißschreibungen vielfach entstellte Copie
verglichen worden, die sich unter der falschen Aufschrift
„Justingers Chronik“ auf der Berner Stadtbibliothek befindet
(H X, 34) und über welche das Nähere im Archiv des histo-
rischen Vereins des Cantons Bern IV, 4, S. 61 nachzu-
sehen ist.1)
Der offizielle Charakter, welcher der Chronik Tschacht-
lans abgeht, kommt dagegen in vollem Maße seinem gleich-
zeitigen Ueberarbeiter und Fortsetzer, dem Gerichtschreiber
Diebold Schilling, zu, dessen dreibändige, in Folio auf
'} Von älteren heroischen Geschichtsforschern wnrde Tschachtlan auch
als Verfasser eines heroischen Zeitregisters von 1451 — 1477 angeführt,
eine Meinung, welche von F e t s c h e r i n im X. B. des Archivs für schwei-
serische Geschichtsforschung 8. 3 ff. mit einer so umständlichen Gründlichkeit
widerlegt worden ist, daß man sich wundern muß, dieselbe in dem „Prodro-
mus einer schweizerischen Historiographie“ (Bern, 1874) 8. 167 wieder auf-
gefrischt zu finden, zumal S. 148 des Richtige bereits gesagt worden war.
>) Merkwürdigerweise steht darin ein Blatt, welches im Original selbst ab-
handen gekommen ist und daher auch in der Zürcherabschrift fehlt; man
vgl. in letzterer die Bemerkung auf S. 309.
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196
Vorwort.
Pergament geschriebene, mit „me denn 600 köstlicher figuren“
ausgestattete Chronik „uff s. Stephanstag zu wienechten, da
man zalt von der gebürt Christi 1484 jar“,1) von dem Ver-
fasser seiner Obrigkeit zum Geschenk gemacht und von dieser,
nach Beseitigung der bisherigen Stadtchronik Justingers an-
erkannt und dem Staatsarchiv einverleibt wurde. Von da
kam sie dann um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in die
Handschriftensammlung der öffentlichen Bibliothek, wo sie
(H I, 1) sich gegenwärtig noch befindet.
Schilling hat seiner Stadtgeschichte fllr die Jahre 1191 — 1470
die Arbeiten seiner Vorgänger, Justinger und Tschachtlan, zu
Grunde gelegt und namentlich den letzteren bedeutend abge-
kürzt. Er führt dann die Geschichte seiner eigenen Zeit fort
bis 1480, und hat sich durch Schilderung der Burgunderkriege,
an welchen er persönlich Theil genommen, ein besonderes
Verdienst erworben. Die zwei ersten Bände seines Wer-
kes, welche die Geschichte der Stadt bis auf das Jahr 1466,
bis zu dem Kapitel: „Als Frutigen, das schön dorf, verbrann“,
herabführen, sind von den beiden bernischen Geschichtsfor-
schern Em. Stier lin und J. R. Wyß unter den Titeln
Justingers Berner-Chronik und Tschachtlans Berner-Chronik
(Bern, 1819 und 1820) herausgegeben worden. Der dritte
Band, welcher den Rest der von Schilling überarbeiteten
Tschachtlan’schen Chronik (bis 1470) und dann seine Fort-
setzung derselben bis 1480 enthält, ist bereits 1743 in einer
Folioausgabe mit dem Titel: „Diebold Schillings Beschreibung
der Burgundischen Kriege“ anonym zu Bern gedruckt worden.
Mit Ausnahme einiger orthographischen Neuerungen schließt
sich der Text dieser Ausgabe ziemlich genau dem Original
an; nur sind die sechs Kapitel, die im Anfang stehen sollten,
durch einen argen Verstoß des Setzers erst S. 12 — 17 abge-
druckt und der Text zu der Aufschrift: „das Züllissen, das
schön schloß“ u. s. w. (auf S. 12) folgt erst am Fuß von S. 17.
Das in sachlicher oder sprachlicher Beziehung Bemerkens-
werthe der Schilling’schen Ueberarbeitung seiner beiden Vor-
*) S. Haller, Schweizer, ßiblioth. IV, 8. 312.
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Vorwort.
197
gänger, Justinger und Tschachtlan, ist mit der Sigle Sch. in
den Varianten der neuesten Ausgaben Justingers und Fründs,
des letzteren, so weit es den Bericht über den alten Zürich-
krieg betrifft, unter dem Texte hervorgehoben worden und
kann überdies in den Ausgaben von Stierlin und Wyß in
seinem Contexte nachgesehen werden. Den Uebelstand, daß
Tschachtlan eine ostschweizerische, Bern und seine Interessen
nicht vorzugsweise berücksichtigende Chronik in seine ber-
nische Stadtgeschichte verwebt hat, sucht Schilling dadurch
zu verdecken, daß er überall, wo von den Eidgenossen die
Rede ist, dafür setzt: „die von Bern und die andern Eidge-
nossen.“ Auch fügt er hin und wieder in der Weise Justin-
gers Reflexionen und Nutzanwendungen bei; allein wesentliche
Ergänzungen oder Verbesserungen seiner beiden Vorgänger
enthalten die zwei ersten Bände seiner Chronik nicht. Anders
verhält es sich in dem dritten Bande mit demjenigen Theile
der Tschachtlan’schen Chronik, der in der Ausgabe von Stier-
lin und Wyß nicht mit abgedruckt worden ist. Je mehr
sich nämlich die Zeiten, welche Tschachtlan beschreibt, dem
7. und 8. Dezennium, d. h. derjenigen Epoche nähern, in wel-
cher Schilling in bernische Staatsdienste trat1) und daselbst
Burger wurde, um so zahlreicher und ergiebiger werden seine
Zusätze zu den oft etwas kargen Berichten Tschachtlans;
und weil er die von ihm mit erlebten Begebenheiten der
Jahre 1467 — 70, den Mülhauser- und Waldshuter-Zug nebst
dem Twingherrenstreit mit ‘größerer Selbstständigkeit be-
arbeitet und die Tschachtlan’sche Relation wesentlich erwei-
tert hat, so scheint er diesen Theil des Werkes in Verbin-
dung mit seiner Geschichte der burgundischen Kriege als
seine eigene Arbeit betrachtet zu haben und setzte deshalb
seinem dritten Bande eine besondere Vorrede vor.
Bei dieser Sachlage war es nicht wohl möglich, in gegen-
wärtiger Ausgabe dem Texte Tschachtlans aus den Parallel-
abschnitten Schillings überall nur einzelne Varianten unterzu-
setzen ; der Abweichungen und Erweiterungen, die nicht selten
•) Etwa seit 1450; 1468 wurde er Mitglied des Gr. Raths.
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198
Vorwort.
ganze Kapitel ausmachen, waren zu viele. So wurde lieber
gleich der fortlaufende Text aus Schilling dem kürzer gehal-
tenen Tschachtlan’schen beigesetzt, damit die Vergleichung
zwischen beiden um so leichter werde.
Wenn nun so alles, worin Schilling von seinen Vorgän-
gern abweicht oder was er vor ihnen voraus hat, in den Les-
arten der Ausgaben Justingers, Fründs und Tschachtlans ent-
halten ist, so wird sich in einer allfällig späteren Publication
seiner Burgunderkriege der Herausgeber auf Mittheilung dessen
beschränken können, was Schilling als Fortsetzer Tschacht-
lans geleistet hat und was seine unbestritten selbstständige
Arbeit ist.
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Durch des willen, das allermenklich zu ewigen zitten in-
gedenk und offenbar sy, was redlicher und manlicher tat und
wie die löblich statt Bern und die würdigen Eidgnossenschaft
ir Sachen dahar biß uff dise zyt, als diß buch geschriben
5 ist, gebracht und gefürl hand, und all Berner zu ewigen zy-
ten nach alten vergangenen Sachen sich wüssen in allen Sa-
chen dester wyslicher ze halten, so han ich etlich vergangen .
Sachen, so beschechen sind in diser statt Bern und ouch zum
teil in der Eidgnossschaft von diser jarzal hin als denn der
i® statt chroneck von Bern erwunden ist untz uff dis zyt, als
ich das denn in gloubsamer geschrillt zusainengelesen han,
ouch zum teil selber gelebt und etlichs gesechen han, in ge-
schril't gesetzt und ingeschriben, so ich best könnt, als man
das hienach in disem buch findet. Und ward diß buch us-
is geschriben in dem jar, als man zalt tusend vierhundert und
sibenzig (1470) jar. Gott helf dem schriber! M7 o
1. Wie Grassburg und das land Schwarzenburg und Guggis-
perg in der von Bern band komen ißt.
In dem jar als man zalt tusend vierhundert und vier und [1423]
20 zwenzig jar1) kam die veste Grassburg und das land Schwarzen-
burg und Guggisperg in der von Bern hand, und kouften es
von einem herm von Safoi umb achttusend rynisch guldin.
2. Das kung Friderich, Römischer kung, gan Bern kam,
Da man zalt tusend vierhundert und zwei unddrissigjarkam 1432
25 kungFridrich, Römischer kung, geboren von Oestrich, gan Bern, [W4*]
am sechsten tag des anderen herpstmanodes an einem sontag.1) [Oct.i]
') Soll heißen 1423, s. Becueil diplomat. du Canton de Fribourg VH, 141 :
Convenit avec Berne au sujet de Urasb.iySept. 1423. ’) S. FründsChron.S. 109 ,
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Freibnrgerkrieg.
3. Das zwen jung herren von Savoi gan Bern kamen.
1438 Da inan zalt tusend vierhundert und acht und drissig jar
kamen zwen jung herren von Savoi gan Bern und danketen
minen herren, das man inen hilf zugeseit hat wider die Schint-
ter oder Schnaggen, die inen in das land gezogen warend, 5 •
das man da nempt Burg in Bress; und kostet das min herren
von Bern by achthundert guldin. Denn si schanktend inen
und allem irem volk was si hie verzartend untz an den drit-
ten tag.
4. Ein sterbett zu Bern. «
1439 Als man zalt tusend vierhundert drissig und nUn jar
vieng es zu Bern an sterben zu ingendem ougsten, und starb
man fast untz wider wienacht; und sturbend eins tags zum
grössten vier und zwentzig liehen. Man meint ouch, das
über eilf hundert menschen des sterbettz stur bin ze Bern in w
der statt
5. Das der b&pst, ein herr von Safoi, zu Bern inritt,
1440 An dem achtzechenden tag brachmanodes do man zalt
Jun.is tusend vierhundert und vierzig jar kam der alt herr von
Safoi gan Bern, als er gan Basel wolt und bapst worden »
was. Do reitt er zu Bern in mit grosser herrschaft.
(£"* folgen nun beiläufig 270 Kapitel, die lediglich eine abgekürzte
Reprodurtion von Fründt Chronik vom alten Zürichkrieg ent-
halten. Da toi'r di u Originaltcerk, dat Tschachtlan zum Grunde gelegt
hat, selbst noch besitzen, so wäre ein Abdruck dieses Theils der Tschaclu- »
Ionischen Chronik ebenso nutzlos, als wenn wir die erste Hälfte seines
Werkes, in welcher der Test Justingers auf ähnliche Weise wieder-
holt und überarbeitet ist, wieder abdrucken wollten. Die bemerkens-
werthesten Zusätze und sonstigen Abweichungen Tschachtlans von dem
Teste jener beiden Chroniken sind in den Ausgaben dieser letzteren »
jeweilen unter dem Texte beigefügt.)
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Freibnrgerkrieg.
201
6. Von dem schnee im mertzen.
Do man zalt tusend vierhundert und acht und d rissig
jar am zwölften tag irn mertzen, do viel ein grosser schnee,
grösser denn er des winters ie was gevallen, und ward kalt,
5 und wärt untz am nünzehenten tag im mertzen, das war si-
ben tag dass der snee lag. Do kam ein grosser regen und
wind und trib den schnee glich ab, und ward das wasser gross;
und gieng unden in der Gerwer graben ein löwina an und
trug bynach zwei hüser hinweg und der ringkmur ein ort
und gieng hinab in die Ar. Darnach kam desselben jares
ein grosse thilre ze körn und ze wyn; denn man musst ge-
ben umb ein mlltt dinkel zween guldin und umb ein miitt
kernen acht pfund, und umb ein mütt haber galt 2 pfund,
und ein mUtt roggen 7 pfund, und galt ein mass wyn zween
is plappert. Das wärt ein jar.
7. Der anfang des Friburgerkriegs.
In dem jar do man zalt von Gottes gebürt tusend vier-
hundert acht und vierzig jar was der krieg zwtischen horzog
Ludwig von Safoi, dess vater zu der zyt bapst was, und der
*> statt Friburg im Oechtland, und warend die von Bei n des
hertzogen belfere. Und was die sach also zugangen.
An dem ersten: Vormalen vor etwas jaren hat der hertzog
von Oestrich oder die sinen dem kämmerling des hertzogen
von Safoi etwas gelts genomen, wol uf vierthuseng guldin
25 oder mer; das wolt der hertzog von Safoi an der statt Fri-
burg bekomen, und understund inen das ira ze pfenden, und
verhall inen all ir gute das si zu Genf hattend und an andern
enden under im, und was die iren flirtend durch sin land,
das verhaft man inen und nam inen das, sover das si den
30 genamsten hertzogen mantend ir vereinung, so si zewamen
Schilling. 13. achthalb.
9. Die Zürcher- und Bernerabschrift: by nacht.
1438
Märs
12
1448
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Freiburgerkrieg.
202
[1445 hattend, inen das ir ze kerende. Und namend sich die von
Oct. si Bern an darunder ze redende und ze tädingen, und schufend
' ^ mit dem hertzogen von Saldi, das inen das ir entschlagen
Vrib. und zu guter mass widerkert wartt.
Nu macht sich zu derselben zyt, das die von Zürich und 5
von Schwytz einen krieg miteinandern hattend, und hattend
sich die von Zürich zu dem hertzogen von Oestrich verbun-
den, nach dem und denn hievor im Zürichkrieg geschriben
stat, und ein herrschaft von Oestrich den Delphin in das land
bracht; und sobald man das vernam, das das Welsch volk w
also zu land körnen solt, do mantend die von Bern die von
Friburg, ir mitburger, das si inen hilflich sin sölten wider
die Welschen herren nach ir bünden sag. Des wollen die
von Friburg nit tun und meinten, si sölten es nit tun, wand
es wäre wider ir herren von Oestrich. Darumb wurden inen 15
die von Bern ungünstig, und was der erst Unwillen zwüschent
inen. Also hattend nun die von Friburg soldner von Wallis
in ir statt, die trugen alle pfauwenfedern lange in ir hüten,
und ander die in ir statt warend: das verdross aber ein teil
lüt zu Bern von der herrschaft wegen, und meinten, si her- a®
schelotin.
t446 Und in dem jar da man zalt tusend vierhundert und
Mai 3 secj)sundvierzig jar ze ingendem meyen an des helgen crützes
aben, als man gan Friburg uf den jarmärit gefaren was, da
kamen suß gesellen ouch dar, und mit denen der nachrichter
von Bern ; also viengend si neiswas geverdes undereinandern an,
sover das die von Friburg den henker von Bern todt schlu-
gen, und wundtent etlich ander ouch ; doch so seit man vast,
es beschäche darumb, das der henker von Bern die 60 man
von Griflensee enthouptet hat ; denn si schruen : hie Griffen- »>
see! Do ward der nyd und der Unwille noch vil grösser
zwüschen beiden stetten.
Schilling. 13. Das — überein nit tun. 19. 20. die von Bern
und ander ir eidgenossen. 20. si schmektend nach der herr-
schaft. 26. miteinandren. 27. mit kleinem rechten ze tod schl.
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Freiburgerkrieg.
203
Ouch hat sich gemacht, das ein span was zwüschen Ru-
dolph von Ringoltingen und Hentzman Velgen von Loysen,
Peterman Ritschen seligen tochter von der ehe wegen, da
Rudolph von Ringoltingen meint, si hätte sineui sun Hein-
s riehen am ersten die ehe verheissen, und aber Hentzman
Velg meinte, si hätten im die ehe verheissen, und wöllte in
ouch haben. Dess nam sich herr Wilhelm Velg, ritter, an,
von sines bruders Hentzman wegen, und ander sin fründ.
Und als si zu beiden siten und in beiden stetten wol ge-
io frünt waren, stunden inen ire fründ zu beiden siten by, und
leitend sich die von Basel darin, von Solotern und ander
eidgnossen , und wurdend darumb vil tagen geleistt ze
Bern mit grossen kosten, ze Friburg, ze Soloturn und an-
derswo, das man die Sachen gerne zu gutem gebracht hette. /
is Das mocht inen nit gelangen. Zum letsten kamen beid teil
ze recht für das concilium ze Basel und unserem heligen
vater dem bapst, und tädingetend da mer denn zwei jar, und
gieng grosser kost darüber und kamend beid teil tür. Am
letzten, da urthel, vil kost, müy und arbeit über die Sachen
*o gangen warend, do gieng die tochter in ein beschlossen
kloster zu Basel an den Steinnen. Und als nun Rudolph von
Ringoltingen die alte Ritschin, der tochter mutter, hat und
si sin ehelich wyb was, do für er zu und kouft der tochter
gut von der tochter, und von den frouwen an den Steinen
ss umb sibenzehn hundert guldin. Als nun das herren Rudol-
phen von Wipingen fürkam, der der tochter nächster vater-
mag was, do für er zu und kouft das gut von der tochter
und den frouwen an den Steinen umb drytusend guldin.
Und also wolt ietweder teil das gut haben, und tädingetend
ao lang darumb und gieng aber grosser kost darüber. Als nun
beid teil in beiden stetten wol gefründt warend und die inen
vast bystundend mit iren anhängern, das macht, das der Un-
willen, nyd und hass aber noch grösser war, und ouch von
worten wegen, die si gegen einandem bruchten, dardurch alles
Schilling. 6. hätte. 19. da ieglicher teil vermeint, ihm
werde die brut. 33. 34. und gar vil unnützer Worten gebrucht.
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204
Freiburgerkrieß.
beid stett zu grossem Unwillen kament und einandren ir bünden
ermanten etc. Und als die genampten stett, Basel, Solotum
und Biel, sich in den Sachen arbeiten und dess grossen ko-
sten hatten, das si die beiden stetten gern gütlich betragen
und den Unwillen hingeleit und ouch die spane von der ehe 5
wegen, das mocht inen nit gelangen.
8. Wie es sich machet biss an den krieg.
Und als nun der herzog von Oestrich und die von Zü-
rich mit denen von Schwytz einen grossen tötlichen krieg
hattend, als vorstat, do wurdend die Sachen zum lesten in 10
ein recht betildinget und zu richtung uf den durchlüchtenden
herzog Ludwig, pfalzgraf by Rin, als ouch vorstat. Und do
mocht die sach nit gesetzt werden noch zu richtung komen
des herzogen von Oestrich halb, der unwill, so zwüschen
beiden stetten Bern und Friburg was, wurde denn ouch hin u
und abgetan. Des gewaltes wolten sich die boten von Bern
uf den tag zu Costenz nit annemen untz für ir herren. Also
schikte der genambt unser herr der pfalzgraf sine treflfen-
liche botschaft, mit namen den von Thalheim und andere
mit der von Strassburg, Basel und gemeiner Eidgenossen bo- a>
ten haruf gan Bern, die Sachen an si ze bringen und si ze
bitten, iren willen zu disen Sachen ze geben. Als nun die
sach also vor rät und burger zu Bern kam, do wurdend si
zu rat, sittmals der jung fürst, unser herr der pfalzgraf, sich
so getrüwlich in den Sachen gearbeitet hett und sich so gnä- m
dig und gütig in den Sachen bewisen, das man in denne
der bitt eeren sölte und im die Sachen übergeben. Und das
beschach ouch und wurdend im die Sachen übergeben, und
tät er ouch sinen Spruch darum b, desselben spruchbriefs ein
abgeschrift hievor stat in der richtung, da denn der Zürich- so
[i446 krieg verschriben ist.1) Und von kraft des Spruchs getorsten beid
stett den Unwillen nit fürer grünen noch rügen, das si daran
nit überfüren. Und gestundent die Sachen also etwas zytes.
‘) S. Fründs Chron. S. 279.
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Freiburgerkrieg.
205
9. Nun fürba8 bis uf den krieg.
Nu hatten die von Friburg vormalen herm Wilhelmus
von Aventschen, ritter, iren schultheiss, in straf genommen
und in gelanknusse um Sachen, die er denn gegen inen ver-
6 schuldt solt haben, und hat er in ir statt geschworen nit
herus ze komen denn mit irem willen, und sich darumb
gegen inen verschriben. Der kam nu von ir statt, ob das
mit oder one iren willen was, weiss ich nit. Und der reit
do zu dem herzogen von Safoi und ruft in umb hilf an wider
io die von Friburg, als er sin man was; und der enthielt in in
sinem land und in sinen schlossen; und zu dem schlugend
allerlei knechten und die kriegten uf die von Friburg; und
warend under den gesellen Hagelstein, Pfefferli von Arberg
und andere etc. Und wiewol man seit, es wäre denen von
is Bern leid und si inen ouch das verhütten, nützit dester
minder triben si das und bekriegten die von Friburg. Si
wurden aber hernach gestrafet.
Als sich nun die Sachen untzhar also ergangen hattend,
do lag noch der nyd und Unwillen in dem herzogen von Sa-
so foi gegen den von Friburg, und sprach die an und hat an-
sprach an si und verbot allen den sinen, das man inen durch
sin land ntltzit liesse zukommen, das si ouch tatend : und hat
also march uf si geleit, und also ward ein tag geleit gan
Jenff. Da kamen die von Friburg hin, und mit inen des
äs herzogen von Oestrich botschaft, und was der von Bern bot-
sehaft ouch da und ander. Und leisten einen treffenlichen
tag und buten einandereu gross recht. Das mocht alles nit
helfen, und schiedent also ungeschaffet vom tagen. Also ka-
mend da gan Losen der stadt Basel, Soloturn und von Biel
so boten zu dem bapst und des herzogen räten, und warend
der von Bern boten ouch da, und suchten zwüsehen beiden
teilen, ob si nützit gutes finden könnten und reittend liarab
gan Friburg und gan Bern und wider uf, und wurbend und
suchtend das beste, das aber nüt helfen mocht.
Schilling. 34. Das mocht ouch nüt verfachen und
helfen; dann der herzog von Safoi ganz über die von Friburg
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Freibnrgerkrie^.
Und als nu der h erzog von Safoi denen von Friburg
die richsstrass also abgeworfen hatt und march uf si geleit,
das verdross si also ser, und zugend gan Vilarse vor die
veste und gewunnen die und namend zween gefangen darus
H47 der iren, und namend was da was und furten das heim in »
°2o *r s^tt und verbranten die veste in grund.
10. Dass die von Friburg für Montenaoh zugen.
Dez. Darnach zugend die von Friburg aber us, uf der helgen
24 nacht zu wienachtt für Montenach, und gewunnen die statt
und erstachen neiswie menigen, und verbranten die statt und »
was guts da war furten si heim in ir statt. Die veste mochten
si nit gewinnen. Und warend ir houptlUt herr Peter von
Mörsperg und Ludwig Meyer.
11. Dass die von Bern mit macht für Friburg zugen.
Das verdross den herzogen von Safoi und mante die von u
Bern umb hilf. Die von Petterlingen und von Murtten vorch-
ten sich fast übel vor denen von Friburg und manten ouch
die von Bern ; do seiten inen die von Bern hilf an, dem her-
zogen und inen, wider die von Friburg und zugen us mit ir
paner gan Murten, und kam des herzogen volk von Safoi. *o
!i44S Zu dem zugen si hin uf gen Wibelsburgund wurden da ze rat, was
'on'el si tun wölten und wurden ze rat, das si zugen für Friburg, und
huwen inen den galgen ab und branten denen von Friburg alles,
was si enent der Sanen hatten. Also was ein harst für die statt
Friburg getrapt mit herm Wilhelm von Avenschen und anderen. »
Und kamend die von Friburg herus und viengen den herrn von
Momütschiez und furtend den in ir statt hinin und was ein
erzürnt war und wolt von keiner riehtung noch täding über-
ein nit hören reden, und vermant allweg die von Bern über
si, wie ungern si das taten. So warend ouch die von Friburg
darhinder komen und durch ir frömbden und üngetrüwen
houptlüt so ganz verwiset, das inen glük und unglük glich
war. Domit wolt sich der schimpf machen. 19. w. die v.
Frib., und taten das ganz ungern.
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Freiburgerkrieg.
207
gut wyl in der statt als ir gefangen. Und als nun der krieg
angangen was und die von Friburg dem herzogen von Safoi
schaden getan hatten und uf in gebrönt hatten, als vorstat,
und denen von Bern in der herschatt ze Louppen ouch scha-
5 den zufiigen weiten, zu Nüwenegg und anderen dörfern, do
hattend die von Bern grosse hutt wider si an den hegen, und
hatten gross wächte.
12. Die mansohlaoht in der Galternen.
Also in denen dingen machte sich, das die von Friburg,
io an dem donstag zu nacht nach ostern, do man zalt tusend
vier hundert und acht und vierzig jar, uszugen mit einem
grossen reisigen volk, und was ir houptman Ludwig Meyer
by inen, und zugen gan Guggisperg und gan Grasburg, und
si warend denen vigent darum das si sich an die von Bern
is hieltend und von inen in den löufen, als dann die herrschaft
halber ira was und halber dera von Bern. Und kamend die
von Friburg ftir die hegin und stigen in das land mit leitern
und verbranten das land Guggisperg und Sch warzenburg und
erstachen acht man da; und was Peter von Gryers houptman
s.i da von der von Bern wegen. Der ward ouch erstochen.
Und als si nun das land branten, do sach man zu Bern
den rouch, do man zu Barfussen mess hatt, und gaben ouch
die uff den hüten wartzeichen. Do wurdent rät und bur-
ger schnellenklichen ze rat, das si uszugent. Und zugen
*5 gegen der statt Friburg zun Siben Furten über die Sensen die
heimlichsten weg und den kürzesten gan Täfers und fürhin
an die strass; und kamend zwüschen die fyent und die statt
Friburg. Und als nun die von Friburg gebrönnt hatten, da
plündereten si und namen das vich und sumten sich damit,
an das si nit wider in ir statt körnen mochten. Und kamend die
von Bern also an ir vigent by Täfers uff dem veld und griffen
si an by der Galternen uf der nüwen matten in dem namen
Schilling. 6. und hattend wider si grosse hut und wacht in
einem u. dem anderen. 15. hielten und nit zu denen von Friburg.
24.25. und zugeud als die wütenden löwen angents. 31. die von
1448
März
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Freibwgerkrieg.
1448
März
29
Gotfcs. Alsobald namend die fyent die flucht, und erschlugend
und erstacheud ira by dryhundert, etlich meintend irer wären
über vierhundert, die da verlurend, und jagten si in die
Galteren; und verluren die von Bern nit mer denn fünf man;
wol wurdend mer denn viertzig wunt übel, das etzlicli stur- s
ben. Und beschach diss in dem angriff; denn gar wenig ge-
sellen den angriff tatend. Und also behüben die von Bern
das veld mit grossen eren, und kamen die von Friburg mit
schautlicher flucht heim, die nit erschlagen wurdent an der
getat. Man zog ouch die toten alle us, und beleih man über io
nacht uf der waldstatt. Es war ouch by diser redlichen ge-
tat niemauts denn die stattlüt von Bern und wenig dorilüten
zenächst an der statt gesessen und die soldner, die si hatten,
bi inen, die inen hülfen der hegen hüten. Man schätzt ouch,
das dera von Bern warend wol uf die achthundert an der 15
getat, und deren von Friburg wärent by zweytusend oder
sechszehn hundert. Und wertend sich die von Friburg am
ersten angriff redlich, untz das man sitlingen in si brach, do
gewunnend si die flucht. Und beschach dise getat am nech-
sten fritag nach ostern in dem vorgenanten jar. Es ward 20
ouch dozemal ufgesetzt, dem allmechtigen Gott zu lob und
ze ehren, des man ouch biUigen in dankbarkeit niemer ver-
gessen soll, denselben fritag zu l'yren järlichen und ewenckli-
chen, ouch ein löblichen crützgang ze tun uf den tag, ouch
all fritag durch das ganze jar sol man bäten ze mittemtag 25
fünf paternoster und avemaria dem bitteren sterben und herz-
brechen unseres hern 'Jesu Christi, wenn man mit der gros-
sen glocken lüten ist; war ouch dozemal ufgesetzt, aber sithar
Bern bi Taffers uf dem felde an si. 1. und namend si von
stund an mit iren nüwen houptlüten ein schantliche flucht.
3. und verjagtend si durch die Galteren. 9. flucht, und war
man inen nachgeylt, so war die statt ouch gewunnen, denn
si mit den iren enent us fluchent. 12. und wenig dorflüten
umb die statt, und ouch der harst von Loupen, die sich gar
manlich und wol hielten und man ir ouch notdurft war.
15. aller miteinander nit 800.
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Freiburgerkrieg.
209
ist der virtag abgesetzt von etzlicher Ursachen wegen und
durch des besten willen; ist nit nottürftig hie zu melden.
13. Das man einen grossen ronb zu Friburg nam.
Darnach kürtzlich zog man zu Bern us und zugen gan £*484
s Friburg und namen ein roub vichs, by vierhundert höupten
schaf, ross, swin und geiss, und brachten den harheim mit
inen gan Bern mit gewalt und ane schaden. Darnach zugen
ouch gut gesellen etwe dick dar, und namen vil kleiner rou-
ben, und die Walhen von Safoi obenharzu ouch. Einsmals do
w zugend mutwillig gesellen gan Friburg, ira wol by drihundert
und namen einen roub vichs, und hattend den getriben für
Täfers herus und sumten sich zu lang. Also zugend die von
Friburg herus und fürzugen si ein teil und erschlugen ir
wol by sechs und zwantzig mannen UDd namen den roub
is wider. Das dett ungehorsame und hoffart. Wann die un-
seren wären wol mit dem roub darvon komen, hätten si
den wisen gevolget.
14. Wie man denen von Friburg ein but gestossen hat und
si gewarnet wurden von einem schärer.
so Darnach ward aber ein zug angeleit mit vil volks, und \>44S
zoch man für Loupen hin gan Friburg und stiess man inen
ein hut, und wolt man si herusgezöcktt haben, denn das si
gewarnet wurden von einem schärer, was ze Tun gesessen und
was ein frömbd, herkomen man. Doch so ward im sin Ion
»s ouch, dann er ward zu Solotern ergriffen und ward im sin
houpt abgeschlagen ; und hiess mit dem namen meister Andres.
Also was die sach vergebents und ward nüt darus.
Schilling. 1. den virtag und crützgang hat man umb
der von Friburg willen abgetan. 4. zugent die von Bern
aber mit einem venli g. Fr. 8. me dann einmal dar — und
nament alweg ir vech und anderes. 10. dritthalb hundert
mutw. knechten. 14. by 30 mannen. 27. und vematzt die
saeh miteinanderen.
Quellen zur Schweizer Qeechichte. I. 14
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Freiburgerkrieg.
1448
Juli 10
1450
Juli 25
15. Das der Friburger krieg verioht ward.
Also in dem vorbenambten jar, am sechszehnten tag
heuwmanodes, do ritten zwtlschen denen Sachen ein erbri
botschaft von Frankenrich und des herzogen botschaft von
Burgund und aller Eidgenossen botschaft und leiten sich so 5
trungenlich und ernstlich in die Sachen, das si es von den
gnaden Gottes ze friden brachten, doch in sömlichen Worten :
das die alte pündtniss ab wurdent gesprochen und das die
von Friburg musstend geben dem herren von Safoi 40000 gul-
din, in vier jaren bezalen, und 4000 guldin für Montenaeh io
und umb Vilarsy, das die von Friburg hatten verbrant unab-
gseiter sach, ouch musstend die von Friburg denen von Bern
vorab lassen die herschaft Grasburg mit ir zugehört, wannd
Grasburg ward vor halb dera von Friburg und halb dera von
Bern; und lies man gefangene gegen gefangene us, und vil a
Sachen ward zum rechten gesetzt uf graf Hans von Nüwen-
burg, burger zu Bern.
16. Wie herzog Albrecbt von Oestrich gan Friburg kam.
In dem jar, do man zalt tusend vierhundert und fünfzig
jar an St. Jacobs tag, do kam herzog Albrecht von Oestrich so
ingeritten gan Friburg. Da er nun zu Friburg was und etlich
Sachen mit inen da ftirnam, do waren etlich zu Friburg, brach-
ten irem herren, herzog Albrecht, für, wie si denn einen an-
schlag getan hätten von der von Bern wegen; do die vor
Rynvelden lagen, sollen si gan Bern gezogen syn und das »
ingenomen haben, damit si iren herren wol entschütt und im
bystand getan hätten; darwider aber sich etzlich gesetzt hät-
ten und nit wellen lassen zugan, sonder, sprechen si, wir sol-
len sollichs nit tun, denn die von Bern stand in guter friint-
schaft noch mit uns; wenn si zu veld ziechen, so befelchen si m
uns ir statt, land und lüt, und möchten das, wo es ze schul-
Schilling. 22. ftirnam, die umb des besten willen un-
derwegeu blibent. 28. und meinten, es wer mortlich und
unerlich getan.
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Freibur# kommt an Safoi.
211
den käm, mit eren nit verantworten. Do solichs h erzog Al-
brecht vernam, do t&t er ein teil derselben fahen; etlich ent-
ronnen ouch; und furt die gefangenen mit im gan Friburg
im Brisgöuw ab und beschützt die umb gut. Darnach wur-
« dent die von Friburg under inen selber in der statt und uf
dem land uneinhälig und partygig von etzlicher Sachen we-
gen, so inen deun begegnet was; und macht sich die sach
so ver das ein grosser uilouf in der statt beschach und si ge-
gen einandern zugent mit offnen Zeichen, die uff Burg wider
10 die in der Ouw, und was ein wunderlich ding und gefertt,
das niemants wist, wa er sines lebens sicher was; und
machten sich die Sachen iesoverr das by dritthalb hundert
mannen von der statt wichen und von dem iren mussten.
Und als man seit, so waren es fast derselben, die mit iren
is retten und getäten wareu darwider gewesen, das man nit gan
Bern ziecken solte und das schantlich böslich in understan
ze nemen. Und also nach vil vergangnen Sachen, do ka-
men si ir stössen und mishel uf ininen gnädigen herren schult-
heissen und rat zu Bern, die sich ouch so trungenlich und
2o ernstlich in die Sachen leiten und si also mit einander ver-
richten und si ouch zu beiden siten schwuren, keiner dem
anderen nit ze verwisen. Also in denen Sachen vernameut
mine herren von Bern ein grund der sach ganz, wie sich ieder-
man gehalten hat gegen den von Bern und in allen Sachen.
a» 17. Das die von Friburg kamen in die händ einer herscbaft
von Safoi.
Dise uneinhällikeit, span und stöss, die si undereinande-
ren hatten, waren ouch zu gutem teil von sölichen Sachen
wegen, das si ie meintend, einen anderen herren ze haben;
so und weiten ein teil haben den herzogen von Safoi, oder aber
die von Bern, etzlich wolten ouch haben iren herren von
Oestrich. Und die alse hotteten an eine herrschaft von Oest-
Schilling. 6. von allerlei Worten wegen, die einer dem
andern verweiss.
33. Die Berner Abschrift liest: houpteteu (Just. B. 35. 105).
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212
Freibnrg kommt an Safoi.
rieh, die engulten sin : denn etzlichen die höupter abgeschla-
gen wurden. Warumb si ouch also von ir herrschaft von
Oestrich stundent, hat etzlich merklich Ursachen darumb
das beschach. Die herschaft von Safbi und die von Bern
wolten si ufgenommen haben ingemein; das wolten die von 5
Friburg überein nit endun, das si zween herren haben wöl-
ten, und hatten ein herzog von Safoi und die statt Bern eine
vereinung under inen beiden gemacht und gelobt, das dewe-
der teil ze der statt Friburg ganz nützit tun solt an den an-
deren, nach dem und denn die brief wisent, so darumb ge- 10
macht wurdent. Ditz übersach der herzog von Safoi. Denn
nach mancherlei handlung und vil Sachen, do nam er si uf
Air die sinen und si in fllr iren rechten herren, und schwu-
rend im als irem rechten herren. Hie machte sieh erst ein
nüwe vigentschaft, denn er damit getan hat wider eid und is
ere, wider sine brief und sigel; er hat ouch vergessen der
früntschaft, so im die von Bern vor unlangem getan hatten,
das si durch sinen willen mit denen von Friburg in krieg
körnen waren, die doch ouch in püntnus mit denen von Bern
warend; und verdross also die von Bern ser und vast und so .
woltend den herzogen von Safoi bekriegt han umb das un-
recht. Da leitend sich die Eidgnossen darin und schiktend
ir botschaft darzwüschen, und ouch ander erbar stett, und
leitend sich so bedenklich in die sach, das ie nach vil er-
gangenen dingen die stöss verricht und verschlicht wurdent«
also in denen Worten, das der herzog von Safoi der statt
Bern geben müsst 15000 guldin für das unrecht, so er an
denen von Bern begangen hat.
18. Das die zwo statt Bern und Friburg ir burgrecht
ernüwertend. »
Also nach disen Sachen ward so vil geworben, das die
von Friburg ir alt burgrecht zu denen von Bern schwurend,
Schilling. 1. denselben etlichen wurden darumb ir höup-
ter abgeschlagen von mengerlei untrüw wegen. 11. darnach
nam der herzog von Safoi die von Friburg uf mit dero von
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Haut von Rechberg in Rheinfelden.
213
und emüwertend ir alten pündt, die getrüwlich und ewengk-
lich gegen einandern ze halten nach dem und denn die
brief darüber gemacht wisend.
19- Wie Hans von Eechberg Rynvelden mordlioh innam.
s In dem jar, als man zalt tusend vierhundert und acht
und viertzig jar, do tat Hans von Rechberg einen bösen
mortlichen anschlag, wie er Rynvelden möcht ingenemmen,
schamlich, wider Gott, er und recht, und besamlet ein volk
heimlich ; mit dem kam er von Loufenberg und von Seckin-
io gen den Ryn herab mit vier schiffen in bilgerkleidern ge-
kleidett, darunder hatten si harnisch. Si hatten sich ouch
vor beiden toren verschlagen, und furen uf mitwuchen nach
St. Gallen tag des vorgenambten jares zwüschen 10 und 11 vor-
mittag zu beiden toren in, und ab den schiffen zu einem tür-
islin hinin, heisst das kupfertürle und in die statt, und über-
fielend die. Die biderben lüt von Rynvelden wolten sich
weren, do was der vinden ze vil in der statt; also wurdent
die von Rynvelden by 10 erschlagen und mussten sich also
ufgeben. Ira warend ouch vil gefangen und übel gemarteret.
so Also machtend si sackman in der statt, und namen was da
was in iren gewalt, und stiessen die anderen us, und be-
sessen si die statt in gewalt und ane recht.
Darnach zu S. Johans tag zu sungihten und darvor ritten
die von Basel, von Bern, von Solotern und anderen richs-
25 stetten boten zusamen und darunder, und leistend tag mit
herzog Albrecht, und ward so vil gesucht und betädinget,
Bern willen und erlouben. Und wiewol er das am ersten
vor denen von Bern heimlich hat und nit solt haben getan
— so ward es doch durch die Eidgen. betragen. 6. H. v.
Rechb. nach siner angebomen gewonheit. 10. alle in bilgers-
formen bekleidet in langen grauen röcken. 17. und wurden
der frommen lüten 12 erstochen. 20. sakman und tribend
mit frouwen und töchtern grossen mutwillen, davon vil zu
8chriben wer.
1448
Oku S
1449
Juni
24
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1454
April
13
1454
/
214 Per H«rzog v. Burgund in Bern, — Bern hilft d. Herzog v. Safoi.
tlas die von Rynvelden widerumb in ir statt zu irem ligen-
den gut kamen; das vareud gut war hinweg; doch mussten
si zu dem hus von Oestrich schweren, als irem herm, und
daby bestund die sach.
20. Das der herzog von Burgund gan Bern kam. 5
Do man zalt tusent vier hundert und vier und fünfzig
jar an dem palmabent in den vasten, do kam der herzog von
Burgund gan Bern, und ward da von denen von Bern wol
empiaugen und gross er erboten.
21. Das man dem herzogen von Safoi ein hilf sandt. t«
Do man zalt tusent vierhundert und vier und fünfzig
jar, do kam des herzogen von Safoi sun gan Bern, der do-
zemal printz was, nachdem als der herzog von Burgund hie
was gewesen, und bat und begert an min herren von Bern,
das man im hilf und bystand weite tun wider den Delphin ts
im Welschland. Also was man im nit ganz willig ze helfen.
Denn die sach, so er mit denen von Friburg gehandlet hat,
lag inen noch in, als hievor geschriben stat, und warend die
15000 guldin noch nit bezalt. Also kam er zum anderen mal
gan Bern und bracht ein teil gelts mit im. Do seit man im so
hilf zu, und wurdent ze stund usgelesen by drytusend man-
nen. Die zugeud us ze Bern mit einer paner und zugen bis
gan JenfF. Also ritten miner herren von Bern botschaft und
ander darzwüschen, und ward der krieg verrichtet, und zu-
gend wider herheim in einem manot. %
Schilling. 8. gen Bern mit vil lüten. 9. gros zucht
und ere mit merglichen kosten. 16. Welschland, der im
dann etwas widerdries getan und erzöugt — nit willig
und wolt nieman usziechen. 22. mit der statt paner.
24. und kamend in einem monad mit eren und fröuden
wider heim und battend anders nüt getan, dann einen
guten mut gehebt und wol gessen und getrunken.
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Zng in’s Hegöuw, vor Constanz und in’s Algöuw.
215
22. Das der Eidgenossen knecht in das Hegöuw zugend.
In dem jar do man zalt tusent vierhundert sechs und ins
fünfzig jar, do wurdent erbar ltit von Strassburg nidergewor-
fen an einem ort in der Eidgenossen land uf dem wasser, und
skamend von den Einsidlen und unser lieben frouwen, und
die das tatend wurden von dem graven von Tengen und von
dem graven von Lupfen ufenthalten, und warend der von
Fridingen. Ditz vertross die Eidgenossen und woltend nit
vertragen, das man iemant in irem land niderwurf, und be-
10 sammeten sich wol bald uf St. Verenen tag in dem vorgenamb- Sept.i
ten jar und zugend zu Zurzach über Ryn und zugend in das
Hegey und branten und roubten was si funden, und straften
die herren umb ir unrecht. Also kamend si ouch gan Tengen
an das stettli; und do si das erst ersachend, do sturmpten
is si daran und gewunnen das und erstachend darin by viertzig
mann und inachtend do sackman. Also wüsten si das land
und brandschatzeten, das inen ob zwein tusent guldinen wur-
dent, und zugen wider heim ane schaden. Darnach hüben die
buben hinder sich, die den lüten das ir namend, und ward
ao etliche jar guter frid uf dem Rasterveld [RaffzerveldJ, da
vormals wenig lüten sicher torften wandien.
23. Das die Eidgenossen für Gostentz zugend.
In dem jar do man zalt tusent vierhundert acht und 1458
fünfzig jar vor des heil, crützes tag, was ein schiessent ze Co-
» stentz, und warend vil lüt da von vil stetten und landen;
also warend ouch etzlich von den Eidgenossen ouch da, und
ward sich fügen, das etlich knecht von den Eidgenossen mit
etzlichen in der statt uneinh&lig wurdent und luffend die
Schilling. 15. 16. me dann 40 man. 17. me dann
3000 guldin. 18. dann die buben getorsten die nasen nit
me harfürbieten. 26. denen wurden von etlichen von Costenz
unvernünftig und uncristenlichen wort geboten.
216
Zug in's Algöuw.
Eidgenossen zesamen; denn si bedacht, man wöllte gewalt
mit inen triben in einem fryen schiessen. Also ward die sach
dozemal gestillet, und zugen also us der statt iederman heim.
Also da si nun heim kamen, bracht einer den anderen zeweg
und besamneten sich die Eidgenossen von allen örteren und *
zugen mit ganzer macht für Costentz, und meinten ie die
Schmach ze rächen, so inen beschechen was. Also wurdent
die von Bern ouch gemant, und zugen us mit einer paner
zu Bern; und do si kamend untz gen Burgdorf, do kam inen
botschaft, wie die sach verrichtet was, so verr das die von 10
Costentz und ander den Eidgenossen geben mussten fünf-
tusent guldin, und was die sach und der stoss damit
verrichtt.
24. Wie der Eidgenossen knecht in das Algöuw zugen.
1460 In dem jar do man zalt von der gebürt Christi tusent u
vierhundert und sechzig jar, do zugend der Eidgenossen knecht
über den Bodensee us gan Lindouw zu und in das Algöuw
an den Buchenberg. Was aber sach wäre desselbigen zugs,
das ist aso ze merken: Es was ein apt ze Kempten in dem
kloster, genembt abt Gerwig von Sunendingen; der hat einen*1
amman in dem dorf Lego, der hiess Jörg Beck; hat ouch
den gewerb vast mit wyn zu koufen im Elsas, im Brisgöuw
und an andern enden. Also von empfelens wegen des vor-
genambten apts von Kempten koufet er und fertigett er dem
apt win in sin kloster heim, das si beid von solcher rechnung *>
eine grosse rechnung miteinandem zu tun hatten ; und in der
rechnung warend und wurdend si nit einhellig, denn das si
einen stoss gewunnend; und als ich es vernommen hab, so
was der stoss als vil als umb drissig guldin zu tun da der
Schilling. 3. gestillet, das sich die Eidgnossen muss-
ten lassen trucken, dann ir wenig war uud mochten die
smach dazemal nit gerechen. 3. wider heim und clagten das
iren herren und fründen, und sunders die von Luzern, denen
der merteil smach beschechen was. 8. mit ir paner und gan-
zer macht. 18. Buchholterberg.
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Zug in'» Algöuw.
217
vorgenambt Jörg Beck meint, das im unrecht bescheehen
wäre, und im aber der apt nit gnug darumb tun wölt; und
bot im darzu böse antwort und redt im übel zu, das densel-
ben Jörg Becken übel verschmacht, und wisst nit wie er
seinen Sachen tun solt; denne er in zu deheinem rechten nit
bringen mocht, wiewol er vil rechts erlanget hat gegen in;
es enhalf im aber alles nüt, dann er im ze gewaltig und ze
mächtig was. Also nach vil Sachen, do machet er sich uf
mit siuer gewarsame, mit briefen und mit siglen, und kam
10 in die Eidgenossenschaft, und zeigt da was er erreicht hat an
etzlichen rechten und wie er den apt ze recht nit bringen
mocht, begert und bat die Eidgnossen, das si im etlich
knecht erlouben weiten mit im zu ziechen umb sinen sold.
Also, nach verhörung siner briefen und sines rechten, wurdent
is im erloubt dryhundert knecht, die zugend mit im Über den
Bodensee us und kamend gau Lindouw. Do ward inen gross
ejr erboten, und wurdent us der statt gezelt, das ira warend
dreihundert und drissig. Zugend also mit dem vorgenannten
Jörg Becken gan Isni in die statt. Da hettend nun gern die
20 von Isni ir best darzugetan und die Sachen zu guotem ge-
bracht, und rittend darzwüschen. Das enhalf nit so vil denn
das vorgenannten aptes landvogt, genambt herr Walthert von
Hochenegg, gesessen zu Wolkenberg sich besamnet mit sinem
landvolk in dem Algöw wol mit achthundert mannen, und
»5 schlugend sich in das dorf am Büchenberg. In dem, als kein
tädiug nit enhalf, do zugend der Eidgenossen knecht von Isni
us und zugend wider dasselbig dorf, da die vigend lagen, am
Buchberg. Also wurdent ir die vigend gewar und machtend
sich uf und zugend herus für das dorf und hielten gegen den
30 Eidgenossen. Also hielten ouch der Eidgenossen knecht und
der Jörg Beck gegen inen und begerten an die Algöwer, das
man si weit in das dorf lassen ziechen und da essen und
trinken, denne si waren hungrig und müd. Also mocht das
Schilling. 1. bescheehen, des im der abt nit anred sin,
noch wandel darumb tun wolt, weder mit dem rechten noch
anderen dingen.
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218
Zog in’« Algönw.
nit gesin; dennc man seit, under inen were einer, der was
ein wirt im dorf, und hatte einen kellcr vollen win, besorget
er, der win wurde im usgetninken ; der was vast darwider,
das man si nit in das dorf liess. Und in den Sachen, das si
also gegen einandren hielten, und die Eidgenossen in irer 5
Ordnung zugent, als weiten si für si ziechen, und in dem
Hessen die Algöuwer alle ir geschiltz us uf der Eidgnossen
knecht initeinandren, die man doch schätzt uf vierhundert
armbrustschützen. Do liessend sich die guten gesellen all
nider, ietlicher uf ein knüw, das das geschütz also übergieng. 1«
Also mit fryem mut die Eidgenossen uf und an si hin mit
stechen und mit schlachen. Zehand ward der egenambt herr
Walthert von Hohenegg, ritter, erschlagen. Do das die vigend
sachend, da namend si die flucht liinder sich in das dorf und
hinder die heggen da denn ein ietlicher hin mocht. Also 15
hangtend inen die Eidgenossen nach und schlugend si dar-
nider. Und wannd es uf der nacht was und inen unkunt in
dem land was, do luffend si nit vast ver hinnach; doch do
bHbend der Algöuwer an der getat, die da erstochen und er-
schlagen wurdent, hundert und ein man und belibeud der»
Eidgenossen knecht zween. Do furend si mit inen über den
1460 Bodensee wider heim. Das beschach an einem zinstag vor
18 “ mittervasten nach mittag umb den abend spat in dem vor-
genambten jar; do dise tat beschach und das geschrei bis
nach Kempten und in das land kam, musst der vorgenambt*
apt in derselben nacht us dem kloster wichen. Darnach ward
derselb apt ab der apty gesetzt und gab man im ein järlich
Summ gelts, nemHch sibenhundert guldin. Ouch so ward
die sach vertädinget und verrichtt zwüschen dem apt und
Jörg Becken, das der apt im geben musst nünhundert guldin «o
und wer verloren hat, der hat sinen schaden.
25. Das man für Tiessenhoven zoch und onch gewan.
1460 In dem jar als man zalt tusent vierhundert und sechzig
jar, do zugen die Eidgenossen über den herzog von Oestrich,
Schilling. 22. an einem fritag vor mitv. (/4. Mäiz).
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Zog vor Diessenhofen.
219
in zu schädigen von etzlichen suchen wegen, die er den Eid-
gnossen zugefügt hatte, ouch von deswegen, das er in dem
grossen bann was und in aller ungnad der heilgen Römischen
kilchen. Und namend im also in Frouwenveld, Walenstatt
s und andere ; und wurdent die Eidgnossen ze rat und schlu-
gend sich für Diessenhoven. Also von manung wegen der
anderen Eidgenossen zugend die von Bern ouch us mit einem
paner und mit irem zug zu den Eidgnossen für Tiessenhoven
und richteten die buchsen darin und ward die statt beschossen
10 und genötiget, das man si stürmen wolt ; und rieht man sich
zu dem sturm. Also do die in der statt gesachen und merk-
ten, das man inen nit ablassen wolt und si ouch keinen ent-
schüttung hattend, do gabend si die statt uf in der Eidgenos-
sen hand, und das man si abziechen liesse mit irer hab. Also
isbesatzt man die statt Tiessenhoven, und zoch man für Win-
tertur und liess man von allen Eidgenossen soldner vor der
statt und zoch iederman heim. Darnach kurtzlich ward die
sach uf dem tag ze Costentz verricht durch den durchlüchti-
gen fürsten, herzog Ludwig von Paiem etc. und ander fürsten
*o und herren, und ward ein frid gemacht fünfzechn jar.
26. Wenn die steinin pfyler under der nideren brugg in der
Aren gemaoht wurden.
Do man zalt tusend vierhundert ein und sechzig jar uf >4t!i
unser lieben frouwen tag in dem ersten wintermanot ward ■> 1
» angefangen der erst steinin pfyler in der Ar under der nide-
ren bruck, und hat man gross arbeit mit schöpfen, ob man
die wasserstuben möcht erschöpfen. Darnach ze angender t4ü
f
vasten ward der ander angefangen. Das gieng vil liechtenkli- Sonn-
eher zu dann der erst. Also geriet es alles von den gnaden
so Gottes woL cavit,
März
27. Das das erwürdig heiltum, S. Vincenzen houpt, ganBernkam. ‘ 1
In dem jar, do man zalt tusend vierhundert dry und U63
Schilling. 8. m. irem zug u. vil erlicher lüten. 14. die
frömden mit ir habe.
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Begebenheiten in Bern.
14g. ’s sechzig jar, uf S. Urbanus tag, do kum das erwürdig heiltum,
3fot25 g vincenzen houpt, gan Bern in das münster und ward mit
grossen eren und Würdigkeit empfangen. Es war vor gewe-
sen ze Köln in der statt, und ward mit listen da dannen ge-
nommen und hargefürt durch einen biderman, der ouch lib t
und leben darumb wagen musst.
28. Von einem grossen Bohnee.
1464 In dem jar, do man zalt tusend vierhundert vier und
sechzig jar, do was gar ein kalter winter, und vielen mer
denn zwentzig schnee ufeinandren, und ward der schnee so w
gross, das niemant gewandlen mocht schier vor schnee, er
truckt ouch an etzlicben enden den luten die dächer in, das
man in an vil enden ab den dächeren werfen musst. Also
lag er untz wider fasnacht, do gieng er ab ane schaden.
29. Wie Buf ABpers son gefangen gan Bern in die Btatt «
gefürt ward.
1464 Do man zalt tusend vierhundert sechzig und vier jar
0ct 16 umb S. Gallen tag schicktend die von Bern etlich knecht mit
herrn Niclausen von Scharnachtal, ritter, hinin in des herzo-
gen land von Safoi Uber Ruf Asper, den zu pfänden umb etz-io
lieh schuld, so er denen von Bern schuldig was und inen
sonst in deheinem weg von im nit werden mocht. Also zugen
si durch das Sibental us und fUr Sanen hin über das gebirg
und kamend in das land, do dozemal Ruf Asper wonhaftig
was, und Uberfielen im sin hus an einem morgen fru, in dem u
dorf genambt Bee. Also funden si Ruf Asper selbs nit da-
heim, dann er von unlangem ufgesessen was und geritten zu
S. Moritzen. Doch so funden si einen siner Bönen; den na-
men si gefangen und furten in mit gan Bern ; ouch ward das
hus entplunderet und genomen was da was, usgenomen der»
frouwen dingen. Darnach ward die sach vertädinget und
kam des vorgenambten Ruf Aspers sun wider us und wur-
dent min herren von Bern ihrer sum ouch bezalfc
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Begebenheiten in Bern.
221
30. Von der grossen vorfasnaoht, so zu Bern was.
Do man zalt tusend vierhundert sechzig und fünf jar, 1465
am achteten tag nach unser frouwen tag ze liechtmess, da er-
hub sich die grosse vorfasnacht zu Bern, und kament uf die
5 fasnacht unser lieben eidgnossen von Lutzern, Uri, Schwitz,
Underwalden und ander, nit allein von dem gewalt, ouch von
den gemeinden ein michel teil. Ouch kamen har unser lieben
mitburger von Friburg, unser lieben eidgnossen von Soloturn,
von Sanen, ouch us miner herren gebieten und landen und
io ummendum har, und ward ein frölich, frisch, gut geselschaft
und früntlich leben ze Bern in der statt, und zergieng mit
grossem lieb.
31. Das die von Soloturn uszugent mit ir paner ze dienst
graf Oswald von TierBtein.
is In dem jar, do man zalt tusend vierhundert fünf und 1465
sechzig jar, zugend die von Solotum mit ir paner ze dienst
und von manung wegen graf Oswalds von Tierstein, der
dozmal ir burger was, und zugen in das land gan Miimpel-
gard, brantend und wustend was si funden und kamend un-
*o geschädiget wider heim.
32. Das Frutigen das dorf verbrann.*)
Do man zalt tusend vierhundert sechzig und sechs jar 1466
an einem montag zu nacht umb die achte oder umb die ntine
Schilling. 10. und hat man ir merglichen und grossen
costen, darzu was iederman willig. 16. mit ir paner und
ganzer macht. 19. und hatten ouch in demselben zuge ir
*) Mit diesem Kapitel endigt der zweite Band der Schilling’ sehen
Ueberarbeitung von Justinger’s und Tsehachtlan’s Chroniken und ebenso
was unter Tschachtlan’s Namen von Stierlin und Wyfi 1830 im Druck er-
schienen ist. Die folgenden Kapitel (1466— WO) sind, also noch ungedruckt;
Schilling hat sie im dritten Bande seiner Stadtchronik in seine eigene
Fortsetzung jener beiden Vorgänger, welche die Jahre WO— 1480 umfaßt,
mit zum Theil bedeutenden Erweiterungen verarbeitet.
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222
MiUk&uMrkrieg.
1466
1467
do gieng für uf zu Frutigen und verbrann das dorf vilnach
gnot, und beschach in der wuchen vor der liechtmess.
83. Das die von Bern und Solotern ein pündnus mit denen
von Mülhusen machten.
In dem jar, do man zalt tusend vierhundert sechzig und s
sechs jar, die von Bern und Soloturn zu einem teil und die
von Mülhusen zu dem anderen teil machten einen pundt zu-
samen fünf und zwentzig jar, das si einanderen sönd behol-
fen sin nach uswisen des briefs, so in der statt kisten litt.
34. Der anfang des kriegs zwischen der herrsohaft von 10
Oestrich und gemeinen Eidgnossen.
Do man zalt von gebürt Christi tusend vierhundert sech-
zig und siben jar, erhubend sich die stöss zwüschen der
herrschaft von Oesterich und gemeinen Eidgnossen, und
warend das die Sachen: Herr Bilgram von Hoidorf, ritter, et-u
was stosses lange zit gehebt hat mit unseren eidgnossen von
Schaffhusen; wiewol dieselbe sach in dem fufzechenjärigen
friden zu Costentz gemacht sover betädinget und beret
ward, das die sach stillstan soll und einandren unangriffen
und ungeschädiget lassen den friden us denn mit dem rech- »
ten, über das alles für herr Bilgram von Hoidorf zu und fieng
Hans Imstad, den alten burgermeister zu Schaffhusen und
furt den hinweg durch des fürsten von Oestrich Schlösser und
stett, ouch mit hilf des fürsten; denn etzlich von Villingen
im zugeben wurdend, das er den gefangnen dester sicherli- »
eher hinwegbringen möcht, das doch nit beschechen sin sölt
nach inhalt und Verbindung des frideus. Also musst sich
Hans Imstad us der gefangenschaft lösen umb ein summa
gelts, nämlich achtzechenhundert guldin. Die sach und die
schmach, so denen von Schaffhusen beschechen was, mochten so
unser eidgnossen von Schaffhusen nit liden und klagten es
land und lüte denen von Bern in trüwen bevolhen. 24. mit
hilf und stüre siner amptlüten und sunderlich etlicher von
Villingen, die im zugeben wurden.
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Mülhanserkrieg.
223
gmeinen Eidgnossen und manten ouch die. Also ward inen
nach Til Sachen zugeseit, das man inen hilflich und rettlieh
sin wölt, und lib und gut darzu setzen, das die schmach
gerochen wurd. Dise sach gieng dem bischof von Costentz
5 und anderen herren und biderben liiten ze herzen; die
leitend sich so heltenklich in die sach und von ir bitt
ward ein tag gan Costentz gestimmet. Uf dem tag ward so
vil fanden, das denen von Schadhusen die achtzechnhundert
guldin wider werden soltend und einen bescheidenen kosten,
io doch also das sich die boten zu der herrschaft haruf bedenken
söltend. Also ward es dem fürsten kunt getan; der wolt das
gelt nit geben, daruf sich nun die Eidgnossen zurusten und
wolten ziechen mit einem grossen volk und mit macht in das
Hegöuw und in den Schwarzwald.
15 35. Wie man früntlich täding sucht zwüsohen denen Sachen.
Das vernam der hochwirdig fürst und herr, der bischof
von Costentz, ouch der bischof von Basel und ander erbar
lüt. Die erzeigten sich dazwüschen als fürsten des fridens,
und ritten darunder und meinten, si wölten die Sachen zu
20 guten bringen und noch etwas guts schaffen, und überkamend
mit grosser bitt, das aber ein tag gestimmet ward, ouch von
verschribens wegen unsers heiligen vaters, des bapstz, und
unseres allergnädigosten herren, des kaisers, so si taten von
der Tüiggen wegen, das iedermann friden haben sölt die
« nächsten fünf jare, und das buten by dem grossen schweren
ban, das man dem Türggen ein widerstand getun möcht. Also
und nach sölichem verschriben wurdent die Eidgnossen ze
rat, das man söllich schriben heimbringen solt, iederman an
sine herren und oberen. Und nach langen dingen so beleih
so der zug dazemal underwegeu.
Schilling. 7. bestimmet, und wart da so vil ge-
arbeit, das. 9. werden 6olten mit zimlichen costen. 10. Und
namend sich daruf die räte von Oestrich für iren fürsten zu
bedenken.
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MiUhtoserkrieg.
146 7
Sept.
29
36. Wie man aber ze tagen reit zwischen die saohen.
In dem so die Eidgenossen also still sitzend und niemant
me bektlmmereten durch der sach willen, so werden unser
eidgnossen von Mülhusen anggriffen von der herrschaft von
Oestrich volk und ranten inen für ir statt, huwen ir grändel *
ab und wüsten inen an etlichen enden ir räben und ir land
und triben grossen gewalt mit inen unabgeseiter sach, und
über das si nüt wüsstend mit inen ze schaffen han, denn
das si müht das si in püntnusse mit den Eidgnossen stun-
dent; und ira wort waren : si wöltend den kuhestal zerstören. i#
Ditz vertross die von Bern und von Solotern, und wölten
fürer gedenken zu den Sachen ze tun und den mutwillen nit
vertragen; ouch von manung wegen unserer eidgnossen von
Mülhusen. Also ward aber sovil darin gesucht durch die
egenambten zween bischöf und die von Basel, das aber ein is
tag gesetzt ward gan Basel uf S. Michels tag des vorgenannten
jares: dar sölt herzog Sigmund von Oestrich selbs persönlich
hinkomen; er kam aber nit dar; doch schickt er sine bot.
schaff dar. Also ward der tag geleistt und mancherlei ge-
such; und wart nit so vil da funden, denne das der tag zer- *>
schlug. Wand in dem als mau mit den Sachen umbgieng,
da rönnen die rütter mit einem reisigen züg aber für die statt
und Schüssen hinin; ouch schussend die von Mülhusen vast
herus. Dise mär kamen gan Basel, als man da ze tagen
was und do das die Eidgnossen vemamen, do wurden si »
zornig und wolten nit mer da beliben; denn si sassen uf und
reit iederman heim. Doch so rittend die von Bern und von
Solotern gan Mülhusen in die stat, ze besechen ob si ütz
guts da möchten schaffen. Also von grosser bitt wegen, so
Schilling. 5. mit hochem schal und mutwillen vor ir
statt. 8. und Uber das si mit inen anders nit wistent zu tun
de haben denn guts, denn das si verdros. 14. darin gerett
und vertedinget. 29. hettend mögen schaffen ; dann si gern zu
friden und ruwen körnen und bi dein löjärigen friden bliben
werent.
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Mülhanserkrieg.
225
man an die von Mtllhusen thät, ward aber ein bestand ge-
macht an der saeh und fürer tag angesetzt und ward also
menger tag geleistet und gieng grosser kost darüber, und
ward ouch menger frid gemacht, und doch wenig keiner nie
s gehalten von der herrschaft, des die von Mülhusen wol innen
wurden. Und machten sich also die Sachen allwegen ie hert-
ter und hertter; denn die herrschaft vertross, das die von
Mülhusen sich verbunden zu der Eidgnossschaft und fugten
inen grossen kummer und trang zu tag und nacht.
10 37. Das man denen von Schafhusen einen zuschub tat.
In dem zit hatten ouch die Eidgnossen denen von Schaf-
husen einen zuschub getan mit soldneren von ir manung we-
gen, von iedem ort siben knecht. Also wurden ir ob achtzig,
die solten inen hellen die statt behüten.
i5 38. Das man denen von Mülhusen ein hilf schickt
Do sich nun vil sachen verluffen und menger tag ge-
leistet ward und weg gesucht, wie man zu friden körnen
möcht, deren von Schafhusen und aller Sachen halb, und sich
die Sachen verzogen hatten untz wider zu osteren ushin do
*o man zalt tusend vierhundert sechzig und acht jar ; nachdem 1468
und die herrschalt unsern eidgnossen von Mülhusen grossen
kummer zufugten und inen all ir schonen reben abgehuwen
wurden und die verwüst hatten, beducht die von Bern und
von Solotern, das man von eren wegen nit über werden könt,
*3 man müsste zu denen Sachen fürer gedenken ze tund. Und
also von manung wegen der von Mülhusen ward man ze rat,
inen ze schicken einen zuschub ; und wurdend usgeschriben
und geordnet von minen herren von Bern hundert knecht,
Schilling. 6. wol innen wurdent mit teglichem an-
reizen. 10. Kapitel 37 ist von Schilling ausgelassen. 28. hun-
dert knecht; und w'as der hundert mannen von Bern
houptman Niclaus zer Bünden, der sich gar wol und er-
lich hielt.
(ioellea tur Schwtixor Getchich te. I. 15
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226
Mülhanferkrieg.
1468 und von Solotern ouch so vil; das warend zweihundert knecht,
die schickt man inen in ir statt Mülhusen, die helfen ze be-
hüten und beschirmen untz das man furer ze rat wurd, wie
man die Sachen handlen wolt, damit inen geholfen möcht
werden. 5
39. Das die zweihundert knecht gan Mülhusen kamen.
Mails Also an dem fünfzechenden tag des meien in dem vor-
genannten jar, zugend die zweihundert knecht gan Mülhusen
Mails und am nünzechenden tag des meien kamen si in die statt.
Darnach uf der nechsten wuchen kam man uf den tag gan «
Basel, nachdem und der vor verlassen ward, ob man noch
deheinen weg möchte finden, das die Sachen zu gutem kä-
men und die von Mülhusen in ruwen und friden nG.htend
sitzen.
40. Das Riohtessen das dorf verbrennt ward. 15
In denen Sachen, do man zu Basel uf tagen was und
dennocht der krieg nit ganz offen stund, do wurdend die
houptlüt zu Mülhusen mit denen von Mülhusen ze rat, uf
Mai22 den nechsten sunnentag darnach als si darkamend hinus ze
ziechen wider Richtessen hin dishalb dem dorf uf den bergen »
harum b, und da ir hüten, die si vor inen gehebt hettend, ze
geschouwen, und besechen, ob es zu krieg kam, wie man
inen die abgewinnen möcht mit den besten fugen. Und als
si kamen uf den berg und gegen dem dorf, das si das dorf
gesechen möchtend, do sclmssen etzlich gesellen vorus hinab ö
Schilling. 9. und kamen am 3. tag gen Mülhusen u.
wurden von menglichem gar wol und mit grossen fijöuden
empfangen. 10. Also wart aber ein tag zu Basel geleist,
nachdem es dann vorhin angesechen was, ob man. 18. die
houptlüt von Bern und Sollotern. 21. die hüten und rick, so
die Oestr. vorhin alwegen ingenomen hattent, ze besechen, ob
es nachmalen darzu würde körnen, das si dann ir Ordnungen
und auschlege dester bas möchtend machen.
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Mülhauserkrieg.
227
gegen dem dorf. Doch wurdend si bald herwider gemant 1468
von den houptlilten. Also was einer fürgeritten von Solotern,
der ward von den vigenden gefangen. Do unser gesellen
erst inne wurdend, das si den verloren hatten, do wurdend
s si ze rat, man solt acht oder zechen gesellen in das dorf
hinabschicken mit inen ze reden nach dem allerglimpflichsten,
ob inen der man wider werden mocht, wann si doch durch
keines kriegs willen nit da gewesen warend, sonder dozemal
dennocht in einem finden mit inen stunden t. Also da die
10 gesellen in das dorf hinab kamen, do forderten si an inen
einer trostung und begärten mit inen ze reden. Do wurdend
si getrost von einanderen zu beiden siten, und Hessen ouch
daruf etzlich ir armbrust ab und viengend au ze reden mit
einanderen. Indem do kamen ander gesellen us dem kilch-
13 turn geloufen und schussend uf die unseren. Also ward
einer von Kriechstetten erschossen und sunst zwei übel ge-
schossen, doch stürben si nit. Do das unser gesellen sachend,
do Messend etzHch ir büchsen ab uf si und ir armbrest, und
erSchussen der vienden dry, die uf der statt beliben, als
»wir das eigentlich vemamen von dem den si gefangen hat-
tend; der gesach si nebeneinandem ligen. Also zugend si
von dannen und wolten si nit fiirer schädigen. Darnach kürz-
lich gieng der krieg an, und zugend etHch gesellen von Mül-
husen us uf der vigenden schaden, und viengen der vigenden
*5 etzlich, wol by nün. Do ward mit dem einen, der do der
richest under inen was, der unser, den si gevangen hatten,
wider us der gefangenschaft erlöst. Also do er am abend
wider gan Mülhusen kam, früw am morgen zugend unser
gesellen us gan Richtessen in das schön dorf und verbranten
ao das und namen was si da funden und zugen wider heim.
Also do si nach zu gan Mülhusen kamen, do waren die ritter
hernach gerant untz schier uf die nachhut, das si ir nie ge-
Schilling. 1. und wurden doch von den houptlüten
gestillet. 17. Da das die houptlüt von Bern und Sollotern ver-
nament, da wurden der vienden ouch angendes dryg er-
schossen, und zugent dazemal wider heim.
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228
Mülhauserkrieg.
1468 sachend. Und do si ir sichtig wurden, do kertend si sich
urnb gegen inen und triben si wider hinder sich von inen;
doch kamen si nit gnot on schaden wider dannen; denn inen
wurdend zween hengst geschossen und ein man; denn si ge-
sachend darnach des tags den schweis uf der erden ligen; s
und kamend die unseren ungeschädigt wider gan Mülhusen
in die statt. Also kamen si darnach täglich für die statt ge-
ritten und ward mit inen gescharmützt. Wie es sich da macht,
wär vil ze schriben, es ist aber nit not. Doch so wurdend
si wol innen, wie die handbüchsenschützen waren, ob si w
schiessen konden oder nit, die in der statt lagen; denn si
gelüst nit vast, ze nach hinzuzeriten zu der statt.
4L Das man das dorf Brunstatt entplündert und verbrannt.
Und also wurdend die knecht, so ze Mülhusen lagen mit
denen von Mülhusen ze rat und zugen an einem morgen «
frttw hinus gan Brunstatt, in das schon dorf. Das was mit
einem Wassergraben umbgeben; und kamen in das dorf, das
es uns niemant wart denn us dem schloss und us dem
kilchturn mit gescliütz, und viengend an und entblündereten
das dorf. Üuch geriet man an den kilchhof und an den tum, *>
und tat man inen so ang, das si den tum ufgaben, und fand
man me denn zwentzig man daruf; die furt man gefangen
gan Mülhusen; und fand man in der kilchen und in dem
turn vil husplunders von häfen, kessinen, kannen, kisten und
anderes, als denn die lüt hiningeflöchnet hatten. Man fand«
ouch über viertzig vass win in dem dorf und in dem vorhof
Schilling. 6. und kamen also mit dem roube ungesch.
wider heim und teilten den früutlich und gütlich mit-
einanderen. 9. Da warent aber gar endlich gesellen von Bern
und Sollotern mit hantbüchsen in der statt; von den wurdeut
si hintersich getriben und luffen ouch dick herus under si und
taten inen grossen schaden, davon mengerley zu schriben wer.
17. und kamen dar das ir nieman innen wart, dann die uff dem
sloss und uf dem kilchturn, die schlissen zu inen ( allein wart
im Texte Tschachtluns bedeutet: es wehrte niemand).
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JMüLhauserkrieg.
229
des Schlosses 5 denn man gewan inen darnach momdes den 1468
vorhof ab an dem schloss, und machten ein brugg über den
graben und brach man ein gross loch durch die rauren am
vorhof, und trolt man wol siben vass voll guts wins herus,
i und fbrten den mit inen gan Mülhusen mit gewalt, und ward
das dorf verbrunnen. Denn so si am ersten tag us dem dorf
zugen und gar nach gan Mülhusen kamen, do gieng das dorf
in für uf und verbrann in grund. Wer darin schuldig was,
enweiss ich nit. Also furt man dristen mit gewalt über viertzig
io wägen mit plunder und mit win in die statt Mülhusen, un-
geschädiget von den vigenden, und hattend ouch gar nach
vierzechen tag an dem win ze trinken in der statt.
42. Das soharmützlen ze Müllrasen am Galgenberg.
Vor disen Sachen warend etzlich knecht ze Mülhusen ge-
i5 legen von den Eidgnossen; die hattend nun menig gereitz
von den vigenden; deren waren villicht uf drissig; und uf
einmal kamen die vigend von Brunstat herus mit gewalt und
mit macht, ze ross und ze fuss ; doch warend ouch etzlich von
der statt ouch by inen. Dise knecht hielten sich so ritter-
*) lieh gegen den vigenden, das si dem Volk allem sammend
widerstand tätend, wie wenig iren was, und gewunnend inen
ouch die flucht an, behubend das veld mit grosser manheit und
eren, latztend inen lüt und ross, das etzlicher von den vigen-
den sin leben da lassen müsst, etzlicher kam ouch verwundt
35 darvon, und tat wenig knechten eine frische munliche getat.
43. Das Dudenheim yerbrent ward.
ln denen tagen, do man Brunstat entplunderet hat, und
darnach kürzlich, ward das dorf Dudenheim verbrant von
Schilling. 14. Vor disen dingen und e die 200 man
hinabkament, warent by 30 knechten von Bern und Sollotem
umb sold ze Mülhusen gelegen. 15. mengerlei anreizung ge-
liebt und zugen einsmals mit denen von Mülhusen für die
statt, da kamen — und vermeinten si gar liechticlichen umb-
zebringen.
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230
Mülhauserkrieg.
1468 unseren gesellen, als man denn hinusgezogen was uf das veld
und uf die futeri, das man gras in die statt fürt dem rieh.
44. Das 8oharmüzlen zu Mülhusen am bach.
Item nach der kuntschaft so die vigend hattend, das der
unseren allen so wenig zu Mülhusen lagend, do gedachtend »
si tag und nacht, wie si zwüschen die unseren und die statt
Mülhusen kommen möehtend mit irem vorteil; und fiengen
an und besambieten sich in dem Sungöuw, ze ross und ze
fuss, und schlugend sich ob Brunstatt nider in die dürfen
me dann mit fünftusend mannen, als ich eigentlich von dem »
widerteil vernomen hab: und hattend sich ze veld geschla-
gen ob Züllissen in dem dorf ze Freningen. Und au einem
fritag früw warend etzlich frouwen von Mülhusen hinus in
die kom gangen; do kamend die rütter harzu geritten, und
viengen der frouwen zwo. Die mär kam in die statt. Do is
luffen unser gesellen hinus und wolten si erilen, aber es
mocht nit gesin, denn das si hinweggefürt wurden für Brun-
statt uf in das schloss Züllissen. In dem hinwegfüren ilten
inen etzlich knecht nach mit denen von Mülhusen untz in
das verbrunnen dorf Brunstatt, und kamen aber an das schloss »
als vor me beschechen was, und in den vorhof, und schussen
zesamen; deren warend villicht uf achtzig; und sumptend
si sich da wol uf dry stund. Zehand wurdend die vigend ir
gewar die zu Freningen lagend und zugend herab, der reisig
züg von ersten, und kamend die rütter ze Brunstatt vor dem m
dorf in dem veld an die unseren und griffend si an und
scharmütztend eine gute wil mit inen; und werten sich die
unseren ritterlich in dem toppel; und unter den vigenden
ward ein ritter erschossen; den zugen die unseren us. In
Schilling. 2. Denn si alles ir veche tag und nacht in
der statt musten han und weiden, und torsten das nit harus-
tryben ; denn es zering umb si alles voll vienden was, und
kamen damit gan Tudenheim in das dorf; das verbranten si
ze grund und namen was da was, und zugen wider heim.
24 die ze ring umb in den dörferen waren.
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Mülhanserkrieg.
231
• \
den Sachen kam das geschrei in die statt Mülhusen, wie die U68
unseren werend angriffen von den vigenden. Also lüffend
der unseren etlich hinus und meinten die zu entschütten.
Und als si hinus kamend zu dem verbrunnen dorf Brunstatt,
5 do warend nun die vind abgezogen und hattend si hinder
sich in das dorf getriben und belibcn die unseren da us.
Und in dem gefiird waren die vigend gesterckt worden und
kam der hufen des fussvolks harzu und sambleten sich und
machtend ir Ordnungen. Und als wir hinus zu den unseren
10 unordentlich geloufen warend — denn welcher bass mocht
der tät ouch bass — und kamend also zu den unseren, das
unser aller villicht bi anderthalb hundert wurden. Nun hat-
ten si ir anschlag und Ordnung gemacht, das si dry hülfen
hattend, und soltcn die statt mit uns stürmen und abloufen
is an dryen enden und zu dryen toren hinzuilen. Und als wir
stundent vor Brunstatt uf dem veld in dem körn unordent-
lich und einer hie lufif, der ander dort, so brechen si gegen
uns herus mit ganzer macht us dem dorf, die denn an das
end geordnet warend, und kam der reisig züg vordann in
20 einer guten Ordnung, und Hessen gegen uns herin gan. Und
als wir si sichtig wurden, zestund sprachen etzlich gut ge-
sellen zu den houptlüten : machend uns bald ein gut Ordnung,
gsechend ir, wa si sind; denn man mocht ir macht und ir
anschlag vor nit gesechen. Also warend die houptlüt da und
25 viengcnd bald an und machtend ir Ordnung, und stalten das
geschütz ein halb zuvorderst und sunderüch die büchsen-
schützen. Eb man nun die Ordnung recht möcht gemachen,
do warend si gar nach harzu, das man si musst angriffen mit
Schilling. 1. das die Eidgenossen angriffen und von
den vienden ganz umbgeben weren. Da luffen die anderen von
Bern und Sollotem und etlich von Mülhusen mit inen hinus.
14. in meinung, die statt abzuloufen und an drin enden ze stür-
men und inzenemen. Und als die von Bern und Sollotem mit
denen von Mülh. also by einanderen im veld stunden und Gottes
gnaden erwarten und manlich mit einanderen sterben und ge-
nesen wollen, und dennoch kein Ordnung hatten gemacht.
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Mülh&userkrieg.
1468 geschütz; und schussend die büehsenschützen des guten
muts in si, und in dem angriff warend etalich dahinden die
sprechend : lieben gesellen, der vigenden ist gar vil, kerend
tlch umb und züchend an den bach, den wöllen wir ze hilf
nemen. Also körten si sich umb und kerten zu dem bach 5
in einer Ordnung. Und in dem abziechen kamend die büch-
senschtitzen zu hinderst und haltend die vigend hinder sich
mit irem geschütz, das die unseren ungesehädiget untz an
den bach kamen. Do man nun untz an den bach kam, da
was der rinden so vil worden an allen enden uf dem veld, 10
das etzlich ser begunt grusen. Und lüffend die vorderesten
einswegs durch den bach. Also luff iedermau hinacb; do
musstend inen die hindersten fast entsitzen, si möchtend nit
mit lieb hinach körnen, dann die vind uf inen warend und
neben inen an allen enden, denn das ouch gut gesellen, so 15
enent dem bach sich umbwurfend, mit geschütz und mit an-
deren werinen die vigend hinder sich hattend bis das wir
hindurch kamend. Es was ouch enent dem bach ein huf
geordnet; under denen warend die von Tann. Also kam
man doch nit gnot an schaden durch den bach, denn es be- *°
libend fünfzechen man da, und ward etzwe menger wund,
die aber von Gottes gnaden nit stürben. Deren die da be
libend, waren nün von Mülhusen und vast alt, übelmögend-
lüt; dry gehörten ouch under miner herren von Bern venli,
dry ouch under unser eidgenossen von fcolotern venli. Gott»
sye denen und allen glöubigen seelen gnädig und barmherzig.
Die lüt, die zugend si us; ouch belibend der vigenden etz-
lich da, wie vil aber der war, kontend wir eigentlich nit
wüssen; doch so funden wir darnach ouch zwentzig rütter-
hengst uf dem veld tot ligen, vernamend ouch wol, das lüt»
ouch wol darbi belibend. Und als ir nun gehört hand, wie
Schilling. 7. die warten sich gar manlich gegen den
vienden und hielten inen die nasen hinder sich, bis das man
an den bach kam. 11. begunde grusen, als nit unbillich
was. 19. die von Tann mit irem paner. 23. von Mül-
husen us der stadt. 31. Da si nun mit grosser not durch
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MiUWueikrieg.
233
man durch den bach kam, do ilt man vast zu der statt; 1468
denn man besorgen musst, das die vigend uns die statt
ablüffend und damit die statt ingenomen wurd. Do wir nun
als nach zu der statt kamend, als einer mit einer hand-
s buchsen geschiessen mag, da kamen erst etzlich knecht der
friheit gegen uns herus mit ir venli und ruft der so das
venli trug die gesellen an, mit im wider um ze ziechen an
die vigend. Als man sich nun umbkart wider gegen den
vigend, do wurfend sich die von Tan und ander vind umb
10 und fluchend darvon. Hetten wir dozmal mögen wüssen,
das das uf enkeinen ufsatz beschechen war, wir woltend vil
Kits mit der hilf Gottes haben nidergelegt. Also zugend wir
mit der von Mülhusen venli wider in die statt, mit dem wir
usgezogen waren; aber etzlich warend vorhin ingelüflfen, die
is des venlis nit gebeitten wollten. Und indem als die vigend
die flucht gewunnend, do brachtend ouch unser gesellen die
so da von den unseren umbkomen warend mit inen gan
Mülhusen in die statt.
45. Das die vind vor Mölhusen in den reben lagend.
so Darnach als die sach am fritag vergieng an dem bach,
der da genempt ist die 111, morndeß am samstag da zugen
si frü mit irem gewalt und mit macht aber für Mülhusen und
schlugend sich uf den berg und hinder den berg und in
die reben, und verwüsten aber die jungen reben, die wider
26 geschossen waren und verbrantend die und ander böum, und
den bach karnent und zu beiden siten schaden hatten em-
pfangen. 3. ablüffen, als ouch ir anschlag was. 10. und zu-
gent mit schantlicher Ordnung und unerlichen ab. Und möcht
man gewisset haben, das sämlich ftiechen nit uf iren vorteil
und einen ufsatz beschechen wer. 16. da brachten die Eid-
genossen und friheiten die iren so von den vienden waren
umbkommen, mit inen in die statt, und wurden als Cristenlüte
dem gewichten ertrich bevolchen. 23 und darhinder in die
reben. 25. verbranten die alle und schunden die fruchtbaren
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MiUluHiMrkriag.
1468 was si vor hattend gelassen. Also luffen gut gesellen hinuf
zu inen uf das veld und scharmützelten vilnach allen tag mit
inen untz zu nacht mit geschütz. Darnach am mentag früw
kamend si aber mit ir macht für die statt und in die reben
als vor; und besunders hattend sich zugerUst ir puren in die ä
körn und viengen an das kom abmäyen, und verwüstend also
böum, reben und kom. Und beschloss man zu Mülhusen
alle tor, und wolt man niemant zu inen hinuslassen. Also
ward sovil geredt, das man gesellen kom us liess unser ze-
chen mit haudbüchsen und zween oder dry mit armbrüsten. io
Die scharmütztend ein wil mit inen, untz das ein grosser re-
gen kam, der uns zu beiden siten abtrib. Ditz war wol umb
mittag. Indem so kamend inen dry absägbrief in das veld,
nemlich von Bern, von Fryburg und von Solotern. Also be-
samlet herr Thüring von Hallwil, landvogt, sine obersten, die i*
er by im hat, und wurdend eins abzugs zerat. Also rittend
sin trummetter uf den berg hinuf ze blasen ; do zugend si ze-
samen byhend und bald, und zog iedermann hinweg.
46. Wie man ze Bern uszog mit macht in das Suntgöuw mit
der paner. »
1468 Momdrest am zinstag vor S. Johansen tag in dem vorge-
Jmi2t nam^(-en jar ZOg man zu Bern u8 einer paner und mit
einem schönen volk; schätzt man ob sibentusend mannen;
es zugend ouch mit inen die von Friburg mit einem venli,
ouch die von Biel, von Sanen, und der junger graf von Va- a
lendis mit sin selbs lib und ander ir puntgenossen. Ouch
böum und was si vorhin hatten gelassen, das ward da alles
verderbet, das doch den unglöubigen zuvil were gewesen, ich
geschwige das ein Cristmensch dem anderen das tun sol ; doch
weis der almechtig Gotte nach siner göttlichen gerechtigkeit
einen ieglichen nach einem verdienen zu belonen. 13. kamen
dryg loufen boten von B., Fr. u.Soll., die brachten von den drin
Stetten dryg offen absagbrief in dem langen stecken. 21. S. Joh.
zu snngichten. 23. ob 7000 stritbarer m. und gar vil wägen, kar-
ren und soumross. 25.26, Wilh.v. Valend., der von Bern burger.
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Mül)ura*erkrieg.
235
zugen die von Solotem mit ir stattpaner mit inen. Und zu- uss
gen in das Suntgöuw, und meinten also ein streipfreis ze
tun. Ditz ward unsem lieben eidgnossen kunt getan, und
seitend ze stund minen herren an, hernach ze ziechen, und
5 schicktend ouch der herrschalt ir absagung.
47. Das man in dem zug brant.
Also namend mine herren von Bern, do si in der vigen-
den land kamen, ein strich für sich ze brönnen, und vien-
gend an zu Blatzen und branten da durch nider unz gan
10 Mülhusen.
48. Das die Eidgnossen ouch zn veld zugen.
Unser eidgnossen von Zürich und von Switz mit beiden
panern zugend bald harnach und namend ouch ein strich
Schilling. S. 234,26. Und waren houptlüt von Bern, herr
Adrian von Bubenberg ritter, herr zu Spiez, herr Niclaus von
Scharnaehtal, ritter, herr zu Oberhofen, und Hartman vom
Stein, edelknecht; und was venner Ludwig Brügler, des
erberen handwerks der gerwern, und sin houptman und rat
Peter Kistler, von dem erberen hantwerk der metzgern. Die
ordneten alle Sachen wol und vernünfticlich. Man hat ouch
ein rosspaner gemacht, dess houptman was Caspar von Schar-
nachtal, herr zu Brandis ; dann die von Bern gar ein erlich
rossvolk hatten. 1. ir allergetrüwesten fründe und alten eid-
gnossen von Sollot. 2. 3. — ze tun und die schmach und den
schaden ze rechen, der den von Mülhusen wider alle billich-
keit beschechen was. 12. Dis vernamend die anderen Eid-
genossen, nämlich von Zürich, Luzern, Ure, Swiz, Under-
walden, Zug und Glarus, und seiten von stund an der herr-
schaft ouch ab, und ward denen von Under walden ir löufer,
der iren absagbrief trug, von etlichen der herrschaft lüten
ertrenkt, das doch unerlich und schantlich was. Und zugen
also dieselben Eidgenossen mit iren offenen panern und gan-
zer macht durch das Ergöuw über den Nideren Houwenstein,
und was inen gar ernst, das si bald zu denen von Bern und
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Müllutaserkricg.
1468 für sich ze brönnen mit einem hübschen volle. Die von Lu-
zern, Ure und Underwalden, Zug und Glaris kamend ouch
schnell, teteud als getrüw fründ und namend ouch ein strich
für sich ze brönnen durch das land, all mit ir offnen panem.
Zugend also an dryen enden durch das Suntgöuw und in 6
das Elsas, und verbrantend vil schöner dörfer und Schlösser,
und tatend inen grossen schaden.
Item mine herren von Bern zugend von Blatzen den
nechsten zu der eichinen statt gan Happchessen, und mein-
tend die zu erobern. Denn si hattend davor vil Worten ge- u
triben, wie si unser da gebeiten wöltend: si hattend ouch
Sollot. kernend als getrüw herzfründe. 8. Aber die von Bern
und Sollotern mit anderen iren verwanten namen iren strich
wider Habkesseu dadurch nider bergs halb den nechsten
weg gen Mülhusen zu, da sie essen und trinken gnug fun-
den, und was dazwüschen ze ring umb was das verbran-
ten und wüstent si und zugent gar snelle gegen Habkessen
zu der hölzinen statt, in ganzer meinung die mit dem
swert und sturm zu eroberen. Dann die viend hatten da-
vor gar vil tröu Worten getriben, und vermeint in der höl-
zinen stadt zu beiten und da eins stumis und strites erwar-
ten, und hattend darumb mit buwen und andern dingen
grossen costen daruf geleit, damit si einen widerstand möch-
ten tun. Und als man darkam, da hatten si die statt
gerumpt und ir eignen fründe und die armen lüte selber ge-
plünderet, und was nieman mer da. Doch fand man gar vil
gut wins und wenig wasser; dann si hatten die brunnen
verworfen und verslagen. Und bleip man dem guten star-
ken win zween tag aueinanderen zu dienst da, des menger
gar frölichen wart. Und als man dannen zoch, da stackt
man die hölzin statt an allen orten an und wart in grund
verbrant, des menglich begirlich was.
Die von Bern Hessen ouch mit grossen arbeiten und
costen die nechsten hüser umb die kirchen abbrechen, umb
das der mit iren gezierden wurde geschonet, als das von
Gottes gnaden beschach.
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Miilhauaerkrieg.
237
darumb grossen kosten daruf geleit mit buwcn, das si uns 1468 ,
möchten da ein widerstand getun. Aber eb man darkam,
do hattend si die statt gerumbt und waren dämm gezogen.
Doch fand man noch gross ding von win darin ligen. Also
* blib man zween tag Uber da; do zog man von dannen und
ward die holzine statt verbrannt.
In dem als man zu Habchessen lag, zugend die zwei-
hundert knecht, so zu Mülhusen gelegen warend, zu minen
herren gan Habchessen ; und do man da dannen wolt ziechen
»o mit dem paner, do wurdent die zweihundert geordnet vor-
dannen ze ziechen mit ira venlinen für das dorf Brunstatt,
das ouch beschach. Und zoch man mit dem hufen hinach,
und schlugend ir läger ob Brunstatt hinuf. Und ward das
schloss Brunstatt darnach so vast genötiget, das si bald be-
lsgunteud gnad begären. Also gaben si das schloss uf und
liess man si abziechen mit ir hab, und nam man das gut,
Schilling. 7. Und als man denuocht in der hölzernen statt
was, da kament die 200 man von Bern und Sollotern von Mül-
husen und mit inen die von Mülhusen mit ir stattpauer und
enpiingen ir herren mit frölichein herzen und fröuden, als
nit unbillich was ; denn si erst am 3. tag hatten vernomen,
das man als naclie bi inen lag. Und wurden also an dem
abzug dieselben 200 man in die vorhut mit iren venli ge-
ordnet für das sloss Brunstatt. 12. Dafür man angendes
ein gewaltig und gros leger slug, und ving man glich
an, die in dem sloss zu nötigen, imnassen das si sich
balde eigaben und gnaden begerten, des si ouch durch
Gottes willen gewert und ufgenomeu wurden. Und zu-
gen mit ir habe ab von menglichen unverkümert, und
ward darnach das schön sloss geplünderet und ganz ver-
brönt.
[Zutatzcapilel in Schilling. |
48.a Das die anderen Eidgenossen ouch miteinander zugen
und was si ankamen alles verbranten.
Die anderen und übrigen Eidgenossen alle zugen in
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238
XtUhAUMrkrieg.
14C8 das drinnen was, us dem schloss, und verbrant man das
schloss Brunstatt.
49. Wie ZüUisen ingenommen ward.
In dem läger nament ouch fryheitgesellen in das schloss
Ztillisen, und ouch ander gut gesellen mit inen, und viengend s
die darin waren, namend das gut das si darin Funden und
verbranten das dorf und das schloss Züllisen.
Item es lufFeud ouch gut gesellen an das schloss Fre-
ningen und wolten ir heil versuchen. Do wurden dry ge-
schossen ; einer, der starb hernach ; also müssten si von dan- w
nen ungeschatFet. Darnach, do man da dannen zoch, zugend
die vigent ab, und ward das schloss ouch verbrennt.
2 hufen und namen den strich Ryns halben für Otmersheim
nider und durch die Hard über das Hirzveld, und was da-
zwüschen was von slossen und stetten und dörfern, das
ward merenteils alles von denselben Eidgenossen erobret, ver-
brant und gewust ; und zugen also umb über das Hirzveld
und anderswo mit gewalt und macht, das inen von den vien-
den gantz kein widerstand besehach, wie vast si vorhin alwe-
gen getröwet und die Eidgenosen zu inen an die wyte ge-
wünschet hatten. Sie waren aber inen nach minem bedun-
ken zu fru komen, und besehach von Gottes gnaden niernan
der iren kein leid.
4. Und als die von Bern und Sollotem mit iren ver-
wanten dennocht vor Brunstatt am leger waren, da luffen
etlich under inen gen Züllisen zu dem sloss und gewun-
nen das von stund an und vingend alle die darinnen wa-
ren und brachten die den houptlüten von Bern; die liess
man durch Gottes willen loufen. Sie funden darinne gar vil
gutes; denn es gar ein wol erbuwen schön sloss was, und
war dasselb sloss und das dorf darnach angestossen und in
grund verbrant. 8. Es luffen ouch etlich von Bern und Sol-
lotern für ein stark sloss genant Freningen. 11. Da zugen
die viend ouch glich darab und namen was inen werden
mocht und verbranten das sloss selber.
I
1
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Mälh*u*erkrieg.
239
Nach disen Sachen brach man uf mit den pannern und 1468
mit den zeichnen und zog man über das Ochsenveld und schlug
man sich nider in dem dorf Ufholtz und daby und verbrant
man hierzwüschend was man fund; ouch ward das stettlin
s Wattwiler ingenommen , das si den Eidgnossen müsstend
schweren.
50. Das man für Tann zoch.
Momdeß brach man uf und zog man wider Tann zu,
do man Uffholtz ouch verbrannt. Uf dem zug ward denen
io von Tann ir galgen abgehuwen und ward inen das dorf Alten
Tann vor der statt gebrönnt, und schlug man sich nider
neben Tann by einem dorf und in dem dorf.
51. Das die von Zürich und von Schwitz gan Mülhusen kamen.
Als man by Mülhusen vor Brunstatt und allermeist ob-
i5 wendig lag, do kamend unser lieben eidgnossen von Zürich
und von Schwitz gau Mülhusen ziechen, und hattend dar-
zwüschen ouch verbrennt was si funden; zugend momdeß
hin ir strass, da man inen denn hin bescheiden hatt, und
hattend sich hinder geschlagen ncbent Tann, ob wir dar-
so kamend, nit ver von uns. Und als si zugend von Mülhusen
in das lager uf der strass, do gewunnend si Pfaffstatt das
schloss, liessend die darin warend abziechen mit ir hab, und
verbranntend das schloss Pfaffstatt und was darinnen was.
Schilling. 1. Darnach brachen die von Bern mit iren
eidgenossen und mitburgern von Sollotern, Friburg und Biel
aber uf, und zugen über das Ochsenveld und namen ir leger
in einem schönen dorf, genant Ufholz, und wart ouch da-
zwüschen alles das gewust und verbrant das man vand. Si
gewunnen ouch ein stettlin genant Wattwyl; dieselben armen
lüte schwuren inen angendes: doch wurdent si bald ir
eiden ledig gelassen durch Gottes und rechter erbermden wil-
len, damit si von iren herren dester gnedenlicher wurden
gehalten. 12. vor Tann und in die dörfer darum b. 20. Si ge-
wunnen ouch das sloss Pfaffnacht und verbranten das in
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240
Mälhatuerkrieg.
1468 Ouch zugend si vor das schloss Schweighusen, und als die
ersten das schloss sachend, da luffend si daran unordentlich
und stürmpten an das schloss hefftencklich, und wertend sich
die im schloss ouch redlich. Also mocht man das schloss
dozemal nit gewinnen; denne si warend nit beztiget zu söli- 5
chen Sachen ; und empiiengen die von Zürich und von Schwitz
schaden.; da denn inen wurdent ob vierzechen mannen er-
schossen, und über fünfzechen ül>el wund von dem geschütz ;
da etzlicher darnach ouch starb. Gott sye denen und allen
glöubigen seelen gnädig und barmhertzig. w
Da nun min herren von Bern und von Solotern mit ir
panner darkamend, als vorstat, da kamend unser eidgnossen
grund, das gar wol getan; dann ein recht roubhus und de-
nen von Mülhusen vil Schadens und kuinbers darus besche-
chen was, und wart ouch allerlei unerlichen volkes wider
die Eidgenossen und ir verwanten daruf enthalten. 1. Und
als nu die von Zürich und ander Eidgenossen ouch umb-
zugen und brauten und wüsten was si funden, da luffend
etlich von inen ungeordneter sach an ein sloss genant
Sweighusen und wolten das mit einem sturm understandeu
han abzeloufen und hatten aber kein büchsen noch andern
züg, damit si sich konden oder mochten behelfen. Und als
si zu dem sloss kamen, da wurden ir leider 14 erschos-
sen und umbracht, und etlich ir dimen ouch, und gar vil
wund und übel gewust, dann si hatten heisses wasser
darin zugerüst, das schütten si harus, damit si gar übel
verbrönt wurden. 11. Und als die von Bern semlich Sachen
vernamen, da warent si daran, das man von stund an das
sloss verhüten solt, das nieman darin noch darus möcht
körnen, und ordneten angendes 1000 gewapneter mannen zu
denen von Zürich und Switz in meinung, das sloss mit
gewalt zu erobren und den merglichen schaden ze rechen.
Da was der herr mit wyb und kinden und mit sinem gesind
heimlich dannen gezogen und hat ouch den vassen mit dem
wyn die boden usgestossen und vil swinen in dem sloss er-
tött, das man alles nachmaln vand und sach.
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Mülhaaserkrieg.
241
von Zürich und von Schwitz und klagtend inen iren kurn- 1468
mer, so si empfangen haftend vor Schweighusen und begär-
ten, das man inen wolte helfen die sach rächen an dem
schloss, und gabend zc verstan: si hätten vierhundert man
s usgelesen, das min herren ouch so vil zuschieben woltend,
als ouch beschach, und namend etzlich büchsen mit uns, so
man denn da hatt. Als wir nun zu dem schloss kamend,
do warend si vor darab gezogen und hatten mit inen geno-
men was si denn mochtend. Also belibend die Eidgnossen
10 die nacht in dem schloss, und zugend wir von ir bitt wegen
des abends wider zu unserem her. Morndess früw stiessen
si das schloss an und verbrannten es in grund.
52. Wie man denen von Tann die hut und die vorstatt angewan.
Nach disen Sachen, als man nit ver von Tan lag, do be-
is ducht etzlich, die von Tan tribent so vil mutwillens uf der
hut by Tan uf dem berg, denn si schruwend und ruftend
unchristenliche wort herab zu unseren gesellen, das nit ze
schriben ist; also ward man ze rat, das man inen die hut
angewunnen sölt, und wurdent lüt darzu geordnet, die das
*o tun solten. Also wurdent si ab der hut gejagt, das si mit
schamlicher flucht hinab in die statt fluond; und in der
flucht luffend inen unser gesellen nach und kamend in die
vorstatt; ein teil luffend ouch vor der statt zu dem vich und
tribentt das zesamen und tribentt das mit inen hinweg. Das
»geschrei kam ze stund zu unseren herren in das läger. Die
Schilling. 15. die hatten ir hüten uf dem berg, der
Stoufen genant, gar mit mutwilligen lüten besatzt und
schruwen herab. 17. das verdros die von Bern und ander
und luffen von stund an uf den berg, und gewunnen' den
mit gewalt, der vorhin nie mocht gewunnen werden und ver-
jagten die snöden buben des uncristenlichen geschryes mit
schantlicher flucht in die statt, darin si kum entrunnen.
23. und wer etlichen zu rouben nit als not gesin, und etli-
chen, die ouch dem veche nachluffen, so hette man inen die
recht statt ouch angewunnen.
Quellen zur Schweizer Geschichte. 1. 16
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242
Mlilh&nserkrieg.
)4Sf> schicktend ze stund me lütz; harnach ouch schicktend die
von Zürich und von Schwitz zweihundert man hernach gan
Tan in die vorstatt. Also lag inan in der vorstatt bis
morndess; und hette manchen biderman wol gelüst an die
statt zc stürmen, denn das man nit darzu bezüget was. Der 5
merteil des volks lag in dem Parfussen kloster, und sunst
lag man in allen hüseren. Si scharmützelten ouch da mit
einanderen mit geschütz, das zu beiden siten lut übel gewust
wurdent, das etzlicher starb. Man fand ouch vil guts wins
in den hüseren, und sunderlich in herr Hans Erhärt von Ri- 10
nach hus ligen; der ward vast usgetrunken. Und uf dieselbe
nacht stiess man die vorstatt an an allen enden, uud ver-
brant man si, und zog man von dannen wider zu der paner.
53. Wie man Hirtzenstein das schloss innam und verbrannt.
Es wurdend ouch uf dieselben nacht zweihundert ge-
seilen von unseren panem geschickt mit einem kundtman
gan Hirtzenstein. Der was ab dem schloss geschickt gan Tan
ze besechen, wie es inen gieng; nachdem er dann botschaft
brächt wölten si sich ouch halten. Und ward der gesell von
den unseren gefangen und genötiget, das er das tat. Also *>
do er mit inen darkam, seit er inen söliche märe, das si das
schloss ufgaben ; und man liess si abziechen mit ir hab, und
namend die unseren das schloss in, und furtend das gut gan
Mülhusen. Si funden ouch uf dem schloss des apts paner von
Murbach, ein wisse paner mit einem swartzen wind; wand*
Schilling. 5. Da man darkam, do hat man kein büch-
sen, noch anderen züg darzu dienende, und must man ir ma-
nigvaltig geschütz entsitzen. So was ouch die statt mit an-
dern werinen gar stark zugerüst, das es underwegen bleip.
9. guten starken Rangen win, und wurden von dem guten
win gar wolgemut. 21. semlich underwisung, das es bald
gewonnen und verbrant ward. Es was gar ein werlich
sloss und hoch gelegen, und hette man von dem gevangnen
nit underwisung und kuntschaft geliebt, so hett man es nit
wol mögen gewannen.
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Miilhanserkrieg.
243
das schloss was des apts von Murbach. Die paner kam gan ucs
Friburg im Üchtland.
54. Wie die Eidgnossen zesamen kamend uf dem Ochsenveltt.
Also in dem namen Gottes brachend aber bede her uf
5 des tags, die von Zürich und von Swytz mit ira panern und
den iren, ouch die von Bern und von Solotern mit ir panern
und den iren, und zugend uf das wit Ochsenveltt, und stal-
ten sich da zesamen. Ouch kam dar das dritt heer, nämlich
unser lieben eidgenossen von Luzern, Ure, Underwalden,
io Zug und Glans, die fünf Örter mit ira panern und zeichnen,
und hatten ouch gebrönt untz dar was si funden hatten. Und
hieltend also alle Eidgnossen uf dem witcn veld bi einande-
ren, als si das vor angesechen hattend, und erzeigtend sich
da vor den vinden mit irer macht. Und geschach das vor
is Sennhen und vor Tan harus uf dem Ochsenveld allermeist
darumb, das si gesechen, das wir si uf der wite und in dem
irem besucht hettend ; denn si vormals vil unfrüntlicher Wor-
ten getriben hattend und sprachend : wir bedörfteud nit hinus
körnen; kämend wir hinus uf die wite, und besunders möch-
Sc hi Hing. 1. die schankt man denen von Friburg von Sün-
der lieb wegen; die furtentz ouch mit inen heim. 7. uf dem
Ochsenv.; da enptingen si einandern gar früntlich und in
ganzen brüderlichen trüwen, als ein bruder den anderen, wie
dann die frommen Eidgnossen iewelten gegen einandem ze
tunde gewonet hand, und sagten ouch einandern in brüder-
lichen trüwen was si getan und gehandlet hatten. Und zu-
gen in 3 grossen mechtigen hülfen uf dem witen velde zu-
samen gar in lieplicher Ordnung und waren von ganzem
herzen begern, mit der herschaft und allen iren vienden einen
strit ze tunde und .des manlichen zu erwarten. Dann die
edlen im lande und allenthalben vorrnalen gar dick gerett
und tröwwort gebrucht hatten: möchtend si die Switzer an
die wite und sonderlich uf den rechten spor, das Ochsenveit,
bringen, so wolten si gern mit inen striten und inen iren
gewalt und hochmut erzöugen.
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244
Mfllhamerkrieg.
1468 tend si uns uf das Ochsenveld bringen, wie si mit uns wol-
tend umbgan! Es wolt aber dozmal niemants die nasen har-
fiirbieten. Item nach denen Sachen deiltten sich aber die
Eidgnossen in drü heer, als vor, und zugend wider ob sich
das land hinuf wider Brattellen und Mutetz, und brantend 5
als ouch vor uf dem zug was si funden underwegen.
55. Wie zwenundviertzig man der Eidgnossen zweihundert
riter ab dem veld schlugen.
Indem schicktend die fünf Örter, Luzern, Ure, Under-
walden, Zug und Glans zwen und viertzig man wol zugerüst, to
all ze ross, gan Mülhusen us dem heer umb spis ab dem
Ochsenveld. Ouch schicktend die von Bern zweihundert
knecht umb spis gan Mülhusen. Als nun der Eidgnossen
knecht, die zwen und viertzig mit der spis von Mülhusen
furend wider zu irem heer, und si kamend villicht ein mil u
wegs von Mülhusen, so koment die rütter an si, ira by zwei-
hunderten, und Hessen gegen inen inhergan. Also stundend
die Eidgnossen in einer guten ordnung und warend all ab-
gesessen und griffend die vigend manlich an, und half inen
Gott, das si dem züg allem widerstundent, und erzeugtend »
sich gegen inen ritterlich, und tatend inen so wehe, das si
Schilling. 3. Und also dankten die von Bern und
Sollotern den Eidgenossen gar früntlich und mit ganzen herz-
trüwen, das mengem biderman sin ougen übergingen von
rechten fröuden und schieden damit in allen trüwen von
einander und teilten sich. 5. gen Basel zu. 6. was enent
Basel was. Das hattent si mit irem grossen Übermut und
hochvart umb den allmechtigen Gotte wol verdient und was
inen ouch ir rechter Ion worden. 9. Es wurden ouch 40 man
von etlichen orten der Eidgenossen geordnet, die warent meren-
teils von Luzern und us iren gebieten und solten etwas wines
und spiswägen den Eidgenossen von Mülhusen hnrusfüren
und nachbeleiten. 20. und warten sich als ritterlich, das der
vienden etlich, edel und ander, von inen erstochen wurden,
und die andern namen ein schantlich flucht. Und behu-
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Molhanserkrif/r.
245
abziechen musstend und die Eidgnossen das veld mit grossen w>g
eren behubend. Do nun diser toppel vergieng, do betrachteten
si die grosse gnad, die inen Gott erzeigt hat, das so wenig lütz
so vil der vigenden, die all reissig und ze ross warend und
5 wol bezüget, in irem land uf der wite, und bi inen einer mil
wegs nienen frtlnd noch hilf hattend, so redlichen überwun-
den hatten; und danketen Gott siner gnaden. Also darnach
wurdent si ze rat, das si also in dem namen Gottes wider
gen Mülhusen zugend; denn si nit wussten, wo si die iren
10 iinden konnten. Also ward es bald unseren eidgnossen kund
getan in dem veld, und besunder zu Hesingen, da si lagen;
die schicktend fünfzehn hundert man gan Mülhusen nach inen.
Als nun mine herren von Bern mit irem volk dozemal
gezogen warend bis für Altkilchen uf bi einem dorf, do man
is sich nidergeschlagen hat, ward inen sölichs ouch kunt getan,
und wurdent ze rat, die iren ouch ze reichen, die zwen-
hundert, die zu Mülhusen dennoch! lagend; und kerten sich
mit irer aller macht und mit allem volk wider umb und zu-
gend gan Mülhusen und kamend also zu den Eidgnossen, die
»o ouch dar gesant warend nach den iren. Morndess an dem
morgen frü zugend die Eidgnossen mit ir gesellen, die si ge-
reicht hatten, wider zu den iren. Darnach zugend min her-
ren von Bern mit irem volk und mit den iren, die si umb
ben also die 40 man das veld mit eren, das von Gottes
gnaden ir keinem am leben nit beschach, dann einer von
Glarus, hiess Heini Schüler, der wart erstochen, und ver-
luren ouch etwas rossen, nachdem si dann zu fus warent
abgestanden. 7. Indem zugen si wider gen Mülhusen; dann
si nit wisten, war ir herm und obern warent körnen.
22. zu den iren. Und wurden die von Bern und Sollotem
ze rat, das si Mülhusen mit etlichen soldnem besetzen und
im namen Gottes ouch wider heimziechen und sich vereinen
wolten, was inen und andern Eidgnossen in disen Sachen
furrer ze tunde wäre.
NB. An dies Kapitel schliesst Schilling das Lied: „Wol uf mit ri-
chem schalle“ an, t.LiliencronI,550f. modemisirt bei Rochholtz, S.8d.
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246
‘Waldshuterkriej'.
1468 die spis geschikt hatten, ouch wider hinuf und zugend den
nechaten heim.
56. Das sich die Eidgnossen vür Waldshut schlugen.
In disen Sachen, als nun inine herren von Bern und von
Solotern heim kamend mit iren panuern und mit irem volk 5
und es inen von den gnaden Gottes wol ergangen was —
denn warumb si usgezogen warend hatten si ouch völlenk-
lich volbracht — do beliben die Eidgnossen zu Tüngen und
darumb mit iren panem und zeichnen, und woltend nit heim-
ziechen, si brechten denn einen friden mit inen heim; und io
wurdent ze rat, das si ein läger schlagen wölten für Walds-
hut, und manten und baten min herreu von Bern, ouch dar-
für ze ziechen mit ir paner, und besunder mit dem grossen
Schilling. 10. mit inen; dann si hatten vernomen,
das ein grosser treffenlicher zug der vienden von Behem und
' andern landen uf den beinen waren, denen si gern widerstan-
den hetten, und besatzten daruf Schaffhusen mit noch mer
lüten und solduern, das si von inen einen guten trost und
ufenthalt möchten haben und zugen also, am ersten die von
Luzern mit etlichen andern orten uf S. Marien Magdalenen abend
[21. Jiäi] durch Baden für die statt Waltzhut, und kamen
die andern Eidgenossen alle zu inen mit iren panern. Die
von Zürich beschicktend ouch äugendes ir gros houptbüchsen
und andern iren züg was si dann hatten und darzu nutz
und gut was und leiten den für die statt Waltzshut und
vingen an schiessen und werken. 12. Als balde man dis
denen von Bern verkünd, da kamen si von stund an mit
einer grossen treflenlichen macht und ir ufgeworfenen paner,
und brachten desselbenmals mit inen 2000gewapneter und strit-
barer mannen, darzu zwo gros houptbüchsen, boler und andern
züg. Und waren ir obresten houptlüt herr Peterman von Wa-
hren, ritter, herr zu Belp und Caspar von Scharnachtal, herr
zu Brandis, und was venner Peter Bomgarter von dem er-
bern hantwerk zen Smiden, und sin houptman und rat An-
thoni Archer von dem erbern hantwerk der Pfistern, und bi
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Waliishuterkrieg.
247
züg. Also seit man inen von stund an zu, und zog man zu 146S
Bern us mit einer paner und fünfzehn hundert mannen, und
inen ander from lüt von raten und bürgeren, mit denen si
alle Sachen gar wol und erlichen usrichten. Es kamen ouch
die frornen notvesten lüte von Sollotem angendes mit einem
erlichen volke und einem venner, und brachten dennocht nach-
mal ir stattpaner und noch me lüten ouch gen Waltzhut,
als hamach bas gelütert stat. Darzu wart ouch den von
Zürich und von Bern von gemeinen Eidgnossen zugesagt:
was si mit irem schiessen costens betten, das man nach mar-
zal der orten inen solichen costen wolt helfen tragen, wann
dennocht die andern ort nit vil semlicher büehsen und ge-
züges hatten.
Das gemein Eidgnossen bi einandern mit allen iren pa-
nern vor Waltshut warent. Und da also alle ort der Eid-
gnossschaft, darzu die von Sollotern, Friburg und Biel
vor Waltzhut zusamen kamen, da wart die statt mit ge-
leger und büehsen zu beiden orten des Rines zuring umb-
geben ; und wurden die frornen lüte von Sollotem enend dem
Rine zu bliben geordnet mit etlichem zusatz der inen geben
wart. In der vorgenanten statt Waltzhut waren gar gut
lüte von graven, fryen, rittern und knechten, der bi 800
was, und zu irem houptman hatten herrn Wemhem von
Schinen, rittern. Die hatten ouch die statt mit bollwerken,
mit büehsen und ander notdürftiger were besorget, als lüte,
die sich ie vermeinten mit macht zu weren und die statt zu
behalten. Und als die von Luzern und ander Eidgnossen
am ersten für Waltzhut kament, het man da angendes die
ding mit einem zulouf oder sturm fürgenomen und nit als
langen rat geliebt e das die viend sich zur were und andern
dingen zu vast zugerusten, so hette mau dennocht desselben
abends inen ir bollwerke und alle werinen abgeloufen und wer
die statt an allen zwifel dazemal erobert worden. Darumb
man dis in künftigem bedenken sol, und ob es zu schulden
keme, das man furer für stett oder sloss als snell und un-
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24«
W aldshnterkrieg.
U68 warend die von Fryburg und ander ir lieben friind aber bi
inen, ouch flirten si mit inen die zwo grossen büchsen; denn
die Eidgnossen dessen einh&lig worden warend, was zügs
man do verschiessen wurd und was kostens über den züg
gieng, den soltend gemein Eidgnossen ustragen. 5
57. Wie etlioh der Eidgnossen knecht in den Schwartzwald zugen.
Vor disem läger waren der Eidgnossen knecht in den
Schwartzwald gezogen, und gewunnen die letze und erste-
chend bi achtzig mannen daran, und namend einen grossen
roub vichs und triben den mit inen gan Schaffhusen ; ouch 10
versprach inen der apt von Sant Blfisi drytusend gülden
brandschatzung ze geben.
58. Wie Waltshut vast genötiget was.
i4$8 Item umb St. Jakobs tag des vorgenannten jars schlug
Julm man s;ch fjjr Waltshut, und leit man den züg gar nach hin 15
gewamet viel, sol man alsdann die ding angendes tröstlichen zu
handen nemen, diewile die viend ungewarnet und in schrecken
sind, und denen nit so lang frist lassen. Wann doch alwe-
gen, als der gewaltig Hannibal sprach, da er die sinen vor
Rom anreitzte, das gewonlich der vorteil des ist, der sich zur
sach gerust und die ze tunde mut hat; und das ouch von
langem ufenthalten vil gesechen ist, die viend in mass da-
durch gesterkt worden sin, das man am letsten mit schaden
ungeschaffet abziechen must, oder aber des grössern kum-
ber liden.
Schilling. 8. ein stark letze, die si den Eidgenossen
zu gegenwere gemacht hatten. 11. umb 3000 guldin, daran
wurden von im bezalt 1500 guldin, und das übrige ward von
Eidgnossen gantz abgetedinget. 14. Als nun die von Zürich,
Lutzem und ander gemein Eidgnossen alle bi einandem ob-
wendig der statt Waltzhut lagent, da leiten die von Zürich
ir grossen büchsen ouch darfür. Aber die von Bern mach-
ten ir leger under der statt Waltzhut hinab als man gen
Louffenberg gat, und leiten ir grossen büchsen von stund an
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W aldihuterkrieg .
249
zu der statt, nämlich die von Zürich ein grossi büchs, die uea
von Bern ir zwo grossen büchsen, ouch haltend die von
Schaffhusen da ir büchs; die was aber ser klein. Und nöti-
get man also die von Waltshut an allen enden ser und vast.
5 Ouch hat man ein läger geschlagen hie dissent Rins ; da
lagend unser Eidgnossen von Solotern mit ir panern, und
hat man inen ein zuschub getan von allen Eidgnossen. Die
haltend nun ein pollwerch ufgeworfen am Rin, und tätend
inen ouch wehe mit geschütz über Rin. Und liess man inen
to also wenig ruow tag und nacht, besunders miner herren zwo
büchsen von Bern, die wercheten so redlich an der statt,
das in kurzem zit der turnen etzliche und der muren vil
nidergeschossen ward. Zwar es ward ouch etzwe menger
geschossen und etzliche ze tod erschossen vor der statt; wir
t&vernamend ouch darnach, das man inen ouch nit gnot valtt.
59. Wie man me volks hinaoh für Waldshut sohiokt.
Als man nun vor Waltshut lag und die statt vast ge-
nötiget ward von den Eidgnossen, und sovil adels in der
statt lag, do kamend inin herren vil Warnungen, wie man
w ein grosse samlung täte in Tütschen landen mit Behemen und
gar nache zer statt. Und des ersten Schutzes ward das un-
ter tor an Waltzhut nidergeschossen, und darnach gar ein
starker turn, darus sich die von Waltzhut vast warten und
grossen schaden taten. Mit demselben wart ouch mit schies-
sen so wit gehandlet, das si sich darus nit lang behelfen
mochten. Darzu schussen ouch der von Bern büchsen-
meister etlich turn und muren ab, das gar ein gros wite
wart, und wurden ouch vil lüte darin zu tode geschossen und
übel gewust, als man nachmalen wol sach. Desglich taten
die von Zürich mit ir gross büchsen ouch; die in der statt
taten ouch ir bestes und wartent sich gar manlich mit
schiessen und andern dingen; dann etlich von Eidgenossen
ouch geschossen und gewust wurdent, und besunder ein
büchsenmeister und ander entlieh lüte von Bern.
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250
W aUlshuterkrieg
1468 mit andereui volk, und man wollte Waldshutten entschütten.
Also wurden die von Bern ze rat und schicktend inen zu
trost ouch ir paner und ir züg, zweitusend man, hinach gen
Waldshut in das veld; ouch zugend die von Solotern hernach
mit ir paner; und ander unsere eidgnossen starktend sich '■>
nach dener grossen warnuuge mit ir volk; und ward das
läger enet Hins geschlagen mit gemeiner Eidgnossen rat.
60. Das etzlich der Eidgnossen knecht us dem läger vor
Waldshut in den Wald gan Bondorf zugen.
In dem läger, als man vor Waldshut lag, do zugend der w
Eidgnossen knecht etzlich hinin in den Swartzwald, und be-
sunder kamend si gan Bondorf an einem morgen, und über-
lielend das dorf und erstachen darin bi sechszechen mannen,
und namend wol vier und drissig mannen gefangen. Ouch
ward inen der von Bondorf vänli und ein grosser roub vichs, 11
Schilling. 2. und schickten noch 2000 werlicher man-
nen mit einem venlin dar, der houptlüt waren: herr Niclaus
von Scharnachtal, herr zu Oberhoven, und herr Niclaus von
Diespach, herr zu Signow, beid rittere, in das leger. Do be-
valchen si die Sachen den vordrigen houptlüten und hulfent
denselben das volk gar wislich und mit hocher Vernunft regieren.
Darzu zugen ouch die von Sollotern mit ir paner und einem
erlichen volk ouch hinnach ; desglich die von Ure und ander
ouch mit ireu panern. Und hatten ouch, als vorstat, die von
Sollotern vorhin ein venli mit ltiten dargeschickt; die lagent
enent dem Rine mit einem merglichen zusatz von denen von
Bern und andern Eidgnossen, und hüben da bi einandern
in demselben leger, und taten denen in der statt mit schies-
sen und anderem grossen merglichen schaden. Dann vor inen
nieman in die statt über Rine körnen, noch si getrosten mocht.
Das kam inen übel, als man nachmalen wol vernam. 10. zu-
gent etüch von Bern und ander an den Swarzwald und
kamen gar in ein schön dorf genant Bondorf. 14. und namen
jne dann 40 gevangen.
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Waldsliuterkrieg.
251
mer denn sechshundert houpt; furtend si alles mit inen für t4«s
Waldshut in das veld.
61. Das etlicher der unseren erstoohen wurdent.
Item als man vor Waldshut lag, do warend etzlich us
5 deren von Bern und von Ure und Underwalden lfiger hinus
uf das veld gangen in das körn und woltend das körn ab-
mäjen und stundent also in iren hem den und wamszlen. Do
kamen die riiter über si geraut von der letze herus unwüs-
sender dingen, und erstachend der unseren eilt* man; dera
io warend sechs von Underwalden.
62. Wie die vigend die unseren nachts uf der wacht hiedisent
Rins angriffend.
In disem läger, eb und man das läger enent Rins ge-
schlüge, do hat man ein hut Uber Rin geordnet uf die nacht
Schilling. 2. gen Waltzhut und teilten das alles under-
einander. 4. da luffen ouch us dem leger etlich ungehorsam
knecht on Ordnung, die waren von — Underwalden, hinus gegen
der letze, da die viend waren. 6. 7. abmeigen und damit futern.
7. hemden und ein teil ganz abgezogen. 10. desglich wurden
der ritern etlich von inen ouch erstochen.
11. \ Zusatz ton Schilling]. Das etlich von Bern von denen von
Waltzhut erstochen wurdent. Es geschach ouch, das etlich von
Bern us dem lantgericht Zollikofen sich in die garten vor der
statt Waltzhut an die bollwerk machten und verslugen, und
meinten vor den vienden sicher sin, und enslieflen an der war-
men sonnen und hatten ir werinen neben sich geleit. Und
als die in der statt innen wurden, da slichen si heimlich
harus über das bollwerk und erstachen etlich also slafen
mit iren eignen werinen und wundeten ein teil; die kamen
darvon. Das han ich darunib haringezogen, das iederman in
semlichen kriegssachen und legern sorg haben und nieman
sin viend versmachen noch verachten sol.
14. da was von Bern und andern ein hut dar geordnet,
das si dieselben nacht wachen solten. Also in derselben
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'Wildshoterkrieg.
i4es uf zwei hundert man, und hattend die vigend einen anschlag
getan und meintend Waldshut zu spisen mit mftl und mit
bUchsenpulver und mit anderem zllg, das si ouch taten. Und
was ir ufsatz, das si die hut angriffend wol mit tusend man-
nen ee fuss und zweihundert ze ross und soltend die mit der s
spis oben Uber in die statt. Also griffend si die unseren an,
und ruftend die unseren einanderen ouch an, und staltend
sich ze wer. Zehand namend die vigend die flucht, und was
inen so not ze fliehen das si ir werinen ein teil liessend
fallen; harnisch und anderes liessend si hinder inen; das man to
alles momdess fand, handbüchsen, armbrüst und anderes.
Das ward alles geteilt under gemein Eidgnossen. Der vind
nacht hatten die viend — . 3. und andern dingen und ouch
me luten darin ze tun, als ouch beschach. 5. ze ross, und
vermeinten damit über Rine in die statt ze komen. 8. ze man-
licher were. Si ruften ouch die von Bern hie disenthalb
dem Rine und ander ir herren und oberen an. Alsbald man
das hört, und ouch die trumeter, die enenthalb warent,
bliesen, da kam man inen snellicklichen in schiffen zu hilf,
wiewol es dennocht nacht und ganz vinster was, das nieman
den andern gesechen mocht. In dem hatten die viend die
flucht genomen. 9. das si iren harnesch von inen huwent.
11. armbresten, swinspiessen und andern dingen, das alles
am morgen fanden und geteilt ward. Man vand ouch der
vienden uf dem velde vier tot ligen und wart einer gevangen
harüberbracht. Der sagt, das es des bischofs volk were,
als ouch die warheit was. Es wurden ouch der vienden
me dann 60 wund gan Basel an die artzat gefürt, der stur-
bent etwie menger. Es was ouch derselben nacht vast vinster.
Und als die viend die flucht so unerlich namen und iren
harnesch selber absnitten und werinen hinder inen liessen,
da meint man, si hetten einander selber erstochen und ver-
wunt; dann sich dieselben 200 man von Bern und andern Eid-
gnossen vast zusamen hielten und in ir Ordnung bliben, da-
ran si gar wol taten. Doch kamen derselben nacht in die
statt me dann 200 werlicher mannen, darzu gar vil bulvers,
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'Waldshntorkrieg.
253
wurdent ouch vier erstochen und einer gevangen. Man ver- hss
nam ouch darnach, das ir über viertzig ze Basel an den
artzeten lögen, die all wund worden warend uf die nacht.
Doch meintend ein teil lttt, si hetten’s inen selber vast ge-
5 tan, als es nacht und vinster was, und niemands wüsst, wer
fründ oder vind was; denn die unseren hieltend sich vast
zesamen und täten daran nit unwislich.
63. Als man vor Waldshut uf die fuotteri zoch.
Uf Sant Partolomes tag zoch man mit miner herren von 1468
io Bern venli und mit achthundert mannen uf die fuoteri, ouch
tetend die von Ure und von Underwalden einen zuschub mit
zweihundert mannen. Und als mau kam in das nechst dörfli,
do warend die vigend da ze ross mit zweiundhalb hundert
pferden, und kamend an etzlich, die vorusgeschossen warend,
is der gar lützel was. Also ward unser einer übel gewundt,
das er darnach starb, ouch ward einer gefangen ; und ranten
domit wider darvon. Also luffend gut gesellen, die wol zu
ftiss mochten, iemer mer den vigenden nach, ouch etlich zu
ross, bis gar nach zu der letze. Aber die Zeichen und der
jo huf zugend allergemachst hernach. Und wie fast inen die
guten gesellen nachhangten, so mochten si doch den reisigen
zug nit erilfen. Aber es warend etzlich lussknecht der vigen-
den mit inen für die letze lierusgezogen, deren waren dry
erstochen und einer gefangen, und etzlicher wund; die an-
as dem entrunnend inen. Wir vernamen ouch darnach eigen-
lich, das der schrek in die vigend komen was, das si sich
gekert und gericht hattcnd ab der letze ze fliechen ; und wären
mel und anderes, das man nachmalen wol und eigentlichen
vernam. 13. da warent die viend darin bi 200 zu ross und
etlich zu fuss. 14. umb roubens willen vor dannen geloufen.
27. hette man vertruckt und fürgezogen.
27. [Zwei Zusätze von Schilling.] Das die statt Waltzhut
nützit destminder an allen orten genötiget wart. Man
hat aber nützit destminder die statt Waltzhut bi vier
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W alfUhntorkrieg.
1468 wir für uns gezogen, wir hetten die letze on not gewunneu.
Also zugend wir heim in das läger und beleih die letze un-
gwunnen,
oder fünf wuchen belagert und doch vor und nach aller-
lei angriff und scharmutzens uf dem Swartzwald, an der
letze, ze Tüngen, ze Bondorf, ouch vor der statt Waltzhut
und an andern enden beschechen, da man merglich gut den
vienden genomen und ir ouch vil ertöt hat, als dann hievor
zem teil ouch gemelt ist; und aber dabi under allen malen
etlich knecht von Eidgnossen ouch umbkomen, die den mer-
teil iren houptlüten ungehorsam gewesen sind und mit Un-
ordnungen den vienden ze wit in iren vorteil gan und si gantz
verachten wolten, das aber selten nutz oder ere bringet. Wann
wie stark, wie gewaltig oder wie manlich einer ist, so sol
doch von göttlicher oder natürlicher ordnunge nieman sinen
viend als gantz verachten; dann was man mit guter Ordnung
tut, das mag kum ilbel geraten; wo man oucli in gehorsam
lebet, da würket die krall des barmherzigen ewigen Gottes,
wann doch gehorsamkeit in allen dingen die obreste tugent ist.
Das etlich Behem von dem riehen herzogen von Peiern
wider die Eidgnossen harnskamen und vermeinten, die in
Waltzhut zu entschütten. Es wurden ouch, in dem als
man vor Waltzhut lag, vom riehen herzogen wol sechs-
zechen hundert Behem zu hilf der herrschaft harusgeschickt;
und als die kamen, wart dennocht durch si nit krieghaftigs
wider die Eidgnossen gehandlet, wann das si den fründen
me Schadens taten dann den Eidgnossen: doch so liess
dennocht der rieh herzog dis durch sin botschaft gegen deu
Eidgnossen also verantworten: Er were mit herzog Sig-
munden von Oesterich in einer verstentnus; nach der inhalt
hett er im lüt müssen schicken, und ob joch die, so er im
geschickt hette, underwegen bliben und nit wider heim ke-
ment, da lege im nit vil an ; wann er hette im die eren und
siner versehribung halb, die si vor disen kriegen allen mit
einandern gemacht hetten, müssen schicken. Was er aber
suss zu friden und gutem in disen Sachen getun und bete-
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W aldahnterkriep.
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64. Wie der krieg zwüschen der herrschaft und den Eidgnossen
verrichtt ward.
Do das volk nun alles zesamenkam und niemants kam, HUft
der si angriffen wölt, als aber vorhin vil Warnungen beschechen
dingen möcht, das wolt er mit guten triiwen tun, als er und
sin vorderen iewelten getan hetten in dem vorgenanten fllnf-
zechenjerigen friden und anderen Sachen.
1. Das der vorgenant krieg zwischen der herrschafft
und gemeinen Eidgnossen bericht wart. Und als man nu
die statt Waltzhut mit dem geschutz, das dann die von Zü-
rich, und sunderlich die von Bern, darbracht hatten, an tur-
nen, muren und andern werlichen dingen imnassen beschos-
sen, und dabi mit schiffen uf dem Rine und andern brücken
und die graben inmassen zugerust hat, das ie von gemeinen
Eidgnossen angesechen und ouch die ordnunge gemacht was,
wie man an einem fritag fru im namen Gottes die sach mit
einem sturm zu lianden nemen wolt; und man sich mit
katzen, iglen, brücken, und anderm gantz darzu gerust hat,
h&bend sich der vorgenant hertzog Ludwig von Peyern, ouch
des bischoffs und der statt von Basel, darzu der Marggraff von
Röteln, die statt von Nüwenburg und ander durch ir treffen-
lichen bottschafften understanden, mit grossem ernst und fliss
in denen dingen zu arbeiten. Darnach kam ouch der bischoff
von Costentz in eigner persone gen Klingnow. Man gab ouch
des fürsten von Oesterich raten frid und geleit; und wur-
den von beiden teilen etlich tage zu Togern und anderswo
im velde geleist, und vermeinten dieselben herren und hot-
ten, die herrschaff't erbutt sich semlichs glimpl's und rechten,
das man billich darzu solt lassen reden; also vermeinten
ouch der merteil der Eidgnossen, man solte es tun, dann
möcht inen ein erlicher friden und darzu gelt werden, so
kernen si wol und erlichen heim. Aber die von Bern und
mit inen die von Sollotern und Fryburg, ir allerliebsten fründe,
meinten, man solt den angevangnen Sachen gnug tun, und
dem nachgan, darum!) man usgezogen were, und daruf man
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W «Jdshnterkrieg.
uta warend, und man die statt Waldshut ser und vast beschos-
sen hat, do ward man ze rat, die statt Waldshut ze stürmen,
und ward der sturm geordnet, in wellen fugen und wie man
so vil libes und gutes hette geleit, und also in dem namen
Gottes den sturm anfachen uud kein gelt darfür nemen ; dann
es gar vil erlicher wer, die statt mit ritterlicher hand und
dem swert zu gewinnen, dann also gelt darfür ze nemen,
und bliben ganz daruf. Das wolt den andern Eidgnossen
überein nit smecken, uud werent gern heim gewesen, und
meinten wie vor, wann inen gelt und ein erlicher friden
wurd, so hetten si es wol geschaffet. Es beschach aber meren-
teils darumb, das etlich von Zürich und ander ir zins und
guter zu Waltzhut und in derselben ort hatten, die vorchten
darumb zu körnen. Und also nach langen Worten, die dann
harunder gebrucht wurden, liessen sich die von Bern den-
nocht überreden und gedachten an die trüw und früntschaft,
das gemein Eidgnossen mit allen iren machten und panem
als brüderlich in das Suntkow zu inen ouch gezogen waren,
und schickten ir botschaft ouch zu den Sachen und wurdent
die ding nach vil red und widerred von einem an das ander,
das gar lang zu schriben were, durch den vorgenanten bi-
schof und ander also betedinget und abgeret, als harnach
geschriben stat.
Yon etlichen punoten und artickeln des vorgenanten ab-
geretten friden. Nämlichen, am ersten: Das die von Bern
und gemein Eidgnossen abziechen und das veld rumen, und
solten damit alle uflfrür, todslege, brand, roup, und anders
in disen kriegen vergangen, hin und gericht sin; darzu solt
ouch der fünfzechenjerig friden, zu Costentz gemacht, als
Diessenhofen gewunnen wart, gehalten werden und bestan,
nach inhalt der richtungbriefen.
Item, es solten ouch die houptsecher des kriegs, nämli-
chen die von Schafhusen, entschediget und abgetragen wer-
den der achtzechen hundert guldin, damit Hans am Stad, ir
burgermeister, von inen gelöst wurde, mit allem costen; und
ouch das si us der keiserlichen ocht wurden getan, an alle
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WalikhuU'rkrieg,
257
die statt stürmen solt, und rustt man sich wesentlich zu 146S
dem sturm mit katzen, iglen, bruggen und anderem gezüg.
In dem zurüsten kamend geritten des bischofs von Basel bot-
entgeltnus. Und inen ouch den von Höwdorff umb sin an-
sprachen abnemen und dannen tun.
Es wurden ouch mit sunderheit die von Mülhusen in
disen friden vertedinget, also das man si solt lassen bliben
bi allen iren friheiten und altem herkommen, ir merckten
und aller ander Sachen, und sicherlichen zu einandem
wandien. Und hette die herschafft ützit an si ze spre-
chende, oder si hinwiderumb an die herschafft oder die
iren, so solten si einandern fürnemen, als das in disem fri-
den ouch abgerett ist. Darzu solten ouch alle brantschatzun-
gen bezalt werden. Dis ward aber gar balde in mengen
stucken an denen von Mülhusen gebrochen und nit gehalten,
als man harnach hören wirt.
Und zu dem allem solt man geben gemeinen Eidgnossen
von den acht orten mit denen von Sollotern, die ouch mit
ir paner und einer treffenlichen macht da warent, an iren
kosten zu stür, umb das si us dem velde zugent, nämlichen
zechen tusent rinscher guldin ; darumb ouch die statt Waltz-
hut und der Swartzwald mit einandern den vorgenanten
Eidgnossen zu pfände geben und versetzt wurden. Und
swuren angends zu Gott und an die heiligen, nach lut
guter versigelter briefen, die daruinb nach aller notturfft uf-
gericht wurden, wo semlich gelt mit den achtzechenhundert
guldin, so denen von Schaffhusen gehörten, bis San Johanns
tag zu sungichten darnach kommende nit usgericht noch be-
zalt wurden, das dann die statt Waltzhut und der Swartz-
walt mit einandern zu ewigen ziten den Eidgnossen bliben
und dienen solten in allem dem rechten, wie si einer her-
sehaft verbunden weren, das ouch die herschafflt verwilligen
must. Semlich gelt alles kam uf dasselb zit gen Bern und
ward gar früntlich und brüderlich geteilt. Denen von Bern
ward ouch vorus von demselben gelt an iren costen der
grossen büchsen, des bulvers und anders zu stür, vierzechen-
Quellen zur Schweizer Geschichte. I. 17
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Waldihuterkrifg.
1468 schaft, der statt von Basel, des marggrafen von Rötelen und
ander; damach kam ouch dar der bischof von Costentz mit
sin selbs person, ouch des fürsten herzog Ludwig von Peyren
und ouch der statt Nürenberg; erbuten sich, in disen Sachen
ir bestes und wegstes ze tund, ob es zu Ariden komen möcht; *
und meintend also, die herrschaft schlugen den Eidgnossen
sölich erlich, glichlich Sachen für, das si billichen darzu losen
Sölten. Also warend etzlich Örter der Eidgnossen daran,
man söllte zu den Sachen losen; meintend aber min herren
von Bern und alle die iren, man sölte den Sachen fllrerio
nachgan und das volbringen darumb man dargezogen wäre;
denn die statt in sölicher mass beschossen was, das si mit
gottes hilf wol gewunnen worden wäre; meintend aber etz-
lich der Eidgnossen, wenn si einen erlichen friden heim-
brächtind und inen darzu gelt wurd, so kämend si mit eren n
hundert guldin, die inen die Eidgnossen verheissen und zu-
geseit hatten, desglich denen von Zürich ouch. Dem burger-
meister von Schafhusen ward ouch sin abgenomen schatzgelt
widerkert.
Und also, nach semlichen Sachen und richtungen allen
zugen die von Bern und ander Eidgnossen mit grossen eren
wider heim und namen urlop von einandern in allen brüder-
lichen trüwen. Und als die von Bern mit iren büchsen und
dem grossen zuge neben der statt Waltzhut den uechsten
weg uff dem graben abzugen, da ruft ein alt wib überlut
mit heller stimm: 0 du unseliger grimmer ber! wie liastu
uns so gar übel gekratzet und zerrissen! ich bitten Gott,
das sich das ertrich ul'tüge und dich verslinde, und dich
niemermer weder glück noch heil angang. Das wart anders
nit verantwurt dann mit lachen. Man hat ouch in disen
zwein zügen gar mengerlei und vil getan, das umb kürtzerung
der ding underwegen gelassen wird. Die von Bern und an-
der Eidgnossen haben ouch gar erlichen kriegt; dann in
disen beiden zügen haben si weder böme, reben, körn, noch
anders desglich verwüst; als dann der herschaff't lüte denen
von Mülhusen getan und an inen erzöugt hand.
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"VValdshuterkrieg.
259
heim. Doch so blibend ie die von Bern lang uf ir sach und 1468
meintend, irer sach mit der statt Waldshut ftlrer nachzegan.
Also nach langen Sachen ward so vil darzu geret, das die
von Bern ouch ir botschaft zu den Eidgnossen fügen muss-
s tend und lassen zu den Sachen reden. Und ward also zu
dem lesten abgeret und verricht uf soll ich form und meinung
als hienach stat.
Item so ward ein friden vor Waldshut im veld gemacht
durch die vorgenambt botschaften von herren und stetten,
io die fünfzechen jar us als der ze Costentz gemacht was, do
man Diessenhoven gewunnen hat, nach inhalt der richtung-
briefen darüber gemacht. Es sollen ouch die houbtsächer,
nämlich die von Schaffhusen, von deretwegen sich der krieg
erhaben hat, entschediget werden der achtzechenhundert gul-
is den, damit Hans im Stad usgelost was, und der kost; ouch
sollen die vorgenambteu unser eidgnossen von Schaffhusen
usser acht gelöst werden one entgeltnuss irahalb, und sollend
ouch darmit herr Bilgeri von Hoidorf umb die houbtsach be-
richtet sin; es söllend ouch unser eidgnossen von Mülhusen
2o in disem friden ouch begriffen sin und soll man si lassen
beliben bi iren alten friheiten oder harkomenheit der märitten
und andrer Sachen halb und söllend zesamen wandien sicher
und fridlich; hand ouch die von Mülhusen an der herschaft
von Oestrich ützit ze sprechen oder die herschaft an die von
Mülhusen, so sollend si einandren gerecht werden nach dem
denn das vor Waldshut abgeredt ward ; es sollend ouch all
brandschatzungen bezalt werden, und soll man geben den
Eidgnossen für die statt Waldshut zechentusend guldin,
darumb sich ouch die statt und der Schwarzwald versetzt
so und angends, ob man das veld rumen wölt, geschworen üb-
lich eid zu Gott und den heiligen, wo das gelt nit sambt
den achtzechenhundert gülden, die den von Schaffhusen ge-
hören, nit bezalt wurde uf den nächstkünftigen St. Johans
tag ze sungichten, denn sölte der Wald und die statt Walds-
36 hut one alle fürwort gemeiner Eidgnossen sin mit aller recht-
same, wie si einer herschaft von Oestrich ietz gewant siend.
Das gelt kam ouch darnach uf das genant zil gan Bern in
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2(J0
W&ldiliuter krieg.
uea die statt, nemlich die zechentusend guldin, und ward erberk-
lich und redlich bezalt.
65. Uf ein end dis kriegs.
Und als ir gehört hand die Sachen und die löuf des ver-
gangnen kriegs, den anfang, das mittel und das end, uf das 5
kürzest begriffen, want mengerlei handeis, Worten und wer-
ken halb, sich verlüfFend; doch so mag man hier verstau,
was willens die herschaft von Oestrich, ir landvögt, diener
und lüt gewesen sind, besunder gegen unser eidgnossen von
Mülhusen, denen si doch leider Gott vil kummers zufugten 10
an iren schönen reben und an iren berenden böumen und
an anderen iren früchten, die si inen alle in grund verderbt
hand. Es stundend ouch zwei arme siechenhüser vor der
statt; die mochtend vor inen nit genesen, denn si müssten
verbrunnen [sin], damit si die von Bern, von Sollotern und is
ander ir lieben eidgnossen gereitzt und bewegt hand, über
si ze ziechen, und inen grossen schaden getan hand mit roub
und mit braud; wie doch dem allem gewesen ist, und mit
wie grosser macht die Eidgnossen an drien enden durch das
land gezogen sind der vigeuden, so sind si doch all des *»
willens gewesen und hat sich iederman gehütet, das man
inen kein schaden wolt tun an iren reben, an den berenden
böumen und an irem körn, dess man alles mit fliss geschonet
hat; ouch hat man weder kilchen, noch priestern, noch frou-
wen, noch kiuden dehein Unzucht nie erboten. Das mag»
ich mit der warheit wol schriben und ich nit anders gese-
chen und gemerken kont, denn das die fromen Eidgnossen
nit anders denn nach eren gekriegt hand. Hiemit sie diss
Sachen ein end in dem namen des alimechtigen gottes, der
nun und hinfür zu ewigen ziten behüten und beschirmen »
wolle die fromme Eidgnossenschaft vor allen iren vigenden.
Amen.
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Verschiedene Begebenheiten.
201
66. Das unser frouwen oappel gemaoht ward.
In dem jar, do man zalt tusend vierhundert acht und usa
sechzig jar, do ward unser lieben frouwen cappel gemacht
uf dem pein by der ltltkilchen, und ward die alte schul und
5 die alte cappel dannen gebrochen.
67. Eine brunst zu Untersewen.
Uff frytag am sibenten tag zu usgendem meyen in dem mp
jar als man zalt tusend vierhundert und sibenzig jar am •afo‘25
morgen fril umb die zwei, do gieng für uf zu Unter-
wsewen und verbrant die statt in grund was in der ring-
in uren was.
Schilling 1. Wann unser lieben frowen cappel und
ouoh das beinhus gebuwen wart. Do man zalt von der ge-
bürt unsere herren Jesu Cristi tusend vierhundert sechzig
und acht jar, wart unser lieben frowen cappel von nilwem
ufgebuwen und gemacht, und wart die alte cappelle und
schul dannen gebrochen und das totenbein in dem beinhus
darunter ouch gar ordenlich geleit; und ward von biderben
luten vil geltes daran ufgenommen; doch hat die statt des
gar merglichen costen, und beturet sy des gantz nit, des si
die himmelkünigin magt Maria nach minem begeren wol
ergetzen mag. Und warent buwmeister derselben cappelle
Jacop Closs und meister Tilmann ein scherer, zwen burger
von Bern, die ouch darzu grossen ernst hatten.
6. Das die statt Untersewen gantz mit einandern verbran.
Darnach in dem andern jar, an einem frytag nach dem rney-
tag, am morgen fru, um die zwey nach mitternacht, ging
füre uf zu Untersewen und verbrant leider die statt zu
gründe was in der ringmur was, des die armen lüte zu
grossem verderplichem schaden kamen. Die von Bern, ir
herren, taten inen gros hilf und stUr, damit si wider mochten
gebuwen; si machten inen ouch ein nüw koußius, das gar
vil costet, und ander gros hilf die si inen tatent.
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Twinglierrenitreit.
68. Von dem gebot so zu Bern gemacht ward von der spitzen
an den Bchuchen , den langen sohwentzen an den kleideren
und ander Sachen wegen.
[t466] In dem jar als das heilig wirdig sacrament mit der mu-
strantzen zu Bern leider dieplich zu Bern verstolen ward in *
der ltltkilchen, darab nun min genädig herren gar ser er-
schrecken, und ouch ein erschrockenlich ding ist, da ein söl-
cher kostbarer schätz verloren wirt und hingetrageu, und
wol ze besorgen ist, daz das umb Gott in etlich weg ver-
schult worden ist, das ein sölicher verlust nit widerumb 10
vintlichen, ouch der almächtig ewig Gott sölich gross freven-
heit, unehr und bosheit, so mit im t'ürgenomen und begangen
Schilling. 1. Wann das heilig sacrament leider us dem
münster zu Bern verstolen und dieplichen genomen wart. Do
man zaltvon der gebürt unsere herrn tusend vierhundert secht-
zig und fünf jar, ward leider das heilig wirdig sacrament mit
einer köstlichen silbrin monstrantzen us dem münster verstolen
und hinweg getragen und beschach das in einer nacht, und
da man morndes in die kilchen kam und den merglichen
verlust sach, da erschreck menglich von gantzem hertzen,
als nit unbillich was. Und wurden etlich personen, geistlich
und weltlich, darurnb gevangen und in mengen weg ersucht
und mocht man doch uff keinen rechten grund körnen. Die
von Bern schriben ouch Ln Tütsch und Welsch lande und
schickten mengen botten us, des si gar grossen costen hat-
ten, und konde man das niendert erfragen, bis lang darnach
vernam man, das es durch einen priester, der dann gestor-
ben, verstolen was; derselb hat das an dem totbette ver-
jechen ; das ward den raten von Bern in geheimd durch etlich
from priester geseit, und beschach das darumb, das ander
from liite, die man damit verlümbdet und in argwon hat, zu
friden kemen, das gar wol getan und gein Gott dem all-
mechtigen nit Sünde was.
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Twingherrenstreit.
263
za Bern in der statt ungerochen von im selbs belibt, das
doch ein sölich gottslesterer, der sölich diebstal, frevenheit
und schmachheit dem allmechtigen Gott erbütet, in etlichen
weg angendes nit geschent, geplaget oder gestraft von im wirt,
# als dick an menigen enden, da desglichen beschechen ist,
gross wunderzeichen sind beschechen, damit denn geoffen-
baret ward der ein solcher gottsschmächer was und im ouch
sin Ion ward.
Harumb, das der allmechtig ewig Gott der statt Bern
io hinftir dester gnädiger, barmherziger und hilflicher in allen
Schilling. 9. Das etlich Ordnungen und Satzungen von
des vorgenanten grossen Verlustes des heiligen und wirdi-
gen sacraments wegen gemacht wurden. Und nachdem dann
die von Bern betrachten wurden, wie es inen mit semlichem
harten verlust als übel ergangen was und iederman darumb
betrübt wart, da machten si dem allmechtigen Gott zu sun-
derm lobe und eren, umb das er einen zom gegen inen ab-
lassen und barmhertzikeit erzöugen wolt, etlich Satzungen
und Ordnungen: Am ersten, von der bösen swüren, ouch
von des spils, der kurtzen kleidem, und sunderlich der lan-
gen swentzen halb an den frowenkleideren, ouch von der
langen spitzen wegen an den schuchen, in semlicher mey-
nunge, das man sölich Satzungen und Ordnungen alwegen
am ostermentag mit andern Satzungen und Ordnungen swe-
ren und bi der buss darüber gemacht halten solt, das ouch
beschach. Und wurden die Ordnungen am nechsten oster-
mentag darnach mit andern Satzungen geswom und etwas
zites gehalten, das aber dennocht nit lang bestund und von
menglichem in der statt und uf dem lande allenthalben ge-
brochen wart, und sunderlich von den edlen, frowen und
mannen, die vermeinten, man hette inen weder von der
swentzen noch von der langen spitzen wegen nit zu ver-
bieten, dann si also harkommen werent, das man inen bil-
lich vor andrem gemeinem volck einen vorteil tun und gön-
nen solt; desglich wurden die andern Ordnungen von dem
gemeinen volcke, mannen und frowen, ouch gebrochen und
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264
Twingherrenrtreit.
iren Sachen sin wölle und sich mit sinen göttlichen gnaden
von der statt nimmer scheiden welle — als ich ouch nit ge-
trüw das uns den schätz niemants gestälen möge — , so hend
min gnedig herren, ein schultheiss, der rat und die zwei-
hundert der statt Bern ufgesetzt und geordnet etzlich löblich 5
Satzungen, in ir statt und uf dem land und allenthalben in
iren gebieten ze halten, gar treffenlichen gesworen mit ufF-
gehepten eiden zu halten, nun und alwegen und zu ewigen
ziten unabgenklich ; und sölich Satzungen ouch ein zit also
gehalten und dera nachgangen ward, aber nit lang, denne das 10
sölich ufgesetzt, geschworen und gemacht Ordnungen abge-
lassen wurdent durch etzlich sonder ltit, und doch nit durch
einen gemeinen gesessnen rat, vor denen denn sölich Satzun-
gen ufgesetzt wurdent; und verhelfend sich die zit also drü
oder vier jar, das der Satzung ganz nüt nachgangen und die is
verachtet ward, wiewol gar dick und vil söllich unbillich
Sachen angezogen, gerüget und gemeltet uf den kanzeln von
den priestem au ira bredyuen wurdent, das sölich eid, die
so hoch gesworen und gelobt wurdent, nit gehalten, fräven-
lich gebrochen und denen in deheinen weg nachgangen *o
wurde, darumb aber Gott gar swerlich erzürnt werden möcht.
Söliches lag nun einer gemein von Bern ob und gieng men-
gem biderben man ze herzen, so ver
69. Das die Satzung ernüweret ward, der spitzen, der swenzen
und anderer Sachen halb. »
U70 Das in dem jar, do man zalt tusend vierhundert und
sibenzig jar an dem ostermentag, so man setzt einen schult-
nit gehalten, und möcht man nieman me gemeistern noch
darvon bringen.
24. Das die Satzungen und Ordnungen aber wider ernü-
wert und gesworen wurden. Dis gestund bis das man von
Gottes gebürt zalt tusend vierhundert und sibentzig jare, da
wart an einem ostermentag von den zweyhunderten mit der
meren hand zu einem schultheissen erwelt Peter Kistler, von
dem erbern handwerck der metzgern, der was vorhin lange
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Twingherrenstreii
265
heissen, die vier venner und die zweihundert, den grossen lfio
rat der statt Bern, und man da swert und sweren soll nach
löblicher gewonheit, der statt friheiten, Satzungen und Ord-
nungen ze halten, die man ouch da öffentlich vor einem
zit ein venner zu Bern gesin. Und als man dann gewonlich
am ostermentag die Ordnungen und Satzungen von der Zünf-
ten und ander Sachen wegen swert, da schrüwent etliche
under den zweinhunderten, man solt die Ordnungen und
Satzungen von der spitzen und swentzen wegen ouch wi-
der harfür tragen und die mit andern Satzungen, als vorhin
ouch beschechen were, sweren und halten; und wart das
geschrey von denselben als gros, das man dieselben Satzun-
gen und Ordnungen harfür trug und verhört; die wiseten in
einem artickel, das man die unablosslichen halten solt und
vorhin ouch gesworen hat. Und wiewol das mengem bi-
derben mann leid, so was doch das wort unablessig durch
den schriber, der das gemacht und villicht nit als wit be-
dacht hat, war es in künftigem langen wurde, darin gesatzt,
uf das ouch der merteil von burgem fiel; und wolten ie ge-
bebt haben, das semlich Ordnungen mit andern Satzungen
wider emüwert, gesworn und ouch gehalten wurden by
den penen und bussen daruff gesatzt, das ouch an demselben
ostermentag beschach. Deshalb gar merglich irrungen und
unruwen zwüschen dem adel und anderm gemeinen volck
erwuchsen, als harnach stat. Darumb man sich nu künftic-
lichen gar wol bedencken und betrachten sol, wann man
semlich oder derglich Satzungen oder Ordnungen machen
welle, das man darinne gewalt Vorbehalt; nachdem dann ein
statt Bern von mengen Römschen küngen und keisem so
hoch und löblich begabet und gefriget ist, das si in allen
iren Sachen, Satzungen und Ordnungen machen und die als
dick inen eben ist abtun, endem, mindern, meren oder ander
machen notigen. Und wer das in disem ouch beschechen und
das einig wort, unablessig, nit darinne gestanden, so wer man
bi guten ruwen bliben; darumb soll im niemau sin eignen
gewalt nemen noch sich des berouben, dann anderes nit dann
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m
Twingherrenstreit.
WO grossen rat der zweihundert list und swert, als vorstat, do
ward ouch angezogen von etlichen fromen loten, das under
andern Satzungen solche hievor berllrte Satzungen, so man
vor etzlichen vergangenen jaren ufgesetzt gar treffenlich
grosser rüwen und etwan zweyung darvon kompt, davor uns
Gott, nach minem begeren, ewiclich behüten welle.
Das man semlich Ordnungen und Satzungen offenlich an
dem cantzel in dem münster vor einem gemeinen volcke lesen
lies und man den edlen frowen einen vorteil erbott. Do
nu die Ordnungen und Satzungen wider emüwert und ge-
swom wurden, da hat man lüte darzu geordnet, die daruf
lugen solten; und sunderlich der gerichtschreiber, grossweibel,
und die andern gemeinen weibel alle, die semlichs an die
heiligen swuren, und das ouch rechtvertigen musten; doch
wart den edlen frowen darinne eine billicheit und vorteil
Vorbehalten, das si sich mit berlin, siden, edlem gestein, gold,
vech, und anderm, nach irem gevallen, uszeichen, und aber
bi dem mess der spitzen und swentzen, nämlichen die
swentz ein gemüude uf dem herde, und die spitz an den
schuchen eins vordem gleiche lang an den vingern, und nit
lenger, nach inhalt der satzunge, und als ander bliben und
tragen solten; und wart ouch semlichs an offnem cantzel vor
allermenglichem gelesen und andern gemeinen frowen soli-
cher vorteil, als davor gesündert ist, verboten.
Das die edlen zu Bern, von mannen und frowen, an di-
sen dingen, dem vorteil, kein benügen haben und das nit
halten wolten. Do nu semlicher vorteil am cantzel gelesen
und den edlen frowen Vorbehalten wart, in Worten als obstat,
da hatten der adel, von mannen und frowen, kein benügen
an, und meinten, si weren dabi und mit nit gewesen, und
hetten ouch das nit gelobt noch gesworn, und satzten sich
etwas darwider und meinten nit das man inen semlichs ver-
bieten noch kein Satzung noch Ordnung über si machen
möcht, sunder solt man inen vor andern einen vorteil lassen,
als dann das in aller weit recht und ouch dem adel zuge-
eignet were, und meinten, ir wiber und töchtem könden
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Tw ingherreustreit.
267
gesworen und geordnet het ze halten flir uns und unser WO
nachkomen, abgegangen und gar liederlich geschetzt und nit
gehalten wurd, darum b Gott wol swerlichen erzürnt werden
möcht. Und warend das solich artikel in der Vorberürten
s Satzungen, nämlich der langen kleideren, der schwentzen,
und der kurzen kleideren der mannen, und der spitzen an
den schuen.
Nun warend die vorberürten zweihundert, der gross
rat der statt Bern, ganz des gemüts und des willens, das si
x« uf dem vorgenambten ostermentag dehein friheit, Satzung
noch Ordnung schweren wölten, dieselbe Satzung wurde denn
ouch gehalten und ernüweret, als die vor vier jaren ufgesetzt
und ze halten gesworen ward. Und nach verhörung dersel-
bigen Satzungen, so ward si ernüweret, geschworen und ge-
i5 boten zu halten bi der pen und buss, als denn die daruf
vorhin gesetzt ward, und sölte ouch deme fürwerthin getrüw-
lich und fromklich nachgegangen werden one alle widerred,
und darwider nimmer me getan noch darin gebrochen wer-
den bi der buss als vorstat, von edlen und unedlen, mannen
» und frouwen, niemants usgescheiden. Wiewol war ist, das
etlich under minen herren den edlen, oder all gemeinlich
sich gärn darwider gespert und gesetzt bettend, so ward es
doch nach verloffnen Sachen und nach vil inzügen beschlos-
sich mit keinen andern dingen uszeichen noch bekantlich
machen, dann mit den langen swentzen an iren kleidern.
Den andern vorteil, mit gold und andern dingen, den man
inen hette geben, der wurde von gemeinen frowen ouch ge-
brucht. Und wart gar grosser merglicher unwill von inen ge-
sechen so verr, das ein gemein geschrei allenthalben in Eid-
gnossen und an andern enden gebrucht und offenlichen gerett
wart: Es weren uneinikeiten und gross parthien zwüschen
dem adel und der gemeinde von Bern, das von Gottes gena-
den nit was; und wurden vil wunderlicher und seltzner
Worten gebrucht von einem und dem andern die ich umb
der kürtze und sunderlich umb fridens und ruwen willen
underwegen lass.
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Twingherrenstreit.
1468 sen wie obstat, und ouch gehalten, und alle die gcfertiget
und gestraft, die denn darwider tettend; und dieselben min
herren von dem adel, ir mithaften, ir frouwen und wiber,
so si hattend, sich vast wider das ufgesetzt Ordnung und
Satzung sparten und satzten, und nit meintend, das man si s
sölte zwingen und trengen, die Satzung ze halten, sonderlich
der schwentzen halb an den kleideren; und suchtend und
stiessend in ir mann gar mengerlei wegs und flirzugs, damit
man versucht, ob man die Satzung möcht abgetun und miner
herren gebot an ruggen werfen und ir will damit ein fürgang w
gewun. Darwider aber meintend min gnedigen herren, die
rät und die zweihundert, das es gar ein schimpflich ding
were, solte man also liederlich vallen von sölichen löblichen
guten Ordnungen und Satzungen, die doch verzogen warend
so treffenlichen bi hochen gelübten und eiden, als man doch ,5
gegen Gott in deheinen weg mit glimpf und eren verspre-
chen möcht.
Nun ist war, es kam ein geschrei und red in die land
hinus zu unseren eidgenossen und ander stetten und lende-
ren, wie nun solche uneinhelligkeit, partyung und zweiung K
uferstünd und sich erhub zu Bern von sölicher obgeschribe-
ner Sachen wegen, das darvon wol gar vil böser und übler
dingen entspringen möcht; und macht man die Sachen gar
hert und vil herter denn si aber an inen selbs warend.
Schilling. 18. Das min herr von Basel, der marggraff
von Röteln, und ander von der sach wegen gen Bern kamen
und sich in trüwen arbeitent. Darumb da nu semlich wort
allenthalben gerett und gebrueht wurden, das in der statt
Bern ein misshell und zweyung sin solt, da kamen gen Bern
die hochwirdigen und hochgebom fürsten und herrn, herr
Johanns von Gottes gnaden bischof zu Basel, der was einer
von Venningen, und herr Rudolf marggraf von Hochperg, graf
zu Welschem Nüwenburg, herr zu Röteln und Susenburg,
gubernator zu Lützelburg, der ein ewig burgrecht mit denen
von Bern hat; darzu der erbem stetten boten, von Basel,
Sollotern, Friburg, Biel und ander, als getrüw herren und
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Twingherrenstreit.
209
Durch wen das aber zugieng, das lass ich sin als es ist. Denne
die mer wurdent so hert, das der hochwürdig iiirst, der bi-
schof von Basel, der hochgeboren filrst marggrat' Rudolf von
Hochberg, herr zu Rötelen etc. mit ir selbs personen, die
5 statt von Basel, die statt von Friburg, Sollotern und Biel,
von der Nüwenstatt, und etzlich von den Eidgenossen ir bot-
schait har gan Bern schickten für schultheiss, rät und zwei-
hundert, das si iren bissigen ernst darzu bruchen solten, als
si ouch taten, ob man in keinen weg möchte finden, das sö-
10 lieh ufgesetzt Satzungen möchten abgetan und hingelegt wer-
den, als das ouch gar in mengen weg vor dem vorgenambten
rat versucht und fürzogen ward, das doch nit inocht noch
kont gesin von Ursachen wegen als ir vor gehört hand, wie
dieselben Ordnungen und Satzungen ufgesetzt und gesworeu
i5 worden sind ; und wurdent also mit fürlegung und verhörung
sölicher gesatzten gütlich abgewist und inen ein antwort ge-
geben, das si also dazemal von Bern rittend und schiedent,
und die sach bestund wie vor; daran aber mine herren von
dem adel und ir mithaften nit ein gut benügen hattend, und
20 meintend ie, si solltend billich einen vorteil. haben nach irer
harkomenheit. Und ward also allerlei geret und gebrucht
wo man uf tagen was under den Eidgenossen oder in miner
fründe ; denen dann semlich irrungen und zweiträcht in
gantzen trüwen leid waren, und begerten an die von Bern,
räte und zweihundert, inen der Sachen zu vertruwen und
ander gut mittel darinne zu suchen, damit man bi l'riden und
einikeit möcht bliben, mit gar früntlichen worten und erbie-
tens, das dennocht menglich wol erkant, das inen die ding
vast zu hertzen gingen: also wart inen von raten und bür-
gern vast gedancket und wurden inen die gemachten Satzun-
gen und Ordnungen vorgelesen und zu erkennen geben,
warumb die gemacht und angesechen weren, und das mau
davon eren halb, nachdem man die gesworen hette, nit
wol köude noch möcht stan, und wurden also dazemal
gütlichen von Bern gewiset, wiewol si ungern dannen
schieden.
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Twingherrenstrtit.
wo herren von Bern gebiet, sovern und wit, das gemeine Eid-
genossen von allen örtern ze rat wurdent, ir treffenlich bot-
schaft sambt den stetten Friburg, Soloturn und anderer har
gan Bern in die statt schicktend und geschickt ward zum
anderen mal für schultheiss, rät und die zweihundert, und s
soltend da suchen etzlich weg und ir vermögen tun, wie die
Sachen am allerbesten zerleit würden; und bruchtend allwegen
ire wort uf die form und meinung, wie ein zweiung und ein
grosse uneinhelligkeit uferstan möcht von sölichen Sachen und
vil übler Sachen darvon entspringen. Da aber min gnädigen 10
herren, schultheiss, rät mit den zweihunderten, die doch ganz
einhellig in disen Sachen warend, nüt anders konten finden,
das ganz dehein uneinhelligkeit noch partyung under inen war,
sonder so werend si gantz einhellig miteinanderen, si wolten
ouch gern getrüwlich halten was si ufgesetzt, gelobt und ge- «
sworen hetten als ir vorderen, von denen man nie anders
vernomen hette; es weren wol etzlich, die sich widerten die
Satzungen ze halten und nit mit willen den Ordnungen nach-
giengend, die si doch zum teil hettend gehulfeu raten, setzen
und ordnen ; man getrüwete aber, si gedachten sich der tagen a>
Das darnach gemeiner Eidgnossen und ander hotten ouch
gar treffenlichen gen Bern kamend. Do nu die vorgenanten
herrn und botten von Bern furen und inen gar leid was,
das si nit geschaffet hatten, da wart der unwill vom adel,
von mannen und frowen mit irem anhang, noch grösser und
ie mehr inrisen, und meinten ie man hette si in semlichem
nit also zu zwingen, sunder solt man inen vor anderm ge-
meinem volck einen vorteil lassen, dann si dennocht semlich
Satzungen noch Ordnungen nit gesworen hetten noch willen
darzu geben; und was allweg ir meinung von der langen
swentzen wegen an den cleidem, damit möchtent sich ir
wiber und töchtern bas dann mit andern dingen uszeichnen ;
und wurden gar mengerlei seltzner worten zu Bern in der
statt und allenthalben im lande gebrucht und gerett, es we-
rent irrung und zweyung under inen; das wart ouch in den
Eidgnossen und anderswo unverholen gerett. Umb das ka-
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Tw inghcrrcnstreit.
271
eins bas. Und werdend also der stetten und der Eidgenos- w 0
sen boten abgewist und inen geantwortet uf die form und
meinung wie obstat, mit mer und hübscheren Worten.
70. Wie der adel zu Bern frevenüch wider miner gnädigen
s herren gebot tetend einhellenklich.
Also verluff sich die zit untz uf S. Catrinen, der heiligen wo
jungfrouwen tag in dem vorgenannten jar an einem sontag, N.^'
do man das heilig ambt sang in der mess. Do kommend die
vorberürten min herren von dem adel, ouch etliche irer mit-
»o haften, nach den vorgeschribenen vergangnen Sachen in die
lütkilchen freventlichen wider das ufgesetzt gebot und nach
dem abschlachen der grossen bitt, so denn mer denn einmal
an min gnedig herren rät und zweihundert beschechen was,
mit ira spitzen an den schuchen über das mäss, desglichen
is ir frouwen und wiber mit iren swentzen an den kleideren
wit über das mäss, und losten also das heilig ambt und die
mäss. Was si des gottslons hattend, das setz ich hin zu Gott;
der erkennt alle hertzen. Nun was mancher biderbman zu
Bern, der das gesach und ser erschrack ab sölichem ir für-
aonemen; denn man da wol verstund, das sölich fümemen mit
einhellem rat under inen beschach; und beducht ouch man-
chen biderman, das sich sölich ir fümemen nit ziechen noch
angesechen wär uf einigkeit, sonder uf zwitrachtigkeit und
partyung der ganzen statt ze Bern, denne das ein schultheiss,
25 der rat und die zweihundert mit Vernunft und wisheit darin
giengend und die zum besten wider übertrugend uf sölch
wis und meinung als hienach stat:
men ouch gemeiner Eidgnossen hotten von stetten und len-
dem und darzu ander erber botten gen Bern, und begerten
ouch an rät und zweihundert inen gönnen in dis ding zu
reden und etwas mittel zu suchen, damit man zu friden und
ruwen kerne, mit gar früntlichen worten und vil erbietens.
Also wart inen ouch vast gedancket und luter zu erkennen
geben, warumbe man dis ding angesechen bette, und wurden
inen ouch die gemachten Ordnungen und Satzungen, als ouch
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272
Twinglierrenstreit.
71. Wie min herren von dem adel förgenomen wurdent von
Übertretung des gebots wegen.
1410 Item nachdem und denn sölich Sachen von minen herren
und frouwen dem adel frevenlichen fürgenomen wurdent, als
den vorbestimpten herrn, vorgelesen und ouch dabi gesagt,
das man von eren wegen nit wol davon lau noch die endern
möcht, und schieden damit ouch von Bern, und warent nit
wol content.
1. Das der adel, von mannen und frowen, mit irem anhang
die obgenanten Satzungen mit einandern brachen und nit
halten wolten. Bis gestund also durch das gantz jar an, bis
umb wienechten, und wurden dazwischen etwie menger von
dem gemeinen volck, die dann semlich Satzungen brachent,
mit recht gevertiget, die ouch darumb leisten musten. Und
also an sant Catherinen tag, der heiligen jungfrouwen und mar*
trerin, der da was an einem Sonnentag, da kament etlich von
dem adel mit irem anhang, als man dann das fronamt und
die mess hat angefangen, oflenlichen in die kirchen gan mit
iren langen spitzen an den schuchen, desglich derselben
edlen wiber, töchtern und jungfrowen mit iren langen
swentzen an den kleidem und ouch langen spitzen au den
schuchen, das alles über das mes und wider die gemachten
Satzungen und Ordnungen was, daran menglich ein Unwillen
nam, und vorcht menig bidermann, das darus grösser unruw,
und anders das zu misshelle dienen, entspringen wurde;
doch wart es, von Gottes gnaden, zem besten undertragen.
Und glich an demselben Sonnentag wart inen allen vom adel,
frowen und mannen, von schultheissen und räten tag verkündt,
das si morndes, am mentag, für das usser gericht gan und
da nach inhalt der Satzung erwarten und liden solten, was
recht were. Daruf was ir aller begern, das man an inen
nit also ilen, sunder inen morndes, am mentag, gemein bur-
ger mit der glocken berufen, vor denen si dann ir Sachen
und anligen erzelen und dann aber was recht wer liden und
tun wolten; das inen ouch zugesagt wart. Und kament mit
<
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Twingherrenstreit.
273
vors tat, uf denselben tag ward inen tag verkündet, das si
momdess für recht an das gericht komen sollend und mit
recht gefertiget werden als andere, so sölich gebot gebrochen
und darwider getan hetten. Nun was ir begeren und anmu-
5 tung an mine gnedigen herren schultheiss und rat, man wölt
inen sölich Sachen und gericht ufschlachen, und inen gönnen,
einen grossen rat, nämlich die zweihundert, ze samlen: vor
denen wolten si ir antwort geben, das si getruwtind des
glimpf und er zu haben. Das geschach und ward gesammet
io ein grosser rat zu Bern, die zweihundert, mit der gloggen.
Also stundent si dar gemeinlichen und einhellenclichen und
leitend iren glimpf an tag so si best mochtend. Begertend
ouch darbi, man sölt inen ein gemein, gut, stark gricht ma-
chen und si darftir lassen komen, da woltend si getrüwen,
is ir Sachen in sölicher mass an tag ze legen, das si in disen
Sachen anders nützit fürgenomen hettind, dann das si mit
recht wol verantworten möchtind. Dis ward inen völlenkli-
chen zugeseit, und ward gemachet und verordnet ein gut
gericht mit erbaren, fromen lüten von minen herren den raten
einandern tiir gemein burger und retten, was si getan hetten,
das were nieman zu leid beschechen, sunder von inen also
angevangen und understanden, das si meinten recht darzu
haben, dann si doch semlich Satzungen nit gesworn noch
willen darzu geben ; so hette man inen ouch einen vorteil vor
andern verheissen und zugesagt, der inen ouch nit worden
wer, das si könden oder möchten benügen daran han. Und
ob man si darumb mit recht vertagen oder ersuchen und si
des nit üherhebt möchten werden, so begerten si das man
inen ein offen gericht, mit fromen, erbern und unparthien lüten
machen und besetzen, so wolten si sich darnan [daran? darnach?]
nach dem besten verantwurten, des si getrüwten glimpf und ere
zu erlangen ; das inen ouch von räten und zweihunderten zuge-
seit. Und wart ein starck gericht gemacht in der grossen rat-
stuben zu Bern, dahin gar vil luten kamen von mannen und
von frowen, das die gross Stuben allenthalben vol lüten was,
das sich nieman wol gerüren noch gewenden mocht.
Quellen zur Schweizer Qeachichte. I.
274
Twinghsrrenitreit.
1*10 und den bürgeren und ouch inen da befolchen, was recht
wär solt man inen lassen vorgan; das ouch beschach. Und
ward geraten und geheissen, das ein schultheiss selber richter
in der sach sin sölte. Wie es sich aber gab im rechten von
eim an das ander werdent ir hienach gehören und verstan in s
den urkunden ; darumb ist nit nottilrftig, das ich titzit mer
darvon schrib.
72. Hier facht an das urkund, das Niolans von Erlach, der
unelioh, an dem gerioht nam; wand er ouch der erst ward,
der mit recht fürgenomen ward von der spitzen wegen. «
Nov. Ich Peter Kistler, schultheiss zu Bern und richter in dirre
29
nachgeschribnen sach, vergi ch offenlieh und künden all er-
menglich mit disem brief, das ich donerstag vor S. Andresen
tag des heiligen zwölfboten, als man von der gebürt Christi
zalt tusent vierhundert und sibenzig jar, von heissens und u
befelch wegen miner gnedigen lieben herren, der räte und
bürgeren, die man nennet die zweihundert, in der grossen rat-
stuben ze Bern öffentlich zu gericht gsessen bin: kam für
mich das gemein gericht und Urteilsprecher hienach genant
der fümem Rudolf von Kilchen gerichtschriber, und klagt»
anstatt und in namen miner gnedigen herren von Bern uf
den fromen Niclausen von Erlach, und liess sin klag mit für-
spreclien also eröffnen : Nachdem dann mine gnedigen herren
gemeinklich und einhellenclich vorab dem allmechtigen Gott
zu eren und lob, ouch durch nutzes und fromen, und sunders ss
umb des grossen und herten verlusts [willen] des heiligen wirdi-
gen sacraments, das denn leider uf dieselbige zit dieplich ver-
stolen ward, als ouch si das ze tun nach uswisung der keiser-
lichen friheit wol gewalt und macht, ein Ordnung und Satzung in
Schilling. 13. am domstag. 16. lieben fehlt. 17. nempt.
18. 19. für mich und das gern. ger. 19. genempt. 20. 21. ge-
richtschr. in namen u. an statt m. gn. hh. v. B. u. klagt.
22. N. v. Erlach den unelicbeu. 23. dieselben min gn. hh.
29. fryheiten.
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Twingherrenstreit.
275
der statt Bern gemacht und semlich Ordnungen an die heili-
gen unablesslichen gesworen, ouch vor gemeinem volk in der
kilchen verlesen lassen, und das allen iren undertanen in allen
iren landen und gebieten verkundt: das nieman fürwerthin de-
6 heinen spitz an sinen schuchen lenger denn das vorder gleich
eins vingers tragen soll; über das alles so hat der genambt
Niclaus von Erlach sölich Satzung frevenlich mit eignem willen
gebrochen und soliche spitz an sinen schuchen lenger denn
das mess getragen; getrüwete, er solt darumb liden das, so
10 min herren darüber gesetzt und geordnet hetten. Und be-
falch das dem rechten.
73. Darzu Niolaus von Erlach duroh sinen gebnen fürspreohen
antwort:
Er wäre ouch von fromen biderben lüten und sonderlich
is von dem stammen von Erlach harkomen und hette ouch dem-
nach von jugend uf künigen, fürsten, grafen, fryen, ritteren
und knechten gedient und sich mit denen allweg gehalten,
were ouch daruf har gan Bern körnen und sich mit der e
den eren nach beraten, und hetten ouch in min herren zu
*o irem ambtman gan Burgdorf geordnet, das er von inen nach
siner erkantnuss zu gutem danke und sunderen eren hätte,
und also semlich spitz mit ritteren und anderen edlen fromen
lüten ze Bern in bescheidenheit angefangen zu tragen, und
das minen genedigen herren noch niemand anderen zu keiner
*5 widerwertigkeit noch Unwillen getan, denn er sich ouch mit
denselben ritteren und edlen halten und sich, (so war) [soverj si
des begerten, von inen nit scheiden wölt. Er getruwet aber Gott
und allen geistlichen und weltlichen rechten, daran nit un-
recht getan, noch also mit mutwillen, als er angezogen wurde,
Schilling. 1. und semlich Ordnung unablessig ze hal-
tende gesworen. 9. 10. darüber gesatzt hetten. 11. durch
sinen fürspr. 17. erlich gehalten — gen Bern zu sinem
Ursprung körnen. 26. soverr. 27. nit Sündern noch scheiden.
29. als er aber.
1470
Noo.
29
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Twingherrenstreit
1470 gefrevelt habe, von ursach wegen das aller miner herren von
^29' Bern Ordnungen und Satzungen, so si denn machend, us den
keiserlichen friheiten fliessen und entspringen, von denselben
friheiten ouch ein statt von Bern hoch gefryet und löblich bega-
bet ist, das er hofft, das (inen) [man] demnach kein Ordnung noch 5
Satzung wider in ze machende noch also ze zwingen habe. Denn
ouch in derselbigen friheit und güldenen bulle luter stande:
wa min herren zu nutz und fromen irer statt Ordnungen oder
Satzungen machen wollen, das semliches alwegen mit gemeinem,
einhellem und guttem rat solle zugan; sölliches aber hie nit 10
bescheehen. Denn uf die zit, do söllich Ordnung gemacht, do
syend die dry nilw und alt schultheisscn nämlich Türing von
Ringeldingen, dozemal erwelter, herr Heinrich von Bubenberg
und herr Nielaus von Scharnachtal, dazu ouch dry der ven-
neren, Ludwig Iletzel von Lindnach, Peter Brüggler und Ni- 13
claus von Wattenwil selig, ouch etlich dry oder vier der
raten nit under ougen gewesen noch das verwilliget, (lesgli-
chen er es ouch nit gesworen habe, und sye ouch uf diesel-
bige zit angends wider abgetan und me dann in fünf jaren
nie gehalten und siderhar ouch gebrochen worden. Und als *)
nun söllichs wider ze Ostern angefaugen und am kantzel in
der kilchen offenlich gelesen, da wurde durch den grossen
weibel von befelens wegen miner herren geret und Vorbehal-
ten, das si semlich Satzungen und Ordnungen minderen, meren,
enderen oder abtun möchten; und ward ouch das wort un- »
ableslich dozemal ouch nit gelesen und von minen herren
verboten; denn si meinten in semlichen Ordnungen den edlen
frouwen und mannen einen vorteil ze tunde und billikeit ze
erscheinen, und ouch Uber die und ander der statt Satzungen
ze sitzen und die ze enderen. Das were aber nach sinem so
Schilling. 4. 5. begabet were ö.da^man. 6. noch damit.
7. denselben k. fryheiten. 14. Scharn. rittere. 16. etlich fehlt.
18. 19. dazemal ang. 19. u. fünf od. sechs jare. 20. dick
gebr. w. 21. zu ostem -wider ang. 23. miner herren fehlt.
26. unablessig dazem. nit gcl. 29. 30. ordn. sitzen u. die
endern.
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Twingherreiwtreit.
277
bedunken nit gescheeben ; dann noch zwtlschen edlen und
unedlen kein undersclieid möchte erkennen, wiewol es von
Gott dem almechtigen, klingen und keiseren, vor menig hun-
dert jarcn wer angesechen und geordnet, das vorab priester,
s ritter und edellüt einen vorteil und underscheid sollten haben
und ouch in allen dingen fri und unverbunden sin, als denn
semliches in den keiserlichen friheiten und sunders in den
geistlichen und weltlichen gesalzten und rechten stünde; und
möchte man inen ouch semlich friheiten wider iren willen
10 nit genemen, weder min herren von Bern noch andere ; es
were denn, das semlichs durch in oder ander mit uneren,
das noch nit beschechen were, verdienet wurde, so müsst
doch sollichs nach keiserlichen rechten und anders nit zugan ;
und nachdem ein statt von Ilern nach uswisung der güldenen
is bull von Römischen künigen und keiseren gar löblichen be-
gabet und nach der statt von Köln, von Friburg im Brisgöuw,
in denselben rechten gefriet, darinnen dann begriffen were
das recht, so dann priester, ritter und edellüt vor anderen
haben sölten und ouch des billich in aller weit gemessen
so und nit entgelten sollten, so getruwte ouch er, man sölte am
ersten miner herren handveste, und ouch ob die darumb kein
lüterung gebe, und aber daruf gefuudiert were, der statt von
Köln und von Friburg im Brisgöuw friheiten, ouch herrn Ni-
klaus von Scharuachtal dotzeinal schultheiss, der den eid ge-
25 ben und meister Türing Fricker, stattschriber, der es gelesen,
darzu ouch den grossweibel mit der vorbehaltung, so er am
kantzcl in nainen miner herren getan hette, verhören. Wann
denn semlichs bescheche, hette er denne darüber keinen fre-
vel begangen, das er doch nit hoffte, wölte er gern ablegen ;
so und getrüwete, man sölte in zuerst semlich kundschaft und
ouch, das er fürbringen wolt, das es vorhin ouch gebrochen
Schilling. 1. dann mann. zw. den edlen. 3.darzukun.u.keis.
8. gesatzten rechten. 13. dennocht semlichs. 14. nachdem dann.
16. nach der beiden Stetten. 21. ouch fehlt. 22. und ouch
der stetten C. u. Fr. 27. zu verhören. 29. doch fehlt.
1470
Xov.
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Twingherrenatreit.
^70 und nit gehalten wer, lan lesen; und betalch das dem
29 rechten.
74. Ward daruf mit einheller urteil erkennt: das man am
ersten söllich handveste und guldin der statt Bern bulle, und
darnach die Ordnung und Satzung verhören, und denn aber s
was recht were beschechen sölt. Und nach verhören dersel-
ben ret aber der gerichtschriber mit einem fürsprechen als
ouch vor: Niklaus von Erlach hette semlich Satzungen und
Ordnungen gebrochen frevenlichen, und wider miner herren
gebot getan, über das söllichs an die heiligen geschworen, io
öffentlich am kantzel verlesen und in aller miner herren land
und gebieten verkünt, und were ouch denne uf vom gemei-
nen volk gehalten; so stünde es ouch unablesslich und möcht
man es nit wol geendem. Denn alle die, so es übersechen
und nit gehalten, hetten ouch darumb müssen liden nach us- is
wisung der Satzung. Zudem werend ouch min herren hoch-
gefriet, von künigen und keiseren begabet, das si zu nutz
und fromen ir statt, als ouch das angesechen were, wol möch-
tend Ordnungen und Satzungen machen nach irem wolgefallen ;
und truwete nit das in semlichs sölt schirmen, das er für-
want, es were mit gemeinem rat nit beschechen, sunder was
das mer under min gnedigen herren räten und bürgeren
were, das solt und möcht wol ouch beliben und besten -und
durch den minderen teil nit geenderet werden. Hoffte, er
solt darumb liden was die Satzung und Ordnung miner herren »
inne hette. Und liess das aber an die urteil.
75. Daruf Niolaus von Erlaoh sin naohred, als ouch vor,
tet : Was er in semlichem gehandlet, hette er zuwider minen
herren von Bern nit getan, noch, das er trüwete, so hart, als
Schilling. 1. gan lassen (falich ). befalch das ouch.
5. und darzu die o. 6. 7. desselben — durch sinen ftirspr.
11. verboten. 13. unablessig. 15. 16. nach lut der s. 17. und
von k. u. k. 19. gevallen. 22. gnedigen fehlt. 24. geendert
noch vernicht.
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Twingherrenstreit
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er dargeboten wurd, gefrevelt; dann er sollichs von sinen
vorderen har, das er hofft, wol tun möcht; und ouch von
deswegen, das semlich Ordnung am ersten mit gemeinem und
guten rat nach der guldinen bullen inhalt nit were zugangen,
® und ouch glich daruf als es gemacht worden, gebrochen und
me dann in fünf jaren siderhar nit gehalten ; und ob er joch
in dem gefrevlet hette, das er nit meint, so möcht in darumb
niemants dann die geistlichen strafen; und hofft ouch als vor:
am ersten solt man der beiden stetten Köln und Friburg im
»o Brisgöuw friheiten, daruf ouch ein statt Bern gefundiert, darzu
ouch den von Schamachtal, den stattschriber und andere
geistliche und weltliche personen, ouch den grossen weibel
und schriber, die sölichs am kantzel im namen miner herren
ktlnt hetten, und ouch das er kuntlich machen wolt, das es
i® vorhin ouch abgelassen und in fünf jaren nie gehalten were,
verhören, und im semlich kuntschaft nit abschlachen; denn
man doch in aller weit dem begerenden und notdürftigen
kuntschaft der worheit nit verseit; und befalch das aber dem
rechten.
so 76. Und also nach klag, antwort, red und widerred
ward von gemeinen urteilsprecheren einhellenklich uf ir eid
erkant! Nachdem denn min herren rät und burger gemein-
lich semlich Satzungen und Ordnungen, als si ouch dessen
hoch gefriet sind, vorab dem allmechtigen Gott und allem
äs himlischen her zu lob und zu eren, und durch keiner an-
deren sach, sunder des harten Verlustes des heiligen sacra-
ments willen gemacht, ouch semlich Ordnungen mit anderen
Satzungen am ostermentag unablesslichen an die heiligen ge-
schworen, das offenlich einem gemeinen volk, frouwen und
so mannen, am kantzel verlesen lassen, und in alle ir land und
gebiet verkünt und hochgeboten hend dem nachzegan, ouch
daruf den edlen frouwen ein vorteil und billikeit geben, mit
Schilling. 6. gehalten ist. 8. als ouch vor. 14. das
er das. 15. u. me dann in 5 jaren von menglichem nit.
16. zu verhören. 21. einhel. uf ir eid fehlt. 28. unablessig.
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Nov.
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Twingherrenstreit
/470 gold, berlen, siden und anderen köstlichen kleinödien und
zierd, ouch also die das gebrochen nach sag der Satzung ge-
straft hatten, und Niclaus von Erlach in demselben zit miner
herren ambtman zu Burgdorf gewesen ist, semlichs als wol
gewist, selber gehalten, im namen miner herren von Bern *
selben verkünt, und aber ietz am lesten freventlichen gebro-
chen und darwider getan hat, das er darumb an zit und an
Pfennigen leisten und liden sol nach uswisung der Satzung
darüber gemacht. Als dick er ouch von diser stund hin söl-
lichs mer brechen und nit halten wurde, als dick sol er ouch w
nach derselben Satzung inhalt liden und leisten und dem ge-
richtschriber sin recht gen im Vorbehalten sin. Und ward
ouch daruf geurteilt, das er angendes an die heiligen schweren
solt, dem also nachzekomen. Harumb vorderet Niclaus von
Erlach ein urkund; der ward ouch im under minem des ob- 15
genanten richters angehenktem insigel erkent und sind dis
so harumb urteil geben und gesprochen hant, mit namen die
fromen, fümemen, wisen
Bendicht Tschachtlan, venner
Hans Kuttler
Bendicht Krumiflen
Cunrad Rietwil
Peter Boumgarter im Graben
Bartlame Huber
Gilgan Achshalm, und
Peter Irrenei, alle von den raten.
Und von den bürgeren:
Hans Schütz
Hans Schöni
, Dietrich Hübschi
Z5
10
Schilling. 2. ouch alle die so das gebr. nach lut
der s. 5. ouch selber. 7. das er dann darumb. 8. nach lut
der s. 12. sin recht in namen miner herren gein im vorb.
14. nachzegan. 15. ouch fehlt. 16. anhangendem — und haben
harumb urteil gesprochen. 21. Bend, Krumo.
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Hans Sterrer
Rildi Closs
Rudolf Dietrich
Cuno Biderbo
5 Peter Schilling
Peter Subinger der alt
Jost Kässli
Hans Hubler
Ruf Glücki
10 Hans Wyler
Simon Torman
Bartlame Künig
Lienhart Hübschi
Clewi Brunner
is Peter von Wingarten
Hans Grafenried
Gilyan Eschler und
Clewi Meienberg.
77. Das ist gezogen us dem urkund der fünf rittren.
tu An demselben gerichtlichen tag ward ouch von dem vor-
genantten gerichtschriber in namen miner gnedigen herren
Schilling. 19. Der fünf rittern urkunde, als die ouch
mit recht fürgenommen wurden, und wie sie sich vor aller-
menglichem verantwurtent. Uff demselben tage kam ouch
für mich, den obgenanten richter, der vorgenant grichtschri-
ber, und klagt durch sinen fürsprechen in namen miner
herren zu den edlen, strengen und notvesten herrn Adrian
von Bubenberg herrn zu Spietz, herr Cunraten und herr
Nicla usen von Schamachthai herren zu Oberhofen, herr Ni-
clausen und herr Wilhelmen von Diespach herrn zu Signow,
allen fünfen rittern. Als dann min herren rate und burger
gemeinlich ein Ordnung und Satzung, dem almechtigen Gotte
zu lobe und eren, und ouch zu widerbringung des harten
Verlustes des heiligen sacramentes, das dann, leider dazemal
dieplichen genomen was, und si ouch des wol gewalt ge-
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Nov.
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von Bern mit recht fürgenomen und geklagt,, mit fürsprechen
wie vor, uf die edlen, strengen und notvesten fünf ritter, mit
hebt, gemacht, und die unablessig an die heiligen geswom,
ouch am cantzel in dem münster vor gemeinem volck offen-
lich verlesen lassen, und in alle ir lande und gebiet ver-
kündt und hoch gebotten haben, das nieman fürwerthin an
sinen schuchen keinen spitz lenger tragen soll dann unge-
varlich das vorder gleich eins vingers; darüber hetten die
vorgenanten min herren alle semlichs ouch etwas zites dahar
selber gehalten und das ietz am letsten frevenlich gebrochen
und darwider getan, getrüvs t si sölten darumb alle liden das
so die Ordnung und Satzung darumb inhielt, und bevalch das
dem rechten. Daruf die genanten min herren durch iren
fürsprechen mit gemeinem und einhellem mund retten: Si
wolten gar ungern wider min herm röte noch burger kein
hochmut, frevel noch gewalt, als aber si dargeben wurden,
bi uchen noch fürnemen, und ob si semlichs von andern hor-
ten oder vememen, wolten si mit irem libe und gut als
getrüw burger nach allem irem vermögen dem widerstand
tun und selber nit gestatten; dann was si in dem getan,
hetten si doch in zimlicher bescheidenheit, als wol ougen-
schin were , fürgenomen und mit keinem freveln gewalt un-
derstanden ; und hetten ouch, des si dem almechtigen Gott,
darzu allen geistlichen und weltlichen gesatzten rechten ge-
trüwten, daran nit unrecht getan; dann si alle und ir ieg-
licher besunders hetten den orden der ritterliehen wirdikeit
mit lobe und eren ervolget, und sich ouch darin bishar erlich
betragen und inmassen gehalten, das der durch si noch un-
erkrencket. Darzu werent si und alle ritter gefriget, das si
semlich und derglich ding wol tragen, sich damit vor andern
zieren, und nieman inen das verbieten noch Satzungen über
si machen möchten ; dann doch semlichs von angeng der weit
bishar also gehalten und in dem himmel und uf dem ertrich
billich wer, das man underscheid und ouch zimlich Sachen,
als ouch dis weren, nit abtun solt. Zudem weren ouch alle
ritter als hoch gefriget, das inen weder bapst, keiser noch
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Twingherrenstreit.
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namen: herr Adrian von Bubenberg, herr Cunraten und
Niclausen von Scharnachtal, herr Nielaus und herr Wilhelm
niemant anders ir fryheiten nemen oder intrag tun möch-
ten; dann ob ein ritter ützit wider recht tette und sich mit
uneren verwürckt oder verhandlet, das doch in disen dingen
nit beschechen wer, so hette ein Römscher keiser, und nie-
mand anders, den gewalt, si mit recht, und anders, nach dem
ritterlichen orden, ze strafen. Es \%er ouch in allen bäpstli-
chen und keiserlichen gesatzten rechten luter geschriben und
angesechen, und ouch in der guldin bull und andern fry-
heiten der statt von Bern eigentlichen begriffen, das priester,
ritter und edellüte, vor andern vorteil haben und allerdingen
fry und unverbunden sin solten, des si sich ouch fröwen und
halten wolten. Si hetten ouch iren gunst noch willen nie darzu
geben noch gesworen, semlich Ordnungen zu halten; dann
doch nieman dem andern sin fryheiten ze nemende hette,
was im von Gotte, darzu dem heiligen stul von Rome, küni-
gen und keisern zugeordnet; so wer ouch, als semlich Satzun-
gen ietz am ostermentag durch etlich angezogen und geswo-
ren wurden, inen und andern edlen frowen und mannen ein
vorteil Vorbehalten und der eid also mit gedingen getan, das
man die und ander Satzungen lütern und underscheiden solt;
das wer noch nit beschechen, und siderhar ouch mit swfl-
ren und andrem gebrochen und nit gehalten, das si ouch
mit geistlichen und weltlichen fürbringen wolten, und sun-
ders mit herr Niclaus von Schamachthai, dazemal schultheiss,
der ouch den eid geben, und mit dem statschriber, der in
gelesen hett, küntlich machen, das der eid mit underscheid
were geben, und lege ouch semlich lütrung an dem, der den
eid gebe und nit an denen die in swüren; dann man alle
ostermentag ein Satzung swür, das man nieman kundschaft
der warheit verziechen solt; so wer ouch durch den gross-
weibel am cantzel luter berett und Vorbehalten worden, das
• •
min herren inen vorbehielten semlichs ze endem, ze mindern
und ze meren, und wer ouch das wort unablessig von be-
felhens wegen miner herren nit gelesen, und inen und iren
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Twingherrenstreit.
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von Diesbach. Daruf si nun ir antwort satzten und gaben
mit ireui gegebnen filrsprecheu, uf die meiuung als in dem
elichen gemacheln ze verstan geben, inan wolte inen darinne
einen vorteil und billicheit tun ; das wer ouch nit beschechen,
das si daran könten oder möchten benügen haben; darzu
weren ouch semlich Satzungen und Ordnungen am ersten mit
gemeinem und gutem rat nach uswisung der guldinen bull
nit gemacht. Dann in denselben ziten die dryg nüw und
alt schultheissen, darzu drig venner und ander von raten
nit under ougen gewesen, und wer ouch darnach äugendes
gebrochen und me dann in fünf jaren aneinander nit ge-
halten und ouch von ostem har übersechen worden; und
nachdem dann miner herren hantveste und ouch die gtlldin
bull nach der beiden stetten Cölue und Friburg im Briss-
gow geben und daruf gefundiert, so wer die statt Bern und
alle die darinne wonent als ein fry richstatt ouch löblich
begabet, und wurden mit semlichem fürnemen ir fryheitten
beroubet, do doch nieman im selber sin fryheit nemen soll
noch mag; so hoften si, Gott und dem rechten möchten si
mit denselben fryheiten, darzu ouch mit geistlichen und welt-
lichen gesatzten rechten, wisen, das man si nit also wider
iren willen ze zwingen hette, und darzu ouch mit dem von
Scharnachthai, dem statschriber, und andern geistlichen und
weltlichen personen, ouch mit dem grossweibel fürbringen,
das inen ein vorteil Vorbehalten und geofnet wer, (Jas min
herren semlichs mindern, meren oder endem möchten, und
darzu ouch das wort unablessig nit were gelesen, si solten
des gemessen und getrtlwten, man solt inen ir kuntschafft
verhören; und Hessen das an die urteil. Uff das rett aber
der gerichtschriber mit sinem fürsprechen : min herren rät
und burger hetfen semlich Ordnung und Satzung am ersten
durch Gottes, ouch umb nutzes und fromen willen einer statt
von Bern, des si ouch gefriget weren, gemacht, und die ouch
am ostermentag unablessig an die heiligen ze haltende ge-
sworn, darzu offenlich am cantzel verlesen, und in alle ir
land und gebiet, als vor gelütert ist, verkünden lassen; und
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Twingherrenstrei t.
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vorderigen urkund stat, denn mit etzlichen zugesatzten Wor-
ten, als ir hören werdent. Under anderen iren Worten
hetten ouch alle die, edel nnd ander, rieh und arm, so das
übersechen hand, darum b nach wisung der Satzung müssen
leisten ; über das alles werent die durch die genanten min
herren frevenlichen gebrochen und nit gehalten worden, hoft
si solten darumb nach inhalt der Satzung leisten und liden,
als das angesechen wer, und darüber anders nit fürgenomen
werden; dann was min herren räte und burger gemeinlich
machten und das mer were, das möcht der minder teil nit
widertriben; und bevalch das aber der urteil. Darzu min
herren ir nachred mit irem fürsprechen, als ouch vor, satzten:
Man hette über si kein Ordnung noch Satzung wider iren
willen, als ouch dis wer, ze machen; dann ouch si semlicher
und aller ander heladuusseu gantz fry und unverbunden
weren; mit witer ir vorgemelten antwurt; und begerten, wie
vor, inen der vorgenanten beider stetten Cöln und Friburg
keiserlichen fryheiten, daruf der statt von Bern hantveste
gefundiert were, darzu ouch alle geistlichen und weltlichen
gesatzten geschribnen rechten, ouch herr Niclausen von Schar-
nachthal, den statschriber, ander geistlich und weltlich per-
sonen, und den grossweibel, als vorstat, zu verhören, so
hoften si, man solt dabi ir harkomen und fryheiten erkennen
und eins andern bericht werden ; und liessen das aber an
die urteil. Und also nach klag, antwurt, red und widerred
wart von gemeinen Urteilsprechern erkant: Nachdem dann
min herren räte und burger gemeinlich semlich Satzungen
und Ordnungen, als si ouch des gewalt, vorab dem almech-
tigen Gotte und allem himelschen here zu lob und eren,
und durch keiner anderer sach, sunder des harten Verlustes
des heiligen sacramentes willen gemacht, und semlich Ord-
nungen mit andern Satzungen am ostermentag unablessig
an die heiligen gesworen, das offenlichen einem gemeinen
volck, frowen und mannen, am cantzel verlesen lassen, und
in alle ir land und gebiet verkttndt und hoch geboten hand
dem nachzegan; ouch daruf iren gemachein und andern
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Twinghfirren streit.
1470 leitend si ouch filr ub oinhellem mund: si getruwtind dem
allmechtigen Gott, darzu allen geistlichen und weltlichen
gesatzten rechten fsi hetten] daran nit unrecht getan. Dann
si alle und ir ieclicher insunders hetten den orden der ritter-
lichen Würdigkeit mit lob und eren ervolget, und sich dar- s
innen ouch sithar erlich betragen und in massen gehalten,
das er durch si noch unerkrenkt. Darzu werend si und alle
ritter gefriet, das si semlichs und derglichen ding wol tragen,
sich darmit vor anderen zieren, und inen niemant das ver-
bieten noch Satzungen über si machen möchte. Denn doch 10
semlichs von anfang der weit bishar also gehalten und im
himmel und uf ertrich billich were, das man underscheid
und zimlich Sachen als ouch die werend, nit abtun solL Zu-
dem werend ouch alle ritter so hoch gefriet, das inen weder
babst, keiser noch iemants anders ir friheiten benemen und 15
intrag tun möchten. Denn ob ein ritter ützit wider recht tete
und sich mit uneren verwürkt oder verhandelt, das doch
in disen dingen nit beschechen were, so hette ein Römscher
keiser und niemants anders den gewalt, si mit recht und
anders nit nach sag des ritterlichen Ordens ze strafen. Es»
were ouch in allen bäpstlichen und keiserlichen gesatzen und
rechten luter beschriben und angesechen, das priester, ritter
und edellüt vor anderen vorteil haben und aller dingen fri
edlen frowen ein vorteil und billicbeit mit gold, berlin, siden,
und andern köstlichen kleinödem und gezierden geben, und si
das über dis alles frevenlich gebrochen und darwider getan
haben, darzu ouch die alle, von denen es gebrochen und nit
gehalten ist, edel und ander, nach uswisung der Satzung ge-
straft sind, das dann si alle darumb an zit und pfennigen
liden und leisten sullen, nach lut der Satzung darüber ge-
macht ; und als dick si ouch von dirre stund hin das me bre-
chen und nit halten wurden, als dick söllen ouch si nach der-
selben Satzung inhalt leisten. Und wart ouch daruf geurteilt,
das si angends an die heiligen sweren sollen, dem also
nachzekomen. Harumb vorderten si alle ein urkundj das
wart inen erkant. Datum et testes ut supra.
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Twinghen-flngtnit.
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und unverbunden sin sollend, des si sich ouch fröuwen und
halten weiten — mit vil mer Worten, die ich alle durch der
kilrtze willen underwegen gelassen hab; denn si ouch zum
teil in dem vorderigen urkund vast gemeldet sind.
6 Und ward also nach klag, antwort, red und widerred
von gemeinen Urteilsprechern einhellenklichen uf den eid er-
kennt, das si alle und ieder insunders an zit und an Pfenni-
gen leisten und liden sölten nach uswisung der Satzung dar-
über gemacht, und in aller mass, wie das urkund hievor us-
lowiset und Niclausen von Erlach erkant ward.
78. Antroffen min frouw von Bubenberg von der swenzen
wegen.
Item uf den vorgenanten tag klagt der obgenantt ge-
richtschriber im namen miner gnedigen herren von Bern,
is raten und bürgeren, uf die edlen wolgebomen frouwen, frouw
Ennelin von Bubenberg, gebome von Roseneg, wilend des
gestrengen herrn Heinrichs von Bubenberg, ritters, sei. ver-
lassnen elichen gemachel und frouw Johannen von Buben-
berg, geborne von Lasserra, herrn Adrians von Bubenbergs,
so ritters, elichen gemachel, beide geborenen frigin. Nachdem
mine herren, rät und burger, gemeinlich dem allmechtigen
Gott zu lob und sundren eren und von des herten verlusts
wegen des wirdigen sacraments, das leider uf dieselbe zit
böslich verstolen ward, von kraft wegen ir keiserlichen fri-
ss heiten etlich Ordnungen und Satzungen gemacht und ge-
schworen, als vorstat, unablesslich hetten, das nun fürwerthin
kein edel oder unedel frouw under minen herren wonende
an iren röcken noch mentlen kein swantz uf dem herd lenger
tragen sölltend denn ungefarlich ein gmund einer hand, nach
so uswisung derselben miner herren Ordnung und Satzung ; über
das alles hetten die genanten min frouwen semlich swentz
Schilling. 20. ritters u. herren zu Spiez. 22. zu sun-
derm lobe u. eren. 24. dieplichen verst. 25. 26. u. die unab-
lessig an die heiligen gesw. 28. schwänz uf dem herd fehlt,
uiol aus Versehen. 29. 30. nach lut.
147 o
Nov.
29
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Twingherremtreit .
1470
Nov.
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an iren kleidern lenger denn das mfiss sye, neulich und mit
eignem willen getragen, und also miner herren gebot ge-
brochen; getrüwete, si soltend darumb nach irem verdienen
an zit und an Pfennigen liden, als denn die Satzung uswisete
und recht were. Und liess das an die urteil. s
Daran die genanten min beid frouwen in gegenwürtig-
keit herr Adrians von Bubenbergs ritter durch iren fiirspre-
clien antworten und reden liessen: Si.weren von iren vor-
deren und stamme har, als vor erltlteret, erboren fri frouwen
in sölichen eien harkomen, das si semlichs und anders wol io
tragen und inen nieman verbieten noch Satzungen über si
machen möchte, weder der bähst, kciser noch nieman uf ert-
rich ; denn es also von Gott dem allmechtigen, ouch künigen
und keisern angesechen und iewelten gebrucht, das in söli-
cliem im himmel und uf dem erdrich, wie sich iederman 15
tragen oder vorteil haben sölt, underscheid, als das alle geist-
lichen und weltlichen gcsatzten recht ufwisen werend und
luter dargebend; und wenn das nit sin sölt, so könt oder
möcht doch kein underscheid under semlichen gebomcn und
auderen armen frouwen sin ; dann si zu allen ziten und sun- w
der an werchtagen nit möchten siden oder güldene kleider
tragen, so miisten si sich nothalb mit den swentzen an iren
kleideren uszeichnen, damit man si vor anderen erkennen
und den vorteil wissen möcht. Zudem were ouch inen von
ininen herren raten und bürgern am kantzel in der lütkilchen *5
durch den grossweibel öffentlich zugeseit, man wölt inen vor
anderen gemeinen frouwen einen vorteil und bilfigkeit geben.
Das were nach irem bedunken und nach miner herren Zu-
sage nit inmassen beschechen noch angesechen worden, das
si daran kein benügen könden oder möchten haben. Ge- *>
Schilling. 1. frevenlich u. mit e. willen. 4. an zit
u. an pfenuigen fehlt. 4. d. Satzung das uswisen wer. 9. fry
frowen u. wol erbom. 11. u. inen das niem. 16. als dann
das. 17. ouch uswisen weren. 20. und andern gemeinen
frowen. 25. in dem münster. 28. 29. u. demselben Zu-
sagen.
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TwingherrenBtreit.
289
trüwtend von obgerürter ursach wegen, man solle über si
kein Ordnung noch Satzung machen; dann ouch das in der
gantzen weit weder babst noch keiser nieman mit recht ver-
mocht. Und was si also getan hetten were minen herren
5 von Bern noch nieman zu keinem widerdriess noch mit fre-
veln mutwillen, sunders darumb beschechen, das si hofftend
si hetten das recht und gehört inen ze tunde, und begerten
inen daruf beider Stetten Köln und Friburg im Brisgöuw fri-
heiten, die geistlichen und weltlichen gesatzten geschribDen
io recht, darin der underscheid, wie sich iederman halten sölt,
verschriben stund, darzu ouch die Satzung, die man alle jar
am ostermentag swert und wist, das man nieman kuntschaft
der warheit versagen sol, und ouch den grossweibel, was er
mit inen an offenem kantzel umb den vorteil geret hette, zu
»s verhören, hoffend, man solt inen das nit abschlachen. Und
satztend das zur urteil.
Uf das ret der gerichtschriber mit fürsprechen : min beid
frouwen hettend semlich Satzungen und Ordnungen, als die
am ostermentag geschworen und verkünt weren, etwas zites
ao gehalten und darnach freventlich gebrochen ; darzu were ouch
inen und anderen edlen frouwen von minen herren, rät und
bürgern, ein vorteil und billigkeit mit gold, berrli, siden und
anderen kleinöden und gezierden geben, darbi man si wol
vor anderen gemeinen frouwen möchte erkennen; darzu het-
*5 ten ouch alle die, edel und ander, arm und rieh, so semlichs
übersechen und nit gehalten hand, fnachj uswisung der
Satzung müssen [leisten] und liden, und were darinnen nie-
man geschont noch usgescheiden. Getruwete si solten da-
rumb ouch leisten und liden, so si semlich Ordnungen nit
sohieltend; und satzt aber das dem rechten heim.
Daruf min beid frouwen ir nachred gabend, als ouch vor :
was si in semlichem fürgenomen, darzu hettend si recht, und
Schilling. 3. noch nieman anders vermocht 6. 7. das
si darzu vermeinten recht han. 9. geschribnen fehlt. 15. hoff-
ten. 24. wol möcht erkennen. 27. leisten u. liden das die
Ordnungen inhieltent, und satzt das aber dem rechten heim.
Quelles zur Sohweizer-Ocachiciite. X. IQ
1470
Nov.
29
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290
Twinghemmtreit.
WO
Nov.
29
ward inen von ir gebnrt angeboren, and möcht inen semlichs
nieman, weder babst noch keiser nemen, noch ei dessen be-
rouben; hofftend ouch als vor man solt inen za grüntliCher
underricbtung ir verwegne kuntschaft verhören, und die nit
also abschlachen; und satztend das ouch zur urteil. s
Und also nach klag, antwort, red und widerred ward
von gemeinen urteilsprecheren einhellenclich uf den eid er-
kant: Nachdem denn min herren, rät und bürgere gemeinlich,
semlich Ordnungen, Satzungen, als ouch si des hochgefriet
sind, was dem allmechtigen Gott und allem himlischen her »
zu lob und eren, durch keiner anderen sach, sunder des her-
ten verlusts des heiligen sacraments willen gemacht, ouch
semlich Ordnungen mit anderen Satzungen am ostermentag
unablesslichen an die heiligen gesworen, das öffentlich einem
gemeinen volk, frouwen und mannen, am cantzel verlesen «
lassen, und in all ir land und gebiet verkunt und hoch ge-
boten hand dem nachzegande, ouch daruf inen und anderen
edlen frouwen einen vorteil und billikeit mit gold, berrlin,
siden und anderen köstlichen Zierden und kleinöden gegeben
und si darüber dis alles frevenlichen gebrochen und darwider #>
getan haben, darzu ouch alle die, so es gebrochen und von
denen es nit gehalten ist, edel und ander, nach uswisung der
Satzung gestraft sind, das dann die genanten min frouwen
an zit und pfennigen leisten und liden söllend nach uswisung
der Satzung darüber gemacht, und als dick si ouch von diser a
stund hin sölichs me brechen und nit halten werdent, als
dick sollend si ouch nach derselben Satzung liden und leisten,
und dem gerichtschriber gein inen sin recht Vorbehalten sin.
Und ward ouch daruf geurteilt, das si angendes an die heili-
gen schweren solten, dem also nachzekomen. Harumb fordereten »
min frouwen von Bubenberg ein urkunt; das ward inen erkennt
Schilling. 1. u. wer inen. 3.als ouch vor. 4. verwegen.
5. das aber zem rechten. 9. als si ouch. 10. vorab dem. 11. dann
des h. 14. unablessig. 27. Satzung inhalt. 28. sin recht in na-
men miner herren. 30. vorderten min beiden frowen. 31. er-
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Twingherrenatreit.
291
79. Item uf demselben vorgeschribnen tag ist ouch ge-
urteilt, das jungher Casper von Scharnachtal, Hartman1) und
Jacob vom Stein, Peterman von Waberen und Hans Rudolf
von Erlach, Hans Wilhelm von Scharnachtal und Heinrich
6 Matter leisten und liden sullent als ouch die anderen davor
gemelt, nach uswisung der Satzung; und hand darumb an-
gends gesworen. üesglich sollend ouch min frouw von Schar-
nachtal, herr Niclausen gemachel, min frouw von Diesbach
ouch herr Niclausen gemachel, Jacobs vom Stein gemachel
io und Hans Wilhelms von Scharnachtais gemachel, ouch Lud-
wig Brilgglers, des venners, gemachel gelicher wiss als die
urteil beseit leisten, und haben ouch darumb angends an
die heiligen gesworen.
Nach sölicher bekanter urteil, so mit recht über si alle
is erkant ward, als vorstat, so sind si von der statt Bern ge-
faren, alle miteinanderen, usgenomen Hartman vom Stein,
edelknecht, und Thüring von Ringoltingen, wiland schultheiss
zu Bern. Die warend dozmal uf denselbigen tag rechtlichen
nit anheimsch, aber sobald und si kamend, do giengend und
*o trugend si öffentlich die spitz an den schuchen ; denn si ouch
woltend in ir geselschaft pen und buss sin, und sich von
inen nit scheiden. Also wurden! si ouch gerechtfertiget von
dem gerichtschriber und mit recht fürgenomen, also das si
nach der Satzung und Ordnung sag usswuren und ouch von
& der statt furen als ouch die anderen.
80. Wie aber der Eidgenossen boten gan Bern kamen.
Diewil nun also die vorgenanten min herren und min
frouwen von der statt Bern warend in der leistung, nämlich
kant, u. haben harumb die vorgenanten personen ouch urteil
gesprochen. 1 — 25 sind bei Sch. bedeutend abgekürzt.
28. Das aber gemeiner Eidgnossen und darzu ander
') Der Name Hartman scheint verschrieben; v. Rodt (8. 281) vermu-
thet, es solle Peterman heißen.
1470
Nov.
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Twinghemnitreit.
t470 einen manot, do gierig nun mengerlei red ussenftir in stetten
und lenderen, und anderlicher danne es aber an im selbs
botten von der vorgenanten saoh wegen gen Bern kament
und iren ernst brnohtent. Do nu die herren und ander edel
mit iren gemachein, ouch etlichem irem anhang, nach lut
der Satzung, usgeschworn hatten und leisten musten, da ward
in allen Eidgnossen und andern stetten, und sunderlich in
dero von Bern landen und gebieten allenthalben gar vil Wor-
ten gebrucht und offenlichen gerett, es werent misshell und
gros zweyung in der statt von Bern, das dennocht von Gotts
gnaden nit als gros was. Da kamen aber gen Bern gemei-
ner Eidgnossen von stetten treffenlichen darzu ander erber
boten und brachten in disen dingen gar grossen flis und
ernst, damit si etwas gutes betten mögen schaffen ; da wart
inen von räten und bürgern ze erkennen geben, das si mit
denselben herren kein sundem Unwillen und misshelle hetten ;
dann si weren mit recht einen monad von der statt geverti-
get, und wolten inen gentzlichen vertrawen, wann derselb
monad us wer, das si dann wider zu inen in die statt kernen,
und mit inen lieb und leid [litten], als si iewelten getan hetten ;
und wart ouch denselben botten gönnen, das si zu inen keren
und das zem allerbesten zu erkennen geben möchten; das
beschach von inen in guten trüwen, und bestimpten deu
herren allen einen tag gen Künitz, und retten als vil mit
inen, das si inen zusagten, wann der monad ir leistung us-
keme, so wolten si mit iren gemachein all früntlich und güt-
lich wider zu den iren keren, und gemeinen räten und bür-
gern vertrüwen, man wurde si in semlichen Sachen anders
und bas bedencken. Und als der monad uskam, da kamen
si alle miteinandern an der heiligen driger küngen tag wider
gen Bern riten, und wurden dennocht von menglichem wol
empfangen.
Das die vorgenanten herren all mit einandern wider gen
Bern kamen, und inritten. Und also kamen die vorgenanten
herren alle wider gen Bern, und was dennocht ir Zukunft
iedermann fro, und sunderlich gemein hantwereklüte, die
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TwingherreMtreit
293
was, und besorgeten unser lieben eidgenossen und ander wo
unser guten friind, das noch gross kummer us solichen Sachen
vast vorchten, das si sich entsetzen und anderswo hinziechen
wurden ; das wer inen und menglichem in der statt dennocht
nit wol komen, als dann in der statt offenlich gerett wart;
da wurden dennocht biderb lüte von räten und bürgern be-
sinnen und betrachten, das us semlichen irrungen in die
harr anders nit möcht erwachsen noch entsprungen sin, dann
sorglich widerwertik eiten, und davor uns der almechtig Gott
ewiclich behüten welle, zweytracht und villicht Zerstörung
landen und lüten ; und wart so vil durch den adel angetra-
gen und mittelwege gesucht, das inen von räten und bür-
geren merenteils verwilliget und inen gantz heimgesatzt ward,
das si sich nach irem stattwesen und harkomen tragen und
erzöugen möchten, das inen zimlich und iren eren wol ge-
mess wer; dann si sich ouch vor räten und bürgeren bega- '
ben, ob si oder die iren sich in setnlichem anders, dann
zimlichen were, tragen und erzöugen wurden, das si sich
dann davon früntlich und gütlich wolten lassen wisen, und
in dem und andrem nieman bas, dann räten und bür-
geren, vertruwen; das wart inen also heimgesatzt, und
aller Unwillen und vindschaft von Gottes gnaden gantz er-
löschen.
Es hatten ouch etlich derselben ritteren und edlen etwas
ansprachen an ein statt von Bern von der hochen gerichten
wegen, und sunderlich in den vier lantgerichten, die si mein-
tent inen mit aller herrlieheit zngehören und dienen solten;
da aber die von Bern vermeinten, dieselben ritter und ander
edel understunden inen von semlicher hochen gerichten we-
gen in mengerlei stucken me abbruchs und intrags ze tunde,
denn aber von altem herkomen were. Also erzöugten sich
rät und burger von Bern gein inen in semlichen Sachen
ouch früntlich, und welcher under inen, von adel, oder sus,
umb semlich hochgericht brief und sigel und ouch erzöugen
mocht, das er recht darzu hat, den liess man dabi beliben,
und nam man nieman nit ; und ward da von derselben hochen
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Twingherren*treit.
1470 wachsen inochl, und santend aber ir treffenlichen ratsboten
har gan Bern, allen Unwillen ze verrichten ob deheiner zwü-
schen schultheissen, rat und bürgeren were, und verkünten
allen, so in solicher leistung waren, einen tag in das doster
gan Kunitz, und ward so vil mit inen geret, das ie am testen s
nach vil Sachen die ding gütlich übertragen wurden und
sich dieselben minen herren, die in der leistung zu Künitz
warent, gar gütlich ergabend also: wenn der manot der
leistung halber uskäm, so soltend si in die statt gan Bern
komen und tun was fromen lüten zu tun gebürt, als si vor to
iew eiten getan hetten, und solt ouch damit ob dehein Un-
willen zwüschen beiden partyen uferstan wär gantz hin und
weg sin.
Nun hatten dieselben mine herren oder etzlich under
inen ouch spenn und stöss mit minen gnedigen herren von is
und ouch der nidern gerichten wegen ein gantz luter Ord-
nung gemacht, wie man sich nu fürwerthin darinne halten
sol, und die in der statt buch geschriben; und wurden also
von Gotts gnaden umb alle Sachen gentzlichen mit einandern
verricht Zwar es was ein sunder gnad und barmhertzikeit
von dem almechtigen ewigen Gott, der disen heilsamen
knöpf selber wider zesamen geflochten hat, der sich als
snelliclich von einandern hat getan, daran nach minem hertz-
lichen begem alle fromen biderben Berner gedencken und
niemermer semlich oder derglich Ordnungen oder Satzungen
machen, si sülleut sich vorhin wol betrachten und inen darin
gewalt Vorbehalten, die wider ze endren, mindern, meren
oder abtun, des ouch ein statt von Bern wol gewalt und
macht hat und darumb hoch und löblich gefriget ist. Ge-
denck menglich daran, wer allein das wort unablessig nit
darin gestanden und durch den schriber das betracht worden,
so wer man zu semlichen irrungen nit komen; es zergieng
aber alles wol und glücklich, und wurden rät und burger
mit dem vorgenanten adel gantz wider einhell, und wart
aller unwill von Gottes gnaden abgetan, als ob des nie ge-
dacht und angevangen were.
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Twingherrenstreit
295
Bern von ir herschaften wegen, so da gelegen sind in miner
herren von Bern gepiet, und sunderlich von der hochen herr-
likeit, da denn etzlich von alter her und iewelten in die
vier landgericht gedienet hand mit sölicher dienstlickeit, als
s das denn der allerobresten herrschaft gebtirlichen und von
iewelten, sit mine herren von Bern herren gewesen sind,
gebrucht hand. Darwider sich aber etzlich sparten und so-
liche dienst] ikeit zugend in ire herrschaft. Söllich spenn
und stöss ouch zu Kiinitz durch der Eidgenossen boten ab-
«o geret wurdent also: wenn ir leistung uskäme und si har in
die statt kämen, so söltend und wöltend min gnedig herren
mit sambt inen, so die Sachen berurte, nach verhörung aller
ir briefen und Sicherheit, so si iechlicher het von ir herschaf-
ten wegen, antreffend die hohe und nidere herrligkeit, als si
»s vor gar dick gehört hattend, lassen verfolgen warzu iederman
recht hette und mit inen bericht sin, sölte joch des ein statt
von Bern einen merklichen schaden empfachen.
81. Wie si ze Bern inritten.
io Also uf der h. dryer könig tag, do ir leistung us was,
do kartend si all wider harin in die statt, und nach verhörung
aller briefen, gewarsame, kuntschaft und alles des, so sich
iederman getrösten möcht, ward dieselbe sach beschlossen
und verrichtt uf söliche wis und form, als hienach stat:
» Als dann etwas zites dahar zwüschen minen gnedigen her-
ren räten und gemeinen bürgeren und etzlichen irer bürgeren
und erwauten von hohen und nider gerichten wegen etzlich
spenne und zweiung gewesen sind, habend sich die genan-
ten min genedig herren uf hüt des früntlichen vereinbart und
soabgeret in Worten und mit erlüterung, hernachvolgend :
Nämlichen und des ersten von der fünf geboten wegen
in den hohen gerichten, so inen denn mine genedigen herren
vorhin ouch Vorbehalten und, als so hernach stat, gesünderet
hand, mit namen: all furung, an landtag zu gebieten, zu
is reisen ze gebieten, haraasch ze geschouwen und teil ufze-
nemen, habend alle die so die sach berürt minen gnedigen
1470
1471
Jen-
ner 6
Febr.
e
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Twinghemustreit
H7I herren one alle fürwort zugeseit, si darin gütlich beliben las-
sen und die gebot durch ir friweibel lassen verfllren.
Itein — so denn von der 10 pfunden der e wegen,
die in den nideren gerichten verschült worden, die sullent
nun fürwerthin mincn gnedigen herren und hochen gerichten s
werden und zugehören.
Item — all übeltettig und verlümbdet lüt, wie die in den
nideren gerichten, frouwen oder manspersonen, funden oder
verlümbdet werden, sollend und mögend min gnedige her-
ren von den hochen gerichten wegen ouch zu denselbigen io
griffen und mit inen handlen und tun nach irem verdienen
und als das von alters harkomen und wie dicke inen das
eben ist oder verschült wird.
D e n n e von der geboten wegen der 10 lb-, so denn
vor denen , die nidere gericht hand , in denselben nideren is
gerichten von brutlöuffen, kilchwichnen oder anderer Sachen
wegen beschechend, als das von alter harkomen ist, sollend
und wellend die genantten min gnedig herren von ir hochen
gerichten wegen bi semlichen zu irem teil als wol als die, so
uidere gerichte hand und die gebot tund, beliben, von ieder- «o
man ungeirt und unverkumret.
Item darzu wollend ouch min genedig herren nun für-
werthin als bishar allenthalben in hochen und nideren ge-
richten bi irem bösen pfennig beliben und inen darin nüt
intragen noch brechen lan. »
Dann von den nideren gerichten wegen.
Item alle trostungbrüch , wie die mit Worten tringeud
oder hebend ungefarlich beschechen, fürgcnomen oder ver-
handlet werden, sollent nu fürwerthin den nideren gerichten
dienen und zugehören. 30
Item mulfe und imbten söllend von dishin den nideren
gerichten ouch zugehören und werden ; denn min gnedig her-
ren inen das ouch gönnen wöllend.
Item darzu ouch alle anderen frevel, bussen, gebot, wie
das von alter harkomen ist und man in den nideren gerichten »
gebrucht und haigebracht hat, soll fürwerthin als bishar den-
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Twingherrenstreit.
297
selben nideren gerichten dienen und iederman darbi bliben; uii
denn min genedig herren inen das ouch gönnend und gevol- 6
gen lassen wellend.
Darzu habend ouch min genedigen herren, rät und bur-
5 ger, allen [denen, so dis Sachen hocher oder niderer gerichten
halb berürend, vorhin und ouch ietz luter Vorbehalten und
zugeseit, und sonders als herr Niclaus von Diesbach der fünf
geboten und in den hochen gerichten sinen brief umb Sig-
nouw wisende, desglichen herrn Adrian von Bubenberg umb
io Röutigen, der von Stein umb Münsingen ouch von der ho-
chen gerichten wegen; darzu all ander dise sach berürende
angezogen und vermeint hand, ein anderes mit iren briefen
und gwarsamen zu erzeigen ; mag da iemants, der von Diess-
bach oder die anderen, mit denselben iren briefen und gwar-
i5 samen ützit anderes fürbrmgen hocher oder niderer gerichten
halb, wil man si zu semlichem ouch gütlich komen lassen
und inen das nit nemen. Und welcher under inen meint
das also fürzubringen, das sol er tun innert jaresfrist nach
dato diser verkomniss und darüber nit anstan lassen.]
»o Und sullent daruf min genedigen herren, rät und bur-
ger, und alle die, so dise Sache berürt hat, gentzlich gericht,
versünt und allen unwill, worten und werken halb, gantz
n ützit usgenomen noch Vorbehalten, in disen dingen ent-
sprungen, tot, hin und vergessen sin und des niemerme ge-
» dacht werden, sunder sullent si nu fürwerthin einander helfen
und raten nach dem besten von hin als bishar.
Dise abred und früntliche verkomnisse ist vor minen genedi-
gen herren rät und gemeinen bürgeren volzogen und beschlossen
worden uf mitwuchen nach purificationis Mariae anno 1471. — Febr.
90 Das EingeUammerte ist im Originale ausgelassen oder vielmehr
bloss durch ein „etc.“ angedeutet.
( Was von hier an folgt , steht im Original auf einem besondem
Blatte, das der ganzen Chronik vorangeklebt ist.) —
In dem jar als man zalt von der gebürt Christi tusend WO
35 vierhundert und sibentzig jar wart dise croneck geschriben
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298
Twingherrenstreit
WO und gemalet durch den fromen Bendicht Tschachtlan, fenner
und des rate zu Bern, ouch durch Heinrich Titlinger, schri-
ber des buchs; und ist geschriben und gezogen worden us
der rechten croneck der statt Bern, so ver die denn an iren
selbs gesetzt und geschriben ist, und darnach us anderer »
geloubsamen geschrift zusamengelesen, das man denn zum
teil vindet sölich vergangen Sachen, so bis uf dise zit, als dis
buch geschriben ist, beschechen sind in diser löblichen statt
Bern und in der wirdigen Eidgnossschaft. Dann man sölich
vergangen Sachen billich in geschrift setzen sol, das man zu 10
ewigen ziten angedenk sye der grossen wisheit und manli-
keit, so die alten Berner gebracht hand in vergangenen zitenf
damit si iren vigenden mit der hilf Gottes grossen wider-
stand getan hand und land und lütt zu der statt handen
gezogen und gewunnen hand ; darumb man billich Gott dem is
almechtigen lob und danck sagen sol und in bitten, das er
allen Berneren nun und zu ewigen ziten vernuft und wis-
heit geben und verliehen welle, das sölich land und lütt, so
an die von Bern mit grossem kosten, müi und arbeit körnen
ist, also geregiert werden, das die nach sinem göttlichen lob »
behalten und gemeret, und nit geminderet werden.
Amen.
Und wand nun dise croneck also geschriben und ge-
malett ist durch die obgenanten zwen man, so haben si
sich des geeinbertt, das sölich ir buch und cronecka ira»
beider wesen und beliben sol, diewil so si beid in leben
sind; und wenn das aber were, das ir einer von todes
wegen abgan wurd, das Gott lang wenden welle, denne so
sol dem lebenden dis cronick und diss buch beliben und sin
in erbes wise als sin fry eigen ane hindernusse allermenckli- »
chen. Und ist also diser cost, müi und arbeitt beschechen
zu eren und zu lob von uns beiden der löblichen , erwirdigen
statt Bern, die Gott behüten welle nun und zu ewigen zitten
vor allen iren vigenden ! Amen !
i
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JOHANNIS GRUYERE
narratio belli ducis Sabaudiae et Bemensium
contra Friburgenses
1447 — 1448.
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Einleitung.
Johannes Gruyere war der Sohn des Henricus Turem-
berg de Gruyeria, eines Bürgers von Freiburg.
Als sein Vater um 1427 gestorben war, erwarb Johannes
Gruyere, am 25. November 1428, ebenfalls das freiburgerische
Stadtbürgerrecht und war von da an Notar allhier bis zu
seinem Todestag, dem 14. Juli 1465.
Er hinterließ einen Sohn, Guillaume Gruyere, der seit
1461 bis 1487 auch Notar war und von 1475 bis im Juni
1483 noch die Stelle eines Staatskanzlers bekleidete.
Seine Familie war in der Mitte des XIV. Jahrhunderts
von Saanen im Greierzerlande nach Freiburg gekommen und
nannte sich ursprünglich Thurembert, auch Thuremberg de
Gruyeria. Johannes verließ den alten Namen Thurimberg
und nahm als Familiennamen einfach Gruyere an. Dieser
Name wird hie und da auch Gruerie oder Grueyri geschrie-
ben, nie aber de Gruyeria.
Johannes Gruyere hat eine kleine lateinische Chronik
geschrieben. In dieser Chronik erzählt er den Krieg, den die
Savoyer und die Berner gegen Freiburg geführt haben, und
schildert genau Tag filr Tag, was vom 20. December 1447
bis zum 16. Juli des folgenden Jahres 1448 sich zugetra-
gen hat.
• Er sagt am Ende seiner Erzählung, daß dieser Krieg
durch einen Frieden beigelegt worden sei, und äußert mitten
in seiner Schrift die Vermuthung, daß der Herzog von Sa-
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302
Einleitung.
voyen diesen Krieg nur deßwegen möchte angefangen haben,
um die Freiburger unter seine Botmäßigkeit zu bringen, und
sagt, daß sie sich bis zum Tode dagegen wehren sollen. Da
nun dieser Friede, wie Johannes Gruyere auch selber er-
zählt, am 16. Juli 1448 geschlossen wurde, und die Freibur-
ger am 1. Juni 1452 sich doch unter die Botmäßigkeit von
Savoyen stellen mußten, so sehen wir daraus, daß diese la-
teinische Chronik in dem Zeiträume zwischen 1448 und 1452
geschrieben worden ist, also gleich nach den Ereignissen.
Dieser Umstand gibt der Chronik einen sehr großen
historischen Werth, da wir daraus sehen, daß sie von einem
Zeugen herrilhrt, der alles selbst gesehen und gehört, und
wohl auch mit gehandelt hat, und daß sie niedergeschrieben
worden ist in einer Zeit, wo die verschiedenen Begebenheiten
noch alle in frischem Angedenken waren.
Johannes Gruyere fing seine Chronik auf der Seite 43
eines seiner Notar -Register an, aber der betreffende Band
ist jetzt leider nirgends mohr zu finden, weder in dem Staats-
archiv, noch in den Bibliotheken.
Die älteste Abschrift, die wir von dieser lateinischen
Chronik haben, stammt erst aus dem Anfänge des XVIII. Jahr-
hunderts und rührt von der Hand des Prosper Gady, der
ein großer Freund und ein fleißiger Sammler der alten Chro-
niken war. Diese Abschrift befindet sich heute in dem bi-
schöflichen Archiv von Freiburg,
Wir besitzen auch eine deutsche Uebersetzung dieser
Chronik. Es ist behauptet worden, daß diese Uebersetzung
von Wilhelm Techterman gemacht worden sei, als er von
1579 bis 1592 hiesiger Staatskanzler war. Ich habe den be-
treffenden Band dieses Kanzlers in unserm Staatsarchiv unter-
sucht, mußte mich aber überzeugen, daß Wilhelm Techter-
man diese deutsche Uebersetzung nicht selbst gemacht,
sondern einfach irgendwoher abgeschrieben habe.
Was mich zu dieser Ueberzeugung gebracht hat, ist der
Umstand, daß am Ende der Abschrift einige Zusätze folgen
mit Hinweisung auf Seiten, die im Bande gar nicht Vor-
kommen, oder besser gesagt, zu dieser Chronik gar nicht
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Einleitung.
303
gehören. Wilhelm Techterman wird diese Uebersetzung ab-
geschrieben haben, wie er sie fand, sammt den Zusätzen,
und die Seiten-Hinweisung dieser Zusätze mögen auf sein
Original gepaßt haben.
Der lateinische Text dieser Chronik wurde zum ersten
Mal in den Archives de la Socidtd d’Histoire du Canton de
Fribourg, tome II, p. 299 ff., veröffentlicht. Allein dieser Text
ist hie und da fehlerhaft: einige Worte sind ausgelassen, und
gewisse Eigennamen ganz entstellt angegeben. Glücklicher-
weise ist die deutsche Uebersetzung besser und vollständiger,
und mit Hilfe dieser ist es mir möglich geworden, den rich-
tigen lateinischen Text des Johann Gruyere wieder herzu-
stellen. Dieser verbesserte Text ist der nun folgende.
P. Nik. Eädle, Franziskaner
in Freiburg.
ß
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Ne ea, quorum in praesenti habemus notitiam, per pro-
cessum temporis labi contingat e memoria, consueverunt an-
tiqui prudentes res gestas, prout gestae sunt, scripturae testi-
monio commendare, ne propter difficultatem comprobationum
contingat alium a jure cadere et vero rei suae dominio defrau- s
dari: ea propter est sciendum et firmiter tenendum pro
memoria :
v Quod
Friburgenses non cum omnimoda potestate, sed solum-
1441 modo aliqui ex ipsis Friburgensibus iverunt apud Villarzel*) 10
DecM die mercurii ante festum nativitatis domini nostri Jesu Christi
DecM in anno 1447. Et die jovis sequenti mane, erat autem fes-
tum S. Thomae, expugnaverunt castrum et existentia in eodem
totaliter, quod ipsum intraverunt et magnam quantitatem
bladi et plura bona mobilia ibidem depraedaverunt et ce- u
perunt et ad Friburgurn conduxerunt; etiam plures homines
et specialiter castellanum ipsius castri captivos secum ad-
duxerunt, et ipsum castrum ad ignis incendium totaliter
posuerunt.
Dec23 Die vero sabbathi sequenti de nocte iverunt circa mille *>
DecM et sexcenti homines apud Montagniacum’), et die dominico
sequenti, vigilia nativitatis domini nostri Jesu Christi, de
mane expugnaverunt villam et eorum subjectioni posuerunt
*) ViUarsel-le-Oibloux, bei Estavayer-le-Gibloux. Diese Herrschaft
gehörte damals einem welschen Edelmanne aus dem Hause de ChaUant,
der ein Bürger von Bern geworden war.
*) Montagny - la - ViUe, damals eine kleine Stadt, jetzt aber nur ein
Dorf an der Straße nach Payerne.
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Johannes Grnyere.
305
et ad ignis incendium, salvo castro, qnod non fuit captum.
Ibidem occiderunt plures et multa bona et bladum ceperunt
et plures captivos et specialiter vexilliferum de Montagniaco,
nominatum Roletum Chauzi, et ipsos Friburgum conduxerunt.
» Die vero epiphaniae domini nostri Jesu Christi venerunt U48
Sabaudienses et Bemenses, etiam illi de Biello, nostri, ut Jan' 6
apparuit, confoederati, circa decem millia hominum, ante Fri-
burgum versus Rapam Furcarum1) et ibi circa retro rapam.
Tunc Friburgenses exiverunt contra ipsos et ceperunt
io captivum quemdam capitaneum, videlicet Petrum de Vergie,
dominum de Montrichier, et erat capitaneus Rotundi-Montis.
Et plures interfecerunt et ad mortem posuerunt ultra qua-
draginta homines. Et tunc cum magna verecundia reces-
serunt, furcas truncaverunt et plura villagia combusserunt,
is Item venerunt die lunae post laetare versus crucem de Meru
Juvisie1) et versus campos de Chamblot*) circa horam nonam,
et post inde recesserunt Et Friburgenses interfecerunt duos
equos eorumdem inimicorum, et quam plurimos interfecerunt,
quod fuit quarta martii.
»o Item fuerunt Bemenses circa quinque millia ante Fribur-
gum versus La Schürra4) in angulo nemoris dicti Briinisholz
cum quatuor vexillis, die dominica de judica me, quae fuit Mere
decima martii, et fuerunt plures ex ipsis tam interfecti quam 10
vulnerati, licet de nostris fuerunt interfecti, videlicet quidam
*5 illorum de Nflwenhus, et Antonius Carmentran, qui fuit cras-
tina die sepulturae traditus. Et tunc usserunt plura villagia,
quae erant extra portam de Burgillon.4)
Item post venerunt ex ipsis inimicis nostris certi Gani-
medes apud claustrum Altaeripae6) circa duodecim vel quinde-
ao cim, qui truncaverunt capita imaginum, ferentes serta plu-
‘) Der Galgen war mitten auf dem Abhänge emischen dem Guintzet
und der obigen Straße. Rapa heißt in unsrem Romanisch- Latein e. Abhang,
*) Givisiee, Dorf links an der obigen Straße.
*) Chamblioux , Weiler rechts an der obigen Straße.
*) La Schurra, Weiler links an der Straße nach Marly.
•) Stadtthor genannt Bürglenthor, Porte de Bourguillon.
•) Ehemaliges Kloster Altenryff, Hauterive, Oisterzien ser-Ordens,
q»Uen rar Schweizer Geschieht«, t, 20
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306
Johannes örnyere.
1448 marum pavonum. Sic quatuor socii de nostris ipsos infuga-
verunt taliter quod duos interfecerunt, tres captivos adduxe-
runt et alios infugaverunt.
Item deinde in eodem mense martii venerunt ipsi inimici
versus Bretignie1), et nostrae gentes iverunt ipsis obviam. Et t
fUerunt ibidem interfecti duo nobiles ex ipsis inimicis, videli-
cet Aymo de Gallera et quidam alter, qui fuerunt sepulturae
traditi versus et prope pratum Hospitalis Beatae Mariae Vir-
ginis, ubi archerii cum arcubus se exercent*). Quae duo ca-
davera postmodum fuerunt per certos de Montagniaco, supplice io
requisitione per ipsos dominis nostris de Friburgo facta, ab
eorum sepulturis extracta et alibi deposita.
Item in eodem mense martii venerunt ipsi inimici nostri
versus Agie*), et nostrae gentes illi« obviaverunt, et insimul
taliter praeliati sunt, quod ex ipsis plures fuerunt interfecti, u
et circa viginti quinque equi fuerunt per nostras gentes tam
interfecti quam graviter usque ad mortem vulnerati; tamen
duos de nostris, videlicet Petrum Knabis et quemdam alium
antiquum, dum sua animalia pascebant, nequiter occiderunt,
et Nicodum Loriod apud Aventicam*) captivum duxerunt. w
Mere Item die jovis ante festum paschae, quae fuit vigesima
prima martii, exiverunt villam certi boni socii et viri audaces
de societate, quae dicitur das Fryvenli, et alii socii secum, et
intraverunt dominium de Murato, et ibidem combusserunt
Villars-les-Moines5), Curgivol*), Corlevon et Salvagnie1) ibi- *>
demque interfecerunt undecim homines aut ultra, quatuor-
decim homines captivos adduxerunt et circa centum et viginti
') Bertigny, Weiler auf der Anhöhe zwischen den Straßen nach
Payeme und Bomont.
*) Diese Stelle ist heute die Schüttenmatte , Lee Grandtplaces ge-
nannt. Sie ist gerade vor der Stadt an der Straße nach Bomont.
*) Agy, Weiler an der Straße nach Murten.
*) Avenches, Wiftisburg.
•) Münchenwyler, Villars-les-Moines, ehemaliges Priorat Cluniatenser
Ordens.
*) Courgevaux, Ourwolf bei Murten.
*) Courlevon und Sdkagny bei Murten.
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Johann« Grayere.
307
grossa animalia secum adduxerunt Et sic illi de Mureto 1449
non multum lucrabantur in die festo.
Item vigesima octava die praedicti mensis martii, anno Mere
ut supra, exiverunt Friburgenses, circa mille et sexcenti ho- sa
t mines, de nocte post Ave-Maria, et iverunt apud Guggisperg
et Schwartzenburg, et in solis ortu subsequentis diei veneris
usserunt ipsa duo villagia Guggisperg et Schwartzenburg et
omnia alia villagia dominiorum de Montcuchin et de Nigro
Castro*), qu® fuerunt in numero circa quinquaginta villagia
10 et ultra. — Nam homines ipsorum dominiorum spectabant
tam ad Friburgenses quam ad Bernenses, licet iidem probi
(ut apparuit) homines dominos suos de Friburgo denegaverunt
et ad voluntatem Bernensium totaliter se posuerunt, et contra
nos suo posse ftierunt tamquam pessimi proditores et per-
is juri. Igitur merito iidem Friburgenses vindictam contra pro-
ditores praedictos sumpserunt plurimosque ipsorum proditorum
et perjurorum ibidem neci dederunt.
Cum autem iidem Friburgenses ipsa die veneris, quae Mere
fuit vigesima nona martii, ad villam Friburgi regrediebantur, 39
ao ipsis obviaverunt inimici, videlicet Sabaudienses et Bernenses
cum suis adhaerentibus. Erant in numero circa decem millia
hominum et ultra, nominatim ibidem in prato die Nüwmatte1),
prope et desuper Galtera'), et ibidem insimul praeliati sunt,
taliter quod nostrae gentes maximum damnum receperunt, et
is inimici pessime et proditive nostros occiderunt, videlicet du-
centos quadraginta sex, qui fuerunt: Hensilinus Verwer, de
consilio, Willinua Perrotet, tunc magnus preeo in Friburgo,
Jacobus Vögilli, Hensilinus Cudrefin, cognatus meus, Petrus
Küng, Nicodus de Blumisperg etc., nam iidem inimici pes-
so sime et proditive nostros expugnaverunt, quia signa nostrarum
gentium deportabant, videlicet crucem rubeam sicut nostrae
*) Montcuchin et Nigrum Castrum, lateinische Namen von Guggis-
berg und Schtoareenburg.
*) Die Neumatte, bei Bohr an der Straße von Täfers, Tavel, nach
Schwareenburg.
•) Gatter en, Qotteron, Thal und Bach, der in die Saane fließt.
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1448
April
20
308 Johannes Gray ere.
gentes cruces rubeas ferebant, quod fecerunt tanquam falsi
et proditores, quia si sua signa videlicet cruces albas realiter
portassent, indubitanter nostrae gentes tale damnum non rece-
pissent Nam sub umbra rubeae crucis nostras gentes nequi-
ter occiderunt. Tamen ex ipsis inimicis fuerunt per nostras 5
gentes occisi circa centum et quindecim homines de melio-
ribus et audacioribus ipsorum mimicorum, et sic non frustra
gentes nostrae sunt defunctae et occisae, quarum animae re-
quiescant in sancta pace. Hujusmodi mortem incurrerunt
circa nostra manutenendo. w
Ulterius est sciendum quod Sabaudienses ceperant ad
misericordiam circa sexaginta homines de numero ipsorum
ducentorum quadraginta sex occisorum, antequam fuissent
occisi, et ipsos captivos inducere volebant, erantque quasi de
melioribus ipsorum; sed illi proditores Bemenses ceperunt«
illos sibi, ultra eorum voluntatem, et ad mortem posuerunt.
Etiam est verum quod nostrae gentes ceperunt illis per-
juris ac proditoribus de Schwartzenburg apud Montcuchin vi-
delicet vexillum illorum de Schwartzenburg, quod nostrae
gentes apportaverunt apud Friburgum, et est depositum in»
ecclesia nostra parochiali Sancti Nicolai.
Item est sciendum quod in istis actibus erant capitane;
nobiles viri dominus Petrus de Mörsperg, miles, ac Ludovi-
cus Meyer, domicellus, qui Ludovicus erat tunc ex nostris
gentibus. Cui Ludovico si credere voluissent, tuto Fribur- a
gum reintrassent, sed nullo modo eidem obedire volebant, et
sic eorum grandissima culpa occisi fuerunt. Fuerunt autem
sepulta eorum corpora apud Friburgum in cemiterio ecclesiae
Sancti Joannis, etiam in aliis cemiteriis et ecclesiis Friburgi,
quorum animae requiescant in pace. a>
Item die sabbathi ante festum Sancti Georgii, quae fuit
20. aprilis, venerunt ipsi inimici nostri circa sex millia homi-
num armatorum, equitum et peditum, , versus Juvisie et Ber-
tignie, et sic nostrae gentes exiverunt villam et iverunt ipsis
obviam versus campos de Chamblot, desuper campum Johan- «
nis Pavilliard, et quaedam bombarda seu pixis ibidem cum
nostris gentibus fuit adducta, et quidam optimus magister
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Johannes Gruyere.
309
pixidum, qui vocabatur magister Nicholaus, traxit cum pixide 1448
ad inimicos valde notanter et quam plurimos interfecit et
laäsit, nostraeque gentes contra ipsos cum suis balistris ac pi-
xidibus traxerunt et multos interfecerunt et vulneraverunt,
s Ex una alia parte, ubi capita truncantur, erant nostrae
gentes cum equis, et sic statim post modicum intervallum,
dum una pars contra alteram instaret, venerunt festinanter
ipsi inimici, videlicet una maxima pars ipsorum inimicorum .
per retro Rapam Furcarum et per versus Bretignie, et volue-
10 runt includere et circum circa claudere dictas nostras gentes,
quod tamen Deus omnipotens non permisit. Nam illi socii,
qui erant supra turres villae, exeuntes ex omni parte mira-
biliter divino auxilio contra ipsos inimicos suis bombardis
et aliis tractibus mirifice traxerunt, taliter quod ipsi inimici
is malignam suam voluntatem ad effectum ponere non potuerunt,
sed fuerunt ex ipsis inimicis occisi aut vulnerati circa sexa-
ginta homines; etiam plures equi fuerunt ibidem tam inter-
fecti quam graviter vulnerati ; et sic, Deo dante, nostrae gentes
absque damno se retraxerunt ad villam.
*o Item die mercurii post dictum festum Sancti Georgii ve- Apra
nerunt certi ex ipsis inimicis "versus Marlie et versus La
Schürra, et erant certa animalia, quae dum abducerent, ipsis
obviaverunt nostrae gentes, et ipsos inimicos expugnaverunt,
et decem ex ipsis interfecerunt, et unum dictum Ludovicum
» Bidaul de Corbeiris, cognatum Jacobi Aygro, captivum cepe-
runt et ad Friburgum adduxerunt. Et ipsa die ipsi inimici
certa animalia nostra induxerunt.
Item die sabbathi post dictum festum S. Georgii venerunt April
ipsi inimici nostri et specialiter Bernenses versus le Galteron,
so et aliqui ex ipsis intraverunt vallem de Galteron et invene-
runt quemdam hominem claudum de nostris, quem nequiter
interfecerunt, et tres folias, videlicet foliam Petri Perrotet,
tum magistri civium Friburgi, foliam Cononis de Lanten et
Roleti Gambach, ac foliam Cononis Vögili combusserunt, et
os tunc nostrae gentes iverunt ipsis obviam, et taliter quod ipsos
infugaverunt et aliquos occiderunt.
Item die sabbathi sequenti venerunt ipsi inimici versus Meti 4
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310
Johanne« Gray ere.
tus le Brünisholz*) in angulo ipsius nemoris, et nostrae gentes
contra ipsos suis pixidibus mirabiliter traxerunt, taliter quod
ipsos infugaverunt et quam plurimos occiderunt, licet plura
animalia induxerunt.
Ipsa die tarde circa sextam horam post meridiem aliqui s
ex ipsis inimicis venerunt versus Fontes de Chamblot’) et
tres homines sua animalia pascentes nequiter occiderunt et
quemdam alium virum dictum Johannem Asnoz graviter vul-
neraverunt.
Est etiam sciendum quod illi de Basilea, de Zürich, de 10
Lucerna, de Solodoro, de Schwytz, de Unterwalden, de Zug,
de Glaris, et ali® Ligae transmiserunt apud Friburgum suos
honorabiles ambaxiatores, qui rogaverunt dominos nostros de
Friburgo intima affectione, ut eisdem ambaxiatoribus annuere
vellent ad tractandum et loquendum pro una amicabili dieta, «
non astricta, tenenda apud Solodorum, pro eo quod erat ibi-
dem locus magis conveniens ad tractandum quam alibi, se-
cundum'eorum visum et cognitionem; qua accepta volebant
se transferre ad dominum ducem Sabaudiae seu ejus consilium
et erga illum taliter laborare (prout confidebant) quod idem»
dux Sabaudiae ipsam dictam amicabilem dietam tenendam
apud Solodorum siquidem acceptaret, nam eisdem ambaxia-
toribus fore consonum rationi videbatur.
Et sic donjini nostri de Friburgo tanquam humiles, dul-
ces et benigni et tanquam guerram non habere desiderantes«
ipsam amicabilem dietam apud Solodorum tenendam amore
ipsorum ambaxiatorum benigniter acceptaverunt. Qui tamen
dux seu ejus consilium ipsam dietam totaliter denegavit et
ipsi ambaxiatores apud ipsum ducem Sabaudiae in vanum la-
boraverunt; licet idem dux seu ejus consilium acceptare vo-so
lebat unam dietam tenendam apud Lausannam seu Bernam,
quod tamen in domiciliis talium nostrorum inimicorum nullo
modo erat fiendum.
Quamobrem unusquisque probus vir justitiam diligens
‘) Brünitholt- Wald bei La Schurra linkt an der Straße nach Marly.
*) Föntet de Chmblot haßt heute Bonnefontaine.
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311
luculenter cognoscere potest ac evidenter voluntatem malig- i44a
nam ipsius ducis Sabaudiae, nos et villam Friburgi ad suam
subjectionem compellere volentis contra omnem justitiam, ut
omnibus audientibus verifice potest enucleari.
5 Et sic omnipotenti Deo sua benignissima misericordia
auxiliante, gratiaque Sancti Spiritus favente, ac intercessioni-
bus gloriosissimae Virginis Mariae Dei Genitricis, Sancti Geor-
gii, militis Dei, et omnium Sanctorum Dei, contra talem du-
cem Sabaudiae et suam superbiam et contra omnes inimicos
w nostros viriliter resistere volumus et nos defendere usque ad
mortem.
Item die sabbathi ante festum pentecostes, undecima Main
maji, venerunt ipsi inimici nostri versus Juvisie prope cru-
cem, et nostrae gentes posuerunt suam guardam, seu em-
it boches, in quadam ruetta publica versus campos de Chamb-
lot, et posuerunt siquidem duas guardas seu duos custodes
cum equis ibidem prope, quos custodes ipsi inimici infugave-
runt, taliter quod, dum ipsos infugaverunt, erant prope quod-
dam tornafol seu barreriam et intrassent ipsas barrerias. Sed
oo quidam nominatus Johannes Warney de nostris, qui erat in
guarda cum nostris gentibus, traxit cum pixide sua, taliter
quod ipsi inimici tunc perceperunt et viderunt nostram gar-
dam et tunc fugerunt, et sic decem de nostris agricolis ex-
currerunt post ipsos inimicos et ipsos taliter persequi vo-
85 lebant, quod ab ipsis inimicis fuerunt occisi per maximam
culpam ipsius Warney, nam si non traxisset cum pixide, ipsi
inimici intrassent infra barrerias, erant circa quadraginta ho-
mines cum equis, et si intrassent, indubitanter omnes fuissent
a nostris occisi aut capti. Tamen Deus permittere noluit,
so sed tamen de ipsis inimicis fuerunt quatuor per nostros occisi,
et deinde ex ipsis vulneratis ipsorum inimicorum mortui
sunt septemdecim homines, et sic non frustra nostros occi-
derunt.
Item die lunae post festum Trinitatis, vigesima maji, ve- Maüo
as nerunt inimiei versus crucem de Juvisie et ibi circa, versus
pratum Bovin, et nostrae gentes iverunt ipsis obviam et insti-
terunt una pars contra alteram trahendo suis balistris et
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312
Joh&nnes Grnyere.
U48 pixidibus taliter quod ex ipsis inimicis fuerunt per nostras
gentes quatuor occisi, et quam plurimi vulnerati; etiam equi
ipsorum inimicorum fuerunt mortui et vulnerati usque ad mor-
tem. Et tunc recesserunt, licet ipsi inimici tanquam bubulci
aliqua animalia induxerunt, quae tamen pretio suae ipsorum 5
camis emerunt.
Item est sciendum quod quatuor falsi et proditores, qui
erant de nostris, per licentiam capitaneorum exiverunt villam,
dicebantque quod volebant inimicis aliquid depredari, et sic,
iniqua voluntate impleti, iverunt apud ipsos inimicos, videli-w
cet ad Bernenses, et se cum ipsis totaliter contra nos posue-
runt, qui sunt Willinus Wetzsöw, Jacobus Türewächter de
Wyler ante Oltingen, quidam dictus Zum Ttirly, et filius
Ullini Löflfer.
Deinde nostri ambaxiatores requisitione nobilium am- 15
baxiatorum illustrissimi principis ac christianissimi regis Fran-
cia», etiam serenissimi principis domini ducis Burgundiae
sub salvo conductu ducis Sabaudiae equitaverunt apud Lau-
sannam ad ipsos ambaxiatores, tractando de bono pacis, et
cum nostri ambaxiatores redirent die veneris, quse fuit vige- »
Mai24 gima quarta maji, venerunt ipsi inimici nostri versus Bre-
tignie et ibi circa, et tunc nostri tanquam animosi et audaces
exiverunt villam et iverunt illis obviam, et praeliati sunt una
pars contra aliam taliter trahendo suis pixidibus et aliis trac-
tibus suis, quod ex ipsis inimicis fuerunt circa quatuordecim »
homines occisi et quam plurimi vulnerati, etiam plures equi
tam mortui quam vulnerati, et nostri, Deo dante, illaesi re-
venerunt.
Mai26 item vigesima sexta praedicti mensis maji venerunt Fri-
burgum praedicti ambaxiatores]; unus ipsorum dominorum fuit »
quidam magnus abbas, et quidam dominus nobilis et potens
ex parte domini regis Franciae. Fuerunt autem ex parte do-
mini ducis Burgundiae videlicet nobilis et potens Philibertus
de Vaudrey ballivus Burgundiae et quidam licenciatus legum
tractando de bono pacis. ss
Mai3l Et die veneris, quae fuit ultima maji, dum idem ballivus
recessit et equitavit Bemam, venerunt ipsi inimici versus
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Johannes Gruyere.
313
Bretignie, et nostrae gentes iverunt illis obviam, et institerunt t44S
una pars contra alteram, et traxerunt suis pixidibus et bali-
stris taliter quod ex ipsis inimicis fuerunt octodecim homines
occisi, pluresque fuerunt graviter vulnerati usque ad mortem,
s etiam plures equi fuerunt vel mortui vel vulnerati, nostri
vero fuerunt illaesi nisi quidam juvenis, qui erat familiaris
nobilis viri Petri de Corbeiris, quem sub misericordia capti-
vum ceperunt et deinde ipsum nequiter occiderunt; ceperunt-
que nostri unum capitaneum captivum quem secum ad villam
io duxerunt, etiam lucrati sunt unum vexillum quod erat ini-
micis nostris praedictis; ipsa tamen die fuit laesus Johannes
Aygroz, filius Jacobi Aygroz, uno tractu balistrae.
Item die sabbathi, octava junii, venerunt ipsi inimici Sa- J“»» 8
baudienses et Bemenses simul cum omnimoda potestate ver-
is sus campos de Torrel1); et nostrae gentes exiverunt contra
ipsos inimicos et traxerunt suis ballistris et pixidibus, et spe-
cialiter illi socii existentes supra turres traxerunt contra ini-
mieos taliter, quod ex ipsis circa viginti homines occiderunt
pluresque laeserunt, etiam plures equos interfecerunt et ali-
3o quos graviter laeserunt. Licet quatuor homines de nostris
sub umbra proditionis nequiter occiderunt, nam ipsi inimici
ipsos vocabant, et sic iidem quatuor ad ipsos ivere putantes
habere socios suos, et cum appropinquassem ipsis inimicis,
tunc clare cognoverunt ipsos inimicos et sic voluerunt se re-
3s trahere, quod tamen facere non potuerunt, et sic fuerunt ne-
quiter occisi.
Quapropter necessaria sunt et utilia fieri bona signa et
vestes tales, quod leviter et clare unus possit cognosci ab
altero.
so Ipsaque die nostri ceperunt unum captivum et ipsum
secum ad Friburgum adduxerunt, ipsa vero die illi inimici
ceperunt tres aut quatuor juvenes, puellas ac plura animalia.
Item die martis, undecima junii, venerunt ipsi inimici et Jmitt
ceperunt multa animalia extra portam de Burguillon et de
35 Bisemberg. Cum autem hoc cognoverunt socii ibi supra
') Torry, Anhöhe hei Agy, links an der Straße nach Murten.
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314
Johaaae« Grayere.
1448 turres existentes, aliqui animosi et audaces statim exiverunt
portas, et ipsos inimicos taliter persecuti sunt, quod quatuor
homines ex ipsis inimicis occiderunt, et omnia animalia iterum
ipsis ceperunt.
Junia item die mercurii, duodecima junii, venerunt ipsi inimici *
nostri videlicet de ipsis de Berna, de Schwartzenburg et de
Montcuchino versus lo Schönenberg l) et ceperunt circa cen-
tum et viginti grossa animalia, quae secum inducebant. Et
sic nostrae gentes circa quadringenti homines exiverunt villam
cum eorum capitaneo Ludovico Meyer et certis aliis cum w
equis, et invenerunt illos inimicos in villagio de Tabernis’)
supra coemiterium, qui se opposuerunt contra nostras gentes,
personas suas deffendentes, taliter quod unum de nostris inter-
fecerunt, qui erat filius molitoris Wersimoz, et dictum Stengli,
quemdam valentem virum de nostris, laeserunt. Tamen nostrae 15
gentes taliter contra ipsos praeliati sunt et suis balistris, pixi-
dibus et aliis suis tractibus contra illos traxerunt, quod ab
eodem coemiterio se removerunt et festinanter fugerunt, et
dum sic terga fugae dederunt, nostrae gentes tanquam valentes
viri ipsos persecuti sunt et infugaverunt taliter quod ipsa »
animalia praedicta dimiserunt et ipsa secum non induxerunt,
ac nostri quinquaginta homines ipsorum inimicorum versus lo
Wyssenbach’) interfecerunt, spoliaque ipsorum occisorum, sicut
vestes, diploides, camisias, decem bonas balistras pixidesque
ac longas lanceas, enses et alios gladios secum apportaverunt »
et in Piscina4), ante domum Henselini Elpach, vexilliferi in
Burgo, eadem ad usum buttini*) vendiderunt, ultraque quadra-
ginta homines ipsorum inimicorum graviter laesorum ac unum
capitaneum tantummodo secum adduxerunt
•) Der Schonenberg, Anhöhe der Bemerstraße, gleich vor der Stadt.
*) Täfers, Tavei, an der Straße nach Schwartenburg.
*) Der Weißenbach kommt von Ober-Montenach her und fließt durch
die eben erwähnte Straße unten bei S. Antoni.
*) Piscina, der Fischmarkt, war damals nahe bei der jetsigen alten
Linde, mitten in der Stadt.
') Nach einem Kriegsgesetz wurde die Beute verkauft, und ein Theä
des Erlöses war für die Krieger.
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Johannes Qrnyere.
315
Item die sabbathi, festo Sanctorum Petri et Pauli, vige- 1448
sima nona junii, venerunt ipsi inimici versus Juvisie et inter- Jum2S
fecerunt Johannem Clerc de Belfo’) ac unum puerulum Beta-
tis decem annorum vel circa. Et per hoc evidenter apparet,
5 quales guerrerii, qualem guerram honorabilem illi inimici
nobis faciunt, nam in ista guerra plures pueros et mulieres
nequiter occiderunt, tanquam pessimi proditores, nullam jus-
tam guerram seu querelam contra Friburgenses ullo modo
habentes.
10 Item die lunae, prima julii, venerunt ipsi inimici versus Juli i
Juvisie et ibi circa, et sic nostrae gentes exiverunt villam
contra ipsos inimicos et ipsos infugaverunt, taliter quod ex
ipsis inimicis unum interfecit Petrus Stadler, compater meus,
et alii quinque homines illorum inimicorum occisi sunt trac-
15 tibus nostrarum pixidum, etiam plures graviter vulnerati us-
que ad mortem.
Et est sciendum quod nostrae gentes viriliter ipsos ini-
micos in numero ducentorum equitum existentes debellare
volebant et contra ipsos, Deo auxiliante, praeliari, sed illi
»inimici festinanter terga fugse dederunt, non tam audaces
quod nostras gentes expugnare voluissent, quod tamen non
fuit honorabile pro una tam magna potestate, quam habent
iste dux Sabaudiae ac proditores et perjuri de Berna, quia
sunt contra nos et fecerunt contra nos ut superius fit men-
* tio, non obstante quod debebant nos juvare contra ducem
Sabaudise, quia nostrse confederationes, quae sunt inter ipsos
Bernenses et Friburgenses, sunt in data antiquiores quam
sint confederationes inter ipsum ducem Sabaudise et ipsos
Bernenses existentes, ut omnibus intuentibus evidenter po-
») test enucleari, et ideo sunt proditores et perjuri, quia ipsae
confederationes inviolabiliter ac perpetue debebant observari.
Item die martis sequenti, secunda julii, venerunt ipsi Juli s
inimici versus Cormanon5) desuper Pyroules’) ac invenerunt
') Gumschen, Belfaux, Dorf an der Straße nach Payerne.
*) Dorf an der Straße nach Bulle.
') Perraule*, Weiler an der obigen Straße.
316
Johannes Grnyere.
1448 unum pauperem, antiquum hominem, dictum Toniset, et qui
mendicabat, quem nequiter occiderunt. In hoc igitur potestis
cognoscere nobilitatem talium gentium, quae hujusmodi per-
sonas nequiter occiderunt.
Juli 6 Item die sabbathi, sexta julii, ipsi mimici cum magna s
potestate, cum equitibus et peditibus venerunt versus Üben-
wile1), et nostrae gentes contra ipsos exiverunt villam Fri-
burgi, et taliter praeliati sunt ad invicem, quod de nostris
fuerunt aliqui laesi, at ex ipsis inimicis aliqui occisi ex nostris
pixidibus. Etiam iidem inimici, videlicet Bemenses, traxerunt »
cum suis pixidibus, quas ducebant supra currus, contra villam
Friburgi et infra villam, licet non fecerint aliquod damnum.
Juli 7 Die dominica sequenti, septima julii, iterum venerunt ad
locum praedictum et solummodo se monstraverunt et post-
modum recesserunt. u
Juiiio Die mercurii, decima julii, venerunt versus Bretignie, et
nostrae gentes contra ipsos exiverunt et interfecerunt quatuor
ex ipsis cum suis pixidibus.
Juli 14 Die dominica sequenti, decima quarta julii, venerunt illi
inimici versus crucem de Villard1) et ceperunt unam anti- »
quam equam ac interfecerunt unam vaccam de nostris vaccis
et sic magnam audaciam ostenderunt, nostraeque gentes eis-
dem inimicis duos bonos equos occiderunt.
In ipsa septimana fuerunt ambaxiatores Ligarum, videli-
cet Ytal Reding et certi alii honorabiles ambaxiatores Ligarum, ts
qui prius saepe fuerunt in Friburgo ad tractandum de pace,
et laboraverunt taliter erga ducem Saba u diae et erga domi-
nos Friburgenses, quod ipsa guerra fuit totaliter sedata et
concordata secundum tenorem litterarum inde confectarum.
Et pro memoria praemissorum perpetua habenda est #>
sciendum quod nostri coloni seu agricolae fuerunt valde re-
belles contra burgenses villae, et loquebantur mirabilia di-
cendo, quod volebant nobis rumpere domus nostras, et partiri
nostra grana nobiscum, et certe volebant esse magistri in
‘) Übenwyl, Villars-les-Jonce, Weiler an der alten Straße nach Bern.
*) ViUars-sur-Glane, Dorf an der alten Straße nach Romont.
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Johanne* Gruyere.
817
Tilia; et hoc bene apparebat, nam burgenses non erant au- 1443
daces ipsos castigare, quod faciebant, ut inde majus inconve-
niens non oriretur.
Ulterius fuerunt ex ipsorum magnä praesumptione, qui
e frangerent prata et jordilia burgensium tam in villa quam
extra villam; quod fuit tamen male factum, nam eorum ani-
malia non habuerunt ad pascendum in istis pratis et jordili-
bus nisi forte per tres dies. Per hoc est notum qualiter
eorum nequitiam et malevolentiam ostenderunt. Et dixerunt
»aliqui ex ipsis agricolis, quod volebant nos interficere, nisi
faceremus pacem. Aliqui etiam, quod volebant truncare ca-
pita nostris capitaneis, quod fuit male dictum, nam illi va-
lentes viri, nostri capitanei, multum fuerunt nobis utiles et
se gesserunt tanquam viri nobiles omni bonitate renitentes,
i* Quamobrem advisent et advisare debent multum studiose ips;
Friburgenses, quod si aliquam guerram in futurum inceperint,
quod se gubernent taliter quod isti agricolae non sint super
nos, et quod talia malefacta facere non praesumant; nam
semper nobis minabantur, licet multa juramenta fecerint, et
*o debebunt refraenari potentissime.
Item die martis, decima sexta julii, fuit pax proclamata Mi te
et tubicinata seu comata per villam Friburgi, quod pax de-
beat observari.
Item est sciendum quod canes in noctibus multum latra-
»bant, antequam guerra inciperet.
Item est sciendum quod magnum defectum vini habue-
runt ipsi Friburgenses ab initio guerrae usque in diem pro-
clamationis pacis ipsius. Licet certae personae habebant vinum,
dicebant cum juramento quod nullum vinum habebant, et
»false mentitae fuerunt per capita sua, quia per eorum men-
dacia plures personae multas aegritudines ob defectum vini
incurrerunt et inde migraverunt. Et sic clare apparet quod
tales personae, quae sic illud vinum occultaverunt et celave-
runt et nullo modo pauperibus aegris et aliis pauperibus per-
as sonis largiri voluerunt, sunt et fuerunt causae plurimarum
aegritudinum talium hujusmodi personarum et siquidem mor-
tis ipsarum.
Digitizad b^Tloogle
318
Johune« Ora y «re.
1448 Etiam est sciendum et pro certo notandum, quod Fri-
burgenses fecerunt pacem causa agricolarum, qui nobis, ut
praefertur, minabantur, nam si iidem agricolae fuissent gentes
stabiles, prout erant illi de villa, non fecissemus talem pa-
cem, quia prius comedissemus canes murilegos et mures, s
Tamen non est dicendum quod pax sit contra nostrum ho-
norem, sed est multum utilis et etiam honorabilis consideratis
considerandis, quod tamen certis de causis pro praesenti enu-
merare hic supersedeo, licet in futurum, ut spero, Deo dante,
se demonstrabit. i«
Etiam verissime est sciendum, quod tractus nostri tam
pixidum coluvrinarumque, quam balistrarum . fuerunt nobis
utiles ac multum boni, nam si tales hujusmodi tractus non
fuissent, absque dubio tota villa Friburgi et omnia in eadem
existentia fuissent per inimicos nostros circum circa villam is
existentes deperdita et ad perditionem posita, nisi voluntas
divina e contra permisisset.
Et ideo studeant Friburgenses, quod sagittarios tam pixi-
dum quam sagittarum multum diligant et prae oculis habeant,
nam ipsi sagittarii cum illis magnas et longas lanceas defe- »
rentibus taliter contra inimicos se habuerunt et viriliter se
gesserunt, quod merito debeant laudari.
Item pro memoria est sciendum, quod animalia nostra
in ista guerra multa damna nobis intulerunt, nam propter
ipsa animalia multas gentes perdiderunt. Ideo in initio guerrse a
talia animalia interficiantur et salsentur.
Item firmiter est notandum, quod nullae guerrse debent
incipi, nisi villa sit munita tam auro argentoque et victualibus
quam gentibus armorum, nam si aliquod istorum trium desit
seu defuerit, ipsa guerra non potest fieri nisi cum damno. »
1
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Personen-, Orts- und Sachregister.
Aarberg, Grafen von 4Ö» 41.
Aar bürg, Herren von 46. Smoßmus v.
A. 31.
Aargau s. Ergönw.
Achahalm, Gilian 280,
Agy 306,
Albrecht, Hera, v, Oestr. 210. 213.
Algönw, Zug in’s 216.
Altaripa, Altenryff 305.
Altkilchen 245.
Andres, Meister, in Thnn 209.
Appellation 23. 53. 54. 87. 110. 143.
Archer, Anthoni 246.
Artikel, die fünf 43. 51. 52. 110. 143.
Asnoz, Johannes 810.
Asper, Ruf 220.
Avenches 306.
— (Aventschen), Wilh. von 205. 206.
Aygro, Aygroz, Jacob 309. 313.
— Johann 313.
Baiem, Herz. Ludw. d. Reiche v.254. 255,
258.
Baldeck 31.
Basel 244. 253. Bischof (Joh. VII.) 223.
257. 269. Conail 203, Steinenkloster
203. Tag zn Basel 226. Gesandte in
Bern 269. 270, in Freibarg 310.
Beck, Georg 216.
Belfanx 315.
Belp 52, 141.
Bern erwirbt Grasbnrg, Guggisberg und
Schwarz enburg 199, Sterbet 200, Ger-
werengraben 201, Krieg mit Freibnrg
201—210. 3Cß ft Tag in Bern vor-
geschlagen ülfi. Großer Schnee 201.
220. Brückenpfeiler 219. Vincenzen-
hanpt 220. Bund mit Mülhausen 292
Fasnacht 221, Mülhanserkrieg 225.
234. 240. 243. Waldshuterkrieg 247.
Kleidermandat und Twingherrenstreit
262 ff. Umbau der Frauen- Capelle
261.
Beroman, von 150.
Bertigny (Bretignie) 306. 308. 309. 312.
313. 316.
Bei 220.
Bidanl, Lndwig 309.
Biderbo, Cnno 281.
Biel 204. 234. 247. 269. 305.
Biglen 173.
St. Blasienabtei 248.
Blotzheim (Blatzen) 235. 236.
Blnmisperg, Nicod v. 307,
Bodensee 216. 217.
Böhmen (Behem) die, vor Waldahnt 246,
254. Böhmerwald 121.
Bondorf 250.
Bonnefontaine 310.
Boumgarter, Peter 58. 80» 246. 280.
Bourgnillon s. Bürglen.
Böspfennig 13. 53, 54, ZI, 111.
Bovin, Wiese 311.
Brandig 23. 31. 46. 78.
Bretignie s. Bertigny.
Brientz 154. 155. 174.
Brüggler, Pet. 277 ; Lndw, 80. 81. 88. 93.
235. 291.
Brünisholz 305. 310.
Brnnnadernkloster 132.
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320
Personen-, Ort»- und Sachregister.
Brunner, Clewi 28L
Brunstadt 228. 230. 237.
Bubenberg, Heinr. v. 3L Iß. 277. Anneli
v. B., seine Gattin, geb. von Rosen-
egg 287. Adrian 32» 62, seine Rede
66 f.; 87. 80. 10Q. 143. 235. 281. 283.
288. 297. Johanna, seine Gattin, geb.
v. Lasserra 287.
v. Bncheck 41.
Bnchenberg 216. 217.
v. Büren 23. 32. 132.
Burg in Bress 200.
Burgdorf 85. 161. 216.
Burgistein 141.
Bürglen (Bourguillon) bei Freiburg 305.
Burgund 30, Herzog v. B. 29. (Philipp
der Gute) 214. 312.
Carmentran, Anton 305.
Cassinen 121.
de CbaUant 304 A. L
v. Chalon 46,
Chambdry s. Kamerach.
Chamblioux (Chamblot) 305. 308. 3JLL
Fontes de Chamblot s. Bonnefontaine.
Chauzi, Rolet 305,
Clerc, Johannes 315,
Closs, Jak. 26L Rud. 28L
Constanz, Tag zu Const. 204. 219. 223.
Bischof 255. 258. Krieg mit den Eid-
genossen 215.
Corbieres 309. Peter v. 313,
Cormanon 315.
Courgevaux (Cnrgivol) 306,
Courlevon (Corlevon) 306.
Cudrefin, Hensilin 307.
Diesbach 141. 173.
— Niel, von 19, 24. 28. 56. 62. 80, 143.
112 ft 250, 281, 283, 291, 297* Wilh.
v- 172. 281. 283.
Dießenhofen 218.
Dietrich, Pet. 153 ff. Rud. 281.
Dijon (Dischion) 30.
Dudenheim 229.
Eidgenossen, ihr Verhältniß zu Bern
137. 146 f.; ziehen nach Mülhausen
235, nach Waldshnt 241; eidgenös-
sische Boten in Bern 134. 269. 270.
291; in Freiburg 310, 316.
Einsiedeln 215.
Elpach, Henselin 314.
Englisberg 150.
Ergöuw 121 ; sein Adel 48. 121.
v. Ergöuw, Conrad 85.
Erlach, Herrschaft 46,
v. Erlach, Ulr. 96. 98. 101. 275. 278;
Hans Rudolf 29L
Eschler, Gilgan 281,
Etsch 121,
Felg, s. Velg.
Felix V. in Bern 200.
Fränkli, Seckelmstr. 39, 61, 64. 73. 83. 88,
22. ÜL 100, 107, 144. 15L 160; seine
Autobiographie 126 ff. ; seine Charak-
teristik 107. 112.
Frankreich, König v. (Karl VIL) 312.
Frauenfeld 219.
Freibnrg im Breisg. 211. 279, 284. 285.
289.
— iip Üchtland 162. Burg 211. 314. Au
211. Stadtthore: de Burgilion et de
Bisemberg 313. Kirche St. Nicolaus
308. Kirchhof zu St. Johann 308.
Hospitale B. V. Maries 306, Fischmarkt
(Piscina) 314. Schützenmatte (les
Grand’places) 306. Galgen 305. 309.
nbi capita truncantur 309.
— sendet Boten nach Bern 150, 269, mit
Bern im Krieg 201 ff. 3Q4 ff., wird
savoyisch 211 ; Parteiung zwischen
Burg und Au 211; erneuert den Bund
mit Bern 212, nimmt Theil am Mül-
hanserkrieg 234, am Waldshuterkrieg
247. 248. 255,
Freiweibel, ihre Einsetzung 51, 105. 110 ;
ihre Verlegenheiten 82, 91.
Freningen 230. 238.
Friedrich III. in Bern 199.
v. Fridingen 215.
Fricker, Thüring 34 f. 123. 277.
Fröningen s. Freningen.
Frutigen verbrannt 221.
Führungen 23, 51» 52, 185, 295.
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Personen-, Orts- nnd Sachregister.
321
Gady, Prosper 3Ü2,
Ualgenberg, der (b. Mülhansen) 229.
Gallera, Aymo de 306.
Galteren, die (b. Freiburg) 207. 307. 309.
Qefangennehmung von Uebelthätern 161.
185. 296.
Genf (Jenff) 2QL 2Ü5. 214.
Gerwig von Sunendingen 216.
Gfeller, Freiweibel 19. 24, 26. 83. 87, 103.
156. 157.
Givisiez (Juvisie) 305. 308. 311. 315.
Glarus Bendet Boten nach Freiburg 31Q;
zieht nach Mülhausen 235.
Glücki, Ruf 281.
Grafenried, Hans 281.
Grasburg 199. 207. 210.
v. Greyers, Peter 207.
Greifensee 202.
Großweibel 56. 58.
Grüningen, Herrschaft 75,
Gruyere, Guillaume 301.
— Johannes 301 ff.
Gruyeria, Henricus Turemberg de 301.
Guggisperg 199. 207. 307. 308. 314.
Habsheim (Habchessen) 236. 237.
Hagelstein 205.
v. Hallwyl 49.
Hardt, die 120, 238.
Harnischschau 5L 52. 295.
Hasli, der Ammann von 153.
Hauterive s. Altaripa.
Hegöuw 50; Zug in’s H, 215. 223.
Hesingen 245.
Hetzel, Ludw. 81. 88. 93. 93. 277.
Heudorf s. Hoidorf.
Hindelwank 85.
Hirtzfeld 238.
Hirtzenstein 242.
v. Hochberg, Rud. Markgr. v. 268.
v. Hochenegg, Walther 217. 218.
Hochstetten 68. 172. 173. Klein H, 121;
Groß H. 169. 128.
Hofmeister, Rud. 101. 184. 185.
v. Hoidorf (Höwdorf), Bilgram 222. 257.
259.
Honwenstein, der nidere 235.
Huber, Anthoni 280.
Quellen zur Schweizer Geschichte. L
Hnbler, Hans 281.
Hübschi, Diet. 280; Lienhart 281.
v. Hünenberg, Frau 103. 104. 131.
Hürselden 103, 123.
111, die 233.
Imstad (am Stad), Hans 222. 256. 259.
Impen, ob unt. Hoheitsrecht begriffen ?
9L 101. 114.
Interlaken, Probst von 155. 156.
Irrenei, Peter 80. 280.
Isny 212.
Jegistorf 85, 96, 100.
Kalnach, Herrschaft 77,
Kamerach (ChambÄry) 30. 102.
Käßlin, Jost 281.
Kempten, Abt von 216. 218.
Keßlin von Toffen 162 f.
v. Kyburg, Grafen 21. 22. 32. 40. 41. 49. 77.
v. Kien, Herren 22. 32.
v. Kilchen, Rud. 274.
Kilchspiele, die vier (Muri, Vechigen, Bol-
ligen, Stettlen) 1L 23.
Kistler, Pet., Venner 21. 23. 28. 56. 58;
Schultheiß 80. 91. 104. 157. 175. 178.
‘2&L 274; seine Charakteristik 113. 114-
120.182; sein Verhältniß zu den Eid-
genossen 137. 148; im Mülhauserzug
235.
Klingnau 255.
Klöster 43. 51. 56. 67. 86.
Knabis, Peter 306.
Köln 220. 277. 279. 284. 285. 289.
Konolfingen, Landgericht 19, 164. (die
„jänigen“ sind dort die jenseits der
Aare wohnenden Konolfinger).
v. Krauchthal, Peter 43. 109.
Kriecbstetten 222.
Krummen, Bendicht 280.
Küng, Peter 307.
Künig, BartL 281.
Künitz 294. 295.
Kntler, Hans &), 280.
Lamparten 121.
Landshut 23. 77. 79.
21
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322
Personen-, Orts- und Sachregister.
Landtage gebieten M, 52, 110. 295.
Lanten, Cono v. 309.
La Schürra 305. 309.
Laufenburg (Lonffenberg) 213. ‘248.
Lanpen 2ÜL 208. 209.
Lausanne 310. 312. Bischof v. 209.
Logo 216.
Lentzburg 12L 127. 129,
Lindau 216, 217.
Lö&er, Ullin 312.
Loriod, Nicod 306.
Ludwig, Pfalzgraf by Rin 204,
v. Lupfen, Graf v. 215.
Lützelburg 268.
Lutzern sendet Boten nach Bern 134;
nach Freiburg 310; im Mülhauserkrieg
235. 243,
Marly 309.
Matter, Heinr. 8L 87. 102. 104. 291.
Meienberg, Clewi 281.
Meyer, Ludwig 206. 207. 308. 314.
Milden 30.
Momütschiez 206.
'Montcuchin s. Guggisperg.
Montenach (Montaguy-la-VUle) 20G. 210.
SJ4. m SM.
Montricher 305.
St. Moritz 220.
Mörsberg (im Elsaß), Peter v. 206. 308.
Mörsburg (Mörsperg) im Canton Bern 2L
24,
v. Muleren, Urban 72. 81. 88. 102. 128;
Hans 129.
Mülhausen, Bund mit Bern und Solo-
thurn 222; erhält Besatzung von bei-
den Städten 225; die Thaten der-
selben 225—234; die Eidgenossen neh-
men Parthei für Mülhausen und führen
Krieg mit Oestreich 235—246.
Mulve 103 ff. 131. 296.
Mümpelgard TL 221.
Münchenwyler 306,
Münsingen 103. 132. 172. 173. 297.
v. Münsingen 52. 123. 162. (s. von Stein.)
Murbach 242.
Murten 2SL 306. 307.
Muttenz 244.
Nenenburg, Graf Hans v. 210.
Neuenegg 207.
Neuenstadt 46. 269.
Neumatte, die 307.
Nicolaus, Büchsenmeister von Freiburg
309.
Nidau, Graf v. 41.
Nigrum Castrum s. Schwarzenburg.
Nürenberg 258.
de Nüwenhus 305.
Oberhofen 23, 77.
Oberländerunrahen 139. 153.
Ochsenfeld, das 239. 243.
Otmarsheim 238.
Pabst 20. 102.
Pavillard 150; Johann v. 308.
Pemmond (Piemont) 21.
Petterlingen 206.
Pfaffstatt (Pfaffnacht) 239.
Pfefferli v. Aarberg 205,
Prattelen (Brattelen) 244,
Raffzerfeld 215.
Ravensburg 126.
v. Rechberg, Hans 213.
Beding, Ytal 316.
Reisen (in’s Feld ziehen) 22. 45, 46. 48. 295.
Reisige der Berner in eidgenössischen
Feldzügen 138. 145.
Reutigen 297.
Rhein, der 249.
Rheinfelden 210. 213.
Richigen iS.
Richtessen (Rixheim) 226.
Richtstühle (Landstühle) 52. 105. 110.
Rietwil, Conr. 280.
v. Rinach, Erhärt 242.
v. Ringoltingen, Thür. 23, 28. 62. Th 180.
277. 291. Rudolf und sein Sohn Heinr.
203.
Ritsch, Petermann 203.
Rixheim s. Richtessen,
v. Rötelen, Markgraf 255. 258. 268.
Rötenbach 62. 173.
Romont (Rotundus Mons) 305.
v. Rüßeck 12L
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Personen-, Orts- und Sachregister.
323
Salvagny 306.
Sane, die 206.
Sanen 220, 234,
Savoi 3a 42. 68. 102. 200. 205. 305. ff.
Herzog Ludwig 201.
Schaffhausen 222. 225. 246. 256. 259.
v. Schamachthai, Conr. 30, 281; Niel.,
Schultheiß 39. 62. 77. 80. 220. 235.
2Sa 2ZL 2SL 283 ; Caspar 77, IS, 215,
246. 291; Hans Wilh. 291.
Schiedsgerichte, wie beschaffen in früherer
Zeit 142,
Schilling, Pet. 281.
v. Schinen, Wem. 247.
Schmiedenzunft 131.
Schönenberg 314.
Schöni, Hans 280.
Schürra, La, s. La Schürra.
Schüler, Heini 245.
Schütz, Hans 28a
Schwaben, Herzoge von 5a
Schwarzenberg 162. 307. 308 314.
Schwarzwald, der 223. 248. 250. 252,
Schweighausen 240.
Schwytzer, an der Fasnacht in Bern 221;
vor Mülhausen 235 ; erleiden Schaden vor
Schweighausen 240; ziehen nach Tan
242; senden Boten nach Freiburg 310.
Sefftigen, Landgericht 139. 162 ; Charakte-
ristik der Seftiger 164.
Seckingen 213.
Sennhen (Senheim) 243,
Sennen, die 132. 141.
Sense, die 207.
Sigmund, Kaiser 45. 4a 125.
— Herzog von Oestreich 224. 251.
Signau 62. 68. 79. 173. 175. 297.
Simon, Pet. 33. SL 156.
Solothum, Auszug im Dienste des Grafen
.von Thierstein 221; Bund mit Mül-
hausen 222 ; sendet eine Besatzung
nach Mülhausen 225 ; ihre Thaten
225—235; zieht mit dem Stadtpanner
nach Mülhausen 235; im Lager vor
Waldshut 247, 242; sendet Boten nach
Bern 134. 269. 270, nach Freiburg 310;
Tag in Solothum vorgeschlagen 310.
v. Speichingen 187.
Spiez 23, 78,
Stadler, Peter 315.
Staufen, der, bei Thann 24L
v. Stein, Hartm. 52. 103. 104. 131. 132.
162. 112. 113, 235. 22L 297; Jakob 291.
Stengli 314.
Sterrer, Hans 281.
Stettlen 68.
Straßburg 215.
Stuben; die 4 Vennerstuben 106. 112.
Subinger, Pet. 281.
v. Sunendingen, Gerwig 216.
Sundgöuw 230. 235.
Susenburg 268.
Täfers 207. 314.
Tann 232. 239. 242.
Techterman, Wilhelm 302.
TeUpflicht 23. 44. 52. 110. 185. 295.
Tempelherren 132.
Teutsche Herren 132.
Tengen 215.
Thalheim 204.
v. Thierstein, Oswald 22L
Thuremberg, Thurimberg, Thurembert, s.
Groyeria.
Tilmann, Meister 261.
Toffen 162. 163.
Togem 255.
Toggenburg 78,
Toniset 316,
vom Tor, Peter 125.
Torberg 173.
Torman, Simon 281.
Torry (Torrei) 313.
Trachselwald Z8.
Tschachtlan, Bend. 33. 56. 61. 156.
Tüngen 246.
Türewächter, Jakob 312.
Turemberg s. Gruyeria.
Turin 3a 68.
Uebenwyl 316.
Uffholz 239.
Dndersewen 174,
Unterwalden und Ure, senden Boten nach
Bern 134; nach Freiburg 310; ziehen nach
Mülhausen 235; vor Waldshnt 251. 253.
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324
Personen-, Ort»- and Sachregister.
v. Valendis 16 ; der jünger ÄH.
Vaudrey, Philibert von 312.
Velg (Felg), Jacob 150; Hentzmann and
Wilh. m
Venner 80. 105. 112.
v. Yenningen, Joh., Bisch, von Basel 268.
Vergie, Peter von 305.
Verwer, Hensilin 307.
Vilar8e (Villarzel) 206. 210. 301.
Villars-les- Jones s. Uebenwyl.
Villare-les-Moines s. Münchenwyler.
Villars-sur-Glane 316.
Villingen 222.
Vögilli, Jakob Üfi ; Cono 309.
v. Wabern, Peterm. 246, 291.
Waldshnterkrieg 246 — 258.
Walenstatt 219.
Walk ringen 173.
Walliser, Unrnhstifter im Berner-Ober-
land 130; Söldner in Freiburg 202.
Warney, Johannes 311.
v. Watten wyl, Niki. 276.
Wattwiler 239.
Weißenbach 314.
Wendschatz 127.
Wersimoz, Müller 311.
Wetzsöw, Willin 312.
Wichtrach 173.
Wiffli8burg 132. 206. 306.
Wyl 173,
Wyler, Hans 281,
Wyler-Oltingen 312.
v. Wingarten, Pet, 281,
Winterthar 219.
v. Wippingen, Rad. 2U3.
Wyßenbach s. Weißenbach,
v. Wißen wegen, Frau 173.
Wolkenberg 217.
Worb 12, 26. 52, 156, 168.
v. läringen, Berchth. 41, 100.
Zillisheim s. Züllissen.
Zollikofen, Landger. 251.
Zog, sendet Boten nach Bern 134, nach
Freiburg 3111; zieht vor Mülhausen
236.
Züllissen 230. 238.
Zum Türly 312.
Zürich, zieht nach Mülhausen 235. 239;
erleidet Schaden vor Schweighusen
240; im Waldshuterkriege 249. 256.
Gesandte von Z. in Freiburg 31U.
Zürichkrieg 23. 15, 136. 145, 16L
Zur Kinden, Niki. 225.
Zurzach 215.
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ii 1 o s s a r.
Abbekennen (abrogare, jetzt : aberken-
nen), durch gerichtliches UrtheÜ etwas
absprechen 60, 23. 89, 11.
abendt-ürti, Abendtrunk 174, 30.
ablegen (den Friedbruch) sich einer
Schuld entledigen durch Buße und
Strafe 36, 14, 277, 22.
ableinen, ablehnen 147, 25.
abraten, beschließen 176, 15.
abrichte n, entrichten, bezalen 166, 8,
ab sy n (einer Sache) enthoben sein 57, 30.
abstricken, mit List oder Gewalt ent-
ziehen 35, 2L 36, 30, 143, 10.
abtreten, entrinnen, sich der Strafe
entziehen 158, 27.
abtriben, abnutzen (das Zugvieh durch
Uebertreiben) 23, 9.
abzälen (die Bathschläge), die Stimmen
für eine gefallene Meinung zählen 76, 22.
achtbar, geachtet 41, 23.
alefantzen, Listen, Kniffe 72, 10,
a 1 le r bast, am allerbesten 177, 32, 178, 1.
allessin: deß allessin, S. 166, 2 (scheint
nach der Ansicht von Dr. Tobler eine
Verlängerung des Genit, alles, wie in
dessen, wessen).
als, wie — denn 116, 8, 14, 181, 15; als
bald, so bald 93, 4, eben so bald 181,
28; als mär, ebenso gern 41, 35. 42,
3j eben als wenig, ebenso wenig 166, 13.
alten, alt werden, altern 137, 23,
an dei 1 i eher, anders, verschieden 292, 2,
anders, es sei denn daß, ausgenom-
men 52, 19.
anfallen, zu Theil werden (es fielen
mich kinder an, die Pflicht, für Kinder
zu sorgen, fiel auf mich) 128, 11,
a n g (mit der Var. angst) , einem ang
tun, ihm hart zusetzen 228, 21.
a n g e n t z, sofort 172, 4.
angesehen, bedünken 24, 4,
angesucht, angegriffen 41, 24,
angehan, angehalten, gebeten 109, 13,
angewinnen (d. flucht), zur Flucht
nöthigen 229, 21.
a n h an g: des anhang, was damit zusam-
menhängt 38, 12,
anheimsch, zu Bause 153, 18.
a n h e ni g, anhängig 40, 34.
ankeren (einen) , angehen, ersuchen
23, UL 110, 30,
— (arbeit) anwenden, sich bemühen
172,2,
ankon, an etwas kommen, es anfan-
gen 130, 15.
anlangen (einen), belangen, anklagen
26, 21,
anlegen (Kosten), auftegen 75, 26; sich
anlegen (mit e. Steuer belegen) 72, 2.
anmutig, angenehm 55, 5.
annemen (gefängklich), gefangen neh-
men 161, 5. 179, 26.
anred syn (jemanden), geständig sein 37,
2, 96, 11, 104, 2,18, 14,
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326
Glossar.
a n r e i 8 e n, anweisen, eine Richtung wohin
geben 69, 14.
anrenzen, anfahren (mit Worten ) 19,
2L 36, 18,
anrichten, einrichten 69, 12,
anschantzen, anbahnen 136, 28.
an sehen, in Betracht rieften, erwägen
112, 5; etwas gut, angemessen finden
82, 7, 286, 22.
ansigen (mit d, Dativ), besiegen 70, L
an suchen, fragen 24, 17.
antreffen, betreffen, beschlagen 26, 18j
es trifft umb etwas an, es betrifft etwas
38, 13,
anzüchen, anführen, Vorbringen, erin-
nern 69, 19, 1(£, 3L
anzug, Antrag 79, 4,
arbeiten (sieb), sich bemühen 142, 24,
argwönig, verdächtig 157, 31.
bacben, Speckseite 141, 27.
baß, besser, eher, mehr 127, 15. 166, 7,
bedörfen, dürfen, wagen 243, 18.
beeiden, bei Eiden auff ordern 151, 31.
bevelcb, das Befo/Uene, der Auftrag
81, 25.
befriden, beilegen, aussöhnen 175, 19,
begichtigen, verhören 185, 24.
behalten, behaupten, aufrechterhalten
92, fL
beharren, bleiben 65, 2Ü.
beherrschen, Herrschaftsrechte aus-
üben, herrschen 21, 29,
beberten, durchsetzen, erzwingen 33,22.
bekanntlich syn, bekennen, einge-
stehen 153, 2L 168, 5,
bekanntnnss, Erkenntnifi, Urtheil
71, 2. 77, 1 ; bek. des rechten, gericht-
liches Urtheil 53, 8; bekannt urteil,
richterl. Urtheil 71, 26,
bekennen, kennen 168, 3; erkennen 153,
13. 183, 8; Urtheil sprechen 93, 2,
beladen, sich (c. gen.) , die Last eines
Andern mittragen, ihm Hülfe leisten
182, 2; sich mit etwas befassen 21, 5,
benamsen, einen Namen geben 72, 28,
beraten sich mit etwas, sich versehen,
versorgen 275, 12,
berende böume, Fruchtbäume 260,
n, 22,
berechtigen, vor den Richter ziehen
64, 28. 86, 5,
berichten, unterrichten, auf klären 142,
19. bericht werden 124, 3L
sich berich ten, sich abfinden 84, 2L
bering (die beringesten) behend 159, L
berufen, zu etwas aufrufen, auffordem
110, 32,
sich beschämen, sich schämen 123, 30.
bescheidt, Nachricht, Anzeige 179, 4,
bescheidenlich, wie es einem zu-
kömmt, beschieden ist, mit Recht 39, 29,
beschreiben, schriftlich herbescheiden
82, 15. 126, 28,
beschwert syn, sich beschw. finden,
Grund zu einer Beschwerde haben, un-
zufrieden sein 22, 18. 26, 16,
besichtigen, besuchen 174, 24,
besinnt, besonnen, überlegend 37, 11,
besuchen, ansuclten, bitten 52, 10,
betagen, vorladen 146, 22.
betragen, schlichten, einen Streit bei-
legen 26, 3; betrag = Vertrag.
betroffen, in Betreff, antreffend eine
Sache 79, ß,
beturen, reuen (es beturet mich nit)
69, 10, 76, 10,
blast, Unwille 140, 19.
blauwfuß, eine geringere Falkenart
101, 3.
bläyen sich, unwillig, ärgerlich sein 79,
2L
bl um, der, Blüthe, Zierde 39, 5,
bochen, sich trotzig auflehnen, drohen
146,28.
zu boden gan, untergehen 24, 5.
bös, adv., schwierig, mit Mühe 67, 16,
böspfennig, Abgabe von eingekellertem
Wein 43, 19, 71, 15, 109, 15,
botschaft, Bote, der eine Nachricht
bringt 168, 33.
brechen (e. Versammlung ), verhindern
173, 30.
bruchen, sic h bruchen, gebru c hen
sich einer Sache bedienen, sie anwen-
den 21, 16. 30, 29, 63, 11; gericht u.
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Glossar. .
327
recht br., ausüben, anwenden 113, B9j
mit iemand etw. brachen, an Jemand
in Anwendung bringen 109, 21; ge-
bracht werden, üblich sein 121, 33;
sich brachen, sich benehmen 126, 17.
b’raten, tadeln, eig. wol: mit Ruthen
schlagen, (vgl. geisein) 106, 9, 108, 15.
125, 28. (So erklärt dies Wort Dr.
Tobler ; eine erklärende Variante setzt
dafür betnren).
brnilonf) Hochzeit 19, 8.
b’schüßen, b’schossen, fruchten 89,
HL 155, 23,
büßen, ausbessem, gutmachen 140, 11.
bntzenantlit, Larve, Maske 108, 5,
bntzenwerk, Narrenwerk, Mummerei
163, 1L
da, sofern, (da Gott wölte) 38, 26.
dallome, dallenme, nunmehr 61, 10,
137, 12 (auch bei Tschudi ü, 139).
dannethin, ferner, weiter 185, 11.
darbieten, zur WM Vorschlägen 80,
2; zur Bestrafung 279, lj sich dar-
bieten, sich für etwas ausgeben 7G, 22,
darns oder darin kon, über eins
Sache in’s Klare kommen, aus dem
Dunkel herauskommen 168, 16.
darüber kon, über etwas hinwegkom-
men, eine Schwierigkeit überwinden 85,
14,
darwenden, einwenden, entgegensetzen
26, 2SL
denne das ( nach e. Negation), ohne
daß 264, 10.
denne a f, darauf 278, 12.
ding, Prozedur, Gerichtshandel 142, 5,
dorf: zum dorf anreisen 69, 11 (s. dort
d. Anmerk.)
drysten, dreimal (eig. dri stnnd, mhd.
stunt = Mal 36, 12. 229, 9.
dürfen, bedürfen 166 , 7. 183, 29; c.
infin. 170, 33.
durstig, kühn, waghalsig 155, 13.
eb (öb), ehe, bevor 63, 7. IM, 31,
eben, gelegen, bequem 296, 13.
echter, nur, besonders in Bedingungs-
sätzen 48,12, 142, 20. 180, 26, 183, 19,
ei den {jemanden), zu eitlem Eidanhalten
169, 28,
eigentlich, genau 154, 4; sicher, gewiß
168, 24. 169, 10.
endlich, wacker, vortrefflich 83, 12 (in
iron. Sinn).
engegen, zugegen, anwesend 39, 27»
77, 26,
entecken (entdecken), eröffnen (e. An-
liegen) 63, 17_j sich entecken, sich er-
klären, Aufschluß geben 99, 6, 163, 2.
entgelten, c. gen., für etw. Schaden
leiden, büßen 277, 20.
en thal te n , bewahren 24, 32,
entprosten syn, von einem Presten
( Uebel ) befreit sein 87, 15. 163, 3,
entscheiden, Bescheid gehen, a ntwor-
te w 24, 20.
entsehlan, befreien (von Beschlag)
202, 3,
sich entschließen nmb etw., seine
Meinung eröffnen 74, 3. 99, 3; sin herz
entschl. 180, 25; entschlossen, erklärt,
ausgesprochen 55, 28. 74, 3.
entschüttung, Befreiung 179, 12.
entsitzen, besorgt sein, befürchten, c.
gm. 31, 19; o. acc. 166, 29: c. infin.
165, 12.
entwennen, ahmahnen 131, 11 (eig.
entwöhnen, von einer Gewohnheit ab-
bringen).
entweren, entwären, einem ein
Hecht entziehen 47, 28j 131, 32.
en zacken, entreißen, benehmen 150, 19.
eräfren, in Erinnerung bringen 31, 31 ;
eräferang, Erneuerung, Wiederauf-
nahme 65, a.
sich erbieten, sich bereit erklären ; er-
bietnng, Anerbieten 20, 1L 86, 10.
erdichtet, erdacht, ersonnen 185, L
er fügen, erforschen 109, L
er f ecken, prüfen, ausmitteln 62. 3,
erfüntelen, ausfindig machen, erlisten
35, 26; s. fund.
sich ergeben, s. herbeilassen, gestatten
110, 12.
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328
Glossar.
ergetzen, entschädigen 86, 28. 261. 22.
erhitzgen etw., in Feuer, Leidenschaft
setzen 178, 32,
erjagen, erringen 40, 12.
sich erklagen, sich beklagen 164, 3.
erkunden iemanden, befragen 168, 2 ;
sich erkunden, durch Nachfrage er-
fahren 37, 8.
erlegen, beilegen, vermitteln 144, 16,
erlidigen, befreien 157, 31.
sich erlütern, sich erklären 25, 17.
sich ermessen, muthmaßen, voraus-
setzen 66, 8.
ernstig, eifrig, fleißig 116, 12. 155, 3L
erretten, (e. Schmach, Ehrverletzung )
tilgen 178, 29.
erscheinen (erschynen), zeigen, vor-
weisen 22, 21 nach der einen Lesart ;
276, 29; erschynt urteil, e. bekannt
gemachtes U. 23, 4; es erschynt sich, es
erhellt, ergibt sich 58, 32. 101, 2.
erschießen, Vortheil bringen, nützen
59, 9.
erschinten, unrecht erwerben 131, 25,
erschwingen, entfalten 22, 21,
ersuchen, verhören, zur Rede stellen
106, 6, 273, 27; auffordem 20, 8,
ertrych, Erde, Welt (uff ertrych nüt,
in aller Welt nichts ) 46, 18. 91. 24.
e r t n r e n , t'n Erwägung ziehen, erdau-
ern 25, 16, 182, L
ernng, Ehrenpflicht, ehrende Anerken-
nung 178, 6,
erworgen, erwürgen, ersticken 143, 2,
erzeigen (erzeugen), darthun ,
rechtfertigen 45, 18. 59, L 258, 36; sich
erzeigen, sich zeigen, erscheinen 86, 29.
erziehen, ernähren, erhalten 67, 25.
etter, Vetter 175, L
e t w a n, manchmal, zu Zeiten 177, 18.
e t w a r, irgend jemand 39, 30, 106, 7,
T s. auch v.
fach, Wasserschwelle U4, 31.
f a h e n, fangen, gefangennehmen 185, 19,
fäl und geläß, was dem Lehnsherrn
von seinen Unterihanen oder Lehns-
leuten zu fällt (cm Abgaben, Bußen
u. dgl.) u. gelassen werden muß bei
Todesfällen) 48, 15.
färben, fucare, schminken, falschen 182,
18. 186, 19,
f e i ß leben, reichlich, im üeberfliiß 128, 12.
(er, fern, weit, (so fer herab) 179, 4.
f e r g e n , mit etwas fertig werden, etwas
abthun 87, 2; führen, wohin schaffen:
liaryn f. = in die Stadt bringen 159,
10; harfergen 100, IQ (dasselbe); mit
recht fergen (fertigen) rechtlich abferti-
gen, verurtheUen 36, 3. 60, 2L 8t, 13.
273, 3,
fynanzen, ftnesses, Kniffe 34, 16^ fy-
nanzieren, Kniffe gebrauchen 37, 17,
sich finden mit der warheit, sich als
wahr erweisen 111, 15.
es fürchtet mir ab etw., es macht
mir Furcht 146, 18.
forchtsam, furchtbar, gefürchtet 41,
23. 138, 22.
formklich, förmlich, wie es die Form
erheischt 144, 8,
frag han, Umfrage halten vor Gericht,
verhandeln 84, 17.
f r e v e n , frech, kühn 20, 32. 41, 22.
frisch, muthig, keck 59, 16. 105, 29.
fristen, schützen 84, 33. 92, U.
frölich, ohne Scheu 175, G.
f r ö m b d : es nimmt mich frömbd, es
befremdet mich 156, 6.
fromm: frommer gestalt, auf eine fried-
liche unanstößige Art 184, 31.
f r ö n d i g , muthig, keck 88, 20. 91, 18.
früling, 68, 23, s. Nachträge.
früntschaft, Verwandtschaft 104, 20.
154, 28.
fuge, Fügung, Veranstaltung 54, 4,
fnnd, erfundener Rechtsanspruch 21, 24.
116, 4,
fündig werden, herausgefunden wer-
den 183, 5,
fnnst, Faust, 85, 9.
f n r b a s , fernerhin 38, 22.
furen (auch furen), Führungen leisten bl,
2L 75, 11. 111, 2. 185, 27, farnng 295, 34.
fnrfaren, fortfahren 76, 2L
fürgan, vorübergehen 93, 24.
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Glossar.
329
für gang gewinnen, Fortgang haben,
gelingen 268, 10.
fürgeben, Vorbringen (t. Hede) 108, 8.
fürgeordnet, verordnet , gesetzlich
51, L
fürhalten (d, hand) 97, 9; schonen 28,
UI 35, 2,
f ü r k o n, voricärtskommen 67, 13j einem
etw., veneehren 72, 1, 94, 12; zuvor-
kommen, Vorbeugen 181, 23; ich kan
nit fürkon denn das = ich kann nicht
anders, als 26, 10, 86, 19j auch kürzer:
ich kan nit für 24, 31; vor jemand
kommen, bekannt werden 145, 13.
fürnemmen, verfahren 63, 30. 79, HL
fürnemmen mit recht, vor Gericht
fordern 171, 3.
fürschlagen, sein Capitalvermögen
vermehren 128, 2L
fürschroten, Futter vorsetzen 88, Ü.
fürsetzen, Geld vorstrecken 76, 10.
fürsichtigkeit, Vorsorge 76, 8.
f ü r s t a n, seinen Sitz verlassen, abtreten
63,12; wahrsch. tu lesen: hinfür, nicht
hiefür, vgl. hinfürtreten 99, 12.
fürwenden, Vorbringen 63, 15,
fürziechen, zuvorkommen {den Rück-
zug abschneiden) 269, 13; Vorbringen,
beantragen 269, 12.
f ü r z u g, Antrag, Vorschlag 268, 8,
gäh, jäh, übereilt, vorschnell 50, 25. 167,
4; frech u, gäh 147, 2,
g a n, Vorgehen 155, 15.
geben (sich mit jemand in Span) be-
geben, einlassen 62, 24,
sich gebrnchen, sich gewöhnen 63, 2 ;
sich zu Nutze machen 141, 28,
gedech t n u ß, Vergangenheit, fr älter es
Leben 177, 1L
gefärd, gefertt, gevert, Treiben,
Tumult 202, 26. 211, 10, 231, L
g e h a ß, abgeneigt 170, 17.
g e v o 1 g e n , zukommen 115, 26.
gehorsamen, gehorchen 149, 5, 170,
5.
g e j e g t, Jagen, Jagd 107, 20.
gel ä ß , s. fall.
Quollen zur Schweizer Ocscliiclitc. L
gemünde, gmnnd, Längenmaß, eine
Handbreite 266, UL 287, 20.
genampt (zusamen), zusammen berufen
149, UL
genieß, Geioinn, Vortheil 95, 11. 142, Z,
genug: schnell genug, zu schnell, vor-
schnell 38, 2,
geprästen, fehlen an etw. 42, 5,
geschrei, Rede, Gerücht 48, 6.
geschweigen, zum Stillschweigen
bringen 31, 30, 161, 21.
geschwind, gewandt 168, 4, 179, 7.
g e s i p t, verwandt 38, UL 153, 25.
gespech, Spähen, Nachforschung 155, 31.
g e s p e i, Gespött 175, 21L
gestüchel, Gedräng, Tumult 156, 33.
157, 4. 159, LL
g e w a 1 1, gewaltthätiges Verfahren, An-
maßung 21, 14.
sich gewarsam halten, sich in Acht
nehmen 85, 18,
gewarsame, schriftliche Zusicherung
217, 9,
ge w erd (und possess), Besitzrecht 61,
10, 84, 5. 137, 18.
gleich, das, Gelenk 266, 20.
glych's bringen, parpari referre 49,11,
der g 1 y c h e n tun, faire semblant, etw.
merken lassen 153, 14,
gytig, geizig, habsüchtig 55, 12»
glimpf einer Sache, Recht, Befugniß
zu etw, 186, 16. 273, SL gl. gewinnen,
Recht bekommen, einen Prozeß gewin-
nen 31, UL
glimpfen, Recht geben, beistimmen
59, 36, 147, 2L
gmnad«. gemünde.
gott gab was, toas nur immer 31, 5,
45, 2, 74, 14,
grech syn, fertig, zu Ende seih 40,
17, 171, 13.
gricht und grecht 136, 22; gr. u.
gr. verkonfen, sich ein gerichtliches
Urtheil abkaufen, sich bestechen lassen
131, 25; gr. u. gr. bruchen, anwenden
113, 29; gr. n. recht 181, 1L
grynen, weinen 107, 16.
g r o ß 1 i c h, schwer 64, 12.
22
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330
Olossar.
groß machen, großthun TG, 17,
g r u n d s a m, in die Tiefe gehend, schioie-
rig 142, 14.
grünen noch rügen 204, 32, weder
insgeheim, noch öffentlich Klage führen;
grünen ( statt g’runen), wie wol zu schrei-
ben ist, scheint einerlei mit mnen, flüs-
tern.
gr üsenlich, greulich, heftin'.H.K. 140.20.
g’ schänden, verderben 16", 12.
g' schochen, gescheut 113, 9.
gspan = span, Streit 186, ß.
gntgytig, habgierig 187, 15,
gwaltignng, Gewaltthätigkeit 187, 5,
g w ö 1 1 e n , gewollt 75, 2L
h a f f t e n auf etw., dabei beharren 136, 2.
sich halten einer Sache, sich an ehe.
halten 79, 12,
handhaben, beschützen, unterstützen
109, 2. 141, 3L
handhabe r, Beschützer, Patron 65, 23.
an die h a n d nemmen, anfangen, unter-
nehmen 67, 14L; einen ratschlag an d.
h. nemmen, ihn ausführen, in Kraft
setzen 168, 31.
hangende hände, mit Geschenken
beladen 119, L
harkommenheit, Herkommen, bis-
heriger alter Brauch 269, 21.
harnischgschonwen, Waffenschein
halten 51, 28, 52, 16. 295, 35.
harre: in d. harre, in d. Länge 28, lil
119, 14.
heimdienen, Vortheil bringen 117, 23.
heimlich, vertraut 154, 34.
heiter, offen, unumwunden 137, 30.
ein helig halten, geheim heilten 175, 8.
helken, necken, plagen 66, 26 Var. 124, 28.
herd, Erde; nf dem herd, auf dem
Boden 266, 19.
herrligkeit, Herrschaftsrechte 59, 15,
herschelen, nach der (östr.) Herr-
schaft schmecken 202, 20.
hin acht, diese Nacht 163, 32,
hinder «7m., in seiner Herrschaft u.
Gerichtsbarkeit 36, 12. 62, 35, (vgl.
hintersäß.)
hinfürtreten, seinen Sitz (im Rath)
verlassen u. sich entfernen 99, 12j vgl.
fiirstan.
hingang, Weggehen, Entfernung 99, 2.
h i n 1 e g e n ( den Unwillen ) , beilegen
204, 5,
h i n t c r r e d e n , im Rücken Jemandes
reden, verläumden 99, lii.
hoch fing, Vogeljagd 101, 1,
honpten (höpten), sich an ein Haupt,
einen Führer anschließen 211, 32.
hns haben, haushalten 71, 31 .
einem eine hat stoßen, einen Hinterhalt
legen 209, 22.
Ichts, etwas 36, 14.
iewelten, von jeher 38, 23. 47, 26.
i m p, Bienenschwarm 96, 6,
i n k o m e n (eines Schadens), ersetzen 75,
2 L
iumaßen, dermaßen, dergestalt 130, 2.
163, 21; sodaß 19, 15,
ynrysen, eindringen, aufkommen (von
e. Gebrauch, einer $itte) 73, 27. 270, 26.
(jezt: einreißen.)
ynsehen tnn, sich einer Sache an-
nehmen 86, 21.
inzng, Einwendung, Widerspruch 267,
23.
irren, hindern 152, 2, 156, 28,
irrig, zu Irrthum verleitend, verirr-
lich 112, 2,
J ä n i g, jenseits icohnend 164, 6,
j Sehen (jetzt : jäuken), jagen (frequent.),
herumjagen, beunruhigen 164, 18.
jonkeren, als Junker tituliren 106, 2.
129, 5.
k a t, Koth 149, 31»
k e y b, Aas (als Schimpfwort) 179, L
kein, irgend ein 277, 28.
keren, wieder verschaffen 202, L vgl.
widerkeren.
kyh, Groll 55, 5,
kilchhöri, Kirchgemeinde 140, 3.
k 1 e i n f ü g, geringfügig 60, 16. 73, 32.
knabatzen, Schuljungen 88, 15,
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Glossar.
331
kramen 64, LL s. Nachträge.
ködern, knurren, brummen 140, IS.
kn m, kaum Kt, lj kümer, dester kiimer,
mit um so weniger Wahrscheinlichkeit
144 Sk
kom, Behälter 89, 28,
kundtman, Kundschafter 242, 1Ü.
kundtschaft, Verkündigung, Meldung
108, 8; einem kundtschaft tragen einer
Sache, etui. bezeugen 109, 24.
in kurzen jaren, vor nicht langer
Zeit 125, 2. 182, 9,
k u t z e 1 n, kitzeln 125, 24.
lag, Zulage, Zumuthung, in der Phrase:
zur lag legen, zur Last legen 169, 26.
184, 22.
landtsgewerde, durch Landessitte
eingeführte und gewährleistete Hechte
u. Gebräuche 65, 30. 83. 24.
landtswölf, Wölfe, die im Lande
herumstreifen 141, 22.
der länge nach, mit der Zeit, zuletzt
157, 1L
langligrig, seit längerer Zeit bett-
lägerig 167, 22.
lassen, zu Ader lassen 158, 12.
1 ä t z , verkehrt 48, 1,
legen, an einen seberer , bei einem
Wundarzt unterbringen 85, (i.
lecker, loser Vogel, leichtfertiger Mensch
71, 25. 177, 13,
leistung, Verbannung aus dem Stadt-
bezirk (verbunden mit der Eideslei-
stung, die Grenzmarch nicht zu über-
treten) 95, 16j leisten, in die Ver-
bannung gehen 280, 11 und ö.
lichtvertig achten, gering achten
60, 12.
lydenlich, erträglich, annehmbar 74,
24; lydenlich u. verständtlich, billig u.
verständig 31, L
liederlich, leichtfertig 163, S. 165, 3.
losen, aufmerksam zuhören, lauschen
55, 32.
lotter, leichtfertiger Schwätzer 88, 4
lugen, sehen 130, 26.
1 u g i, Lüge 177, 2.
liiterung, Erläuterung, Auslegung 123, 4
1 ü w e n, ausruhen 165, 2.
m är, werth, lieb, gern; s. als.
mer, Mähr, Gerede, Geschichte 269, 2.
merung, Abmehren, Zählen der Stim-
men im Math 93, 14.
m i n t ü r e, weniger theuer, geringer 101,
14; minsttüre, mindeste, geringste (min
mhd. — minder) 125, SL
molchen, a. die Gesammtheit der Milch-
produkte 131, S.
morn den morgen, morgen Vormit-
tags 168, L 169, 9.
mnlve, zugelaufenes Vieh 120, 20, 122,
22. 123. 12.
mutwillen (als Zeitw.), Muthwillen
treiben 70. 27. 71, 3,
nachhengen, nachsetzen (verfolgend)
253, 24
nachtmetti, Nachtlärm 163. 28.
n a r t y, Narrheit, Thorheit 180, U,
n echten, letzte Nacht 171, 6.
nehermal, neulich, kürzlich 176, 18.
n e i ß w a n, irgendwoher 119, 8,
n e m m e n, (in den rat), beiziehen, ein-
berufen 56, 12.
nichtigen g, Vernichtung 186, 26.
n i d s ic h, abwärts, ins Unterland 155, 6,
niendert, nirgends 43, 7; nienen35, 12,
von nöten, nothwendiger Weise 33, 24
123, 12,
nottürftig c. gen., bedürftig 150, 17;
ebenso : notwendig 138, 2,
nätzit, nichts hi, lä.
n ü t z u, zu nichts (zu ist hier Suffix wie
in dazu, wozu) 138, 18.
nutzung, Einkünfte, Finanzen 42, 2.
n um men, nur 68, 24 28, 9.
nummen, nicht mehr TU, 12,
n ü w f u n d i g, der neue fände macht 40,
4j s. fund.
obhan (näml. die hand) conj. obheige,
etwas schirmen, bewahren 72, 23.
offnen, offenbaren, auf decken 106, 9.
136, 12,
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Ulusaar.
3 Ä2
Ordnung, Verordnung 87. 91'). 83, 11.
oren geben, Gehör gehen 23, 30.
o r t : an keinem ort, in keinem Punkte
25, 2L
ö n g g e n, zeigen 187. 28,
Pflicht, (Adj.) verpflichtet, c. gen. 77,
11 ; pflichtig 41, Hi,
possessu, ge w erd, gewährleistete# '
liecht, zugesichertes Eigenthum 61, 111
84, ä, 137, 1&
p rattick, Um trieb, Gomplott 153, 8.
räß, sclutrf 73. 12. 162. 28.
rat hau, sich mit Andern herathen,
Rath einholen 1:13, 31 ; es wird eines
rat, er findet Hülfe 1811, 21L
raten, («. Einzelnen) seine Meinung im
Bathe eröffnen 58, 7, 16j (von der Ge- !
sammtheit) einen Beschluß fassen 56, 1
11L
r at sfründ, Mitglied des Ratlus, College
105, 22. 124, 28. i
rechnung haben einer Sache, rationem
habere, Rechnung tragen 120, L
rechtbott, rechtsbott, Rechtsaner-
bieten 73. 2L 86, L
rechtigen, procediren 31, «32,
Redensarten und Sprichwörter,
uff dem bau und furt sin, auf dem besten
Wege sein 160, 24L
mit einem guldinen netz fischen, kost-
spieligen Gewinn suchen 74, 17.
Steg und weg wider brachen , vom
Krankenlager aufstehen 85, 2U.
Gott möge in hie und dort sehenden
126, 5,
einen spieß haben, den man nit abbyßen
kan, zum Kampf einig sein 142, 23.
das convent überlebt den apt 140, 1L
sich träycn wie ein wid, sich winden
vor Ärger 118, 2U.
guten luft haben, aura populari frui
89, 24.
zu han und zu lan, zu behalten und
fahren zu lassen 40, 23»
eine warst nach einer bachen werfen
(an eine Speckseite) 141, 20.
das ist sin alte gygen, das alte Lied
185, QQ,
dem henker bychten, auf der Folter
bekennen 183, 15. .
uß einem lären hafen reden, ohne guten
Grund 125, 30.
in rosen leben, hoch zufrieden sein 1 45,
9,
in die nase stoßen, einem vor die Käse
halten, ihn nachdrücklich erinnern
122, 1L
der suw die schellen anhenken 106, 24,
si hangend aneinandren wie harz 151, 25,
den stab in die hand nemmen 26, lj
wenn der Rath sich als Gerichts-
hof constituirte, vertauschte der Vor-
sitzende Schultheiß das Scepter mit
dem Richterstab.
so die maß voll wirt, so kumpt der
Schlegel (um den Stöpsel einzu-
schlagen) 119. 24.
Gott ist nit ein Peyger (Peyer, Baier),
d. i, er läßt seiner nicht spotten 176,
20,
er versteht sich darauf, wie eine Kuh
auf Mittag 101, 26 (jetzt: wie eine
Kuh auf eine Muskatnuß).
reichen, gereichen 35, 29, 129, 2L
reisen, in’s Feld zielten 51, 26, u. ö.
richtstnl, Bingstätte in den Land-
gerichten 52, 12.
\ rych tagen, Reichthümer 67, 26.
rick, Engpaß 226, 30,
ring verständig, wer mir etwas ver-
ständig ist 136, HL
r o ß b a r e , Tragbahre mit einem Pferd
157, 18.
r o u b , Vortheil, Gewinn 40, 15,
r ö u w 1 i n g, e. rauher, unfügsamer Mensch
140, 12.
der r ü c h e nach , der Strenge nach 158,
17,
racher, mit rauheren Worten 125, 28.
ruf, öffentliche Verkündigung, Ausruf
19, 22,
r u n 8 , Richtung, Weg 119, 2,
ruschen, Geräusch machen 39, 3, 55,
33. 62, LL
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Glossar.
333
8 ä c h e r , Rechtspartei, Kläger 45, 11.
120. 12. 14.
satt, vollständig, befriedigend 130, 15.
schaffen, bewirken, veranlassen 130,
21; verschaffen 172, 33.
schandenhalb, um die Leute nicht zu
beschämen, zu verletzen 131, 8.
scheiden c. dat., einem durch Trennung
der Streitenden zu Hülfe kommen 157,
14. 184. 12,
schelken, schelten 157, TL
Schelmen, Schelm schelten 35, 14,
schenkinen, Geschenke 131, äh
schilte, Schildthaler, ecus 129, 15.
schimpf, Scherz, Spiel 185, 9,
schirmen, etwas behaupten, verthei-
digen 88, L
schlag und gang, Kaufpreis 71, 13.
schlagen (einen Rechtshandel vor ein
Gericht) ziehen 21, fi.
schlecht, schlicht 105, 29.
Schleipfen, schleppen 165, 1,
schmecken, merken 168, 2.
schmirzen, Partie, geschmurzen, schmer-
zen 129, 17.
schmutzen, beschimpfen 28, 6, 99, 16,
s c h n i tz ig, erpicht 116, 12.
s ch on b, Fackel 157, L (fiig. Strohtvisch).
schwert, meton. f. Gewalt 143, 6.
sin, dessen, davon 89, 29.
sy e n Acc. plur., sie 21, 7, 171, 33 174, 3
sinnen, denken 180, 18.
s o gibt einem folg, demonstrativum rück-
beziehende Kraft : s o uff denen = auf
welchen 40, 15j es steht auch für den
Genit, für wessen : d a s s o er u. die
sinen in besitzung wären gsin 96, 2ü
= in dessen-, sofern: so heimlich =
sofern sie heimlich seien 136, 11; da-
gegen 119, L 140, 13.
sonderbar, besonder, einzeln 99, 8,
BOrgklich syn jemanden, Besorgniß
erregend, gefährlich 143, 5. 149, 3
s p ä n i g, streitig 42, 11h 149, 2,
g p o r , der, Spur, Fährte 243, 33.
spötlich c. dat., zum Spott 147, 23;
spötlich reden 170, 34.
s p ö t i g , spöttisch, zum Spott geneigt
104, 23.
Staffel, Stufe 170, 24.
stan von etwas, von etw. abstehen,
zurücknehmen 22, 12. 128, 27.
es s t a t daruf, es ist auf dem Punkte
75, 9,
stattkelber, Leute, die nie aus der
Stadt gekommen siiul, und die an der
Stadt saugen wie an einer Milchkuh
118, 20. 119, 13. 130, 3a
still stan, anhalten, warten 37, L
178, 8,
stimmen, bestimmen (ein Gericht) 92,
2L
stoßen: zu Worten stoßen, zu Rede
stellen 19, 15. 96, ä.
Bünden, sich verfehlen, jemand verletzen
136, a,
sns, sonst 202, 25,
tädigen, tädnng, vergleichen, Ver-
mittlung 143, 17.
tagen (einen) auf einen bestimmten Tag
vor laden 96, 12,
tawen, (aus tagwen, tagwan) Taglohn,
Taggeld 180, 6.
teil, Gemeindesteuer, teilen, solc/te auf-
legen oder bezahlen 33, 15. 75, Ith
tifig, pfiffig 115, 24,
toppel, Kampf (eig, Würfelspiel) 245, 2.
t o ub ea, toben, wüthen 28, 2.
sich tragen, sich betragen, benehmen
107, 22.
trefflich, sehr 21, 2, 95, 3. 104. 23;
e. treffenliche Verachtung, e. große,
schwere 145, 22 ; e. treffenliche bot-
schaft, dringend 147, 2L
tringend oder be b end, jurist. For-
mel, von Trostungbrüchen, die nicht
mit Worten, sondern thätlich verübt
werden, wahrscheinlich , indem man auf
Andere eindringt oder die Hand zum
Schlag erhebt 296, 27.
tröschen, dreschen 474, 17.
trösten, trostung, Sicherheit ge-
währen, Sicherheit 227, 11; trostbrnch
77, 21h trostungbrnch 296, 27.
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334
(i lossnr.
t r n w e n c. g., Zutrauen 63, li.
tugenthaft, gewissenhaft, ehrt ich 178, 4.
tugenlich, tauglich, fähig 41, 33.
tun: sich in etw. oder von ctw. tun, ein-
od. ausziehen 42, 10,
übel: sich übel g’haben, klagen 130, 11.
übelmögend, schwach , gebrechlich
127, 0.
übel für gut hun, etw. verübeln lt>4,
16. 127, 32.
üben: sich üben mit einem befelch, ihn
ausüben, vollziehen 86, L
über werden, enthoben werden, sich einer
Sache entziehen 225, 24.
überfareu. an jemd., ihm Unrecht thun
182, 14. 204, 33.
überfüren mit jemd., zuviel attfladen
164, 12.
über jemd. syn, einem zu hoch, unbe-
greiflich sein 158, 22.
ü b e r g a n, sich über etw. hinwegsetzen
182, 13,
überlegen, lästig 69, 22. 71, 5. 21.
sich übernemmen, sich überheben 98,
12.
uffheben, erheben, einführen, e. Strafe
60, 11, ein Gebot 54, 14, den Bös-
pfennig 54, 21j bestrafen 77, 20; uffge-
hepter eid, ein Eid mit erhobener Hand
24, 12,
uffenthalten jemd., beherbergen 156,
28. 83, 4 ; erhalten, unterhalten 136, 24,
u f 1 ä s e n , etwas aufgreifen, nicht unbe-
merkt vorbeilassen 187, 10.
ufsatz, Anschlag, List 233, 11.
ufschlag, Fristverlängerung 24, 30.
ufschlachen, auf schieben, verspüren
180, 19; ein gericht ufschl., cinsetzen,
bestellen 273, 6,
uffwerfen, auf stellen, cinsetzen 106, 16.
u m b das, deßhalb weil 32, 2. 117, 3.
136, 25.
unargwönig, unverdächtig 64, L
unberaten, unbesonnen, unverständig
92, 31 (not.).
unbesinnt, unüberlegt, unbesonnen 42,
25, 92, 11.
undergünge, Bereinigung der Märchen
mit Anstößern 128, 16.
sich undernemen, unterstehen, unter-
fangen 77, 32, 78, 4.
underschlouf, Beherbergung ver-
dächtiger Personen 176, 23. 179, 23.
understan, unternehmen, versuchen 44,
5. 47, 20. 273, 22.
unerkannt, unverständig, ohne Kennt-
niß der Sache od. Personen 125, 1L
uuerkrenkt, ungeschwächt 286, 7,
unerturet, ohne Überlegung, leicht-
sinnig 73, 6.
ungesellig, unglückbringewl 24, 10,
ungeschickt, unpassend 65, 7,
unglimpf, Unrecht 49, 2L
unkriegt, ohne Krieg geführt zu haben
108, L
unrat, Unordnung, Verwirrung 33, 24.
unrein (aussehen), sauer dreinsehen
140, 10,
unständig, sich dem Gericht u. einer
Vorladung entziehend 21_, 18.
untreglich, unerträglich 72, ti. 74, 20.
unverlümdet, unbescholten 150, H,
156, 2,
unverscheidenlich, ohne Unterschied
183, 2L
u n w a 1 1 i c h, linkisch, ungeschickt 114, 2.7.
Unwille, Feindseligkeit, Zwist 88, 2»
204, L
uuwirse, Unwille 131, LL
unzucht, Ungezogenheit, Mangel an
Schicklichkeit 20. 3. 65. lii.
Ursachen, Gründe, Ausreden 20, 30,
ussenfür, auswärts 292, 1±
ußgießen (Worte), verbreiten 162, 15,
ußhüppen, verhöhnen 88, 26,
ußmischung, Ausscheidung 34, 5,
ußschlitzen, aus fallen, ausschlagni,
endigen 166, lü.
nßschreien, in d. Öffentlichkeit bringen
(von einer üblen Nachrede) 70, 29,
ußschwercn, sich eidlich der Strafe
der Verbannung unterziehen 291, 24.
u ß g c z i 1 e t , in bestimmte Ziele, d. L
Märchen, eingegrenzt 121, 21.
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Glossar.
335
T s. auch f.
vech, Pelzicerk 266, 17.
vereffen, verscherzen, sich entgehen
lassen 54, L,
verbönnen, mißgönnen (adj. verbünstig)
68, 14 126, j».
verdachtlich machen, verdächtigen 177,
2 L
verdank, Bedenkzeit 20, 16,
verdenken, Übles von Jemand denken,
verdächtigen 156, 36 (not). 168, 17.
verrere n, vergießen 69, 21.
vereerung, Geschenk 155, 20. 178, 2.
verfüren: gricht und recht verfüren,
handhaben 163, 15. 181, 9j die gebot
verf., besorgen, führen 296, 2; sin klag
verf., führen , vortragen 21, 13j sich
verf., sich in Irrthum u. falsche Maß-
regeln stürzen 76, U. 137, 12.
vergan, begehen (v. Todtschlägen) 110,
15.
vcrgich von verjehen, erklären 271, 12.
vergriffen, inbegriffen 101, 19.
verhalten, verschweigen 78, 5. 165, 21;
versperren 138, i.
sich verhandlen, verkehrt handeln 286,
17,
sich verhonwen, sich eine Blöße geben
109, 19; sich an iemand verhouwen,
sich in der Beurtheilung irren 126, 18.
verlangen, zu Theil werden 27, 12,
verlifern, das Nöthige liefern, verpro-
viantiren 166, 9.
verlüffen, abgelaufen, vergangen 118,
12. 179, 15.
verliimdet, übel berüchtigt 1 76, 8, 179, 1 8.
vernügen, befriedigen 36, 5; sich ver-
nügen, sich befriedigt erklären 26, Z,
vernatzt Part. v. vernetzen, (durch
Nässe) verderben 209, 32.
verpenigen, einschränken, beschränken
112, 15. 165, 10. (eig. bannigen, in
Bann thun),
verrichten, schlichten, beilegen 291, 2,
verrnffen, verruff, durch öffentl. Ruf
verbieten 19, 13. 60, Z.
verschaffen, Anstalt treffen, bewirken
172, 33. vgl. schaffen.
verschinen, vergangen 110, 33.
verschlagen, verbergen 213, 12.
verschlinden, verschlingen 258, 23.
verschmähen: es verschmacht mich, ich
empfittde es als eine Schmach 217, 4,
verschmortzen, verschmerzt 117, 18.
verschreien, in üblen Ruf bringen
139, 15.
verschwören, mit einem Schwur läugnen
110, L
Versehen, (die Thore), besetzen, be-
wachen 92, 9j für etw. sorgen 173, 1^ c.
gen , etw. zusichem, gewährleisten 54, 12.
verseit, versagt, abgeschlagen 20, 2.
13, 25.
versorgen, besorgen, bestellen 173, 3 ;
für etw. sorgen 153, 18.
versperren, die Ausübung eines Rechtes
verwehren 26, 2.
versprechen, sich, sich verantworten,
vertheidigen 57, 14, 268, 16; versprochen
recht, durch einen Spruch zugesichert
2.
verstricken, verpflichten 24, 12,
vertieften, sich, (in ein Gewerbe),
sich tief einlassen 139, 32; t» gewagte
Speculationen 129, 35.
vertigen, s. fergen, fertigen,
vertryben, in Betrieb setzen, in Han-
del bringen 112, 2.
vertrösten (zu dem rechten), Sicher-
heit geben, daß man sich vor Gericht
stellen werde 19, 12.
vertutzen, vertuschen , verschweigen
138, 5.
vcrwarlose, Fahrläßigkeit 106, 8,
verwegen: verwegene kuntscliaft, die
Kundschaft, die beizubringen sie sich
verwegen, sich bereit erklärt hatten
290, 4,
verwerben, verlieren toas man erwor-
ben hat 130, 23.
verwiirken, sich, sich in Werken ver-
gehen 286, 17.
verzeenden, den Zehnten geben 68, 2.
verzihen, verweigern, abschlagen 43, 3,
verzogen, verwahrt, geschätzt (?) 268,
LL
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336
Glossar.
vilnaeh, beinahe 136, 26. 147, 24.
vilichter, vielleicht 177, 15.
v i n 1 1 i c h, auffindbar 262, 11.
Ti si erlich, sehenswert. , possirlich 107,
12.
volg, Folge: d. volg haben, die Mehr-
heit der Stimmen haben 120, 4. 167, 2;
d. volge machen, beistimmen 21, 1;
d. volg sin 28, ü.
vor, bevor, ehe 39, 20.
vordann, voran 231, 12.
vorgan lassen (einem) , geschehen
lassen, nachsehen, einräumen 274, 2.
vorteil, Übervortheilung 123, 21.
vor tritt, Vorrecht, Privilegium 139,
26.
Wägen Part, gewägen, gewogen 179, 1»
wäger, besser 124, 12. 133, 29,
wandel tun, Genngthuung leisten 217, 35,
wandeln, wandern mit dem Handwerk
118, L 112, 12.
wann, weil, denn 209, 15.
wäre, Gewährsmann 24, 30p (an einen
wären züchen, sich auf einen Gewährs-
mann berufen, ib.; vgl. Justinger 187),
w a r ne n , ermahnen 172, 14.
w a t m a n. n , Kaufmann mit Tuchwaaren
71, 8.
w eibsgese ssen legen 22 not.
weich, feig 113, 2.
weidlich, wacker, tüchtig 41, 30,
weidlüt, Jäger 107, 18.
werben, Gewerbe treiben 118, 5,
werken, arbeiten als Handwerker 70,
1L 127, 13,
wichtig, nachdrücklich, energisch 135, 6,
w i d , Weidenruthe. 118, 21.
widerkcren, zurückgeben, erstatten 75,
25.
widerspil: umb das widerspil ligen,
widersprechen 33, 1L
widerwertig, entgegengesetzt 113, 17.
158, 23,
widrigen, sich, sich weigern 39, 10.
185, 23.
willen, Beifall, Gunst 57, 19,
willwänkig, wankelmütig 112, 30
113, ML
wirs, schlimmer 87,14; am wirsesten 98,15
witzig, klug, listig 44, 22,
wurmäßig, von Würmern angefressen,
faul, morsch 178, 23,
wüssen: in wüssen syn, bekannt sein;
jemand wüssend syn 168, 18. 183, 12; e.
wüssen tragen, Kenntniß haben 132, 11 .
wüst, in hohem Grade ; (in schlimmem
Sinne, eig.: arg) 112, 23.
wüt sehen, wischen, sich schnell wohin
begeben 141, 8,
larg, ( Umfassung ) Bezirk, Gebiet 176,
25. 184, 22.
Zeichen, Feldzeichen, Fahnen 243, KL
253, 19,
zerryßen, zerstören , (v. Burgen)
schleifen 118, 24,
zerstoßen, (v. e. Thüre) einstoßen
156, 32.
zimlich, billig, mäßig 71, 13p e. ziml.
pfennig, mäßiger Preis 95, L
znbekennen, durch e. Bekanntnuß (ge-
richtl. Urteil) einem etwas zumessen,
als Strafe auferlegen 60, 22.
züchen, ziehen 22, 4. 81, 12p <L strafen
zühen — Strafgelder einziehen 87, lj
gezogen, gebüßt 87, 2: anklagen, zeihen
181, 30.
zn fallen, einf allen (in d. Sinn) 47, 13.
zng, das Zugvieh, Pferde 23, 9; das
Ziehen, Wandern a. e. Ort 168, 25.
znlegen einem, etwas zur Last legen
98, 5.
znlosen, zithören 133, 1,
znreden, mit Worten zu nahe treten
35, 21 64, 10.
zuvor und, bevor 5^ 2L
znzüchen, Jemandes Interesse fördern
97, 24. 101, fi. 109, 4. (Gegens. abzüchen,
entziehen 109, 5}
zwyfeln daß, vermuten 91, 3. 93, 3;
ungewiß sein 157, 3.
z wyfelhaftig, im Zweifel, unentschlos-
sen 154, 18.
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Nachträge und Verbesserungen,
S. V, Z. „ Nidaus Fricker war bis 1448 Stadtschreiber und bis 1458 Schultheiß
zu Brugg, inzwischen auch Hofmeister der Frauen von Königsfelden. Anno 1458 be-
rief ihn die Regierung als Stadtschreiber nach Bern, ein Amt, das er zwei Jahre ver-
sah ; dann ein 2. Mal, nach Joh. von Küchen, im Jahr 1465, gleichzeitig mit seinem
Sohne Thüring. Hie und da heißen sie beide simultan Stadtschreiber. Von 1470
an war es Thüring allein, und er blieb es bis 1492, da er in den Rath gelangte. Er
nannte sich Anfangs Meister der 1 freien Künsten, später mit Vorliebe Hoctor der
Rechte v. Stürler.
S. VI, Anm. ,L „ Die Mutter des Venners Nidaus Manuel war die unehliche
Tochter des Thüring Fricker, nicht dessen Stieftochter. Sie heirathete den Weibel
Hans Vogt und starb erst 1647, 80 Jahre alt. — An das Mirakel der Selbstzeugung
von 2 Kindern durch den fast neunzig Jahre alten Thüring Fricker mögen Naivere
glauben als ich. Immerhin schrieb er sich dieselben ganz gläubig zu, wie aus seinem
Testamente zu ersehen ist t>. Stürler.
Seite 21 , Zeile 15. I. treffenlichen.
„ 22, „ 2. Hie Umschreibung des Wortes gelimetirte in gelümete rüty
scheint ein unzeitiger Scherz des Schreibers, soioie er Seite 102 , 18 den „allerheiligsten
vater“ in den „allerhellischten“ verdreht.
Seite 23, Zeile 2L St. ihne by sinen.
n 23, „ 28, G. ihne zn handhaben nnd zu schirmen.
„ 24, „ 2, St. G. gemacht hattend.
„ 24, „ TH St. hottend abgeraten.
„ 24, „ SH O. daß er ihne hette.
„ 25, D 5 l± uff das.
„ 26, „ 2L St. nnd als der freyweibel ist angelanget, ist ab ihm klagt
worden ( letztere Worte über der Linie ergänzt )%
Seite 28, Zeile 33. L die Handschrift H. 1,67,
„ 30, , 2, Hie Handschrift liest: ballinaten, wohl durch einen Schreib-
fehler.
Seite 32, Zeile 35. I beschuhen sye.
Quellen zur Schweizer Qeschichte. i. 2a
r'
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338
Nachträge und Verbesserungen.
Seite 33, Zeile 34. Zu 8. 41, 21 füge noch S. 113, 6,
„ 34, „ 33. St welche reden.
. 37. . 35. 1/. mit der Meinung, daß «olche Worte darin gesagt, die
der Stadt möchten Schaden bringen, o. Rodt paraphrasirt : .in jenem Angenblick
vielleicht nicht bedenkend, daß ans diesen Worten hernach der Stadt Schaden er-
wachsen könne.“ Beide Umschreibungen geben einen passenden Gedanken , werden
aber dem Wortlaute des Textes nicht gerecht. Vielleicht liegt in dem .noch anderst“
ein stillschweigender Gegensatz tu „ weder in dem vorliegenden Falle “ und der Sinn
ist dann: indem ich weder in dem vorliegenden Falle, noch sonst ( i i, überhaupt)
überlegte, daß —
Seite 39, Zeile 10, St. den Kistler.
„ 40, . 17. sindt sy geswungen. Vgl. datu Justinger S. 115.
. 40, „ 25, .vermeinet“ ist vielleicht ein Part. Perf. „opinati“ = gedacht,
S. 54, 1, wie Z. 9 vereinbart = pacti und S. 33, lß hinyngetan - inducti, collecti
in urbem (das Komma ist tu streichen) : 80 S. 37, IQ. nit besinnt = non recordatus.
Seite 41, tu Zeile UL : Vielleicht stand aber ursprünglich nach »hilf“ ein Wort,
wie .geleistet*.
Seite 41, Zeile 35. St G. vielmehr.
» 42, „ 3. St. noch mehr.
» 43, , 35. Interpungirt man: .so vil, vast all, der statt bewilliget“,
so ist keine Textänderung nöthig; der Sim ist: der Böspfennig, den viele, ja fast
alle der Stadt bewilligt haben. Vfrl Z. 16i vil, ja vast alles.
Seite 47, Zeile 23, Da die in der Anmerkung für die Partikelverbindung
»on so" vorausgesetzte Bedeutung „ ungeachtet daß, obgleich “ stcA sprachlich kaum
rechtfertigen läßt, so wird man besser mit G. »on“ als Schreibfehler ganz weglassen.
Seite 49, Zeile 19 l, vil mer.
„60, „ 2. St. gegeben, G. gaben.
» 50, » 28. „Mer ist wol nicht als „Meer“ zu nehmen, da das Wort in
diesem bildlichen Sinn ganz modern ist, sondern im Sinn von plus, Überfluß, Über-
maß.“ Tobler. — Das „Mehr“ wird aber, meines Wissens, nur von einer Mehrheit
von Stimmen beim Votiren gebraucht.
Seite 51, Zeile 36. Allein Subjekt kann „geschäft“ nicht sein, weil sonst im
folg. Bedingungssatz „ab inen“ statt auf die Freüoeibel, auf die Geschäfte bezogen
werden müßte.
Seite 53, zu Zeile Kl: „sehen“ steht allerdings für „gesehen“, wie oben S. 50, 2
„geben“ für „gegeben“.
Seite 53, zu Zeile TL : ufgenommen, so hend.
Seite 57, Zeile 1. „als wahrscheinlich ßr „alles“, adverbial. Acc. im Sinn von
immer stets“. Tobler.
Seite 64, Zeile LL „Zu schreiben kramen, krammen, packen, kratzen, bildlich
ßr tadeln, schelten“. Tobler.
Seite 68, Zeile 23, „früling ist vielleicht doch nicht, wie in der Anmerkung
zu dieser Stelle angenommen wird, bloße Entstellung von nrling, weil Kriege meistens
mit der guten Jahreszeit begonnen werden. Auch Mars war ja zugleich und ur-
sprünglich Gott des Frühlings.“ Tobler.
Seite 69, Zeile 24, „vererret wird wol richtiger verreret geschrieben, da das
Wort nicht verehren = schenken sein kann, sondern mit dem alten reren = fallen
lassen, zusammengesetzt ist und „ vergießen “ bedeutet.“ Tobler,
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Nachträge und Verbesserungen.
339
Seite 71, Zeile 2 Q± „ Wahrscheinlich in die harre, auf die Länge , zuletzt, was
ja auch an andern Stellen vorkommt (S. 28, HL 11 9, 14); in die hand werden = kom-
men ist unerhört, dagegen werden allein = zu Theil werden sehr häufig .“ Tobler.
Seite 73, Zeile 19 L red.
„ 73, „ g. Über die hier und weiter unten noch wiederholt berührten
Oberländer Unruhen sind folgende Aktenstücke zu vergleichen: 1) Stettier, Begesten
des Männerklosters zu Interlachen, die Nummern 642 und 543 (in Mohrs Begesten
S. 92, ff.). % Eidgenössische Abschiede, Band II, Nr. 305 und 379. 3) Schweizerischer
Geschichtsforscher, Band VI, 447 und VIII, 148.
Seite 77, Zeile 34. Wenn sich Frickart nicht eines kaum denkbaren Lapsus
memoriae schuldig gemacht haben soll, so muß allerdings „sines vetteren Conrads“
verbessert werden, was um so weniger Schwierigkeit hat, als man annehmen darf,
in der Originalhandschrift sei der Vornamen blos durch ein C. angezeigt gewesen
was der Abschreiber fälsMich „ Caspar “ gedeutet hat; von diesem ist aber erst nach-
her als Herr von Brandts die Bede (S. 78, 6h
Seite 88, Zeile 31 LI statt 0,
„ 89, Anm. zu Zeile 28: „kum nicht für lcumpf, Gefäß , sondern nach
Stalder 2, 143: Verschlag, Stall, natürlich in bildlichem Sinn.“ Tobler.
Seite 94, Zeile 37. Wenn die Lesart (oder Vermuthung) in II. richtig ist, so
ist wohl „ Cato der mindere “ (Cato minor), der Feind des Jul. Cäsar, mit welch
letzterem Fricker S. Gü Kistlern zusammenstellt, zu emendiren. Cossar ist vermuthlich
aus Caesar entstanden und dieses wiederum aus einem misverstandenen C., wie der
Name Cato im Original abgekürzt geschrieben war, hervorgegangen.
Seite 97, Zeile 27 L werendt gsin — zu behalten.
„ 107, „ 14 L zustünde.
„ 110, „ fi. „denen“ ist hier nicht Relativ, sondern Demonstrativ, da
sonst der Nachsatz fehlen würde.
Seite 110, Zeile 34 L G. sambt dem mehrentheil. Bl. läßt die Worte aus.
i) 114, „ 35, Die Lesart von G. wird durch den Sinn erfordert; nur
möchte ich mit Rücksicht auf S. 116, 14 „als fromm und ger.“ schreiben.
Seite 118, Zeile 2Q „ist wohl ein sich zu streichen .“ Tobler.
„ 119, „ 16. Durch Aufnahme der von G. gebotenen Lesart kommt erst
Sinn und Folge in den im Original sinnlosen Satz; nur muß man zugleich mit G.
nach „nüt hend“ interpungiren : „nüt denn (solche) die so nüt hend, gern überkä-
mend, die all ir gmüt dahin setzend, wo si nit genug durch miet und gaben oder
finanzen von andern mögind erlangen, das es inen uff der statt werde.“
Seite 119, Zeile M, „so aber, während hingegen; so im altern Deutsch nicht
selten = während, obgleich .“ Tobler. (Die Satzverbindung wird aber dadurch nicht
verständlicher).
Seite 122, Zeile 14 L halten, möcht d. n,
„ 137, „ 34 L 12 sta« 1L
„ 130, „ 8, 9. Auch hier scheint die Lesart G. vorzüglicher , da die
Worte „min hüüli — heimbracht“ das Objekt sind zu „den schulden het müssen
geben“, und diese Verbindung durch das eingeschobene „angryffen“ unterbrochen
wird.
Seite 138, Zeile 34 L zu nirgend etwas, zu nichts.
„ 140, „ 13 „ist das Komma nach „morn“ zu streichen und so in der
Bedeutung „ dagegen “ zu nehmen.“ Hobler.
S
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340
Nachträge und Verbesserungen.
Seite 142, Zeile 31 L suchtend; dem sy zu witzig sind.
n 144, „ fi. „Statt die vielleicht zu schreiben sie [sy ?] oder die »»» Sinn
von dise.“ Tobler.
Seite 144, Zeile a. „Wahrscheinlich zu schreiben fromklicher, forderlicher :
frumeklich von frommen, helfen, nützen Tobler.
Seite 145, Zeile 1L St. mußtend.
„ 145, „ 24 L 22 statt 3Ü
„ 148, „ 2Ö, Daß die in der Note versuchte Erklärung des dunkeln „zu
gönnen“ durch „zu Gunsten “ (sc. jener Ansicht) sprachlich kaum haltbar sei, muß
ich Hm. Tobler bereitwilligst einräumen und werde, wenn jemand eine zutreffendere
Deutung finden kann, dieselbe mit Dank annehmen.
Seite 168, Zeile SA Li. statt 5,
„ 47/, „ SL Die Worte Fränklis S. 187, 13_l „da sin vatter kein
hoffnung mer von im hat“ scheinen ein Zertoürfniß Kistlers mit seinem Vater an-
zudeuten. Sollte es am Ende sein eigener Vater gewesen sein, 'der seinen Sohn
den „Tyrann von Bern“ genannt hätte ? Auch dies wäre eine Autorität gewesen, die
Kistler nicht mehr „mit recht hätte fürnemmen“ dürfen, noch können, wenn derselbe,
wie zu vermuthen, damals bereits vom Leben geschieilen war.
Seite 183, Zeile 3A L (d. L mit Ausnahme des Hauses (der Bewohner desjen.
Hauses), in dem er sich aufhielt).
Seite 184, Zeile 16 L und die sönd ouch.
' „ 185, „ 4 l. nit.
„ 187, „ 13 nach wenn zu ergänzen er.
„ 1877, „ H, „mengi bringt schwerlich verschrieben aus mängel bügent,
sondern mengi kann als fern. sing. = Mangel stehen, da statt mangeln früher auch
blos mangen vorkommt.'1 Tobler.
Seite 192, Arm. 1) füge bei S. 23,
„ 194, Zeile Z, Merkwürdiger Weise ist aber die Darstellung dieses Streites,
sofern er das Kleidermandat betrifft, ganz im Sinn und Geist der Kistlerschen Par-
tei geheilten, als ob die Hand des energischen Schultheißen hier auf den sonst conser-
vatio gesinnten Venner eingewirkt hätte.
Seite 195, Zeile 16, Es ist indessen zu bemerken, daß das Original nicht
selten offenbare Schreibfehler enthalt, die ich gegen die bessere Lesart der Ab-
schriften nicht in den Text auf genommen habe. Solche sind z. B.
Seite 199, Zeile 22 umb einem herrn von Savoi st. von einem herrn.
„ 203, „ 28. und der frouwen an der Steinen statt den f. an den.
„ 220, „ 22 fehlt von vor im.
„ 225, „ 21 unser eidgnossen statt unsern eidgnossen.
„ 229, „ 19 diser statt dise.
„ 229, „ 21 wie wenig was fehlt iren.
Seite 196, Zeile 3L Dieser angebliche Verstoß des Setzers kommt vielmehr,
wie ich mich nachträglich uberzeugt habe, auf Rechnung desjenigen, der den dritten
Band der illustrirten Prachthandschrift so geschickt gebunden hat, daß er die fünf
ersten Blätter des Textes hinter die acht folgenden heftete, eine Nachläßigkeit, die
dann in der gedruckten Ausgabe von 1743 getreulich wiederholt wurde.
Seite 205, Zeile 32 L rittend.
„ 211 , „ 32 L also.
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Nachträge und Verbesserungen.
341
Seife 2S1, Zeile 28. slafen: Die Abschrift Schillings schreibt wohl richtiger
slafend.
Seite 263, Zeile 22 I. züg.
„ 261, „ 4. Die Berner Abschrift liest uf dem rein, „Die Frouwen
csppel uf dem pein“ ( Bein, Gebein) hieß sie wohl, weil sie über dem Beinhaus erbaut
war. S. Schilling. So vergäbet die Frau Anna Mutter im Jahr 1515 den 29. Sep-
tember 820 Gulden tu einer täglichen Messe in der Capelle unser lieben frouwen
uf dem gebein (Testm. B. auf dem Bemischen Staatsarchiv).
Seite 262, Zeile L Berner Abschrift: von den spitzen. — Die Überschrift
ist wohl mit den Anfangsworten „in dem jar — in der lütkilchen“ tu Einem Satt
tu verbinden.
Seite 262, Zeile 6. Die Berner Abschrift läßt das erste „zu Bern“ aus.
„ 269, „ 9 liest die Originalhandschrift: in deheine weg.
„ 270, „ 13. Statt war muß es wohl war (wer) heißen.
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I { ,
»
a.‘ ' hfiOH'ügüfttifii
Anhang.
Programm für die Herausgabe der Quellen zur
Schweizer Geschichte.1)
L
1. Die „Quellen zur Schweizer Geschichte“ enthalten
sowohl erzählendes und beschreibendes als auch urkundliches
Material : Chroniken, Denkwürdigkeiten, Briefe, Urkunden,
Regesten. -
2. Bei der Zusammenstellung der Bände ist darauf zu
achten, daß in einem und demselben Bande möglichst Gleich-
artiges vereinigt wird, es ist also (abgesehn von dem In-
halte etwaniger Beilagen, vgl. §. 9) ein Band ausschließlich
für Chroniken zu bestimmen, ein anderer für Urkunden, ein
dritter für Denkwürdigkeiten oder Briefe u. s. w., und falls
der jeweilen herauszugebende Band nicht durch eine einzige
Chronik, eine einzige Urkundensammlung u. s. w. gefüllt
wird, sind solche Stücke zu vereinigen, die entweder ganz
oder wenigstens annähernd derselben Zeit angehören oder
sich auf denselben Gegenstand oder auf verwandte Gegen-
stände beziehn.
l) Siehe oben Seite V, Anm. 1. — Bei der Aufstellung dieses Programmes
ist absichtlich vermieden worden, allzusehr ins Einzelne einzugehn, weil
es bei einem Sammelwerke, an dem Viele zu arbeiten berufen sind, und
das auch sehr verschiedenartiges Material umfassen wird, nicht möglich
schien, von vornherein für alle Einzelheiten bindende Vorschriften aufzu-
stellen.
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344
n.
3. Pttr Anordnung und Einrichtung der einzelnen Bände,
sowie für die beim Abdrucke des Textes zu befolgenden
Grundsätze soll im Wesentlichen das Verfahren, welches bei
der Herausgabe der Basler Chroniken (veranstaltet durch die
historische Gesellschaft zu Basel) eingeschlagen worden ist,
maaßgebend sein.
A.
4. Jede Chronik oder Materialiensammlung der vor-
her bezeichneten Art ist mit einer Einleitung zu versehn,
welche über Ursprung und Bedeutung derselben, über die
benutzten Originalien oder Abschriften und deren Behand-
lung bei der Feststellung des Textes die nöthigen Erläute-
rungen giebt.
5. Der Text ist mit zweierlei, durch den Druck getrennt
zu haltenden, Anmerkungen zu begleiten, solchen, die sich
auf die Gestalt des Textes beziehn, und solchen, die sach-
liche oder sprachliche Erklärungen enthalten.
6. Jede Seite ist mit einer Aufschrift zu versehn, die
in geeigneter Weise über deren Inhalt orientiert.
7. Die vorkommenden Daten sind am äußern Rande
neben der Zeile, in welcher sie erscheinen, anzugeben, und
zwar in der Ausdrucksweise des heutigen Kalenders.
& Durch Ziffern am innem Rande sind je die fünfte,
zehnte, fünfzehnte Zeile u. s. w. des Textes zu bezeichnen.
9. Wenn der Herausgeber es zweckmäßig findet, das
Verständniß der herauszugebenden Stücke in umfassenderer
Weise zu fördern, als es durch die begleitenden Anmerkungen
geschieht, sei es durch eigene kleine Abhandlungen (Excurse),
sei es durch Mittheilung weiteren Quellenmaterials von ge-
ringerem Umfange, so kann er dies in der Form von Bei-
lagen thun.
10. Am Schlüsse eines jeden Bandes ist ein Register
anzubringen, welches über das Vorkommen der Orts- und der
Personennamen Rechenschaft giebt.
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Anhang.
345
11. Sind in einem RandeSttlcke enthalten, die in mund-
artlichem oder veraltetem Deutsch, Französisch oder Italiänisch
oder in romanischer Sprache geschrieben sind, so ist außer-
dem noch ein Glossar beizufilgen. lieber Art und Weise der
Anlage desselben hat sich der jedesmalige Herausgeber mit
dem Vorsteher des vom Gesellschaftsrathe zur Leitung der
Quellensammlung niedergesetzten Ausschusses zu verstän-
digen.
B.
12. Bei dem Abdruck der Texte wird auf die Inter-
punktion der Vorlage keine Rücksicht genommen, sondern
nach heutigem Gebrauche und den Bedürfnissen der heutigen
Leser gemäß verfahren.
13. Ebensowenig ist das in der Vorlage beobachtete
Verfahren in Anwendung der Majuskel und der Minuskel
»maßgebend. Die Majuskel wird ausschließlich fürPersonen-
und Ortsnamen und zwar (im Anschluß an das bei den Aus-
gaben der alten Classiker allgemein gebräuchliche Verfahren)
sowohl für substantivische als für adjectivische augewendet.
— Die Namen der Monate, der Sonn- und Festtage, wie re-
miniscere, pascha u. s. w., werden nicht als Eigennamen be-
handelt und deshalb mit Minuskel geschrieben.
14. Die lateinischen Zahlzeichen, die sich in der Vor-
lage linden, werden durch die entsprechenden arabischen
ersetzt.
15. Die Buchstaben u und i werden nur zur Bezeich-
nung des betreffenden Vocals, v und j nur zur Bezeichnung
des Consonanten gebraucht. Bei deutschen Stücken ist hiebei
zu beachten, daß in dem Worte ie und dessen Zusammen-
setzungen das i bis ins 17. Jahrhundert hinein durchweg als
Vocal gesprochen worden ist.
16. Der Umlaut des deutschen a und o wird gleichmäßig
durch ä. und 6 (oder durch ä und ö) bezeichnet, gleichviel ob
er Umlaut des langen oder des kurzen Vocals ist.
17. In Betreß der Zeichen über dem u lassen sich keine
für die Schriftstücke der ältern wie der neuern Zeiten in
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Anhang.
346
gleicher Weise gültige Grundsätze feststellen. Es wird Sache
des Herausgebers eines jeden Stückes sein, für den Abdruck
desselben das richtige Verfahren zu finden und darüber in
der Einleitung Rechenschaft zu geben. Anhaltspunkte wer-
den ihm die Ausführungen von Weizsäcker im Vorworte zum
ersten Bande der Reichstagsacten S. LXXVII ff. und das im
ersten Rande der Basler Chroniken S. XII ff. und S. 436 ff.
Bemerkte bieten. Wenn cs an letzterer Stelle S. 437 heißt,
es sei im Drucke u mit den zwei schräg von links unten
nach rechts oben übereinandergestellten Punkten bald durch
ii, bald durch ü wiedergegeben worden, je nachdem cs den
Umlaut von u oder den von uo bedeute, so möchte dem
gegenüber eher nach dem Vorgänge Weizsäckers in beiden
Fällen ü (oder ü) zu drucken sein, damit kein Unterschied
hineingetrageu wird, den die Schreiber nicht beabsichtigt
hatten.
18. Auch in Betreff des Verfahrens gegenüber der
Häufung der Consonanten, wie sie in deutschen Schrift-
stücken vom Ende des Mittelalters an begegnet, läßt sich
nichts für alle Fälle bindendes aufstellen. Wo diese Häufung
nicht in hohem Grade vorkommt, ist es besser, nichts zu
ändern, wo es aber der Fall ist, wie namentlich bei den
spätem Urkunden, da empfiehlt sich eine Vereinfachung nach
den Grundsätzen, die Weizsäcker a. a. O. LXXHI darlegt
(vgl. auch . Basler Chroniken XII). Der Herausgeber, der
solche Vereinfachungen für geboten erachtet, hat sich darüber
in seinem Vorworte auszusprechen und etwanige Abweichun-
gen von den Grundsätzen Weizsäckers anzuführeu und zu
rechtfertigen.
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